auswendig
(vereinzelt assimiliert:
auswenig,
auswennig
),
Adj.
(1-4; 9; 10; davon 3 und 9 auch als Adv. gebraucht), Adv. (5; 6; 11),
Präp.
(7; 8).
1.
›auswärtig, aus einem Raum außerhalb eines Bezugsraumes stammend, in einem Raum außerhalb eines Bezugsraumes gelegen‹; subst.:
der auswendige.
Bedeutungsverwandte:
,  1, ; zur Subst.:  1, .
Gegensätze:
,  1, (Adj.) 3,  3, zur Subst.: , .
Syntagmen:
a. gericht / recht / land / korn, a. ort, a. stat, a. leute / personen, a. mezger / pfaffe / priester / sautreiber / weber, a. volk.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 121, 19
(
preuß.
,
1450
):
das wir der uswendigen gerichte und nemelich das femerrechtes mogen gefreyet werden.
Loersch, Weist. Boppard
216, 23
(
mosfrk.
,
1552
; Hs.
17. Jh.
):
von einem inwendigen zehen heller, von einem außwendigen drey heller.
Lau, Qu. Neuß
327, 18
(
rib.
,
1681
):
Die Auswendige, so Wein vor der Stat am Krahnen verkaufen.
Leman, Kulm. Recht
4, 85
(
omd.
,
1. H. 13. Jh.
):
Nu komen uswendige lute dy ebinburtig syn myt dem selben manne.
Behrend, Magd. Fragen
34, 17
(
omd.
,
um 1400
):
Ab man eyne stat unde dy gancze gemeynde lude in eyn uszwendig gerichte.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
90, 38
(
E. 15. Jh.
):
so einer außwendig were und ötwes hort, das [...] schetlich sein oder were.
Sachs
16, 218, 28
(
Nürnb.
1562
):
im mit fleiß in ohren lagen | Nichts von außwending
[›außerhalb (der Einsiedelei) liegend‹]
ding zu sagen.
Geier, Stadtr. Überl.
311, 13
(
nalem.
,
1520
):
Würde aber ainer mit verkaufung [...] der güeter gehörter gestalt gegen frembden und ußwendischen personen fürfaren.
Chron. Augsb.
3, 194, 7
(
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
des morgens hůben an die außwendigen mit den von Mentz ritterlich ze fechten.
Ebd.
4, 185, 18
(
v. 1536
):
hat ain rat berieffen laussen, daß die fremden auswenigen metzger migen hie schlachten.
Ebd.
224, 19
:
das auswendig gemein volck ist vor den Augspurgern gangen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 595, 13
(
schwäb.
,
1614
):
Das keiner den andern für außwendige gericht laden soll.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
286, 25
(
smoobd.
,
1494
):
die außwendigen sautreiber [...] sullen anderthalben durch das land mit den swein [...] nicht ankern.
Winter, Nöst. Weist.
1, 280, 44
(
moobd.
,
A. 16. Jh.
):
ist er aber ain gast auswendigs lants.
Volz, Prophet Daniel M
11, 4
;
Aubin, Weist. Köln/Brühl
28, 16
;
30, 6
;
Schottenloher, Flugschrr.
107, 35
;
Hampe, Nürnb. Ratsverl.
2, 2709, 13
;
Welti, Stadtr. Bern
244, 19
;
372, 1
;
Geier, a. a. O.
361, 35
;
Müller, Nördl. Stadtr.
312, 2
;
Chron. Augsb.
9, 224, 15
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
72, 14
;
Siegel u. a., a. a. O.
34, 30
;
Winter, a. a. O.
1, 1000, 5
;
3, 539, 42
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
116b
, 35;
Rwb
1, 1138
;
Schwäb. Wb.
1, 537
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 412
.
2.
›von einem Bezugsort oder -gegenstand entfernt‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (Adj.).

