amptman,
der
;
-man(ne)s
/ sehr vereinzelt:
, meist:
-(s)leut(e).
Die Variante
amptman
begegnet etwa in der Hälfte der Belege, und zwar mit besonderer Häufung im Nobd. und Wobd. sowie in den zeitgenössischen Glossaren. Weitere Varianten:
ambachtman, ambachtsman
(alem., älteres und mittleres Frnhd);
ambtman
(gehäuft oobd.);
ammechtman
(gehäuft omd., 15. Jh.);
amtman
(schwach belegt);
amman
(fast ausschließlich wobd., 15./16. Jh.).
allg.: ›j., dem in einer sozialen Ordnung eine bestimmte, meist administrative Funktion unterschiedlichen Ranges zugeteilt ist, Amtsperson, Träger, Inhaber eines Amtes‹.
Zur Sache: Rwb
1, 538
-541; 576-581; Haberkern/Wallach
1, 37
; Lex. d. Mal.
1, 562
/3; Jeserich u. a., Dt. Verwaltungsgeschichte 1, 1983, 85/6 (zu c).
Syntagmen:
ein a. werden, a. haben keinen fleis / erdenken neue fünde; eid des a.; erbarer / geitiger / träger a.
.
Wortbildungen:
amptmanschaft
›Tätigkeit als Amtmann‹.
Als soziale Ordnungen kommen insbesondere die folgenden in Betracht:
a) die Reichsorganisation, b) die Landesherrschaft, c) die grundherrschaftliche Verwaltung, d) die Stadt, e) die Kirche, f) das Militär, g) das Handwerk, h) der Bergbau.
Dementsprechend sind die Erläuterungen zu spezifizieren:
a) ›Reichswürdenträger, Hoheitsträger‹.
Bedeutungsverwandte:
, , ,  3; vgl.  1.
Syntagmen:
den a. zu jm. senden / dem reich ordnen; a. gottes sein; a. des reiches
(mehrmals).
b) ›landesherrschaftlicher Beamter, Träger einer Verwaltungsfunktion, teilweise einer richterlichen Funktion innerhalb eines Territoriums‹; je nach Amt: ›Vogt‹, ›Schultheiß‹ usw.
Bedeutungsverwandte:
, , (je mehrmals), (
der
13, (-)
herre
; (-)
richter
; vgl. , .
Syntagmen:
den a. richter nennen / in der herschaft setzen / über ein gericht setzen / zu jm. senden; a.
(Subj.)
nemen gaben / nemen jm. pferde / wiedersetzen sich e. S. / legen wald in ban; jm. etw. aus befel des a. verbieten, jn. mit rat des a. zum schöffen kiesen, jn. nach erkentnis des a. strafen; dem a. befelen / gebieten / schreiben; jn. vor den a. zitieren, rechnung vom a. aufnemen, land mit einem a. besetzen, jm. vom a. schaden geschehen; a. des grafen / herzogs / landrichters, in der mark; laube
(›Erlaubnis‹) /
wille des a.; gemeiner / oberster / unparteiischer a.
.
c) ›Vertreter des Grundherrn, Bevollmächtigter, Beauftragter, Wirtschaftsleiter eines Hofes oder Grundbesitztums‹.
Bedeutungsverwandte:
(
der
13,  1 (im Weinberg), ; vgl. .
d) ›städtischer Beamter‹.
Bedeutungsverwandte
zu d): .
Syntagmen:
den a. entsetzen; a.
(Subj.)
nemen zol / gülte; jn. im beisein eines a. strafen; a. über die schenke / das gefängnis
.
e) ›Wirtschafter, Verwalter im Dienst der Kirche oder einer kirchlichen Organisation‹.
Bedeutungsverwandte:
 4, , , ; vgl.  1.
Syntagmen:
den a. schlagen; a.
(Subj.)
geben korn; sich wieder einen a. setzen, mit einem a. ordnung ansehen / machen; a. des gotteshauses / ordens; bekentnis des a.; geistlicher / weltlicher a
.
f) ›j., der im Dienste des Militärs eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen hat‹.
g) ›Angehöriger einer Handwerkszunft‹, aber auch: ›beauftragter Prüfer handwerklicher Produkte‹.
Bedeutungsverwandte:
, , ; vgl.  2.
Syntagmen:
a. über die bäcker
.
Wortbildungen:
amptmansessen
,
amptleuteessen
›Zunftessen‹,
amptleutegericht
›Zunftgericht‹.
h) ›Bergbeamter, Grubenbeamter‹; er konnte vom Landesherrn wie von den Gewerken bestellt sein.
Bedeutungsverwandte:
 1, ,  2; vgl.  2.
Syntagmen:
a. teilen jm. etw. zu / reissen jn. vom berg; bergwerke mit a. versehen; erkentnis
(›Urteil‹)
des a
.
Die Verwendung einer der Formvarianten vorwiegend oder ausschließlich für den Hoheitsträger eines bestimmten Ordnungsbereiches läßt sich nach dem Quellenbefund nicht nachweisen; vgl. aber Hrg
1, 155
/6, das für
amman
die spezielle Bedeutung ›Dorfvorsteher‹ angibt.

