befrieden,
V.;
zur Einheit des Wortes hinsichtlich Position 7 vgl. Pfeifer, Etym. Wb. d. Dt.
1993, 376
sowie Kluge/S.
1989,
237: Zusammenfall der Wurzeln von
ahd.
friden
und
frîten
(Splett, Ahd. Wb.
264
; 266).
1.
›Frieden stiften‹ (z. B. zwischen sich streitenden Personen, in einem Land im Aufruhr); ›jn. (mit jm.) versöhnen, sich mit jm. aussöhnen‹; mit verschobener Bezugsgröße: ›(einen Streit, Krieg) beenden, beilegen‹.
Syntagmen:
jn. b., das land b., die christenheit / kirche b
., (mit verschobener Bezugsgröße:)
einen kampf / krieg, eine feindschaft b., jm. sein leben b
.;
sich mit jm
. (z. B.
den feinden
)
b., zwischen
[zwei Personen]
b
.; (subst.)
das befrieden mit jm
.
Wortbildungen
befrieder
1 (dazu bdv.: I, 1, , , , ),
befriederin
.

Belegblock:

Schwartzenbach N ijr (
Frankf.
1564
):
Schiedmann. Mittler […] Schiedsrichter. Befrider […] Thaidinger. Vnderhaͤndler.
Thiele, Chron. Stolle 
220, 24
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Hir umme […] geboth der bobist allen cristen menschen gotis muter […] an zu ruffen unnd vor uns zu bethen den almechtigen got, zu befreden dy heilgen cristenheit.
Rennefahrt, Zivilr. Bern
228, 28
(
halem.
,
1516
):
das der handel uffgehebt und hingelegt und beid teil befridet und betragen sin.
Jörg, Salat. Reformationschr.
370, 2
(
halem.
,
1534
/
5
):
die wyl man so vil darvon [disputatz] gerett / und so lutmaͤr gmacht haͤt / den gmeynen man damit zů ruͤwigen und befriden.
Maaler
53r
(
Zürich
1561
):
Befriden / Dultig vnnd zam machen. Mit lieblichen worten beguͤtigen. […] Zů friden stellen. […]. Einen krieg Befriden. […]. Er wirt den vatter wol Befriden / vnnd jn gantz auff sein meinung bringen. […] Etwas auflauffs Befriden. […]. Befrider (der) Schidman. Pacificator. Befriderin die vff friden stelt. Conciliatrix.
Fischer, Eunuchus d. Terenz 
182, 8
(
Ulm
1486
):
das er yetzo bald die hochtzeit besteten und seinem sun auß grossen forchten sein leben damit befriden wolt.
Barack, Zim. Chron. 
3, 35, 7
 (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Es wer der krieg weiter gangen, aber durch vil underhandlung ward es widerumb gestillt und alles befridet.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. 
167, 5
 (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
es wurd ein grosses volck komen und dem kunig widderstanndt thuen und die lanndt befriden.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3,
 5015, 4 (
moobd.
,
1484
):
ihr Schreiben wegen
des befridens mit dem kunig.
Moscouia B
4r, 24
 (
Wien
1557
):
Er soll sich mit seinem Bruͤed’ […] befriden vñ verainigen.
Serranus
27r
;
Schöpper
13b
;
Maaler
53r
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 106
;
Fischer, a. a. O.
148, 13
;
Barack, a. a. O.
3, 26, 38
;
Grossmann, a. a. O.
119, 9
;
Rwb
1, 1398
;
Dietz, Wb. Luther
1, 226
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
23
;
Schwäb. Wb.
1, 757
;
Schweiz. Id.
1, 1284
.
2.
›für jn./etw. den Frieden herstellen und bewahren‹; speziell: ›den Rechtsfrieden für jn./etw. herstellen und damit den Schutz von Personen und Sachen vor strafbaren Handlungen herbeiführen bzw. für die Erhaltung dieses Schutzes sorgen‹.
Syntagmen:
den leib / weg / wald / markt / ort b., die fischerei / habe / grenze / se / stat / strasse b., das kloster / gut / dorf / land / königreich b., dinge b., die erblande / mere b., jn. vor frevel / gewalt / vor den heiden b., das wild b
. ›das Wild vor unerlaubter Jagd schützen‹;
etw. festiglich b
.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
2, 535, 1
(
preuß.
,
1442
):
das andere fierde teil sulde zcu des landes gemeyne nutcz komen, alse die zee zcu befreden.
Schwartzenbach D ijr (
Frankf.
1564
):
Behuͤten. Beschuͤtzen. Beschirmen. Befrieden […] land vnd leut in staͤten frid vnd gluͤcklichem auffnemmen erhalten.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
33, 26
(
schles.
,
1372
):
globen wir en, daz wir en daz egenante gut […] noch vnser macht befreden vnd beschirmen sullen.
Gerhardt, Meister v. Prag
52, 19
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
wenn ein starcker wepner sein haus behutet So sind im befridet alle dinck die er besitzet.
Brandstetter, Wigoleis
218, 9
 (
Augsb.
1493
):
karyos vnd marin helfen wenig mit jrer stoercke vnd listikeit. mit dem sy das land befridt vnd beschirmt haben.
Chron. Augsb.
9, 354, 18
(
schwäb.
,
1541
):
[Augspurg] Als ein treu, kaiserliches glied. | Herr Gott, die statt Augspurg befrid!
Uhlirz, Qu. Wien
2, 2,
 3102, 6 (
moobd.
,
1445
):
er wolle veranlassen,
dass die strassen befridt werden.
Turmair
4,
 630, 16 (
moobd.
,
1522
/
33
):
ain anzal streitschif und volk darin […] gehalten an zweien orten des mers in welschem land, damit die mer zu befriden.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. 
162, 35
 (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
hertzog Maximilian wurd selbs mit vil volckhs kumen und seine erblanndt pefryden.
Chron. Nürnb.
3,
 103, 12;
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
444, 24
;
Chron. Augsb.
5, 152, 28
;
Turmair
4, 965, 2
;
Schöpper
1b
;
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
113
;
Rwb
1, 1399
/1400;
Preuss. Wb. (Z) 1, 461;
Brinckmeier
1, 310
;
Dietz, Wb. Luther
1, 226
.
3.
›(z. B. dem Menschen, der Seele) inneren Frieden bringen, jn. (von Schuld) erlösen, mit Gott versöhnen‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 2,  1.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
2702
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der [cristenheit] sal der tubel manic leit | Tuen mit den argen sinen liden; | Die kunde Got vil wol bevriden.
Fischer, Brun v. Schoneb. 
1179
(
md.
, Hs.
um 1400
):
got hat mit sinem vrede bevridet | hemel und erde.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
99
(
Nürnb.
1517
):
Dergestalt ist in einem ieden werk Christi die gotheit erschinnen und hat unser gemüet des frides entpfenglich gemacht, dann kein creatur des menschen herz befridet.
Schade, Sat. u. Pasqu. 
2, 218, 785
(
nobd.
1524
):
daß unser gwißen | Befridet würd, durch dsünd zerrißen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
278, 15
(
Nürnb.
1548
):
dein arme Christenheyt / allenthalb gnedig befriden / durch Christum Jesum.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 324, 3
 (
Nürnb.
1631
):
Dein trawrig Seel befriede mich, | Dein trawrig Seel begnade mich.
Ebd.
189, 3
;
Vetter, Pred. Taulers
331, 15
Var.;
Hulsius V ijv;
Dietz, Wb. Luther
1, 226
.
4.
›etw. (z. B. einen Todschlag) sühnen‹.

