rad,
das
;
-es/-er
+ Uml., auch
-e
;
als Diminutiv
rädlein
(in 3 nicht, in 5 ausschließlich verwendet). – Bezeichnet jeweils eine scheibenförmige bzw. kreisrunde Bezugsgröße, die sich um einen Mittelpunkt, eine Achse dreht; die Bedeutungsansätze gliedern sich nach Verwendung und Funktion:
rad
an Fortbewegungsmitteln (1), an technischen Vorrichtungen (2), als Hinrichtungsinstrument (3), allgemein als runder Gegenstand (4), als Gruppierung von Personen (5), als Glücksrad (6).
1.
›Rad an einem Wagen, Karren oder einem anderem Fahrzeug, durch das dessen rollende Fortbewegung ermöglicht wird‹.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
8, 1905
 ff.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
der drek / kot sich ans rad hängen / legen
u. Ä. (sprichwörtlich);
jm. ein rad abjagen vom wagen
›jn. in Schreckstarre versetzen‹;
hier mit einem karren, dort mit einem rad faren
etwa: ›es ist gehupft wie gesprungen; es macht keinen wesentlichen Unterschied‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. .
Syntagmen:
ein r. beschlagen, räder von hinnen füren, der karren räder haben
;
der schaden mit dem hinteren r. geschehen
;
ein r. an einem karren / wagen, räder zu den büchsen
›Kanonen; Geschützwagen‹;
beschlagene / unbeschlagene, schlechte / scheiblechte räder
;
büchsen auf rädern, nägel für ein r., ein pflug mit zwei rädern
.
Wortbildungen:
radachse
(a. 1490),
radband
, ˹
radborer
,
radnebiger
˺ ›Radnabenbohrer‹, ˹
radbreit
,
radweit
˺ ›eine Wagenbreite umfassend‹,
radeber
›Schiebekarren mit einem Rad‹,
radeisen
1 ›Werkzeug für den Eisenbeschlag‹; 2 ›Eisen für den Eisenbeschlag‹, ˹
radelbet
,
radelbetstat
˺ wohl ›Säuglings-, Kinderbettchen auf Rollen; Gestell eines Rollbettchens‹,
rademacher
›Stellmacher, Wagenbauer‹ (Berufsbezeichnung),
rademachergezeug
›Ausrüstung, Werkzeug des Wagenbauers‹,
radfelge
,
räding
›Wagen zum Transport von Holz‹ (a. 1507; dazu bdv.: ),
radkarre
›Schubkarren‹ (dazu bdv.: vgl.  3, , ),
radliz
›Pflug‹ (a. 1590; dazu bdv.: vgl.  1),
radnagel
,
radnageleisen
›Werkzeug beim Beschlagen eines Rades‹, ˹
radraum
,
radwende
˺ ›Pflugwendestreifen‹ (dazu bdv.: vgl.  1; zur Synonymik der ,Pflugwende‘ in den rezenten Mundarten des Deutschen s.
Dwa
4
, Karte 8 sowie 8, Karten 6 und 7),
radschiene
›Leiste, Reif für den Eisenbeschlag eines Rades‹,
radschmied
›Radmacher‹,
radspeiche
,
radsperre
›aus einem Strick bestehende Bremssicherung‹ (dazu bdv.: , ),
radwenden
1 ›angrenzen‹ (vom Pflugwendestreifen; a. 1553).

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
117, 9
(
preuß.
,
1485
):
1 gantcz smedegeczoge, 1 gantcz bogenergeczoge, 1 gantcz rademachergeczoge.
Ebd.
245, 2
(
1452
):
Smideampth: item 16 czangen clein und gros alse sie zeum smideampthe dienen, item 2 radenageleysen, 2 grosse nageleysen.
Ebd.
506, 29
(
1434
):
Kompthurs gemach: [...] 1 gros radenebiger, 1 cleyn radenebeger.
Ebd.
512, 22
(
1441
):
Schirgeczew: item 1 sage, 2 radeborer, 6 nebiger.
Ebd.
