gedank,
der
 ;
-en/-en
, auch
;
gedanke,
der
 ;
-n/-n
;
zu
mhd.
danc
›Denken, Gedanke, Geneigtheit, Wille, Absicht‹
(
Lexer
1, 408
).
1.
›das Denken (an etw.), die Überlegung‹;
vgl. (
das
1.
Syntagmen:
einen g. brechen / fassen / keren / sehen / wissen; ein argweniger / färlicher / tiefer / übler g
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
3937
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Ich Got weiz an in beiden | Al ir gedanken und al ir werk.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
263, 9
(
Wolfenb.
1593
):
Ick stondt in gedancken.
Luther, WA
33, 564, 20
(
1531
):
Also mochte die falsche lehre und des Teuffels gedancken ausfallen.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
876
(
mrhein.
,
um 1335
):
Sin vbel werg, sin vbel gedang | vns dar zu getwungen hant.
Dubizmay, kurß zu Teutze
50, 2
(
hess.
,
1463
):
Sunder bewar vns nach | deynem willen vnd geleyte | vnsere gedancken vnser werck | vnd vnser wortt.
Hübner, Buch Daniel
5566
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Vil gar sine gedanken | Vliezen zu dirre unvlat.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
36, 30
(
omd.
,
1487
):
Den sich darauß mancherleÿ nachrede vnd argwonige gedancken entspÿnnen.
Quint, Eckharts Trakt.
205, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wan, swenne der gedank vergât, sô vergât ouch der got.
Opitz. Poeterey
20, 19
(
Breslau
1624
):
stehe ich sehr im zweifel vnnd bin nur der gedencken / es leichtlicher zue wuͤndschen als zue hoffen.
Gille u. a., M. Beheim
73, 135
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Sy sehen wal den rat und dy | gedanken aller teufel hy | und poser leut mit eine.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
173, 30
(
Nürnb.
1548
):
Nach solchem bekentnuß vn̄ gebet / so gibe dich flugs mit deinen gedancken hieher / vnd hoͤre / wofuͤr Simeon diß kindlein halte.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
764, 28
(
els.
,
1362
):
So opheren wir nuͦ den lichomen vnd das bluͦt Cristi vns zuͦ einem ewigen heilsamen gedancke sines lidendes.
Goedeke, Fischart Floh haz,
1859
(
Straßb.
1594
):
Gewis, wann sie in gedanken sitzen, | Auf uns sie ir gedanken spitzen.
Karnein, Salm. u. Morolf
123, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Da sie inn das munster kam, | die frone messe hup man an. | ir pater noster was nit zu lang, | das schuffe die zauber wurtze, | nach der stunt aller ir gedanck.
Ruh, Bonaventura
331, 3
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
do sol harren vnnser betrachtung, wann do ist ain end aller vnnser gedank vnd werk.
Päpke, Marienl. Wernher
108
(
halem.
,
v. 1382
):
Ein jungfrow, hies Anne, | [...] Ze Gotte stuͦnd aller ir gedank.
Schmidt, Rud. v. Biberach
55, 5
(
whalem.
,
1345
/
60
):
der gedanck gat gar traglicher ab wege, want er enspringet von bildung.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
46, 7
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
der schein der wont uns nahent pei, | also redt sin und mein gedankch.
Klein, Oswald
17, 10
(
oobd.
,
1410
):
in Suria stet mein gedanck.
Bauer, Imitatio Haller
44, 26
(
tir.
,
1466
):
Dein gedankch vnd dein pitten das sol stet sein an alles aufhören czue Kchristo dem herren.
Bremer, Voc. opt.
266
;
Schmitt, Ordo rerum
329, 5
;
330, 9
;
Dasypodius
103r
;
Maaler
160v
;
Hulsius
C iijr
;
Henisch
1403
 f.;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 32
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 65
;
Weber, Oswald.
1847, 321
;
Dietz, Wb. Luther
2, 30
 f.;
Schwäb. Wb.
3, 142
;
Öst. Wb.
4, 583
.
