1
gunst,
die/der
;
günste
(für
die
),
-es
(für
der
)/–.
1.
›Erlaubnis, Gewährung, Zustimmung, Billigung; Wille‹; mehrfach tropisch: ›vertraglich zugestandenes Recht (oft ein Wiederkaufsrecht)‹; ›Schriftstück, das die Erlaubnis bzw. das zugestandene Recht dokumentiert‹.
Gehäuft Rechtstexte, auch Chroniken und didaktische Texte.
Phraseme:
mit gunst und willen, mit gunst und urlaub, mit rat und gunst
.
Bedeutungsverwandte:
 1,  12, , , , (
der
),  37,
2
(
der/die/das
1, , , , , .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
die g. behalten / erwerben, jm. die g. tun, seine g. zu etw. geben; mit js. g. geschehen, etw. ane g. aufrichten / bauen, etw. mit g. behalten / haben / machen / zulassen, sich e. S. mit g. unterwinden, etw. von g. haben, etw.
(z. B.
den frieden
)
wieder js. g. erobern; g. des adels / herren / wirtes, der bürger; die besondere / kundliche g
.
Wortbildungen:
gunstbrief
.

Belegblock:

Luther, WA
30, 2, 138, 17
(
1529
):
sol niemand sich selbs aus dem gehorsam und eyde wenden, Es werde denn durch andere entweder mit gewalt odder mit gunst und urlaub eraus bracht.
Große, Schwabensp.
234a
. 4 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Swes sich der man mit guͤnste vnderwindet, des iz ist, der ne tuͦt weder nieman dar an.
Leman, Kulm. Recht
2, 2, 52
(
Thorn
1584
):
Vorrichtet sich eyn geechtet man myt deme sachewalden vmme totslag [...] mit gunste des richteres, do en darf der echter nicht me vmme tvn deme richtere.
Köbler, Ref. Wormbs
294, 7
(
Worms
1499
):
das niemant gewoͤlbe [...] machen soll [...] one vnsern besondern gunst vnd erlaubung.
Küther, UB Frauensee
308, 6
(
1508
):
ich obgenanter probst habe [...] den egenanten keuffern [...] dieße gunst und willen gethan und macht geben solichen hoffe [zu verkeuffen].
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
270, 12
(
thür.
,
1474
):
Sy kunnen nach enmogen abir dy vorwillunge met den gunstbriffen, [...], gnuglichenn nicht bewisen.
Ebd.
272, 22
(
thür.
,
1474
):
darby uch danne soliche gunst geschen sy, daz ir sollichin zcinß wedderkouffin moget.
Ermisch, Freib. Stadtr.
62, 22
(
osächs.
,
v. 1325
):
Hat ein man einen unrechten bu in gewalt und in gewere [...], iz si von gunst oder von gewalt, den hat he nicht mit rechte.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
140, 4
(
osächs.
,
1523
/
4
):
sie bet iren man, das solchs mit seiner gunst geschehe.
Ebd.
820, 8
:
so enmocht derselbige euer vetter on gunst, willen und volwort des hochgebornen fursten, [...] fröne, bete, steur etc. [nicht verseczen].
Chron. Strassb.
28, 30
(
els.
,
1362
):
[Maximianus] waz der erste der von sines libes manheit zuͦ keiser wart on des senatus gunst.
Boos, UB Aarau
54, 15
(
halem.
,
1339
):
[Allen] vergich ich Metzi Surina, das ich mit gunst, willen und henden heini Suren, der min wissenthaffter vogt ist, han gegeben ze koffenne zwei viertal kernen geltes.
Jörg, Salat. Reformationschr.
