treiben,
V., unr. abl.;
als Part. Prät. häufig:
trieben
;
im Halem. vereinzelt auch
getreibt
(vgl. Schweiz. Id.
14, 63
; dies zu mhd.
(-)treiben
, Kausativbildung zu
mhd.
trîben
).
– Schwer gliederbares Bedeutungsspektrum, das durch Verschiebungen des Subjekts (damit der Wertigkeiten), Übertragungen und Spezialisierungen gekennzeichnet ist; als part. Adj. häufig ansatzweise phrasematisiert; 1-6 ›Menschen, Tiere oder Sachen in Bewegung setzen‹ mit ausgeprägter Tendenz zum Partikelverb (z. B.
antreiben, auftreiben, austreiben, hertreiben, herantreiben, heraustreiben, herbeitreiben, hereintreiben, hintreiben, hinauftreiben, hinwegtreiben, umhertreiben
u. ä.); 7 ›etw. betreiben, machen‹ (hohe Belegdichte); 8-12 Spezialisierungen und motivationelle Isolierung. Je nach Diphthongierungsstand lässt sich in der Wortbildung nicht immer eindeutig zwischen
-ei-
und
-ie-
differenzieren.
1.
›(Vieh, auch Menschen wie Vieh) mit sich an einen Ort führen, treiben, an einem Ort hüten‹; speziell auch: ›ein Weiderecht ausüben‹; ›(Pferde, Gespanne; Zugtiere) antreiben‹; vereinzelt subst.; auch bildlich verwendet.
Überwiegend Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme
(bzw. formelhaft):
treiben und tratten
›das Weide- und Tratrecht ausüben‹ (vgl. );
etw. treiben oder tragen
›bewegliches Gut transportieren‹;
den bären treiben
›Kuppelei betreiben‹;
eine gans über den weg treiben
›den geringsten Dienst verrichten‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  15, ,  26,  3,  3,  13,  4,  1, ,
1
 1,  1, , , ; vgl.  7.
Syntagmen:
j
. [wo]
t
. (absolut);
j
. (z. B.
das mädlein, die bergleute
)
etw. t., j. etw
. (z. B.
eine gans, vieh, das joch, ein freies eigen, rosse / schafe / schweine
)
t
.,
j. jm. etw. t
.; mit Ortsangaben:
j. etw
. [wo / wohin] (z. B.
auf js. acker / almende, auf die sat, auf die weide, auf js. gras / korn, aus dem ase, durch js. getreide, in einen ban / weg, in eine wiese, über den weg
)
t
.; mit Zeitangaben:
j. etw
. [wann] (z. B.
nachts, im früling / herbst
)
(nicht) t
.; mit Angaben der Art und Weise:
j. etw
. [wie] (z. B.
mit sich, mit vieh, mit dem gebis / stab / zaum, mit triebener rute, zu schaden
)
t., j. jn. gleich wie das vieh t
.
Wortbildungen
treibend
1a (part. Adj.): ›transportierbar, beweglich (durch Treiben)‹ (in den Fügungen
treibendes pfand / vieh
›bewegliches Gut [als Pfand, Sicherheit, Bürgschaft]‹); 1b: wie
trieben
1 (part. Adj.; auch
getrieben
; phras. in ˹
treibende
, a. 1387;
/ triebene
, auch
getriebene
rute
˺) ›ein Stock zum Treiben‹,
treiber
1,
treiberin
,
treibgasse
, ˹
treibknabe
(a. 1579),
triebknabe
(a. 1425)˺ ›Jungknecht, der Pflug und Pferd antreibt‹,
treibschnur
›dünne Schnur mit Knoten am Peitschenende‹ (a. 1513/1554),
treibweg
(a. 1532),
triebweg
,
triebgasse
.

Belegblock:

Luther, WA
51, 658, 383
(
um 1535
):
Triebe nicht eine gans vber den weg.
Mon. Boica, NF.
1, 702, 16
(
nobd.
,
um 1434
):
das die von Wasserzel auff iren wassen [...] auff dem enspan treyben und darzu drencken.
Gille u. a., M. Beheim
111, 338
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
und [Joseph] traib mit im ain rint, auff dem | wolt er zerung zu Bethlehem | alda lössen mit kauffe.
Köbler, Ref. Nürnberg
185, 15
(
Nürnb.
1484
):
so der pawr [...] bewegliche pfand oder var nuͤss hat. die man treiben vnnd tragen mag.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
270, 21
(
Nürnb.
1548
):
da darff es nit mer / den̄ eins zaums vn̄ gebiß / mit dem mans [solche leut / gleich wie vnuernu̇nfftige thier] nicht allein lencken sonder auch wol zwingen vnd treibē kan.
Vetter, Pred. Taulers
68, 13
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
so tribe
[dies zu 6]
din gemuͦte uf in die hoͤhe und in die inre wuͤstenunge, dar trip alle dine vihe mit hern Moyses.
Geier, Stadtr. Überl.
154, 28
(
nalem.
,
1481
):
es sol ŏch hinfúro niemant mer nachts von der sunnen nidergang biß zuͦ der sunnen ufgang triben in dhain wiß.
Ebd.
381, 25
(
1532
):
wölcher oder welliche dem andern sein roß, vih, ald schwein uf desselben äcker [...] treibt.
Merz, Urk. Lenzb.
92, 29
(
halem.
,
1553
):
wer aber mit tribner ruͦten oder sonst vff den andren tryben, jagen oder wysen wurde, soll gestraft werden.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
533
(
Genf
1636
):
treiber [...]. Agitator. treiberin [...]. Agitatrix.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 806, 28
(
schwäb.
,
1610
):
So vill aber die blinde roß und zugstüer anbelanget, als welche der herd nit volgen, auch in engen tribgassen schädlich seyn könten.
Bauer, Geiler. Pred.
316, 11
(
Augsb.
1508
):
Disen esel reit der boͤß gaist [...] er schloͤcht in mit benglen und treibt in von aim zum anderen
(auch zu 6 stellbar).
Moscouia
C 3r, 34
(
Wien
1557
):
das sy die [Litten] all wie das Viech in die Mosqua tryben [...] wolten.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
157, 24
 f. (
smoobd.
,
1585
):
Man soll auch niemand [...] neue und ungewönliche trib- und fartweeg machen.
Große, Schwabensp.
184a, 9
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
298, 12
;
Küther, UB Frauensee
392, 33
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
716, 4
;
Opitz. Poeterey
10, 29
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
117, 2
;
Welti, Stadtr. Bern
353, 3
;
Merz, a. a. O.
74, 38
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
145, 7
;
Gehring, a. a. O.
3, 6, 26
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
42b, 7
; 9;
ders., Igl. Bergr.
28b, 5
;
Pfälz. Wb.
2, 504
;
Schweiz. Id.
14, 68
 ff.;
96
 f.;
160
;
Schwäb. Wb.
2, 354
 ff.;
Ágel, Valenzlexikon.
1988, 256
.
Vgl. ferner s. v.  3,  10,  1,
1
 1, , ,
2
 5,
1
 2, (
der
1,  1.
2.
›an einen Ort laufen, (wie getrieben) eilen‹; trans.: ›jn. / etw. jagen, hetzen, verfolgen, umhertreiben‹; ütr.: ›jm. zusetzen, jn. qälen‹; auch: ›jn. necken, nicht in Ruhe lassen‹; bildlich: ›sich mit jm. (einem Verfolger) herumschlagen, abmühen‹; offen zu 6.
Phraseme:
jn. in ein bokshorn treiben
›jn. einschüchtern, in Furcht versetzen‹;
jn. zu tode treiben
.
Bedeutungsverwandte:
 10,  12,  3,  134, , ,  1, , , , (V.) 18, , ; vgl.  5,  8,  13.
Gegensätze:
2
 4; vgl. .
Syntagmen:
j. / das gesez t
. (absolut);
j. jn. / etw
. (z. B.
den hirsch, die barben / frösche
)
t., jn. / etw
. [wohin] (z. B.
um, hin und her, hin auf das land, von gasse zu gasse
), [wie] (z. B.
tüchtig, mit ketten / schellen / steinen
)
t
., [wann] (z. B.
alle zeit, weder bei tag noch bei nacht
)
t
.
Wortbildungen:
treibhund
(a. 1275),
treibig
›läufig (bezogen auf eine Hündin)‹ (a. 1571),
trieb
2 (im Beleg:
treib
) ›Spur‹.

