denken,
V.,
unr., rückuml. mit Nasalausfall im Prät.
– Gehäuft Texte religiösen oder didaktischen Inhalts.
1.
›den Verstand gebrauchen, nachdenken, überlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
das herz
(Subj.)
d
.;
hin und dar / hin und her d
.;
aus dem grunde des herzens d
.,
mit dem herzen d
. (die Innerlichkeit des Denkens betonend);
auf etw. d
.

Belegblock:

Luther, WA
32, 532, 36
(
1532
):
Das man dencke und solche lere und warnung anneme.
Ebd.
41, 196, 24
(
1535
):
die leidige Undanckbarkeit und verachthung des Euangelij bey denen, so es haben und doch nicht mit ernst und sorgen dencken, wie sie es behalten moͤgen.
Quint, Eckharts Trakt.
208, 9
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
swaz er ouch denke, dennoch würket er sîn werk ûz sîner kunst.
Lappenberg, Fleming. Ged.
77, 123
(
1635
):
Denke, denke, was du denkst, | daß du dich so abekränkst!
Froning, Alsf. Passionssp.
6522
(
ohess.
,
1501 ff.
):
disße erbeyt han mer vollenbracht, | da mer lange haben uff gedacht!
Kurz, Waldis. Esopus
4, 73, 58
(
Frankf.
1557
):
Der Wolff lag still: allda gedocht: | „Das sein gar grobe Geissel riemen, | Machen vnsauber blutig striemen!“
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
75, 34
(
omd.
,
1487
):
anders sagend mitt den wortten den er mitt dem hertzen gedacht.
Böhme, Morg.R.
483, 15
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Wan du sinnest und denckest / was da sey in dieser Welt.
Henschel u. a., Heidin
1149
(
nobd.
,
um 1300
):
Waz si tvn wolde | Oder waz si lazen scholde | Si dahte hin vñ her.
Bell, G. Hager
619, 5, 6
(
nobd.
,
1588
):
ich dath, was das pe deitt?
Henisch
153
(
Augsb.
1616
):
Wann das auge sihet / das es nie gesehen hat / dann denckt das hertz auch wol / das es nie gedacht hat.
Klein, Oswald
16, 42
(
oobd.
,
vor 1407
):
Das freulin tacht in lieber acht: | „ach sunne, was hat dich fürher bracht?“
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
27, 4
;
Eggers, Psalter
77, 10
;
Jahr, H. v. Mügeln
2134
;
Schönbach, Adt. Pred. B,
4
;
Henschel, a. a. O.
1393
;
Stackmann u. a., Frauenlob
14, 33
[C], 1;
Vetter, Pred. Taulers
383, 20
;
Munz, Füetrer. Persibein
93, 4
;
Weber, Füetrer. Poyt.
78, 1
;
Henisch
676
;
Dietz, Wb. Luther
1, 422
;
Schweiz. Id.
13, 643
;
Schwäb. Wb.
2, 147
.
Vgl. ferner s. v. ,  4,  2.
2.
›sich einer Sache erinnern, einer Sache gedenken, etw. im Geiste behalten‹; auch: ›sich eine Sache vergegenwärtigen, sich auf etw. besinnen, konzentrieren‹.
Syntagmen:
etw. d
.;
e. S.
(Gen.)
d
.;
an etw. / jn. d
.
Wortbildungen:
denkmal
,
denkopfer
(a. 1537),
denkpfenni(n)g
(a. 1560),
denkschrift
.

Belegblock:

Luther, Hl. Schrifft
2. Mose 13, 9
(
Wittenberg
1545
):
Darumb soltu sieben tage vngesewrt Brot essen / [...] sol dirs sein ein Zeichen in deiner Hand / vnd ein Denckmal fur deinen augen / [...] das der HERR dich mit mechtiger Hand aus Egypten gefüret hat.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
281, 13
(
Wolfenb.
1593
):
Sihe du dieweile wol zu, Vnd dencke, vnd halte, Was du mir zugesaget hast.
Chron. Köln
1, 1242
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
der busschoff manchis deinstis daichte, | den sy eme da nur hatten gedain.
Beckers, Bauernpr.
62, 29
(
Köln
1515
/
18
):
Dencket wie es in vngern ergãgen is vñ nu stee | Dat vch schyr ad morn niet ouch so gee.
Ebd.
62, 15
:
Dañ wan du dechtest an dat sproch wort | Dat van den alden wart gehort.
Anderson u. a., Flugschrr.
19, 11, 20
([
Eilenb.
]
1524
):
vñ dencke͂ nymer dran das wir vnser kinder in der forcht gotis zeugte͂.
Ebd.
12, 3
:
man kund also leichtlich zum Christen glauben kom͂en / wenn sie nur dran dencke͂ was CRJSTVS gesagt hat.
Froning, Alsf. Passionssp.
6845
(
ohess.
,
1501 ff.
):
mer haben alirst daran gedacht, | das Jhesus [...] | vor sym tode alßo sprache, | hie wulde erstan an dem dritten tage!
Ebd.
6741
:
Ach mutter aller reynnikeyt
[Mutter Gottes]
, | loiß dyn klagen und dyn groisße leyt | und denck an der propheten wort.
Göz. Leichabd.
194, 13
( 
Jena
1664
):
der [...] Tugendbegabten Fr. ANNEN MARGARETHEN [...] Herzliebst-gewesinen juͤngsten Toͤchterleins / auch mit einigen Denk- und Grabe-Schrifften noch zu guter Lezze / und betruͤbtem Abschiede bedienen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
248, 4
(
Nürnb.
1548
):
Weñ wir mit ernst an vns dencken / mússen wir vns fuͤr suͤnder erkennen vnd bekennen.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 40
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
wie oft euch ditz ding widervar, | so denket an mein
[Jesu]
sterben.
Weber, Füetrer. Poyt.
183, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
dann dacht er seiner ameyen klar, | der schön verr vber dise was gepreyset.
Quint, Eckharts Pred.
1, 185, 4
;
ders., Eckharts Trakt.
408, 8
;
Rosenthal. Bedencken
30, 32
;
Froning, a. a. O.
6315
;
Eggers, Psalter
78, 7
;
Göz. Leichabd.
194, 13
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 2, 2
;
Kurz, Murner. Luth. Narr
2085
;
Roloff, Brant. Tsp.
1272
;
2140
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
21, 6
;
Niewöhner, Teichner
353, 8
;
Dirr, Münchner Stadtr.
586, 30
;
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
506
;
Serranus
49r
;
Henisch
676
;
Dietz, Wb. Luther
1, 423
;
424
;
Schweiz. Id.
13, 649
;
Schmeller/F.
1, 523
.
Vgl. ferner s. v.
1
 4,  14.
3.
›etw. glauben, meinen; urteilen‹.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
jm. übel d
. ›von jm. schlecht denken‹; ˹
auf jn. / über / von jm. d
.˺ jeweils: ›eine Meinung von jm. haben‹,
mit jm. d
. ›jm. zustimmen‹.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
468, 15, 13
(
1634
):
Wenn denn mein edler Freund sein Stambuch durch wird sehn, | so denk‘ er über mir, mir sei von ihm geschehn.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
269, 33
(
Wolfenb.
1593
):
Ich dachte, Weil jhr noch ein Junger Eheman weret, so würdet jhr sie nicht gerne von euch lassen.
Rosenthal. Bedencken
25, 5
(
Köln
1653
):
ZVm Vierten bey der weitläuffigen erklärung vnd fürhaltung deß Gesäzes [...] dencken wir vnder andern mit S. Hieronyme Gott hat uns also erschaffen / daß wir eines freyen willens seind.
Eggers, Psalter
75, 9
(
thür.
,
1378
):
Si werden wedergekeret vñ schemen sich, di mir vbele dencken.
Thür. Chron.
21v, 5
(
Mühlh.
1599
):
die Düringischen Herrn dencken so jtzo bey einander sein / daß einer Fallen müsse.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
26, 4
(
Straßb.
1650
):
O dencket mir nichts von Weibern, laßt sie, wo sie sind.
Jostes, Eckhart
57, 34
(
halem.
,
14. Jh.
):
Du hast uns ursach geben, daz wir böß uff dich tǎcht hand.
Holland, a. a. O.
282, 30
;
Froning, Alsf. Passionssp.
667
;
2714
;
Fischer, Folz. Reimp.
5, 70
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
265, 34
;
Bernoulli, Basler Chron.
5, 262, 9
;
Munz, Füetrer. Persibein
60, 5
;
Dietz, Wb. Luther
1, 423
;
Schweiz. Id.
13, 645
.
Vgl. ferner s. v. ,  1.
4.
›sich etw. vorstellen‹.
Syntagmen:
die vernunft / das herz d
.;
an jn. / etw. d
.,
von etw. / jm. d
.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
37, 16
(
14. Jh.
):
Ich tun mein augen zu und dench an einen menschen, der verre von mir ist.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth
1, 373, 30
(
Frankf.
1563
):
Die magd aber hette es der frauwen [...] zuͦ wissen gethon, die legte sich in einer nacht, als der mann backen wolte, in der magd bette, derselb fügte sich heimlich, [...] in die kammer, und was er da gethon hab, ist guͦt zuͦ dencken.
Dietrich. Summaria
26v, 7
(
Nürnb.
1578
):
Denn das kan sie weder dencken noch glauben / das Gott das ewig leben auß lauter guͤte vnd gnad woͤlle geben / allen denen / so an Christum glauben.
Lappenberg, Fleming. Ged.
172, 56
;
430, 110
;
Froning, Alsf. Passionssp.
294
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
879
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
154, 5
;
169, 26
;
Schweiz. Id.
13, 645
.
Vgl. ferner s. v.  2.
5.
›etw. beabsichtigen; erwägen‹.
Syntagmen:
etw. d
.;
auf / nach etw. d
. ›auf etw. bedacht sein‹.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 432, 31
(
Köln
1499
):
he
[Bischof]
woulde van dem dage over ein jair selfs weder dair sin, lies in got leven, und deicht dae ungedrongen misse an dem elter zo doin.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 474, 5
(
Nürnb.
1631
):
Mit arger List vnd Marter groß, | Dachten sie dich gantz verderben.
Roloff, Brant. Tsp.
989
(
Straßb.
1554
):
Und nimm war ich stirb unschuldiglich | Dann solche sünd nie gedacht hab ich.
Chron. Köln
1, 4470
;
Froning, Alsf. Passionssp.
255
;
Vetter, Pred. Taulers
113, 14
;
Dietz, Wb. Luther
1, 423
;
Schweiz. Id.
13, 644
.
Vgl. ferner s. v.  1.
6.
›etw. erdenken, ersinnen‹.
Syntagmen:
etw. d
.