81, 20
(
halem.
,
1534
/
5
):
das gedacht jrrungen [...] niemand [...] zuͦ fürdern oder gunst geben fürnemen soͤlt.
Wyss, Luz. Ostersp.
3408
(
Luzern
1571
):
Der vns dann söllchs nitt nach wellt lan, | So wäre er mitt siner kunst | Wider vns all vnd hett kein gunst.
Sappler, H. Kaufringer
6, 204
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er truog si auf das pete hin | wider ir gunst und iren sin.
Klein, Oswald
112, 255
(
oobd.
,
1438
):
pschicht es darüber ane frag | und an gewalt des keisers gunst, | pëen vellig ist dieselbig kunst.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 387, 26
(
moobd.
,
1456
):
hern Wilhalms von Puchhaim brief und gunst von des hauss wegen, das zu sand Andres cappellen gehört hat.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
36, 5
(
smoobd.
,
1625
):
daß ain burger daselbst herauß mag lassen zwo küe auch mit gonst aines oder zwai schweindl.
Große, Schwabensp.
49a, 23
;
Leman, Kulm. Recht
2, 4, 94
;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
662, 11
;
Küther, a. a. O.
128, 12
;
198, 36
;
316, 21
;
327, 13
;
386, 9
;
Grosch u. a., a. a. O.
270, 9
;
274, 40
;
305, 19
;
Ermisch, a. a. O.
207, 3
;
243, 1
;
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
64, 33
;
König-Beyer, Reichenb. Stadtb.
55, 31
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
48, 11
;
Boos, a. a. O.
256, 6
;
Leisi, Thurg. UB
8, 107, 13
;
128, 24
;
159, 28
;
401, 26
;
Rennefahrt, Statut. Saanen
25, 12
;
43, 1
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
4399
;
Köbler, Stattr. Fryburg
46, 26
;
V. Anshelm. Berner Chron.
1, 63, 2
;
4, 120, 28
;
Jörg, a. a. O.
69, 5
 f.;
294, 16
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
54, 5
;
Roder, Hugs Vill. Chron.
61, 29
;
Koller, Ref. Siegmunds
89, 31
;
Sappler, a. a. O.
8, 13
;
Chron. Augsb.
9, 151, 28
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
103, 14
;
Auer, Stadtr. München
210, 7
;
Hör, Urk. St. Veit
76, 28
;
94, 14
;
Dirr, Münchner Stadtr.
376, 15
;
588, 19
;
UB ob der Enns
9, 529, 22
;
Roth, E. v. Wildenberg
54, 1
;
111, 17
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
8,
Anm.;
263, 3
;
Siegel u. a., a. a. O.
50, 15
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
119, 19
;
Dietz, Wb. Luther
2, 183
;
Schweiz. Id.
2, 377
;
5, 455
;
Schwäb. Wb.
3, 926
.
Vgl. ferner s. v.  9.
2.
allgemein im Sinne eines positiven Empfindens und Wollens gegenüber einer anderen Person, seltener einer Sache: ›Wohlwollen, Geneigtheit, Zuneigung, Freundschaft zu e. P., gnädige Gesinnung‹; speziell im christlichen Sinne: ›Nächstenliebe, Nachsicht, Verständnis (als innere Haltung)‹; im Verhältnis zu einem Höhergestellten: ›Ergebenheit‹; metonymisch: ›tätige Unterstützung, passive oder aktive Hilfeleistung‹.
Phraseme:
nach huld und gunst
›nach Lust und Laune‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , , , ; vgl.  1.
Wortbildungen:
gunstlos
.

