stecken,
V.;
im Prät. und Part. II auch
stakte, gestakt
; für die Gesamtzeit vereinzelte Angleichung an
stechen
belegt:
er stikt, stak
; zur Formengeschichte vgl.
Dammers
u. a., Flexion d. st. und schw. Verben. 1988, Zugang über das Register; ferner: Theobald, Sprachwandel [...]. 1992, 249 f. – 1-6, teilweise 7 intrans., 8-12 trans.; 2-6 mit Reduktion der Vorstellung ›konkret stecken‹; Entsprechendes gilt für das Verhältnis von 9-11 zu 8.
1.
›in etw. stecken, konkret feststecken, mittels einer Spitze in etw. befestigt sein, haften (von Sachen)‹; offen zu 2 und 3.
Syntagmen:
das messer in jm., das beil in dem baume, das schwert in der scheide, das holz / eisen in der wunde, das reis im erdreich, ringe in einem futter, die nadel in etw.
[z. B.
in den leffzen der wunden
],
ein baderhutlein in etw. s
.
Wortbildungen:
˹
stekgarn
1 (a. 1512 ff.),
steknez
, jeweils ›in die Erde gestecktes Garnnetz zum Vogelfang‹ (dazu bdv.: vgl. ; zur Sache: Schwenk, Zur Terminologie d. Vogelfangs. [...]. 1967, 134 ff.)˺,
steckensfähig
›zum Ausstecken von Vogelgarnen (
stekgarn
1) befugt‹ (a. 1642).

Belegblock:

Pyritz, Minneburg
5029
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Du verst mir in der bruste lehtzen, | Sam ein meßer in dir stecke.
Mathesius, Passionale
48r
, 7 (
Leipzig
1587
):
wie ein Pfroͤypffreißlein oder Wurtzel / das in einem [...] magern Erdreich stehet / da steckts vnd wil nicht fort.
Cirurgia H. Brunschwig
21
vb, 32 (
Straßb.
[
1497
]):
das man eı͂ nadel stoͤsset durch die beid lefftzen der wunden vnd lasset die nale͂ darin stecken.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
27, 6
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Er füert ain wurfpeihel in seinen handen: das warf er in den pawm, das es da steckte.
Weitz, Albich v. Prag
138, 3
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
Ob ain wund so tyeff ist vnd dar jnn steckt ain holcz oder ain eysen. nym enczian vnd steck jn dar ein.
Bauer u. a., Kunstk. Rud. vor
2540
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein Ringfutter; darin steckhen allerley von schlechten steinen ring, alls: 4 böhmische diamanten.
Rohland, Schäden
532
;
Bauer u. a., a. a. O.
651
;
Schwäb. Wb.
5, 1686
.
Vgl. ferner s. v.  1.
2.
›wo stecken, sitzen, hängen, haften; sich wo befinden, sein (von Sachen)‹.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
3071
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Uwer lib treit unkuscheit, | Girekeit stecket da bi.
Maaler
383r
(
Zürich
1561
):
Die sach hanget [...] / sy Staͤcket / Wenn einer nit weißt wie sich die sach enden wil.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
32, 18
(
oobd.
,
1349
/
50
):
in dem vastendem gedirm sint fünf âdern gestecket, die haizent die pärmleichen âdern.
Ebd.
55, 22
:
firmamentum, daz ist der vest himel, dar umb, daz er ain vest und ain grunt ist aller gesteckten stern.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 172, 17
(
moobd.
,
1524
):
Wann aber der Fan nymer stegkht, so mugen dieselben Burger [...] nach Irem willen kauffen.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
368
(
oobd.
,
1607
/
11
):
in einem papyrin gefierten scatelin steckhen noch 16 runde scheiblein von solcher dinten.
Qu. Brassó
5, 494, 8
(
siebenb.
,
1614
):
Ist aber auch ein Schelm in der Haut, da er [Mehemeth Aga] stickt.
Goedeke u. a., Liederb.
365, 78
;
Maaler
175v
.
Vgl. ferner s. v.  1,  10.
3.
›wo festsitzen, feststecken, festhängen (konkret räumlich sowie übertragen); sich wo befinden, aufhalten‹.
Phraseme:
tief in der suppe, im kot, im bad stecken
›tief in Problemen stecken‹.
Syntagmen
˹vereinzelt absolut:
j. stekt
˺;
j. im winkel, in einem loch, in anfechtung / not / schulden / tod / sorge / verderben, im kerker seines leibes, in der weltlichen ehe s., jn. ane trost s. lassen
.

