1
alter,
das
, vereinzelt
der
;
-s/-.
1.
›Lebenszeit, Lebensalter von jm.‹ (auch: der Seele);
vgl.
1
 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  1.
Syntagmen:
das a. nicht haben; jm. an dem a. gebrechen
(jeweils: ›zu jung sein‹),
von gutem a. sein
(›in den besten Jahren sein‹);
das a. nicht wissen; an a. zunemen; blühendes / kindliches / bestes / geiles / gestandenes / vernünftigliches / volkommenes a.; a. des mannes.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 304, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diu sêle ist als junc als dô, dô si geschaffen wart in ir selben, und daz alter, daz ir zuovellet, daz ist von des lîchamen wegen.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
34, 28
(
hess.
,
14. Jh.
):
allenthalbene sollen sie hude han und zucht bit sie zu vernumsteclichym aldere vollenkumment.
Luther. Hl. Schrifft. Luc.
2, 52
(
Wittenberg
1545
):
Jhesus nam zu / an weisheit / alter vnd gnade / bey Gott vnd den Menschen.
Valli, Baldemann
82
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Daz ich gesach [...] | Nye bilde baz gestaltir. | Sie was von gůtem altir.
Rennefahrt, Statut. Saanen
196, 23
(
halem.
,
1571
):
das dheiner bevogteten, noch under zwentzigk jaren alters person zemeeren gestattet werden sölle.
Feudel, Evangelistar
38, 18
;
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 169, 159
;
Wiessner, Wittenw. Ring.
2416
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz
57, 7
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
138a
, 26;
Dasypodius
289r
;
Maaler
14v
–15r;
Hulsius 5r;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
108
/9.
2.
›Lebensabschnitt, jede der Zeitspannen, in die die Gesamtlebensdauer des Menschen eingeteilt wurde‹. Dies waren in der Regel vier, nach Hippokrates sieben Stufen; vgl. LThK
1, 381
/82. Die Bedeutung ist am ehesten an
1
alt
3 oder 4 anzuschließen.

Belegblock:

Karsten, Md. Paraphr. Hiob
6829
(
omd.
,
1338
):
Wan der mensch siben alder hat, | Dy er durch wandert und durch gat
(ebd., S. 257, Literaturangaben).
Gille u. a., M. Beheim
82, 377
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
In seinem ersten alter, | spricht Basilius, was er ghorsam.
Ebd.
430
:
Cristus kain zaichen tet, der werd, | in menschlicher natur auff erd | vor seim volkamen alter.
Lutz, Buch Alfadol
39
rb (
obd.
,
n. 1478
):
nit ee wan in dem dritten alter deins lebenß.
3.
›vorgerücktes, hohes Lebensalter, Greisenalter, letzter Lebensabschnitt‹ (von Menschen, von Tieren und überhaupt von Belebtem gesagt); zu
1
 5, wie dieses oft mit der Nuance ‚gebrechlich‛, teils abwertend mit der Nuance ‚töricht‛, seltener mit positiver Bewertung.
Bedeutungsverwandte:
 2,  2; vgl.  1.
Gegensätze:
 1.
Syntagmen:
das a. erlangen / erreichen / volenden; a. leren etw., sein erlich / schwere last, haben ere, vermeren krankheit; eines guten a. sterben
›betagt sterben‹;
sich im a. zu got schicken; blödes / schwaches / müseliges / unvermögliches / erbares / geruhiges a.; a. one weisheit; langsam / müde / verbraucht von a.; für und wieder / bärde / zeit des a.; alters blind.

Belegblock:

Schönbach, Adt. Pred.
34, 2
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
wir tůn im allen unsern willen in der jugent und her nach in dem aldere sule wier iz alles wol gebezzern.
Luther, WA
51, 656, 18
(
um 1535
):
Alder hilfft nicht fur torheit.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
20, 25
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
eines jeglichen menschen schöne muß eintweder das alter oder der tot vernichten.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 72, 14
(
Hagenau
1534
):
Wer seinen eltern nicht folget noch gehorchet ynn der jugent / der muß dem hencker volgen und gehorchen ym alter.
Koller, Ref. Siegmunds
147, 27
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
das ers von kranckhait, alter oder sichtagen nit geton möcht.
Barack, Zim. Chron.
4, 101, 14
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
die [fraw] uf ein sollichs geruigs, gross alter kommen.
Henisch
57
(
Augsb.
1616
):
Der Weiber / Priester vnd das alter nicht in ehren hat / den schendet Gott. [...] Von alter muͤssen wir alle sterben. Von alter wirdt gruͤn laub fahl / Vnd ein krauser Kopff kal / Vnd harte bruͤstlen werden weich / Vnd faule aͤpffel vnd birn / Vnd werden runtzel an der stirn / Von alter laͤst das Voͤglin sein gsang.
Sappler, H. Kaufringer
21, 11
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
das das kint dem vatter sein | tuot manig schmäch und auch pein: | so das alter auf im ligt.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
19102
;
Jungbluth, a. a. O.
14, 13
;
20, 20
;
Gille u. a., M. Beheim
82, 309
;
447, 282
;
Barack, Zim. Chron.
1, 319, 25
;
Klein, Oswald
5, 8
;
24, 8
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
130, 1
;
476, 6
;
Maaler
14v
–15v;
Henisch
53
-56;
Harsdoerffer. Trichter
122
f.;
Dietz, Wb. Luther
64
/65;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
109
;
Schwäb. Wb.
1, 160
f.
4.
phrasematisch
bös / gut alter nemen
›ein schlimmes / gutes Ende nehmen‹, von Ereignissen gesagt.

