2
al,
Adj.
(1-3; 8),
Adv.
(4; 9), Verstärkungspartikel (5; 6). – Vgl. allgemein die Artikelgestaltung bei Dietz, Wb. Luther
51
-53; Wrede, Aköln. Sprachsch.
94
/95.
1.
als Adj. in attributivischer Verwendung die Gesamtheit, den vollen Umfang, die volle Höhe, Tiefe, Weite usw. von etw., die Totalität einer Gegebenheit kennzeichnend: ›ganz, gesamt, insgesamt, all‹; offen zu 2.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl. ,  1,  1,  1, , ,  2.
Syntagmen:
al die welt, al mein begeren; alle Galilea / Niederland, alle tiefe / zeit, alle die nacht / die welt, alle den Rhein, alle ir lehen, aller grol, aller rechter masse, alles Gallia / (-)reich; auf alle höhe, in allem Germania, in alle jeneme lande, in allem ganzen land, von allem römischen volk; das betgewand alles, die stat alle.
Stellung vor dem Subst., vor dessen Adjektivattribut, vor dem Artikel bzw. vor dem dem Substantiv vorangestellten Possessiv- oder Demonstrativpronomen ist gegenüber der Stellung nach dem Substantiv absolut dominierend; in der Regel flektiert; oft aber auch unflektiert.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
1037
(
ohess.
,
1501 ff.
):
dornach stund al myn begere.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
9, 31
(
osächs.
,
1343
):
si gîngen ûz unde vorlůmunden en in alle jeme lande.
Kurz, Murner. Luth. Narr
1832
(
Straßb.
1522
):
wie sie mich vereret hant | In allem gantzen tütschem lant.
Chron. Augsb.
9, 120, 19
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
der [...] ist alsdann wie ain pontifex [...] von allem römischen volck angesehen [...] worden.
Sappler, H. Kaufringer
1, 21
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
[er] wolt all die welt durchgan.
Bachmann, Haimonsk.
156, 16
(
halem.
,
1530
):
fluchend sy inn alle tieffe des fory holtz.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
34, 31
(
moobd.
,
1478
/
81
):
ward alles Gallia erlöst.
Mell u. a., Steir. Taid.
75, 6
(
m/soobd.
,
1624
):
von mitten der Enns herwider auf alle höch des Kälblings.
Chron. Köln
1,
S. 389;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
279
;
1108
;
Bechstein, a. a. O. Mt.
3, 5
;
4, 23
;
Fuchs, Murner. Geuchmat
153
;
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 192, 32
;
Wyss, Luz. Ostersp., Bd.
3,
S. 270;
Spiller, a. a. O.
16, 7
;
Langmantel, Schiltb. Reiseb.
31, 26
;
Henisch
42
;
Dietz, Wb. Luther
51
-53;
Wiessner, Wittenw. Ring.
1970, 10
;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
94
.
2.
als Adj.: jeden / jedes einzelne aus einer Menge, Anzahl, Gesamtheit heraushebend: ›jeder, -e, -es, jeglich‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  3, ,  1,  3.
Syntagmen:
alle engel, die blätter
[...]
alle; der teile aller, andere gäuche al; in allen dingen; alles tun.
Im Gegensatz zu 1 oft Stellung nach dem Substantiv oder Pronomen.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3372
(
rib.
,
1444
):
Umb Caritas wille ich nacht ind dach | Allet dat doen dat ich vermach.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
447
(
mrhein.
,
um 1335
):
dem alle engel dinstber sint.
Fuchs, Murner. Geuchmat
5, 10, 2
(
Basel
1519
):
Es sol ein yeder gouch geflissen syn, über andre geuch all vß zů gucken.
Sudhoff, Paracelsus
13, 45, 1
(o. J.):
was wechselbalg sind, werden al aus den sternen geboren.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
10, 19
;
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
48, 7
;
Henisch
41
;
48
;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
95
.
3.
als Adj.: etw. regelmäßig Wiederkehrendes (vor allem Zeiteinheiten) kennzeichnend: ›jeder, alle‹; an 2 anzuschließen.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.
Syntagmen:
al acht tag; al zwei monat; alle fünf jar; alle montag, alle fiertelstunde
; die angegebene Zeiteinheit steht ohne Plural-
e.

Belegblock:

Fuchs, Murner. Geuchmat
48, 11, 1
(
Basel
1519
):
Er sol al acht tag zwey mal lassen scheren.
Henisch
42
(
Augsb.
1616
):
Alle fuͤnff Jar / allweg im fuͤnfften Jar wirdt Sicilia geschaͤtzt.
Ebd.
41
;
47
;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
95
;
Öst. Wb.
1, 140
.
4.
als Adv. in der Form
al,
seltener
alle
: ›ganz, ganz und gar, vollständig‹; an 1 anzuschließen; offen zu 5.
Syntagmen:
etw. al abschneiden, etw. alle vertreiben; al ein liecht sein, alle frei sein; al brennend / schämend / schweigend / wachend / weinend
(teilweise Zusammenschreibung mit Partizipialbildungen dieser Art).