Belegblock:

Luther, WA
33, 488, 22
(
1531
):
Dohin bringet man es wohl, das er es in seinem gewissen fuhlet, das ehr stecke und das gewissen ihme geruret ist.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
393, 30
(
Wolfenb.
1594
):
Ich steck ja so tieff in der Suppen als sie.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
554, 1494
(
Magdeb.
1608
):
ES ist auch recht das man erschreckt / | Sein Feind / der noch im winckel steckt.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
25, 22
(
Frankf./M.
1626
):
Weil ich im Kercker noch meins Leibes steck gefangen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
78, 22
(
Nürnb.
1548
):
das Gott [...] / vns inn der anfechtung nicht stecken lassen [...] woͤlle.
Vetter, Pred. Taulers
301, 11
(
els.
,
1359
):
Wan er [mensche] stecket so verborgenlichen in der naturen in dem vihelichen grunde.
Wiessner, Wittenw. Ring
6420
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Er [preutgom] misst nit, wo | Er was [...]. | Er was gesteket in der mitt | Sam in dem sne ein andrer schlitt.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
881
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Suß steken ich und worgen | In ainem alten grawen rok.
Bächtold, N. Manuel. Zugabe H. R. Manuel
342, 1263
(
Zürich
1548
):
Du steckest warlich tief im bad, | Es ist ietz siben guldi grad!
Maaler
383r
(
Zürich
1561
):
Im kaat staͤcken. [...]. Jn schwaͤren schulden Staͤcken.
Peil, a. a. O.
157, 3514
;
Franck, Decl.
332, 23
;
v. Keller, Ayrer. Dramen
3101, 25
;
Banz, a. a. O.
73
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
126, 14
.
Vgl. ferner s. v. (
die
1.
4.
›in jm. stecken (z. B. Gutes), jm. innewohnen, über etw. verfügen; darin liegen, daß [...]; [wo] stecken; voll von etw. sein‹.
Phraseme:
da stekt (stikt) es
›das ist der Kern der Sache‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  2, (V.) 3,  4.
Syntagmen:
der verstand
[wo]
s., der gewin in etw. s., in jm. viel kunst, etw. götliches / gutes s., wiz in der albertät s
.;
j. manheit
(Gen.)
gestecket vol sein
.

Belegblock:

Luther, WA
48, 175, 3
(
1545
):
Niemand kömt zum Vater denn durch mich. Da sticks Wer das nicht gläubt Der muß yrren.
v. Keller, Amadis
387, 8
(
Frankf.
1571
):
dieweil er schon erfahren, was hinder dem Agraies vnnd Galuanes stecket.
Perez, Dietzin
1, 129, 29
(
Frankf.
1626
):
Zu dem steckt der gewinn auch in diesem / das man Kräen fúr Dauben verkauffen kan.
Opitz. Poeterey
8, 29
(
Breslau
1624
):
vermeineten die einfaͤltigen leute / es muͤste etwas goͤttliches in jhnen [Vaͤter der Weißheit] stecken.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
73, 24
(
Nürnb.
1548
):
vn̄ wissen das nichts guts in vns steckt.
v. Keller, Ayrer. Dramen
2939, 2
(
Nürnb.
1610
/
8
):
Junckherr sagt: Hämpl, es steckt gar viel Kunst in dir.
Koppitz, Trojanerkr.
12256
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Mich tunktt daz der selbe barn, | Sy manhait gestekett vol.
Luther, a. a. O.
41, 55, 4
;
48, 49, 9
;
48, 62, 9
;
51, 645, 2
;
Tpma
11, 119
 f.
Vgl. ferner s. v. (Adj.) 6,  1.
5.
›sich in / hinter etw. / jm. verbergen, verstecken; wo stecken, latent vorhanden sein‹.

