drangen,
drängen,
V.;
Schreibungen ohne Umlaut(kennzeichnung) im älteren Frnhd.; Kausativ zu (V.), 2. Hochstufe;
zur Wortgeschichte vgl. Dwb, Neub.
6, 1320
 ff.
1.
›jn. (physisch, auch militärisch) drängen, bedrängen, stoßen, [wohin] abdrängen; etw. (Psychisches, z. B.
der gelust
) etw. antreiben‹; auch: ›etw. (z. B. die Ränder einer Wunde) zusammendrücken, -quetschen‹; in 1 Beleg: ›etw. (z. B.
die wängel
 ) formen‹.
Syntagmen:
j. d
. (absolut);
jn
. (z. B.
Jesum
),
etw
. (z. B.
js. gütlichkeit
)
d., jn
. [wohin] (z. B.
in ein holz, über die brücke, um jn., zwischen ros und wand
 )
d
.;
etw
. (Subj., z. B.
eine wange
)
gedrängt sein
;
das drängen der feinde
.
Wortbildungen:
drängig
›drängend‹ (A. 16. Jh.).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
15253
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
sî inmûstin von der stat | [...] | zu wer und zu strite gân | von der vîende drangin.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
774, 7
(
thür.
,
1421
):
der voit von Thuntdorf [...] wart jagende [...] unde drangk den [Thalman] mit seynen gesellen yn eyn holtz.
Eichler, Ruusbr. steen
958
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
Wan also lange, alse wir mit innikeit an sehen, daz got vnser wil sin, so trenget oder tribet die guͥtlicheit gottes vnser giriger gelust.
Cirurgia H. Brunschwig
21ra, 1
(
Straßb.
[
1497
]):
so treng oder zweng. vnd füg die leftzen der wūden zuͦ samen mit diner hant.
Päpke, Marienl. Wernher
6997
(
halem.
,
v. 1382
):
Loͮffen und springen, | Vechten und ringen, | Stossen, bossen, drangen.
Primisser, Suchenwirt
25, 197
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Jr wengel tzart gedrenget, | Weis sich in rote menget.
Luther. Hl. Schrifft.
4. Mose 33, 55
;
5. Mose 28, 53
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1525
;
Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
3, 990
;
Päpke, a. a. O.
7438
;
8890
;
Maaler
177v
;
Rwb
2, 1078
;
Schweiz. Id.
14, 1096
 f.;
Schwäb. Wb.
2, 316
;
Rohland, Schäden
388
.
Vgl. ferner s. v.  2.
2.
›jn. zu etw. drängen, nötigen, zwingen; auf jn. (rechtlichen, wirtschaftlichen) Druck ausüben‹; im Übergang zu: ›jn. unterdrücken, drangsalieren, in seinen Rechten einschränken‹; zur rechtssprachlichen Verwendung vgl. Rwb
2, 1077
 f.; Ütr. zu 1.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte, narrative Texte.
Syntagmen:
j. d
. (absolut);
jn
. (z. B.
das volk
)
d
.,
jn. mit etw
. (z. B.
mit gewalt, mit einem gericht
)
d., jn. zu etw
. (z. B.
das burgrecht zu halten
)
d
.
Wortbildungen:
drängung
›Bedrängnis‹.

Belegblock:

Hertel, UB Magdeb.
3, 285, 3
(
nd.
/
omd.
,
1483
):
so [...] unse frunde [...] sendeboten [...] uns clegeliken geclaget hebben over mannichvaldigen angest, verwaldinge, drenginge unde verkortinge.
Wyss, Limb. Chron. U
143, 5
(
mfrk.
,
1389
):
so mogent sij uns mẏt geistlichen gerichte drengen.
Chron. Strassb.
1, 79, 32
(
els.
,
1362
):
do hette er [bischof] uffe sitzende einen schultheißen [...], der trenget das volk alse sere.
Merk, Stadtr. Neuenb.
67, 3
(
nalem.
,
1462
):
sollent die von Núwenburg [...] umb den einunge niemand trengen ze schweren.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
204, 8
(
halem.
,
1376
):
Wir sollent [...] daz huse mit dem sinen behalten [...] und sollent so ouch selben nit drengen.
Ebd.
213, 21
:
Dorumb gebieten wir [...], das sie die vorgenanten burgere wider dise gegenwurtige unser genade nicht drangen oder besweren indheinenweis.
Ders., Statut. Saanen
63, 12
(
halem.
,
1445
):
dz [...] unser herren von Bern deheim land oder ortt [...] mit gewalt zwingen oder trengen welten.
Ebd.
79, 33
(
1447
):
darumb mag mann sy nit trengen, das sy das buͥrgrecht haltend.
Edlib. Chron.
18, 17
(
ohalem.
,
um 1500
):
so werre jnnen selber trüllich leid, dz wir also so schwerlich getrengt wurdint.
Wilkes, Ev. Gem. Duisb.
22, 1
;
Wyss, a. a. O. U
130, 27
;
Chron. Strassb.
1, 419, 2
;
Goldammer, Paracelsus
6, 191, 8
;
Merk, a. a. O.
56, 4
;
Welti, Stadtr. Bern
485, 4
;
Edlib. Chron.
17, 21
;
Koller, Ref. Siegmunds
177, 34
;
Maaler
406v
;
Rwb
2, 1077
 f.;
Schweiz. Id.
14, 1097
 f.;
Schwäb. Wb.
2, 316
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 132
.
Vgl. ferner s. v.  2,  2.
3.
›jn. beunruhigen, bekümmern, anfechten‹ (von handelnden Subjekten wie von Umständen gesagt); in religiösen Kontexten auf verschiedene Bezugsgrößen angewandt (z. B. auf konfessionelle Gegner, das Elend des irdischen Lebens), die auf die Eigengruppe in negativer Weise einwirken; auch: ›jn. zu etw. nötigen, zwingen‹; anschließbar an 2; offen zu 4.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 1, .
Syntagmen:
jn
. (z. B.
die leute
)
d
.;
etw
. (z. B.
das elend, die betrübnis
)
jn. d
.;
jn. nicht zu etw
. (z. B.
zum fasten
)
d
.
Wortbildungen:
dränger
›Person, die jn. bedrückt, ängstigt‹.

Belegblock:

Luther, WA
38, 224, 18
(
1533
):
[die Papisten] haben sie die leute auch nichts da von unterricht, wie sie es [das Sacrament] solten mit dem glauben empfahen zum trost [...], Sondern haben sie geengstet und gedrenget.
Ders. Hl. Schrifft.
Hiob 3, 18
(
Wittenb.
1545
):
Da haben doch mit einander friede die Gefangenen / vnd hören nicht die stimme des Drengers
[
Froschauer
1530:
gyselfraͤsser vn notzwenger
 ;
Eck
1537:
abschetzer
].
Quint, Eckharts Trakt.
8, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Drîerleie betrüepnisse ist, daz den menschen rüeret und drenget in disem ellende.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 130, 1
(
Köln
1582
):
Du [Got] hast mich auch erhoͤret, | Da mich das ellend drenget sehr.
Vetter, Pred. Taulers
384, 17
(
els.
,
1359
):
Die [vaste] sol alsus sin das die swesteren die es wol vermúgent sunder qwetschunge irre naturen, so múgent si die regel vaste vasten; dar zuͦ entrenge ich si nút.
Strauch, Schürebrand
52, 10
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Wenne du getrenget wurst, [...], so hab ein zuͦflucht zuͦ dem [...] lidende unsers herren Jhesu Christi.
Rieder, Gottesfr.
127, 26
;
Bihlmeyer, Seuse
491, 32
.
4.
›jn. von etw. abbringen‹.
Bedeutungsverwandte:
 13; vgl.  5, , ,  3,  3,  10,  2,  2.
Syntagmen:
jn. von etw
. (z. B.
vom glauben, von seiner meinung
)
d
.

Belegblock:

Jörg, Salat. Reformationschr.
481, 26
(
halem.
,
1534
/
5
):
Da dann ouch anbracht ward [...] fromer allten cristen [...] anruͦffen [...] umm hilff [...] / sj nit von demm waren / allten / cristen glouben getrengtt zuͦ werden lan.
Maaler
406v
;
Schweiz. Id.
14, 1098
.
5.
›etw. amalgamieren‹, ein Verfahren, bei dem amalgamhaltiges Silber „durch leinwandene und anschließend lederne Beutel gepreßt“ wird (so Paul, Wb. Bergmannsspr., s. u.; mit gewissen Zweifeln und Andeutung einer weiteren Möglichkeit, die er als
abtreiben
bezeichnet und verwirft).

Belegblock:

Paul, Wb. Bergmannsspr.
1987, 153
 f. (
slow. inseldt.
,
1545
):
ist ausz dem Kisz, So man gedrengt hat, Goldig Silber auf jr Kn. M. etc. Halbthail kommen p 15.