auge,
das
;
-s
oder
-n/-n
;
meist im Pl. belegt; auch diminuiert:
äugel
; besonders dicht belegte und eng vernetzte tropische, sprichwörtliche und phrasematische Verwendungen, die nach semantischen Kriterien wie folgt gegliedert wurden: 2-6 Ütr. zu 1 auf unterschiedliche andere Bereiche; 7 meist beruhend auf dem Gebrauch als pars pro toto; 8 Verwendung in Sprichwörtern; 9-12 phrasematische Verwendungen unter Voraussetzung verschiedener, dem Auge zugeschriebener Eigenschaften.
1.
›Auge als Sehorgan (Gottes, des Menschen, menschenähnlich gedachter Wesen und von Tieren)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.
Syntagmen:
die a. auftun / behüten / erleuchten / verblenden / verklären / (zu jm.) aufheben / in den himmel schlagen / fallen lassen / niederschlagen / untertun / von jm. wenden, sich die a. ausweinen, ein a. gegen jm. zutun
›jn. anblinzeln‹,
(jm.) die a. verbinden /
˹
ausstechen / ausstossen
(als Delikt und als Strafe)˺,
jm. ein a. abschlagen, j. ist die a. verfallen
›j. hat die Augen verwirkt‹;
a.
(Subj.)
jm. rinnen / tränen / triefen / übergehen / weh tun, a. sich krämpfen, jn. betriegen, a. schwinden
(von der Augapfelverkleinerung, oft nach Hornhauttraumem, beim Falken);
der a. entberen, jn. der a. entsetzen
›mit der Strafe der Blendung belegen‹,
jn. eines a. berauben
;
etw. über die a. streichen, jn. unter die a. schlagen, etw. / jn. mit (den) a. ansehen / anschauen, jn. mit den a. beleiten, etw. in den a. erbilden, etw. in die a. tun, unter den a. ungestalt sein
;
tropfe unter a., röte / star in den a., flecken im a., das weisse in den a.
;
gottes a., a. der fledermaus
;
blik / röte / schleim / zäher / erstarrung / felle /
˹
krankheit der a.
(dazu Sachinformation bei Henisch
149
)˺,
drücken / schielen / schrumpfen / schrunden / stechen der a., der a. ane
›der Augen beraubt‹;
blaue / braune / graue / schwarze / dunkle / grosse / weite / blöde / triefende / weinende / verkerte / schele / böse / hoffärtige / hohe
(›stolze‹)
/ hürische / neidische / unzüchtige / feurige / fröliche / klare / hitzige / lebendige / scharfe / lichte / schiessende
(›lebhafte‹)
/ geschwinde / schöne / treue / zarte / weise a.
Als Fluch:
das sich der rit
(›Fieber‹)
schände in das böser auge
(so Schwäb. Wb.
1, 438
für M. 16. Jh.).
Wortbildungen:
augader
,
augenader
,
augengeschwulst
,
augenglanz
,
augenkrankheit
,
augenpar
,
augenpracht
,
augenträne
(dazu bdv.: ),
augenwimper
(dazu bdv.: ),
kalbsauge
2,
ochsenauge
,
weibsauge.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
60, 9
(
Frankf.
1535
):
Augsteyn gstrichen über die blöden augen machen sie klar.
Ebd.
126, 6
:
Der Corall [...] stercket die augen in dem so er sie reyniget.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
70, 2
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
si han ouch groze munde sam di vorloufe, groze oren und wite ougin.
Luther, WA
49, 36, 5
(
1540
):
cum Adam et Eva blind worden, haben auch sie ein fell
[das Starhäutchen]
uber die augen gekriegt.
Ders. Hl. Schrifft. 1. Mose
27, 1
(
Wittenb.
1545
):
da Jsaac alt war worden / das seine augen tunckel worden zu sehen.
Ebd. 1. Sam.
11, 2
:
Darin wil ich [Nahas] mit euch einen Bund machen, das ich euch allen das rechte Auge aussteche / vnd mache euch zuschanden vnter gantzem Jsrael.
Ebd. 2. Kön.
19, 16
:
HERR neige deine Ohren vnd höre / Thu deine Augen auff /vnd sihe.
Ebd. 2. Chr.
6, 40
:
las nu mein Gott deine Augen offen sein / vnd deine Ohren auffmercken auffs gebet.
Ebd. Joh.
11, 35
:
Jhesu giengen die augen vber.
Ebd. Apg.
9, 8
:
als er [Saulus] seine augen auffthat / sahe er niemands.
Ebd. Ps.
121, 1
:
JCh hebe meine augen auff zu den Bergen / Von welchen mir Hülffe kompt.
Ebd. Hld.
6, 4
:
Wende deine Augen von mir / Denn sie machen mich brünstig.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
20, 26
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
alle rote wengelein müßen bleich werden, alle lichte augen müßen tunkel werden.
Ebd.
30, 8
:
Die begerung des fleisch zu wollust, die begerung der augen zu gut.
Quint, Eckharts Pred.
1, 151, 10
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz ich diu dinc als wol bekenne, als ob ich sie sæhe mit den ougen.
Henschel u. a., Heidin
1486
(
nobd.
,
um 1300
):
[Die vrowe] sach an den werden mAn | Mit spilnden ovgen vnd lacht in an.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
4, 43
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Als nyemant sein aigen augen gesehen und erkennen mag vor seinem angesiht.
Chron. Nürnb.
4, 306, 9
(
nobd.
,
15. Jh.
):
het einen auf dem rathaus unter die augen geschlagen mit der hant.
Gille u. a., M. Beheim
42, 46
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
die posen geist, | so sy mit augen | In anesachnn.
Sudhoff, Paracelsus
1, 83, 12
(
um 1520
):
die augen krempfen sich, der atem get mit herti.
Ebd.
5, 297, 3
(
1527
/
8
):
signa externa augengeschwulst, facies intumescit et rasteta omnia.
Ebd.
11, 210, 20
(
1537
/
8
):
eufragia
[vgl. dazu s. v.
augentrost
]
hat in ir die form und biltnus der augen, daraus folget nun, so sie eingenomen wird, so stellet sie sich in ir glit und in die form des glits, also das eufragia ein ganz aug wird. welche erznei ist nun, die da könte ein andere zun augen und in das aug füren dermaßen und stellen?
Goldammer, Paracelsus.
2, 91, 8
(
1530
/
5
):
mit den augen richtestu die hoffart auf, machst dir zwei augen mit dem spiegel, mit schönen kleidern ec. [...]. item machst dir dein aug zu einem wolf und magneten und agstein, daß du fressest, was du sihest.
Schade, Sat. u. Pasqu.
1, 152, 240
(o. O. o. J.):
es were der brauch, | [...] | Ir etlichen [bauren] die augen außgestochen.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 60