758, 36
(
1446
):
1 stempil, item 1 radeyzen
[zu a]
czu radenaylen, item 1 anebos.
Toeppen, Ständetage Preußen
5, 683, 27
(
preuß.
,
1521
):
Von radmecher. Item di radtmacher sollenn vier baurradt nicht theurer, dann fur ein marg geben.
Luther, WA (
1532
):
und wie man sagt, hie mit eim karn, dort mit einem rad mus faren, das ist hie jamer und angst, dort das hertzleid haben.
Ebd. (
1531
):
Es kan einem ein radt abjagen vom wagen und einen Erschrecken, das der Bapst und die seinen sich rhumen, sie seindt die Christliche kirche.
Ebd. (
1538
):
Der kot legt sich ans rat Aber wenn er dahin feret, so fellet Er wider ab, oder wird abgewaschen.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 142, 8
(
md.
,
um 1415
):
Welch gast rade von hynnen furin wil, der gebit von sechz radin eynen pfhen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
75, 6
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
der carre der hot schibelechte redir unde slechte, uf den carren legit man bern hute, dor uf siczit der hunde triber.
Lippert, UB Lübben
2, 220b, 11
(
osächs.
,
1524
):
15 d. vor drey rathkarren zur zeigellscheune geben.
Mylius (
Görlitz
1577
):
Sufflamen Spankette od’ Radesper. [...]. Vnirota Radeber.
Rennefahrt, Recht Laupen (
halem.
,
1520
):
das der benempt uͥnser vogt und die sechs mann [...] des ersten einen marchstein setzen soͤllent uff der radweͣndi Goͤtschis acher.
Maaler (
Zürich
1561
):
Radfelge (die) das ist der vmbkreiß am rad. Orbile, Absis uel Apsis. Die eysin Radschinen. Canthus. Radspeich / Die speichen an einem rad. Rotarum radij. Radsperre (die) oder spannstrick / damit man das wagenrad spannet [...] an gehen orten. Sufflamen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Zw denn zeyten was eyn ertzpischolff zw Gran in Vngerlanndt, [...], aynes armen radschmidt sun.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
v. 1483
, Hs. 
1643
):
aber zwischen feldern solle er haben radtraum, daß man sich berüren mag mit ainem pflueg wan man agkert.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1625
):
ober er soll seinen nachparn radtweit vorlassen und nit mehr wißmadt einfahn, dann er mit 4 rossen auf anewenden fiern mag.
Ebd. (
17. Jh.
):
Wann ainer ain tradtpeunt einzeint, so soll er seinem nochtborn rotpreit ligen lassen.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1488
):
In der kamer darob: iiii newe spanpett. ii rädlpett.
Ebd. (
1484
):
zway beschlagne grettreder vnd vii rëdel an ziechkërrẹn.
Ebd. (
1498
):
Ain spanpett mit ainem halbẹn himẹl, darvnndter ain redlpettstat.
Rechn. Kronstadt
2, 91, 2
(
siebenb.
,
1528
):
dem schmit czu lon vnd das im off di alt raett schynen off geczogen hat vnd raet pandt schyn negel vnd vogen peschlon.
Ebd.
3, 320, 26
(
1554
/
5
):
1 fÿrdel eÿsen asp. 34. Vnnd 2 schÿnen roÿdt eÿssenn
[zu b]
asp. 11.
Küther, UB Frauensee
209, 33
;
Roder, Hugs Vill. Chron. ;
Bremer, Voc. opt.
27021
;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Zingerle, a. a. O. ;
Stolz, Zollwesen
129, 31
;
Voc. Teut.-Lat.
aa iiijv
;
Schles. Wb.
2, 1061
;
1063
;
Vorarlb. Wb.
2, 632
 f.;
Öst. Wb.
1, 53
;
2, 188
;
3, 840
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 237
.
Vgl. ferner s. v.  1, .
2.