Belegblock:

Allg. Variante: ˹Ütr.:
Kochendörffer, Tilo v. Kulm
3350
(
preuß.
,
1331
):
Wi lyp Cristo halt da by | Daz menschliche kunne sy, | Werldlicher eren girde, | Vol itelicher czirde, | Und czu vluz rieches gutes | Ammen kundeges mutes.
˺
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 233, 17
(
Hagenau
1543
):
Wilt du geldt haben / so wird eyn Amptman / so hast du sein genug.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
4155
(
schwäb.
,
1453
):
Amptlüt erdencken nüwe find | Und achten nit, ob es wer sünd, | Wie das ir her ain andern trück.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
37, 20
(
schwäb.
,
1548
):
vill auss dem adell, ratt, burger, ampttleüttenn, voigttenn und undervögttenn.
Ebd.
69, 13
(
1549
):
er wer [...] ritter oder knecht, graffenn, vögttenn, ampttman, hantwerkleitt, [...] er were gliech was stands oder wyrde er wölltt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
232, 16
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Pei dem tier verstên ich die geitigen amtläut, rihter, scherigen und ander abreizer.
Mon. Boica, NF.
1, 287, 2
;
Ebd.
2, 1, 291, 11
;
Bührer, Kl. Renner
57
;
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
141, 36
;
Schöpper
66
;
Schwartzenbach B iiijr;
Rot
290
;
341
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981,
Nr. 11;
Schwäb. Wb.
1, 167
;
Rwb
1, 581
.

Zu a):

Ziesemer, Proph. Cranc Uzl.
263, 6
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
wantan sy denne gotis dyner sin und sine ammechtluyte und sine stat vorsteen kegin dem volke, beyde geistliche vursten und wertliche.
Chron. Strassb.
1, 424, 32
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
ich rote üch: die selben fürsten erkiesent us des riches ambahtlüten, wan sü allerbast wissen des riches gelegenheit.
Roth, a. a. O.
86, 2
(
moobd.
,
v. 1493
):
dieselben wal sollen mit namen thůn des reichs ambtleẘt. und sind: die ertzbischof Maintz, Triel, Kolen, pfaltzgraf bei Rein, hertzog zů Sachsen, marggrafe zů Brandenburg und der konig zů Beheim.
Große, Schwabensp.
104a, 23
;
Foltz, UB Friedb.
1, 595, 11
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
23, 9
;
Gerhardt, Meister v. Prag
98, 27
;
Barack, Zim. Chron.
1, 258, 19
;
Roth, E. v. Wildenberg
133, 2
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
136, 5
.

