absondern,
V.;
bis ins 16. Jh. mit gleicher Häufigkeit
absundern
, daneben häufig in den Schreibungen
absöndern
und
absündern
.
1.
›etw./jn. von etw./jm. lösen, abtrennen, sondern, isolieren‹; mit sehr unterschiedlichen Objekten; offen zu 2.
Syntagmen:
das
haus / buch / vieh / wesen a., die wonung a., jn. a.; jn. von der liebe gottes, von dem seinen a.

Belegblock:

Rudolph, Qu. Trier
185, 39
(
mosfrk.
,
1593
/
4
):
soll ein ehrs. rath sonderliche, abgesonderte häußer und wohnungen fertig machen laßen
(zur Isolierung bei ansteckenden Krankheiten).
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
36, 16
(
schles.
,
1377
):
mit allin reyen [!] vnd greniczen, alz von andirn gutirn abegezindirt ist vnde gemessin.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
7, 1, 8
(
Straßb.
1466
):
daz ich euch das [bůch] solt ziehen zů lateinischer getichte: vnd das selb bůch· absundern vnd abhauen die hebreischen· von den búchern die sy heissen die goͤtlich schriffte.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
2, 240
(
Nürnb.
1517
):
Was wirdet uns demnach absündern von der lieb Christi?
Turmair
4, 946, 29
(
moobd.
,
1522
/
33
):
daß si ir widerpartei nit richteten, wo nur dieselbig fridlich wär, auch ander nit ir mainung auß der christenhait verurtailt, sich absündert und also die ainigkait der gemain christenhait zertrennet.
Winter, Nöst. Weist.
1, 423, 28
(
moobd.
,
1725
):
were aber under ihnen ainer der sein vüch absöndern oder für sich selbst halten wolte.
Ebd.
4, 407, 41
(
1600
):
welcher auß den unterthanen zwischen bestimbten drei zeiten zum haken und führen sich außschraufen und ein tag absündern wurde
(›sich fernhalten, wegbleiben von anderen‹).
Kehrein, Kath. Gesangb. I,
16, 3
; II,
703, 15
;
Turmair
4, 77, 13
;
Serranus
3 v
;
Maaler
2 v
;
7 r
;
Ulner 3;
Byland, Wortsch. Zürcher AT.
1903, 27
.
2.
›jn./etw. aus einer Gesamtheit herausheben, auszeichnen‹; Spezialisierung zu 1.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb. III,
130, 4
(
Köln
1582
):
Wisset, daß mich der hoͤchster Got | Zům heilgen abgesuͤndert hat, | Vnd vorab auserkoren.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 1, 2
(
Frankf.
1557
):
DA man schrieb Tausent vnd Fuͤnffhundert, | Dasselbig Jar ward abgesundert | Von der andern zeit gantz vnd gar.
Ebd.
3, 94, 66
.
3.
›jn. vermögensrechtlich abfinden‹; rechtssprachliche Spezialisierung zu 1.
Omd.
Bedeutungsverwandte:
 1, ; vgl. .

Belegblock:

Kisch, Leipz. Schöffenspr.
429, 7
(
osächs.
,
1523
/
4
):
dieselb tochter ist vor zeiten abgesondert nach ires vaters tode.
Ebd.
674, 6
:
Nun hat mich mein vater nie abgeerbet noch abgesondert von meinem muterlichen teilen.
Hertel, Hall. Schöffenb.
1, 214, 27
;
Rwb
1, 279
-280.
4.
›etw. ausscheiden, aussondern‹.

Belegblock:

Barack, Zim. Chron.
3, 617, 2
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Also brach ein loch in den peritoneon, darauss sich der harn und alle humores absönderten.