Belegblock:

Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
767
(
Köln
1476
):
Sus dryff dye eyn parthye
[›Kriegspartei‹]
dayr | Sweerlych dye ander offenbayr | Myt anxt ind noyt zo quellen.
v. Keller, Amadis
421, 23
(
Frankf.
1571
):
Derwegen Darison jn auch hinwider sehr ängstiget vnd triebe.
Goedeke u. a., Liederb.
374, 8, 8
(o. O.
16. Jh.
):
Was ich euch sing ist nur ein schimpf, | [...] | man tut einander treiben.
Anderson u. a., Flugschrr.
8, 7, 18
([
Nürnb.
]
1524
):
dann das gesetz [...] leßt kaine rwe / treybt ym͂er für vnd für.
Ebd.
17, 11, 25
([
Wittenb.
]
1523
):
gleych wie yderman tzu lauffen vnd treyben soll / wens brennet.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 221, 2
(
Hagenau
1534
):
Wer zu hofe tuglich ist / den treibet man zu tode.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
431, 26
(
halem.
,
1637
):
ob nit etwa noch mehr treib und wortzeichen vorhanden syen, dardurch sie erkennen möchten, das er [...] were geschlagen worden.
Klein, Oswald
18, 19
(
oobd.
,
1416
):
Gen Preussen, Littwan, Tartarei, Türkei uber mer, | [...] | traib mich die minn auf meines aigen geldes wer.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
652, 4569
;
Weber, Füetrer. Poyt.
302, 1
;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 242
 f.;
Schweiz. Id.
14, 67
;
Schwäb. Wb.
2, 356
 f.;
378
.
Vgl. ferner s. v.  10, , ,  3,  1.
3.
›verschwinden; sich entfernen‹; hier tropisch anschließbar: ›austreiben, ausschlagen‹ (bezogen auf Pflanzen, Bäume); trans.: ›jn. / etw. (z. B. ein Gespenst) von einem Ort wegschicken, wegtreiben, fernhalten; jn. / etw. von jm. / etw. fortjagen‹; seltener: ›jn. hinwegführen‹; in verschiedenen Richtungen tropisch gebraucht, im Einzelnen: ›jn. (z. B. aus der Kirche) verbannen‹; ›jn. / etw. aus etw. (aus einem Land) vertreiben‹ (bezogen auf Feinde); ›etw. aus jm. / etw. heraustreiben, von jm. / etw. vertreiben‹ (bezogen auf Geister u. Ä.); ›(die Nachgeburt) lösen, (ein Kind) abtreiben‹; ˹›(etw. im Verdauungsprozess) abführen‹; ›(ein Krankheitssymptom) beseitigen‹˺ jeweils bezogen auf Arzneien.
Gegensätze:
(V.) 1, .
Syntagmen
(in Auswahl): ˹
j. / etw
. (Subj.)
(sich) t
. ›verschwinden; das Weite suchen‹,
der weinstok t
. ›ausschlagen‹,
die pillen
(Subj.)
t
. ›abführen‹˺ (jeweils absolut);
jn
. (z. B.
das weib, jungfrauen
)
aus etw., von jm. t., etw
. (z. B.
den geist / schmerz, die traurigkeit, das gespenst / grimmen, ein kind
 )
aus jm. / etw., von jm. / etw. t
.; mit Ortsangaben:
jn. aus etw
. (z. B.
aus dem tempel, der kirche, dem bad / haus / paradies
)
t., jn. / etw. aus etw
. (z. B.
aus dem mute, dem herzen, den sinnen
)
t., etw. aus / von jm
. (z. B.
aus der mutter, von einem weibsbild
 )
t., etw. hinter sich t
. ›zurückdrängen, zurücktreiben‹,
jn. von etw
. (z. B.
von dem wort gottes, den landen
)
t., etw. von etw
. (z. B.
von den dingen
)
t., jn
. [wohin] (z. B.
dannen, in die wüste
)
t., j. sich
[wohin] (z. B.
davon, über die heide
)
t
.; mit Angaben der Art und Weise:
jn
. [wie] (z. B.
mit gewalt, mit der kunst, mit schlägen
)
aus / von jm. / etw. t
.
Wortbildungen:
treibend
2 (part. Adj.) ›abführend‹ (von Arzneien),
treibkorn
a) ›Platterbse (Lathyrus)‹; b) ›Harmel (Matricaria chamomilla)‹,
treibwurz
laut Hrsg. wohl ›Springwolfsmilch (Euphorbia lathyris; vgl. Keil, Peter v. Ulm
474
)‹ oder ›Wolfsmilch (Esula euphorbia palustris)‹ (2. H. 16. Jh.; Weitz, Albich v. Prag,
250
).