Belegblock:

Schöpper
10b
(
Dortm.
1550
):
Charitas. Liebe huͤld freundtschafft minne gunst zuneigung.
Große, Schwabensp.
133a, 11
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
vnde we man cristelichen louͦben behalten suͦle gotte tuͦ louͦe vnde tuͦ guͦnste.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
406, 4528
(
Magdeb.
1608
):
Ob sie [Schrifft] nur red von Lehr vnd Kunst / | oder von Rath / That / Feindschaft vnd gunst.
Ebd.
623, 3672
:
Wir sterben nicht vmbsunst | Mangelt dir gunst / so brauch dein kunst.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 45, 11
(Hs. ˹
md.
auf nd. Grundlage,
v. M. 14. Jh.
˺):
wan daz sin diener gunst im trage mutic, unverworden.
Ralegh. America
16, 37
(
Frankf.
1599
):
Dieweil aber Bernheo den Morequiro hat lassen vmbbringen / [...] / hat er die Huldt vnnd Gunst der Orenoqueponi [...] verloren.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
48, 4
(
nobd.
,
1465
):
so mugen im [voit] die menner umb gunst und lieb willen woll ein imbiß biten.
Gille u. a., M. Beheim
22, 99
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
des haben dy planeten luczel gunst.
Ebd.
63, 18
:
Mit dem wil ich | nach huld und gunst | auf diser wall | hie singen lustigclich.
Ebd.
75, 84
:
Auch wart in
[Adam und Eva]
geben ausser fridt | mit allen aussern dingen mit | irr aller lieb und gunfte.
Franck, Klagbr.
229, 17
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
Wer darff vnter den deinen allen / die dir mit gunst vnd hertz noch vbrig seind [...] wider dise schreiben.
Strauch, Schürebrand
21, 6
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
So úch anevallent etteliche ussere liden [...], daz man uwern siechtagen [...] mit urdrutze lide und mit urteile und verdrieße dar uf valle, verlust oder mangel des guͦtes und des gunstes uwerre liebsten frúnde.
Koller, Ref. Siegmunds (
um 1448
):
da sal man wyßen, wen man hulffe und gunst dut der samenunge der cristenheyt.
Jörg, Salat. Reformationschr.
721, 16
(
halem.
,
1534
/
5
):
da macht der fuͤrman / mit gunst ettlicher puren daselbs / so vil fas voll wasser.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1381
(
Basel
1519
):
Alle gouch spyß ist vmb sunst, | Wenn sy nit kochet ist mit gunst.
Maaler
198v
(
Zürich
1561
):
Dein liebe vnnd Gunst vnd guͦter will gaͤgen mir. [...] Eines yetlichen Gunst haben. [...] Einsi Gunst vnnd freündtschafft behalten. [...] Gunstlos / dem gunst manglet.
Sappler, H. Kaufringer
23, 26
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
der mit seiner witz und kunst | und mit seiner fründe gunst | das unrecht kan machen zuo recht.
Chron. Augsb.
9, 88, 14
(
schwäb.
,
1544
/
45
):
derhalben sie [Römer] zu dem vatter und son kainen hertzlichen gunst und guten willen tragen kunden.
Henisch
1782
(
Augsb.
1616
):
Ein quintlin gunst wigt mehr / denn ein Centner Rechts. [...] From͂er Leut gunst Erweckt boͤser Leut vngunst. [...] Gunst ist besser dann silber vnd gold. [...] Lieb macht gunst. Lieb vnd gunst der vnderthanen / ist dem Regenten besser vnd gewisser / denn ein sthalen maur.
Dirr, Münchner Stadtr.
529, 2
(
moobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
swer die puͤrger fur in pitt oder sein guͤnst darzuͤ geit, daz man in ledig lazze, der geit an die staͤt 5 lb.
Luther, WA
51, 645, 24
;
Opitz. Poeterey
32, 4
;
Logau. Abdank.
171, 28
;
Gajek, Köler. Maÿen-Lust
65, 14
;
Gille u. a., a. a. O.
82, 479
;
Vetter, Pred. Taulers
254, 7
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
93, 21
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
174, 13
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2, 374, 13
;
Schweiz. Id.
2, 377
;
Schwäb. Wb.
3, 926
;
Dietz, Wb. Luther
2, 148
;
183
.
Vgl. ferner s. v.  4,  11.
3.
›Gnade Gottes, helfende Liebe Gottes zu den Menschen‹; als Metonymie: ›einzelne Gnadengabe Gottes (z. B. eine bestimmte Fähigkeit)‹; säkularisiert: ›Schicksal, Glück‹.
Vorwiegend Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
, ,  1,  1, 3, , ; zur Metonymie: vgl.  369.
Gegensätze:
1
 3, , .