›Rad, Räderwerk als Teil von mechanisch-technischen Vorrichtungen, Geräten, Getrieben u. dgl., das in drehender Bewegung meist der Kraftübertragung dient‹; im Einzelnen: ›Mühlrad‹; ›Wasserrad (auch als Teil einer Schutzvorrichtung)‹; ›Teil einer Hebevorrichtung, einer Winde, eines Ziehbrunnens u. dgl.‹; ›Zahnrad, Teil eines Räderwerks aus ineinandergreifenden Rädern (z. B. einer Uhr)‹; ›Spinnrad‹; speziell: ›drehbare hölzerne Vorrichtung am Eingang zum Sprechraum eines Frauenklosters‹; auch bildlich.
Zur Sache: z. B.
Lex. d. Mal.
2, 767
 ff. (zur Ziehbrunnentechnik); 6, 885 ff. (zur Mühlentechnik); 7, 2119 f. (zum Spinnrad); 8, 1181 ff. (zur Uhrentechnik).
Phraseme:
rad an rad laufen müssen
(sprichwörtlich);
(fleissiglich) das rädlein treiben
›die treibende Kraft (e. S.) sein (bildlich: ein Räderwerk in Gang bringen)‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  2, ,  3, .
Syntagmen:
das r. treiben / treten, etw
. (Subj.)
räder haben
;
das r
. (Subj.)
stil stehen, stetiglich umlaufen, einen balg, viel des wassers treiben, das herz umtreiben
;
der räder gebrauchen
;
künste mit einem r. aufrichten, j. mit rädern bauen, den wein mit rädern austrecken, wasser mit rädern über die stat eingiessen, etw. samt rädern
[wohin]
legen
;
ein r. am brunnen, im urwerk, mit ur, samt stab, zur ramme, x räder in der müle
;
die zugehörigen räder
;
die müle mit steinen auf allen rädern, ein zug mit einem r., die müle mit rädern, x mülsteine zu x rädern
.
Wortbildungen:
raderin
›Aufsicht habende Schwester über das Drehrad am Eingang des Nonnenklosters‹ (a. 1510),
räderwerk
›Uhrwerk‹; auch: ›Bewegungs-, Aufziehmechanismus eines Automaten‹,
radholz
,
radkaste
›kastenähnlicher Teil, in dem das Mühlrad umläuft‹,
radschaufel
›Schaufel eines Wasserrades‹,
radspinnen
›Spinnen mit dem Spinnrad‹ (a. 1600),
radspinnerin
›Spinnerin am Spinnrad‹ (a. 1358/9),
radstube
hier ›über- oder unterirdischer Raum für ein Räderwerk (im Bergbau)‹,
radwenden
2 ›ein Seilerrad bewegen, bedienen‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1601
):
das sie [...] eine Walkmöle und eine Papyer Mölen durch denselbigen meister lassen [...] bawen mit dem anhange, sie wollen die Wasser mit rädern uber alle die Stadt eingiessen lassen.
Mieder, Lehmann. Flor.
819, 27
(
Lübeck
1639
):
Wenn ein Rad im Vhrwerck still stehet / so stehen sie all.
Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1399
):
16 m. vor radeholz und schufelholz.
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
287, 22
(
preuß.
,
1412
):
item 6 m. 6 d. vor 4 bastard, [...], und vor eyne hanfene leyne, [...], vor eyn rad czur ramme, vor schyben czur winden und vor eyn pfolschuͦ.
Luther, WA (
1531
):
Ruffet und haldet euch zum gepet. Alßo muß die noth do seyn, die treybt das gebet alß das wasser das radt.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
iz si uch vrome adir schade | hie muz loufen rad an rade.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1412
/
3
):
Id sij zo wissen, dat an unse herren v. r. komen was, we Walther Kesinger ein rat weulde doin machen, da man sijde up spinnen ind zwirnen seulde.
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
Gebruch die wein mit luden und rader uis zu trecken. [...] kunt man gein lude zu sulcher arbeit mehe bekomen, darumb moist man der rader gebruchen.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1575
):
wo ainer [...] aines jungen zu umbtreibung des radts notdurfftig were, [...], das er ine zu nichts anders als zum radtwenden gebrauchen thue.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
solchs gemeyn ist vndern Weiben, | Welch fleissiglich das redlin treiben, | Mutwilliglich jr Maͤnner hetzen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
18, 3
(
Frankf./M.