Belegblock:

Schöpper
66a
(
Dortm.
1550
):
EXCOMMVNICARE. Verbannen jn band thun von der communion außschliessen auß der kirchen treiben.
Alberus, Barf.
53, 16
(
Wittenb.
,
1542
):
Laxativ weichende / oder gelind treibende Artzney.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
211, 5139
(
Magdeb.
1608
):
Hohl die wurtzel / sie ist sehr gutt / | Treibt das gespenst von allen dingen.
Froning, Alsf. Passionssp.
543
(
ohess.
,
1501 ff.
):
das snode wyb das tribe von der!
Ebd.
2975
:
aus dem paradyß worden sie getribben.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
22, 25
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Treib aus dem herzen, aus den sinnen, aus dem mute liebes gedechtnüß.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
112, 28
(
nobd.
,
15. Jh.
):
alle, die under der herschaft sitzen, mag man treiben, wie weydt man wil.
Gille u. a., M. Beheim
81, 180
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
der poss geist, der von im vor | mit der reu ist getriben.
Keil, Peter v. Ulm
122
(
nobd.
,
1453
/
4
):
gib im ein quinte zu trincken [...], so verstet
[›stockt‹]
das plut in jm, vnd treibt das grimmen von jm.
Ebd.
207
:
Pillules die treiben
(Überschrift).
Ebd.
211
:
Wölich weib nit geharn müg, Die nem treib-wurtz [...] oder nem lauendulam.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
158, 11
(
Bamb.
1507
):
So aber ein kindt, das noch nit lebendig were, von einem weibssbilde getriben wurde, [...].
Dietrich. Summaria
22r, 26
(
Nürnb.
1578
):
Christus die kauffer vnd verkauffer auß dem Tempel mit gewalt treibet.
Sudhoff, Paracelsus
4, 118, 14
(
1527
):
Harmel treibkörner.
Roloff, Brant. Tsp.
862
(
Straßb.
1554
):
Die jungkfrawen hast von dir getriben | Und bist du [Susanna] allein im garten bliben.
Ebd.
1704
:
Die hitz tuͦt auß dem bad mich triben.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2514
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Da mitt der held sich von traib.
Lemmer, Brant. Narrensch.
48, 12
(
Basel
1494
):
Eyner dem andern werckt zuͦ leyd | Vnd tribt sich selbs dick vber die heyd.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
533
(
Genf
1636
):
treibkoͤrner [...], Lathyris.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
55, 3
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Jesus [...] wart getriben
[
Luther.
1545, Lk. 4, 1:
gefüret
]
von dem geiste in die wiesti.
Dreckmann, H. Mair. Troja
19, 4
(
oschwäb.
,
1393
):
ich bin allain diu, diu da mag die krafft Martis ze nihtun machen, und mag mit meiner kunst sein kunst hinder sich treiben.
Anderson u. a., Flugschrr.
25, 7, 2
([
Augsb.
1522
]):
darum͂ lieber sun laß dich von dem wort gots nit treibe͂ / vñ von den gebote͂ gotes.
Klein, Oswald
124, 8
(
oobd.
,
vor 1408
?):
ach weib, nicht treib, schreib mich von dir, ich bleib.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
158, 3
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
er war auff dem weg, [...], seine feindt auss seinen lannden ze bringen und treyben.
Munz, Füetrer. Persibein
264, 4
(
moobd.
,
1478
/
84
):
mit schlegen gros traib in der helld da von.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
136, 16
(
mslow. inseldt.
,
1578
):
ehe der weinśtockh treibt.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
1, 2, 5
;
Gille u. a., a. a. O.
69, 15
;
Weitz, Albich v. Prag
250
;
Rohland, Schäden
543
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
360, 30
;
Grossmann, a. a. O.
70, 37
;
Schweiz. Id.
14, 67
 f.;
76
 f.;
80
 f.;
82
 f.;
Schwäb. Wb.
2, 355
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 125
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 327
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 283
.
Vgl. ferner s. v.  6,  1,  1, .
4.
›heran-, hinwegtreiben‹ (absolut; von Menschen, Schiffen u. Ä. gesagt), ›gleiten, driften, strömen‹ (vom Wasser, den Gestirnen u. Ä. gesagt); trans.: ›jn. / etw. teils richtungslos und zufällig, teils mehr oder minder gelenkt (z. B. mit den Strömungen des Wassers, des Windes, des Schicksals, mit dem Lauf der Gestirne) an einen Ort hin bewegen, befördern‹ (im logischen Subj. erscheinen häufig die Natur, Naturkräfte, der Wind, das Schicksal u. Ä.); ütr.: ›mehr oder weniger zufällig an einen Ort gelangen / kommen‹; hier am ehesten anschließbar: ›(geschlagenes Holz) flößen, (hinab)schwemmen‹.
Phraseme:
etw. treiben lassen
›einer Sache ihren Lauf lassen‹.
Bedeutungsverwandte:
›wegspülen, hinabschwemmen‹,  46, ; vgl.  1213,  12;  1,  1.
Syntagmen
(in Auswahl): ˹
etw
. (Subj.,
der Rhein, das glük / schif
 ) [wie, wo, wohin]
t., etw
. [wie] (z. B.
strenge
), [wo] (z. B.
an dem ort, auf dem mer
)
t
.˺ jeweils absolut;
etw
. (Subj., z. B.
die natur, die nachwinde
)
jn. t
.,
jn
. [wie] (z. B.
vaste
)
t., etw
. [von wo] (z. B.
aus der flut
), [wohin] (z. B.
an den strand, hin und her
)
t., j. holz auf dem wasser, über js. wiese / feld t
.
Wortbildungen:
treibend
3 (part. Adj.; bildlich in der Fügung
das treibende gewül
bezogen auf die Fasnacht; a. 1622),
treibnez
(in der Wortbildung
treibnezmodel
 ) ein tiefgehendes Fischernetz (a. 1559),
trieb
3a ›Strömung, Flut‹; 3b ›der Lauf von Flüssen, Himmelskörpern‹ (dazu bdv.:  4; vgl.
1
 8),
triebgarn
ein Fischereigerät,
triebsand
.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 164, 25
(
rib.
,
15. Jh.
):
do quam vur Coelne gedreven junker Johan Walpode ind junker Ropreicht [...], ind quamen her driven als pilgerom.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
12505
(
rib.
,
1444
):
eyn schiff | [...], dat up dē mere dreiff.
Buch Weinsb.
2, 10, 39
(
rib.
,
um 1560
):
Doch moist ich es nit so gar driben laissen, sonder etwas darumb doin.
Ebd.
3, 261, 21
(
1585
):
so streng dreif der Rhein an dem orde, das zu zeiten die perde verdronken.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
159
(
Köln
1476
):
Sy quaemen in des wassers dryff: | Deyls moysten dayr in steruen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 193, 1
(
Köln
1582
):