2.
›Erzeugnis, Ergebnis des Denkens; Gedanke, Idee, Absicht, Einfall‹;
vgl. (
das
2.
Phraseme:
gedanken sind zolfrei
.
Syntagmen:
gedanken denken / finden / kennen / offenbaren / vertreiben / zusammenfassen, sich seine gedanken machen; argwenige / böse / edle / eigene / fliegende
›flüchtige‹ /
grosse / gute / heilsame / mutige / schwere / sündige / traurige / unreine / verliebte / wunderliche gedanken
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
235, 20
(
Lübeck
1639
):
Boͤse Gedancken klopffen jmmer an.
Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
49, 30
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
ja hat widir [uch] Nabuchodonosor [...] eynin rat angegangin und hat gedacht gedankin widir uch.
Luther, WA
17, 2, 312, 20
(
1527
):
das ist ynn der schrifft, das wir an dem wort hangen und halten, sonst sind es fliegend gedancken.
Ebd.,
30, 2, 38, 34
(
1529
):
gedancken sind zolfrey.
Ebd.,
54, 172, 3
(
1545
):
Denn der Teuffel ist ein Meister, boͤse gedancken in die guten hertzen zu schreiben wider Gott und Menschen.
Reissenberger, Väterb.
16682
(
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Wy man beichten sal boße gedankken.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 202, 3
(
Köln
1582
):
Mein seel verschlagen grawsamlich, | Mit schweren gedancken engstet sich.
Dedekind/Scheidt. Grob.
181, 23
(
Worms
1551
):
So nemens gleich die menner war / | Vnd haben boͤß gedanck auff dich.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
68, 7
(
Frankf.
1535
):
Die tuͦgent des Amethist dient wider die trunckenheyt / vnnd machet den menschen wacker / vnd vertreibt boͤse gedancken.
Perez, Dietzin
1, 43, 6
(
Frankf.
1626
):
sintemal meine Gedancken gar nicht sind / der welt Netz vnnd Garn zustellen.
Mone, Adt. Schausp.
2, 375
(Hs. ˹
omd.
,
1391
˺):
wen ich huͤrte der glocken klang, | so hatte ich wunderlich gedang.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
54, 22
(
omd.
,
1487
):
Szo ehliche menner nunnt mitt andernn frawen vnd Junckfrawen reden haben ÿr ehliche weiber argwonige gedancken.
Quint, Eckharts Pred.
2, 293, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
in einem ieglîchen guoten gedanke oder guoter meinunge oder guoten werke werden wir alle zît niuwe geborn in gote.
Ebd.
2, 459, 1
:
ich haben hvte einen willen vnd habe morne den delben gedanch.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mk.
7, 21
(
osächs.
,
1343
):
Wan von hinnen von der lûte herze gên vore bôse gedankin.
Weise. Jugend-Lust
151, 7
(
Leipzig
1684
):
sagt eure Gedancken von der Kranckheit.
v. Ingen, Zesen. Ged.
391, 12
(
Breslau
1641
):
wie gluͤckseelig schaͤtze ich mich / daß ich noch zur Zeit mit solchen verliebten Gedancken nicht verhafftet bin.
Logau. Abdank.
165, 3
(
Liegnitz
1651
):
Leittet mich auff andere und villeicht bessere gedancken.
Stackmann u. a., Frauenlob
13, 59, 6
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
ja, wol ein gut gedanc ist daz.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
127
(
Nürnb.
1517
):
Das gesetz Christi verbeut einen iden unreinen gedanken.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
122, 23
(
Nürnb.
1548
):
so du ein mal zur kirchen kombst / vnnd fleissig deine gedancken zusammen fassest.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
48, 22
(
Straßb.
1650
):
So hoch ist der gute Mann bekümmert, daß er sich tausenterley Gedancken macht.
Henisch
43
(
Augsb.
1616
):
Auß einem vollen haupt / vnd bauch / kompt selten ein subtiler gedancken.
Eschenloher. Medicus
39, 23
(
Augsb.
