halten,
V., unr. abl.;
außerordentlich dicht vernetztes und umfängliches Bedeutungsspektrum; 1-4 eher konkret im Sinne von ,festhalten und dadurch bewahren‘, 5-8 mit räumlicher (oder als räumlich auffaßbarer), 9-12 mit zeitlicher Komponente, 13-28 auf soziale Tätigkeiten (im weitesten Sinne) bezogen, 29 und 30 mit Bezug auf Urteile, Einschätzungen, 31 und 32 isoliert. In den meisten Bedeutungsansätzen mischen sich konkrete mit abstrakten Inhaltsmerkmalen, eigentliche mit tropischen. Zu Gestaltungen des Bedeutungsspektrums vgl. man auch: Dwb
4, 2, 275
-299; Rwb
4, 1506
-1524; Schweiz. Id.
2, 1224
-1226; Schwäb. Wb.
3, 1081
 ff.
1.
›etw. / jn. konkret halten; etw. konkret in einer bestimmten Lage halten; etw. festhalten‹; ütr.: ›jn. psychisch halten, fesseln, im Bann halten‹; ›(den Ton) halten‹.
Phraseme:
das maul / den mund halten
o. ä.; (
die gedanken
o. ä.)
am / im zaun halten
;
alte schläuche halten den wein nicht
.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
js. hand, die arke, das ros
)
h., jm. den steigreif h., jm. den kopf h., das pferd am zaum, beim schwanz h., etw
. (z. B.
einen stein, den finger
) [wohin]
h., jm. (dem teufel) ein bild vor die nase h., die worte wie eine wage h., die augen offen h., jn
. (z. B.
den dieb
, ütr.:
den man, das herzlieb
)
h., jn. bei dem fus, im gefängnis, gefänglich, beim mantel, in seiner gewalt
, (ütr.:)
gewaltiglich / geduldiglich h., den atem, die stimme h., die herzen h., die rinde, den dunst h
.
Wortbildungen:
hälte
›Fessel‹,
haltenspfleger
, wohl poetische ad hoc-Bildung für den Leib als den vermeintlichen Träger der Seele,
halter
1, a) ›Pfeiler, Säule, die etw. hält‹ (a. 1627), b) ›Halfter‹, c) wie
haltenspfleger
,
haltnis
1 ›Haltevorrichtung‹,
haltung
1 (bezogen auf die Tonhöhe).

Belegblock:

Luther, WA
30, 2, 279, 25
(
1530
):
war Luther das liebe kind, [...], Und hielt den Bisschoffen den steigreiff.
Große, Schwabensp.
230a, 9
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
wel her in bespannen med eyner yseren helden, daz mach her wol tu̇n.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
6144
(
rib.
,
1444
):
mich duncket bas sijn dreger | Der van en buyssen ind haldenspleger | want der ghyn dreget de upheldet.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
6070
(
rhfrk.
,
um 1405
):
duncket mich bas sin ein dreger | das ussen ist, und ein helder.
Beckers, Bauernpr.
62, 6
(
Köln
1515
/
18
):
So hait he ouch tzo Vlm verlorn | Eyn halter vñ tzwen alde sporn.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
151, 8
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Grymmener dede ein ouge zü / vnd hilde das ander ouge offen.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
142, 8
(
Frankf.
1535
):
Hiena ist ein steyn [...] / So man den vnder der zungen halltet.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
153, 49
(Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
willtu [herzlieb] lenger bleiben, | ich halt dich jar und tag.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
9, 25
(
osächs.
,
1343
):
dô ginc her in und hilt ire hant
[Luther
1545
:
ergreiff sie bey ...
],
und di juncvrowe stu̇nt u̇f.
Ermisch, Freib. Stadtr.
162, 27
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
boten [...], di da zusehen, daz he angegriffen werde und gehalden unde gelazen werde, als recht is.
Jahr, H. v. Mügeln
117, 1163
(
omd.
, Hs.
1463
):
wer im [ros] den zügel laßen wil | und es zu halden nicht gerucht, | dem ist von gotte wol verflucht.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 210, 4
(
Bautzen
1567
):
Er zerreiß das Todes bandt, | Welchs vns hilt gewaltiglich.
Voc. Teut.-Lat. n vv (
Nürnb.
1482
):
Halten mit der stymme. tenorare.
Ebd.
Haltu͂g in dem gesang. don. form. gestalt. pardun. tenor.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
21, 5
(
Bamb.
1507
):
So sol er mit dem verclagten biss nach endung vorangezeigter rechtlicher aussfuͤrung in gefencknus gehalten werden.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
107, 27
(
Nürnb.
1548
):
der boͤsen natur nit nach hengen / sonder dieselbē / gleich wie ein vnbēdigs pferd / [...] am zaum halten.
Ebd.
128, 21
:
wie der Sathan so mancherley strick hat / damit er die hertzen helt.
Dietrich. Summaria (
Nürnb.
1578
):
Also alte schleuche halten den newen Wein nicht.
Ebd.
20, 4
:
die rechte hand auff der brust haltendt.
Sachs
19, 94, 16
(
Nürnb.
1563
):
O, daß ich all meine gedancken | Köndt im zaum halten.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
13, 29
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
das ainer den athem helt mit zugespertem mund.
Schmitt, Ordo rerum
236, 35
(
2. H. 15. Jh.
):
Tenaculum clamme holtnisse [...] haldnüz.
Ebd.
248, 22
(
15. Jh.
):
Capistrum halfter – halster [...] – halter.
Winter, Nöst. Weist.
2, 469
(
moobd.
,
1561
/
77
):
Wen ain diep hie gefangen wierdt, den soll man halten unz an dem dritten tag.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
216, 25
(m/soobd., 17. Jh., Hs. 17.
19. Jh.):
denselben soll der herr [...] dem richter antworthen [...] und der richter soll denselben zum rechten halten
. –
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
341, 16
;
Helm, H. v. Hesler. Apok.
5726
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
530, 734
;
Wyss, Limb. Chron.
69, 25
;
Tiemann, a. a. O.
121, 28
;
141, 4
;
Froning, Alsf. Passionssp.
3896
;
Opitz. Poeterey
8, 26
;
Chron. Nürnb.
1, 378, 5
;
v. Keller, Ayrer. Dramen
3003, 25
;
Bell, G. Hager
586, 2, 11
;
Bischoff u. a., a. a. O.
115, 41
;
Schmitt, a. a. O.
260, 13
;
Schwäb. Wb.
6, 2099
 f.
Vgl. ferner s. v. ,  5,
1
 3,  1, ,  7,  16,  1.
2.
›(Grubenwasser) gewältigen, auf einem den Bergbau ermöglichenden Niveau halten‹.

Belegblock:

Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 38, 5
(
schles.
,
1535
):
Wenn Heunisch eine Kunst auf seine Kosten bei einem Schacht, wo man nicht niederkommen könne, erbauete und man damit die Wasser halte und Erz treffe.
Ebd.
20, 231, 12
;
237, 23
;
262, 13
;
21, 13, 16
;
28, 21
.
Vgl. ferner s. v.  8.
3.
›etw. (unterschiedliche konkrete und abstrakte Bezugsgrößen) aufbewahren, behalten; etw. zurück(be)halten, festhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 67,  4.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
getreide / wein, federspiel, ein pfand
)
h., das recht h
. ›vorenthalten‹,
nichts h., etw
. (z. B.
alaun
)
eine zeit h
.
Wortbildungen:
haltnis
2.

Belegblock:

Luther, WA
51, 651, 169
(
um 1535
):
Wer hellt wenn er hat | Der findet wenn er darff.
Große, Schwabensp.
201a, 24
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
vnde swe lange her iz [veder spel] heldet, her mu̇z iz doch wider geben.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
80, 16
(
Frankf.
1535
):
Alaun mag mann halten ein lang zeit vnuersert in seiner natur.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
20, 29
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Was schöne ist, ist mit tegelicher besorge swerlich zu halten.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
27, 32
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
groze schunen getreydis, gerstin, hirse und rys, das her [kunig] heldit vier jar.
v. Groote, Muskatblut
86, 14
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
giff der truwe volle masz, | nit halt daz recht durch keynen hasz.
Goedeke u. a., Liederb.
128, 13
(
Straßb.
1590
):
muß kein gelt bei mir | durch alter schimlig werden. | raum auf, halt nicht!
Bastian u. a., Regensb. UB
398, 11
(
oobd.
,
1372
):
Ez suͤllen auch di leibtingbrif dez vorbenanten Loͤslein in der stat kamer und gewalt ligen zu haltnuͤzz.
Ermisch, Freib. Stadtr.
23, 2
;
Päpke, Marienl. Wernher
7212
;
Bastian, Runtingerb.
2, 285, 29
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
44r, 35
;
Schmitt, Ordo rerum
607, 22
.
Vgl. ferner s. v.  1.
4.
›etw. (auch: sich) in seiner Art, Form, Substanz bewahren; jn. in seiner Existenz, Funktion erhalten, halten, bewahren, beschützen, behüten‹.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
ein bild, die geduldigkeit / einigkeit, den frieden / glauben / eigenen rauch) / jn
. (z. B.
den könig
)
h., jm. das leben h., jn. in seiner hut h., sich heimlich wo h., das wesen sich h
.
Wortbildungen:
haltbar
›zu erhalten‹ (von Personen, im Gegensatz zu ; 16. Jh.).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
18611
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
War Got in menschlicher art | [...] | In der megede lichamen | Haldende sin enikeit.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
685, 5604
(
Magdeb.
1608
):
Vnd suchten in der rinden spalten / | Wo sie [Kefer] konten sich heimlich halten.
Wyss, Limb. Chron.
49, 11
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
Hoffen heldet mir das leben, | truren dede mir anders we.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 352, 25
(
hess.
,
1377
):
die zu armud quemen, daß sie nit eigenen rauche vermochten zu halden.
Jostes, Eckhart
95, 11
(
14. Jh.
):
Wesen, also als ez sich haltent ist wurklich im vater, also ist wesen natur.
Schönbach, Adt. Pred.
23, 16
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
wie daz kunich Naas eine stat belach und enwolde keinen vride halden.
Ermisch, Freib. Stadtr.
237, 13
(
osächs.
,
1344-50
):
Were is aber also, das der underrichter welde wen halden [...] durch irer frunde willen, daz das den burgern geclait wurde, die sullen is mit dem richter reden.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
263, 22
(
els.
,
1362
):
Also hielt der schleiger das bilde sins antlides.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
65, 29
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Got halt den künig, und in glücksäligem leben müess er alten.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
9, 39
(
tir.
,
1464
):
da man hueten vnd halten ist die geduldikhait in dem gemüet.
Gille u. a., M. Beheim
99, 30
;
Heydn. maister
37r, 7
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
77, 25
;
107, 3
;
22
;
Munz, Füetrer. Persibein
481, 2
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
488, 1
;
Rwb
4, 1506
.
Vgl. ferner s. v.  1.
5.
›sich wo (räumlich oder räumlich gedacht) aufhalten, wo sein, bleiben; wo anhalten, liegen bleiben; sich um jn. herum bewegen; anhalten, den Erzählfaden unterbrechen‹.
Phraseme:
sich der eltern h.; hinter dem berge halten; sich um jn. halten
›um jn. herum scharwenzeln‹.
Syntagmen:
bei jm., im gefängnis, in der stat, auf der heide h., sich zu venetia, in dem gehege, im laden, bei den wänden h., sich wiederhalben
(›auf zwei Seiten‹)
h
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
8591
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Swaz aber da des sinnes wielt | Daz sich ni widerhalben hielt.
Luther, WA
32, 351, 14
(
1532
):
wollen nicht gerne erfur, [...], halten hinder dem berge und ziehen die pfeiffen ein.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
6644
(
Magdeb.
1608
):
EWer Sohn aber der bey euch helt / | Der großmuͤtig tapffer Heldt.
Wyss, Limb. Chron.
49, 2
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
daz uf den stechebanen alle zit hilden me dan dusent man mit vurbunden gekroneten helmen.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 36, 23
(
hess.
,
1531
):
[sie] will sich irer eltern und nit meiner halten.
v. Keller, Amadis
396, 22
(
Frankf.
1571
):
Vielleicht wüst jhr, wer er ist, vnnd wo er sich helt.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
269, 33
(
nobd.
,
1408
):
das sie doselbst [...] 3 tag halten mussen.
Gille u. a., M. Beheim
42, 63
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
er hies die | czwelf pey im halte, | Das er sy mant.
Merk, Stadtr. Neuenb.
140, 18
(
nalem.
,
1681
):
welcher mit dem stanggarn oder meigarn fahren will, der solle auf einen zug halten, oder halten will, der solle an die rechte habstatt fahren.
Chron. Augsb.
4, 423, 7
(
schwäb.
,
1495
):
er hielt sich auch umb die ratsheren und umb die zunftmaister.
Sappler, H. Kaufringer
14, 384
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er hielt also auf der haid | wol bis hin zuo mittem tag.
Haszler, Kiechels Reisen
332, 3
(
schwäb.
,
n. 1589
):
wüe ich dann auch ein passport von dem ambassator de Francia hatte, wölcher zu Vönetia sich hölltt.
Rauwolf. Raiß
36, 8
([
Lauingen
]
1582
):
ain laden am andern / darinnen sich auch Handtwercksleitt halte͂.
Qu. Brassó
4, 222, 37
(
siebenb.
,
1633
):
Hier halten ich, [...], zu gedenken meiner Genealogiae avorum.
Quint, Eckharts Trakt.
112, 1
;
Ermisch, Freib. Stadtr.
279, 12
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
187r, 29
;
Sappler, a. a. O.
23, 75
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
74, 40
.
Vgl. ferner s. v.  1,  4.
6.
›jm. auflauern, um ihn militärisch anzugreifen, zu berauben o. ä.‹.
Syntagmen:
auf jn
. (z. B.
auf den krämer, die diener
)
/ etw
. (z. B.
auf den wagen
)
h., gegen jn
. (z. B.
gegen die feinde
)
h., für jn
. (z. B.
für den könig
)
h., in dem wald, vor der stat / pforte, mit guter acht (auf jn.) h
.

Belegblock:

Thiele, Chron. Stolle
148, 11
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
sy worden des ratis, das sy uff den kremer hilden unde nomen ome sinen krom.
Chron. Nürnb.
2, 193, 2
(
nobd.
,
1449
/
50
):
kam vil volcks aus der stat [...] und hielten bei dem galgen gegen den feinten.
Sappler, H. Kaufringer
16, 66
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
si [tieflen] haltent auf in da vil leis | in ieder huot mit grosser lag.
Primisser, Suchenwirt
18, 170
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Di haiden liste wielten, | Und auf di fütrer hielten.
Turmair
5, 167, 11
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Herzog Born, [...], hielt, lauret haimlich auf die feind.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
561, 1710
;
Chron. Köln
1, 191, 23
;
Chron. Nürnb.
2, 183, 25
;
216, 12
;
299, 4
;
Chron. Augsb.
1, 102, 17
;
2, 51, 1
;
4, 421, 7
;
8, 65, 19
;
145, 18
;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 173, 819
.
7.
›etw. räumlich fassen‹ (schwach belegt); meist ütr., dann: ›etw. fassen, umfassen, beinhalten, enthalten‹.
Syntagmen:
das bette jn. h., die strassen vol reuter h., etw
. [Subj.; eine Maßeinheit o. ä.]
etw
. [eine Teileinheit o. ä.]
h
., z. B.
1 mark 16 lot h., etw
. [ein Buch o. ä.]
etw
. (z. B.
zalen, eine legende
)
h., der glaube etw. h., etw
. [z. B.
die schrift
]
h., das [...] / wie [...] /
mit Hauptsatz,
etw. mit gedeutnis h., etw. in sich h
.
Wortbildungen:
haltefas
,
halthaus
,
haltnis
3, jeweils ›Faß, Behälter zum Aufbewahren e. S.‹,
haltung
2 dasselbe (im Beleg ütr., s. u. Chron. Strassb., auch als ›Inhalt‹ deutbar),
haltpful
›Fischteich‹.

Belegblock:

Voc. Ex quo R
256
(
15. Jh.
):
Reseruatorium ein halde faß [...] ein halthaus.
Ebd. S
102, 2
:
Saluatorium [...] ain behaltvas [...] ein behaltnússe [...] ain halt huͤß.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
8427
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Lucas da des kalbes stat | Mit gedutniss heldet.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
644, 14
(
preuß.
,
1437
):
1 antiphonarium, das heilt eyne legende.
Luther, WA
41, 194, 19
(
1535
):
es ist hierin [...] alles gezeigt, was unser Glaube helt und leret.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2415
(
Köln
1476
):
Breue vant man dayr in stechen, | Dye hyelten: ,Nuyssz, bys wall getroyst‘.
Apherdianus
72
(
Köln
1575
):
Piscina, Viuarium [...] Fischteich / wyer / haalpull.
Neumann, Rothe. Keuschh.
5155
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
das bettelin, | darmit meinet her das hertze din. | das si also enge unnd cleine | das ess nymanden mer halde dan Cristum alleine.
Thiele, Chron. Stolle
313, 33
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
die gulden bullen, dy dann heldet, wie man eyn romischen konigk adir keyser kysen sal.
Ries, Rechenb. F
2v, 2
(
Erfurt
1522
):
hab achtung vffs gewicht / vnnd wyß das ein margk helt 16 lot.
M. Cunitia. Ur. Prop.
148, 41
(
Öls
1650
):
waß die TABULæ RUDOLPHI in Logarithmischen zahlen verhuͤllet in sich halten.
Chron. Nürnb.
1, 246, 21
(
nobd.
,
1422
):
das sy eyn guldin muncz [...] slahen mugen, die do besteet und heldet dreyttehalb und czweynczig garad.
Bihlmeyer, Seuse
187, 4
(
alem.
,
14. Jh.
):
dis bildrich lieht haltet wesen, so sind dú ding in ime na sin selbes wesentheit.
Chron. Strassb.
114, 36
(
els.
,
1362
):
wer der priester ist, der den brief [...] nüt enliset vor deme volke und den birget in siner haltunge, der ist gottes fient.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
18v, 4
(
Zürich
1521
):
Die gsatzt der heyde͂ halten jn / das man jn einen sack sol stossen [...] den / der sin bruͦder toͤdt.
Barack, Zim. Chron.
2, 405, 4
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
die strassen und velder halten vol reuter.
Schmitt, Ordo rerum
201, 8
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Capsa entheltniß – holtnisse [...] haltnuzz.
Rechn. Kronstadt
3, 198, 38
(
siebenb.
,
1542
):
2 Pallen langnorenberger helt thŭch 56.
Ries, a. a. O. D
1v, 10
;
Wyss, Limb. Chron. U
142, 51
;
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 238, 12
;
Jahr, H. v. Mügeln
106, 344
;
Opel, Spittendorf
73, 29
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
264, 33
;
299, 32
;
Chron. Nürnb.
3, 63, 5
;
4, 225, 7
;
Chron. Augsb.
5, 30, 17
;
9, 40, 28
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
22, 36
.
Vgl. ferner s. v. ,  4.
8.
›sich etw. merken, im Kopf, Gedächtnis behalten, bewahren‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11.

