abwerfen,
V., unr. abl.
Zusammengehörig sind 1-5 ›herabwerfen usw.‹; 7, 8 ›etw. aufheben o. ä.‹, 9-11 ›sich gegen jn. stellen‹.
1.
›etw./jn. herab-, herunterwerfen‹; auch ütr.: ›jn. in seinen Bemühungen zurückwerfen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.

Belegblock:

Feudel, Evangelistar
31, 10
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
uffe daz daz sy en dor abe wurfen tot.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 75, 25
(
n. 1520
):
als da ein esel ein sack uf im tregt nnd wolt in gern ab werfen.
Turmair
1, 207, 4
(
moobd.
,
1529
):
si [...] erschlugen die gaistlichen in der kirchen auf den taufstainen, wurfens [...] über die maur [...] ab.
˹Ütr. bei Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
55, 8
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Der funft gaist ist ain grosses vnd ain snelles leiden, daz den menschen oft antreibt vnd vͤberwirft oder abwirffet.
˺ ˹Ral.: Maaler
9 r
(Zürich 1561):
Das joch Abwerffen / vnnd nit woͤllen gehorsam seyn.
˺
Dietz, Wb. Luther
36 b
.
2.
an 1. anzuschließen als Synekdoche:
a) ›(Vogelnester) herabholen und ausnehmen‹;
b) ›den Anker auswerfen und festmachen‹;
c) als Metonymie: ›(eine Straße) zuschütten, unbegehbar machen‹. Jeweils nur vereinzelte Belege; vgl. auch 3.

Belegblock:

zu a):

Winter, Nöst. Weist.
1, 271, 34
(
moobd.
,
1648
):
darumb soll ein iedweder seinen kindern und haltern ernstlich verpinten das sie nit abwerfen noch verderben.
Ebd.
322, 34
(
um 1540
):
mer melt man vom federspill: wer dem zu nahent holzt, prennt oder abwirft, ist pueßfellig.

Zu b):

Klein, Oswald
17, 38
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
mag dir die porten werden, | so hütt dich vor der erden, | du wirf der ancker ab.

Zu c):

Welti, Urk. Rheinfelden
841, 11
(
halem.
,
um 1517
):
si hetten die strosß am Hulffter verfellt vnd abgeworffen, dor durch die vnnseren über die brugg zuo Ougst getrenngt.
3.
›etw. (meist: eine Brücke) abreißen, zerstören‹; Synekdoche zu 1, im Gegensatz zu den Synekdochen unter 2 aber häufig belegt.
Syntagmen:
den steg, das dach / haus, die brücke
(häufig) /
ferte / wand / treppe a.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 212, 23
(
nrddt.
,
1550
/
1
):
haben die Magdenburger [...] auch die brücke an einem ort fast zweier langen spies abgeworffen.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
25042
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz er abwarf dî brucken, | darubbir sî dô rucken | ûz dem lande soldin.
Helm, H. v. Hesler, Apok.
22296
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Alle leit sint danne weck, | Und ist geworfen der steck | Abe zwischen der menscheit | Und dem tuvel.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
199, 14
(
moobd.
,
1478
/
81
):
ye wann sy über etlich wasserflüss kamen, liesz der pfaltzgraf die prugken abwerfen.
Chron. Augsb.
2, 221,
Anm. 2;
251, 17
;
Turmair
4, 292, 14
;
544, 16
;
5, 184, 6
;
Schöpper
66 b
;
Maaler
9 r
;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
56 a
;
Schwäb. Wb.
1, 83
.
4.
›etw. abladen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 1.

Belegblock:

Zingerle, Inventare
71 b, 8
(
vorarlb.
/
tir.
,
1484
):
welcher rodman sein schwër des nachts oder des morgens aufgelegt hat, das sol im kainer abwerfen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
45, 27
(
m/soobd.
,
1440
/
56
):
die sullen das fur sich furen an die stat, so ir sazung ist, und nicht abwerfen und under wegen liegen lassen.
5.
›etw. abstoßen, fallenlassen, verlieren (vom Tiergehörn, Pflanzenteilen o. ä.)‹.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
327, 13
(
oobd.
,
1349
/
50
):
er [paum] wirft auch sein pleter niht ab.
Sachs
7, 452, 28
(
Nürnb.
1560
):
Der hirßch [...] Wirfft alle jar ab seine horn.
˹Ral. bei Lichtenstein, Lindener. Katzip.
120, 21
(
1558
):
die het ein eysen
[Hufeisen]
abgeworffen, wie sie [...] ein junckfraw war [...], die war auch noch nit gůt in der ehe und schlůg auß dem geschirr.
˺
6.
›(Triebe o. ä.) kappen, abkneifen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Löffler, Columella/Österreicher
1, 238, 2
(
schwäb.
,
1491
):
wann die schosß mit dem finger abgeworffen werdent. [...] wann die schoss noch zartt sind, das sy mit lichter berierung des fingers abgeschlagen werdent.
7.
›etw. überwinden, ablegen, beseitigen, (die Sünde) tilgen, löschen‹; Ütr. zu 1; 4.

