lassen,
V., unr. abl.;
oft kontrahiert (
lan, gelan
); Stammvokal oft zu verdumpft;
zu
mhd.
lâzen
›unterlassen, frei lassen, lösen‹
().
– Die Bedeutungsansätze erfolgen (entsprechend dem Charakter dieses Wörterbuches als Bedeutungswörterbuch) primär unter lexikalischen Aspekten, nicht also von grammatischen Regularitäten her; insofern wurden in einigen Ansätzen Belegvorkommen, in denen
lassen
eher als Vollverb zu interpretieren ist, mit solchen zusammengefaßt, in denen es eher als komplexes Prädikat, als Modalverb oder als Hilfsverb fungiert. Zur Grammatik des Wortes im heutigen Deutsch vgl.
Eisenberg, Grundriß.
1994, 389
f.; , 705f.
1.
›jm. etw. erlauben, gewähren, zugestehen; etw. zulassen, etw. nicht verhindern, etw. dulden; etw. ermöglichen‹ (jeweils permissiv in dem Sinne, daß e. P. etw. gestattet, das sie auch verhindern könnte).
Phraseme:
etw. aus den augen lassen
;
jn. zu gnaden lassen
›jn. der Gnade teilhaftig werden lassen‹;
sich dünken lassen
›sich einbilden‹;
sich auseinander lassen
›aus den Fugen geraten, brechen‹;
zu sich selber gelassen werden
›zu sich kommen, erwachen‹;
sich begnügen lassen, sich an / mit etw. genügen lassen
›mit einer Sache zufrieden sein‹;
sich an etw. lassen
›sich dreingeben in sein Schicksal‹;
e. S. iren gang
(o. ä.; z. B.
dem wasser seinen runs
)
lassen
;
sich nichts anfechten lassen
;
etw. gut sein lassen
.
Bedeutungsverwandte:
 1, , .
Syntagmen:
nahezu ausschließlich mit persönlichem Subj. belegt;
spielen l
. ›das Glücksspiel erlauben‹,
l., das
[..., als Objektsatz]
; etw.
(z. B.
den spot
)
l., jm. etw.
(z. B.
das wort, gewin / ruhe
)
l., e. S.
(Dat.)
stat l.;
(bei Auffassung des Verbs als komplexer Einheit ist in folgenden Fällen Ellipse eines Infinitivs anzunehmen:) ˹
jn. naus, achter / für sich, aus dem banne, über mer, in das geschlos l., etw.
(z. B.
eine ku, vieh
)
auf die gemeine, über feld l.
, ansatzweise phrasematisiert:
jn. in / zu frieden / ruhe l.
˺; eine Vielzahl von Belegen ist als AcI-Konstruktion auffaßbar, dann ist der Akk. des Verbkomplexes logisches Subj. zum Infinitiv bzw. zum Aktivsatz; (mit einstelligem Verb):
jn. abziehen / bleiben / faren / gehen / kommen / leben / liegen / reden / sein / bei sich schlafen, in sich wirken l., etw. abkommen / ergehen / erliegen / geschehen / verbleiben / verkümmern l
., (mit zweistelligem Verb, bei Nennung des Handlungsträgers und des Handlungsbetroffenen):
jn
. (z. B.
den babst
)
jn
. (z. B.
uns
)
äffen / närren l.
, (mit Nennung des Handlungsträgers und Handlungsergebnisses):
jn. etw. bauen / gewinnen / tun / üben l
., mit präd. Ergänzung:
jn. geschändet sein l., jn. jn. begraben l., jm. die rosse folgen l
., mit
sich
muß in folgenden Belegen passivisch gelesen werden (bei zweistelligem Verb und Auslassung des Handlungsträgers: ›daß j. geächtigt usw. wird‹):
sich ächtigen / äffen / begreifen / beklagen / drücken / nöten / schlagen / taufen / verfüren l
., (bei dreistelligem Verb: ›daß jm. etw. abgetrutzt usw. wird‹):
sich etw. abtrutzen / angewinnen / kosten / sagen l.