Die suͤnder nemen ab geschwind, | Wie rauch, der trieben wirt vom wind.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
188, 11
(
hess.
,
1499
):
wer in dem bannwasser fert mit driebegarn.
Opitz. Poeterey
50, 14
(
Breslau
1624
):
Du wirst besitzen alles gut | Was Hermus auß der gelben flut | an seinen reichen strandt soll treiben.
M. Cunitia. Ur. Prop.
150, 26
(
Öls
1650
):
Da diese Andere [Bewegung] mit gar viel langsameren Trieb / die Planeten von Nieder⸗ gegen Auffgang beweget.
Ebd.
179, 28
:
dabey eine wolgerichtete *Sonne*⸗Uhr; lasse sie zu gleicher stunde anheben ihren trib und gang.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
256, 26
(
Nürnb.
1548
):
das wir [...] vnser seligkeit koͤnnen setzen [...] nicht auff einen vnbestendigen trieb sandt / sondern auff den festen felsen.
Vetter, Pred. Taulers
79, 24
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Es ist so maniger kummer mit dem menschen, und tribet in die nature nu har nu dar
(auch zu 6 stellbar).
Maaler
408r
(
Zürich
1561
):
Vnser glück wird Triben / oder hin vnd haͤr geworffen.
Weber, Füetrer. Poyt.
62, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Dy nachwinnd gunnden in [Lorandin] vasst dannen treiben.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
16, 5
(
m/soobd.
,
1443
):
Es sol chainer dhain holz auf dem wasser treiben oder flatzen ân ains richter willen.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
308, 28
(
smoobd.
, Hs. 
17. Jh.
):
Welcher dem andern sein holz frävenlich über sein wisen oder veld treibt, der [...].
Ebd.
308, 24
;
Schweiz. Id.
14, 72
;
75
;
96
;
167
;
169
 f.;
Schwäb. Wb.
2, 357
.
Vgl. ferner s. v. .
5.
›etw. (z. B. ein (Mühl)rad, ein Räderwerk, Blasebälge für den Schmelzofen u. Ä.) gezielt in Gang, in Bewegung versetzen, antreiben‹ (bezogen auf mechanische Vorrichtungen); speziell auch: ›etw. (z. B. eine Belagerungsmaschine) vorschieben, gegen Widerstand stoßen‹.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
den reif treiben
(ein Spiel).
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  1,  4.
Syntagmen:
etw
. (Subj.; z. B.
eine müle, ein rad
 )
etw. t., j. / etw
. (Subj.)
etw
. (z. B.
einen blasebalg / hammer, ein rad, wasser
)
t., j. eine katze
›Belagerungsmaschine‹
an etw
. (z. B.
an die mauer, an das bolwerk
)
t
.
Wortbildungen:
treibebalke
,
treibend
4 (part. Adj.) ›beweglich‹ (in festen Fügungen gebraucht:
treibende schirme
›bewegliche Teile einer Verschanzung‹;
treibende werke
›bewegliche Belagerungs- / Wurfmaschinerie‹),
trieb
4 ›Getriebe einer mechanischen Vorrichtung, Räderwerk‹ (dazu bdv.: ; vgl.  2), ˹
triebring
,
triebscheibe
,
triebscheibenring
˺ jeweils Teil eines Mühlwerks.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
451, 11
(
preuß.
,
1437
):
In der molen vor dem huwsze: [...] 12 trybscheiben [...]. In der nuwen mole: [...] 4 trybscheybenrynk.
Toeppen, Ständetage Preußen
4, 264, 23
(
preuß.
,
1454
):
man machet treybende schirme und mechtige bolwerke.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
651
(
Köln
1476
):
Vnder eynre katzen swayr, dye sy dayr woulden drijuen An dat hoege bolwerck starck.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
18, 3
(
Frankf./M.
1568
):
Jch brauch Hadern zu meiner Muͤl | Dran treibt mirs Rad deß wassers viel.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 173, 5
(
schles.
,
1617
):
2 paar grosse schmelzbalgen [...] 1 paar treibebalgen.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
2263
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein nidertrechtig messin instrument, welches vil reder hatt und wan man eins treibt, gehn sy alle 3.
Rechn. Hermannst.
357
(
siebenb.
,
1501
):
ad molam inferiorem misit facere unum instrumentum proprie eÿn drÿff.
Rechn. Kronstadt
3, 526, 16
(
siebenb.
,
1549
):
idem paravit 2 circulos ad Well et drÿf reng an das Gedrÿf asp. 40.
Toeppen, a. a. O.
291, 25
;
Wiessner, Wittenw. Ring
9564
;
Schweiz. Id.
14, 74
 ff.;
Schwäb. Wb.
2, 376
.
6.
›walten, wirken; auf etw. drängen, nach etw. streben‹ (absolut, von abstrakten Bezugsgrößen gesagt); trans.: ›jn. / etw. (zu etw.) veranlassen; etw. (bei jm.) bewegen‹ (von Personen oder abstrakten Bezugsgrößen, z. B. von göttlichen Kräften, Seelenkräften, Wertbegriffen u. Ä. gesagt); auch: ›jn. / etw. drängen, bedrängen‹; mit stärkerer Intensität: ›jn. (zu etw.) zwingen, nötigen, plagen; jm. etw. aufzwingen‹.
Häufig Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
ziehen und treiben
;
sich aufeinander treiben
›zueinander streben, drängen‹;
sich treiben lassen
›sich überwältigen lassen‹;
jn. in (den) gehorsam treiben
›jn. ins Gefängnis stecken‹.
Bedeutungsverwandte:
 56, ,  8,  1,  4,  3,  4,  67,  2, (V.) 1, ,  3,  34, (V.) 13,  3,  3, ,  4, ,
2
 24,  12,  1,  1, , ›antreiben, reizen‹,  4, ›antreiben, veranlassen‹, , , , .
Gegensätze:
 1, ,  11.
Syntagmen:
˹
etw
. (Subj., z. B.
blut / ere / fleisch / minne
)
t., etw
. (Subj.) [wie] (z. B.
immerdar
), [wohin] (z. B.
auf das gegenwärtige, auf das ende
)
t
.˺ jeweils absolut;
j
. (z. B.
got, der satan
)
jn. t., etw
. (Subj., z. B. tendenziell positiv wirkende Kräfte:
der glaube, der geist gottes, die innigkeit / neigung / süssigkeit / zuversicht, die gnade gottes, das gewissen
; tendenziell negativ wirkende Kräfte:
der geit / neid / lust, die hochfart / wollust, die alte schlange
)
jn. t
.; mit Richtungsangaben:
jn
. [wohin] (z. B.
auf den eigenen nuz, in armut / hunger, in not, zu der tugend, zu werken, zu spielen / zanken
)
t., die drei personen in die menschheit t
.; mit Angaben der Art und Weise:
jn
. [wie] (z. B.
ausfliessend, in seinem herzen, in allen seinen tugenden, mit gewalt, von aussen / innen
)
t
.
Wortbildungen:
treibend
5 (part. Adj.) ›drängend, dringend, zwingend‹ (in den Fügungen: ˹
die treibende not
;
treibende ursachen
˺ ›zwingende Gründe, Beweggründe‹; auch subst.:
das götliche treibende
),
treibenlich
›auf Drängen, Antreiben‹,
treibgeissel
›Peitsche‹ (hier fig.: ›Antrieb, Anreiz‹),
treibung
1 ›Antrieb, inneres Drängen‹.