Belegblock:

Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
20
 f., 27 (
Frankf./M.
1626
):
in manchem Rossz viel tugent heimlich stecket / | Die durch viel uͤbung erst in jhm wird auffgewecket.
Weise. Jugend-Lust
143, 5
(
Leipzig
1684
):
Es stecken etliche Geheimniße dahinter / welche dem Koͤnige / bey erster Gelegenheit sollen offenbaret werden.
Goldammer, Paracelsus
7, 266, 2
(
1530
/
40
):
nach irem tod hat ein ieglicher dem, der ihm geholfen hat, ein bild gemacht zu einer gedechtnus; und dasselbig vermeint, desselbigen auguristen sel steck darinen und sein geist.
Maaler
383r
(
Zürich
1561
):
Es Staͤcket ein beschissz oder trug darhinter.
Heidegger. Mythoscopia
52, 26
(
Zürich
1698
):
wie man zum Exempel glaubt / under dem Boccalino stecke der Cardinal Cajetanus.
6.
›ruhen (von Betrieben); aus dem Umlauf kommen, einschlafen (von Gerüchten)‹; trans.: ›etw. (z. B. die Arbeit) zum Stillstand bringen; etw. (z. B. Gebäude, Felder) unbewirtschaftet lassen‹.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
72, 27
(
omd.
,
1563
):
damit die gebeude und arbeit nicht gestecket, sondern dieselben mit andern arbeitern versehen koͤnnen
[Konstruktion unklar; möglicherweise ist
gestechen
anzusetzen: ›ruhen‹].
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 29, 22
(
schles.
,
1533
):
alles das einer in bemelter zweien wochen ain oder zwo schicht arbeiten und s. f. g. und andern gewercken zu schaden die gepeu und felder damit stecken und verfangen halten wolt.
Ebd.
193, 10
(
1640
):
Erstlichen soll er Ziegenhorn solch obgedacht unser bergwerk in trieb halten und nicht stecken lassen.
Chron. Augsb.
6, 35, 5
(
schwäb.
, zu
1527
):
blib die sach also stecken, es were uber ain hochs ausgangen.
7.
›etw. in hohem Maße, in Fülle aufweisen, voll von etw. (Konkretem oder Abstraktem) sein‹; ins Nhd. teils auch einfach mit
sein
übersetzbar. Im Verhältnis zu 1 bis 6 ergibt sich hier folgende Verschiebung der Bezugsgrößen: In 1 bis 6 steht die Größe, die in etw. steckt, in Subjektstellung, die Größe, in der etw. steckt, in der Prädikation; in 7 steht die Größe, in der etw. steckt, im Subjekt, die Größe, die in etw. steckt, in der Prädikation. Beispiele:
ein holz stekt in der wunde
(unter 1) vs.
der himmel stekt voller gnade
(unter 7).
Phraseme
(am ehesten hier anschließbar):
gestekt vol
1) ›übervoll‹; 2) ›betrunken‹, wohl als Ellipse verstehbar: Auslassung der Bezugsgröße, die jn. / etw. füllt.
Syntagmen:
Prädikationen unterschiedlicher Struktur, oft (ansatzweise phrasematisch) mittels
vol
(flekt. oder unflekt.) und daran angeschlossenem Subst. (unflekt. oder im Gen.);
der seckel vol s., etw. vol geld s., der leib vol begierde / affect s., das rad vol messer gestekt sein, der sin vol böser list s., die weiber voller list s., j. vol forchten, in sorgen, in einem wan, voller verräterei s
.
Wortbildungen:
stekvol
›übervoll‹.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
249, 6331
(
Magdeb.
1608
):
Der vntrew Sinn bleibt jmmerdar. | Er steckt so voller boͤser list.
