ganz,
Adj.
(1-4),
Adv.
(5-8; als Ergänzung des Verbs und als Steigerungsadverb in Verbindung mit Adjektiven, Adverbien und Partikeln unterschiedlicher Art).
– Zur Lautung von 'ganz' in den rezenten deutschen Mundarten s.
regionalsprache.de, s. v.
.
1.
›komplett, vollzählig, gesamt, ungeteilt‹; auch dem Bezugswort nachgestellt.
Syntagmen:
in Verbindung mit Zeitangaben, z. B.
der g. monat / tag, die g. nacht / stunde / woche / zeit, das g. jar
.; in Verbindung mit Kollektiva, z. B.
die g. gemeine / menschheit / rotte / schar, das g. hofgesinde / lager
; in Verbindung mit Bezeichnungen für Territorien o ä., z. B.
die g. erde / welt, das g. dorf / land / reich
; in der Rechenkunst:
ganze zal
(dazu ggs.:
gebrochene zal
).

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1550
/
1
):
schicket er den virtten tag seinen Trommeter, lies die stat anblasen und zog auf mit seinen gantzen läger vor der Stat.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
1, 25
(
preuß.
,
1383
):
1 lade mit ganczen messegerete, kelche, ampole, glocke und buch.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
559, 1662
(
Magdeb.
1608
):
Hielten grosse Herrn wol bedacht / | Heimlichen Ratschlag / die gantze Nacht.
Luther, Hl. Schrifft.
2. Sam. 2, 32
(
Wittenb.
1545
):
Joab mit seinen Mennern giengen die gantze nacht / das jnen das liecht an brach zu Hebron.
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
29, 17
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
ez het gewert drin ganze jar.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2739
(
Köln
1476
):
Anders wart vmb dye gantze stat | Gelouff ind spraych gehalden plat.
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
So wirdt auch in der gantzer Heiliger Schrifft nyndert eynich wort des Herrn befondē / das disen worten widerig.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
130, 7
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Sye reyt die gantze nacht in dem walde.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1553
):
der soll den selben gantzen back verloren haben und achtenhalben schilling heller zu buß geben.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
1, 8
(
Frankf./M.
1568
):
Daß ich das alls außreute frey / | Mit dem Heiligen Gottes Wort / | Mit hohem fleiß an allem ort / | Daß in der gantzen Christenheit | Fried bleib in Glaubens Einigkeit.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
82, 35
(
omd.
,
1487
):
Alleine Cristus ist ein geborner konigk vnd von rechtlichem erbe, was ein herre der gantzen werlt.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Do lagen sie vor der stat zehn gantze jar unde streten alle zeit mit eynander.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
280, 22
(
thür.
,
1474
):
daz sy sunderlichin von der gantczen gemeyne darczu gekorn weren uff daz jar.
Ries, Rechenb.
L 5r, 12
(
Erfurt
1522
):
Wiltu aber multiplicirn gantze / mit gantzen vnd gebrochenen ader gantze / vnd gebrochne mit gantzen vnd gebrochenen / so resoluir vorhynn die gantzen in teyl / vnd machs darnach wie oben.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
141, 1203
(
Zwickau
um 1540
):
Wie gehts? stehts alles recht wies stehen sol | Inn unserm gantzen Reich?
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1528
):
welche arbeiter am montag anfahren, denen soll am sonnabend die ganze schicht bezahlt werden.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1503
):
es giengen mit die losunger und die alten herrn des rats ein gantze antlasfart.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
2092, 24
(
els.
,
1362
):
Also seite su ime die geschiht gancz.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
,
1522
):
wie sie mich vereret hant | In allem gantzen tütschem lant.
Karnein, Salm. u. Morolf
38, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
ich sende dir drissig dusent man | ane dinen schaden ein gantz jar.
Sappler, H. Kaufringer
14, 22
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
von geslächt was si ain gräfin | ains ganzen lands gepieterin.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1544
/
5
):
das gantz Bairlandt mit dem brandt verwüsten und also den haimzug in Ungarn dardurch nemen wollten.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Auß solcher subtiligkait der Buchstaben ist dann here komen, das [...] die Teütschen vnd Lateinischen jre [Buchstaben] mitt ganzen silben nennen.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
nachdem er durch Ablauf viertzig gantzer Jahr lang Gehoͤrloß gewesen.