Belegblock:

Schönbach, Adt. Pred.
3, 10
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
der wise mensche [...] gelernet die gotes wisheit, er heldt sie lange in sinem herzem.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
100, 24
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
dar umb so ist zehaltenne, daz diz ein gewar unde ein eigen setzung ist: „Mensche ist got.“
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
222, 3
(
oobd.
,
1349
/
50
):
iedoch lernt er in dem êrsten oder in dem andern jâr allermaist und helt diu wort allerlengst.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
41, 31
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Die beweisung halt wir christen, | das ein prot mit weisen listen | wirt zu fleisch.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
3615
;
Morgan u. a., a. a. O.
32, 29
;
312, 23
;
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
1, 17, 39
.
9.
›halten, fortdauern, bestehen bleiben, Bestand haben (von Sachen)‹; trans.: ›etw. fortdauern lassen; jn. bei etw. belassen‹; offen zu 10.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
die gebrechen, js. gunst
)
h., sich allein h
.;
den zorn lange h
.;
jn. bei seinen freiheiten / gerechtigkeiten / gewonheiten h
.

Belegblock:

Anderson u. a., Flugschrr.
15, 7, 20
([
Worms
1521
]):
Es hatt aber dess Bapst gunnst nitt lanng vber dem gehalltenn.
Küther, UB Frauensee
282, 36
(
thür.
,
1496
):
die gebrechen sich halden des Tragkerß eyner wysen rodecker.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
49, 33
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der dar zuo gar zornik ist und seinen zorn gar lang haltet.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
188, 14
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
so wellt er [Kunig Maximilian] das lannd und innwoner des kunigreichs bey allen freyheytten und gerechtigkaitten hallden und beleiben lassen.
Strauch, Par. anime int.
49, 9
;
10.
›aktiv in / auf etw. beharren, verharren; auf etw. bestehen; an etw. festhalten (von Personen gesagt)‹; auch: ›etw. aushalten, über sich ergehen lassen‹; mit räumlicher Komponente (auch anschließbar an 5): ›wo bleiben‹; auch: ›in sich ruhen; dauern, beständig sein (von Sachen)‹.
Phraseme:
über dem einen bindeschlüssel halten
›an etw. festhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, , (s. v.  4), .
Syntagmen:
der trost h
.;
in der not h., zu sich selber, in etw. h., sich prächtig h., fest / hart / steif (über etw.) h., sich der meisterschaft, gottes, der notel, in den rechten, zu einem gute h
.

Belegblock:

Schöpper
40a
(
Dortm.
1550
):
Perseuerare. Beharren stehen bleiben väst haltten verhärtten.
Luther, WA
30, 2, 440, 16
(
1530
):
zween schlussel, den leuten das maul zu schmieren halte aber allein vber dem einen bindeschlüssel.
Ebd.
48, 133, 52
(
1547
):
bitte von hertzen, das er vber Johannis zeugnis ja fest moͤge halten, gewis gleuben.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
6333
(
Magdeb.
1608
):
DJe Alten hielten an jhrem orth / | Vnd hoͤrten die betruͤbte wort.
Quint, Eckharts Pred.
1, 301, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wesen ist, daz sich heltet ze im selber und ensmilzet niht ûz.
Jostes, Eckhart
37, 6
(
14. Jh.
):
welh sel sich heldet in disen dingen, di got an ir geworcht hat, [...], der selen muz daz himelrich sich neigen.
Opel, Spittendorf
370, 32
(
osächs.
,
um 1480
):
wie harte mein herr von Meissen in den funf stucken hilde, darinne die andern alle solten gemittelt werden.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
60, 16
(
omd.
,
M. 15. Jh.
):
Alhy ist dir deyn erbe bereiten unde das ist deyn lochsteyn, das saltu dich halden unde salt das erbe bauen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
264, 17
(
Nürnb.
1548
):
diser trost helt / vnnd ist ein ewiger trost.
Matthaei, Minner.
1, 10, 996
(Hs.
15. Jh.
):
halt dich dinr meynsterschafft, | so blybt din macht und ruͦm.
Chron. Augsb.
2, 204, 12
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
der von Argun hielt sich seiner nottel, die man im zu Mindelhaim geben hett.
Drescher, Hartlieb. Caes.
75, 1
(
moobd.
,
1456
/
67
):
Ich han die frável und lesterung, die du mir erpoten hast, gehallten und ubersehen.
Turmair
4, 235, 33
(
moobd.
,
1522
/
33
):
si wolten allain sich des alten gots irer väter halten.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
9421
;
Luther, a. a. O.
41, 713, 20
 f.;
Quint, Eckharts Trakt.
12, 3
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
248, 15
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
133, 12
;
Guth, Gr. Alex.
1497
;
v. Birken. Erzh. Österreich
89, 6
.
Vgl. ferner s. v.
1
 15.
11.
›etw. (in der Zeit Ablaufendes, als zeitlich dimensioniert Gedachtes) vollziehen, halten, pflegen, führen‹; mit Subj. d. S.: ›sich zutragen, ereignen‹.
Phraseme:
haus / (einen) hof halten
.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11.
Syntagmen:
oft mit Verbalabstraktum (o. ä) als Obj., dann dem Funktionsverbgefüge nahe kommend;
etw
. (z. B.
afterürte / anschnit / beischlaf / compagnie / fleis / gericht / kampf / liebe / mas / rast / ratschlag / rechenschaft / rede / schule / siz / stilschweigen / wacht / zeche, ein gespräch, gezänk, strenges leben, eine schlacht, einen grus
)
h., die wasser den lauf h., die haltende beschau
; mit Subj. d. S.:
mängel, streit sich h
.
Wortbildungen:
haltnis
4 ›Art der Rede, des Redevollzugs‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
18740
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die wazzer irn louf halden | Zu berge wider ir vluzze.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
6496
(
Magdeb.
1608
):
Dem schneid man ab die Zung so bald / | Das er ewig stillschweigen halt.
Wyss, Limb. Chron.
65, 10
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
[her Friderich von Sarwerden] hilt herlichen hob und huisere mit furstlichen stade.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
117, 16
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Künihk Karle saß die zijt zu Parijs [...] vnd hilt eynen vffenen hoff.
Thür. Chron.
18r, 27
(
Mühlh.
1599
):
[Etzel] hielt vbel hauß / das er kaum verschonete die mit hjm im Zuge gewesen waren.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
65, 11
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Ire begebine di haldin gar eyn strengis lebin in der libe irer gote.
Heydn. maister
30v, 22
(
Augsb.
1490
):
Jch woͤlt lieber beÿ schoͤne͂ fraue͂ sein / de͂n red halte͂ mit de͂ weisen.
Chron. Augsb.
7, 283, 15
(
schwäb.
, zu
1552
):
darumb sich verrer kain streit haltet.
Klein, Oswald
79, 4
(
oobd.
,
1418
?):
Hainz, Hainrich, erst wirt mir wolgelingen, | seid du mir haltst deinen grüss.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
91, 3
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
wann sich ain mensch des versicht, daz got pesünderleich mit im rett, so merk die haltnuss der zürede.
Mell u. a., Steir. Taid.
32, 32
(
m/soobd.
,
1568
):
wo ainer hernach in haltunder beschau befunden wurde.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
118, 10
(
tir.
,
1525
):
dieweil die fŭrsten [...] zŭ Hew̆nfels hof gehalten.
Rechn. Kronstadt
3, 332, 19
(
siebenb.
,
1561
):
haben Mein herrn [...] mit dem herr Steffen Greissing Rechenschafft geholten.
Peil, a. a. O.
27, 7
;
559, 1661
;
637, 4105
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2679
;
Thür. Chron.
18r, 20
;
Opel, Spittendorf
215, 1
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
1205
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
14, 27
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
130, 2
;
Dietrich. Summaria
18v, 3
;
Chron. Augsb.
7, 100, 5
;
269, 24
.
Vgl. ferner s. v. , ,  2,  1, .
12.
›etw., das weitgehend ritualisiert ist, nach den Regeln des Rituals abhalten, halten, veranstalten‹; je nach Bezugsgröße: ›etw. feiern‹; ›führen‹; ›vollziehen‹; mit diesen Varianten offen zu 11.
Phraseme:
affenspiel mit jm. halten
.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
capitel / gericht / messe / passah / unteil, vigilien, den gottesdienst, einen tag / jarmarkt, eine zunft, die stille, das ampt / fest / nachtmal, ein denkzeichen
)
h
.