Kurz, Waldis. Esopus
2, 12, 97
(
Frankf.
1557
):
wer allzeit voll forchten stickt, | Fürm lehren schatten offt erschrickt.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
229a
, 16 (
Frankf./M.
1649
):
weil ettliche Inquisitores oder Cõmissarij in diesem Wahn stecken / alß ob sie nicht jrren könten.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
27, 23
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Wer seinem weibe nicht gelauben und vertrauen wil, der muß stecken in steten sorgen.
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
710
(
Nürnb.
1613
):
das Sprichwort noch war ist / | Die Weiber stecken voller list.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
294, 15
(
els.
,
1362
):
hies der keyser sand Gergen legen uf ein rat, daz waz fol snidender messer gestecket.
Wiessner, Wittenw. Ring
4430
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
ein sprüchwort saget daz: | Dem der seckel steket vol, | Den hört man gern.
Maaler
176r
(
Zürich
1561
):
Gesteckt voll / Aufgeblaͤyet vnnd geschwullen von voͤlle. Turgidus. Gesteckt volle gastmaͤler / darinn man eng vnnd dick in einanderen sitzt. Conuiuia arcta. Gesteckt voll sein / Raͤch oder getruncken volls sein. Turgere.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
25b
, 28 (
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
ob er / spreche der hymel / stecket voller gnade.
Turmair
4, 393, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
da es [kriegsvolk] fand mit wein am ersten, darnach mit ander lifrung alle dörfer und heuser auf dem gä und land steckvol.
Bachmann, Morgant
179, 53
.
Vgl. ferner s. v. ,  1,  2.
8.
›etw. in etw. hineinstecken‹, in den Phrasemen und sonst vereinzelt mit Obj. d. P.; ohne Obj.: ›Rebstöcke o. ä. einstecken‹.
Phraseme:
etw. in sich stecken
›sich etw. in den Kopf setzen‹;
jn. ins hundeloch stecken
wohl ›jn. ins Gefängnis werfen‹;
jn. in den sak stecken
1) ›jn. ertränken‹; 2) ›jn. überwinden, js. Herr werden‹;
die augen nicht in den beutel stecken
›die Augen offen halten, wachsam sein‹;
seine finger in alle löcher stecken
›sich überall einmischen‹;
sich dem teufel in den hintern stecken
›dem Teufel in den Hintern kriechen, ihm dadurch verfallen‹; (mit Bezugsgrößenverschiebung im Sinne von 7 wohl hierher)
etw. in brand stecken
.
Syntagmen:
die kerze in einen leuchter, kraut in einen zuber, den stab in die erde, das schwert in die scheide, den zagel in das or, wolle in die nase, einen zaun (auf js. grund), etw. in das wams, jn. in das wasser s., jm. etw
. (z. B.
geld
 )
ins bette s., das auge in das sonnenrad s
. (poetisch),
jn. in die seite s
.
Wortbildungen:
steckenräbe
,
stekräbe
eine Art Kohlrabi,
steckenagel
›Eisenbolzen zum Befestigen der Kunststange im Geschlitze‹ (nach Dwb
2, 1, 1370
),
stekgarn
2 wohl ›kleines Zierwappen zum Anstecken (bei Turnieren)‹,
stekmesser
wohl ›im Hüftbereich eingesteckter kleiner Dolch‹, möglicherweise aber auch (s. d.; mit formaler Beeinflussung durch
stecken
).