Fuchs, Murner. Geuchmatt
423
(
Basel
1519
):
Assuerus wolt allen Judschen standt | Abdilcken in dem gantzen landt | Die Juden vß sym künigreich.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ich bin den gantzen Augstmonat Abwaͤsend / Im Augsten laß ich mich nit finden.
Klein, Oswald
18, 50
(
oobd.
,
1416
):
Mein tummes leben wolt ich verkeren, das ist war, | und ward ain halber beghart wol zwai ganze jar.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
wurden allenthalben im lanndt lewdt darzw geordent und alle guetter, hoff, hueben, gantz und halb, wurdn aufgeschryben.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
Swer mauren wil, dem sol sein nachtpawr gantzew maurstat geben.
Buijssen, Dur. Rat.
162, 2
(
moobd.
,
1384
):
Es ist pezzer ze singen fumf psalm mit froͤleichen herczen dann doͤnung des ganczen salters mit angsten.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1659
/
69
):
damit dies [soldaten] nit daß ganze dorf abgarten.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
103, 3
(
tir.
,
1464
):
der selbig pös geist der muest peleiben an der selbigen stat wol ain gancze stund.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
26a
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
ain Ieder sol die ganntz woch seiner Arbeit trewlich wartten.
Qu. Brassó
5, 378, 13
(
siebenb.
,
1600
):
das ganz Heer lägert sich bei Pittersperg.
Schmitt, Ordo rerum
7, 5
;
Hulsius
F ijr
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 62
;
Rohland, Schäden
405
f.;
Stedtfeld, Roger-Glosse
63
;
Göpfert, Wb. Katechismus
84
;
Dietz, Wb. Luther ;
Bad. Wb.
2, 292
;
Vorarlb. Wb.
1, 1060
;
2.
›unversehrt, heil, unbeschädigt, ohne Mangel‹.
Syntagmen
(nur als Prädikativ und prädikatives Attribut):
etw. g. machen; g. bleiben / sein
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Als wir vornuwet werden | Und uf sten uz der erden | Ganz als wir suln bliben | An selen unde an liben.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
trugen si heuken, di waren alumb ront unde ganz, daz hiß man glocken.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
814
(
mrhein.
,
um 1335
):
daz man den tempel breche nider. | So wolt er in machen wider | in drin dagen ganz alz e.
Strauch, Par. anime int.
136, 22
(
thür.
,
14. Jh.
):
etlich meistere woldin, alse di oblade ganz were, daz he [Got] dan nicht inwere in allin den teilin der ostien.
Thür. Chron.
12v, 18
(
Mühlh.
1599
):
daß er ein Kunst erfahren hette Glasse zumachen / die nicht zerbrechen oder zerfielen / vnnd gab der eins dem Keyser / daß warff er wider die Erden / da falte es sich vnnd bleib gantz.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 14, 11
(Hs. ˹
schles.
,
14. Jh.
˺):
doch min cleider bliben ganz | an allen bruch.
Keil, Peter v. Ulm
271a
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Die selben ayer gib einem roß also gantz.
Cirurgia H. Brunschwig
16rb, 37
(
Straßb.
1497
):
In disen sachen soltu flissige vffmerckūg haben zuͦ erkennē wz ein gātz oder notturft gelidt sy.
Rot,
319
(
Augsb.
1571
):
instaurirn, Ernewen / wider auffbringen / Wider zu recht bringen / erstatten / wider gantz machen.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Sin schiltt der waz unmassen gantz, | Sin zaichen waz ain trake rott.
Wyss, Luz. Ostersp.
9040
(
Luzern
1545
):
den nagel will ich inhin tryben, | das keyn ader gantz muss blyben.
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
1064
(
oobd.
,
1607
/
11
):
vaso [...] davon aber die 2 füßlen brochen, ist oben am mundtstückh auch nit gantz.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
123
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
so merkcke daz ich ein gemaine tauel czu den vir taylen gancz gemacht hab.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1585
):
das der wasen desselben grunds zu beden seiten des wassers dennoch ganz bleibt.
Schmitt, Ordo rerum
422, 2
;
643, 28
;
3.
›vollständig, vollkommen, vollwertig, umfassend, uneingeschränkt‹.
Bedeutungsverwandte:
,  2, , .