Belegblock:

Luther, WA
10, 1, 1, 721, 15
(
1522
):
das eynß auß dem andern folge, eynß des andern ursach sey, und sich auffeynander treyben.
Ebd.
47, 636, 28
(
1539
):
Das last uns lernen, das wir nicht die 3 personen inn die menscheit treyben.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
502, 31
(
Magdeb.
1608
):
Wenn jhn [Mensch] nicht trieb die Alte Schlang / | Die ein Moͤrder war von anfang.
Quint, Eckharts Trakt.
215, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Wan diu neigunge [...] trîbet in [den menschen] ze der tugent mit gewalt.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
6, 7
(
Frankf./M.
1563
):
Etliche treibt der neidt unnd lust zu zancken.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
143, 10
(
omd.
,
1554
/
1663
):
dieselben vorleger seint in gehorsamb getrieben und des nicht entlediget.
Anderson u. a., Flugschrr.
19, 16, 20
([
Eilenb.
]
1524
):
Ach ich ellender mensch / was treybt mich in meinem herzen mein gewissen.
Mathesius, Passionale
52v, 25
(
Leipzig
1587
):
Die causæ impulsiuæ, oder treibende vrsachen aber des HErrn Christi Leidens sind diese: [...].
Franck, Decl.
339, 3
(
Nürnb.
1531
):
nit allein auff die spiler / sonder auff die auch die zu spilen helffen / anweysen / treyben / acht wirt gehabt.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
107, 14
(
Nürnb.
1548
):
Was treybet aber Christum dazu?
Ebd.
204, 11
:
fleisch vnd blut treybt jmmerdar auff das gegenwertige.
Vetter, Pred. Taulers
36, 10
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
danvon hat er [mensche] nút friden [...], wenne er usget unvernúnftiklichen nach bewegunge der sinne [...] und nút von eime goͤttlichen tribende.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 188
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz vns der geist gottes iaget vnd tribet vnd zv́het vnd in flúßet.
Rieder, Gottesfr.
213, 23
(
els.
,
1401
/
02
):
warnungen, die derselbe Ruͦlman Merswin us goͤtlichem tribende den bruͤdern schriben muste.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 379, 28
(
Straßb.
1522
):
ein Student, der ließ sich treiben und meint, was man im sagt, das wer war.
Matthaei, Minner. I,
1, 973
(Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
ere sicht sie [frow Fuͤrbaß] nit triben gern.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 64, 12
(
halem.
,
n. 1529
):
also ward tribenlich erhalten, dass man [...] gebot, allen denen pfaffen, [...], ire pfruͦnden zenemen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
716, 1
(
halem.
,
1534
/
5
):
und trybgeysel gsin ist / mit dem er ouch by sins glychen [...] sterksten bystand funden hat.
Schmidt, Rud. v. Biberach
19, 22
(
whalem.
,
1345
/
60
):
das dv́ minne tribet vf daz begert ende.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
533
(
Genf
1636
):
treiben / zwingen / darzu noͤthigen [...]. Auff die schuldt (treiben).
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
328, 29
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Ez ist zemerken, daz wir frien willen haben von gesihte der, die wir da wellen niht von notdurft oder von natürlicher tribunge.
Ebd.
369, 32
:
ein „geist“, von welchem namen bezeichent wirt ein leblich bewegung oder ein tribunge, um daz wan etwer heizet bewegte von minnen oder getriben etwaz zetuon.
Bauer, Geiler. Pred.
318, 29
(
Augsb.
1508
):
das man isset von lustes wegen / das ains sich den lust laßet treiben und nit die notturfft.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
83, 15
(
tir.
,
1466
):
Noch ist mich darczu nöten vnd treiben die suessikchait der lieb vnsers liebhabers Jesu Kchristi.
Reichmann, a. a. O.
212, 27
;
254, 15
;
Dietrich. Summaria
27v, 20
;
Eichler, Ruusbr. steen
969
;
ders., Ruusbr. obd. Brul.
786
;
1347
;
1405
;
Goldammer, Paracelsus
2, 51, 9
;
Bauer, Geiler. Pred.
103, 4
;
Maaler
408r
;
Schweiz. Id.
14, 63
;
67
;
79
 ff.;
83
 f.;
94
.
Vgl. ferner s. v. ,  4, (Adj.) 4, , ,  1, , (
das
),  9.
7.
›mit etw. umgehen; etw. (fortgesetzt) tun, ausüben, betreiben, machen, durchführen; etw. vollbringen, veranstalten; etw. bewirken‹; auch: ›etw. verursachen, jm. etw. (z. B. Schaden) zufügen‹; ›mit etw. verfahren‹; hohe Belegdichte; das prototypische Objekt bilden Verbalsubstantive mit aktivischer Bedeutung oder semantisch vergleichbare Ausdrücke; bei Übersetzung ins Nhd. ist je nach Objekt zu variieren, z. B. ›Krieg führen‹; ›Handel treiben‹; ›ein Amt / Handwerk ausüben‹; ›Kurzweil veranstalten‹; ›Possen reißen‹; ›sein Leben führen‹; ›Recht sprechen, das Recht auf jn. anwenden; prozessieren‹; ›Tugend üben‹; teilweise kann ein Verb angesetzt werden, z. B. ›handeln / herrschen / huren / scherzen / schmeicheln / sündigen‹ für
handel / herschaft / hurerei / scherz / schmeichelei / sünde treiben
(s. auch
Schöpper
).
Phraseme:
den narren treiben
›den Narren spielen, mit jm. scherzen‹;
etw
. (Subj.)
sich treiben
›geschehen, passieren; sich zutragen‹;
es mit jm. treiben
›mit jm. vertraulich umgehen‹;
es nicht lange treiben
›nicht lange leben‹.
Bedeutungsverwandte:
 9,  4789,  1,  25,  23,  2,  2,  12,  111, , (V.) 1, , , , , ; vgl.  4,  12,  2.
Gegensätze:
 1,  19, ; vgl.  6.
Syntagmen
(Auswahl):
j. mit etw
. (z. B.
mit den pferden
)
t
. ›mit etwas verfahren, umgehen; handeln‹ (absolut);
j. etw. t
.; bezogen auf z. B.: a) Ämter, Berufe, Erwerbstätigkeit:
bauernwerk / gewerbe / kaufmanschaft / meierwerk, ein ampt / bergwerk / handwerk / gericht, das meisterrecht t
.; b) Zeitvertreib, kulturelle Fertigkeiten, Krieg, das Recht u. Ä.:
hübschheit / krieg / kurzweil / ritterschaft, eine übung, wunder t., die wappen t
. ›die ritterlichen Waffen tragen‹; c) positiv bewertetes Handeln, Verhalten, positive Werte:
freude / tugend / weisheit / zucht t
.; d) Sprachhandlungen:
die poeterei, schmäliche worte, viel rede, klagen, des spottes t
.; e) Närrisches, Ungehöriges, Kriminelles, Laster:
aufrur / bosheit / buberei / frevel / füllerei / gewalt / herschaft / hochfart / unzucht, grillen / schanden t., den wechsel t
. ›untreu sein‹; f) die eigene Lebensführung:
j. seine pracht, sein leben t
.;
etw. t. können / lassen / sollen / müssen
,
etw. auf jn., gegen jn., mit jm. t
.; speziell:
das gesez auf jn. t
. ›das Gesetz bei jm. anwenden‹,
schaden auf / hinter jn. t
., ˹
scherz / spot, (den) schimpf auf jn., aus jm., mit jm. t
.˺ ›jn. verspotten‹, ˹
j. mit jm
. (auch:
miteinander
)
bulschaft / kurzweil / unkeusche, der minne spiel
u. Ä.
t
.˺,
j. mit jm. zeremonien t
.; mit Angaben der Art und Weise:
etw
. [wie] (z. B.
ernstlich / hart / auf gewin / merschaz, mit tanzen / trunkenheit / unfurcht, mit beiden oder mit einer hand
 )
t., etw. zu dem ende t., das [...]
; mit Zeitangaben:
etw
. [wann, wie lange, wie oft] (z. B.
eine weile, x tage, immer mer, viel und dik, manig jar und tag, bis an das ende, zu diesen tagen
)
t., etw. so lange t., unz [...]
; mit Ortsangaben:
etw
. [wo] (z. B.
bei / in / vor jm. / etw., bei dem keiserlichen hof, vor dem altar, zu wasser und land
 )
t
.
Wortbildungen:
treibeln
(Iterativum in der Fügung
die minne treibeln
),
treibhaus
hier vermutlich ›Bordell‹, ˹
treibung
2,
trieb
5˺ ›Betrieb‹ (dazu bdv.:  2).