1678
):
GOtt aber gabe ihm ein heylsammen Gedancken ein.
Päpke, Marienl. Wernher
7445
(
halem.
,
v. 1382
):
Do kam gedank in iren mut | Es wære ir ze allem haile gut | Ob si ruͦrti sin gewant.
Rieder, St. Georg. Pred.
204, 6
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
laider nu ist daz hertze so wilde und der gedank so witswaifig daz unser hertze selten mit Got ist.
Goldammer, Paracelsus
7, 175, 7
(
1530
):
dann ursach sie brechen die ehe in irem herzen; so die nit haben, so seindt die gedanken hurengedanken und nit eheliche gedanken.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
93, 49
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
vnd wissen, daz der guett gedancken ist ain gab gots vnd nicht ain frucht oder ain volpringung vnsers hertzen.
Turmair
4, 10, 11
(
moobd.
,
1522
/
33
):
freiem volk sollen nit allain die gedank frei sein, sunder auch die red.
3.
›Denkkraft, geistiges Vermögen, Empfinden, Vorstellung, Fantasie, Gemüt‹;
vgl. (
das
3.
Syntagmen:
gedanken des (menschlichen) herzens; ein betrübter / schläferlicher g
.

Belegblock:

Rosenthal. Bedencken
37, 28
(
Köln
1653
):
Die Catholische Lehr aber haͤlt hie beym engen vnd reynen Weg / nemblich ob schon die Sinn vnnd Gedancken des Menschlichen Hertzens von Jugend an zum Boͤsen geneigt seind.
Dubizmay, kurß zu Teutze
12, 8
(
hess.
,
1463
):
die gefallen wol meynes mundes rede vnd meynnes hertzen gedancken vor deynnem gesicht allezeyt.
Allg. Schau-Buͤhne
38, 19
(
Frankf.
1699
):
Indem nun ihrer viel in den Gedancken geblieben / als waͤre Koͤnig Sebastian noch am leben.
Feudel, Evangelistar
7, 20
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
durch dynes selbis sele sal eyn swert gen uf daz manchis herczen gedanken geoffenbarit werden.
Jostes, Eckhart
23, 6
(
14. Jh.
):
diweil sein gedank einvalticlich underflozsen und eingeflozsen got waz, do sloz sich daz mer zesam under sein fuͤzz.
Göz. Leichabd.
203, 18
( 
Jena
1664
):
Die Heiden stunden zwar auch in den Gedancken / als ob sie nach einiger Zeit wiederumb ans Licht kaͤmen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
66, 25
(
Nürnb.
1548
):
das hertz aber geht mit andern gedancken vmb.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
179, 24
(
els.
,
1362
):
Vnser sele ist von drien kreften begobet, daz ist fernúft, gedang vnd wille.
Chron. Strassb.
1, 302, 2
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
sin gedank ist rein und guͦt gegen dir.
Schmidt, Rud. v. Biberach
37, 20
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Hie sprichet Gregorius, das der sel mund ist ir meditieren old ir gedank vnd betrachtunge.
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 157
(
halem.
,
15. Jh.
):
daz got vúrkome die sele vnd si erweke vnd si beruͤre vnd vf richte zuͦ dem guͦten gedanke.
Rieder, St. Georg. Pred.
148, 18
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
du solt dich flissen daz din hertze und din conscienci gar rain und luter si, nit liht argwaͤnig, nút uppig gedanke.
Klein, Oswald
51, 6
(
oobd.
,
1409
/
10
):
herz, müt, sin, gedanck ist worden mat.
Ebd.
114, 76
(
oobd.
,
1436
):
wie ser betübt wer ir gedanckh.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
287
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
Es haist auch ydea der vorgeund gedankch des zimermans in seinem herczen, da er das zimer nach stelt.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
85, 36
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Vnd darumb von dem hertzen des menschen gent aus poͤs gedanck.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
71, 19
(
tir.
,
1464
):
darnach da pelaib chain pöse pegierd in mir oder gedankh des neides vnd hoffart.