Syntagmen:
in Verbindung mit Bezeichnungen für menschliche Eigenschaften, z. B.
der g. fleis / mut / wille, die g. begierde / lauterkeit / treue / tugend / zuversicht
.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
wan das kint tuͦ sinen tagen komen ist, deme valt daz guͦt mit ganzem nuͦtze an.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
720
(
mrhein.
,
um 1335
):
Ich muͦz bit ganzer warheide iehen, | wir vallen, als wir drunken sin.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
149, 29
(
rhfrk.
,
um 1435
):
vnd saget dem beckart gantz wie die verrederij alle von stücken zugange was.
Ebd.
162, 26
:
Warakir rieff got an von gantzem hertzen / das er yne behüden wolle.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
202, 6
(
Frankf.
1535
):
Saltz vnd glas seynd zwey ding / in denen der gantzen kunst heymlichkeit ist.
Jostes, Eckhart
109, 18
(
14. Jh.
):
Unse besten meynstere sprechen, daz iclich engil habe eine gancze nature.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
diu natûre ergiuzet sich zemâle in daz bilde und blîbet doch ganz in ir selber.
aber in gote ist aleine ganziu volkomenheit.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wiltû ganze vröude und trôst haben und vinden in gote, sô sich, daz dû blôz sîst aller crêatûren.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
das man sulde peyn unde busse ledigk seyn umbe die sunde, wer yn gantzin ruwen zu Rome zu den sobin houptkirchen gynge.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
127, 36
(
thür.
,
1474
):
daz Philip Huttener [...] vor richter unde schephin gantcze unde volkomene vorczicht getan.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
in disen zwein geboten hengit di êe gancz und di prophêten.
Weise. Jugend-Lust (
Leipzig
1684
):
Dieser will mit gantzer Gewalt eine Person bedeuten / darzu er nicht geboren ist.
Böhme, Morg.R.
483, 6
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Dies drey Regiment seind der gantze Mensch mit Fleisch und Geist.
Henschel u. a., Heidin
131
(
nobd.
,
um 1300
):
si hat gantze tvgent | So schone mit ir Jvgent.
Gille u. a., M. Beheim
69, 110
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
aber mein gerung wartet dein | mit ganczer zu versichte.
Keil, Peter v. Ulm
258
(
nobd.
,
1453
/
4
):
stoß denn in einem mörser vnd nym regen-wurm vnd temperir daz vntereinander, so ist die salb gantz.
Dietrich. Summaria
20r, 9
(
Nürnb.
1578
):
Solche genadenpredigt werde fort an mit allem gewalt gehn / vnd die leut werden sich darumb reissen / vnd mit gantzem ernst darumb annemen werden.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
und koment zuͦsamene by Blesenheim und strittent do mittenander und gesigete der bischof und die von Strasburg wider die vorgenanten graven und stette, also dovor by dem selben bischofe gantzer geschriben stet.
Karnein, Salm. u. Morolf
19, 3
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
kunig Salmon was sin frauwe liep. | gantzer freuden er mit ir pflag.
Sappler, H. Kaufringer
14, 6
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
so der mensch nun darauf stat | das er nun ganz getrawen hat | zuo got.
Ebd.
17, 4
:
si hett got lieb mit ganzer kraft.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
ir lutterischer prediger der wolt mit gantzen gwalt das meßhaben und sacrament abtulgen.
Dreckmann, H. Mair. Troja
20, 23
(
oschwäb.
,
1393
):
Jason, ich beger von dir [...] daz du mir daz ewiclich halten seiest mit gantzen triuwen.
Koppitz, Trojanerkr. (
halem.
,
E. 14. Jh.
):
Hector der sin brüder was, | Der gantzer tugent adamas | Was an hocher wirdekaitt.
Schmidt, Rud. v. Biberach
18, 25
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Wir svllen mit ganzen flisse dv meinung an allen vnsern werken an sen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wênich läut lebten mit ganzen sinnen unz in daz hundrist jâr.
diu ganz wârhait ist, daz die pœsen gaist des weirachs rauch fliehent.
Klein, Oswald
56, 42
(
oobd.
,
1417
/
8
?):
billich sol ich ganzer treue dir dancken schir.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1403
):
Es sol auch ynner und ausserer rat gantzen gwalt haben, die stat, arm und rich, auzzerichten.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
201
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
in dem namen des ewigen gotes, der ain vater der parmherczichait vnd ein got des ganczen trostes ist.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
104, 36
(
tir.
