1
gebet,
das
;
(e)s/-e
, auch
,
gebete,
das
;
-s/-Ø
, zu mhd.
gebët
›Gebet‹ ().
– Zur Sache:
Rgg
3, 483
f. (4. Aufl.).
1.
›Gebet (e. P. zu Gott)‹;
zu
1
 1; vgl. .
Gehäuft in religiösen Schriften.
Bedeutungsverwandte:
 2, .
Syntagmen:
ein g. beten / erhören / empfangen / hören / sprechen / tun / verrichten / verstehen / volbringen / volenden; ein g
. (Subj.)
helfen; des gebets pflegen; jn. zum g. anhalten; ein andächtiges / christliches / demütiges / emsiges / heiliges / herzliches / himlisches / hitziges / inbrünstiges / innerliches / kräftiges / lauteres / reines / starkes / stilles, wallendes g
.
Wortbildungen:
gebetzeit
›Betstunde‹ (a. 1379).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Vor iren schepfer sie quamen, | Der disen scharen gnade tet, | Und vielen alle an ir gebet.
Luther, WA (
1522
):
Vierley gibt er dem gepett, nemlich, das gepet, das flehen, den danck, und die bitte.
Wie aber solch gebet allenthalben sol geschicket sein und was zuͤ aim rechtschaffnem gebet gehoͤrt, hab ich an aim andern ort vil davon geschriben.
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
350, 13
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
wer half hern Moises alsô ê, | durch sîn gebet unt durch sin vlê | von grôem engestlichem wê?
Koeniger, Sendgerichte (
rib.
,
um 1567
):
wan der pastor die sermon oder predig aus hat und das gemein gebeth vor sich nimbt, auf der cantzell zu verrichten.
Rosenthal. Bedencken
34, 16
(
Köln
1653
):
So ist auch bey vielen Catholischen Geistlichen vnd Weltlichen vblich das stille innerliche Gebett.
Froning, Alsf. Passionssp.
1356
(
ohess.
,
1501ff.
):
unser altvedder hon alwege | eres gebeddes alhie gepflegen.
Knape, Messerschmidt. Bris.
22, 44
(
Frankf./M.
1559
):
abends vnnd morgends spricht er sein gebet.
Feudel, Evangelistar
130, 5
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Dor noch gynk her [Jhesus] uf den berk czu betene unde waz ubir nacht unde tak an syme gebete.
Ebd.
135, 16
:
Zacharia, vorchte dich nicht, wen dyn gebet ist irhort unde dyn husvrowe Elyzabeth sal gewynnen eynen sun.
Strauch, Par. anime int.
8, 10
(
thür.
,
14. Jh.
):
wir sullin beiden, der himmilische vadir musz unse gebeit inphain odir nicht.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Waz ist gebet? Dionysius sprichet: ein vernünftic ûfklimmen in got, daz ist gebet.
Sant Augustînus betete maniger hande gebet.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dar umbe sô stât ez ledic alles gebetes und enist sîn gebet niht anders dan einförmic sîn mit gote.
Eggers, Psalter
8, 24
(
thür.
,
1378
):
Got hat gehort min gebet, got hat inphangen myn gebet.
Anderson u. a., Flugschrr.
27, 6, 23
([
Erfurt
1522
]):
allein durch fasten vnd das gebeet werden die boͤßen geyst vß getryben.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk. (
osächs.
,
1343
):
Nicht vorchte dich, Zacharia, wan dîn gebet ist irhôrt.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
Die palmen ist ouch cleine, also sol der mensche sin an der othmunticheit in sinem gebete.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
16, 43
(
osächs.
,
1570
/
7
):
das gesinde [soll er] so oft sie eßen wollen, zum gebet anhalten.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
2306
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
In eurem gepet gedenket | aines munches von Holsprunnen.
Gille u. a., M. Beheim
83, 13
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wann er ze erst erdaht, das man | gat unsern herren ruffet an, | und vand etlich gepete, | Da mit man gat an pet den klarn.
Reichert, Gesamtausl. Messe
30, 11
(
Nürnb.
um 1480
):
Zu dem dritten werde wir nicht erhoert von Got in unsermm gebet, so wir biten fuer dy unwirdigen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
145, 17
(
Nürnb.
1548
):
Zum andern / Treybt auch das Creutz zum gebet vn̄ glauben / da sonst / wo wir kein anfechtung hetten / wir des gebets wol vergessen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Kenn jhn besser, als jhr einer. | Das macht, daß ich in meim Gebet | Mit jhm hab viel vnterred stet.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
800, 11
(
els.
,
1362
):
Do dise heiligen daz gebet follebrohtent do stunt vor in allen ein swarzer moͤre.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Dis fúr enist anders nút wanne búrnende minne zuͦ Gotte, die in dem gebette lit.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
1, 494
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
got ist geneiget, sin gebet zvͦ erhoͤrende, vnd er wurt erfyͤllet mit gnaden.
Behrend, Spangenb. Anbindbr. (
Straßb.
1611
):
Den Treuen Gott zu ruffen an / | Mit dem inbrünstigen Gebet / | Dass er bei uns woll bleiben steth.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
119, 28
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
daz gebette ist ein uzlegung dez eigenen willen bi got.
Sappler, H. Kaufringer
5, 597
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er stuond auf und sprach sein gepet.
Bauer, Geiler. Pred.