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz er laße die ding erbilden in sinen oͮgen, die er sehen sol.
Ebd.
2, 1380
:
al verstan in geschaffenem liehte haltet sich hie als das oͮge der fleder mus in clarheit der sunnen.
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 2730 (˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Sye hetten [...] | Ein bild Marie weinen gmacht | Mit fürniß tropffen vnder augen.
Argovia
1, 1860, 52, 7
(
halem.
,
1384
):
Wer sach, das einer den andern siner glider berovpte, es wer ein hand, ein ovg [...], nit stirbt, ist es ein glid oder ovg gegen dem andern.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1777
(
Basel
1519
):
Wer jn [gouch] dann sicht do sitzen schon, | Der muͦß verwundren sich dar von, | Syn ougen in den hymmel schlagen, | Groß lob vnd ere got doben sagen.
Ebd.
2964
:
Jch hab darab ein grosses wunder | An frummen frouwen nun besunder, | Das sy die ougen nit thuͦndt vnder, | So sy das selb doch sicher wyssen, | Das geuchsche man sindt bald beschissen.
Ebd.
2971
:
Vnzüchtig ougen botten sindt, | Wie man das hertz im menschen findt.
Ebd.
3319
:
Die ougen hant vil lüt betrogen, | So nie kein wybs bild hat gelogen.
Heydn. maister
8r, 15
(
Augsb.
1490
):
wellicher ainẽ ains auges beraubet / der sol vmb seine beÿde kõmen.
Chron. Augsb.
4, 93, 18
(
schwäb.
,
v. 1536
):
Die ro. kingin ist [...] mit wainetten augen zuͦ Augspurg hinwegk zochen.
Barack, Zim. Chron.
3, 411, 29
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
wann einer das ain aug gegen im zu thet und in also anblitzlet, do ward aller friden bei im auss.
Henisch
146
(
Augsb.
1616
):
Augenfedern / augendecklin haar / haar in augenlieden / cilia, pili palpebrarum, [...] Germ. augenbrinnen / augenwimper.
Ebd.
148
:
Einer der schilende augen hat / ein schiller / scheler.
Ebd.
151
:
Sonnenschuß [...] der augen / wenn die beschwerten in die Sonnen [...] sehen sollen / so scheust es jhnen in die augen / als steche man sie mit einem messer. [...]. Star in den augen / jnnerlich hirnfell / so genandt/ das dessen vrsach von gehirn herkompt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
9, 11
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Diu augen sind zwai edleu glider an dem menschen.
Ebd.
200, 17
:
wenn den jungen swalben diu äugel wê tuont.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
32, 16
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
Wem die augen rot sein, der tropff des wassers dar ein.
Weber, Füetrer. Poyt.
352, 4
(
moobd.
,
1478
/
84
):
diser hochzeit geleichen | kain man nye vor mit augen tet an schawen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
212, 25
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
synd in all ir augen ubergangen.
Deinhardt, Ross Artzney
1
(
oobd.
,
1598
):
nimb schelkhraut, stoß den safft dauon, thues dem roß in die augen.
Ebd.
32
:
Welchem pferdt die augen schwindten.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
11, 5
(
moobd.
,
1305
):
Ob aber ein purger dem andern ein hant, ein fuez oder ein auge, [...] oder dehainer lid abslecht.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
60, 16
(
tir.
,
1464
):
die vorgenenten himlischen freüden, ‘die chain aug nie gesehen hat noch chain or nie gehört hat’.
Ebd.
77, 9
:
so hüeb er an zu schreien siczent vnd mit vercherten augen.
Dies., Zist.-Pred. Haller
41, 36
(
tir.
,
1466
):
der [mensch] da nicht vergiessen ist die czäher seiner augen durch der pegierd [...] Kchristi.
Dies., Imitatio Haller
91, 19
(
tir.
,
1466
):
Heb deine augen auf in die höch czue got dem herren vnd pitt in, das er dir vergeb.
Quint, a. a. O.
1, 201, 4
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 1, 2
;
87, 6
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
11, 6
;
55, 6
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
20, 25
;
Mone, Adt. Schausp.
3, 144
;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
758, 7
;
Luther, WA
35, 470, 15
; Göz. Leichabd.
199, 9
;
Hallmann, Marianne
2, 89
;
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
212
;
Pyritz, Minneburg
2323
;
Keil, Peter v. Ulm
95
-98;
241
;
Mon. Boica, NF.
2, 1, 299, 6
;
Gille u. a., M. Beheim
238, 66
;
v. d. Kolk, Linck. Erb.
170, 18
;
Vetter, Pred. Taulers
65, 24
;
Eichler, a. a. O.
2, 1843
;
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 210
;
Chron. Strassb.
1, 64, 4
;
Koller, Ref. Siegmunds
117, 21
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
5948
;
Sappler, H. Kaufringer
9, 227
;
Sudhoff, a. a. O.
8, 354, 15
;
Goldammer, a. a. O.
7, 269, 7
;
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 800, 15
;
Klein, Oswald
12, 25
;
18, 96
;
61, 8
;
Bastian u. a., Regensb. UB
490, 26
;
Kummer, Erlauer Sp.
3, 29
;
6, 201
;
Munz, Füetrer. Persibein
83, 4
;
482, 7
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
572, 3
;
Deinhardt, a. a. O.
15
;
Bremer, Voc. opt.
1, 206
;
Dasypodius
291v
;
292r
;
Schöpper
31a
;
Maaler
38v
;
Hulsius A iijv; K iijr;
Henisch
140
-153;
Diefenbach
392b
;
Harsdoerffer. Trichter
3, 134
;
Dietz, Wb. Luther
152
-154;
157
;
Rwb
1, 973
;
976
;
Schatz, Sprache Oswalds.
1930, 49
.
2.
›Auge aus Silber (z. B. als Weihegabe in der Kirche oder als Schmuckanhänger an einer Heiligenfigur)‹; Ütr. zu 1.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
515, 5
(
preuß.
,
1452
):
eyne snuͤre vol czeichen von sylbern gebylde von heringen, awgen, herczen.
Ebd.
512, 15
.
3.
›Auge des Würfels oder der Spielkarte‹; metonymisch: ›gewinnbringender Punkt beim Würfel- oder Kartenspiel‹; Ütr. zu 1.
Phraseme:
auf achtzehen augen stehen
›auf einer Forderung beharren, bestehen‹ (18 Augen bildeten den besten Wurf).