Belegblock:

Bindewald, Texte schles. Kanzl.
130, 3, 39
(
schles.
,
1350
/
60
):
also heysse w(ir) vch von nwes in desim briue, von vch abeczuwerfin allis hindirnis, mit deme di gerechtekeit vnde gerichte den, di ir begertin, mochte v(er)sagit w(er)din.
Quint, Eckharts Trakt.
34, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Sô aber alliu unglîcheit wirt benomen und abegeworfen, sô gestillet daz viur und geswîget daz holz.
Vetter, Pred. Taulers
362, 35
(
els.
,
1359
):
So die minlicheit alle ab geworfen werdent, so wirt der wille Gotz in der erden als in dem himele.
Gille u. a., M. Beheim
82, 121
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
seit der unschuldig in dez mund | nie übels funden isti, | Der her kam und die sund abwarff, | der schauhet dach das messer scharff | seiner peschneidung wenig.
Quint, Eckharts Pred.
1, 339, 3
;
Vetter, a. a. O.
33, 19
.
8.
›etw. unterbinden, unmöglich machen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 104, 26
(
whalem.
,
1484
):
das man inen veilen kouf und allen iren gewerbe abwarf, und das vil zit und iaren gewert hat.
9.
›jn. verstoßen, abweisen; js. Ansprüche zurückweisen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11.

Belegblock:

Ermisch, Freib. Stadtr.
157, 9
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Wirdet derselbe abegeworfen mit rechten teidingen [...], kein ander man mac di wunde me gevorderen kempfliche.
v. d. Broek, Spiegel d. Sünders
207, 17
(
Augsb.
1476
):
wañ dañ der zornig durch seinen zorn von got abgeworffẽ ist. so schmeckt im nichs geistlichs.
10.
›sich gegen jn. auflehnen, erheben, empören; sich von jm./etw. lossagen; sich überwerfen, zanken, prügeln‹.
Wortbildungen:
abwerfung.

Belegblock:

Baumann, Bauernkr. Rotenb.
557, 19
(
nobd.
,
n. 1525
):
die prediger nit gepredigt, das sie sich von den herrschaften oder iren oberkaiten abwerfen und inen weder gult, noch zins geben sollten.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 137, 3
(
alem.
,
um 1460
):
das das selbe bistum, die statt und das lant, sich gegen dem selben bischoff abewurffent und im ungehorsam wurdent.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 69, 11
(
halem.
,
n. 1329
):
und muͤessen also. taͤglich erwarten, dass si sich abwerfen.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 15, 15
(
halem.
,
1508
/
16
):
die demnach lange jar von den Römern und ire anwälten gereiergt [!] wurdent, bis der zit aber sich Gallia und Tütschland wiederum abwarf.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
14 b
(
Genf
1636
):
abwerffen/sich mit einem keiben vnnd treiben [...] Die beyde haben sich dapffer mit einander [abgeworffen].
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
52, 7
(
moobd.
,
1478
/
81
):
nach dem und sich Thasilo abwarf gegen dem kaiser Karl.
Maaler
9 r
;
Schwäb. Wb.
1, 84
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 74.
11.
›jn. zum Abfall von jm. bewegen, zur Empörung, zum Aufstand, zur Erhebung gegen jn. bringen‹.
Bedeutungsverwandte:
(s. v.  4),  18.

Belegblock:

Pfaff, Tristrant
121, 4
(
Augsb.
1498
):
er [...] hat mit listigkeit und grosser geheisse ab geworffen all meins herren lantsessen und dienstman, das die zů ym gefallen sind.
Turmair
4, 501, 10
(
moobd.
,
1522
/
33
):
ob si dise land wider die Römer abwerfen und aufbringen möchten.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
188, 35
(
moobd.
,
1478
/
81
):
wie sy das mochten anrichten, wurfen sy vil stet ab, die widerwärtig wurden dem hertzog.
12.
›etw. skizzieren, abbilden‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5, ,
2
 1,  2.

Belegblock:

v. Keller, Amadis
153, 13
(
Frankf.
1569
):
welchen
[Schild]
er [...] getragen, mit zweien darinn abgeworffenen, vnd blawen Löwen.