Belegblock:

Chron. Augsb.
5, 54, 20
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
gott well, daß es gůtt alter nem.
Ebd.
66, 19
:
Es ward grosse hoffart getriben, daß man maint, es mecht ettwan bös alter nemen.
5.
im Verhältnis zur erwarteten Gebrauchsdauer ›lange Gebrauchszeit, Verschleiß, Wertverlust infolge langen Gebrauches‹, von Gegenständen gesagt; vgl.
1
 11a.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1;  2.

Belegblock:

Henisch
57
(
Augsb.
1616
):
Vor alter rostet das eisen / vnnd kompt der schimel ins Brot. Von alters wirdt der topff zu scherben. [...] Von alter wirdt ein starck Pferd hinckend [...] / schuech vnd kleider verschlissen.
6.
›geschichtlich zurückliegende Epoche‹; vereinzelt auch: ›gesamte Zeit von der Schöpfung bis zur Gegenwart, Geschichte‹ mit Metonymie zu ›Herkommen‹; spezialisiert: ›jedes der geschichtlichen Weltalter‹ mit fließendem Übergang zu ›in einem der Weltalter bestehende Herrschaft, Weltreich‹; vgl.
1
 613; auch 14. – Anzuschließen sind hier die Phraseme
von a. (her)
›seit jeher, seit alters‹ und ›früher, in alter Zeit, ehemals‹,
von alters
›seit jeher‹, und ›ehemals‹ (dazu ggs.: ),
mit a.
›nach altem Recht, Herkommen‹,
mit dem a. her
›früher, ehemals‹,
bei / in / vor a.
›in alter Zeit, vor langer Zeit, ehemals‹,
vor gutem a.
›vor langer Zeit‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  3; zu den Phrasemen insgesamt vgl. s. v.
1
 1314.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 3v
, 35 (
Köln
1499
):
Wat sall dan doin dye breide vnd wijde bekentenisse des gantzẽ alders van anbegyn der werlt bis unzer zijt.
Hübner, Buch Daniel
703
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Craft, wisheit sint sin [got] vorwar, | Zit, alder mac er handeln, | Riche lien unde wandeln.
Koller, Ref. Siegmunds
215, 11
(Hs.
um 1475
):
Got hat alwegen von ainen alter züm andern, der sechse verloffen sein, grosse wünder auff ertrich lassen fürgen.
Chron. Augsb.
4, 167, 7
(
schwäb.
,
v. 1536
):
in [Jacob Fugger] haben alle handthierer gelobt [...], und die haiden sich ab im verwundert, desgleichen kain alter vor im geboren hat in diser welt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
461, 30
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wan unser herre lait die marter in dem sechsten alter der werlt.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
11, 30
(
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
ain landstrassen soll 24 schuech prait und frei sein, das niemands darinen fräfle weder mit hauen oder pauen, noch solliche wider das alter zu verengen.
˹Phrasematisch: Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
21462
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Nû sullit ir gedagin | und ûch lâzin sagin, | waz bî aldir sî geschên.
Chron. Köln
1, 702
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
vnse reicht, van alders wie it her is komen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
7, 12
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Persida ist eyne groze provincia und von aldirs gar edile, sundir nu ist si sere vorgangin.
Chron. Strassb.
1, 41, 21
(
els.
,
1362
):
daz sü in soltent einhellicliche erwelen zů kunige, der von alter ein gerehter gestanderre man were gewesen.
Ebd.
56, 5
:
fůr er gen Spire in die stat, do vor alter die romeschen künige spulgetent ire begrebde zu habende.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
228, 19
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Nun was aber Regenspurg, die stat, von alter her albeg für ain frey statt gehalten [...]. sy was vor guettem alter der fürsten von Payrn gebesen.
Guth, Gr. Alex.
514
(Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Daz er im den zins geb, | Dez er in alter het pfleg | Zu geben in Persya.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
208, 35
(
smoobd.
,
1565
/
1624
):
daz man hie mit alter uber schëdliche thier ain aigens freies gejaid gehabt.
Mell u. a., Steir. Taid.
115, 32
(
m/soobd.
,
1523
):
daß mit dem alter her nicht gewesen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
190, 9
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
die stat Stuelweissenburg, von allter genannt Alba Regia
˺.
Dat nuwe Boych
426, 17
;
Chron. Augsb.
7, 271, 11
;
9, 318, 8
;
Bernoulli, Basler Chron.
6, 301, 17
;
Nyberg, Birgittenkl.
1, 23, 6
;
Guth, a. a. O.
98
;
2658
;
Siegel u. a., a. a. O.
205, 8
;
Winter, Nöst. Weist.
1, 306, 13
;
Grossmann, a. a. O.
139, 38
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
61, 30
;
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
334, 31
;
Voc. Teut.-Lat. nn VIIr;
Voc. inc. teut. a VIIIr;
Henisch
53
;
Dietz, Wb. Luther
64
/65;
Wrede, Aköln. Sprachsch.
107
;
Vorarlb. Wb.
1, 71
.
7.
„›Vorzug in der Zeit der Mutung, den ein Berggebäude vor einem jüngeren, d. h. später gemuteten hat‹“ (so Löscher, s. u.
236
); vgl. am ehesten
1
 14.
Zur Sache: Veith, Bwb.
16
; Paul, Wb. Bergmannsspr.
138
/39.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
94, 27
(
omd.
,
1548
):
Begebe sich’s, das einer [...] wolte [...] sein alter dahin deuten und durchs vormeßen becreftigen.
Ebd.
98, 24
:
das dere, so kommers begert, vermoͤge seines alters gerechtigkeit haben moͤchte.