1568
):
Jch brauch Hadern zu meiner Muͤl | Dran treibt mirs Rad deß wassers viel.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
152, 29
(
osächs.
,
1570
/
7
):
was zu dem radekasten und in die mühle gehöret, sollen die müller selbst zu schaffen und zu halten schüldig sein.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1342
):
usgenumen erbstollen und ubirige wassernot, do man mit redern buwet.
Ebd. (
1491
):
so sie bauen adir bauen lossen schechte czimern adir radestuben sinkhen adir rorwerg schissen, es sey wie das sey.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
fur ein hundert eicher oder pucher rade schauffel 5 pfunt alt und 2 und 5 heller.
Schaer, Pyr.-Thisbe-Sp. II, (
Basel
1616
):
Mein Hertz laufft vmb in meinem Leib | Gleichsam als wanns ein Rad vmbtreib.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1563
/
5
):
daß sie im closter [s. Katharina] [...] das rat, dardurch man alle ding hinein⸗ und heraus geben hat, vermauren.
Brandstetter, Wigoleis
216, 18
(
Augsb.
1493
):
floß ein wasser vnder einer prugken hin. neben der ein groß starck rade mit schwerter, gabeln vnd spießen. weliches rade stetigklich vmblieff. vnd gegen der prugken stach. also das niemandt lebendig darüber komen mocht.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1496
(
oobd.
,
1607
/
11
):
ein mayenkefer ist bey disen 5 urlein, auch mit rederwerckh, der geht auf einem tisch.
Ebd.
1524
:
wann man dise kästen uberland fürt, so muß man [...] das wasserrad sambt seinen zugehörigen redern in die zwo schubladen legen.
Ebd.
2142
:
Ein uhr oder rederwerckh, ist ein pfaw, geht und wendt sich ringsumb.
Ebd.
2263
:
Ein nidertrechtig messin instrument, welches vil reder hatt und wan man eins treibt, gehn sy alle 3, id est stundt, viertel und minuten.
Ebd.
2291
:
ein geometrisch rad sambt seinem stab, damit es umbgetriben wirt.
Ebd.
2403
:
ein waxin brustbild, so durch rederwerckh die augen verwendt.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
759, 3
;
Ermisch u. a., a. a. O.
4, 38
;
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. ;
Hauber, UB Heiligkr. ;
Schles. Wb.
2, 1061
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 97
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 165
.
Vgl. ferner s. v. ,  1,  5.
3.
›radförmiges Strafwerkzeug, Tötungsinstrument unterschiedlicher Gestalt für verschiedene Varianten der Hinrichtung durch
rädern
‹; metonymisch auch: ›das Recht, das
rad
zur Anwendung zu bringen‹.
Zur Sache:
Hrg
4, 135
 f.; .
Phraseme:
˹
rad und galgen
;
rad und schwert
u. Ä.˺ (formelhaft);
galgen und rad aufrichten / aufschlagen / setzen
(formelhaft).
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1, , ; vgl. ,
1
 5.
Syntagmen:
das r. über jn. bringen
;
das r
. (Subj.)
js. sein
;
j. auf dem r. liegen, jn. auf das r. legen / setzen, auf vier räder setzen, die mörder auf dem r. sehen, jn. in ein r. flechten, mit dem r. umbringen, (wie einen mörder vom leben zum tod) richten, die mörder mit dem r. hinrichten, jm. mit dem r. die glieder abstossen, sich um ein r. flechten lassen
;
ein grosses / feurines / wunderliches r., das höllische r
.

Belegblock:

Luther, WA (
1526
):
Er wird eine sonderliche weisse anfahen die leute from zu machen, nicht mit dem rad odder galgen, sondern mit odder durch das Euangelion.