Belegblock:

Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
124, 7
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Er was gros seiner person, [...] gestreng den übelthuenden und hielt vast guet gericht dem armen, als dem reichen.
Anderson u. a., Flugschrr.
17, 14, 7
([
Wittenb.
]
1523
):
der selb mag darnach auch teuffen / meß hallten vnd alle seel sorge tragen.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
23, 6
(
hess.
,
14. Jh.
):
Alle zyt sollen die sustere ir stille halden.
Ebd.
40, 24
:
so sal die sengeren manen die die da capitel heldet, daz [...].
Reichert, Gesamtausl. Messe
97, 8
(
Nürnb.
um 1480
):
der priester, der das ambt helt.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
103, 4
(
Nürnb.
1548
):
nicht ein boͤser gebrauch / das man also wochenlich ein eusserliches denckzeichen des leydens vnsers Herren [...] helt.
Sachs
17, 257, 14
(
Nürnb.
1562
):
Wenn ich verlier der schantzen viel, | So helt man mit mir affenspiel.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
407, 19
(
els.
,
1362
):
Doch halten wir gelich an dem ersten dage hie noch daz ambaht von sant Paulus.
Haszler, Kiechels Reisen
329, 29
(
schwäb.
,
n. 1589
):
das wür das heilige fest der ostern aldo hüeltten.
Chron. Augsb.
9, 338, 16
(
schwäb.
,
1536
):
[etlich] rueffeten in [zunftmaister] an, ain zunft zu halten.
Moscouia E
2r, 1
(
Wien
1557
):
Aller Gottes dienst wirdt in jrer sprach gehalten.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
366, 9
;
Dat nuwe Boych
435, 33
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
148, 33
;
Franz u. a., Qu. hess. Ref. Bd.
3, 25, 21
;
Weise. Jugend-Lust
144, 24
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
93, 29
;
Reichmann, a. a. O.
254, 30
;
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 61, 27
;
Lauater. Gespaͤnste
26r, 1
;
Andreae. Ber. Nachtmal
25v, 3
;
Memminger Chron. Beschr.
14, 6
.
Vgl. ferner s. v. , , , ,
1
 1.
13.
›sich so verhalten, so handeln, daß die im präd. Attr., im Akk.Obj. oder in einem präp. Satzglied ausgedrückte Eigenschaft zustande kommt, aufrechterhalten wird, bestehen bleibt‹.
Syntagmen:
etw. heimlich h., sich / die stube warm h., die haut offen h., freundschaft / gleichheit / keuschheit / mildigkeit h., den leib mit züchten h
.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
1957
(
ohess.
,
1501 ff.
):
die synt auch seligk anderwert, | die hie halden myldikeyt!
Ebd.
7470
:
und woln dye sach mit allem schalle | gar heymlich halten uberall.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
227r, 18
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
welcher knot dy haut offenn helt.
Henschel u. a., Heidin
30
(
nobd.
,
um 1300
):
Mit zvhten hielt si iren lip.
Anderson u. a., Flugschrr.
24, 4, 20
([
Nürnb.
]
1525
):
da mit dañ in solchem abermolen eyn billiche gleycheyt gehalte͂ werde.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3006, 37
(
Nürnb.
1610
/
18
):
ist das nicht ein grosse Pein, | Daß ich solt halten die Keuschheit, | Die mein Natur nicht dult noch leit?
Menge, Laufenb. Reg.
471
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Warme soltu dich halten | Dester lenger machtu alten.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
194, 9
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Doch vermainte sy dise sachen in still zu halten.
Vgl. ferner s. v.  7, .
14.
›etw. / jn. leiten, lenken, führen, regieren‹; auch: ›etw. innehaben und damit verwalten‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 396, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sprichet ein kriechischer meister, daz got alle crêatûren halte als in einem zoume ze würkenne nâch sînem glîchnisse.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
780, 10
(
els.
,
1362
):
Dirre [bischof] hielt den stuͦl fúnfzehen ior.
Koppitz, Trojanerkr.
22683
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Der mitt grossen erren hie | Hieltt das rich offenbar.
Dreckmann, H. Mair. Troja
12, 26
(
oschwäb.
,
1393
):
sein sin ist, daz er sein land maint in stillem frid zu halten.
Bauer, Geiler. Pred.
462, 4
(
Augsb.
1508
):
ain nutzlich underweisung aim menschen der da wil lernen seinen mund in maisterschafft halten.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
5071
.
15.
›jn. in bestimmter Weise behandeln‹.
Syntagmen
jn. als jn. / etw. h., jn. gleich jm. h., jn. zu eren, nach gnaden h., jn. auf viehische weise h., jn. h., als [...]
; mit Adv.:
jn. hart / herlich / herzlich / schimpflich / schnöde / übel / wol / zart h
., mit objektbezogenem präd. Attr.:
jn. erlich / rechtlos / züchtiglich h
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
778, 6
(
Lübeck
1639
):
Man haͤlt offt einen / alß haͤtt man jhn auffm Grempelmarck kaufft.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 28, 7
(Hs. ˹
md.
auf nd. Grundlage,
v. M. 14. Jh.
˺):
daz mac iuch wol betrüben, | Irn werdet ouch nimmer me gehalten also zart.
Behrend, Magd. Fragen
167, 22
(
omd.
,
um 1400
):
Wer eynen man umb syne bekante schult in dy vrone [...] brenget, der sal yn mit spisze unde mit koste halden glich syme gesinde.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
209, 8
(
thür.
,
1474
):
so halde man sy also eyne vorwundene der folge eynes mordes.
Goldammer, Paracelsus
2, 53, 18
(
1531
/
4
):
die knecht sollen nit auf viehische weis gehalten werden als wie die schaf.
Chron. Augsb.
4, 108, 7
(
schwäb.
,
v. 1536
):
dise seine eehalten huͦlt der Mechselrainer schned und übel.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
132, 4
(
schwäb.
,
v. 1542
):
Eß namen ach die pfaffen fur und fur weyber, die wurden erlich gehalten.
Wyss, Limb. Chron.
42, 2
;
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
21, 1
;
34, 15
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
3, 86
;
Perez, Dietzin
2, 195, 20
;
Behrend, a. a. O.
30, 27
;
144, 10
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
107, 7
;
v. Birken. Erzh. Österreich
19v, 6
;
Moscouia D
4v, 7
.
Vgl. ferner s. v.  1,  7,  2.
16.
›jn. religiös verehren, anbeten‹.

Belegblock:

v. Tscharner, Md. Marco Polo
19, 17
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Ouch sint do cristin nestorini, der eczliche haldin Machamet.
Chron. Augsb.
1, 299, 7
(
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
Machamet, davon die haiden halten.
17.
›jn. zu etw. anhalten, mit Nachdruck zu etw. auffordern; nachdrücklich auf etw. drängen, hinwirken‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  26.
Syntagmen:
jn. für das gericht h., jn. zu etw
. (z. B.
zu eitelkeit / rede, zu dem ewigen, zu der arbeit, zur kirche, zum wort
)
h., jn. h., das [...]; darob h., das [...]
.