,
1464
):
Den selbigen het ich auferzogen vnd genërt mit ganczem fleis.
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 30
.
4.
von männlichen Tieren: ›unverschnitten, unkastriert‹.

Belegblock:

Dinklage, Frk. Bauernweist.
71, 38
(
um 1450
):
das die thumbprobstej sol halten der herschaft einen ganczen beren oder ein gancz schwein der ganczen gemaind zu Steffe zu nücze.
Ebd.
99, 31
(
nobd.
,
15. Jh.
):
man sal dem pferner sechs noßer frey halten fur dem hirten, der sollen zwey ganz sein.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1565
/
81
):
Thue meldung von wegen der ganzen ross in der albm.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
17. Jh.
):
Man soll kain ganz ross an die waid lassen, das kain fulzand hat.
5.
›völlig, gänzlich, vollständig‹.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
als Adv. auch Erweiterung durch präp. Wendungen, in denen es verstärkende Funktion hat, z. B.
g. one fenster / schaden, g. mit sicherheit
.

Belegblock:

Chron. Köln (
Köln
1499
):
dairnae quamen die Guilcher ind verbranten dat dorp gantz af.
Beckers, Bauernpr.
55, 5
(
Köln
1515
/
18
):
wyrt da eyn kynt geboren des kyndes lijff blifft ganß biß an den jungsten dach.
Rosenthal. Bedencken
14, 16
(
Köln
1653
):
Gott hat auch zum Elia nit gesacht / daß die versammelung seiner rechtglaubigen zu der selbigen Zeit ganz verborgen waͤre.
Valli, Baldemann
306
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
vil diener sie mir achten, | Die gantz mit truwen meynten mich.
Froning, Alsf. Passionssp.
1340
(
ohess.
,
1501ff.
):
wer aber drincket uß mym bornn, | der hot synen dorst gancz vorlornn.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
148, 9
(
Frankf.
1535
):
Der Lazursteyn / des farbe ist himel blafar / gantz mitt güldin düpfflin.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
23, 20
(
thür.
,
1474
):
ap her sich des andern sones gantcz ussere.
Ebd.
33, 8
:
so ist yr sollich kouff, der also geschen ist, gantcz ane schaden.
Ebd.
201, 36
:
so hat er sich darmete der folge unde sollicher syns sones tad entlediget unde gantz entschuldiget.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
wan iz ist dir bezzir daz vorterbe einez dîner gelide, wan daz dîn lîcham gancz gê in daz hellische für.
Logau. Gott
156, 12
(
Breslau
1644
):
Krieg hat diß schoͤne Land ganz vmbgekehret.
Gille u. a., M. Beheim
71, 66
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Die andern natur vernunftlich | hat er gemachet sunder swich | gancz in geistlicher weise.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
110, 17
(
Nürnb.
1548
):
die Armenier sind darumb fuͤr Ketzer geacht worden / dz sie dē wein habē gantz gelassen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
die wile der mensche lebet, so wurt er niemer gantz getoͤtet noch úberwunden.
Roloff, Brant. Tsp.
102
(
Straßb.
1554
):
Wolust und fraw unendlicheit | Haben mir kürtzlich abgeseit / | Und disen findsbrieff mir thuͦn schryben | Der meynung mich gantz zuͦ vertryben.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl. (Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
mein mann meint ich wer fromme, | zue der ehe het er mich genomen, | ee ehr mich ganz lert aus.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
also hat die kay. may. das schweren gantz abgeschafft.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 271, 11
(
schwäb.
,
um 1543
):
waz vns gantz genaiget, vnd het besundere lieb vnd andacht zuͦ dem heiligen orden.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
das úbrige ward von Eidgnossen ganz abgetedingt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Au8leeren / Gantz vnnd vollkommenlich / leeren.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
er [balsem] behelt der tôten leib ganz ân faulen gar vil jâr.
Karnein, De amore dt.
171, 522
(
moobd.
,
1471
):
Gee ganntz hinweck, du abtrunner vnd verlaugner deins ordens.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
655
(
schles. inseldt.
,
1480
):
vnd hot das bekanth, das her ir das fullkomlichen vnd gancz hot beczalt.
6.
verstärkend in Verbindung mit Adj. und Adv.: ›sehr, durchaus, völlig‹.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe (
Wolfenb.
