andacht,
meist
die
;
/ auch
;
vereinzelt
der
;
zur Genusverteilung s. Besch, Sprachlandschaften.
1967, 240
-243. Das Bedeutungsspektrum ist schwer gliederbar; Leitlinie der Gliederung: 1 und 2 religiöse Haltung bzw. Handlung; 3 und 4: gerichtete psychische Kraft; 5 und 6: Rationales.
1.
›Andachtshaltung, Frömmigkeit, religiöse Einkehr, Ergriffenheit, Inbrunst, Hingabe, Devotion, tiefer religiöser Ernst‹.
Religiöse Texte, gehäuft der Mystik und Scholastik.
Bedeutungsverwandte:
,  1, ,  1,  1.
Syntagmen:
die a. zerstören / zu got aufheben; a. kommen jn. an; mit a. beten / bitten / dienen, etw. mit a. ansehen / schauen / (be)geren / bekennen / einnemen / rufen / sprechen / tun / volbringen, jn. mit a. anbeten / liebhaben / loben, sich mit a. zu dem kreuz / zu der messe keren, etw. one a. empfangen, jn. zu a. bewegen / erwecken / reizen / sich aus a. streichen
(zur Kasteiung);
grosse
(mehrmals) /
gnadenreiche / heisse / inbrünstige / innige / kindliche / minneliche / rechte / falsche / wesenliche a.; feuer / geist / übung / wesen / zeit der a.; a. des glauben / herzen; a. zu got.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
272, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz sie niht enhaben innicheit noch andâht noch süezicheit noch sunderlîchen trôst von gote.
Froning, Alsf. Passionssp.
52
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Mit andacht sollet er diß schawen | Und in alle uwern tagen | Jhesu sin crucze helfen tragen.
Hübner, Buch Daniel
2842
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
so sie werden sat, | Nicht andacht in en entstat, | Sundir haz, zorn, trunkenheit, | Uber mut mit unkuscheit | Uben sie.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
11va, 28
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
so schol er daz hertz vf heben vnd di andaht vf zihen zv got.
Asmussen, Buch d. 7. Grade
73
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Peten, lesen, trahten, | unser leben und gotes ahten, | tugent an uns zihen | und untugent flihen | und swaz uns ze andaht geraißen kan, | daz ist allez gut getan.
Gille u. a., M. Beheim
124b, 995
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
es machet, daz wir den hern Crist | gar lieb werden gewinnen, | Und daz selbig gedenken macht | ach in uns die rehten andaht. | daz ist, es macht uns innen | Ainn wal peraiten unde | geschikten wiln, czu würken die | werk, die got lob und er sind hie.
Vetter, Pred. Taulers
84, 15
(
els.
,
14. Jh.
):
wesenliche andaht das ist ein gemuͤtlich anhangen Gottes mit einem bereiten gemuͤte, minnen und meinen alles daz Gotte zůgehoͤret, und das man sich innerlich Gotte verbunden habe und welle und meinen in allen dingen.
Illing, Albert. Sup. miss.
760
(
els.
,
n. 1380
):
daz wir enzúndent werdent mit minnen vnd zů dirre spise gont mit rehter andaht vnserz gemuͤte.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
2, 1719
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Als der mensche vnuerbildet ist, so ist er sin selbes gewaltig vnd [...] keret sich frilich sunder hindernisse zů gotte mit inniger andaht, mit hoher begirden, mit danke vnd mit lobe vnd mit einvaltiger meinungen.
Ruh, Bonaventura
338, 9
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
Ze komen zů erleuchtung vnd glantz der warhait [...], sind die nachgeschriben: [...] vbergang in andachtt, inwiklung in glichung, vmfachung des kreutzes.
Schmidt, Rud. v. Biberach
36, 17
(
whalem.
,
1345
/
60
):
ist es zimlich, das vnser geist hin wider diemvͤteklich vnd suͤsseklich mit grosser danknemenkeit vnd andacht mit gotte rede.
Ebd.
42, 16
:
in dem menschen enprv́nnet nút daz fur der andacht, want das fúr der vppikeit vnd vngeordenoter begirde
[in dieser Quelle ist die
andacht
Qualität der Erkenntnis: nur wenn sich
cognitio
und
devotio
‚Andacht‘ verbinden, besitzt der Mensch die angemessene Disposition zur Erfassung des Göttlichen].
Rieder, St. Georg. Pred.
20, 15
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
dú drit jungfrowe haisset Andaht. dú schenket die suͤssen minn traͤhen.
Warnock, Pred. Paulis
9, 278
(
önalem.
,
1490
/
4
):
es ist wol ain fúchsine conscientz: summige werch, ain seltzne und kurtze rúw, ain gedichte, ungnůgsame oder glichsende bicht, das gebett on ufmerkung, die gehorsame ón andacht, das lesen on alles verston.
Wolf, Norm im sp. Ma.
42, 40
(
oobd.
,
1486
):
Also das der selen feindt, dy muessikeit, werd ausgeschlossen vnd das sy nit ausleschen den geist des heiligen gepeczs vnd der andacht.
Steer, Schol. Gnadenl.
6, 12
(
moobd.
,
15. Jh.
):
Dy höchst gab got des heyligen geyst wird ein gossen vnd geben yn warer rewung der su֔nd, ynn yeglicher emphaunge der heyligen sacrament, auch in aller v֔bung jnniger andacht vnd aussern tugentleichen wurchungen.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
3201
;
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
50, 18
;
Hübner, a. a. O.
1949
;
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
15388
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 79, 3
;
Asmussen, a. a. O.
188
;
364
;
784
;
Gille u. a., a. a. O.
86, 19
;
127, 123
;
Vetter, a. a. O.
418, 11
;
Bihlmeyer, Seuse
103, 15
;
109, 29
;
131, 6
;
Eichler, a. a. O.
2, 1258
;
Ruh, a. a. O.