Belegblock:

Schöpper
26a
(
Dortm.
1550
):
Schimpffen schertzen gatzen possen reissen grillen treiben kurtzweilen schwäncken.
Ebd.
29b
:
Handlen thun treiben machen schaffen wircken arbeiten.
Ebd.
82b
:
Handtieren handlen gewerb kauffmāschafft treiben.
Luther, WA
49, 654, 4
(
1545
):
Auff diese [hoffertige heiligen] sol man das Gesetz hart treiben.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
7365
(
rib.
,
1444
):
Off dat die wijff alhie herschaff dryven.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1271
(
Köln
1476
):
Dat wart so tzom end gedreuen, | Dat [...].
Froning, Alsf. Passionssp.
5779
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Ach geselle, fochtes du nit gott, | das du uff en dribest dyn spott?
Anderson u. a., Flugschrr.
15, 12, 18
([
Worms
1521
]):
dañ der aller groͤsten schinderey / so die Baͤpst treyben / ist diser [Pio] ain erfinder [...] gewest.
Hübner, Buch Daniel
310
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Wisheit wart da getriben.
Ebd.
3260
:
So wil Got in dir bliben, | Ewige vreude triben.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 155, 23
(
schles.
,
1506
):
wie sy annder berckhwerg angefanngen getrieben vnd gehalten haben.
Ebd.
21, 193, 8
(
1640
):
soll er [...] unser bergwerk in trieb halten und nicht stecken lassen.
Chron. Nürnb.
1, 160, 4
(
nobd.
,
1388
):
sie wollen wenen, daz wir in iren krieg allein wollen treiben und verlegen.
Gille u. a., M. Beheim
109, 25
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
ander vil schanden und spocz | sie treiben vor dem alter gocz.
Hampe, Nürnb. Ratsverl.
2, 202, 32
(
nobd.
,
1591
):
Dem supplicirenden David Rem, [...], ist begünstigt worden, [...] das maisterrecht zu treiben.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
106
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ich
[die minnende Seele]
hab es mit dir [Cristus] getriben manig iar und tag.
Matthaei, Minner. I,
6, 102
(Hs.
15. Jh.
):
in der schanden banne | wirt dar in vernyebelt | wer die mynne tribelt.
Ebd.
8, 515
:
werder ritter, spuͤr: | wilt du die wappen triben, so muͦst du [...].
Cirurgia H. Brunschwig
16rb, 27
(
Straßb.
[
1497
]):
[Du solt ouch mercken] ob er sin hantwerck mit beidē oder einer hant triben moͤg.
Kurz, Murner. Luth. Narr
536
(
Straßb.
1522
):
Wer besser het den narren triben, | Dem sol der Luther sein dochter geben.
Roloff, Brant. Tsp.
1371
(
Straßb.
1554
):
Lieber du darffst nit vil wort triben.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3928
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Jobs sún der warend siben, | Die mit ain andern froͤde triben.
UB Zug
2435, 27
(
halem.
,
1400
):
Do seit er im, dz si die jungfrǒw am Fritag inlies und dz si in einem triphus waren.
Jörg, Salat. Reformationschr.
72, 7
(
halem.
,
1534
/
5
):
Jst [...] leyder lutmaͤr gnuͦg / [...] all sünd und laster jm schwanck / bruch / und tryb syn.
Ebd.
150, 11
:
So dann jst Zürch obgenanter landen und umsaͤssen kornmarckt / trybung / und losung / dahin.
Wyss, Luz. Ostersp.
4297
(
Luzern
1571
):
Tantzen singen, | V̈ppigkeitt vnd boßheitt volbringen, | Das ist ir läben, das sy tryben.
Chron. Augsb.
2, 206, 24
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
dieselben sün und ir mueter triben das recht anfüro bei dem kaiserlichen hof biß vol auß an das end.
Sappler, H. Kaufringer
8, 413
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
die [weib] gat zuo im ze aller frist, | wann si ir boßhait treiben wil. | er treibt mit ir der minne spil.
Klein, Oswald
112, 110
(
oobd.
,
1438
):
da hat das recht kain ander gstalt, | wann trib man frävel und gewalt.
Ebd.
224
:
nach duncken recht, wo man das treibt, | wo kaiserliche recht nicht gän.
Ebd.
123, 9
:
Mit ainer [freulin zart] so traib ich den schimpf, | zwar des gewan ich ungelimpf.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
9507
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
98, 1719
;
Froning, a. a. O.
7398
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
1, 9
;
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
18, 5
;
Jahr, H. v. Mügeln
252
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
23, 8
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
208, 20
;
Matthaei, a. a. O. I,
1, 1786
;
10, 1214
;
Menge, Laufenb. Reg.
2383
;
Roloff, a. a. O.
885
;
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 378, 24
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
16, 76
;
Köbler, Stattr. Fryburg
197, 29
;
Rohland, Schäden
543
;
Sappler, a. a. O.
2, 133
;
Chron. Augsb.
7, 191, 18
;
Bauer, Geiler. Pred.
79, 22
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
237, 15
;
Munz, Füetrer. Persibein
72, 7
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
24, 1
;
Pfälz. Wb.
2, 470
;
Schweiz. Id.
14, 82
 f.;
85
 ff.;
171
;
Schwäb. Wb.
2, 355
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 327
.
8.
›etw. fördern, e. S. zum Gelingen verhelfen‹; speziell auch: ›etw. (z. B. den Glauben, Elemente des Glaubens) verbreiten, predigen, verkündigen‹; mit Teilaspekten anschließbar an 6 und 7.
Überwiegend Texte der Reformationszeit.
Bedeutungsverwandte:
 23,  2,  12,  2, ,
2
 4,  6,  45,  1, , ; vgl.  1,
1
 1.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
den glauben, die lere / schrift / tat, das buch / wort
)
t
.,
etw
. [wie] (z. B.
fürder / gewaltiglich / gründlich / hart
)
t
.
Wortbildungen:
treibzettel
wohl ›Flugblatt, Flugschrift; Schrift, die verbreitet wird‹,
trieben
2 (part. Adj.; auch
getrieben
) ›verbreitet‹ (z. B. in der Fügung
ein getriebenes sprichwort
; dazu bdv.: , Adj., 5; a. 1541).

