ansehen,
V., unr. abl.
1.
›jn./etw. ansehen, anblicken, anschauen (als Sinnestätigkeit); etw. beobachten; jn./etw. anschauen, betrachten (im geistigen und religiösen Sinne)‹; alle Nuancen mit fließendem Übergang; von Gestirnen: ›jn. anstrahlen‹; phrasematisch:
jn. nicht ansehen
›jn. verachten‹;
jn. über die achseln ansehen
›jn. scheel ansehen‹.
Oobd. nur vereinzelt belegt.
Syntagmen:
j.
/ (vereinzelt:)
etw. jn.
(z. B.
got / den herren
) /
etw.
(z. B.
gutes / übles, das blut / buch / herz / liecht / spektakel / weib / tier / tor, die wunde / schlange / schrift / stat, den baum / glauben / himmel
)
a.
;
jn. zornig / sauer a.
;
etw. mit augen / mit dem angesicht a.
;
jn. mit grus a.
;
etw. sein lieblich / lustig / schrecklich anzusehen
;
das leibliche a.
(subst.).
Wortbildungen
anseher
1 (dazu bdv.: , ).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
12902
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Swenne zum altare gestet | Der priester durch unse not, | Und her diz ansende
[passiv: ›sichtbar‹]
brot | [...] | Mit zeichenen und mit worten Segent.
Quint, Eckharts Trakt.
9, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sol man wizzen, daz der [...] guote und güete sich einander anesehent.
Jostes, Eckhart
39, 16
(
14. Jh.
):
Alz di sel [got] ansiht so wirt si enzogen auzer ir naturlichen craft in ein ubernaturlich craft.
Chron. Köln
3, 497, 3
(
Köln
1499
):
up dat dat gesicht der ghenre die in ansain sich niet bedroefde.
Steer, Schol. Gnadenl.
3, 262
(
rhfrk.
,
1375
):
Got der sach an alle ding, die er gemachet hatte vnd si waren gar gut.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
13, 29
(
hess.
,
14. Jh.
):
Uvir gelauben daz godes [...] augen in allen steden ane sin gude und ubele.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
33, 22
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dy slangin sint deme menschin gar schuylichin an czu seen.
Luther, WA
33, 214, 17
(
1531
):
wen man sie bei dem licht ansihet, so lehren sie nur alleine von guten wercken.
Ebd.
477, 18
:
Die andern gehen im finsterniss [...], sehen den glauben ahn, wie ein kalb ein neue thor ansihet.
Ebd.
30, 3, 576, 6
(
1532
):
Gott der herr erzeige sich dir freundlich vnd trostlich Sehe dich nicht saur an noch zornig.
Pyritz, Minneburg
5230
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Er wart mich oft und dicke an sehen | Mit blicken swinde.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
4, 83
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ist das ich mich selbs ansehe, so mag ich mich selbs nicht geleiden.
Gille u. a., M. Beheim
22, 164
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das er in noten nit wirt verlon, | wann Saturnus und Sol in ane sehen.
Ebd.
25, 19
:
Nun sicht man mich uber die achseln an.
Ebd.
156, 164
:
Wann wir doch alle ding tun vor | den augen des richters fur war, | dem alle ding sein offennbar, | der des ist ein an seher.
Rohland, Schäden S.
352
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
den schaden gar eben ansehen.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 585
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Mitteliden duͦt den menschen sich selben anesehen vnd merken sinen gebresten.
Maaler
25r
(
Zürich
1561
):
Einen nit Ansehen/ Verachten.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
4588
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Froͤw dich das du aͮn endes zil | Besunderlich hast froͤden vil | Von maͤnigem lieplichem sechen an!
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
143, 11
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
übermitz den glouben so sehen wir an dü himelschen ding, die da vorgant den sinnen.
Ebd.
283, 3
:
unmüglichen ist, daz man got ansehen müge mit dem sinlichen gesihte.
Rieder, St. Georg. Pred.
57, 28
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
daz sol ir erbe sin daz si Got ewklich sol an sehen.
Sappler, H. Kaufringer
30, 15
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
an den schuohen tragentz lange spitz; | die gaffent auf in solicher witz, | das sie iren herren sehent an | und luogent, wie er sei ain man.
McClean, Havich
2452
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
was ener an dem püch las, | Stephan es alles aussen sprach | und er das puch nye an sach.
Helm, a. a. O.
11006
;
21801
;
Jostes, a. a. O.
14, 35
;
102, 39
;
Chron. Köln
1, 2478
;
Wyss, Limb. Chron.
51, 23
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
231
;
Froning, Alsf. Passionssp.
6193
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha
1926, 6
;
Feudel, Evangelistar
1, 9
;
11, 17
;
57, 25
;
62, 24
;
132, 1
;
v. Tscharner, a. a. O.
72, 8
;
Hübner, Buch Daniel
2167
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
27, 25
;
Pyritz, a. a. O.
3469
;
Asmussen, Buch d.
7
Grade 968;
Wagner, a. a. O.
1, 47
;
Gille u. a., a. a. O.
84, 89
;
132, 264
;
156, 92
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 80, 7
;
2, 644, 6
;
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
977, 3
;
Bihlmeyer, Seuse
46, 8
;
318, 28
;
Vetter, Pred. Taulers
115, 35
;
Eichler, a. a. O.
2, 1522
;
3, 218
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
8, 25
;
Lindqvist, a. a. O.
2287
;
Banz, Christus u. d. minn. Seele
277
;
Päpke, Marienl. Wernher
1252
;
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
7476
;
Sappler, a. a. O.
8, 239
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz
186, 18
;
McClean, a. a. O.
231
;
394
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
112, 37
;
Maaler
25r
/v;
28r
;
Ulner
367
;
Dietz, Wb. Luther
98
/99.
2.
›js./e. S. ansichtig, gewahr werden, jn./etw. erblicken‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  2.