, aktivische Lesung bei zweistelligem Verb):
sich etw. gefallen l., sich nach etw. belangen l., sich etw.
(z. B.
das gebot
)
hindern l., sich den verlust abschrecken l., sich etw.
(z. B.
die wollust
)
verblenden l., sich jn. berauben l
.; (aktivisch wie passivisch lesbar):
sich wo finden l., sich nacket schauen l
.
Wortbildungen:
lasbrief
1 ›Begleit-, Zulassungsschreiben für die Appellation‹ (dazu bdv.: vgl.  2; a. 1485),
lasgereite
›jm. zugewiesener bzw. erlaubter Bachteil beim Fischen‹ (Grundwort schwer zuzuordnen).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Sint her Luciferum vorstiez | Und her in nicht zu gnaden liez.
Diz wort lazet ane zorn, | Wen ichz vorswigen nicht entar; | Ich muz durch not hie sprechen war.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
So sol man in nach achte tagen lan varen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
645, 4342
(
Magdeb.
1608
):
Noch vber die drey hundert Mann / | Die wolten zu jhn all hinein / | Die im Schiff / liessens nicht gut sein.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz wort ,homo‘ nemen wir von vrouwen und von mannen, aber die Walhe wellent ez niht den vrouwen lâzen durch ir krankheit.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Die kone ricken [...] | [...] ire viande twungen | [...] | dat sy in den segen moisten laissen.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
840
(
rib.
,
1444
):
Dey [keyser, keyserynnen] hie [Ambrosius] nye en leys gewynnen | Syn huys noch ouch syn recht.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
337
(
Köln
1476
):
[dye koene froemen] lyessen dye vyand koemen.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
DARE COMMOdato. Leyhen geprauchen lassen verstrecken.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
121, 13
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Lyebe ffrouwe sprach der getwerg / jr lassent mich dan bij üch slaffen vnd nement mich nackent in uwer arme.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
49
(
mrhein.
,
um 1335
):
Ir sollent vch deufen lazen.
Ebd.
255
:
E ich virlore minen got, | ich liez e aller der werlete spot.
Dubizmay, kurß zu Teutze
23, 8
(
hess.
,
1463
):
Dir here getrew ich das du mich nicht ewiglich last geschendet seýn.
Ebd.
44, 6
:
meyne fuße laß ich nicht fallen nach einslaffen.
Ebd.
90, 15
:
Nv laße deynen knecht here [...] In fride.
Froning, Alsf. Passionssp.
3993
(
ohess.
,
1501ff.
):
das ich dich uff dissen dagk | toden adder leben loysßen magk!
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
54, 15
(
Frankf.
1535
):
wann diser steyn vnder den magnet gelegt würt / so bindt er den magnet / vnd laßt jn nit eisen ziehen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2378
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
di reine kuscheit lessit des nicht, | si wolle di bosen gedancken uss triben.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt (
osächs.
,
1343
):
Herre, lâz mich von êrst gên und begrabin mînen vatir.
Anderson u. a., Flugschrr.
3, 10, 19
(
Wittenb.
1525
):
schwetzer / der niemant gerne reden hoͤret / denn sich selbst / ia niemant reden lest noch hoͤren wil.
Luther, WA (
1530
):
Dw magdt laß dich keynen plauderer verfuren.
Ebd. (
1549
):
die [Der grosse gottlose hauffe] leben frey sicher dahin im sause [...], lassen sich nichts anfechten.
Ebd. (
n. 1537
):
kere ich mich nicht dran, lasse michs auch nicht irren, Sondern halte mich an dein Wort.
Sermon Thauleri
4va, 8
(
Leipzig
1498
):
das man sich tzu mal halde in eynem gotleide͂ vnd habe sich mussig. vnd laße got yn ym wircken.