Ebd. (
1531
):
die Gesetze, das Recht und Ampt oder Schwert, Galge und Rad ist nicht der Menschen und unser, sondern unsers HERRN Gottes.
Darfft dw gotte sthelen, ßo darff er dich uff das hellische radt holen.
Aubin, Weist. Hülchrath (
rib.
,
1573
):
So hab auch mine gnedige frau aufzurichten galgen und rad.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
73r, 15
(
Leipzig
1588
):
wie man die Moͤrder mit dem Schwerdte / Spiesse / oder Rade hinrichtet.
Skála, Egerer Urgichtenb.
86, 5
(
nwböhm.
,
1571
):
Erstlich mitt dem Schwertdt gericht vnnd als dan vfs Rath geleget worden.
Gille u. a., M. Beheim
449, 539
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
ain wunderleich, grass, feurin rat, | des spaichen und ach velgen | val scharpfer glewendiger haͮken hing, | und an die selben haͮken wurn | vil menschen an gehenket.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
[der kunig] hies in [her Thiebalt] verteiln und uf vier reder setzen und an vier ende der stat stoßen mit siner banier.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Das du [...] alle tage dich manig werbe umb ein rat liessest flechten und steine und dorne essest.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1525
):
der Beringer von Klengen ward mit urtaill herkentt dem hencker, in mit dem rad im sine glider abzuͦstoßen und in darnach an fier stück zuͦ howen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das etlich unschuldige gefangne, in reder geflochten, über die hohen berg uf Tweil ganz grausamlichen und erschrockenlichen seien herab gelassen worden.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 175, 5
([
Augsb.
]
1548
):
Ain Weiser Künig zerstroͤwt die gotlosen / und bringet das Rad über sy.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
295
;
Aubin, a. a. O. ;
Jerouschek, Nürnb. Hexenh.
12r, 24
;
Menge, Laufenb. Reg.
1763
;
Roder, Stadtr. Villingen ;
ders., Hugs Vill. Chron. ;
Diehl, Dreytw. Essl. Chron. ;
Rwb  ff.;
Vgl. ferner s. v.  1,
1
(V.) 2.
4.
›kreisförmige Figur, Bewegung; runder, rad- oder scheibenförmiger Gegenstand‹; im Einzelnen auch: ›Rad, Scheibe, Walze‹; ›Kreis‹; ›Ring, Reifen, Kreisel‹ (z. B. als Spielzeug, Schmuck, Markierungszeichen, Messinstrument).
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.
Wortbildungen:
radecht
›radförmig, rund‹ (a. 1510),
rädern
2 ›etw. rollen, wälzen‹ (dazu bdv.:  1, ), ˹
radscheiblich
,
radscheiblig
,
radscheib(s)
˺ ›rund (wie ein Rad); kreisförmig‹,
radweise
›im Kreis‹.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Hes. 1, 15
(
Wittenb.
1545
):
da stund ein Rad auff der erden bey den vier Thieren / vnd war anzusehen / wie vier Reder. Vnd dieselbigen Reder waren / wie ein Türckis / vnd waren alle viere / eins wie das ander / vnd sie waren anzusehen / als were ein Rad im andern.
Opitz. Poeterey
53, 2
(
Breslau
1624
):
Es trawret selbst das große radt der Sonnen.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Kloß / da mit die kind spielen oder ein raad.
Voc. Teut.-Lat.
aa vjv
(
Nürnb.
1482
):
Rederñ. rotare. odʼ kugeln oder scheyben.
Sachs (
Nürnb.
1533
):
[Der Todt] ließ ein scharpff schneydende sensen | Radscheyblich auff der erd her densen.
Ebd. (
1555
):
Die kriegßleut radweiß darumb sassen, | Ir tisch das war ein grüner wasen.
Morrall, Mandev. Reiseb.
59, 12
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
uff dem altar habend die hayden nun gemachet ain rad, da erkent man an welcher zitt es ist an dem tag.
Ebd.
114, 7
:
daz gantz firmament verwendet sich in die zwen stern [...], als daz rad umb gatt und doch die nab plibet in ainer statt.