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 153, 10
(
nrddt.
, Hs.
1601
):
hat ihme nicht gehulfen, besondern uff ihren vorigen achtzehen Augen gestanden.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
52, 23
(Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
die spilten mit den wurflen, | und wem die meisten augen khemen, | der solt beim Elsselein schlaffen.
Froning, Alsf. Passionssp.
6954
(
ohess.
,
1501ff.
):
hie synt dry wirffel gut | und ich wel heben an! | sehet er da myn augen stan?
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 8, 312
(
schwäb.
,
1471
):
Wir wöllen maiste augen spilen, | Welche dich gewynn!
Sappler, H. Kaufringer
13, 165
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
es waren zwen würfel silbrein; | die augen darin ergraben | waren mit rotem gold erhaben.
Henisch
141
(
Augsb.
1616
):
Aug an karten vnd würffelen [...] im spil mit wuͤrflen der mehr augen hat.
Froning, a. a. O.
5704
;
Stieler
1, 68
.
4.
›Knospe an Pflanzen; Blase, Entzündungszentrum von Geschwüren‹; Ütr. zu 1.
Wortbildungen:
aug(en)knopf
,
augsprosse
(jeweils verdeutlichend);
rebauge
(jeweils zur 1. Variante).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. Hld.
2, 13
(
Wittenb.
1545
):
Der Feigenbawm hat knoten gewonnen / die Weinstöcke haben augen gewonnen / vnd geben jren Ruch.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
107, 1
(
osächs.
,
1570
/
7
):
sihe dir ein auge [...] aus von dem obstbaum oder einem reise, darvon du propfen wilt.
Ebd.
163, 11
:
Soll man die feser nicht gar unten am stock abschneiden [...], dann sie haben nicht viel augen.
Dasypodius
292v
(
Straßb.
1536
):
Augknoͤpfflin an den baͤumen darauß die frucht sprosset.
Henisch
141
(
Augsb.
1616
):
Aug / knopff / knospen / bollen. [...]. Auglin / buͤtzlin mitten im geschwer.
Ebd.
143
:
Von Reben vnd andern augen. Augen trucken / gewinnen vnd außstossen / pro die augen schlagen auß [...]. Ein schoß / das kurtze glider vnd vil augen hat / ist fruchtbar.
Winter, Nöst. Weist.
1, 905, 18
(
moobd.
,
1650
):
daß sie in demselbigen ganz fürsichtig und fleissig, die stock und pogen nit versetzen, die augen nit verscheren.
Luther. a. a. O. Hld.
7, 12
;
Ermisch u. a., a. a. O.
108, 9
;
112, 8
;
Maaler
38v
;
Hulsius A IIIv;
Schwäb. Wb.
6, 1551
;
Schweiz. Id.
1, 131
;
Öst. Wb.
1, 459
;
West, Dasypodius.
1989, 268
.
5.
weitere, sehr unterschiedliche, jeweils schwach belegte metaphorische Verwendungen von
auge
(hier zusammengefaßt): ›Schlinge, Netzmasche einer Leine‹ (genaue Sache aus dem Beleg nicht erschließbar); ›(wohl netzartige, schlingenähnliche) Vorrichtung zum Fischfang‹; ›Nadelöhr‹; ›Türhaken‹ (hier liegt Metonymie vom Angelloch auf den Haken vor, um den sich die Tür drehend öffnet); ›Öse an einem Scharnier‹; wohl ›augenähnliche Vertiefung im Schiffskörper, in der der Name angebracht wurde‹; ›Astloch in einem Brett‹; ›Luftblase im Käse‹; ›Fettauge (z. B. auf einer Suppe)‹; ›Auge auf dem Flügel des Schmetterlings‹; ›Sonne (als Auge des Himmels)‹; ›Gott (in seiner Qualität als Vorsehender)‹.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
590, 10
(
preuß.
,
1409
):
vor 12 ogen an dy lynen, vor yclich oge 1 scot zu machen.
Buch Weinsb.
2, 309, 32
(
rib.
,
2. H. 16. Jh.
):
Die kist war nussbeumen holz, hat 2 grindel mit augen an.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. L
18, 25
(
osächs.
,
1343
):
Wan lîchter ist ein camêl durch einer nâlden ouge durch gên.
Kläui, Urk. Hermetschwil
133, 8
(
halem.
,
1564
):
wird ihr erlaubt, daß sy wol moge ein vach, darin drü ougen, schlachen, damit sy dry rüschen gelegen moge
[Regestbeleg].
Golius
343
(
Straßb.
1579
):
Caseus oculatus, kaͤß der vil augen hat.
Henisch
141
(
Augsb.
1616
):
Aug an der thuͤr / thuͤr aug / die thuͤr hacken / cardines. Aug an dem schiff / loch / foramen in prora / cui nomen nauis inscribitur.
Ebd.
144
:
Des Him̃els aug / die Sonn [...]. Wann der Him̃el sein aug zuthut / so soll der Mensch seine augen auch zuthun.
Ebd.
136, 12
;
Schweiz. Id.
1, 132
.
6.
im Syntagma
inwendiges auge
(o. ä.) ütr. für die religiöse Erkenntnisfähigkeit des Menschen; vgl. dazu Lex. d. Mal.
1, 1208
; offen zu 7.
Texte der Mystik.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
1, 165, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Diu sêle hât zwei ougen, einz inwendic und einz ûzwendic.
Vetter, Pred. Taulers
195, 15
(
els.
, Hs.
1359
):
Der mensche hat zweiger leige oͮgen: uswendig oͮgen und inwendige oͮgen.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 488
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
So schlecht er sine innewendigen oͮgen vf vnd schowet die himelsche selikeit.
Ebd.
1651
:
Die einualtige meinunge, daz ist daz simpel oͮge [...] lúhtende vnd luter von sv́nden haltet.
Preuss. Wb. (Z) 1, 270f.
7.