Belegblock:

M. Cunitia. Ur. Prop.
151, 40
(
Öls
1650
):
Es hat aber ein iede Astronomische Tabell ihre außwendige / und inwendige Theile. Außwendige sind; die uͤber⸗ unter⸗ und seytwerts geschriebene Tittel. Inwendige; der platz und raum der gantzen Tabell.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 105, 4
(o. O. o. J.):
so er wirt anleuten, für gon und nichts geben, mit gebundnen henden [...] werft in in die außwendigen finsternus.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
234v
, 5 (
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
das dy colera / von der nature wegen czu samen get
[!]
/ in ein aus wenig gelit.
3.
›außen (auf etw. als Körper Vorgestelltem), auf der Oberfläche von etw.; von außen, von der Außenseite; auf der Oberfläche, Außenseite befindlich‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (Adj.) 1.
Gegensätze:
 4,  1.
Syntagmen:
a. sein
;
a. etw.
(z. B.
klar
)
sein / werden
;
a. bluten / schwellen / klar scheinen, etw. a. ädern, ein fas a. abschlagen, etw. a. mit pech verpichen, a. auf dem fleisch, a. an der kele
;
a. wunde
; subst.:
das a. am becher.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
7904
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Dirre abgot ist vorwar | Binnen hor, uzwendic clar | Erin, unde izzet nicht.
Hirschmann, Roger-Glosse
233
va, 4 (
omd.
, Hs.
15. Jh.
):
vndirwÿlen werdin sy [ficblottern] jnwenning vnde [...] vnderweilen werdin sy vssewening.
Luther. Hl. Schrifft. 1. Mose
6, 14
(
Wittenb.
1545
):
MAche dir einen Kasten von tennen Holtz / vnd mache Kammern drinnen / vnd verpiche sie mit Bech inwendig vnd auswendig.
Ebd. Mt.
23, 26
:
reinige zum ersten das inwendige am Becher vnd Schüssel / auff das auch das auswendige rein werde.
Thiele, Minner. II,
12, 24
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
Der thron ist fin gewercket | vonn zucht unnd eren bynnen, | ußwendig wol gestercket.
Geier, Stadtr. Überl.
479, 7
(
nalem.
,
1551
):
So sollen auch die küefer nit den weinstain abböllen, sonder allain mit dem schlegel außwendig ain vaß abschlachen.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
654
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Die arche inn waͤndig was vergúlt | Und uss waͤndig mit gold er fúlt.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
544, 13
(
halem.
,
1484
):
von der rytsaͤttlen wegen: die soͤllen si in lym slachen und lym traͤncken und aͤdren in und uswaͤndig.
Welti, Stadtr. Bern
658, 36
(
halem.
,
1539
):
dz [glyd] joch vßwenndig nit bluͤttet.
Chron. Augsb.
9, 225, 5
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
ain yeglicher, der ußwendig sitzet und sollich tuch hereintregt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
340, 10
(
oobd.
,
1349
/
50
):
waz auzwendiger wunden ist an dem leib.
Leidinger, A. v. Regensb.
592, 6
(
oobd.
,
um 1430
):
ob im ichtz entprässt, so möcht es nicht das höchst guet gesein, wann es wär etwas auswentig gellassen, das man dennoch begeren möcht.
Buijssen, Dur. Rat.
249, 19
(
moobd.
,
1384
):
alz das sacrament der tauff, das do ist ein abflaͤung des fleisch auswendig.
Feudel, Evangelistar
115, 13
;
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
13500
;
Dietz, Wb. Luther
192
/3.
4.
phras.:
mit auswendiger hand
›mit dem Handrücken, der Handoberfläche‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

Mell u. a., Steir. Taid.
134, 25
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
wo einer ein schlacht mit uswendiger hand.
5.
›draußen, außerhalb eines Bezugsraumes, auswärts, außerhalb, außerhalb liegend, auswärts, seßhaft‹; vereinzelt: ›von auswärts‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
etw. a. lassen; j. a. unterkommen, a. anreinen / stehen / sitzen, die zeit a.
