anlaufen,
V., unr. abl.
1.
›wo eintreffen, (an einer bestimmten Stelle) ankommen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Boon, St. Prätorius
76, 7
(
Ülzen
1579
):
Der Reuber rotte aber leufft hernacher an / vnd wird an den liechten Galgen gehengt.
Rwb
1, 675
.
2.
›jm. zu Ohren kommen, zugetragen werden‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3.

Belegblock:

Baumann, Bauernkr. Oberschw.
71, 16
(
schwäb.
,
v. 1542
):
uns lauft an, wie ir unser feint in ewer statt [...] enthalten.
3.
›auf verbotenem Gelände laufen, weiden (von Vieh)‹.

Belegblock:

Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 31, 25
(
schwäb.
,
1525
):
wann das ist das ain vich anlauft das ist verfallen ein pfening.
4.
›jn. drängend angehen; jn./eine Institution in dringlicher Angelegenheit aufsuchen, jn. ersuchen, mit Nachdruck bitten‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  2, (V.) 1, ; vgl.  2,  8.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 2. Macc.
4, 36
(
Wittenb.
1545
):
DA nu der König [...] wider heim reisete / lieffen jn die Jüden in allen Stedten an.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
116, 44
(
nobd.
,
1503
):
das dy burgermeister keynen schultheissen an sollen laufen, das ein gemein antreffen thut, was man von einer gemein bues ruegt.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
482, 10
(
nobd.
,
n. 1525
):
haben wir angelawfen den burgermaister zu Wyndshain und in erpetten, das [...].
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
494, 38
(
m/soobd.
,
16.
/
17. Jh.
):
das muetwillige und fräfliche clagen, anlaufen und behölligen der obrigkait.
Dinklage, a. a. O.
118, 6
;
Baumann, a. a. O.
275, 13
;
Chron. Nürnb.
4, 484, 2
;
Ulner G
5v
;
Rwb
1, 675
.
5.
›jn. anfallen, überfallen, tätlich angreifen, mit Waffen angreifen, jn./etw. militärisch angreifen‹ (fachsprachlich z. T. ohne Obj.); von Tieren / über Tiere gesagt: ›jn./etw. anfallen‹; vereinzelt im religiösen Sinne: ›jn. in Versuchung führen‹; phrasematisch:
den sturm anlaufen
›den Angriff beginnen‹.
Bedeutungsverwandte:
 8,  9,  16,  9, .
Syntagmen:
j. jn. a. / jn. feindlich / frevenlich / hochmütiglich / ungestüm / mit waffen, mit blossem messer / mit einer hacke / mit gewalt a., die schanze / stat / kirche a.
;
ein tier / vieh a.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
234a, 21
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Louͦfet ein man oder me einen man an vnde her wirt einer wuͦnden wuͦndet.
Chron. Magdeb.
2, 64, 22
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
das sie sich auch die schantz [...] anzulauffen hetten dorffen understehen.
v. Groote, Wierstraat. Bel. Neuß
320
(
Köln
1497
):
dorch dye tolportz in dat velt | lieffen die Nuysser an.
Kurz, Waldis. Esopus
1, 55, 26
(
Frankf.
1557
):
Damit behertzet machst den hauffen, | Das sie dest muͤtiger anlauffen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
38, 17
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
so louft der eyne [hund] den lewin an bi den hessin.
Luther. Hl. Schrifft. 1. Macc.
5, 51
(
Wittenb.
1545
):
DA lies Judas ausruffen im gantzen Heer / das das Kriegsuolck eine Ordnung machen solt / vnd den Sturm anlauffen.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
12, 29
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Gedenck auch der mensch, mit welchen anfechtung oder von wem oder in wie der mensch mer angeloffen und angefochten werde.
Welti, Stadtr. Bern
401, 19
(
halem.
,
1353
):
der einen burger oder einen ingesessnen freuenlich anloͮffet.
Morrall, Mandev. Reiseb.
37, 22
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
schlangen, die louffent clain lút an.
Mollwo, Rotes Buch Ulm
32, 5
(
schwäb.
,
1376
):
wa ain usman ainen burger hie in der stat anluͤf und den schadgen woͤlt.
Chron. Augsb.
2, 184, 31
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
sie hetten ainem burger [...] seinen sun angelauffen und durch ain arm gestochen.
Roder, Hugs Vill. Chron.
183, 20
(
önalem.
,
1529
):
an demselben ort das gemur och zersprengt, den sturm fon stund angeloffen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
125, 14
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wen die hund fraidicleichen anlaufent, vellt er auf die erd.
Niewöhner, Teichner
393, 17
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
so nympt auch der veint sein waffen | ritterleich und lauft in an.
Mell u. a., Steir. Taid.
138, 19
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
Wo einer ein gueten hund hat und derselbige einen menschen der füriber get anlief.
Große, a. a. O.
87a, 2
;
Chron. Magdeb.
2, 42, 27
;
Köbler, Ref. Wormbs
337, 23
;
Chron. Augsb.
1, 68, 2
;
4, 110, 5
;
8, 200, 18
;
Rennefahrt, Statut. Saanen
116, 16
;
Welti, Stadtr. Bern
49, 15
;
51, 14
;
140, 2
;
661, 36
;
Auer, Stadtr. München
399
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
49, 6
;
150, 18
;
Roth, E. v. Wildenberg
110, 16
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
490, 7
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
15, 6
;
Voc. Teut.-Lat. b iiijr;
Maaler
23r
;
Schwäb. Wb.
1, 231
;
Schweiz. Id.
3, 1132
;
Rwb
1, 675
.
6.
›sich an etw. heranwagen, etw. angehen‹.