in Verbindung mit abhängigem Genitiv, Adjektivattribut oder Possessivpronomen für den Inhalt gebraucht, auf den mit dem genitivischen Ausdruck / Adjektiv / Pronomen Bezug genommen wird; z. B.:
auge gottes
›Gott‹,
verständige augen
›Verstand‹,
seine augen / manches auge
›er / manch einer‹. Die Konstruktion wird sehr oft, aber nicht ausschließlich zum Ausdruck religiöser und psychisch-geistiger Bezugsgrößen verwendet; stilistisch kann pars pro toto, Metapher und Bild sowie deren Kombination vorliegen. In formorientierter Übersetzung ins Nhd. kann die stilistische Konstruktion oft beibehalten werden.
Texte religiösen und didaktischen Inhalts.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
244
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der in Cristes personen quam | Unde in die Gotes tougen | Mit geistlichen ougen | In dem trone schouwen liez.
Ebd.
383
:
Her [Johannes] sach si [tougen] mit den ougen | Des sinnes, nicht des vleisches.
Ebd.
17962
:
sal sie [ufirstande] des sinnes ouge sen | Glicher wis als daz geschiet | Daz des vleisches ouge siet | Die gebornen lichamen.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1327
(
mrhein.
,
um 1335
):
Den ir suchen, der ist hie nit, | als vwer augen selbe sehint.
Jostes, Eckhart
55, 39
(
14. Jh.
):
wie spilend wirt di sel angeblichet von den augen meiner magenchraft.
Hübner, Buch Daniel
6783
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Sulche [priestre] die sich hie reine | Halden in Gotis ougen, | Zu bosheit sich nicht bougen.
Luther. Hl. Schrifft. 1. Mose
18, 3
(
Wittenb.
1545
):
HERR Hab ich gnade funden fur deinen Augen / So gehe nicht fur deinem Knecht vber.
Ebd. 4. Mose
10, 31
:
Lieber [Hobab] verlas vns nicht / denn du weissest wo wir in die wüsten vns lagern sollen / vnd solt vnser Auge sein.
Ebd. Hiob
29, 15
:
Jch [Hiob] war des Blinden auge / vnd des Lamen füsse.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
11, 45
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
sullen wir [...] das aug unser vernunft an unterlaß keren czu beschawen unser nichttikeit.
Ebd.
14, 79
:
lasse nymmer verre komen von den augen deins herczen das prynnent ewig fewr der helle.
Gille u. a., M. Beheim
15, 37
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Erleucht mein augen, unpegreiffenliches licht.
Ebd.
98, 94
:
Dy noch vor euren augen gan | und des kain straffung wellen han.
Ebd.
111, 279
:
den sy | mit irn leiplichen augen hy | sach an allez gespensche, | Waren menschen und iren sun, | den sach sy mit den augen nun | irs herczen woren gote.
Vetter, Pred. Taulers
196, 14
(
els.
, Hs.
1359
):
die vel die vallent in fúr die inwendigen oͮgen, in die oren, das die oͮgen der vernunft nút enkúnnen gesehen.
Ebd.
215, 20
:
das die klaren goͤtlichen oͮgen uns als gruntlichen an sehent.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 283
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Sin oͮgen sohend die einwillikeit vnd die bosheit der iuden.
Ebd.
2, 153
:
her vmbe wiset Cristus den verklerten verstendigen oͮgen, was sv́ sehen súllent.
Ebd.
2363
:
wir soͤllent vns minnelich vnd demuͤtekliche opferen fv́r die oͮgen gottes.
Ebd.
3, 98
:
her vmbe sint die oͮgen des geistes, do er mitte schoͮwet [...] sinen brutegoͮm.
Schmidt, Rud. v. Biberach
113, 7
(
whalem.
,
1345
/
60
):
daz fúrin oͮge der minne dur tringet marglich vnd hertzlich daz gemuͦt des menschen.
Koppitz, Trojanerkr.
10806
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Von siner schidung an der stund | Trurtte menig og und rotter mund.
Rieder, St. Georg. Pred.
156, 26
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
sol sich der mentsche den ussren dingen enziehen [...] und sol die ôgen des gaistes uf tuͦn.
Ebd.
209, 35
:
sol denne uf heben ir hertze [...] und irs hertzen ôgen in dem contemplierenn.
Goldammer, Paracelsus.
6, 189, 5
(
1530
):
der heilig geist speiset uns in ewigkeit. das ist allen unsern augen verborgen.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
15, 17
(
noobd.
,
1347
/
50
):
daz aines menschen auge unden pei dem mastpaum daz zil an dem ufer [...] niht gesehen mag.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 48
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
dein schön sein götleich aug erwitert.
Rudolf, H. v. Langenstein. Erch.
30, 60
(
moobd.
,
1393
):
Dÿ fumft vrsach ist der frawen anplikch, wann ir angesicht ist von der sollen des fuezzes vncz an dÿe schaiddel ain strikch, da man der menschen augen mit vecht.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
111, 2
(
tir.
,
1464
):
da verschwant der heilig Jeronimus vor iren augen.
Quint, Eckharts Pred.
1, 78, 6
;
Dietz, Wb. Luther
152
f.
8.
in Sprichwörtern, Redensarten und Logien unterschiedlichster Herkunft (auch aus der Bibel), meist im Anschluß an 1:

Belegblock:

Apherdianus
14
(
Köln
1575
):
man sol mehr den augen / als den ohren gleuben.
Lohmeyer, K. v. Nostitz
117, 3
(
preuß.
,
1578
):
Man sagt, eine krau hagkt der andern nicht die aügen auß.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
6, 22
(
osächs.
,
1343
):
ein lucerne dînes lîbes ist dîn ouge. Wirt dîn ouge einveldic, sô wirt alle dîn lîcham gancz lîchtvar. Wirt abir dîn ouge ein schalk, sô wirt dîn lîcham gancz vinster.
Leman, Kulm. Recht
5, 23, 9
(
Thorn
1584
):
Man sal also richten. ouge vmme ouge. hant vmme hant. tzan vmme tzan.
Luther, WA
21, 206, 4
(
1544
):
Ehre oder gut geruͤcht, der Glaube und das Auge, die drey ding können keinen schertz leiden.
Ebd.
47, 266, 6
(
1537
/
40
):
Es ist besser rotthe augen den ledige gruben, das ist: es ist besser boͤse augen den gahr blindt sein.
Ebd.
51, 646, 29
(
um 1535
):
Wer vber sich hewet dem fallen die span ynn die augen.
Ders. Hl. Schrifft. 3. Mose
24, 20
(
Wittenb.
1545
):
Schade vmb schade / Auge vmb auge / Zaan vmb zaan / Wie er hat einen Menschen verletzt / So sol man jm wider thun.
Ebd. Pred.
1, 8
:
Das Auge sihet sich nimer sat / vnd das Ohr höret sich nimer sat.
Ebd. Spr.
27, 20
:
Helle vnd Verderbnis werden nimer vol / Vnd der Menschen augen sind auch vnsettig.
Ebd. Mt.
7, 3
:
Was sihestu aber den Splitter in deines Bruders auge / vnd wirst nicht gewar des Balcken in deinem auge?
Gille u. a., M. Beheim
176, 49
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Der mensch eilt pald, das ere | ein agel aus den augen tricht, | und einen grossen paum er nicht | aus seines herczen augen pricht.
Goldammer, Paracelsus.
2, 134, 21
(
1530
/
5
):
ob er nur ein mucklein hat im auge und die obrigkeit ein balken, so treibets aber diabolus auf.
Ebd.
3, 277, 17
:
was einem vor den augen ist, dasselbig lauft dem im sinn umb.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
1, 25, 13
(
Straßb.
1466
):
was siehstu den agen in dem augen deins bruͦders.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 96, 2
(
Hagenau
1534
):
Die augen seind weitter denn der bauch.
Ebd.
129, 7
:
Was die augen sehen / betreuget das hertze nicht.
Ebd.
2, 160, 27
([
Augsb.
]
1548
):
Die augen des Herren behuͤten guͦten Rath / aber die wort des veraͤchter verkert er.
Ebd.
166, 25
:
Hochfertige augen / und stoltzer muͦt / und die leüchte der gotlosen / ist sünde.
Ebd.
194, 12
:
Zucht / und die augen zuͦ feld schlagen / ziert frawen und Junckfrawen mehr / dann silber / gold / oder Berlen.
Henisch
141
-53 (
Augsb.
1616
):
Das feld hat augen / die winckel vnd waͤld haben ohren / huͤt dich [...]. Der hunger sihet jhnen zu den augen herauß. [...]. Der todt sitzt jm in den augen. [...]. Man kan Gott kein aug verkleiben. [...]. Was das aug nicht sihet / beschwert das hertz nicht. [...]. Wer nur ein aug hat / der pflegts offt zu wischen. [...]. Der Menschliche verstand hat sich so zu den offenbaren dingen der natur / als das aug der Fledermauß zu dem liecht der Sonnen. Das aug (des Ehebrechers) hat acht auff das tunckel. Der Frawenaug kochen wol / der Magd augen nimmermehr. [...]. Je geringer du bist / je heller Gottes augen auff dich sehen. [...]. Gottes augen sehen auff den glauben / Menschen augen sehen [...] auff den eusserlichen erbaren wandel. Fuͤr Gottes augen wir nichts sind / Nur faule Knecht vnd boͤß gesind. [...]. Herren augen machen schoͤne Roß. [...]. Des hertzen aug gibt keine pfand / Vnd wandert doch durch Meer vnd land. [...]. Weibes aug ist ein fewr spiegel. [...]. Mein lieb hat ein krummen hoffer vnd den grind / Vnd ist mit beiden augen blind. [...]. Es ist besser mit eigen augen sehen / denn mit frembden. [...]. Mehr ist ein aug / dann zehen ohren. Der neid hette gern nur ein aug / daß der nechst gar blind wer. Ein Narr sihet mit einem aug / was er gibt / vñ mit siben augen / was er darfuͤr kriege. Ein getrewe Mutter sihet mehr mit einem / denn der Vatter mit zehen augen [...]. Einfeltige leut muͤssen mit frembden augen sehen. Es ist vbel gesehen / was man durch frembde augen gesehet. Mit frembden augen lest sich nicht alles sehen. [...]. Gesunde augen bedoͤrffen keiner brillen. [...]. Ein gut aug wirt gesegnet / das seines brots den armen gibt. [...]. Hohe augen stuͤrtzet Gott. [...]. Wenns an ein scheiden gehet / so gibts nasse augen / vnd warm wasser. [...]. Vngleiche schuͤsslen machen schaͤle augen. [...]. Gott ist keinem stoltzen aug geneigt. [...]. Vil augen sehen mehr / denn eins. [...]. Ein vnrein aug ist eines vnreinen hertzens zeug. Es ist nichts neidischers / weder ein vntrewes aug. [...]. Alte leut tragen die augen in der taschen / den Calender im Haupt / vnd die fuͤsse in haͤnden. Als das aug erfuͤllet / so ist dem bauch gnug gethan. Alles was in der Welt ist / ist ein lust der augen. [...]. Auß den augen / auß dem hertzen. Auß den augen / auß dem sinn. [...]. Das aug sicht sich nimmer satt. Das aug will auch sein theil haben. Das hertz vnd die augen kan niemand fuͤllen / ohn Gott allein. [...]. Der bauch wirt eim ehe voll / denn die augen. [...]. Der leib gehet wie jhn das aug fuͤhret. Die augen sind des leibs latern. Die augen auff / die feuste zu / heists im streit. Die augen des Herren sehen auf die gerechten / vnd seine ohren auff jhr gebet. [...]. Die sich demuͤtigen / die erhoͤhet Gott / vnnd der seine augen niderschlegt / der geneset. [...]. Die augen verrathen mancher jhr ehr. Die augen verrathen den arß. Dem einen gehen die augen auß im schlaff / dem andern mit schmertz vnd wehtagen. Den Vogel vernimbt man am gesang / den topff am klang / den Menschen an den augen vnd worten. Der das aug gemacht hat / solt der nicht sehen? [...]. Ehr / glaub vnd aug / leiden kein schertz. [...]. Es ist besser den augen / denn den ohren glauben. Es ist besser ein fenster / denn ein aug außgeschlagen. Es ist keiner eins vngluͤcks frey / biß er die augen zugethon hat. [...]. Man schwetzt einem kein mal vom aug. [...]. Sie schlaffen nicht alle / die augen zu haben / oder mit der nasen schnauffen. [...]. Vier ding lassen mit jnen kein schertz treiben / Wasser / Fewer / augen vnd Jungkfrawen. Vngluͤck macht witzig / vnd die plag oͤffnet die augen. Wann das auge sihet / das es nie gesehen hat / dann denckt das hertz auch wol / das es nie gedacht hat. [...]. Was das aug nicht sihet / beruͤhret (beschweret auch) das hertz nicht. [...]. Was einer im siñ hat / das sihet man jm in den augẽ an. [...]. Weißheit im hertzen / scham in augen / vnd bedaͤchtige reden / zieren die Knaben wol. Wer die augen nit will auffthun / der muß den beutel auffthun. Wer mit den augen nicht wol sihet / der soll mit den feusten desto besser zugreiffen. Wer den splitter richten will in eines andern aug / der sehe zuuor auff den balcken in seinem eignen aug. [...]. Wer einen allzu grossen hut auff setzet / dem felt er in die augen. [...]. Wer will ohn schaden bleiben / der muß die augen nicht in die taschen stecken. [...]. Wer nicht zu weit zuthut ein aug / Gar nichts der zum regenten taugt. Welt ist vol list / vnd hoͤnischer stuck / Fuͤr augen gut / falsch hinter ruck.
Goldammer, a. a. O.
2, 88, 27
;
136, 22
;
Luther, WA
51, 647, 67
;
Rwb
1, 973
;
Schweiz. Id.
1, 135
.
9.
Phraseme, die auf äußeren physiologischen Kennzeichen des Auges beruhen:
ein auge nas machen
›weinen‹;
bei schlafenden augen
›zur Nachtzeit‹;
jm. die augen zugehen
›j. in Schlaf fallen‹;
die augen zutun
›schlafen‹ sowie (ütr.) ›sterben‹;
jm. etw. an den augen ansehen
wie nhd.,
ein blaues auge wagen
›etw. in Kauf nehmen, wagen‹ (Preuss. Wb. (Z) 1, 273; a. 1643; 1657).