1593
):
nun ist mir dasselbige gantz seltzam fürkommen.
Luther, WA (
1530
):
Darumb ists klar, das ein gantz voͤllig scheiden ist.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
in al desem vurstride hielde he sich alswigende, gantz muderstille.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
54, 9
(
Frankf.
1535
):
Adamas ist ein gantz harter stein.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Wiewol sie [Dieb] jm gantz offt entgahn, | Auffs letst wils doch den Galgen han.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
omd.
,
1520
/
5
):
wir werden uns ganz heiser und müde abschreien.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
21, 37
(
thür.
,
1474
):
sollichs ist yme unwissende, unde vormeynet, es solle yme nicht zcu schaden komen, sundern gancz unschedelichin sin.
Thür. Chron.
8v, 20
(
Mühlh.
1599
):
Der Affricaner gleubt das nicht vnd verwundert sich / wo sie die Macht her bekommen hetten / denn er meinte / sie weren gantz Wehrloß.
Göz. Leichabd. (
Jena
1664
):
Viel bereden sich / es sei eine ganz leichte Sache / einen Professor bedeuten / man koͤnne etwan in einer Disciplin [...] es zu einiger Vollkommenheit bringen.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
15, 95
(
Zwickau
um 1540
):
das ich E. G. und Ernvehsten vor allen andern meinen gantz lieben Herrn unnd Freunden dise meine arbeit [...] zugeschriebn.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
178, 25
(
nobd.
,
1475
/
6
):
abslege vergult sol gantz lautter silber sein.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1523
):
das er dieser meiner new gefunden leer, als ob die gantz volkommen, dermasßen anhahe.
Wickram
4, 21, 11
(
Straßb.
1556
):
des im sein weib gantz willig was.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1549
):
als der printz dahin kam, gab er der augspurgischen potschaft von stundan gantz genedige audientz.
Ebd. (
schwäb.
, zu
1550
):
Also haben gantz bald darnach der bischoff und das capitel zuͦ Saltzburg bewilligt und erwölt herren Eberharten von Hirnheim zuͦ ainem coadjutor.
Brandstetter, Wigoleis
203, 36
(
Augsb.
1493
):
der erzohe an seynem hof den verflüchten valant mit namen Roas von gloys. hielt den für gancz frum.
Sudhoff, Paracelsus (
1525
/
6
):
das uns solches fürgeben der irdischen göttern ganz absinnig ist.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
um 1456
/
67
):
sy ward derselben speise gancz ablassig.
Höver, Bonaventura. Itin. B
365
(
moobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
er ist alle muͤgent, alle wissent vnd allerleich gancz gut.
7.
verstärkend in Verbindung mit Negationspartikeln.
Phraseme:
ganz nicht
›überhaupt nicht‹;
ganz kein
›gar kein‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
die Sonne [...] hat [...] gantz keinen schein von sich gegeben.
Lappenberg, Fleming. Ged. (
1635
):
Bist du nur so bereit zur Frölichkeit als wir, | so wird den ganzen Tag getrunken ganz kein Bier.
Luther, WA (
1530
):
es ist zu besorgen, das der gantz keinen sinn noch ernst habe zur Ehe.
Perez, Dietzin
1, 320, 5
(
Frankf.
1626
):
daß sie jhr den Mahlzeiten / ohn bey des Vatters Tafel [...] gantz keinen Wein zugelassen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
in dich wir all gesuͤndet han, | Mit all vnserm Geschlechte, | On deine huͤlff die rechte ban | Gantz niemandt gieng gerechte.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
alles das jen [...] haben sie der pawrschaft allain zu gut aus bruderlichem gemut und liebe und ganz kainer andern oder schmehlicher antastung oder maynung getan.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Ich hab daran gantz nichtz gelogen.
Roloff, Brant. Tsp.
790
(
Straßb.
1554
):
Wann ich wer an diß vatters statt | So volgt ich gantz nit der boͤßwicht raht.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
sie legten gantz kain prot an den laden.
Ebd. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
giengend die herren burgermaister [...] on harnisch, und wurd in gantz kain schmach zugefueget.
Roder, Stadtr. Villingen (
önalem.