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
384, 26
(
preuß.
,
1406
):
12 fenchin mit golde gemolet unsers homeisters wopen und 50 cleyne stecwopen.
Luther, WA
30, 3, 571, 20
(
1533
):
Habt das spiel jnn guter acht und steckt die augen nicht jnn beutel.
Ebd.
32, 379, 36
(
1532
):
Da wolt jch [...] lieber helffen, das man solche zur staupe schluge odder jnn einen sack stecket.
Ebd.
32, 457, 10
:
Wie kond sich ein mensch hoher schenden denn das er seinen trost von Gott wendet [...], und stecket sich dem Teuffel jnn hindern und seine lust hat jnn seinem stanck.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
354, 19
(
Wolfenb.
1594
):
Nun habe ich verstanden, Man wolle mich gar beym Kopffe nehmen, vnd ins Hundeloch stecken, Derhalben bin ich auch hiehero gangen mich zuuerbergen.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
76, 12
(
Frankf.
1535
):
Nim wenig baumwoll / [...] / die wollen steck in die naßloͤcher / benimpt das bluͦten.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 59, 50
(
Frankf.
1557
):
[Wer] Sein finger in alle loͤcher steckt, | Dem werdens auch zu zeiten bdreckt.
Opel, Spittendorf
2, 18
(
osächs.
,
um 1480
):
Sondern sie selber mit ihren vorgeschriben rathen (?), den sie sonderlich suchten, hatten sie in sich gestackt und nicht die parten gemeine, die mochtens nie nicht gewenet haben
[Konstruktion unklar].
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 173, 2
(
schles.
,
1617
):
24 ringe 4 steckenägel 1 schraubenstock.
Opitz. Poeterey
12, 6
(
Breslau
1624
):
wie Dido sich selber entleibet / wie die Staͤdte in den brandt gesteckt werden.
Bihlmeyer, Seuse
468, 15
(
alem.
,
14. Jh.
):
untz daz der swere nidertragende lip wurt abe geleit und daz gelúterte oͮge in der ewigen sunnen rad frilich wurt gestecket.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 7, 27
(
Hagenau
1534
):
Da sie ynn [...] S. Niclas nacht den kindern gelt / obß / odder pfefferkuchen / [...] / yns bette [...] gesteckt.
Ebd.
15, 24
:
wer den andern vermag / der steckt yhn ynn den sack / Die schwachen armen mussen allzeyt unten ligen.
Kocher, Rechn. Schönenwerd
249, 87
(
halem.
,
1386
):
ze binden, ze stekken und ze beigen unde de garten ze ruͤrren XV lb.
Wyss, Luz. Ostersp.
7425
(
Luzern
1545
):
Petre, steck in din schwärt in dscheyd!
Maaler
385v
(
Zürich
1561
):
Steckenraͤben / Die zamen nempt man trucke͂ steckraͤben / die wilden nassz steckraͤben. Napus.
Rennefahrt, Gebiet Bern
413, 5
(
halem.
,
1612
):
soll ouch niemandt [...] kein zug-, steck- oder schneegarn, [...], noch lockeren bruchen.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
504
(
Genf
1636
):
Steckmesser / m. Coupegorge des bouchers, le cousteau donts ils esgergent les bestes, Clunaculum.
Drescher, Hartlieb. Caes.
166, 34
(
moobd.
,
1456
/
67
):
und so pald ward in das lieb heyltum, das er truͦg, aber in die seitten stossen und stecken
[semantisch von
stechen
1 beeinflußt]
als mit einem gartt.
Winter, Nöst. Weist.
1, 12, 30
(
moobd.
,
2. H. 16. Jh.
):
Wan iemant ain zaun steckt [...] auf seines nachtpern [...] grunt, ist ain fravel [...].
Ebd.
903, 35
(
um 1650
):
dem fluß mit [...] raumben durchhelfen und wo es füeglich mit peischen stecken und anschütten helfen.
Ebd.
2, 306, 37
(
1. H. 16. Jh.
):
ob ainer dem andern zu nahent stigkt zeunt raint oder grebt, ist umb ain fräflichs wandl [...] 12 ₰.
Chron. Magdeb.
2, 171, 27
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
49, 169
;
Belkin u. a., a. a. O.
76, 6
;
Schönbach, Adt. Pred.
33, 36
;
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1605
.
Vgl. ferner s. v. , (V.) 6.
9.
›etw. (z. B. eine Fahne) durch Einstecken in die Erde oder durch eine assoziierbare Handlung aufstellen‹; mehrfach ütr.: ›etw. (z. B. eine Wache) aufstellen‹; ›eine Ordnung aufrichten‹ (s. u. Bischoff u. a.; möglicherweise noch bildhaft: ›einen Rechtsbezirk abstecken‹).
Phraseme:
jm. einen pflok stecken, einen pflok für etw. stecken
o. ä. ›e. S. einen Riegel vorschieben; jm. Einhalt gebieten‹;
jm. ein mal stecken
›jm. etw. deutlich machen‹;
einen schubel nicht für etw. stecken
›etw. frei wirken lassen‹.
Syntagmen
einen spies stecken, das banner / fänlein s
.; ütr.:
eine hut auf jn
. (oder:
jm.
)
s., die freiung s
.
Wortbildungen:
stekkerze
.