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 179, 14
(
nrddt.
, Hs.
1601
):
wahren bey den 30 loser buben dem Probste [...] in seinen Weingahrten gestiegen und den all und gar abgeschnitten.
Chron. Köln
2, 557, 1
(
Köln
1499
):
in al desem vurstride hielde he sich alswigende, gantz muderstille.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
1, 11, 7
(
Köln
um 1490
):
Der sal uch wail in die aptecken schriven | Ind ure siecheit alle verdriven.
Chron. Augsb.
7, 210, 23
(
schwäb.
, zu
1550
):
Obgenannter Hürnhaim hat auch des Jacob Meuttings weib bei dem har die stiegen hinab geworfen, daß sie an der ainen seiten alle plau gewesen.
Quint, Eckharts Pred.
2, 136, 1
;
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
62
;
Chron. Köln
1, 788
;
2, 497, 8
;
523, 11
;
Froning, Alsf. Passionssp.
502
;
1125
;
Langmantel, Schiltb. Reiseb.
73, 19
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
37, 32
;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
95
.
5.
als Verstärkungspartikel in Getrennt- oder Zusammenschreibung mit Adjektiven, Adverbien, Präpositionen verwendet; an 4 anzuschließen.
Wortbildungen:
alanders
,
albald
,
albar
,
alblutig
,
aldanach
,
aldaselbst
,
aldoch
,
aldurch
,
alerst
,
alganz
,
algewis
,
algut
,
aljärlich
,
aljüngst
,
alkonfus
,
almögend
,
alnoch
,
alrecht
,
alsat
,
alstets
,
alstille
,
altätlich
,
alüberal
,
alüberlaut
,
alwar.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1065
(
rib.
,
1444
):
nam hei eyn sweert albaer, | Wale gesliffen.
Adrian, Saelden Hort
150
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
al anders dine zit vertrib, | du maht es nit vollenden!
Helm, H. v. Hesler. Apok.
6302
;
17779
;
Eschenloher. Medicus
83, 10
;
Chron. Köln
1, 1756
;
Frantzen u. a., Kölner Schwankb., S. LII;
Froning, Alsf. Passionssp.
3343
;
6730
;
Rupprich, Dürer
2, 301, 46
;
Chron. Augsb.
9, 114,
Anm. 1;
Barack, Zim. Chron.
1, 110, 22
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
62, 2
;
Adrian, a. a. O.
7806
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
326
;
3017
;
Wiessner, Wittenw. Ring.
1970,
S. 10;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
107, 11
;
Henisch
42
;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
96
ff.;
Schwäb. Wb.
6, 1506
.
6.
ebenfalls als Verstärkungspartikel in der Form
aller
(Gen. Pl.), vereinzelt
allers
, vor dem Superlativ, in Einzelfällen auch vor dem Positiv von Adj. und Adv., meist mit diesen zusammen-, teils getrennt geschrieben.
Wortbildungen:
z. B.
allerachtbarst
,
allerachterst
,
allerältest
,
allerandächtigst
,
allerärgst
,
alleräusserst
(›zum mindesten‹),
allerbaldest
,
allerbehäglichst
,
allerbehendest
,
allerbequemlich
,
allerberedest
,
allerbeständlichst
,
allerbösest
,
allerdeutlichst
,
allerdickest
,
alleredelst
,
allereinfältigst
,
allereinigst
,
allerelendest
,
allerernsthaftig
,
allerernstlichst
,
allerfeigst
,
allerfeindseligst
,
allerfeinst
,
allerferrest
,
allerfestest
,
allerfestlichst
,
allerfleissiglichst
,
allerfrefenlichst
,
allerfreiest
,
allerfreundlichst
,
allerfrischest
,
allerfrömst
,
allerfüglichst
(›geziemend‹),
allerfürstlichst
,
allergeheimst
,
allergeistlichst
,
allergelassenst
,
allergelertest
,
allergemachest
,
allergemeinst
,
allergeringst
,
allergernst
,
allergetlichst
(›bequemst‹),
allergewissest
,
allergiftigst
,
allergleichst
,
allergotsliebst
,
allergräulichst
,
allergrosmächtigst
,
allergröst
,
allerheftigst
,
allerheillos
,
allerheilsamst
,
allerheimlichst
,
allerheissest
,
allerhellst
,
allerherlichst
,
allerherst
,
allerherzliebst
,
allerhochgelobtest
,
allerhochmütigst
,
allerhöllischst
,
allerhübschest
,
allerinnerst
,
allerjärlichst
(›alljährlich‹),
allerjüngst
,
allerklärlichst
,
allerkleinst
,
allerköstlichst
,
allerkräftigst
,
allerkränkest
,
allerkunstreichst
,
allerkürzest
,
allerlängst
,
allerlauterst
,
allerlezt
,
allerlieblichst
,
allerlindest
,
allerlöblichst
,
allerlustigst
,
allermächtigst
,
allerminst
,
allermutwilligst
,
allernärrichst
,
allernas
,
allerneulichst
,
allerniederst
,
allernützest
,
alleröffentlichst
,
alleroftest
,
allerreichlichst
,
allerreichst
,
allerrein(st)
,
allerreisigst
(›abgefeimtest‹),
allerrohest
,
aller(s)alt
,
allersänftest
,
allerschädlichst
,
allerschändlichst
,
allerschärfst
,
allerschmerzlichst
,
allerschönst
,
allerschwärzest
,
allerschwerst
,
allerseligst
,
aller(s)heillos
,
allersicherst
,
allerspöttischst
,
allerstärkst
,
allerstets
,
allerstolzest
,
allersüssest
,
allerteuerst
,
allertiefst
,
allertreflichst
,
allertrunken
,
allerunendlichst
(›liederlichst‹),
allerungelertest
,
allerunterst
,
alleruntertänigst
,
allerverachtest
,
allerverächtigst
,
allerverderblichst
,
allervol
,
allerwägest
(›bestens‹),
allerweis
(›schneeweiß‹),
allerweisest
,
allerwenigst
,
allerwerlichst
(›schwer bewaffnet‹),
allerwunderlichst
,
allerwürdigst
,
allerziemlichst
,
allerzirkelhaft
(›erfahrenst‹).