Belegblock:

Dreckmann, H. Mair. Troja
24, 7
(
oschwäb.
,
1393
):
do nu Jason kom zu dem wider und die ochsen ansach.
Sappler, H. Kaufringer
18, 121
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
do er die jungfrawen ansach, | zuo dem kunig er do sprach.
Jaksche, Gundacker
4967
(
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
als er in verrist an sach, | gar lieplich er im zu sprach.
Ebd.
2258
.
3.
›etw. in Betracht ziehen, berücksichtigen, beherzigen, in Anschlag bringen‹; falls von göttlichen oder gottähnlichen Personen gesagt: ›etw. erhören‹; mit ersterer Nuance offen zu 6.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.
Syntagmen:
a., das [...]
;
die andacht / antwort / bosheit / demut / ere / flehe / freundschaft / gefar / gnade / gutheit / liebe / natur / schmach / treue / trinität / das begeren / bitten / elend / ende / gefängnis / gut / leid / volk, den anblik / eid / jamer / nutzen a.
;
jn. gnädig a.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 127, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz ander, daz wir anesehen süln, daz allez diz leben tœtlich ist.
Hübner, Buch Daniel
92
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
daz sie [Maria] die vle | In uwerz herzen munde | An se zu dirre stunde.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
298, 29
(
thür.
,
1474
):
in yrer erstin antwert, dy danne billich an deme ende vormargkt unde angesehen wirt.
Chron. Nürnb.
1, 148, 9
(
nobd.
,
1388
):
daz sie ansehen, daz sie uns einen man, seit wir in dem pund gewesen sind, nie zu hilf geschikt haben.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
2, 246
(
Nürnb.
1517
):
das der ein grosse gewißheit seiner selikeit erlangt hat, der stetig ansicht ander leut gutheit, sein eigne boßheit.
Päpke, Marienl. Wernher
368
(
halem.
,
v. 1382
):
Do disú red also beschach, | Der frowen laid och Got an sach | Und sant ir genædeklichen trost.
Bachmann, Haimonsk.
217, 35
(
halem.
,
1530
):
ob ǔch schon Karly lang geschediget hat, daz wirt fillicht gott ansächen und ǔch inn kurtzer zyt hälffen.
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
6577
(
schwäb.
, Hs.
1478
):
Secht an lieb unnd trẃ | Die úch von mir allzit ist wesen nw.
Sappler, H. Kaufringer
12, 300
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
sich an dein selbers er, | das du pist wirt und ich dein gast.
Kummer, Erlauer Sp.
3, 1141
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
O spiegel aller weishait, | siech an mein groß herzenlaid!
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
151va, 37
(
moobd.
,
n. 1434
):
Schawt vnd secht an mein ellend vnd choͤmbt mir ze hilff.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
21, 2
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Wann da wardt nicht angesehen storung noch achtung kristenleichs gelawben.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
187, 26
Var. (
smoobd.
, Hs.
1572
):
so aber das gestollen guet so wenig wert wär, so soll es angesechen werden.
Ebd.
225, 20
(Hs.
1624
):
soll man im urtail ansechen, darnach es geverlich beschechen ist.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
21, 36
(
tir.
,
1464
):
ir sült nicht ansehen den anplik der mëchtigen, wend es ist chain aufnemung der personen vor got.
Dies., Imitatio Haller
99, 15
(
tir.
,
1466
):
Du solt an sehen das ent in allen deinen werchen vnd solt gedenkchen an das jungst gericht.
Turmair
4, 563, 11
(
moobd.
,
1522
/
33
):
maint er, seine kinder solten in sölchs geniessen lassen und ansehen.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