(›außer Hauses‹)
hinbringen, ein recht a. an sich nemen
;
a. neben der bank, a. vor der porte / stat.

Belegblock:

Schoop, Qu. Düren
261, 31
(
rib.
,
1626
):
dass hinfuro alle und jede auswendig Ankommende, welche des Brewerambachts hieselbst sich ernehren [...] an Gelde neun Goltgulden dem Ambacht geben sollen.
Feudel, Evangelistar
124, 31
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
so begynnen sy uzwendik czu sten unde czu clophene an dy tur.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
12, 46
(
osächs.
,
1343
):
sîn mûtir und sîne brûdere stûnden ûzwendic und sûchten en zu sprechene.
Bergner, Urk. Kahla
116, 13
(
thür.
,
1492
):
Unechtig fleisch [...] sal man usewendig neben den benken und nicht in benken [...] feil haben.
Wattenbach, Urk. Rauden
48, 31
(
schles.
,
1405
):
das wir dyselbe stat Fraydintal awswenig vor der stat vnd auch in der mawer gleich in czwey teil geteilet haben.
Sachs
15, 24, 21
(
Nürnb.
1563
):
[Sie] suchen freud in allen dingen, | Ir zeit mit fröligkeit hinbringen | Außwendig, abendt und den morgen.
Strauch, Schürebrand
31, 5
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
(er) beslos die dorehten megede ussewendig vor der porten.
Chron. Augsb.
9, 225, 5
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
ain yeglicher, der ußwendig sitzet und sollich tuch hereintregt.
Leidinger, A. v. Regensb.
592, 6
(
oobd.
,
um 1430
):
ob im ichtz entprässt, so möcht es nicht das höchst guet gesein, wann es wär etwas auswentig gellassen, das man dennoch begeren möcht.
Boos, UB Aarau
270, 6
(
halem.
,
1427
):
wenn er aber uswendig und nit in ir statt ist gesessen.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 491, 13
(
alem.
,
1445
):
do sy uszwendig das burgrecht an sich genommen hetten.
M. Cunitia. Ur. Prop.
152, 28
;
Leidinger, A. v. Regensb.
592, 6
;
Boos, a. a. O.
270, 6
;
Chron. Augsb.
7, 118, 23
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
168, 17
;
Crecelius
1, 73
;
Schwäb. Wb.
1, 537
.
6.
›nach draußen, fort, hinweg, anderswohin, in eine Richtung vom Bezugsraum weg‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , ,  1,  3.
Syntagmen:
auswendig scheiden / ziehen.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
15, 133
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
So ich von dir auswendig schaid und dein enber | und ich mein freüd pin auserhalben suchen.
Vetter, Pred. Taulers
13, 12
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Also nu die welt ussewendig geflohen ist, es si in klosen oder in kloͤstern, so stet uf Archelaus und richsenet dennoch.
Grimm, Weisth.
3, 13, 48
(o. J.):
wir finden hie [...] viererley brüchten, die ausswendig gehn, als nehmlich todschlag, notzug, blütig vnd blaw.
Preuss. Wb. (Z) 1, 346.
7.
kennzeichnet mit folgendem Nomen (im Gen. oder Dat.) die räumliche Situierung einer Bezugsgröße oder eines Bezugsgeschehens außerhalb des Raumgebildes oder der Fläche, die mit dem Nomen bezeichnet wird; dient (seltener) auch der Angabe der Richtung eines Geschehens von außerhalb des Bezugsraumes auf den Bezugsraum hin; ›außerhalb von etw.; (seltener:) von außerhalb (eines Bezugsraumes)‹.
Bedeutungsverwandte:
 2.
Gegensätze:
(Präp.) 1.
Syntagmen
mit Gen.:
a. des dorfes / landes / marktes / tempels / schosses
; mit Dat.:
a. jm., a. den herbergen / stätten, a. dem bezirk / dorfe / graben / hofe / zaun
; nicht entscheidbar hinsichtlich des Kasus:
a. der stat
(vielfach belegt).