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
75, 72
(
1635
):
Ein Wundsch ist unser Band, das nicht wird aufgelöst, als durch der Günste Hand.
Mieder, Lehmann. Flor.
353, 3
(
Lübeck
1639
):
Will Gunst oder Gluͤck wol dem Mann / so gilts gleich was er kan.
Luther, WA
35, 448, 6
(
1524
):
Du susse lieb schenck uns deyne gunst, | las uns empfinden der liebe brunst.
Strauch, Par. anime int.
108, 35
(
thür.
,
14. Jh.
):
darumme hait Got fon der gunst, di he zu der sele hait – so hait he ur gegebin ein gotlich licht.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3383
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wiltu dines schepphers gunst behalde! | flug di werlt alle gemeine.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 420, 6
(
Leipzig
1537
):
Wie er vns dann vertroͤstet hat, | Auß grossem gunst vnd lauter gnad.
v. Groote, Muskatblut
96, 90
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Si kent ouch die poeten vnd die seben planeten | na meisterlicher gunst.
Gille u. a., M. Beheim
23, 60
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
des will ich ymer tichten und auch singen | die weil mir got czu leben geit die gunst.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
171, 25
(
Nürnb.
1548
):
Das muß doch je ein gnediger Gott sein / da kein gal / kein zorn / noch vngunst / Sonder lauter gnad / gunst / lieb vnnd freundligkeit innen ist.
Henisch
1782
(
Augsb.
1616
):
Wenn gnad vnd gunst nicht will / | Schafft kunst vnd witz nicht vil. [...] Wa gluͤck vnd gunst nicht will / da gilt iugent vnnd kunst nichts
(möglicherweise auch zu 4 stellbar).
Turmair
4, 730, 13
(
moobd.
,
1522
/
33
):
das ampt des waren pabstumbs, das ist opfern, fürpitten und versönung, abtilgung der sünd, erwerbung der gnad, gunst und huld vor got.
Göz. Leichabd.
179, 4
;
Stackmann u. a., Frauenlob
9, 16, 6
;
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 239, 1577
;
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
414
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
8, 42
;
Eschenloher. Medicus
28, 5
;
Roth, E. v. Wildenberg
103, 26
;
Wackernell, H. v. Montfort
30, 79
.
4.
›Huld, Wohlwollen, Gunst eines Höherstehenden oder Mächtigeren gegenüber einem sozial Niederen‹; als Metonymie (für die daraus resultierende Gunsterweisung): ›einzelner Gunstbeweis, Privileg, Sonderrecht (im Unterschied zu 5 neutral oder eher positiv konnotiert als Belohnung, z. B. für besondere Treue)‹; (in Bezug auf die Rechtssprechung): ›Ermessen, Billigkeit, gnädige Gesinnung des Herrn bei Rechtsfragen‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , ; vgl.  910.

Belegblock:

Anderson u. a., Flugschrr.
15, 7, 20
([
Worms
1521
]):
Allso ist [...] Hertzog Otto / [...] dem Bapst zuͦ gefallen / Künnig worden. Es hatt aber dess Bapst gunnst nitt lanng vber dem gehalltenn.
Schade, Sat. u. Pasqu.
83, 111
(o. O. und J.):
Freilich gunst und gnad, großes gelt, | Des babsts und fürstn huld im baß gfelt.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
24, 21
(
omd.
,
1487
):
so eins seÿnem ehlichen gemahell vmb geldes adder gunst willen mitt einem andern aus der ehe zcu sundigen vorwilligt.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
144r, 38
(
Leipzig
1588
):
weil E. G. viel geliebten Eltern / [...] / meinen lieben Eltern [...] viel gunst vnd förderung erzeiget haben.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 11, 11
(
schles.
,
1530
):
haben wir ime[...] aus sonderer gunst und freundschaft zu erbauung der fundgruben [...] frist gegeben.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 225, 28
(
Hagenau
1534
):
Weiber gemuet / herren gunst / Aprilen wetter und federspiel / verkeren sich offt.
Bartsch, Reinfrid
5812
(
halem.
, Hs.
14. Jh.
):
mîn ritter der sîn herze ie hielt | stæt in friuntlîcher kraft | [...] | vil friuntlîches vernunstes | und küneclîches gunstes.
Rennefahrt, Statut. Saanen
21, 9
(
halem.
,
1397
):
harumbe wir sie [...] begeren in sunder liebuͥ, genade und guͦter gunst ze haltenne und ir nutze und ere ze fuͥrderren.
Maaler
198v
(
Zürich
1561
):
Vnwirigen Gunst der bald ein end hat. [...] Gunst gwünnen vnd überkommen. [...] Durch etwas vnderston Gunst zeerlange͂.
Chron. Augsb.
2, 378, 2
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
dadurch si [juden] [...] in der statt gonst und willen zuͦ beleiben gehanthabet werden sölten.
Rauwolf. Raiß
43, 27
([
Lauingen
]
1582
):
Also trachtens darzwischen nach Ehr vñ Guͦt / aintweders ein hoͤhers ampt durch gunst oder geschenck bey den Fürsten an jhres Kaysers Hof zuerlangen.
Henisch
1782
(
Augsb.
1616
):
Gelt / freundschafft / neyd / gewalt vnd gunst / Zubrechen jetzt recht brieff vnd kunst. [...] Gunst zu Hoff verkehrt sich offt. [...] Herren gunst / gelt vnd kunst / | [...] hat kein macht. [...] Herren gunst / vnd federstuͤck / | Verkehrt sich baldt im augenblick. Herren gunst vnd Lerchen gsang / | Klingt wol aber wehret nicht lang. [...].
Hör, Urk. St. Veit
127, 27
(
moobd.
,
1379
):
die Sigenshaimer haben disem gotzhaus zw sonnderm gunst dieselb lehenschafft gefreit.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
264, 43
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
wer ainen sein weib oder sein tochter über sein willen inhalt, die soll man schwärlich darumben püeßen nach dem lantrecht oder nach der herrn gunst und willen.
v. d. Broek, a. a. O.
291v, 11
;
Rennefahrt, a. a. O.
19, 32
;
Barack, Zim. Chron.
4, 96, 2
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
26, 7
;
A. à S. Clara. Glori
38, 6
;
Dasypodius
340v
;
Schwäb. Wb.
3, 926
.
Vgl. ferner s. v.  2.
5.
›beliebig und ungerecht verteiltes Wohlwollen; einseitige bzw. besondere Bevorzugung, Begünstigung e. P. (im Unterschied zu 4 eher negativ konnotiert)‹; dazu tropisch: ›Bestechlichkeit‹; ›Bestechung‹.
Bedeutungsverwandte:
, , , , ; vgl.  13.
Gegensätze:
, .
Wortbildungen:
günsteln
,
günstlein
(im Phrasem:
des günstleins spielen
›nach vorangegangener Bestechung zu Gunsten des Bestechers urteilen, parteiisch handeln‹),
günstling
,
gunstsagig
,
gunsturteil
.