Belegblock:

Luther, WA
30, 3, 447, 34
(
1531
):
Jch hab meine buͤchlin jnn dem stuͤck wol verwaret und allen lestermeulern einen pflock dafur gesteckt.
Ebd.
33, 68, 31
(
1530
):
Aber Christus hat einen pflock darfur gesteckt undt spricht.
Ders., Hl. Schrifft. Röm. Vorr.
2266, 31
(
Wittenb.
1545
):
hie ist den freuelen vnd hochfarenden Geistern ein mal zustecken / die jren verstand am ersten hie her füren.
Chron. Nürnb.
2, 347, 3
(
nobd.
,
1449
/
50
):
darnach das grösser und zu underst das cleiner brugrefisch panier, die auch alsdann etliche jare offenlich und vor meniglich steckoten und erschinen.
Gille u. a., M. Beheim
99, 801
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Den spiss
[mit einer aufgespießten Person]
er fur daz kloster stakt, | dy armen munch vil ser ersrakt.
Mayer, Folz. Meisterl.
52, 140
(
nobd.
,
um 1480
):
Daz du fur Gotz parmherczikeite | Nit steckst ein schubel.
Bernoulli, Basler Chron.
5, 5, 283, 5
(
alem.
,
1445
):
und stackten uff die von Rynfelden ein huͦt im holtz und ein huͦt wider Magton.
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 389, 3
(
moobd.
,
1421
):
darumb suͤllen die pfleger dez obgenanten spitals, [...] die mess ewikleich versargen mit messgewand, messbuͤcher, kelichen, steckertzen auf den altar, wandlkertzen vnd altartuͤcher.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
209, 29
(
m/soobd.
,
1590
/
4
):
eß soll ein richter von niemant über alte verstrichene händl, allweil die fürstliche freiung steek, klag aufnemben.
Luther, WA
32, 180, 10
;
Sappler, H. Kaufringer
16, 502
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 4442, 54
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1,
1
.
10.
›etw. in etw. einfügen, an etw. befestigen, wo anbringen, hinbringen, hinstecken‹; auch ütr., dann z. B. ›jn. in Unglück bringen; sich in Gefahr bringen‹.
Phraseme:
sich in eine sache stecken
›sich einmischen‹;
die zunge in den nacken stecken
›auf große Töne verzichten‹;
etw. unter die bank, unter den stul stecken
o. ä. ›etw. übergehen, unbeachtet lassen‹;
jn. unter die / der bank stecken
(s. u. Belegkommentar zu Luther, WA
51
).
Bedeutungsverwandte:
 1,  1.
Syntagmen
geld in die hosen, pfennige in den beutel, eine feile in den schuh, js. haupt in den tempel, an die zinnen, die ampel an einen stab, liecht an einen leuchter, den querder an die angel, ein gericht an einen spies, ein kraut auf das dach, das augenglas / den augenspiegel auf die nase s
., ˹ütr.:
jn. in sorgen / schulden / sich in gefar, die welt im jamer s
.˺;
sterne an den himmel gestekt sein
.
Wortbildungen:
stekgufe
(zum Gw s.
1
; dazu bdv.: vgl. ,  ),
stekheft
(A. 17. Jh.; dazu bdv.: ; vgl. ).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
1792
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Do wart daz ware liecht gestact | (Unser herre Jhesu Crist, | [...]) | An die siben luchtere.
Große, Schwabensp.
181a
, 15 (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Vp swelcheme guͦte der richter sin gewette nicht ne vindet, so daz iz zuͦ eme ist, da sol der vrone bote vber daz tor eyn cruͦte vf daz dach steken vnde sal iz da mite bevronen.
Luther, WA
33, 84, 30
(
1531
):
im Bapstumb ist diese lehre gahr unter der banck gesteckt.
Ebd.
421, 27
:
So soll man thun, wen man schreckliche predigten von Gottes Zorn horet, das man die zunge heimlich in den nacken steckt, das gespott draus treibet.
Ebd.
51, 652, 191
(
um 1535
):
Wenn man den baürn vnter die banck steckt / so ragen doch die bein erfur
[›Bauernart läßt sich nicht verleugnen‹].
Dat nuwe Boych
423, 13
(
rib.
,
1396
):
dat der vurss. Rutger vast heymlichen der Stede gelt [...] in syne hoisen warp vnd stach
[hier morphologisch und graphisch von
stechen
beeinflußt].
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
102, 2
(
Frankf./M.
1568
):
Jch mach Steckhefft auß Messing drat / | Fein außgebutzt / rund / sauber / glatt.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
361a
, 21 (
Frankf./M.
1649
):
viellieber zehen schuldige loß zu geben / alß sich in Gefahr zu stecken.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
112, 21
(
osächs.
,
1570
/
7
):
lüfte die rinde [...] so lang und so breit, das du das abgeschnittene impfle gemechlich darzwuschen stecken magst.
Mathesius, Passionale
50r
, 14 (
Leipzig
1587
):
vnd thet jhm wehe / das der Teuffel also regieren / vnd die Welt in solchem jammer stecken solte.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
170r
, 24 (
Leipzig
1588
):
S. Johannes der Teuffer hat dem Koͤnig Herodt vnd seinen Hoffleuten gar nichts vntern Stuel gesteckt.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
6, 52, 13
(
Straßb.
1466
):
sein wappen geheiligten sy in dem tempel irs gotz: vnd sein haubt stackten
[Luther
1545, 1
. Chr. 11, 10:
hefften
]
sy in den tempel dagon.
Maaler
385v
(
Zürich
1561
):
Einen in sorg Stecken [...]. Seine fründ für sich in schulden Stecken [...]. Sich in ein vnnoͤtige sach Stecken.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1093
(
oobd.
,
1607
/
11
):
Ein [...] antiquitetische ölampel, die man an ein stab stecken kan.
Ebd.
1289
:
augengleser [...] wie mans uff die nasen pflegt zu stecken.
Mollay, H. Kottanerin
14, 26
(
moobd.
,
1439
/
40
):
der legt an [...] zwen vilczschuech, vnd in yeden schuech stekchat er ain feil.
Luther, a. a. O.
32, 347, 2
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1142
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
167, 1
;
Hajek, Guͦte spise
47
;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
17, 5
;
Pfälz. Wb.
6, 472
.
Vgl. ferner s. v.  3,
1
 5, ,  3,  1,  1.
11.
›jn. festsetzen, gefangen setzen; jn. wohin [z. B. in ein Kloster] einweisen‹.
Phraseme:
jn. / sich zwischen tür und angel stecken
›jn. / sich in eine prekäre Situation bringen‹.