186
;
Feudel, Evangelistar
120, 22
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 170, 5
;
Vetter, Pred. Taulers
13, 3
;
Lauchert, Merswin
4, 24
;
18, 22
;
Adrian, Saelden Hort
600
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1021
;
Banz, Christus u. d. minn. Seele
312
;
Bachmann, Haimonsk.
59, 38
;
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
55, 14
;
220, 4
;
Jellinek, a. a. O.
7467
;
7552
;
Chron. Augsb.
4, 339, 15
;
Buijssen, Dur. Rat.
12, 24
;
Rudolf, a. a. O.
151ra, 31
;
Sexauer, Schrr. in Kart.
272, 23
;
Turmair
5, 584, 22
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
143, 11
;
Maaler
25r
/v;
Dietz, Wb. Luther
98
/99;
Schwäb. Wb.
1, 257
;
Vorarlb. Wb.
1, 108
;
Rwb
1, 723,
Wmu
1, 105
.
4.
als Part. Perf. s.
angesehen.
5.
›etw./jn. in einem bestimmten Ansehen halten, in bestimmter Weise einstufen‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
1169
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
ûf daz brûdir Herman | wurde baz gesehin an | und desde achbêrre gehât.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
6, 8
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Wir wellen beweisen, das wir [...] rechte faren in der werlt: niemands adels schonen, großer kunst nicht achten, keinerlei schöne nicht ansehen.
Mayer, Folz. Meisterl.
23, 86
(
nobd.
,
v. 1496
):
So geb um Got den armen, wo er kane, | Sech zeitlich er nit ane.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 148, 24
(
Augsb.
1548
):
Die person ansehen / ist nicht guͦt / dann er thet übel / wol umb ain stuck Brot.
Adomatis u. a., J. Murer. Zorob.
34
(
Zürich
1575
):
baͤttind deßhalb alle stend | So allhie stond umb die revier | daß nit ansehind schmuck und zier | So hie brucht yede spyls person.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1572
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Solt ich silber und gold für dich an sehen, | So hett ich ainen abgot.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
133, 20
(
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
Das die obrigkeit embligs aufsechen haben, item kain für den andern ansechen sol.
Chron. Augsb.
7, 119, 2
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
284, 27
.
6.
›etw./jn. für etw. halten, als etw. betrachten, als etw. beurteilen‹.
Bedeutungsverwandte:
 29; vgl.
1
 5.

Belegblock:

Vetter, Pred. Taulers
147, 1
(
els.
, Hs.
1359
):
si [sele] sol sich selber an sehen als Got, wan Got und si sint ein in disem.
Lauater. Gespaͤnste
16v, 26
(
Zürich
1578
):
ist kein wund’ / weñ wir auch vß forcht eins für das ander ansaͤhẽd.
Ebd.
19v, 30
:
Da du auch hoͤrst / dz ein gãtzer heerzüg / wasser für bluͦt angesaͤhen hat.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
124, 7
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
von der bewegunge dez einveltigen willen, der da angesehen wirt alse die nature.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
181, 17
(
Ulm
1486
):
du solt mich nit verdencken. oder allso ansehen.
Lauater. a. a. O.
17v, 30
;
Dietz, Wb. Luther
98
/99;
Rwb
1, 723
.
7.
meist in der 3. Pers.: ›etw. scheint jm. in bestimmter Weise, kommt jm. vor als [...]; j. hält / befindet / erachtet etw. für [...]; etw. dünkt jn., in bestimmter Weise beurteilt werden zu müssen‹.
Syntagmen:
etw. sieht jn. an, als [...], etw. / es sieht jn. / jm.
(
für gut / austräglich / erschieslich / notwendig / von unnöten / zu guten
)
an, das [...]
oder
zu [...]
oder konjunktivischer Hauptsatz;
j. sieht für gut an, das [...].