Belegblock:

Schmidt, St. Kastorst.
2, 475, 11
(
mosfrk.
,
1465
):
uff das sie nit dechten, das wir gunst oder parthylicheit suchten.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 94, 191
(
Frankf.
1557
):
Der vngleich gunst zun parten tregt, | Eim wol, dem andern vbel gneigt.
Allg. Schau-Buͤhne
34, 34
(
Frankf.
1699
):
Sein Favorit oder Guͤnstling war Don Francisco Gomes [...] an welchen er alle Reichs-Geschaͤffte bringen [...] ließ.
Gajek, Köler. Maÿen-Lust
67, 8
(
Breslau
1642
):
alß wolt es gerne wissen | Der Herren Vrtelspruch nach Warheit / nicht nach Gunst.
Voc. Teut.-Lat. n ijv (
Nürnb.
1482
):
Gunstsagiger. faudic’ q’ fauore͂ meretur dicendo veritatem.
Roloff, Brant. Tsp.
186
(
Straßb.
1554
):
gunst und verborgner neidt | Die hant verfuͤrt mich lange zeit.
Goldammer, Paracelsus
6, 89, 7
(
1530
):
betrachtens baß, mit was ellendem appelliern, aufschub, ausschub, gunsturtl ec. ir handlen.
Maaler
198v
(
Zürich
1561
):
Richter der nach Gunst wirbt. Iudex ambitiosus. [...] Einsi Gunst kauffen. [...] Mit miet / gaabe͂ vnd schencke / nach Gunst waͤrben vnd stellen.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 165, 31
(
Luzern
1597
):
[Achior] erzellt der Juden gschlecht vnd Harkommen zum theil vff iren gunst
(›einseitig positiv‹).
Henisch
1782
(
Augsb.
1616
):
Gelt macht gunst. Gelt vnd gunst vermag alle ding. [...] Gunst durch geschenck erlangt / ist nicht bestendig. [...] Wer hut gunst / gnad vnd gangbar gelt / | Dem wird wol ein gut vrtheil gefellt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
126, 36
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Dieweyl man pischoff [...] macht, die weys und wolgelert waren und nicht nach dem adel oder nach gunst, myet und frewndschafft.
Turmair
1, 249, 6
(
moobd.
,
1529
):
Izo aber gêt es nur nach dem gunstlen zue, es fürdert nur freund den freund.
Ebd.
4, 202, 2
(
1522
/
33
):
die sün schluegen dem vater nit nach, [...] waren aigennützig, namen schankung, miet und gab, hetten das gelt lieber dan die gerechtikait, spilten des günstleins.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
163, 19
(
smoobd.
,
1585
):
da die saczmaister [...] aus gonst was über die billichait zuegeben [...] wolten, dieselben sollen [...] gestrafft werden.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
152, 3
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
222
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
16, 28
;
Wyss, a. a. O.
3, 75, 32
;
Sappler, H. Kaufringer
31, 30
;
Turmair
5, 103, 4
;
Mell u. a., Steir. Taid.
57, 16
;
60, 20
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
140
;
Schwäb. Wb.
3, 926
.
Vgl. ferner s. v.  3.
6.
›freundliches Entgegenkommen, Zuneigung, Liebe (zwischen den Geschlechtern)‹; anschließbar an 2.
Bedeutungsverwandte:
, .