Belegblock:

Küther, UB Frauensee
229, 9
(
thür.
,
1455
):
biten uwer furstliche gnade dit also im rechten erkennen und ine darzcu halden.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
57, 3
(
Bamb.
1507
):
sol derselbig [...] zu rede gehalten werden mit wortten.
Ders. u. a., Peinl. GO Karls V.
53, 28
(o. O.
1532
):
Sollen die theill allsdann zu endtlichem Burgerlichem Rechtenn fur das gericht [...] gehalten werden.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
116, 15
(
Nürnb.
1548
):
wo die kinder zur kirch vnd dem wort fleissig gehalten werden.
Chron. Augsb.
8, 452, 5
(
schwäb.
, zu
1563
):
so soll ain jeder hausvatter allen seinen hausgenossen [...] bevelchen und darob halten, daß die zu den krancken personen nit in ire heuser gehen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3290
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
70, 36
;
Goldammer, Paracelsus
2, 86, 22
;
Chron. Augsb.
2, 84, 17
;
8, 463,
Anm. 1;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
139, 33
.
Vgl. ferner s. v.  4.
18.
›jm. Aufenthalt, Unterhalt, Unterschlupf gewähren, jn. aufnehmen und beherbergen‹, bezogen auf die ganze Bandbreite des Versteckens Verfolgter, der gastlichen Aufnahme von Personen und ihrer beruflichen (o. ä.) Anstellung.
Bedeutungsverwandte:
 10,  17, , , .
Syntagmen:
jn
. (z. B.
knechte / feinde / räuber, den pilgerim, die botschaft
)
h., jn. zu gast, in seinem hause, mit 6 schwertgroschen h., jn. wol h., jm. einen präceptorem h., eine armada h
.
Wortbildungen:
halter
2 ›Person des Gesindes‹,
haltung
3.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
63, 8
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
unde hilt me dan seshondert gleven von rittern unde knechten.
Knape, Messerschmidt. Bris.
1, 40
(
Frankf./M.
1559
):
[seine Eltern] hielten jm auch darnach einen besondren Preceptorem [...] jne zu instituirn.
Opel, Spittendorf
141, 14
(
osächs.
,
um 1480
):
den wircker kan niemandt die woche mit 6 schwertg. halden.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
96, 18
(
thür.
,
1474
):
daz daz gelt nicht beteydinget ist vor dy haldunge der frouwen, sundern daz sy [...] darmete [...] entrichtet sin solden.
Chron. Nürnb.
1, 175, 2
(
nobd.
,
1388
):
Ez sol fuͤrbaz niemant dheinen hawsen, hofen noch halten, der nicht burger hie ist.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
207, 9
(
Bamb.
1507
):
welche dieselbigen [Rauber] zu verbringung der obbestimpten vbel hausen oder halten.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
540, 30
(
nobd.
,
n. 1525
):
sonder haimlich hie in Philips Duchscherers haws gehalten gewest were, im selbs auch underhaltung, essen und drinken mitgetailt.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
427, 21
(
els.
,
1362
):
lieber diener gottes heis mich armen bilgerin halten in dime huse vnd spisen von dem gebruckel dines tisches.
Bachmann u. a., Volksb.
18, 11
(
alem.
,
15. Jh.
):
de [küng] wer so milt und so rich: wer zuo im käm, den hielt er.
Müller, Welthandelsbr.
255, 43
(
schwäb.
,
1514
/
5
):
Die Römer bei iren zeiten alda ir armada haben gehalten.
Chron. Augsb.
9, 319, 5
(
schwäb.
,
1536
):
die wollten (von der ordnung) gar nix halten, sonderlich 2, die huelten knecht nach irem gefallen.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
77, 4
(
moobd.
,
1425
):
wer mich hielt, stewrt oder hawsset, der tät wider er und recht.
Winter, Nöst. Weist.
1, 271, 34
(
moobd.
,
1648
):
darumb soll ein iedweder seinen kindern und haltern ernstlich verpinten das sie nit abwerfen noch verderben.
Hertel, UB Magdeb.
3, 92, 7
;
Grosch u. a., a. a. O.
205, 5
;
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
22
;
Baumann, a. a. O.
17, 6
;
482, 8
;
Turmair
4, 306, 25
.
Vgl. ferner s. v.  3, .
19.
›sich in bestimmter Weise zu / hinsichtlich / gegenüber e. S. oder P. verhalten‹.
Phraseme:
halten und lassen
›tun und lassen‹;
das halten und keren
.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  21.
Syntagmen:
sich abgescheiden / blos / freundlich / frölich / gebürlich / lauter / leidend / neutral / schweigend / stille / sträflich / ungestüm / unordentlich / wirkend h., sich nach pflicht, nach js. willen h., sich ob jm. / mit jm
. (›gegenüber jm.‹)
/ gegen jn. / zu etw
. (z. B.
zu sünden
) /
in etw. / mit etw
. (›hinsichtlich e. S.‹)
wie h., sich jm. zu schaden h., sich h., als ob [...], sich h., das [...]
;
j
. (z. B.
der son
)
sich js
. (z. B.
des vaters
)
h
. ›so verhalten wie‹.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
74a, 9
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
de wile mach her halten vnde latzen, als ob her vierzich jar alt were.
Knape, Messerschmidt. Bris.
3, 44
(
Frankf./M.
1559
):
das eben vnser son Brissonetus / sich [...] in allen vnsern [...] gebotten [...] so gar dienstbar / gehorsam [...] gehalten / das [...].
Allg. Schau-Buͤhne
58, 8
(
Frankf.
1699
):
Die Catholische Orte hingegen versprachen sich [...] neutral zu halten.
Strauch, Par. anime int.
6, 38
(
thür.
,
14. Jh.
):
hi an disime sermon lerit ein barfuzzin lesemeistir wi sich di sele haldin sal di ein glich nochvolgin wil habin der di in deme ewigin lebene sin.
Langen, Myst. Leben
155, 21
(
nobd.
,
1463
):
daz pey den krancken, [...] vier ding not sein zw wissen, / da mit man [...] in ret, wy sy sich halten / sullen.
Gille u. a., M. Beheim
282, 20
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
gen frawen pilde | sol er sich halten uff der pan, | Daz in die fröwlin preisen.
Vetter, Pred. Taulers
9, 35
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
wenne zwei súllent eins werden, so muͦs sich daz eine halten lidende und daz ander wúrckende.
Menge, Laufenb. Reg.
1240
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Hie mit wil ich dich leren | Din halten vnd din keren | Was du solt tuͦn vnd lassen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
49, 15
(
Basel
1494
):
Der suͦn / des vatters halttet sich | Die dochter ist der muͦtter glich.
Goldammer, Paracelsus
6, 192, 21
(
1530
):
wenig kinder bleiben uf dem weg wie David, die sich dermaßen gegen iren lermeister halten und erweren uf sovil schlech.
Bachmann, Haimonsk.
48, 26
(
halem.
,
1530
):
Ir heren, răttend mir, wie sol ich mich halten mit minnen sŭnen?
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
2, 62, 17
(
moobd.
,
1526
):
sollen sich die so aigen Hofmarch gericht haben auch gepurlich halten.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
272, 10
;
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 415, 8
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
537, 969
;
Quint, Eckharts Pred.
1, 128, 2
;
ders., Eckharts Trakt.
193, 2
;
232, 1
;
298, 1
;
Müller, Faustb.
914, 22
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
54, 24
;
Langen, a. a. O.
199, 6
;
Sermon Thauleri
4rb, 21
;
Rupprich, Dürer
1, 47, 42
;
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
685
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
380, 10
;
Sappler, H. Kaufringer
26, 11
;
Chron. Augsb.
7, 121, 23
;
276, 18
;
9, 370, 10
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
69, 17
.
Vgl. ferner s. v.
2
(Adj.) 4,  3, ,  4.
20.
›sich nach etw. / jm. richten, an etw. / jn. halten, etw. / jn. zur Richtschnur nehmen, an etw. / jm. festhalten‹.
Phraseme:
sich des kölschen bötchens halten
›sich entsprechend den kleinen Geboten von Köln halten‹.
Syntagmen:
ob etw
. (z. B.
ob dem gesez
),
auf etw
. (z. B.
auf die regel
)
h., sich nach etw
. (z. B.
nach dem gewissen, der gewonheit
),
an etw
. (z. B.
an ein gelübde, an die deutsche sprache
) /
jn
. (z. B.
an got
),
bei etw
. (z. B.
bei der ordnung
)
h., (sich) zu etw
. (z. B.
zu der tugend, gottes wort
)
/ jm. h., sich in dem schein h., das [...]
;
sich e. S.
(Gen., z. B.
der ordnung
)
h
.

Belegblock:

Luther, WA
48, 66, 6
(
1547
):
vnd mus jm gelingen wider alle Teufel, Welt vnd alles vbel, so er fest drob [Gesetze des Herrn] helt.
Große, Schwabensp.
163a, 35
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
velschet eyn mu̇nzere vnde halt her sich nicht nach sime ger
e
ichte.
Quint, Eckharts Trakt.
274, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sô reize man sich dar zuo [...] und halte sich dar nâch.
Beckers, Bauernpr.
50, 3
(
Köln
1515
/
18
):
Pronosticacion vñ Regell dair vp sy [Buren] dañ myrcken vñ halden dat gantze jair.
Dietrich. Summaria
21v, 5
(
Nürnb.
1578
):
bete fleissig / vnd halt dich zu Gottes wort.
Lemmer, Brant. Narrensch.
48, 86
(
Basel
1494
):
das all diß welt | Sich vast des koͤllschen boͤttchen helt.
Schorer, Sprachposaun
6, 13
(o. O.
1648
):
daß sich einer an die reine edle vnd fuͤrtreffliche Teutsche Sprache gehalten.
Klein, Oswald
112, 297
(
oobd.
,
1438
):
wem man bevilcht lant oder leut, | [...] | zu straffen, richten arm und reich, | der sol sich halten in dem schein, | das er unstrëflich mug gesein.
Drescher, Hartlieb. Caes.
4, 13
(
moobd.
,
1456
/
67
):
darumb halte ich mich im schreiben nit allezeit bey der Ordnung.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
93, 2
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
gemayn sag, sy wolten sich nach der trewlosen Sweytzer gewonhayten halten.
Schöpper
29a
;
Behrend, Magd. Fragen
196, 7
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
34, 21
;
Mathesius, Passionale
41v, 2
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
170, 4
;
265, 25
;
Bauer, Imitatio Haller
1203
;
Chron. Augsb.
9, 333, 28
.
Vgl. ferner s. v.  3,  9.
21.
›sich zurückhalten, beherrschen‹.

