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ander,
Indefinitpron.
mit adj. Flexion (1-3) /
Adv.
(4).
1.
dient der Kennzeichnung a) eines Zweiten innerhalb einer Zweiheit (dann: ›zweit‹), b) der zweiten Stelle innerhalb eines zeitlich oder sonstwie gedachten Nebeneinanders von mehreren Bezugsgegenständen (dann: ›zweit, nächst, ander‹) oder c) des zweiten Platzes innerhalb einer Rangordnung, die von oben nach unten oder umgekehrt gezählt werden kann (dann: ›zweitrangig, zweitgrößt‹; bei anderer Richtung: ›nächsthöher‹ o. ä.). In allen diesen Nuancen, die in den Belegen nicht immer klar getrennt werden können, kann das Erste dem Zweiten gleich, ähnlich oder von ihm verschieden sein; in diesen beiden letzteren Fällen ist 1 offen zu 3. Punkte einer Argumentationslinie zu a):
ein [...] ander
; zu b):
erst [...] ander [...] drit [...]
usw.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1, .
Syntagmen:
der a. Adam / tot, das a. buch / leben / zeichen, die a. rede / wonung
; Verwendung des Wortes oft in Verbindung mit Herrschernamen, z. B.
der andere Friedrich
›Friedrich II.‹. Phraseologisch:
zum andern mal
›zum zweiten Male‹,
zum andern
›zum zweiten‹.

Belegblock:

Zu a):

Helm, H. v. Hesler. Apok.
17142
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Als wart der ander Adam, | Dar sich hub der begin an.
Ebd.
20626
:
Diz ist der andere tot, | Den die bosen muzen doln | In den heizen helle koln.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
5, 10
(
mslow. inseldt.
,
1569
):
welcher halber tayll auff Weynachten, Der Andertaill aber, auff Georgy gefellt.

Zu b):

Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Luc.
12, 38
(
osächs.
,
1343
):
ob her kůmit in der anderen wache, und ob her in der dritten wache kůmet.
Roth, E. v. Wildenberg
107, 14
(
moobd.
,
v. 1493
):
wann der erst staffel [...] ein endt hat, so vahet an der ander und darnach der dritt.
Cirurgia H. Brunschwig
25
vb, 37 (
Straßb.
1497
):
der and’ sin ist mit eim glüenden isin od’golt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
1, 15
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
derselbs Ruedolff, der annder Fridreich, der dritt Albrecht.

Zu c):

Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981,
Nr. 17 (
rhfrk.
,
1360
):
Concze Hedorn hat ingesacz Wofram und sinen geseln, waz he hat, und sin dy andern.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
49, 11
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Di havin ist di andir havin der werlt.
Mell u. a., Steir. Taid.
59, 33
(
m/soobd.
,
nach 1590
):
Von dem purgfrid zu Schlädming und der Wolkenstainerischen anderten instanz und appellation.
Helm, a. a. O.
6165
;
20603
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
12
;
Gille u. a., M. Beheim
70, 177
;
80, 13
;
Bachmann, Haimonsk.
205, 4
;
Meisen u. a., J. Eck
46, 23
;
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
24, 1
;
V. Anshelm. Berner Chron.
1, 48, 15
;
Sappler, H. Kaufringer
8, 12
;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
23, 11
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
32, 35
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
13, 26
;
Roth, a. a. O.
12, 20
;
Turmair
4, 26, 4
;
Dasypodius
289v
;
Maaler
17r
/v;
Henisch
72
;
Dietz, Wb. Luther
72
;
Schwäb. Wb.
1, 182
f.
2.
dient der Kennzeichnung eines Folgenden innerhalb einer Reihe; ›folgend, nächst‹; anzuschließen an 1; schwach belegt.
Bedeutungsverwandte:
, .
Syntagmen
der a. tag
; phraseologisch:
einen vers um den anderen
›einen Vers nach dem anderen‹,
eins um das ander, auf a. und a. zeit
›nach und nach‹.

Belegblock:

Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
192, 33
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
doch het er die inne mit allen nuttzen in das annder jar.
v. Groote, Wierstraat. Bel. Neuß, Ü zu
2481
f. (
Köln
1476
):
Wie vyll brieue vp ander ind ander zijt vyss dem coelschen heir bynnen Nuyssz geschossen wurden.
Alberus Ss iijv;
Maaler
17r
/v;
Henisch
72
.
3.
dient der Kennzeichnung der Nicht-Identität eines Bezugsgegenstandes mit (selten) einem textuell eingeführten oder (häufiger) mit mehreren solcher Gegenstände, ansatzweise auch Kennzeichnung der Verschiedenartigkeit von Bezugsgegenständen; ›ander, weiter, sonstig‹.
Syntagmen:
a.
(Akk.)
richten; a.
(Nom.)
urteilen; zu dem a. sprechen; a. ding / stük, a. wange / unfure, a. zwei schritte.
˹Phraseologisch:
sich eines anderen beraten
›seine Meinung ändern‹ (
Maaler
);
ander laute / sprache
›mit anderen Worten‹ (vgl. unten die Belege von H. v. Hesler);
anders sinnes / rates
›anderer Meinung‹ (
Henisch
),
auf a. weise / manier
˺. Oft belegt ist der festgewordene alte Genitiv in Verbindung mit
nicht(s): anders nicht(s)
bzw.
nichts anders.
Punkte der Argumentationslinie:
an einem [...] am anderen
›[...] zum anderen‹.

Belegblock:

˹Phraseologisch:
Helm, H. v. Hesler. Apok.
2247
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Die bezeichent ander lute | Siben engel zu gedute.
Ebd.
10557
:
Daz dutet an der sprache | Vollic wer und dar zu rache
˺.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. 1. Vorr. Bl.
2
(
osächs.
,
1343
):
abir die vormezzinheit ist vorchtlich deme zů richtene andere, der selbir ist zů richtene von allen.
Ebd. Mt.
5, 41
;
wer dich twinget tûsent schrite, gê mit ime andere zwei.
Gille u. a., M. Beheim
70, 18
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wann Lucifer ist anders nichtz | czu teutsch wann ein trager des lichtz.
Schülke, Geistl. Gemahelsch.
22, 30
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
wie ie eins daz andere ane lachende ist vnd gar liepliche zů ime redende ist, vnd denne ein anders in dem herzen meinende ist.
Sappler, H. Kaufringer
1, 206
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
die hetten da mangerlai spil | mit scholder und ander unfuor vil.
Maaler
17r
(
Zürich
1561
):
Einer auff die / der Ander auff dise weyß. [...] Es laͤbt einer nit wie der Ander.
Gropper. Gegenw.
22r
, 14;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
350
;
Bechstein, a. a. O. Mt.
8, 9
;
22, 6
;
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
37, 5
;
44, 9
;
Heydn. maister
13r
, 15;
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 196, 1
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
107, 27
;
194, 23
;
Serranus
11v
;
Maaler
17r
/v;
Henisch
72
ff.;
Dietz, Wb. Luther
72
.
4.
dient der Kennzeichnung der Verschiedenartigkeit eines Bezugsgeschehens; ›ansonsten, sonst aber‹; an 3 (letzte Nuance) anzuschließen.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  3.
Syntagmen:
in beiden Belegen (rib.!) in der Kombination
of ander
.

Belegblock:

Chron. Köln
1, 283, 11
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
dat ein ieclich man [...] ein jair lank ein pert halden seulde up sine coste, of anter van deme winzappen laissen.
Chron. Köln
2, 555, 15
(
rib.
,
1499
):
here, men wilt uren neven vain of anter zo doide slain.