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
276, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sîn gemüete sî gewarnet vor den bilden, diu ûzwendic
[diese Verwendung zu Bed. 5]
stânt, daz sie ûzwendic im blîben.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
15553
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
swaz uzwendic wone | Des tempels, daz wirf da vone.
Behrend, Magd. Fragen
23, 22
(
omd.
,
um 1400
):
Ratmanne sullen keyn ortel uszgebin uszwendig irre stad.
Leman, Kulm. Recht
4, 85
(
Thorn
1584
):
das her were verre vswendig landis gewest.
M. Cunitia. Ur. Prop.
221, 1
(
Öls
1650
):
Weil aber wir Einwohner der Erdkugel nicht in dem mittelpunckt; sondern außwendig der Kugel allwege 859 Meilen uͤber dem mittelpunckt [...] den Monden anschawen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
4, 60, 9
(
Straßb.
1466
):
alle die geselschafft werff in mit stainen ausswendig den herbergen.
Welti, Stadtr. Bern
105, 3
(
halem.
,
um 1400
):
dz nieman froͤmder vswendig vͥnser statt [...] in vͥnser statt siechenhus [...] genomen werden sol.
Koller, Ref. Siegmunds
183, 6
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
in der kirchen mit iren mentelen und schyter sint sie geystlich, aber uszwendig sint sye weltlich.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
117, 18
(
oobd.
,
1349
/
50
):
kain tier sæt seinen sâmen [...] auzwendig seins weibes schôz.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
204, 1
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
namen also urlaub von den von Pruckh außwendig der portten.
Winter, Nöst. Weist.
1, 577, 30
(
moobd.
,
1643
):
daß kain ungeseßner man außwendig des markts kain burger im markt mit recht ansprechen mag.
Mollay, Ofner Stadtr.
67, 24
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
dy kaufferr vnd verkaufferr [...] kumendt in vnser reich sollen nicht auswendig der stat Ofen gefüert werden.
Wyss, Limb. Chron.
28, 3
;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
743, 30
;
Chron. Nürnb.
4, 179, 5
;
327, 12
;
Kurrelmeyer, a. a. O.
3, 409, 8
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
33, 2
;
113, 28
;
Bernoulli, Basler Chron.
5, 478, 17
;
Welti, Stadtr. Bern
82, 27
;
Pfeiffer, a. a. O.
106, 17
;
290, 35
;
Schöpper
43b
;
Rwb
1, 1138
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 346;
Pfälz. Wb.
1, 489
;
Crecelius
1, 73
;
Schwäb. Wb.
1, 537
.
8.
›außerhalb (einer als Norm akzeptierten sozialen Ordnung); unter Nichtbeachtung von jm./etw., ohne etw. (z. B. js. Wissen)‹;
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.
Syntagmen
mit Gen.:
a. des rates / willens
; mit Dat.:
a. dem gedinge / rat / richter, a. gotte
; unentscheidbar hinsichtlich des Kasus:
a. wissen und willen, a. der ehe / ordnung.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 244, 15
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
geb mir got dehain ding uswendig sines willen, ich achtete sin nit.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Vorr. Lk.
112, 11
(
osächs.
,
1343
):
Disme was des di meiste nôtturft der erbeit uzwendic den dingen di da heischen di ordenunge êwangêlischer schickunge.
Vetter, Pred. Taulers
203, 8
(
els.
,
1359
):
Si sůchent ir raste und ir genuͤgde uswendig Gotte.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
323, 30
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
nu mag etliches gewerden uzwendig der ordenunge etliche(r) sache dez teilichen wirkendez.
Welti, Stadtr. Bern
150, 20
(
halem.
,
um 1400
):
so sol menglich vsswendig dem rat sin.
Ebd.
371, 19
(
n. 1437
):
das ettlich frowen vnd man [...] vswendig der heilgen ee hushablichen byeinandern sitzent.
Winter, Nöst. Weist.
1, 553, 14
(
moobd.
,
1560
):
thuet er das außwendig dem richter und des rats.