Belegblock:

Anderson u. a., Flugschrr.
12, 9, 32
(
Wittenb.
1522
):
Wirdestu aber an dich halte͂ / vñ alßo mauchellich pelle͂ vñ nach rede͂ / Solstu wissen / das ich nit sweige͂ wil.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 134, 26
(
halem.
,
n. 1529
):
wiewol etliche ort vermenten hinder sich zehalten, biss die schulden abgericht wurdid.
22.
›über etw. / jn. wachen, streng auf etw. achten, etw. streng beobachten, jn. sorgsam im Auge haben, jeweils zu dem Zweck, es / ihn zu beschützen‹; auch: ›es dahin bringen, daß [...]‹.
Syntagmen:
ob e. S. / jm
. (z. B.
ob den seinen
),
über etw
. (z. B.
über die messe / ordnung
) /
jn. h., hart / steif über etw
. (z. B.
über der mässigkeit
)
h
.

Belegblock:

Luther, WA
30, 3, 242, 29
(
1530
):
das die oͤberkeit ein strenge gebot liesse ausgehen und hart daruber hielte.
Ebd.
32, 301, 32
(
1532
):
sind auch des Bapsts Moͤnche komen als die einen volkomen stand fur andern Christen fur sich namen, welchen sie auff dis Capitel grundeten, und haben doch dran gehalten, das [...].
Perez, Dietzin
1, 321, 9
(
Frankf.
1626
):
welcher [Keyser] vber der Nuͤchtern- vnd Maͤssigkeit sehr steyff gehalten.
Chron. Augsb.
8, 429,
Anm. 6 (
schwäb.
, zu
1538
):
das alles in seines vaters gegenwirtigkait beschehn, und, daß er ob ime halten solle, ermant.
Turmair
4, 50, 19
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wo nit der almechtig got mit gewaltiger hand ob den seinen gehalten und si errett hiete.
Luther, a. a. O.
41, 389, 38
;
Chron. Magdeb.
2, 164, 10
;
185, 26
;
Chron. Nürnb.
2, 327, 4
;
Mell u. a., Steir. Taid.
31, 35
.
23.
›es mit jm. / (seltener:) etw. halten; sich auf js. Seite schlagen; jn. unterstützen‹; hier anschließbar: ›sich an etw. schadlos halten‹.
Syntagmen:
auf etw
. (z. B.
auf das sakrament
)
h., auf jn., wieder jn
. (z. B.
wieder den keiser
),
zu jm.
(z. B.
zu buben / huren, zu dem babst / könig
),
ob jm
. (z. B.
ob dem Hutten
) /
etw
. (z. B.
ob dem concilio
),
bei jm
. (z. B.
bei dem herzog
),
mit jm
. (z. B.
mit dem babst
)
h., es mit jm
. (z. B.
mit beiden, mit dem Luther, mit den rechtgläubigen
)
h., sich an jm
. (z. B.
an dem keiser
)
h., sich auf jede seite h
.
Wortbildungen:
haltstarkung
›Rückendeckung‹.

Belegblock:

Luther, WA
41, 647, 16
App. (
1536
):
filius hominis est ein seuffer, helt zu buben und huren.
Chron. Magdeb.
2, 78, 21
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
ist Hertzogk Jorge von Meckelburg, [...] erschossen worden, den er hielte bei Hertzogk Moritz wider den keiser.
Wyss, Limb. Chron.
73, 9
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
der keiser unde alle korforsten hilden mit dem Romeschen babeste.
Ebd. U
125, 44
(
1373
):
daz dij vorgnanten jungfrawen unde der covent sich an den vurgenanten hop [...] halden sollent.
Chron. Mainz
1, 6, 25
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
so hielt die stad Mentze zu keinem bischof, noch auch zu dem vormonder, sunder zu dem babest.
Franz u. a., Qu. hess. Ref. Bd.
2, 51, 10
(
hess.
,
1527
):
[hat] vom ambtman [...] haltstarkunge und hanthabunge wider mich entphangen.
Perez, Dietzin
1, 323, 6
(
Frankf.
1626
):
[du] haͤltest viel mehr auff das Liedlein / Thu bescheid / als vff Studierens Gelegenheit.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
2, 15
(
thür.
,
1421
):
etzliche die zweifelten unde wolden is mit on beiden halden.
Anderson u. a., Flugschrr.
27, 2, 26
([
Erfurt
1522
]):
Sag mir wie halt ers / mit dem Lutther.
Meisen u. a., J. Eck
15, 8
(
Leipzig
1520
):
Reycht auch nicht wenig tzu schmach dem teurn teutschen adel, die ob dem concilio gehalten haben.
Gagliardi, Dok. Waldmann
1, 69, 3
(
halem.
,
1467
):
Wir haltend nüt uff inn, und wir schissint uff inn, und wir gebint ein seich umb inn.
Roder, Hugs Vill. Chron.
163, 35
(
önalem.
,
1527
):
die hültend nit uff das hochwurdig sackrament.
Chron. Augsb.
5, 147, 12
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
Frantz von Sickingen der schrib gen Worms dem kaiser [...], er wölt ob dem Hutten halten.
Rosenthal. Bedencken
18, 28
;
Chron. Mainz
1, 3, 8
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
535, 25
;
Meisen u. a., J. Eck
24, 19
;
Chron. Augsb.
9, 375, 10
;
Andreae. Ber. Nachtmal
64r, 7
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
206, 22
;
Turmair
5, 99, 1
;
291, 31
.
Vgl. ferner s. v. (
der
4,  2.
24.
›sich in e. S., gegen jn. behaupten, standhalten; etw. verteidigen, behaupten‹.
Phraseme:
halte mit
[beim Trinken];
etw. hält den stich nicht
;
sich zu ros, auf dem pferd halten
›sich im Sattel halten‹.
Syntagmen:
(fest) h
. (mit Zeit- oder Raumangabe),
sich wie j. h., sich in etw. h., sich gegen jm
. (z. B.
gegen den feinden, dem teufel
)
h
.;
die stat, den pas, das bistum h
.

Belegblock:

Luther, WA
21, 7, 35
(
1528
):
Es mus von grund des hertzens hergehen, sonst helt es den stich nicht.
Fischer, Brun v. Schoneb.
175, 4
(
md.
, Hs.
um 1400
):
die [...] hilten aber gegen den feinten und scharmüczelten mit einander.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1363
(
Köln
1476
):
Man stund dayr hart ind hyelte vest | Vam yrsten daygh bys vp den lest.
Wunderlich, Fierrabr.
12, 25
(
Simmern
1533
):
dapffer kund sich Oliuier zuͦ Roß halten.
v. Keller, Amadis
378, 41
(
Frankf.
1571
):
Daß der Herr Amadis mich [...] errettet, vnd sich dermassen gegen jnen gehalten, daß er sie schier alle vmbgebracht hat.
Ebd.
388, 27
:
Dann er so sehr verwundt, daß zuuerwundern ward, wie er sich auff dem Pferdt halten möcht.
Vetter, Pred. Taulers
89, 5
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
under disen zwein solte man einen welen, der die grosse edel stat solte halten.
Ebd.
108, 5
:
[Got] wil in [mensche] rechte uf sich selber wisen [...] daz der mensche ouch sehe was und welich er si und wie er sich hie inne halten kunne.
Klein, Oswald
84, 21
(
oobd.
,
1415
?):
her wiert, nu halt es mit!
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
43, 15
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
allain die geschloss, die halten sich noch.
Ebd.
103, 23
:
und enboldt nicht und gedacht, seyn bistumb zu halten.
Luther, a. a. O.
30, 3, 151, 20
;
33, 28, 17
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
636, 4072
;
684, 5592
;
Ralegh. America
11, 8
;
Chron. Augsb.
2, 267, 32
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
183, 7
;
A. à S. Clara. Glori
9, 2
.
25.
›etw. handhaben, gebrauchen, nutzen, etw. in bestimmter Weise handhaben, behandeln, tun; es mit etw. / jm. halten wie [...], mit etw. / jm. verfahren, wie [...]‹, mit letzerer Nuance offen zu 15.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
einen namen, die krone / ordnung, das werkzeug
)
h., es mit etw. / jm. h., wie [...], etw. wie gehalten haben wollen
.