Belegblock:

Harms u. a., Alberus. Fabeln
82, 17
(
Frankf./M.
1550
):
Da ich noch jung war / vnd gerad / | [...] | Da hatt ich grosse gunst bey dir / | Weil ich nun alt bin / so weh mir.
Weise. Jugend-Lust
138, 21
(
Leipzig
1684
):
derjenige / der sich um der Prinzeßin Gunst bewerben will.
Opitz. Poeterey
13, 17
(
Breslau
1624
):
weil die liebe gleichsam der wetzstein ist an dem sie jhren subtilen Verstand scherffen / vnd niemals mehr sinnreiche gedancken [...] haben / als wann sie von jhrer Buhlschafften Himlischen schoͤne / jugend / freundligkeit [...] vnnd gunst reden.
Maaler
198v
(
Zürich
1561
):
Jn ein Gunst kommen / vnd sich also heimlich lieben vnnd zuͦthuͦn.
Klein, Oswald
12, 36
(
oobd.
,
1416
):
und wurd mir do ain krenzlin grün | von irem gunst, so wër ich freuden kün.
7.
›Zuneigung, Wohlwollen, Sympathie; (weltliches) Ansehen, Anerkennung; Beliebtheit, Popularität; Beifall (oft im Sinne einer captatio benevolentiae an den geneigten Leser)‹; auch anschließbar an 2.
Bedeutungsverwandte:
,  9, .