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. Sir.
13, 31
(
Wittenb.
1545
):
WAs einer im sinn hat / das sihet man jm an den augen an / es sey guts oder böses.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
3024
(
schwäb.
,
1453
):
Villicht gieng dir die ougen zuͦ, | Das dir din krafft her wider kem.
Henisch
142
(
Augsb.
1616
):
Es ist keiner eins vngluͤcks frey | biß er die augen zugethan hat.
Maaler
38v
(
Zürich
1561
):
Ich hab dise nacht kein Aug nie zuͦ thon / Hab keinen schlaaff nit gethon.

Vgl. die Wörterbuchangaben unter 12.

10.
Phraseme, in denen das Auge als dasjenige Organ vorausgesetzt wird, dem (im Anschluß an 1) eine besondere Sicht- und (ütr.) Urteils- und Erkenntnisfähigkeit zugeschrieben wird. Die im folgenden genannten Beispiele zeigen mit erstaunlicher Häufigkeit eine negative Perspektive auf den Menschen.
Syntagmen:
oft Gebrauch im Akk.;
mit sehenden augen blind sein
(mehrfach, wie nhd.), dazu als Variante:
mit verstehentlichen augen sehend sein, auf seinen fünf augen verstokt sein
›mit all seinen sinnlichen und geistigen Vermögen verstockt sein‹,
jm. das auge / die augen verkleiben, verbinden
›jn. täuschen, jn. übers Ohr hauen‹,
jm. ein auge verhalten, jm. eins über das auge geben
jeweils dasselbe,
jm. in die augen stäuben
›jm. Sand in die Augen streuen‹,
jm. ein fel
(vgl. )
übers auge ziehen
›jn. täuschen und ihm damit das Fell über die Ohren ziehen‹,
die augen nicht in beutel stecken
›die Augen offenhalten‹,
jm. die augen aufsperren
›jn. zum Staunen bringen‹,
maul und augen aufsperren
›erstaunt dreinschauen‹,
jm. die augen scheuern
›jm. die Augen öffnen‹,
ein auge zutun
›ein Auge zudrücken‹ sowie ›ruhig, gemütlich dahinleben‹,
ein auge auf jn./etw. haben / werfen
›jn./etw. aufmerksam beobachten; sich für jn. interessieren‹,
augen im hinterkopf haben
›sehr aufmerksam sein, alles sehen‹,
erleuchtete augen des verständnisses
›besonders ausgeprägte Verstehensfähigkeit‹,
die augen abwenden / hin umwenden
›die Augen (als pars pro toto: sich) abwenden‹,
jm. (herz und) augen geben
›auf jn. blicken‹,
e. S. nimmer auge geben
›etw. nie wieder sehen‹,
jm. etw. unter augen stellen
›jm. etw. erkennbar beweisen‹,
jm. etw. unter augen schicken
›jm. etw. zur Einsicht zuschicken‹,
etw. nach augen verkaufen
›etw. nach Augenmaß verkaufen‹,
in js. augen etw. sein
›nach js. Urteil, Einschätzung etw. sein‹.

Belegblock:

Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 96, 18
([
Augsb.
]
1548
):
Er ist mit sehenden augen blind.
Froning, Alsf. Passionssp.
1881
(
ohess.
,
1501ff.
):
want du dych wylt zu hymmel keren, | ßo loß mich des entgelden nicht, | und steube mer yn die augen nyt!
Ebd.
4758
:
wie solden mer deß gegleuben? | mer wolden unß e yn die augen losßen steuben! | mer woln gleuben yn unßern alden gott.
Ebd.
5239
:
das er und alle uwer kynt | sijt myt sehenden augen blynt.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 204
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
dem dis geschiht, der muͦs innewendig mit verstentlichen oͮgen sehende sin.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
6, 99, 27
(
Straßb.
1520
):
doctor martin der bleipt verstocket vff seinen fünff augen.
Barack, Zim. Chron.
3, 131, 25
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
schenk Eberhart [...] wolt also dem tombcapitel ain aug verklaiben.
Henisch
142
(
Augsb.
1616
):
Es muͤssen jhr mehr sein / wenn man was verteuscht / vnd den Herren die augen verkleiben soll.
Sachs
13, 187, 5
(
Nürnb.
1556
):
Wolt wirs baldt dauben allesander | Und in dückisch ein aug verhalten | Baiden.
Barack, Zim. Chron.
2, 608, 32
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das dem gueten grafen ain vel übers auch zogen, mit listen hündergangen und sich bereden liess, das er das herrlich, nutzlich dorf umb ain spott also hingab.
Luther, WA
30, 3, 563, 23
(
1533
):
muͤste mich die muͤhe nicht verdriessen, jnen die augen ein wenig zu schewren und den brill auff die nasen setzen.
Ebd.
571, 20
(
1533
):
Habt das spiel jnn guter acht und steckt die augen nicht jnn beutel.
Ebd.
32, 429, 14
(
1530
: Dr.
1532
):
das mans umb rhums willen thut und den leuten mit solchen sonderlichen geberden die augen auffsperret.
Ebd.
33, 56, 10
(
1530
):
Sie werden das maul undt augen auffgesperret haben, sehen alle boden vol korns.
Ebd.
54, 247, 9
(
1545
):
WEr nu hie augen hat, der stecke sie nicht in beutel, und wer ohren hat, der schicke sie nicht uber feld.
Turmair
4, 814, 5
(
moobd.
,
1522
/
33
):
die richter und schergen namen haimlich gelt und teten ain aug zue.
v. Keller, Ayrer. Dramen
1216, 28
(
Nürnb.
,
1618
):
Es ist fürwar ein guter Lohn. | Also kan ich ein Aug zuthan | Vnd mich zwey Jahr lang davon kleiden.
˹Als Wortspiel bei Mayer, Folz. Meisterl.
98, 47
(
nobd.
,
um 1480
):
Daz ich euch auff der truhen nuz | Und das er auch merk sam ein schucz | Und auch ein weil ain aug zu thu
˺.
Buch Weinsb.
2, 277, 6
(
rib.
,
2. H. 16. Jh.
):
Ich hat ein auch uff in und schickt im doch den breif an minen son zu uberschicken.
Apherdianus
12
(
Köln
1575
):
er hat augen im hind’ kopff. Prouerbium in versutos, et circũspectos, quos neutiquam prorliuè sit fallere.
Luther. Hl. Schrifft. 1. Mose
39, 7
(
Wittenb.
1545
):
es begab sich [...] / das seines Herrn weib jre augen auff Joseph warff / vnd sprach / Schlaffe bey mir.
Ebd. Ps.
50, 21
:
ich wil dich straffen / vnd wil dirs vnter augen stellen.
Ebd. Spr.
28, 27
:
Wer dem Armen gibt / dem wird nicht mangeln / Wer aber seine augen ab wendet / Der wird seer verderben.
Dasypodius
291v
(
Straßb.
1536
):
die Augen abwendẽ. Dimouere oculos.
Fuchs, Murner. Geuchmat
2968
(
Basel
1519
):
Wellendt ir belyben frum, | So wendendt ougen dort hyn vmb.
Bihlmeyer, Seuse
224, 29
(
alem.
,
14. Jh.
):
Alles himelsches her von núwen wundern gebent mir oͮgen und nement min war.
Ebd.
551, 7
:
O alle min inren sinne, ir soͤllent sin war nemen, hertz und oͮgen sond ir im geben.
Gille u. a., M. Beheim
8, 60
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
der rab villeich auf einen schelmen flaug, | wann er die selben potschafft lies gewerden, | dem schiff der archen gab er nymmer aug.
Chron. Augsb.
2, 85, 20
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
schickt man dem Nenninger die citation under augen und lued in für den babst.
Ebd.
4, 327, 22
(
v. 1536
):
schaffeflaisch hat man nit ausgewegen, sunder nach augen verkaufft.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
223
(
Nürnb.
1517
):
Bis dir selbst nit weis in deinen augen.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
68, 6
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Do du klein were in dinen ougen, do wurt du gemachet ein houpt dem geslehte von Israel.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 259, 23
(
schwäb.
,
1522
/
33
):
waz sy thet, daz waz als nichtz in iren augen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
211, 8
(
moobd.
,
1478
/
81
):
was nit in gutten vermügen in augen seiner regirung, aber ward reich.
Luther, WA
41, 281, 30,
Anm. 2;
Ulner
95
; vgl. auch die Wörterbuchangaben unter
12
.
11.
Phraseme, in denen das Auge als besonders reiz- und schmerzempfindliches Organ vorausgesetzt wird:
jm. weht ein rauhes windlein unter augen
›jm. bläst der Wind ins Gesicht‹,
jm. fiel windes unter augen blasen
›jm. Schwierigkeiten bereiten, für Gegenwind sorgen‹,
jm. bläst sauer unter augen
›etw. ist jm. anstrengend, lästig, schmerzlich‹,
jm. schiest das blut unter augen
›jn. überkommt die Angst‹,
jm. geht heis unter augen
›j. kommt ins Gedränge‹,
es geht sauer unter augen
›es ist äußerst unangenehm‹,
es geht jm. abenteuerlich unter die augen
›es kommt jm. merkwürdig vor‹,
jm. beist rauch in die augen
›jm. bläst der Wind ins Gesicht‹,
jm. etw. unter augen stossen
›Anstoß bei jm. erregen‹,
tod schlägt jm. unter die augen
›Tod tritt jm. gegenüber‹.