100, 25
(
Augsb.
1508
):
Zuͦ dem andren seind och die schowenden menschen nütz irem naͤhsten unnd das durch ir starckes gebeet.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Das Gebett deß Glaubens hilfft den krancken mehr / deñ artzney.
Karnein, Salm. u. Morolf
124, 1
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Zu got stunt wenig ir gebett.
Schmidt, Rud. v. Biberach
39, 15
(
whalem.
,
1345
/
60
):
An dem gebet sint in beslossen alle gebet, die dem menschen notúrftig sint von dem himelschen vatter zvͦ begerende.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Von des gebettes nutz ze Got.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
der sol sin hertze linde machen mit andaͤhtigem gebette.
Warnock, Pred. Paulis
27, 350
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Er hát uns och gelert oracionis constanciam, emptziges und andechtiges gebett.
Goldammer, Paracelsus
3, 277, 18
(
1530
/
5
):
also mag keiner volkomben und rein sein in seinem gebett.
Nyberg, Birgittenkl.
2, 305, 10
(
oobd.
,
1520
/
87
):
Domit vnser armes gebeth vor Got kreftiger vnd angenamer werde, last vnß anfenglich vor Got demuttigen mit bekantnuß vnser sund.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
36
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Des ruemet in der heilig Gregorius da er von im spricht in ainem seiner gepet.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
durch das andechtig gepet des heiligen bischof Remigii ward im vom himel durch ein weisse tawͦben der kresm gepracht.
Bauer, Imitatio Haller
102, 2
(
tir.
,
1466
):
Da so würstu dich mer erfreuen des andechtigen gepetes denn der lustigen vnd kchostleichen speis der welt.
Piirainen, Stadtr. Sillein
37b, 34
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
daz ir meyn fuͤrsprechen seyt czu got daz er meyn gebet erhoͤr.
Reichmann, a. a. O.
66, 22
;
66, 32
;
69, 34
;
73, 8
;
83, 4
;
122, 20
;
130, 35
;
Williams u. a., a. a. O.
17, 1
;
22, 17
;
88, 32
;
144, 12
;
163, 13
;
532, 12
;
Eichler, a. a. O.
2, 1077
;
1099
;
1101
;
1164
;
Morgan u. a., a. a. O.
348, 24
;
349, 6
;
349, 31
;
350, 8
;
Warnock, a. a. O.
2, 203
;
9, 33
;
9, 278
;
Schmitt, Ordo rerum
62, 1
;
66, 15
;
Voc. Teut.-Lat.
k iijr
;
Voc. inc. teut. h
viijv
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 432
;
Weber, Oswald. ;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 64
;
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 99
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 31
;
Dietz, Wb. Luther
2, 23
f.;
Öst. Wb.
2, 1132
;
Vorarlb. Wb.
1, 1073
.
2.
›Bitte, Fürbitte, Fürsprache, Ersuchen‹;
zu
1
 2; vgl.  35.
Gehäuft in Urkunden und Rechtstexten.
Syntagmen:
ein g. abschlagen / verachten / volbringen; ein demütiges / gemeines / kaiserliches g
.

Belegblock:

Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1488
):
daß ich bin überwunden das zu thun durch stettig anligent gebet und fordrung des gar weisen senats.
nun hielt Octavianus Augustus die sün Drusum und Tiberium nicht als stiefsün, sonder durch gebet der mutter Livia, die im lieb was, als aigne kint.
Sachs (
Nürnb.
1546
):
Drumb werden legen seine rät | An ihn ein demütig gebet | Von wegen der gantzen landschafft.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
Bobest Leo betwang die Hünen mit gebette.
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
7308
(
schwäb.
, Hs.
1478
):
Lieber sun, ich wil dir sagen, | Nu bin ich bedaucht, | Dein gebet sol werden volbracht.
Brandstetter, Wigoleis
193, 33
(
Augsb.
1493
):
Eines tages bat er sy mit grossem gebet dz sy jm erlaubet vnd mit willen verginstet ein reiß zuo seinen freünden.
Edlib. Chron. (
ohalem.
,
um 1500
):
so habint die von zürich den selben oberholzer gefangen [...] vnd habe kein jro gebet noch vermugen an jnn gehulffen.
Jaksche, Gundacker (
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
du wart er seiner gepet gewert, | si taten des er het gegert.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
3573
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
das ich gewin brief von dir | und dein liepleich gepet.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
E. 16. Jh.
):
Es sullen auch burger noch gemain kain richter mit gewalt nit setzen sonder was si mit gepett erlangen.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
wier sein eingedenk sölcher grosser herzenlicher eur fürbringung und gepet.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
):
Darumb haben wir angesechen des obgenanten abbt Heinrichs und seiner conventbrueder fleissig gebet.
Erstlichen haben die Gschwender ein rechtweeg durch das Khollthal zu faren, die notturft irer heuser, aber durch das Weidach sol es mit gebet beschehen und nit aus wilkier.
Wackernell, Adt. Passionssp. Br. I,
80
(
tir.
,
1551
):
Kchom sy herein zu diser stundt | Oder wen sy will, das sich ich geren, | Ires gebets will ich sy geweren.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
17, 2
(
mslow. inseldt.
,
1512
):
Solch gePett iśt ihm von einem Erbaren Ratth auf der Schemnitz abgeśchlagen.