Belegblock:

Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
25, 19
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
der mensche ist das allerachtberst, das allerbehendest und das allerfreiest gotes werkstück.
Sachs
14, 301, 4
(
Nürnb.
1553
):
Der sol dich umb dein unzucht straffen, | Allers-losen, verlogen pfaffen.
Ebd.
17, 106, 26
(
1553
):
Du bist sonst auch nicht aller-reyn.
Turmair
4, 593, 25
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Wie es Augusto, dem allerglücksäligisten und mächtigisten kaiser mit den Teutschen ergangen ist.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
123, 35
/7;
Helm, H. v. Hesler. Apok.
960
;
1388
;
Chron. Köln
1, 5567
;
Gropper. Gegenw.
22r, 1
;
Rosenthal. Bedencken
22, 32
;
Froning, Alsf. Passionssp.
1569
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
43, 12
;
Jungbluth, a. a. O.
11, 20
;
25, 25
;
34, 54
;
34, 63
;
Göz. Leichabd.
247, 2
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
279, 27
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
32, 66
;
37, 60
;
45, 51
;
156, 14
;
Pyritz, Minneburg
4651
;
Asmussen, Buch d.
7
Grade 1148;
1558
;
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck, S.
115
;
Dienes, E. Gros. Witwenb.
255, 2
;
Sachs
14, 191, 31
;
293, 13
;
301, 19
;
324, 36
;
17, 181, 15
;
475, 21
;
Chron. Augsb.
2, 358, 1
;
3, 311, 19
;
5, 152, 13
;
154, 15
;
8, 26, 15
;
155, 9
;
9, 28, 12
;
58, 10
;
124, 1
;
129, 22
;
424, 14
;
Roder, Hugs Vill. Chron.
136, 14
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
177
;
293
;
2189
;
5833
;
Sappler, H. Kaufringer
6, 29
;
18, 4
;
23, 147
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz
174, 8
;
Eschenloher. Medicus
32, 7
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
26, 16
;
222, 15
;
323, 23
;
Niewöhner, Teichner
625, 26
;
Primisser, Suchenwirt
15, 30
;
41, 703
;
Leidinger, A. v. Regensb.
635, 30
;
Turmair
4, 599, 27
;
608, 3
;
619, 36
;
626, 6
;
848, 15
;
Seemüller, Chron.
95
Herrsch. 199, 1;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
94, 21
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
427, 5
;
Voc. Teut.-Lat. a VIIr;
Maaler
13r
;
Stieler
1, 33
/34;
Diefenbach
385
c;
Dietz, Wb. Luther
55
-58;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
94
/5;
Preuss. Wb. (Z) 1, 116;
Spillmann, Wortsch. Müntzer.
1971, 43
.
7.
in der Verbindung
mit al, mit allen
: ›ganz und gar, durchaus‹;
vgl. .

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
7115
(
rib.
,
1444
):
ich wille dat wale | Dat dir mit allē en sij geyne haele | Myns namen.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb.
1, 2, 4
(
Köln
um 1490
):
Eyn wijff myr myn hertz besessen hait, | Die en wils niet merken mit all.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
2, 363, 2
(
hess.
,
1542
):
soln sich mit solicher untreu selbs entsetzt hain und mit all nicht bei den gutern plieben.
Frantzen u. a., a. a. O.
1, 53, 4
.
8.
als Adj. in der Verwendung als Prädikativ oder als prädikatives Attribut: ›erschöpft, zu Ende, vernichtet‹.
Syntagmen:
jn. a. machen; etw. a. werden
(mehrmals).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 1. Mos.
15, 16
(
Wittenb.
1545
):
die missethat der Amoriter ist noch nicht alle.
Ebd. Hesekiel
5, 12
:
Es sol das dritte Teil von dir an der Pestilentz sterben / vnd durch Hunger all werden.
Byland, Wortsch. Zürcher AT.
1903, 28
.
9.
Adv. der Zeit: ›schon, bereits‹.
Rib.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  1, .

Belegblock:

Chron. Köln
1, 486
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
des neisten dages al dar na | dede hie vernemen.
Ebd.
1353
:
der stryt al was gedain.