Belegblock:

Anderson u. a., Flugschrr.
17, 8, 5
([
Wittenb.
]
1523
):
das sie dennoch ia lerer vñ prediger habe͂ mussen / die das wortt treybe͂.
Luther, WA
30, 3, 549, 2
(
1532
):
Denn ich und viel ander diese sach vom Sacrament so gruͤndtlich und gewaltiglich getrieben haben.
Ebd.
41, 213, 35
(
1535
):
das gemeine Ampt, so die Lere offentlich fuͤret und treibt, Dazu gehoͤren Pfarherr und Prediger.
Ebd.
48, 37, 3
(
1545
):
ALso treibet der Psalter furnemlich den glauben an Gott.
Ebd.
48, 122, 6
(nach Druck
1547
):
das mans [die Schrifft] lesen, lernen, jmer fuͤrder treiben, ausbreiten vnd auff Kindskind fur und fur bringen sol.
Hampe, Nürnb. Ratsverl.
2, 203, 2
(
nobd.
,
1591
):
Ratsverlässe, [...]
von wegen der treibzettel
der hiesigen Rotschmiede betreffend.
Pfefferl, Weigel. Ges.
27, 21
;
Luther, WA
41, 184, 32
;
48, 148, 15
;
49, 18, 35
;
Schweiz. Id.
14, 99
.
Vgl. ferner s. v.  2.
9.
›etw. (z. B. Geld, Zins) einnehmen, eintreiben, etw. aus etw. beziehen, herausziehen, herauszwingen; (mit etw.) Gewinn machen‹; speziell: ›(den Zins) erhöhen; etw. höher belasten‹; auch generalisierend: ›etw. im Volumen, im Umfang vergrößern‹; ütr.: ›aus etw. (z. B. aus den Pferden) herausholen, was herauszuholen ist‹; Spezialisierung zu 6 und 7.
Phraseme:
zu her treiben
›ein Heer zusammenziehen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5,  12,  12,  1,  5,  17.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
geld, kosten, schankungen, den zins
)
(aus etw.) t., etw
. (z. B.
das holzwerk
)
höher t
.;
etw. aus etw
. (z. B.
aus einem haus / garten / stadel, aus den rossen
),
mit etw
. (z. B.
mit geld, gülte, zins
)
t
.
Wortbildungen:
trieb
6 ›gerichtliche Einforderung von Schulden‹ (a. 1555).

Belegblock:

Beckers, Bauernpr.
62, 8
(
Köln
1515
/
18
):
So wyllen jm die van Augßborch niet | Gelt geuen dat he drieff daemit.
Lemmer, Brant. Narrensch.
93, 16
(
Basel
1494
):
Ich will vom übernütz nit schriben | Den man mit zynß / vnd gült duͦt triben.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
48, 21
(
Straßb.
1650
):
weil sein Weib je hab sterben sollen, sie es vor langem hätte thun können, ehe der Doctor vnnd Apothecker so viel Kosten auffgeschrieben vnd getriben.
Rennefahrt, Statut. Saanen
223, 1
(
halem.
,
1592
):
Welcher aber den andern umbs bargelt tryben müste, mag in tryben
[dies jeweils zu 6]
, wie die lantlüt iren zins tryben.
Chron. Augsb.
3, 370, 16
(
schwäb.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
daraus er auch mercklich schanckung und gellt getriben hatt.
Ebd.
4, 91, 20
(
v. 1536
):
da ist der raisig zeug [...] dargerindt, was sie aus den rossen haben migen treiben.
Dirr, Münchner Stadtr.
355, 19
(
moobd.
,
1340
):
swer einen gemach bestanden hat, den daz recht und fronbot daraus
[
haus, stadel, garten
u. Ä.]
treibt, der sol dez nicht engelten.
Rechn. Kronstadt
3, 289, 26
(
siebenb.
,
1545
):
exercitum cogit vulgo traibt czu Heer.
Schweiz. Id.
14, 77
 f.;
83
 f.;
171
;
Schwäb. Wb.
2, 354
.
10.
›einen Weg häufig betreten, stark ausfahren; einen Weg bahnen, anlegen, ausbauen‹; häufig auch bildlich und ütr. gebraucht; speziell im Bergbau: ›einen Grubenbau in horizontaler Richtung herstellen, graben, fortsetzen‹.
Bedeutungsverwandte:
, ,  717,  3 (hier ›ebnen, errichten‹),  7,  2, , ; vgl. ,  7,  12,  2,  5.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
einen stollen, der schanden pfad, das längort, stolorte
)
t
.;
etw. an etw
. (z. B.
an die gänge
),
auf etw
. (z. B.
auf beiden trümmern
),
durch etw
. (z. B.
durch die gänge
),
gegen etw
. (z. B.
gegen den gang
),
in etw
. (z. B.
in das tiefste, in ein freies feld
 )
t
.
Wortbildungen:
trieb
7 wohl ›Gang, Stollen, Schacht‹,
trieben
3 (part. Adj.; auch
getrieben
) ›viel betreten, ausgefahren, gut ausgebaut‹ (z. B. in den Fügungen
ein (ge)triebener weg / pfad
 ),
triebstolle
.