Belegblock:

Qu. Schweiz. Gesch.
1,
 175, 19 (
halem.
,
1470
):
dann er gan Signouw muͤßte, umb vil treffenlicher hendlen willen, und besonders den totschlag zů befriden.
5.
›jn./etw. schützen, vor etw. bewahren‹;
vgl.  2.

Belegblock:

Stackmann u. a., Frauenlob 
6, 4, 4
(
md.
auf nd. Grundlage,
v. M. 14. Jh.
):
Swelch man in sinem munde | kein bitter nie nicht hat geliden, | wie wil er smiden | der süze kraft? der kan nicht wol bevriden | ir werden hort.
Schwartzenbach D ijr (
Frankf.
1564
):
Behuͤten. Beschuͤtzen. Beschirmen. Befrieden […] Land vnd Leut in staͤtem frid vnd gluͤcklichem auffnemmen erhalten.
Fastnachtsp.
763, 21
(
nobd.
,
15. Jh.
):
Das schwert ist mit solcher kunst geschmitt, | Das sich ain man da mit befritt.
Primisser, Suchenwirt
12, 43
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Di reichen und di armen diet | Chund er rechte wol befriden.
Ebd.
41, 256
:
Du pist beschıͤrmt und befritt | Vor tzuval aller suͤnden glust.
6.
›etw. einfrieden, einzäunen, etw. (zum Schutz, zur Abgrenzung) mit einer Mauer, einem Zaun o. ä. umgeben; sich einhegen, eine Schutzwehr errichten‹; in dem Syntagma
einen langen tisch zum halben teil b
. (Rwb
1, 1400
; 15. Jh.) offen zu: ›etw. abgrenzen, etw. vorbehalten‹.
Bedeutungsverwandte:
 3,  2, (mehrmals), , , ; vgl. ,  2,  1.
Syntagmen:
einen garten
(mehrmals)
/ hof / banzaun / (-)flecken, ein gut / feld b., das korn b., äcker / wiesen / matten / gründe b., sich b
., (mit verschobener Bezugsgröße:)
einer den andern b
.;
etw. miteinander b
.;
etw. mit zäunen, mit dem stab b
.;
befriedeter hof
.
Wortbildungen:
befrieder
2.

