ablaufen,
V., unr. abl.
1.
›jm. etw. (z. B. einen Vorteil) abgewinnen, nehmen, abjagen‹; ral.
jm. das herz ablaufen
›js. Herz gewinnen, jn. gewinnen‹.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 120, 3
(
nrddt.
,
E. 16. Jh.
):
er [...] zoge ihnen entgegen in meinunge einen vorthel abezulauffen.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 454, 28
(
hess.
,
1590
):
Eß soll auch kein meister dem andern sein arbeit ablauffen oder vorsetzlich darnach stehen.
Luther, WA
33, 502, 1
(
1531
):
Also hat er ihnen mit dieser predigt das hertz abgelauffen und durchranth.
Dietz, Wb. Luther
21 b
.
2.
›jm. etw. (z. B. eine Stadt) militärisch entreißen, etw. überrumpeln, stürmen, erobern, einnehmen‹; Spezialisierung zu 1.
Chroniken.
Bedeutungsverwandte:
 2,  2, , .
Syntagmen:
die stat / pfandschaft, das schlos a.; die flucht a.
›die Flucht abschneiden‹.

Belegblock:

Chron. Köln
1, 372, 7
(
rib.
,
1460
):
dat [slos] dan unser heren frunde [...] afloufen ind innekregen hetten.
Chron. Augsb.
6, 81, 22
(
schwäb.
, zu
1537
):
[haben] sie wöllen den marckt plindern und das schloß ablaufen.
Roth, E. v. Wildenberg
160, 21
(
moobd.
,
v. 1493
):
dieser Ludbig gewan die stat Maintz mit ablaufen bei einer nacht.
Chron. Köln
3, 806, 29
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 15, 25
;
Bernoulli, Basler Chron.
4, 387, 9
;
Maaler
4 r
.
3.
›sich vergeblich an jm. versuchen, sich den Kopf an jm. einrennen‹; bildlich zu 1; 2.

Belegblock:

Luther, WA
32, 42, 7
(
1530
):
auch lieff sich der unfreundlich Tod an Christo abe, Er traff an ein person die unsterblich war.
Ebd.
41, 113, 11
(
Wittenb.
1539
):
Was haben sie aber ausgericht? on das sie sich alle haben an Christo ab gelauffen und die koͤpffe muͤssen unter jm nidder legen jnn die erden.
4.
als Part. Perf. mit
sein
: ›verbraucht, müde, erschöpft, unbrauchbar, abgenützt sein (von Menschen und Materialien)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Maaler
4 r
(
Zürich
1561
):
Abgelauffen / Vom lauffen gantz abkommen vnd erlaͤgen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
461, 3
(
m/soobd.
,
1700
):
gehalten sein, zum prennen und zeunen sich mit turren und anderen abgeloffenen holz befridigen zu lassen.
Rechn. Kronstadt
2, 445, 3
(
siebenb.
,
1526
):
Item in profesto Michaelis pro uno lapide molari attrito, vulgo abgelauffen flor. 3 asp. 12.
Schmid, R. Cysat
6, 1
;
Dietz, Wb. Luther
21 b
.
5.
›nach unten, abwärts verlaufen, sich senken‹.

Belegblock:

Löffler, Columella/Österreicher
1, 240, 22
(
schwäb.
,
1491
):
Dann ob der schnit grad úber zwerch wer, so behielt er das regen wasser. Und sol sich ǒch nit ablaiffen an dem tail da das bross ist, sunder an dem andern tail.
6.
›zurücktreten, sinken, sich verlaufen, abebben; herablaufen (vom Wasser)‹; Formel:
an- und ablaufen des mers
›die Gezeiten‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, , ;  1.

Belegblock:

Ermisch u. a., Haush. Vorw.
25, 35
(
osächs.
,
1570
/
7
):
thue die rüben in ein sieb [...], laß das wasser darvon ablaufen und die rüben trucken werden.
Turmair
4, 437, 13
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wie man nach den winten und ungewitter, anlaufen und ablaufen des mers die künftigen zeit erkennen [...] sol.
Ebd.
1, 560, 29
;
4, 985, 32
;
Ulner
419
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 39.
7.
›hinunter-, hinablaufen, -rollen; abspringen (von Gegenständen)‹.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
441, 100
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
du bist der edel perg so reiche, | von dem nider zu teiche | der stain ablieff mit schnellem jǎch.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
10, 64
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Nabuchodonosor des jach, | da er den stain ablauffen sach, | den hant noch fuss nie abgeprach.
8.
›ablaufen, verlaufen, vonstatten gehen (z. B. von der Zeit, von Handlungen)‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  13.
Wortbildungen:
ablaufung.

Belegblock:

v. Keller, Amadis
640, 7
(
Frankf.
1571
):
Ich bin kurtz abgeloffner tagen von einem ledig gelassen worden.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
171, 20
(
m/soobd.
,
1680
):
weilen ein zimbliche zeit [...] große händl, schmächungen, feintseligkeiten und schmächreden abgeloffen.
Ebd.
289, 26
;
v. Keller, a. a. O.
836, 1
;
Ulner
419
.
9.
›weg-, davonlaufen‹.

Belegblock:

Dict. Germ.-Gall.-Lat.
9 a
(
Genf
1636
):
Die Knecht (lauffen) mit gewalt (ab).
10.
›mangeln, fehlen (z. B. von Geld)‹.

Belegblock:

Schwäb. Wb.
1, 41
.