Belegblock:

Hertel, UB Magdeb.
3, 135, 36
(
nd.
/
omd.
,
1477
):
das sie [...] auch erbstollen, suchestollen ader triebestollen, [...], triben und buwen sollen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
119, 28
(
omd.
,
1548
):
der stolner triebe uf beiden drummern stolorten.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 154, 24
(
schles.
,
1506
):
der erbstoll mit dem orth fort in ein frey felt getriben und gebauet wurde.
Ebd.
21, 107, 8
(
1548
):
Dorgegen sollen die ehegedochten gewercken [...] dasselbige lenngordt treiben helfen.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Funk
175, 78
(
Bern
1551
):
ein wolgebanten, tribnen weg, | der üppigkeit unds wollust steg.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 36, 7
(
schwäb.
,
1471
):
Meins hertzens pan die ist gericht | Zu dir allain, ain tribner pfatt.
Primisser, Suchenwirt
21, 126
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Getriben ist der schanden phfat, | Der trewen strazz vermieset gar.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
17
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
geg(e)n dem gangk ÿnn seÿnes schachts leh(e)nn traibt er geg(e)nn Im Einem schlagk.
Wutke, a. a. O.
20, 96, 5
;
21, 6, 13
;
Piirainen, Recht Schemnitz.
1986, 320
;
Dasypodius
441r
;
Veith, Bwb.
499
;
Schweiz. Id.
14, 78
;
98
 f.;
Schwäb. Wb.
2, 354
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 189
.
Vgl. ferner s. v. ,
1
 3, .
11.
›auf etw. mit Hilfe eines Verfahrens (z. B. durch Stoßen, Schlagen, Kneten, Schmelzen u. Ä.) zerteilend oder vermischend einwirken‹; für verschiedene gegenständliche Bezugsgrößen gebraucht, im Einzelnen: ›(Holz) zerteilen, zerspalten, keilförmig zuspitzen‹; ›(Metalle) voneinander trennen‹ (vgl.  11); ›etw. (z. B. Zutaten für Arzneien u. Ä.) sieben, passieren, durch ein Tuch schlagen‹; ›etw. treibend formen, gestalten‹; ›etw. (auch: sich) reibend, stoßend, knetend vermischen‹ (von Teig oder Arzneien gesagt); ›etw. untereinanderwirken‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): , , , , , , , ; vgl. , ,  1, ,  3.
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B.
die bittere qualität
)
t
. (absolut);
etw
. (auch:
sich
)
t., etw
. [wie] (z. B.
hart, miteinander, untereinander, voneinander, zusammen, mit gewalt, zu stücken
)
t
.
Wortbildungen:
treiber
2 ›Holzkeil‹ (a. 1583),
treibherd
›Schmelzofen, in dem Metalle getrennt werden‹,
treibkübel
›Kübel, in dem man Butter schlägt, Kirn‹,
treibmüle
,
treibscherbe
Gefäß zum Schmelzen von Metallen,
trieb
8 ›Stoß‹.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
3, 77, 10
(
Frankf.
1557
):
Das er [Mann] macht Keil auß meinem leib, | Damit er mich [Weid] zustuͤcken treib.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
145, 8
(
omd.
,
1554
/
1663
):
Die [ausgüsse] werden, wan man silber abtreibet, mit in den treibhert zum werke gesaczt.
Böhme, Morg.R.
145, 28
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
die bittere [qualitaͤt] reisset / treibet / wuͤtet und zerscheidet / die 2. qualitaͤten reiben und treiben sich so hart mit einander / und wallen so strenge.
Golius
213
(
Straßb.
1579
):
Mola trusatilis vel treibmuͤle.
Sudhoff, Paracelsus
14, 417, 19
(
um 1567
):
Man bedarf [zu der alchimei] nichts besonders, dan einer herdstatt, kolen, blasbalgs, zangen, hamer, tigel, treibscherben und capellen.
Maaler
255v
(
Zürich
1561
):
Ein Künstner des tribnen wercks / der meister der tribnen arbeit.
Ebd.
408r
:
Trib (der) Stoß. [...]. Mit gewalt von einanderen getriben oder gespalten werden.
Zingerle, Inventare
61b, 13
(
tir.
,
1495
):
Ain treybkubel.
Rohland, Schäden
543
;
Schweiz. Id.
14, 161
;
Schwäb. Wb.
2, 356
;
Lehmann, Rezeptb.
272
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 283
;
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 359
 f.
Vgl. ferner s. v.  1.
12.
›etw. in ein Material hineinbohren, einschlagen‹; meist auf Metallarbeiten bezogen: ›etw. ausstanzen, verzieren, formen, in Metalltreibarbeit fertigen‹; häufig als part. Adj. gebraucht; mit Teilaspekten anschließbar an 10; 11.
Bedeutungsverwandte:
 23,  5; vgl. ,  15,  3, .
Syntagmen:
etw
. (z. B.
gold, gelenke / nägel
 )
t., etw. in etw
. (z. B.
in das eisen
)
t., mit etw
. (z. B.
mit hämmern
)
t
.
Wortbildungen:
trieben
4 (part. Adj.; auch
getrieben
) ›in Treibarbeit verziert, geformt‹ (z. B. in den Fügungen
ein getriebener kelch, eine triebene arbeit
u. ä.; dazu bdv.: , Adj., 1, ),
triebenwerk
.

Belegblock:

Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
55, 4
(
Frankf./M.
1568
):
Blechweiß / werden im Feuwer gluͤt / | Denn in das Eysen glenck getriebn. / | Darnach loͤchlein darein gehiebn.
Hübner, Buch Daniel
5245
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Mit hemmern, die waren groz, | Starke negle sie triben.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3500
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
ess [golt] lesst sich triben | unnd wil doch by ein ander bliben.
Maaler
408r
(
Zürich
1561
):
Tribenwerck (das) oder außgestochen. [...]. Tribne oder erhabne arbeit machē / als bild werck vnd dergeleychen. [...]. Meister der Tribnen oder erhebten arbeit. [...]. Er ist verruͤmpt von waͤgen der Tribnen arbeit.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
557
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 [...] gantz silbern von portugesischer getribner arbeit trüchlein.
Ebd.
1548
:
ein schön vergult getriben beckhen.
Henisch
1588
;
Schweiz. Id.
14, 97
 f.