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse
493, 11
(
alem.
,
14. Jh.
):
die do gestecket und gevangen sint umb alte schulde der fulen súnden.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 195, 26
([
Augsb.
]
1548
):
Junckfrawen soll man nicht verheyraten / noch in die Kloͤster stecken ehe [...].
Henisch
80
(
Augsb.
1616
):
Wer sich zwischen thür vnd angel steckt / der klemet sich.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
76, 42
(
smoobd.
,
1654-68
):
der pflëger soll in weder einlëgen, weder stëcken noch blëcken.
Luther, WA
32, 37, 21
;
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
390, 11
.
12.
›(die Augen) fest auf etw. richten; stechend blicken, glotzen; sich starr auf jn. richten‹.

Belegblock:

Rieder, St. Georg. Pred.
98, 29
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
so erwindet si niemer e daz si kumet mit iren gedaͤnken fúr Gottes stuͦl und steket ir ogen in den goͤtlichen spiegel.
Ebd.
334, 8
:
also daz ez niemer an dehaim taile die mâz úbergange, daz main ich alsuz: lachen ane zen embleken; sehen ân ogen steken.
Vetter, Pred. Taulers
45, 22
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz sú also groͤslichen in Got worent verstart und gestecket das sú einen trehen zuͦ irme ruͦffe sich nie geneigetent.