Brandstetter, Wigoleis
193, 7
(
Augsb.
1493
):
in dem [palast] gemacht was ein rad von gold daran erhabne bilde vnd gieng stetigklich vmb.
Stopp, Kochbuch S. Welserin
198, 1
(
Augsb.
1553
):
Ain súltz aúf ainem rad zú machen, kompt vom kochmaister simon.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
man velscht [...] golt und silber [...] und macht springendeu vingerl dâ mit und rädel, die selber laufent.
Bastian, Runtingerb.
2, 123, 33
(
oobd.
,
1400
):
mir gab der Frey, parichantter, 20 gepleitew parichant [...] zaichent 15 mit dem E und 5 mit ain rad.
Wierschin, Liechtenauer. Fechtk.
126, 12/16
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Das haist „das redel“. [...] wend das schwert vor dir mitt dem ort vmb glych alß ain rad von vnden vff din lincken sytten behentlich.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1511
):
ain koler soll wirken ain puchen die ratscheibs umb holl ist und di ainer hant dick ist an der swart.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Zuelest lernt die geometrei [...]: kugl scheiben, sinbel rund ratscheiblig würflet seulen, vierdung, [...] und dergleichen.
Koppitz, Trojanerkr. ;
Fuchs, Kart. Aggsbach ;
Rwb  f.;
Ranke, Umgangsspr.
1951, 185
.
5.
›kreis-, ringförmige Versammlung, Gruppierung, (Reiter)formation‹; ausschließlich im Diminutiv belegt.
Bedeutungsverwandte:
 7.
Wortbildungen
rädleintreiber
hier wohl ›Anführer(in) einer Gruppierung von Aufrührern‹ (vgl. jedoch phras. in 2:
das rädlein treiben
).

Belegblock:

Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
Und als man mit der ordnung umbkam und das redlin uff dem markt gemacht hette.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 150, 20
(
halem.
,
1508
/
16
):
zugend mit denen [knaben, man und tochteren] in der statt umb mit pfifen und trumen, und zuͦletzt machtend si ein redli mit diesem volk uf dem hof.
Bächtold, N. Manuel. Zugabe H. R. Manuel
339, 1100
(
Zürich
1548
):
Ich wil ufwiglen unsre wiber, Das sind die rechten rädlitriber.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Die jungen kriegsleut bei den Römern hetten auch ein aignen hauptman, der muests alle tag üeben mit rädlen machen, mit in der ordnung herein treten.
6.
›Glück, Glücksrad‹ (als sich drehendes Rad die Veränderbarkeit des Lebens und stets wechselndes Glück veranschaulichend); verallgemeinernd: ›Geschick, Fügung‹.
Zur Sache:
Lex. d. Mal.
7, 384
.
Phraseme:
des glückes rad
;
das rad der abenteuer
;
das rädlein
(Subj.)
sich umkeren
›das Blatt sich wenden‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  4, .

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
174, 3
(
Lübeck
1639
):
Das Wetter wird sich einmal aͤndern Das Raͤdlein wird sich vmbdrehen.
Luther, WA (
1532
):
das ist der Christen vorteil, das [...], wenn die wellt [...] jnn eitel freuden feret, das sich das redlin umbkeret und ploͤtzlich ein unngluͤck uber sie kompt, [...], sie aber eraus gerissen und errettet werden.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
ich hain veil ducke horen sagen: | geluckes rait geit up unde neder.
Ebd. (
Köln
1499
):
up die zit was Coellen [...] villicht overmitz dat rat der aventuren van irre eirsten eirwidicheit durch mannicherlei overlast verstoissen ind verniddert wurden.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
doch koment sü [Roͤmer] donoch zehant wider uf des glückes rat.
es ging ime also wol an allen dingen, das er genant wart ,des glückes rat‘.
Gajek, Seidelius. Tych.
8, 21
;
Gille u. a., M. Beheim
245, 1
;
Roloff, Brant. Tsp.
518
;
Vgl. ferner s. v.  4.