,
1501
):
der oder die selben sollen damit gegen dem, in des herrlickhait und gebiet solchs beschehen, gantz nichtz gefrevelt noch mißgethon haben.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
Und zugent [...] mit gewalt und macht, das inen von vienden ganz kein widerstand beschach.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
aber die histori hertzog Gotfrid sagt gantz nichtz davon.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
der kaiser solts leihen, doch von niemant ganz nichts nemen, weder er noch die seinen.
8.
verstärkend in Verbindung mit
gar
.
Phraseme:
ganz und gar
›völlig, gänzlich, ganz und gar‹; vereinzelt auch
gar und ganz
.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe (
Wolfenb.
1593
):
Damit ich je so gantz vnd gar vmbsonst nicht möchte hier gewesen sein.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
55, 681
(
Magdeb.
1608
):
Die sprach vergieng auch gantz vnd gar.
Luther, WA Tr. (
v. 1546
):
wie ein Messer, dem der Stahl ist ganz und gar abgewetzt und eitel Eisen worden [...] also ist auch mein Kopf.
Kurz, Waldis Esopus (
Frankf.
1557
):
DA man schrieb Tausent vnd Fuͤnffhundert, | Dasselbig Jar ward abgesundert | Von der andern zeit gantz vnd gar.
Knape, Messerschmidt. Bris.
14, 33
(
Frankf./M.
1559
):
der Venediger [...] lage dort auff dem Blatz / sich gar vnd gantz nit regende.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
47, 38
(
omd.
,
1487
):
Den gott was gantz vnd gar warhaffiglich Jm hÿmel.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
85, 33
(
thür.
,
1474
):
dy beheldet Hans Koch gancz unde gar von der gabin wegen ym geschenn.
Thür. Chron.
8r, 23
(
Mühlh.
1599
):
die Roͤmer / so auß furcht fuͤr den Affricaner fliehen / vnd Rom gantz vnd gar verlassen wolten.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
auff das nun diser unwille, der auff etzliche zeit daher gestanden hat, gantz und gar möchte beygelegt werden.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
185, 1235
(
Zwickau
um 1540
):
Stadthalder di da wern an meiner stell | Den ich vertraut hab alles gantz und gar.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
70, 10
(
Nürnb.
1548
):
da sollen wir gantz vnd gar nicht zweyfflen.
Sachs (
Nürnb.
1560
):
Du hast gefangen mich mit lieb, | Dir ich mich gantz und gar ergib.
Dietrich. Summaria
29r, 8
(
Nürnb.
1578
):
Derhalben hat Gott die Roͤmer erweckt / vnnd das Judenthumb gantz vnd gar lassen verwuͤsten.
Michels, Murner. Badenf.
33, 73
(
Straßb.
1514
):
Ir duͦnd recht wie die bösen kind, | Die gantz gar vbel zogen sind.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
da zündet man die burg an und verprant die gantz und gar.
Memminger Chron. (
Ulm
1660
):
Am Freytag nach Gordian fiel Ludwig Conrater Hauß gantz vnd gar ein.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
sie werde eine betruͤbte Zeit haben / es werde auch der Aug-Apffel ihr gantz vnd gar ausrinnen.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1438
(
Basel
1519
):
Sy hatt dich gantz vnd gar verblendt, | Mit falschen worten gantz verwendt.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
11, 24
(
Zürich
1521
):
Vnd verbütet jnen gantz vnd gar / das sy nit widerstanden dem boͤsen.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
obd.
,
1525
):
ein ietliche gewonheit, si sige alt oder gemein wie sie well, sol ganz und gar der warheit wichen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
und lagen pein 14 tagen und verpranten und verherrtn die enndt und gegent daselbs ganntz und gar.
Auer, Stadtr. München (
moobd.
,
n. 1347
):
Ez mag chain hantfest chraft haben, ez sein dann die insigel gar und ganz daran chomen.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
n. 1623
):
das doch dieselbe entweder den bschechnen auflogen gonz und gor niemahlen nachkomen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
56, 7
(
tir.
,
1464
):
pald da cham das himlisch feür vnd verprennet in gancz vnd gar.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
6, 25
(
mslow. inseldt.
,
1569
):
So śoll Alles gevöglich vnnd Alles Wildt von Faßnacht an biß auff Pfingśten, damit es śich hecken, mehren vnnd neeren khan, gantz vnnd gar verPotten śein.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
58
;
142
;
263
;
267
;
379
;
450
;
508
;
722
;
Näser, in: Sprache und Brauchtum.
1980, 295
.