Belegblock:

Jostes, Eckhart
56, 15
(
14. Jh.
):
die edelst creatur, di in got ye gedacht wart.
Bachmann, Morgant
293, 8
(
halem.
,
1530
):
Wann der verretter dăcht die aller tödtlichest verrettery, deren sich kein mentsch besinnen mocht.
Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 298, 3
;
Chron. Köln
1, 1489
;
2, 476, 9
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
381, 15
;
Gierach, Märterb.
486
;
Henisch
676
;
Schweiz. Id.
13, 645
.
7.
›auf etw. / jn. hoffen, vertrauen‹.
Syntagmen:
in etw., nach jm. d
.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
146, 125
(
1635
):
Ein ieder denkt nach dir
[Arzt]
, begehret dich bei sich. | Wie dich der Kranke hofft, so wündscht der Frische dich.
Reissenberger, Väterb.
8
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Got herre ob aller herschaft, | Wer getar denken in di craft | Diner minne und dines suns.
8.
›jm. etw. zudenken, vorbestimmen‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
1410
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Nu warte, wes dir si gedaht.
Reissenberger, Väterb.
15410
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Do wart in dar von vogelen braht | Daz in zu spise was gedaht.
Stackmann u. a., Frauenlob
13, 4, 2
;
Reissenberger, a. a. O.
34543
;
Dietz, Wb. Luther
1, 424
;
Schmeller/F.
1, 523
.
9.
wohl: ›für etw. Sorge tragen, sich um etw. kümmern‹.
Syntagmen:
an / auf etw. d
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
156, 3698
(
Magdeb.
1608
):
MJtler weil abr hab ich in acht / | Das meins beutels auch werd gedacht / | Vnd ich groß gut moͤge erlangen [...] | Darauff mus der Koͤnig selbst dencken / | Vmb wolverdienst gnadengeld schencken.
Barack, Teufels Netz
12968
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wan wer wil kostlich gewand han, | Den muos mengerlai hoffart bestan: [...] | Fründen und gesellen schenken, | Das er susz nit bedörft denken.
Vgl. ferner s. v. (Adj.) 1.
10.
Part. Adj. (Adj.) ›bereits erwähnt, angeführt‹.