Ebd.
4, 205, 13
(
1577
):
auswendig der obrigkait wissen und willen.
Vetter, a. a. O.
242, 27
;
Rwb
1, 1138
.
9.
›äußerlich, äusser; sinnlich wahrnehmbar, erkennbar, sichtbar; konkret, körperlich; leicht vollziehbar‹, jeweils im Gegensatz zu inneren Eigenschaften.
Gehäuft in religiösen, vor allem mystischen, sowie in didaktischen Texten.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 1,  1, ,  5; vgl.  1,  2.
Gegensätze:
 4,  1,  2,  3.
Syntagmen:
mit dem a.
(subst.)
umgehen
;
jn. a. anrüren, etw. a. bezeichnen, jm. etw. a. erzeigen, a. schweigen, a. busfertigkeit tun
;
a. bild / gebet / geschäft / gut / leben / werk, a. angenommenheit / berürung / creatur/ forderung / freundschaft / frucht / haltung / träne / übung
(mehrfach)
/ welt / wirklichkeit / zunge, a. gottesdienst / mensch / reichtum / schein
; mit Pl. mehrfach:
a. sinne, a. dinge.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 274, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
die liute, die got minnent umbe ûzwendigen rîchtuom oder umbe inwendigen trôst.
Ebd.
2, 489, 6
:
Dise menschen heizent heilic von den ûzwendigen bilden; aber von innen sint sie esel.
Ders., Eckharts Trakt.
422, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Nû was in Kristô ouch ein ûzwendiger mensche und ein inwendiger mensche.
Kurz, Waldis. Esopus
2, 92, 24
(
Frankf.
1557
):
Laß dich mit worten nicht bethoͤren, | Mit außwendigem schein verfuͤhren.
Feudel, Evangelistar
115, 15
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
der gemachet hat daz uzwendik ist, der hat ouch gemachet daz innewendik ist.
Wolf, Rothe. Ratsged. F
1213
(
thür.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Daz fünffte laster als man iehit, | [...] |, Daz ist vndir den gesellen | Eyn ußwenigis, fruntliches stellen.
Sermon Thauleri 5rb,
23
(
Leipzig
1498
):
Der mẽsch hat vil mittels in seinen außwẽdigen wercken.
Luther. Hl. Schrifft. Röm.
2, 28
(
Wittenb.
1545
):
das ist nicht ein Jüde / der auswendig ein Jüde ist / Auch ist das nicht eine Beschneitung / die auswendig im fleisch geschicht / Sondern das ist ein Jüde / der inwendig verborgen ist / vnd die Beschneitung des hertzen ist eine Beschneitung / die im Geist vnd nicht im Buchstaben geschicht.
Vetter, Pred. Taulers
154, 21
(
els.
,
1359
):
so sol es sammenen sine uswendigen sinne zů im selber.
Ebd.
177, 20
:
Der eine kan spinnen, der ander der kan schůch machen, und etliche die kúnnen wol mit disen uswendigen dingen.
Ebd.
337, 32
:
das das uswendige das innerlich nút enhinderte.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 58
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
sol der mensch lipliche sehen von vssen, so mvͦs er haben vssewendig lieht des himels oder ander materielich lieht.
Ebd.
105
:
Die fúrgande gnade ruͤret den menschen von vssen vnd von innen. Von vssen in siechtagen vnd in uerlierende von vssewendigem gůt.
Ebd.
416
:
Die fúnfte partie, das sint die iene, die v́ber alle vssewendige werg der minnen ir wandelunge hant.
Bihlmeyer, Seuse
463, 25
(
alem.
,
14. Jh.
):
Innewendig frevel gespilschaft, ussewendig schedlich frúntschaft sond ir zertrennen mit kraft.
Vetter, Schw. zu Töß
51, 34
(Hs.
15. Jh.
):
Was sy von usswendiger uͤbung mocht getůn.
Welti, Stadtr. Bern
410, 12
(
halem.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
der selen heil ze fuͥrdern vnd vswenndig geschefft, sorg vnd vͤbungen vallen zů lassen.