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
146, 104
(
1635
):
Das Volk, zwar ohne Künste, | doch keiner Kunst nicht feind, nahm dich in seine Günste | und ehrte deinen Witz.
Mieder, Lehmann. Flor.
355, 14
(
Lübeck
1639
):
ich vermeynet durch Sanfftmuth vnd Freundligkeit der Leute Gunst / Lieb vnd willigen Gehorsamb zu gewinnen.
Knape, Messerschmidt. Bris.
22, 60
(
Frankf./M.
1559
):
das jm Gott der Herr gluͤck / heil / ehr / vnnd grosse gnad vnd gunst / bey hohen vnd nidern stenden / [...] gibt.
Jahr, H. v. Mügeln
109, 572
(
omd.
, Hs.
1463
):
[Alchimia] sprach: ,ich bin der künste kunst, | wie das mich flüt der toren gunst.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 65, 9
(
Coburg
1634
):
mit solchen [Reden] ist wenig zugewinnen / dargegen die meiste Gunst vnd Gewogenheit der Zuhoͤrer zuverlieren.
Maaler
198v
(
Zürich
1561
):
Gunst deß volcks. [...] Einer der nach Gunst deß gmeinen mañs stelt.
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 4, 23
([
Augsb.
]
1523
):
nun diese schnode welt / suͦcht allerlay lust des ruͦbig lebñ / die eer / gewalt / gunst weyßhayt reichtumb.
Barack, Zim. Chron.
1, 583, 18
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Herr Johanns Wernher [...] hat in seiner jugendt ain grossen gunst und willen bei menigclichem gehapt.
Guth, Gr. Alex.
100
(Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Ez warnd in egipten land | Vor alter maister vil erkand | in astronomia der künst, | Die ubten sie vast mit günst.
Turmair
4, 363, 33
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Das geschrai macht kaiser Alexander bei dem g’main man ein grossen gunst, wünschten, das er nur pald käm.
Bauer, Imitatio Haller
92, 24
(
tir.
,
1466
):
Hast du aber nicht den gunst der menschen, darumb solt du nicht traurig werden.
Luther, WA
30, 3, 291, 36
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
17, 106
;
81, 1200
;
Langen, Myst. Leben
219, 2
;
Bartsch, Reinfrid
6777
;
Barack, a. a. O.
2, 521, 39
;
Rauwolf. Raiß
43, 16
;
Vgl. ferner s. v.  10,
1
 3.
8.
›Vorliebe, Begeisterung, Leidenschaft für etw., Neigung zu etw. (als Charaktereigenschaft); Verlangen, Wunsch, Begierde nach etw., Bereitschaft zu etw., Hingabe an etw., Streben‹; speziell: ›Absicht‹.
Bedeutungsverwandte:
,  1 (subst.), .
Gegensätze:
.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
4, 76, 4
(
Frankf.
1557
):
Doch trug er sonderlichen gunst | Zur Rhetorick.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
9rb, 30
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
Dirre sigelstain haizzet freyer wille oder williger gvnst.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
17, 22
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
[so betrachte der mensch] die allain ein weil oder ein cleine stund in einem einigen willen oder gunst oder werck der todsund gelegen und sich also todlich von got abgekert haben.
Ebd.
18, 61
:
der mensch [...], der ist nit allein gefallen mit einem willen oder nochhengen und gunst der sunden, sunder [...].
Stackmann u. a., Frauenlob
4, 3, 8
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
daz beider sin und beider mut gern einer gunst.
Gille u. a., M. Beheim
62, 24
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Was ich peginn, | so leit mirs inn | und wil nicht kumen | Aus meiner gunst.
Ebd.
186, 15
:
Mich wundert solcher unvernunfft | das der mensch hat do grosse gunft | czu der unmass.
Ebd.
444, 148
:
ist die funfft | gehaissen triegereie. | der nam der teufel ach wal gunfft.
Vetter, Pred. Taulers
29, 32
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
[anhebende lúte] behaltent sich in sinnelicher genuͤgeden, gunst und ungunst, und daruz wurt geborn unrehte urteil.
Wickram
4, 36, 13
(
Straßb.
1556
):
Wiewol etliche und vil vaͤtter [...] der neigung sind / ihre kinder etwan von grosses guͤts wegen an ein ort wider unnd über iren willen zuͦ stossen / da sie weder gunst / liebe noch willen hin haben.
Schmidt, Rud. v. Biberach
50, 8
(
whalem.
,
1345
/
60
):
wenne der mensche vint, das er suͦchet vnd der geist rvͦwet vnd sin gunst zvͦ der warheit git volkomenlich vnd begint anhaften mit dem sinne.
Maaler
198v
(
Zürich
1561
):
Boͤser Gunst. Injucunditas.
Niewöhner, Teichner
327, 92
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
der leib und der sel chunst | nement auf in ainer gunst | und nement auch mit ein ander ab.
Winter, Nöst. Weist.
1, 937, 26
(
moobd.
,
17. Jh.
):
Welcher nachpauer den furkauf siecht und verschweigt das mit willen oder ginst, der ist verfallen 12 ₰.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
23
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
ob ÿmancz wer: der solhe schaczu(n)gk saczu(n)gk hernoch mols mit macht; mit gunst oder mit vbermueth czubrech; oder do wider sein wolde; der [...].
Palmer, Tondolus
276
;
Sachs
16, 424, 5
;
Vetter, a. a. O.
249, 25
;
Schmidt, a. a. O.
176, 5
.
9.
als Titel und als Teil der Anrede gegenüber Höhergestellten
mit gunst
o. ä. ›mit Verlaub‹.

Belegblock:

Göz. Leichabd.
313, 13
( 
Jena
1664
):
Eure Herrlichkeiten und Vornehme Gunsten [...] sich allseits so hoch⸗ und Ehren⸗geneigt erwiesen.
Weise. Jugend-Lust
94, 19
(
Leipzig
1684
):
Mit Gunst / Gnaͤdiger Herr; Meine Buͤrgerschaft hat mich betrogen.
Chron. Augsb.
4, 371, 22
(
schwäb.
,
v. 1536
):
wiewol sich vil gedachte unsere herrn [...] dieses [...] fürschlags und bittens bei e. g. und gunsten kains abschlags besorgen.