Belegblock:

Köbler, Ref. Nürnberg
348, 8
(
Nürnb.
1484
):
sunst wirt es damit gehalten. wie Jn vorgemelten gesetzen. vnderschiden vnd begriffen ist.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
114, 27
(
omd.
,
um 1550
):
was fuͤr ein ordnung auf einem gangk zum ersten, [...] gehalten worden ist, derselbigen ordnung sollen sich die andern massen.
Leman, Kulm. Recht
2, 1, 7
(
Thorn
1584
):
yst do bobyn keyne benumte kore, so mogen is dy ratmanne halden myt den sache walden wy sy wellen.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel,
946
(
schwäb.
,
1455
):
Küng Lasslaw, halt din kron | Das sie der welt behag!
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
70, 27
(
mslow. inseldt.
,
1602
):
Mit dem zeitlichen gute aber wil śie es der geśtalt ghalten haben.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
2839
;
Chron. Augsb.
7, 309, 22
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
193, 163
.
Vgl. ferner s. v.  4,
1
 2,  1, .
26.
›Vieh auftreiben, grasen lassen; (Haustiere o. ä.) halten, (Falken) unterhalten‹.
Wortbildungen:
halte
(
der
) ›Viehhirte‹ (dazu bdv.: vgl.  6),
haltung
4.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
202a, 18
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Swer einen gluͦmeden huͦnt oder eynen tamen wuͦlf helt.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
25, 15
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
andir huttin, in den man heldit dy gervalkin und andir valkin des chaam.
Mon. Boica, NF.
1, 693, 3
(
nobd.
,
1501
):
sol ider [bawr] zwei jar in der gemeind den gemein ochsen und styer zwai jar halden.
Geier, Stadtr. Überl.
61, 16
(
nalem.
,
um 1400
):
wer in des andern garten, oder an den wegen, ald in den gassen haltet oder graset, der richt der statt 5 ß ₰.
Winter, Nöst. Weist.
1, 189, 21
(
moobd.
,
16. Jh.
):
alle halden zu Molrambs [...] dem innhaber zuegehörunt sollen und haben den angezaigten sontag deß panndadung ain freis gejait der hasen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
477, 39
(
m/soobd.
,
1593
):
Wie die nachberschaften bei dem closter mit haltung ieres viechs und albfarten sich halten sollen.
v. Tscharner, a. a. O.
24, 7
;
Müller, Welthandelsbr.
245, 8
;
Bischoff u. a. a. a. O.
25, 12
;
105, 11
.
Vgl. ferner s. v.
2
 4.
27.
›etw. (z. B. ein Haus) in einem bestimmten Unterhaltszustand halten‹.
Rechts- und Wirtschaftstexte.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
den rauchfang / schacht / weg / steg / wasserstrom / weingarten, die brücke / fart / feuerstat / grube / müle / zeche, das bergwerk / feld / gezeug / gut / haus / pfand
)
in bau / gang, bauhaft / ganghaftig, in auferbaulichkeit, der gebür nach h
.
Wortbildungen:
haltung
5.

Belegblock:

Schoop, Qu. Düren
84, 29
(
rib.
,
1422
):
dat die gemeinlich forster [...] sullen acht haven dat alle wege, [...] in notbaw und wehr bleifen und daher die van alders gangen gehauden werden.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 203
(
rhfrk.
,
1365
):
daz hie eme eyn hus lecht und hat eme des nit gehalden in der masze, als (her) es eme lecht.
Opel, Spittendorf
89, 18
(
osächs.
,
um 1480
):
das davon, was gefellet und zu haldunge des tals uszgegeben wirdet, eyn register gemacht [...] werde.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 234, 14
(
schles.
,
1528
):
an örtern, da es [bergwerg] die obgemelten gewerken nicht beleget entploest abir nach bergrecht, wie angezeigt, halden würden.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
6
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
wer auf solche Manu(n)gk seine schecht nit pawhafft helth.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
110, 9
;
Wutke, a. a. O.
20, 241, 33
;
Piirainen, a. a. O.
21
.
Vgl. ferner s. v.  1,  12,  11,  4,  1, ,  1,  6.
28.
›etw., das durch göttliche Ordnung, soziale Regeln, persönliche Absprachen festgelegt und damit verbindlich ist, einhalten, befolgen, halten‹.
Gehäuft Texte religiösen und didaktischen Inhalts sowie Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  18.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
glauben / hofnung / liebe / keuschheit / recht / treue / warheit, den artikel / frieden / kauf, die ehe / gewonheit / lere / rede / regel / verpflichtung, das gebot / geleit / gesez / gewicht / mas / wort
)
h.
, mit Objektsatz:
h., was [...] / das [...]
;
etw. ewig / feste / stäte / steif / unverbrüchlich / war h
.
Wortbildungen:
halter
3.

Belegblock:

Leman, Kulm. Recht
2, 3, 117
(
Thorn
1584
):
der sal das halden. das her gelobit hot.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
281, 14
(
Wolfenb.
1593
):
halte, Was du mir zugesaget hast.
Große, Schwabensp.
232a, 21
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Swaz der man dem anderen louͦbet, daz sol her stete halden.
Quint, Eckharts Pred.
2, 59, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
haltet ir mîniu gebot, sô blîbet ir in mîner minne.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh.
7, 19
(
osächs.
,
1343
):
Wie gap ûch nicht Moyses di êe, und nimant undir ûch heldet di êe
[Luther
1541
 ff.:
thut das Gesetze
].
Schönbach, Adt. Pred.
8, 41
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
so daz der pristere halde die forma und die gewonheit die gegeben ist von dem heiligen geiste.
Jahr, H. v. Mügeln
135, 2495
(
omd.
, Hs.
1463
):
[der selbe mensche] lüget sunder maßes zil: | trüw unde recht er heldet nicht.
Goedeke, P. Gengenb.
127, 394
(o. O.
1516
):
gloub, hoffnung vn̄ lieb | Haltest du die nit so bist ein dieb.
Bell, G. Hager
475, 2, 25
(
nobd.
,
1599
):
dem hussen man | auch gleid zu sagt vnd hult ins nicht.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 542, 20
(
Hagenau
1534
):
Gereden und halten ist zweyerley.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 51, 35
(
moobd.
,
1421
):
unczimlicher red wegen, [...], für Hussen und gelaubig und halter des Wiklefen glaubens verdacht.
Lappenberg, Fleming. Ged.
17, 50
;
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
27, 9
;
Perez, Dietzin
2, 63, 30
;
Behrend, Magd. Fragen
91, 26
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
27, 4
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
65, 8
;
Bechstein, a. a. O. Joh.
7, 19
;
Edlib. Chron.
4, 37
;
11, 36
;
Wyss, Luz. Ostersp.
551
;
Koller, Ref. Siegmunds
107, 9
;
Sappler, H. Kaufringer
18, 107
;
Heydn. maister
25v, 7
;
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 640, 10
;
Mell u. a., Steir. Taid.
4, 65
;
Bauer, Imitatio Haller
43, 19
;
Vgl. ferner s. v.
3
 1,  1.
29.
›etw. in bestimmter Weise, als etw. einschätzen, für etw. halten, als etw. betrachten; etw. meinen, denken, glauben, einer Ansicht sein‹.
Phraseme:
etw. / nichts von etw. / jm. halten
›etw. / nichts von etw. / jm. halten, etw. / nichts auf etw. / jn. geben‹;
(jm.) etw. zum guten
(o. ä.)
halten
;
auf einen tag für dem anderen halten
›den einen Tag höher schätzen als den anderen‹, wohl mit Tendenz zu: ›im Urteil schwanken, unberechenbar sein‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 5,  23, (V.) 6,
1
,
2
, , , , ; vgl.  20.
Syntagmen:
(dafür) halten, das [...] /
Hauptsatz im Konj.,
etw. argwönig / gros / wert h., etw. für deutsch / sein eigen / unrein / war h., für ungezweifelt h., das [...], etw. für gespenst / tand, eine ere, ein zeichen / symbol, das gesez h., eine stat für eine freie stat h
.
Wortbildungen:
haltung
6.