Belegblock:

Luther, WA
32, 45, 6
(
1530
):
wie es denn itzt auch sehr eim abenteurlich unter die augen gehet, solch seltzame maur [...] furet der Teufel.
Ebd.
340, 25
(
1530
[Dr.
1532
]):
Denn wo man den sinnen und fulen nach henget, gehet es ja saur unter augen.
Ebd.
22, 59, 8
(
1544
):
wie wuͤrde ich [Teufel] so mat werden und mir so heiss unter augen gehen.
Ebd.
380, 4
:
wo uns ein wenig der rauch in die augen beisset, so ist freude und mut dahin.
Ebd.
47, 205, 23
(
1538
/
40
):
ob [...] der tod und Teuffel uns undter die augen schlugen, item Hunger und kummer, [...], so frage ich nichts darnach.
Ebd.
48, 34, 6
(
1545
):
wird im der Teuffel gar manchen strick legen und vil boͤses windes vnter augen blosen.
Ebd.
49, 491, 25
:
Junge sollen sich ziehen laßen, wenn einem schon ein wenig saur unter augen bleset.

Vgl. die Wörterbücher unter 12.

12.
Phraseme, in denen das Auge als dasjenige Organ vorausgesetzt wird, in dessen direktem Kontrollbereich Vorgänge ablaufen oder (weit häufiger) Tätigkeiten und soziale Handlungen vollzogen werden; das Auge steht dann:
a) für assertierte oder negierte sinnliche und (ütr.) geistige Gegenwart, Anwesenheit von Bezugspersonen und -gegenständen.
b) für den Ort einer Bezugsperson/-handlung vor oder direkt gegenüber einer andern.
c) für die Offenheit und Öffentlichkeit von Handlungen im Gegensatz zu Erfolgendem.
d) für Unmittelbarkeit, persönlichen Vollzug der Handlung im Gegensatz zu vermittelten (z. B.
mit boten / briefen, brieflich
) Handlungen.
e) für Offensichtlichkeit, Augenscheinlichkeit von Handlungen.
f) für zeitlich direkte Aufeinanderfolge von Handlungen oder unmittelbares Bevorstehen von etw. Die unter a) bis f) genannten Assoziationen können sich mannigfach überlagern, oft gibt erst der weitere Kontext von Belegen Auskunft über die dominante Nuance.
Phraseme
(beispielhaft): Zu a):
in angesicht der augen
›vor js. Angesicht‹,
jm. ab den augen gehen
›sich von jm. wegbegeben‹,
sich ab den augen machen
›verschwinden, sich aus dem Staub machen‹,
aus den augen verschwinden / kommen
›verschwinden‹,
jm. aus den augen kommen
›vergessen werden‹,
von den augen faren / gehen / weichen
›vergehen, verschwinden‹,
etw. jm. vor augen verschwinden
›vor jm. verschwinden‹,
jn. aus den augen setzen
›jn. vergessen‹,
jm. in die augen stehen
›sich bei jm. einfinden‹,
jm. an die augen gehen
›sich bei jm. sehen lassen‹,
jm. der augen gönnen
›jm. Audienz gewähren‹,
unter augen sein
›anwesend sein‹,
jn. unter augen finden
›jn. als anwesend finden‹,
vor augen sein
›anwesend sein (von Personen)‹, ›vorhanden sein (von Sachen)‹,
etw. vor den augen sehen
›etw. sinnlich vor sich sehen, gegenwärtig sehen‹,
jm. etw. unter augen stehen
›jm. etw. vorgehalten werden‹,
jm. etw. unter augen schlagen
›jm. etw. vorhalten‹,
etw. vor augen tragen
›sich etw. gegenwärtig halten‹, ˹
jn./etw. vor / für augen haben, etw. für augen stellen
›sich jn./etw. vor Augen halten, vergegenwärtigen, beobachten‹˺,
jm. etw. vor augen schlagen
›jn. mit etw. bekannt machen‹. – Zu b):
unter augen stehen
›vorne stehen, vorne zu sehen sein‹,
jn. unter augen angehen
›jn. von vorne angreifen‹,
jm. unter augen ziehen
›jm. entgegenziehen‹,
jm. unter augen begegnen
›direkt auf jn. stoßen‹ sowie ›jm. direkt entgegentreten‹,
jm. unter augen stehen
›direkt vor jm. stehen‹,
jm. nicht unter augen sehen
›js. Blick scheuen, seine Nähe meiden‹,
jn. unter js. augen erstechen
›jn. vor js. Augen erstechen‹,
jn. von augen zu augen sehen
›jn. von Angesicht zu Angesicht sehen‹,
jm. für die augen kommen
›jm. zu Gesicht kommen‹,
jm. jn. vor augen stellen
›jm. jn. gegenüberstellen‹;
unter augen gegen
›gegenüber‹,
zu gesicht js. augen
›vor js. Augen‹; adverbiales
unter augen
dient auch der Kennzeichnung der auf der Mauer aufliegenden, gleichsam auf Augenhöhe befindlichen Dachlinie (im Gegensatz zu Firstlinie; so Schweiz. Id.
1, 137, 16
. Jh.); – Zu c):
jm. die augen vergönnen
›sich von jm. sehen lassen‹,
jm. unter augen zureden
›jm. gegenüber offen sprechen‹,
jn. unter augen strafen
›jn. öffentlich strafen‹,
e. S. unter augen gehen
›etw. in offener Weise angehen‹; – Zu d):
jm. etw. unter augen sagen / sprechen / fürgebieten / verkünden / vorwerfen
(usw.) ›jm. etw. persönlich, direkt sagen‹ (usw.). – Zu e):
vor augen
›offensichtlich, augenscheinlich‹ (dazu bdv.:  1,  2, ,  1, , , , , ),
etw. unter augen geschehen
›deutlich sichtbar geschehen‹. – Zu f):
etw. unter augen rächen
›etw. sofort rächen‹,
etw.
(z. B. Krieg)
für augen stehen
›unmittelbar bevorstehen‹.
Syntagmen:
auge
in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle als Bestandteil präpositionaler Ausdrücke.

