ausrecken,
V.,
unr.; im Prät. und Part. Perf. auch rückuml., vereinzelt mit Primärberührungseffekt:
-geracht, -gerecht.
1.
›etw. nach vorne, zur Seite, nach oben ausstrecken‹; je nach Richtung speziell: ›etw. (z. B. die Arme) ausbreiten; etw. erheben, emporrichten, aufrichten‹; zu letzterer Nuance auch ütr.: ›(z. B. den Ehestand) loben, hochhalten‹.
Syntagmen
die hand / lanze / zunge, den arm / stab, das banner / schwert a.
; ütr.:
den ehestand a.
;
ausgerekte arme / hände.
Wortbildungen:
ausreckung
1 ›Ausstreckung; Spannweite, Ausdehnung‹.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Jer.
9, 3
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
ire zunge haben si uzgeract als eynen bogen der logene.
Quint, Eckharts Pred.
2, 151, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
der mensche [...] sol alle zît ûzrecken die hant vür die tür unsers herren gotes.
Feudel, Evangelistar
136, 21
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
alse du alt worden bist, so saltu uz recken dyne hende.
Schmitt, Fachprosa
22, 19
(Hs.
omd.
,
A. 15. Jh.
):
slecht gevilde yst eyn vsreckunge des drebomys von eyner want vs czu der anderen.
Luther. Hl. Schrifft. 2. Mose
8, 16
(
Wittenb.
1545
):
der HERR sprach zu Mose / Sage Aaron / Recke deinen Stabe aus / vnd schlag in den Staub auff erden / das Leuse werden in gantz Egyptenland.
Ebd. Jos.
8, 26
:
JOsua aber zoch nicht wider ab seine hand / damit er die Lantze ausreckt.
Chron. Nürnb.
5, 598, 9
(
nobd.
,
1498
):
wann die Rotenberger heten paner außgerekt.
Vetter, Pred. Taulers
37, 10
(
els.
,
14. Jh.
):
alleine ist er [mensche] allewege die hant sinre begerunge usreckende zů dem milten almůsen des lutern gůtes daz Got selber ist.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
10, 210, 26
(
Straßb.
1466
):
jonathas ausreckt sein hant zů schlagen bachidem.
Wierschin, Liechtenauer. Fechtk.
113, 561
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
stand mit denem rechten fůß vor, vnd halt din schwert mit vßgerechten armen vor dir mit dem ort vff die erden.
Buijssen, Dur. Rat.
98, 13
(
moobd.
,
1384
):
Dye auzreckung der hend darumb wıͤrt wann do Christus auf het gereckt die hend.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
86, 7
(
tir.
,
1464
):
da was da der ersam Jeronimus zu gesicht aller menschen vnd rëkchet aus sein hant vnd hueb das swërt.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 482, 27
;
3, 261, 12
;
Wyss, Limb. Chron.
32, 18
;
Feudel, a. a. O.
130, 2
;
Mayer, Folz. Meisterl.
100, 265
;
Kurrelmeyer, a. a. O.
6, 64, 12
;
142, 5
;
Schmitt, Ordo rerum
648, 32
;
Voc. Teut.-Lat. c iijv; c iiijv;
Voc. inc. teut. b VIIIr;
Serranus
22r
;
Dietz, Wb. Luther
177
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 320/1;
Byland, Wortsch. Zürcher AT.
1903, 30
.
2.
›sich ausdehnen, strecken‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. ,  17,  3,  1.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
376, 29
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz sein dünneu rind dont und sich auzreckt.
Voc. Teut.-Lat. c iiijv; nn vijr.
3.
›etw. offen zeigen, sichtbar hinhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (V.) 1,  10.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1458
(
rib.
,
1444
):
Besser sijnt ouch gebunden ind bedeckt | Dyne slussele dan blois ussgereckt.
Ebd.
8329
:
De dat metz draigs getreckt | Ind de bosse mit der salven ussgereckt?
4.
›etw. ausrupfen, ausreißen, ausziehen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
7140
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Ich bin die die ane hacken | In dem garten dut disteln ußracken.
5.
›sich erstrecken; etw. ausdehnen, ausbreiten, verbreiten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2, ,  1,  28,  3.
Wortbildungen:
ausreckung
2.

Belegblock:

Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
1343
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Da Recht Verstenteniße mir also gepredigt hait | Und das hie vor also ußgeracht.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
131, 15, 5
(
schles.
,
1354
):
Wir enkscheyden recht vnd redlich czusyn, ab wir vnser urymutikeit gnade wͤsreken czu den dingen.
Gille u. a., M. Beheim
116, 52
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Der selbig Fridereich wirt sein | gross mochtikait ausreken ein | die lesten end der welte.
Buijssen, Dur. Rat.
326, 28
(
moobd.
,
1384
):
daz durch den chuz dez fricz und durch di auzrechung der planet wert beweyzzt dy auzrechung der lıͤb.
Höver, Bonaventura. Itin.
1, 104
(
moobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
dy [kraft] sych aus rekht ferr, weyt vnd tyef.
Höver, a. a. O.
1, 337
;
Dietz, Wb. Luther
177
.
6.
›davonrennen, weglaufen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  9,  1,  2,  10.

Belegblock:

Rueff, Rhein. Ostersp.
982
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
ich han uch hie dry frauwen bracht, | die wern zuhant gern uß geracht.