Zu b):

Kollnig, Weist. Schriesh.
26, 11
(
rhfrk.
,
1399
):
Auch quam ez darnach, daz unsers herren, dez herzogen, amptlude den walt auch in ban leyden.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
57, 14
(
schles.
,
1364
):
Dorumme gebite wir ernstlich alle vnsern Houptlowten, Lantheren, Rit’n vnd knechten, allen richtern, Burcgrauen, vicztumen, czolnern, mowtern vnd phlegern vnd allen andern vnsern amechtlowten, Dynern vnd vndirtanen.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 43, 24
(
nobd.
,
1464
):
die [gerichtswandel] fuͤrbas mit eins amptmans willen genomen und nachgelazen wuͤrden.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 176, 4
(
obd.
1525
):
wirt ein solicher casus gehandlet durch meins gnedigen herrn amptleut, nemlich durch den canzler, official, vicarium und notarium.
Chron. Strassb.
2, 826, 12
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
so geschehe in und den selben iren burgern dicke so gros schade und widerdries von des herzogen vougten und ambahtlüten.
Kläui, Urk. Kaiserstuhl
119, 2
(
oobd.
,
1524
):
Der Gemain Ambtman [...] soll zu yeder zeit, durch seiner Furstlichen gnaden Stat Richter, Burgermaister, vnd Rate aufgenomen, vnd geurlaubt werden.
Mell u. a., Steir. Taid.
243, 36
(
m/soobd.
,
1638
):
14 tag zuvor wiert durch den ambtman, wöllicher zu freiungszeit richter genent wiert, die freiung und das zaichen offentlich [...] aufgesözt.
Hertel, UB Magdeb.
3, 876, 26
;
Kollnig, a. a. O.
137, 16
;
Koeniger, Sendgerichte
187, 7
;
Ermisch, Sächs. Bergr.
66, 22
;
76, 26
;
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
184, 26
;
Wattenbach, Urk. Czarnowanz
136, 19
;
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 91, 5
;
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 360, 35
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
33, 37
;
68, 33
;
104, 8
;
Gille u. a., M. Beheim
184, 66
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
49, 13
;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
159, 6
;
167, 14
;
183, 16
;
354, 27
;
417, 13
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
43, 40
;
Chron. Augsb.
3, 345, 10
;
Turmair
4, 80, 18
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 13, 24
;
Nyberg, Birgittenkl.
2, 254, 5
;
Gereke, Seifrits Alex.
4007
;
Boot, Cassiodor. Hist. Eccl.
17, 6
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
237, 8
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
30, 5
;
Wopfner, Bauernkr. Tirol
27, 36
;
Serranus
10v
;
Pfälz. Wb.
1, 207
;
Schwäb. Wb.
1, 170
;
Dietz, Wb. Luther
67
.

Zu c):

Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 314, 28
(
mosfrk.
,
um 1530
):
sol ein jeder amptman [...] sich des schendlichen volsaufens enthalten, auch zu vermeidung allerlei unzucht [...] sein vertrawt eheweib haben und nit dulden [...], das das gesind [...] hurerei [...] oder andere grobe laster treibe.
Kollnig, Weist. Schriesh.
117, 25
(
rhfrk.
,
1496
):
des erben sollen gegen den amptlutten vertedigen das best heupt under sinem fyhe.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
20, 46
(
nobd.
,
1466
):
ob einer derselben obgenannten gutere eins verkauft on wiessen der herren oder ire amptmans.
Winter, Nöst. Weist.
2, 744, 6
(
moobd.
,
1641
):
derselbe ambtman soll alle sachen nach bësserung unserm genedigen herrn handlen und richten, doch dreierlei sachen außgenohmen: mannschlag notturft und diebhait.
Ebd.
987, 11
(
1493
):
ain ieder herr [...], der güeter [...] ze leihn [...] hat, soll ainen ambtman oder anwalt habn hie der solche lehn [...] an seiner stat leich oder verfertig.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
281, 15
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
all amptlewt, der vber vberlent geseczt sind, es sey weingarten oder ekcher.
Mon. Boica, NF.
1, 711, 21
;
2, 1, 14, 11
;
Winter, a. a. O. S.
1122
/3 (Glossar mit weiteren Belegstellenangaben);
Rwb
1, 578
.