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
4, 4, 93
(
Frankf.
1557
):
wie mich jetzt die sach ansicht, | Wirdt er auffs schierst auch hin gericht.
Luther, WA
30, 3, 368,
App. zu 4 (
1531
):
Welche mich ansehen als sey es Hertzog Georgen zu Sachsen klugheit.
Ders., Hl. Schrifft. Luc.
1, 3
(
Wittenb.
1545
):
Habe ichs auch fur gut angesehen / nach dem ichs alles von anbeginne erkundet habe / Das ichs zu dir / mein guter Theophile / mit vleis ordentlichen schriebe.
Bell, G. Hager
312, 2, 30
(
nobd.
,
1607
):
Balt ich das ver nam, sah mich an für gutte | Dir zu be gegnen dise zeite.
Chron. Augsb.
4, 355, 13
(
schwäb.
,
v. 1536
):
hat es die herrn burgermaister für guͦt angesechen, daß [...].
Ebd.
362, 20
:
zuͦm 2. der wonung halben sech sie für guͦt an, daß [...].
Ebd.
5, 354, 45
(
1490
):
das euch hierinn ußträglich unnd erschießlich ansehen würde.
Ebd.
7, 25, 12
(zu
1548
):
hat mich von unnöten angesehen, die nach lengs hiehero zuͤ schreiben, sonder allain der kay. mt. fürtrag.
Kottinger, Ruffs Etter Heini
265
(
ohalem.
,
1538
):
den landtvogt tödt do schnell in yl: | es wurd dich duncken, sechen an, | alls wer der landtvogt wider kan.
Bächtold, N. Manuel. Krankh.
222, 10
(
1528
):
wil mich ansehen, die Mess sige in eim bösen zeichen.
Kottinger, Ruffs Adam
6228
(
Zürich
1550
):
dises wätter sicht mich an, | das es kein ruow noch rast wirt han.
Turmair
4, 537, 21
(
moobd.
,
1522
/
33
):
als mich die sach wil ansehen.
Rintelen, B. Walther
157, 11
(
moobd.
,
1552
/
58
):
so oft es dem Lehensherren und Vogtherren für notwendig ansicht.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
15, 16
(
m/soobd.
,
1577
):
nach dem dis allain dennen zu gueten angesechen, das [...].
Luther, WA
41, 533, 20
;
Chron. Augsb.
6, 56, 3
;
Turmair
4, 1097, 19
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
138, 29
;
Pfälz. Wb.
1, 278
;
Schwäb. Wb.
1, 257
.
8.
›etw. erwägen, bedenken‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 3, ,  1; vgl.
1
 4.

Belegblock:

Chron. Augsb.
2, 391, 15
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
Wir [...] haben mit grossem ernste angesehen und betrachtet, wie [...].
Ebd.
9, 386, 18
(
1540
):
das dann warlich wol und weislich von den herren des rats angesehen was.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
29, 7
(
m/soobd.
, Hs.
16. Jh.
):
das wir angesehen und betracht haben, wo solch irrung und zwitracht nicht nidergelegt wurt [...] das dar aus landen und leuten schwaͤrer unratt aufersteen möcht.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3634
;
Chron. Augsb.
2, 120,
Anm. 1; 2;
9.
›etw. erkennen, ersehen‹; phrasematisch:
jm. etw. an den augen / an der nase ansehen.
Bedeutungsverwandte:
, I, 1; vgl.  2, (V.) 16, (V.) 45,  24.