Belegblock:

Luther, WA
7, 70, 24
(
1522
):
Eyner helt auff eynen tag fur dem andern, der ander aber helt alle tag gleych.
Ebd.
41, 475, 29
(
1535
):
Das man ein ding zum guten halten und vertragen, nicht storrig.
Schöpper
8b
(
Dortm.
1550
):
Arbitrari. Meynen wenen sich beduͤncken lassen der meinung sein. ¶ achten schetzen halten wägen vrteiln.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
136, 15
(
um 1571
, Hs.
1615
):
daß er sich alles deß anneme, vnnd für sein eigen Hield was er von Gott empfangen hette.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
345, 5
(
Wolfenb.
1594
):
haltet mirs zu gute, Ob ich Kindisch werde.
Mieder, Lehmann. Flor.
815, 9
(
Lübeck
1639
):
so sihet er [Mensch] das da vor an / das jhme vorkompt / also ist mancher / wie er ein ding im Kopff hat / so redet vnd haͤlt er davon.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
7, 31
(
Frankf./M.
1563
):
Ich halte auch nicht / daß jemand auß diesem schreiben etwas boͤses schoͤpffen [...] koͤnde.
Perez, Dietzin
1, 42, 14
(
Frankf.
1626
):
solst es billig fuͤr ein Zeichen eines grossen trosts zuhalten / daß [...].
Knape, Messerschmidt. Bris.
2, 85
(
Frankf./M.
1559
):
du hast [...] gesehen / was stoltz / vbermut / [...] / auch vndienstbarkeit / vngehorsame / viel auff sich selbs haltunge / [...] vbels / gestifft haben.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
34, 3
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Der slangin galle dy ist gar wert gehaldin.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
13
(
Nürnb.
1517
):
das sie [juden] für ungezweifelt hielten, das den namen gots, [...] niemant in einem verstentlichen sinn möcht aussprechen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
138, 16
(
Nürnb.
1548
):
da es die Heyden dafuͤr gehalten haben / die verwilligung zweyer menschen / verusache die Ehe.
Dietrich. Summaria
24r, 7
(
Nürnb.
1578
):
es finden sich leut / die jns gefallen lassen / vnd halten etwas dauon.
Vetter, Pred. Taulers
35, 27
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
ein tieffe verworffene demuͤtekeit, daz der mensche von ime selber zuͦmole nut enthalte.
Schorer, Sprachposaun
45, 22
(o. O.
1648
):
mit vielen Woͤrtern beschehen / welche [...] jetzunder vor Teutsch gehalten [...] werden.
Lauater. Gespaͤnste
12v, 21
(
Zürich
1578
):
der merteil deren dingen die mã gmeinlich für Gspaͤnst haltet / sinds gar nit.
Ebd.
24v, 18
:
Die Barfuͤsser hieltend sy waͤre on erbsünd empfangen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
84, 1
(
moobd.
,
1478
/
81
):
etlich Niderländer halten und schreiben in iren Cronicken, er [Karolus] sei geporn zu dem grossen Ingelhaim.
Ebd.
119, 32
:
so waren doch ir vil, die diss gewerb arckwenig hielten.
Luther, a. a. O.
22, 32
;
Pfefferl, Weigel. Ges.
34, 19
;
Rosenthal. Bedencken
29, 20
;
Mathesius, Passionale
35r, 17
;
Chron. Nürnb.
3, 48, 19
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
139
;
Reichmann, a. a. O.
67, 27
;
68, 15
;
258, 26
;
Chron. Augsb.
2, 59, 9
;
7, 247, 10
;
Bauer, Geiler. Pred.
464, 32
;
Klein, Oswald
122, 19
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1852
.
Vgl. ferner s. v.  7,
1
 6,  1,  4, .
30.
›jn. für jn. (z. B. für einen König) halten, jn. als jn. ansehen, betrachten, anerkennen; jn. für etw. halten, jm. eine bestimmte Qualität zuschreiben‹.
Phraseme:
mer von jm. h. als von
[einem anderen].
Syntagmen:
jn
. (z. B.
den hurer
)
verächtlich h., jn. / sich für weise h., jn. unterdrücker h., jn. für got, einen behalter / edelman / vater / feind / könig / messiam / narren / sünder, den liebsten / frömsten / treuesten h., jn. [das weib] für ein fustuch h
.

Belegblock:

Luther, WA
30, 2, 39, 15
(
1529
):
das leucket er [Hertzog George] und ist auch gehalten fur der welt also wie er leucket.
Mieder, Lehmann. Flor.
504, 26
(
Lübeck
1639
):
Die Mohren halten sich vor die schoͤnste Leut / darumb mahlen sie den Teuffel weiß.
Wyss, Limb. Chron.
41, 2
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
want di Beheimen in [konig Johann] nit wolden vur iren konig halden.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
137, 30
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Dar vmb halt ich sie vor mynen figent.
Mathesius, Passionale
33v, 22
(
Leipzig
1587
):
Wir aber hielten jhn fuͤr den / der geplagt / vnd [...] gemartert were.
Böhme, Morg. R.
143, 15
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Man hilt sie [Propheten] nur fuͤr Narren.
Rupprich, Dürer
43, 22
(
nobd.
,
1506
):
jch halt ewch nit anderst den vür ein vater.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 164, 8
(
Luzern
1596
/
7
):
das man allein inne in selben landen für Gott hiellte vnd alle andre Götter vßrüttete.
Anderson u. a., Flugschrr.
28, 4, 20
([
Augsb.
]
1524
):
den fetzelumper von Tüningen / der auch mer vom Tartaret helt dañ von Paulo.
Klein, Oswald
1, 69
(
oobd.
,
1417
):
er [got] wil der liebst gehalden sein | in seiner höchsen kur.
Luther, a. a. O.
30, 3, 372, 16
;
Rosenthal. Bedencken
13, 31
;
Jostes, Eckhart
44, 22
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
224
;
Franck, Decl.
335, 30
;
Dietrich. Summaria
30r, 11
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
92, 13
.
Vgl. ferner s. v.
1
 4, , (Adj.) 6, , ,  28, .
31.
›als Bezugsgröße in Relation zu einer anderen Bezugsgröße stehen, relationiert sein, in einer Vergleichsbeziehung stehen; es verhält sich mit jm. / etw. in bestimmter Weise; so sein wie (z. B. vorher dargelegt), wie geartet sein‹.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
4, 76, 41
(
Frankf.
1557
):
Jch sihe wol, das sich nicht so helt, | Wie ichs dort in die ordnung gstellt.
Strauch, Par. anime int.
124, 33
(
thür.
,
14. Jh.
):
alse sich di sele heldit zu dem libe, also heldit sich Got zu der sele, und alse sich di sele scheidit fon dem libe, daz ist des libis tot.
Tittmann, Schausp.
16
. Jh. Rebh. 77, 303 (
Zwickau
1536
):
Weil sichs mit Susannen helt der maßen, | wie ich mir von euch hab sagen laßen.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
24, 34
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
In einer andern wis so haltet sich daz verstan zuo den gotlichen dingen, niht daz ez got erkenne, alse er ist, sunder nach siner wis.
Vetter, Pred. Taulers
278, 11
(
els.
,
1359
):
alle geschaffen verstentnisse haltent sich engegen der klarheit von naturen als der swalwen oͮge sich haltet engegen der kloren sunnen.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
178
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
Als vil die sel ist ein form vnd edlung des leibs vnd sich der leib halt gegen ir als ir materia.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
145, 8
(
Ulm
1486
):
waist du nit wie sich die sach deinthalb haltet?
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
28, 27
(
m/soobd.
,
1445
):
den wol zu trauen und zu glauben ist, das sich die freiung von alter her also gehalten hat.
Morgan u. a., a. a. O.
166, 29
;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
50, 1
.
Vgl. ferner s. v.  1.
32.
›etw. erhalten, einen Preis gewinnen; etw. einziehen, einnehmen‹; als resultativ auffaßbar: ›etw. inne haben‹; konvers: ›jm. etw. einbehalten‹.
Wortbildungen:
halter
4.

Belegblock:

Küther, UB Frauensee
286, 29
(
thür.
,
1498
):
dem gedachten unserm glouber und helder dißs briefes.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
33, 17
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Sy sint ouch undirtan dem grozen chaam, des son do heldit dy herschaft.
Stackmann u. a., Frauenlob
7, 23, 16
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
Die zwelif gotes knechte | den cristentum erstriten han | und gaben, daz zu rechte | die pfafheit sülle halten | den besten und den höchsten teil.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
139, 20
(
els.
,
1362
):
ist [er] ein halter dez siges, also het er den sig behalten úber die welt mit eime fúrsmohende.
Lemmer, Brant. Narrensch.
75, 6
(
Basel
1494
):
Dar zuͦ synt goben ouch besteltt | Der naͤhst bym zyel / der selb der heltt.
Müller, Welthandelsbr.
193, 18
(
schwäb.
,
1506
):
so ainer fill gutz in 3 monat herein hat und kains hinaus in der zeit, so helt man in von dem herein kommen zapf maut.
Ebd.
175, 2
:
doch solt du es im [dem walchen] halten, dan du muß am zoll gut dafur sein, bis er zalt.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
11, 8
(
München
1528
):
wie der leib natürlich lebt durch die sele, vnd sein leben hellt durch leibliche speis.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
309, 46
(
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
wen ainer den andern jagt [...], ist dem gericht zu peen verfallen 32 mark Agler ₰ und soll des hauswirts huld halten, als negst er mag.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
408, 15
(
m/soobd.
,
15. Jh.
):
so sol und mag die herschaft solch perkrecht auf ander sein guet erb slachen und halden.
Schwäb. Wb.
3, 1081
.