Belegblock:

Kollnig, Weist. Schriesh. 
193, 8
(
rhfrk.
,
1519
):
wo hinfur einer […] bemeltem Hirschberger an angezeigten seiner befriedten höfen und gerten einichen schaden zufügen, die zeün darumb zerreissen […] lassen würden.
Neumann, Rothe. Keuschh. 
5032
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
befrede en [den acker] al umme wol nu, | uff das dir ymand schaden thu!
[hier bildlich]. Küther, UB Frauensee 
275, 27
(
thür.
,
1495
):
unsernn boymgartenn […] wol betzunenn unnd befrydenn unnd fort betzunet unnd befriddet haltenn.
Dinklage, Frk. Bauernweist. 
101, 30
(
nobd.
,
1477
):
so sal der hoffman das forth befrieden und bezewnen bis zum herbstbaüm.
Chron. Nürnb.
2,
 388, Anm. 2 (
nobd.
,
1449
/
50
):
daz sich ein ÿeder man auf dem seinen wol befriden möcht, nymant zu neyd oder zu leyd, sunder im selber […] zu schutz.
Köbler, Ref. Nürnberg 
418, 8
 (
Nürnb.
1484
):
ES sol ein yeder den andern in der Stat befriden zu der rechten hand als man eingeet. so hoch als desselben befriders erb od’ aigen raichet. vnd ob einer an den andern ruͤrend hat vberzwerch. das soͤllen sie miteinander befriden.
Rennefahrt, Recht Laupen 
127, 9
(
halem.
,
1505
):
biß zů dem fuͥnften markstein - - - an dem egk des frid hags, der die matten genempt Gugers moß besluͥst und befridet.
Müller, Stadtr. Ravensb. 
182, 29
(
oschwäb.
,
1379
):
weli aber wingarten oder bengarten da wet haben, die sond si och befriden.
Chron. Augsb.
5, 141, 5
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
die gärten […] sollen ieder dem sie zuegehören (und so auch gegen einander zu friden) wol verfrit sein. wo die nit befrit weren und durch ein öffnung ein vich hineinkämb.
Auer, Stadtr. München
7, 11, 2
(
moobd.
,
1343
):
Swer gen dem chorn gelanter, tulle oder zaun hat, der sol daz chorn damit befriden.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
239, 5
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
Ain jeder ist schuldig seine gründ wie von alter hero selbst zu befrieden.
Siegel u. a., Salzb. Taid. 
308, 1
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
All gemain wisen sollen mit dem stab befridt werden.
Rössler, Stadtr. Brünn
221, 39
(
mähr. inseldt.
,
14. Jh.
):
gerten, die mit czewnen ader mit andren dingen sind befrit.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
11
 (
mslow. inseldt.
,
1492
):
also tieff vnd also hoch er will vnnd er soll sein veldt befrid(e)nn.
Ders., Stadtr. Sillein
101b, 13
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
YZ sol nymant seyn obeze hengen in einez andern hof yder man sol auch bevriden seyn teil dez hofez.
Wilkes, Sta. Xanten
110, 12
 [Regestbeleg];
Neumann, a. a. O.
5034
;
Lexer, Tucher. Baumeisterb. 
280, 13
;
Dirr, Münchner Stadtr.
285, 14
;
405, 19
;
Auer, Stadtr. München
312, 12
;
Vogel, Urk. Heiliggeistsp. 
1, 347, 23
;
Winter, Nöst. Weist.
2, 137, 21
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
85, 3
;
Siegel u. a., Salzb. Taid. 
72, 28
;
Scherzius
105
;
Rwb
1, 1400
;
Crecelius
1, 1
;
Pfälz. Wb.
1, 650
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
23
;
Vorarlb. Wb.
1, 269
;
Schweiz. Id.
1, 1284
.
7.
›jn. von etw. befreien, jm. etw. erlassen (z. B. Abgaben)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.
Syntagmen:
jn. der entwerung b., jm. etw.
(
zinsgelt
 )
b
.

Belegblock:

Rwb
1, 1399
(
ab 14. Jh.
).