Belegblock:

Feudel, Evangelistar
113, 10
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Nicht vornemyt ir noch sed an dy czit der brote.
Quint, Eckharts Pred.
1, 358, 11
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Als daz kint anesihet, wie liep ez dem vater ist.
Luther, WA
33, 502, 21
(
1531
):
das man ihnen an der Nasen hab ahngesehen, was sie je und je gethan haben.
Ebd.
51, 654, 263
(
um 1535
):
Ich sehe dirs an dein aügen an.
Asmussen, Buch d.
7
Grade 2058 (
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
wan swen man ußen ansiht, | daz so durre ist und so gel.
Langen, Myst. Leben
162, 17
(
nobd.
,
1463
):
Daz hat / wol angesehen der heilig lerer / sand Augustin.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
62, 17
(
moobd.
,
1478
/
81
):
auf das jüngst sach er an die unschuld diss fürsten.
Bauer, Imitatio Haller
61, 2
(
tir.
,
1466
):
Wildu an sehen die wirdikchait des herren, so ist dir kchain gab vngenëm, sy sey kchlain oder gros.
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 6
;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 940
;
1040
;
1229
;
Chron. Augsb.
1, 135, 18
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
10, 119,
Pfälz. Wb.
1, 278
.
10.
›etw. beschließen, bestimmen, festlegen, festsetzen, verfügen, entscheiden‹.
Beleghäufung für das Wobd.
Wortbildungen:
ansehenbuch
›Protokoll der Ratsverordnungen‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
417, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
swenne ez kumet in die zît, daz er öuget in der zît, daz er in der êwicheit hât anegesehen, sô wænent die liute, got habe eine niuwe minne an sie geleget.
Sermon Thauleri
11vb, 13
(
Leipzig
1498
):
es mag nymmer ßo klein leidẽ auff dich gefallen got hab es vor ewiglich an gesehenn vñ das geliebet vnd das gemeinet.
Meisen u. a., J. Eck
32, 27
(
Ingolst.
1526
):
damit die disputation [...] von den xij. orten angesehen und fürgenummen zuͦ einem guten unnd seligem end bracht [...] werde.
Vetter, Pred. Taulers
323, 34
(
els.
, Hs.
1359
):
so kunt uns niemer so kleines zuͦ das von ime nńt geordent und angesehen si.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
27, 12
(
halem.
,
1525
):
hat min gnediger her angesechen, das niemandt mer [...] die bösen schwür üben noch pruchen sol.
Kottinger, Ruffs Adam
5893
(
Zürich
1550
):
Der zorn gotts nach sinr heilgen zal | ist g’ordnet üch zum drittenmal, | nach siner güete angeseen.
Chron. Augsb.
4, 122,
Anm. 1 (
schwäb.
,
v. 1536
):
Ain ersamer rat der stat Augspurg hat [...] demnach angesöhen diser fürgenomen schuessen halben ain verzaichnus zuͦ gedachtnus zuͦ machen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
23, 23
(
mslow. inseldt.
,
1501
):
So iśt angeśehen worden, [...] das Er dem Gericht verfallen śeyn śol.
Bernoulli, Basler Chron.
6, 136, 11
;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 463, 31
;
V. Anshelm. Berner Chron.
2, 2, 25
;
4, 20, 31
;
93, 28
;
107, 19
f.;
Müller, a. a. O.
29, 13
;
35, 10
;
55, 6
;
Welti, Stadtr. Bern
244, 21
;
Adomatis u. a., J. Murer. Abs.
109
;
Chron. Augsb.
3, 408, 9
;
410, 28
;
4, 189,
Anm. 2;
5, 345, 6
;
363, 17
;
Maaler
20r
/v;
25r
/v;
Schmid, R. Cysat
6, 6
;
Schwäb. Wb.
1, 257
;
Schweiz. Id.
4, 993
;
Rwb
1, 723
.
11.
jn. mit strafe ansehen
›jn. bestrafen‹.

Belegblock:

Siegel u. a., Salzb. Taid.
330, 5
(
smoobd.
, Hs.
18. Jh.
):
soll ain ieder underthon [...] bei öfterer ungehorsambkeit auch mit höcher [...] straff angesechen werden.
Ebd.
107, 40
.
12.
›jn. steuerlich belasten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  22.

Belegblock:

Chron. Augsb.
2, 120,
Anm. 1 (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
wer nit gnuͦg oder tze klain trage das der höher angesehen werde.
13.
›etw. gründen, stiften‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8.

Belegblock:

Chron. Augsb.
1, 304, 24
(
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
ist der orden angesechen und erdacht von Elyas, der verzuckt ward.
14.
›im Preis nachgeben, einen Nachlaß gewähren‹.

Belegblock:

Krieger, Ravensb. Kaufl.
1933, 52
.