Zu d):

Chron. Köln
1, 2806
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
burgermeister ind amptman | weder spraichen sy nochtan.
Köbler, Ref. Wormbs
138, 32
(
Worms
1499
):
vnser Stat Amptlüte oder Scheffner des gemeinen nutzs genant fiscus.
Mon. Boica, NF.
1, 340, 15
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
das von den obgeschriben vasznachthuͤnern alle jar abget von dem pfarrer, fruͤmesser, den ratherren, richtern, amptleuten [...] eins jars mer dann das ander.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
444, 36
(
halem.
,
1558
):
das sy [...] mogind zůsammen kommen und in bysin unserer [schulths, ratt] amptlúten dieselben úbertraͤtter straffen moͤgind.
Müller, Nördl. Stadtr.
82, 19
(
schwäb.
,
1433
):
Es ensol auch kein burgermeister nu furbas deheinem bütel, statlewfer, flurheyen, vogtsknechten noch andern amptlüten noch sust iemans kein zaichen mer geben.
Chron. Strassb.
1, 27, 1
;
Schwäb. Wb.
1, 166
/7;
Dietz, Wb. Luther
68
.

Zu e):

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
160, 3
(
preuß.
,
1443
):
Disz hie undene geschreben is das bekentnisse der voythe, pfleger, amptlewte und bruder des conventcz.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
70, 25
(
nobd.
,
1344
):
Auch sullen di burger zu Wirtzbůrg dez gotzhause dynstleůt, amptleůt, muͤntzer, smide [...] bei iren freiheiten unn rehten beleiben lazzen.
Mon. Boica, NF.
1, 575, 29
(
nobd.
,
1414
):
ein tumbrobste oder sein amptman sol jerlichen und ewiglichen den ricariern geben ... eylf sitmer korns.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
55, 5
(
halem.
,
1533
):
Dis ist die ordnung, so min gnediger herr apt Diethelm mit sampt sinen rät und amptlüten, gaistlich und weltlich, [...] angesechen und gemacht hat.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 372, 35
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 287, 13
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 136;
Rwb
1, 539
;
577
;
579
.

Zu f):

Chron. Strassb.
1, 63, 18
(
els.
,
1362
):
in dem here worent ouch wohl 800 frowen, do iegelich alle wochen 1 d. gab eim ambahtman, der daruber gesetzet waz daz er sü beschirmen solte for gewalte.
Primisser, Suchenwirt
4, 170
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Di amptlaͤut da tzu griffen, | chauften choste manigerlay.

Zu g):

Ettmüller, Heinr. v. Meißen
270, 17
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
hôhvart ûz armer gulde, | ûf wîse tât tump ambahtman, | vil rede muoz dicke lüge ûz lân.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 297, 12
(
hess.
,
1430
):
als andere ire amptlude bißher gekorn worden sin.
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 330, 10
(
preuß.
,
1419
):
von den ammechtluten, das eyn iczlicher nicht mer, den eyn ammecht triben sal.
Vetter, Pred. Taulers
158, 10
(
els.
, Hs.
1359
):
als ein werkmeister der vil junger und amtlúte under im hat.
Buch Weinsb.
5, 68, 2
;
79, 12
;
Henisch
63
;
Dietz, Wb. Luther
68
;
Diefenbach
352
c.

Zu h):

Löscher, Erzgeb. Bergr.
107, 14
(
omd.
,
1548
):
nach gelegenheit des handels, erkentnus und besichtigung der amtleuthe mag auch ein schriftliche beweisung geschehen.
Ermisch, Sächs. Bergr.
164, 19
(
osächs.
,
1509
):
sollen derselbig unßer amptman [...] alle schichtmeister und steiger ane unßers heuptmanns tzulassung nicht vom berge reißen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 23, 16
(
schles.
,
1339
/
61
):
Lert uns, wie verre gesworen leut, sie sein steiger, huter oder ander amptleut, gezugen mugen in dem lehen oder auf der zeche.
Löscher, a. a. O.
73, 4
;
Wutke, a. a. O.
21, 12, 23
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
47
;
Rwb
1, 578
.