Belegblock:

Thiele, Minner. II,
27, 538
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
mich wondert daz enich man | die mynne loeft so vrilich an, | de daz herde cleyne weys | wie menich zwaer und groeß verdries | men om die mynne dogen moet.
Heidegger. Mythoscopia
64, 13
(
Zürich
1698
):
Er ist in seinen Schuler⸗Jahren an den Herculem angelauffen.
7.
›auflaufen, sich festrennen, sich den Kopf einrennen‹, jeweils im ütr. Sinne; phrasematisch:
stein des anlaufens
›Stolperstein, Strauchelblock‹;
übel anlaufen
›schlecht ankommen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.

Belegblock:

Buch Weinsb.
4, 145, 41
(
rib.
,
1592
):
Nuhe kan es nit schatte(n), das die amter zu zeiten anlaufen, so wissen sich andern darvor zu hutten, sich nit so moitwillich uber ir amtzgnossen anzustellen.
Luther, WA
30, 2, 27, 2
(
1529
):
so were ich abermal fein angelauffen.
Ebd.
30, 3, 223, 6
(
1530
):
Du solt nicht allzu gerecht sein, das du nicht anlauffest.
Ebd.
32, 40, 6
(
1530
):
Am Karfreitag hat ers angehoben und ist ynn unser person getretten und hat dem Teufel ein solch bild fur die nasen gehalten, dran er solte anlauffen.
Ebd.
33, 156, 26
(
1531
):
die mit diesen wortten der docken spielen wollen undt des Artickels fheilen, die lauffen ubel an.
Ders., Hl. Schrifft. Röm.
9, 33
(
Wittenb.
1545
):
Wie geschrieben stehet / Sihe Da / Jch Lege In Zion einen Stein des anlauffens.
Dietz, Wb. Luther
90
;
Schwäb. Wb.
1, 231
;
Schweiz. Id.
3, 1131
.
8.
›steigen, anschwellen‹ (vom Wasser der Flüsse gesagt) im Unterschied zu
ausgehen, auslaufen
›über die Ufer treten‹; auch: ›steigen‹ (vom Meer infolge der Gezeiten gesagt).
Bedeutungsverwandte:
vgl.  10; ,  7.

Belegblock:

Chron. Augsb.
7, 71, 19
(
schwäb.
, zu
1548
):
daß der Lech oft mit großem gewesser anlauft und ungestüm die getter oder rechen zerreissen und das holtz hinweck furen wurde.
Leidinger, V. Arnpeck
482, 36
(
moobd.
,
v. 1495
):
wann an ainer seiten heten si das wasser, das was di selb zeit gross angeloffen.
Turmair
4, 493, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Es kam auch ein groß gewässer voraus in teutschem land: liefen die offen sê an, giengen aus, muest das volk weichen.
Turmair
1, 560, 29
(
Augsb.
1517
):
de aestuariis ‚an- und ablauffen des mers‘.
Ebd.
268, 14
;
4, 58, 11
;
437, 13
;
Maaler
23r
.
9.
›zu einer bestimmten Höhe auflaufen (z. B. von einer Schuld oder von Zinsen); sich auf etw. belaufen‹.

Belegblock:

Schwäb. Wb.
1, 231
;
Rwb
1, 675
.
10.
›anlaufen, beschlagen (von Geschirr)‹.

Belegblock:

Maaler
23r
(
Zürich
1561
):
Anlauffen / dunckel werden / überscheüssen. Prestringi. Als so bernt silber den glantz verleürt.
Schwäb. Wb.
1, 231
.