Warnock, Pred. Paulis
5, 111
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Inwendig verstát und kent er gott durch die mächtikaiten der sel [...]. Uswendig bekent er gott durch die geschaffen ding, in denen er sicht lúchten die almachtikait [...] gotz.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
376, 27
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
ez ensint niht tuowunge, nach den uzga etwaz uzwendiges von got.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
250, 7
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Der visch bedäutt die läut, die auzwendig sweigent als ob si gar gedultig sein.
Turmair
1, 212, 15
(
moobd.
,
1529
):
Im außwendigen gotsdienst halt sich ain jeder nach seinem gewissen.
Ebd.
4, 249, 24
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Si teten wol auswendig in diser not am ersten im schein grosse pueswertikait.
Quint, Eckharts Pred.
1, 90, 4
;
2, 259, 5
;
489, 4
;
ders., Eckharts Trakt.
251, 1
;
276, 13
;
291, 9
;
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
5989
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
22, 24
;
Sermon Thauleri
11
ra, 18;
Langen, Myst. Leben
164, 6
;
M. Cunitia. Ur. Prop.
147, 29
;
Gille u. a., M. Beheim
128, 19
;
132, 40
;
139, 389
;
Fischer, Folz. Reimp.
44
Ü;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
26
;
198
;
Goldammer, Paracelsus.
3, 284, 6
;
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 27
;
210
;
491
;
679
;
1327
;
Bihlmeyer, a. a. O.
218, 8
;
Vetter, Pred. Taulers
35, 5
;
150, 27
;
156, 13
;
183, 33
;
ders., Schw. zu Töß
71, 3
;
Illing, Albert. Sup. miss.
1584
;
Morgan u. a., a. a. O.
76, 3
;
Strauch, Schürebrand
13, 26
;
Jörg, Salat. Reformationschr.
464, 19
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz
171
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
3, 10
;
Schwäb. Wb.
1, 537
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 140
.
10.
›stofflich, körperlich, konkret, materiell‹, im Unterschied zu 9 ohne Gegensatz zu unstofflich-inneren Eigenschaften gebraucht.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
196, 13
(
Frankf.
1535
):
Sein [steyn] tugent ist das er das gesicht gesundt behaltet / auch von außwendigen schedlichen vnfellen.
M. Cunitia. Ur. Prop.
210, 11
(
Öls
1650
):
Die veraͤnderung der außwendigen Form des Monden / auff alle Zeitpunckten vorher zu wissen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
10, 22
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz kain auzwendigz dinch in daz aug valle.
Ebd.
234, 4
:
Chylon ist ain mertier, daz hât die art, daz ez kain auzwendig ezzen nimt.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
22, 3
(
München
1528
):
Got hat nach seiner gleichnuss formiert die weld, als ainn awswendigen form oder abunfehung seiner goetlichen kreft.
11.
›auswendig, ohne Vorlage, aus dem Kopf, aus dem Gedächtnis‹; offen zu 12.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (Präp.) 6.

Belegblock:

Alberus h iv (
Frankf.
1540
):
ich kans außwendig [...]. ich habs außwendig gelernt / daß mir nit einn wort fehlet.
Maaler
48r
(
Zürich
1561
):
Außwendig. Memoriter. Außwendig erzellen. Memoriter memorare. Außwendig lernen. Commendare memoriæ, Indipisci animo, Ediscere. Er sagt es alles Außwendig. Memoriter memorat, Ex memoria exponit.
Dasypodius
292v
;
Dietz, Wb. Luther
193
.
12.
›im Voraus, aus dem Kopf (ohne es gelesen zu haben)‹.

Belegblock:

Luther, WA
38, 166, 7
(
1533
):
Aber ich wil seine [Cochläus] bucher alle wol auswendig koͤnnen. Weil er nichts von der sachen verstehet [...] so mus es eitel geschwetz [...] sein, was er schreibt.