355, 30
;
Illing, a. a. O.
1895
;
2126
;
2304
;
3133
;
Strauch, Schürebrand
27, 1
;
15
;
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 885;
Schmidt, a. a. O.
4, 1
;
21, 24
;
Adrian, Saelden Hort
8232
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2540
;
3098
;
Steer, a. a. O.
1, 251
;
Bachmann, Haimonsk.
204, 16
;
Lauater. Gespaͤnste
23v, 25
;
Brandstetter, Wigoleis
209, 25
;
Roder, Hugs Vill. Chron.
72, 25
;
26
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
10, 13
;
39, 109
;
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
149rb, 42
;
Sexauer, Schrr. in Kart.
217, 17
;
Gereke, Seifrits Alex.
4262
;
Kummer, Erlauer Sp. III,
950
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
36b, 18
;
Alberus yy iv;
Maaler
17r
;
Henisch
72
;
Dietz, Wb. Luther
71
;
Kuchanny, Syn. Huttens Vad.
1915, 20
.
2.
›Andachtsübung, asketische Handlung als Folge und Voraussetzung von Frömmigkeit; Gottesdienst, andächtiges Gebet‹; mit letzter Nuance auch von vor- und nichtchristlicher Religionsausübung gesagt; Metonymie zu 1.
Vorw. religiöse Texte.
Bedeutungsverwandte:
,  1; , ; ,  4, ;
1
 1 (mehrmals),  2.
Syntagmen:
die a. (er)hören; a. sein gros; aus der a. kommen, got mit a. vom himmel bringen, an der a. sein; heilige / lautere / stetigliche a.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
415, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
er sach ouch daz minste gebet und guote werk, daz ieman solte tuon, und sach ane, welhez gebet und andâht er erhœren wolte.
Hübner, Buch Daniel
395
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Daz geveze vallen clar | Ist andacht, vasten, beten | Kuscheit, zur kirchen treten, | Uben barmherzikeit.
Luther, WA
30, 2, 299, 17
(
1530
):
alles von unsern wercken, verdienst und andacht.
Vetter, Pred. Taulers
18, 33
(
els.
,
14. Jh.
):
wanne sú buwent uf ir eigen ufsetze, es si in penitencien oder abstinencien oder si gebet oder andaht.
Bihlmeyer, Seuse
115, 14
(
alem.
,
14. Jh.
):
do waz ein heiligú person [...] an ir andaht und ward verzuket in dem geiste.
Rieder, St. Georg. Pred.
237, 15
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
da brahtent die juden ir opher und begiengent die ewarten ir andaht da.
Turmair
5, 17, 7
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Alda verprachten unsere vorfodern als in dem höchsten stift ir pet, gotsdienst und andacht.
Asmussen, Buch d.
7
Grade 546;
1204
;
2212
;
Vetter, a. a. O.
126, 13
;
Ruh, Bonaventura
347, 2
;
Sappler, H. Kaufringer
3, 142
;
28, 143
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
4, 98
.
3.
›Vorhaben, Plan, Absicht, Anliegen, Wunsch, Streben; Beharrlichkeit, Eifer in Richtung auf ein Ziel‹; auch: ›Fähigkeit des Menschen, auf ein Ziel hin zu arbeiten‹; teilweise metonymisch: ›Inhalt des Vorhabens usw., das man verfolgt‹.
Bedeutungsverwandte:
 4, ; ; vgl.  1, .
Syntagmen:
die a. üben, js. a. ansehen / hören, jm. die a. zu verstehen geben; a. kommen jm., a. zu etw. wachsen; der a. genug beschehen; etw. aus eigener a. tun; mit a. nach etw. streben; eigene
(mehrmals) /
grosse / getreuliche a.; a. gottes.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
4263
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Swer nach deme leite sterne stet | Mit getruwelicher andacht, | Dem wirt daz ewige liecht bracht.
Ebd.
17681
:
Do die [irbarmikeit] zu den zwein [minne und recht] geleit | In Gotes andechten wart, | Do wart begunnen der vart.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
3, 79, 27
(
hess.
,
1548
):
das man [...] seh, wi si sich da halten mit dem interim, und was ir andacht sei in dem.
Opel, Spittendorf
216, 13
(
osächs.
,
um 1480
):
So begerten die bornmeister von des raths wegen, das wir pfenner in unser andacht und rath auch zu vorstehen wolten geben.
Luther, WA
30, 3, 524, 25
(
1532
):
Sie habens freilich nicht als die Schleicher unberuffen noch aus eigener andacht und thurst gethan.
Palm, Veter Buoch
13, 4
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Vnser herre sach ir andacht an vnd half in, das sie das korn heten abe gesniten vor dem tage.
Asmussen, Buch d.
7
Grade 1211 (
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
In dirre heiligen stete | dreie andoht zesamenflißen, | die in die sel sich gißen: | Ein minne, / ein pegirde, ain wunder.
Jaspers, St. v. Landskron
33v, 19
(
Augsb.
1484
):
So aber einer sein andacht od’ notturfft uͤbet etwas zů thůn. so hab er ein neu gůtten fürsacz.
˹Hierher in obszöner Verwendung: Wiessner, Wittenw. Ring.
5207
(
ohalem.
,
1400
/
8
):
‚Das sag uns auf die treuwe dein: | So gib ich dir die tochter mein!‘ | Triefnass andacht die was gross | Gen seines lieben Mätzleins schoss
˺.
Opel, a. a. O.
194, 5
;
Luther, WA
30, 2, 371, 7
;
Langen, Myst. Leben
180, 6
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 385, 29
;
Ruh, Bonaventura
350, 16
;
Eschenloher. Medicus
8, 14
;
Henisch
72
;
Dietz, Wb. Luther
71
;
Rwb
1, 607
.
4.
›Wohlwollen, Zuneigung, Gunst, Aufmerksamkeit, Verehrung, Achtung, die man jm./etw. entgegenbringt‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 4,  2, .
Syntagmen:
a. zu einem heiligen / zu einem orden / zu einer kapelle haben, js. a. suchen; a. sein jm. angenem; jn. in js. a. befelen; besondere a.