Belegblock:

Die Reihenfolge der Belege entspricht der Reihenfolge der Nennungen; wo Belege fehlen, sei auf die unten angegebenen Wörterbücher verwiesen.

Zu a):

Chron. Augsb.
2, 196, 18
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
die darbei in angesicht ir augen sturben.
Maaler
38v
(
Zürich
1561
):
Eim ab den Augen vnd hin waͤg gon.
Ebd. :
Sich flugs ab den Augen machen. E cõspectu euolare.
Luther. Hl. Schrifft. Ri.
6, 21
(
Wittenb.
1545
):
der Engel des HERRN verschwand aus seinen augen.
Große, Schwabensp.
199a, 25
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Cuͦmt iz [wilt] vz sinen ougen, daz her sin nicht me gesicht.
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
130, 27
(Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
ich dir komm aus den augen, | sollt meiner vergeßen sein.
Luther. Hl. Schrifft. Spr.
3, 21
:
Las sie [Weisheit] nicht von deinen augen weichen / So wirstu glückselig vnd klug werden.
Ebd. Tob.
11, 14
:
der Star gieng jm von den Augen / wie ein heutlin von einem ey.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
236, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
indem ain wolcken si umbgab, | das si vor augen in allen do verschwande.
v. Keller, Ayrer. Dramen
2217, 22
(
Nürnb.
1618
):
das der Fürst Englbrecht | Hab nun mehr gar vergessen schlecht | Mein wohlthat, die ich jhm gethan, | Auch leib vnd leben gwaget dran, | Allerdings auß den augen gsetzt | Vnd ein andere gnommen zu letzt.
Maaler
38v
:
Der waͤlt nit an die Augẽ doͤrffen gon / sich nitt lassen saͤhen.
Rechn. Kronstadt
2, 554, 9
(
siebenb.
,
1538
):
iudex Foͤldwariensis praesens fuit, ist unter augen gewest.
Welti, Stadtr. Bern
151, 24
(
halem.
,
1385
):
die gezuͥgen sien denne vnder oͮgen.
Maaler
38v
:
Selbs an einem ort vnnd vor Augen sein.
Henisch
30
(
Augsb.
1616
):
Afftergesicht / in dem man das jenige so man allein im sinn gedencket / vor den augen sehen vermeint.
Opel, Spittendorf
205, 20
(
osächs.
,
um 1480
):
wurde in aber etwas darumb under augen stehen, das sie sich auch vertedigten.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
7, 8
(
hess.
,
14. Jh.
):
Den dag des ortdeilis sal man vochten, [...] den dot allerdegelichen vor den augen dragen.
Gille u. a., M. Beheim
21, 35
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
verderb mein pegird mit der sussung dein, | dy du dann hast verporgen sunderper | den, die dich furchten und dich hand vor augen.
Koller, Ref. Siegmunds
201, 41
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
es ist zeit, das got vor augen werd gehabt.
Luther. Hl. Schrifft. Ps.
16, 8
:
Jch hab den HERRN allezeit fur augen / Denn er ist mir zur Rechten.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
18, 100
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ist das sich mein gemut furcht erczaigen fur das angesicht seins gots, so ist auch pilleich, das es vor seinen awgen hab die pein seiner missetat.
Maaler
38r
:
Alle zeyt vor Augen haben / vnd on vnderlaß ansaͤhẽ / fleyssig auff ein ding achten.
Ebd.
16v
:
Waͤsenlich Anbilden / vnnd für die augen stellen / Gegenwirtigklich erzeigẽ.

Zu b):

Lexer, Tucher. Baumeisterb.
81, 4
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
an der langen want, die unter augen steet.
Chron. Augsb.
4, 319, 31
(
schwäb.
,
v. 1536
):
ainer den andern anzuͦgan [...] wie in ainem offnen feldstreit, hinden oder vornen, under augen oder beseitz.
Ebd.
9, 132, 29
(
1544
/
5
):
ist vonstundan dem feind under augen zogen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
12, 27
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Dy Sarratzen fluhen durch rettumb zu irem her; den pegegent ir helfer auch under augen zu gegenflüchtig.
Chron. Augsb.
4, 276, 38
(
v. 1536
):
dem kaiser under augen stond der churfürst von Sachsen.
Luther. Hl. Schrifft. Röm. Vorr.
2265, 27
:
Darumb sehen sie Mosi nicht recht vnter augen / das Tuch ist jnen da fur gelegt vnd zugedecket.
Chron. Augsb.
4, 173, 9
(
v. 1536
):
der freiherr ward under augen ertzhertzogs Ferdinands erstochen.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
41, 45
(
tir.
,
1466
):
da sÿ Kchristum werden sehen von augen czue augen.
Maaler
38v
:
Eim für die Augen kommen.
Chron. Nürnb.
4, 315, 11
(
nobd.
,
15. Jh.
):
die maur am rathaus neben der losungstuben, vorn unter augen gegen sant Sebolt.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
243, 18
:
Dj [fuesvolk] luffen von stund zu gesicht seiner augen [...] aus dem veld haim.

Zu c):

Mathesius, Passionale
50v, 24
(
Leipzig
1587
):
haben jhr viel jhr Angesicht fuͤr jhm verborgen vnnd zugedeckt / das ist / Sie wolten jhm nicht das Angesichte / oder die Augen vergoͤnnen.
Chron. Augsb.
2, 202, 23
(Hs.
16. Jh.
):
daß er [...] ainem erbern rat also zuredet under augen.

Zu d):

Chron. Augsb.
8, 462, 15
(zu
1564
):
Als wolgenantem Wilhalmen von Grumbach durch den kaiserlichen kamerpoten [...] die achterklärung selbs under augen ist verkindt worden.
Roder, Stadtr. Villingen
65, 8
(
önalem.
,
1447
):
die soͤllen und moͤgen dem schuldner fuͤrgebietten [...] das erste under augen, das ander und das dritt ze huse.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
13, 1
(
mslow. inseldt.
,
1497
):
er woll śolches dem APtn vnter augen śagen.
Roder, Stadtr. Villingen
175, 16
(
1592
):
ob selbiges under augen, zu haus, in der statt oder uff dem veld beschehen sei.

Zu e):

Schöpper
31 b
(
Dortm.
1550
):
Notum. Kundt offenbar offentlich offenbärlich scheinbar scheinbarlich lautbrecht clerlich greifflich augenscheinlich vor augen am tag kuͤndig kuͤndtlich wissentlich schein vnlaugbarlich vnhäling vnuerborgen ansehenlich augensichtlich.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
320, 22
(
thür.
,
1474
):
dywyle doch warhafftige tad unde phant vor augen ist.
Henisch
148
;
Dietz, Wb. Luther
153
;
Rwb
1, 973
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 270;
Schwäb. Wb.
1, 438
;
Schweiz. Id.
1, 137
.