Belegblock:

Ruh, Bonaventura
356, 9
(
orhein.
,
um 1480
):
uff daz ir din andacht vnd reuerentz angenem [...] sy.
Nyberg, Birgittenkl.
1, 298, 3
(
oobd.
,
1554
):
Domit ich e(wr) e(rwird) zu aller zeit der gottlichen bewarung bevill, auch vnnsß alle in eur gunst vnnd andachtt.
Ebd.
2, 271, 11
(
schwäb.
,
um 1543
):
waz vns gantz genaigt, vnd het besundere lieb vnd andacht zů dem heiligen orden.
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
151va, 27
(
moobd.
,
n. 1434
):
heiligen, zu den er jn seinem leben sundrew andacht gehabt hat vnd den er sunderleichen gedient hat.
Nyberg, a. a. O.
1, 358, 13
;
2, 151, 3
.
5.
›Gedanke, Idee, Vorstellung, Meinung‹.
Bedeutungsverwandte:
,  2,
2
 3.

Belegblock:

Luther, WA
33, 275, 16
(
1531
):
Ist es allein ein blosser gedancke, eine sonderliche andacht undt guthe meinung ohne gottes wortt, so speie es an.
6.
›Hinsicht, Aspekt, unter der/dem man etw. tut‹ (in beiden Belegen: unter der/dem man religiös handelt).

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
262, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Von unsers herren lîchamen, wie man den nemen sol ofte und in welher wîse und andâht.
Quint, Eckharts Pred.
1, 81, 12
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Man findet lútt den schmacket got wol in ainer wyse und nit in der andern und wellent got ẃber ain hon in ainer andaucht und in der ander nit.