Fastnachtsp. (
nobd.
,
15. Jh.
):
Welcher mensch den teufel sich lest berauben | Daz er do zweifelt an dem gelauben.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
75, 36
(
nobd.
,
1523
):
Begern sie nauß, soll man sie also bald wider naus lassen.
Dietrich. Summaria
20r, 41
(
Nürnb.
1578
):
niemand lest sich gern trucken.
Bell, G. Hager
49, 2, 6
(
nobd.
,
1593
):
so [...] jemant sich [...] | lis duncken [...] | Er seÿ etwas [...], | Der be drüeget sich selbstest.
Ebd.
336, 2, 13
(
1610
):
wo [...] | Einer jn einem Hauss frembt jst, | So muss er gar oft schweigen stil; [...] | muss oft sich | was kosten lon.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
,
1610
/
8
):
Wie die Vestalischen Jungfrauen | Im Bad sich nacket lassen schauen | Etliche fremmte Manns Person.
das seind warlich schöne Birn. | Wenn du dich etwan list verführn? | [...] | Drumb mich bey leib nicht hindern thut, | Vnd last doch die Birn fressen mich.
Darumb dhue die Reyß mit mir Wagen | Vnd laß mir mit dir gleichen gwin!
Rieder, Gottesfr. (
els.
,
1327
):
do mir dis getroͮmde und ich do wider zů mir selber geloßen wart.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 390, 5
(
Hagenau
1534
):
Soll eyn kind gedeyen / so mag yhm der vatter leicht etwas lassen / ja es ist zuvil was er yhm laßt / und wenn er yhm schon nichts liesse.
Enders, Eberlin (o. O. [
1526
]):
man sol sich den verlust des vorigen iars nit loͤssen abschrecken.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz solte ich liden und mich dran lossen.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
7, 16, 34
(
Straßb.
1520
):
Das laß ich sein / des gewaltz halb.
Roloff, Brant. Tsp.
383
(
Straßb.
1554
):
keyn zeit laßt man mir rhů.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
wie die vnbedachtsame Jugend der guten zeit [...] so thöricht laßt vorüber schleichen.
Goldammer, Paracelsus
7, 175, 19
(
1530
):
derwegen sollen sie der ehe iren gang lassen.
Bachmann u. a., Volksb. (
alem.
,
15. Jh.
):
Alle strick oder zemenfüegung der hölczern in dem sale, da er in was, erkrachotend und liessen sich uß einandren.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
9v, 6
(
Zürich
1521
):
wolt in got nit lassen buwen das huß des herren.
Ebd.
21r, 15
:
Die andren lassen sich bnuͤgen / das sy vnder den eerlichen edlen geachtet werden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Zů einem Gelassen werden / Einem gmein vnd angenaͤm oder anmuͤtig sein / Eingang zů einem haben. Admitti ad aliquem.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
296
(
Genf
1636
):
lassen / nicht auffhalten / Laisser en aller, Sinere. lassen / Gestatten / Zulassen / [...], Permittere.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu 
1490
):
ain daill wollt, man soltz hie nit würcken, [...]. also saß offt ain ratt darüber [...] daß mans also latt würcken.
Ebd. (zu 
1495
):
daß er [...] wolte [...] in zů ainem erben seines lands machen. solichs lůß im der ro. kinig gefallen.
Ebd. (Hs.
16. Jh.
):
da wolt der marggraff den poten nit für in lan.
Ebd. (
1541
):
Da ward [...] | Beschlossen [...] | Allein beim Gottes wort zu bleiben | Und niemandt sich darvon lan treiben.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Der [Aristoteles] was der schrift wol gelert, | Doch musst er sich lon bucken, | Wie man findt in vil stucken, | Das der frawen list | Über aller maister kunst ist.
Andreae. Ber. Nachtmal
111r, 14
([
Augsb.
]
1557
):
ob sich schon etwo dz flaisch krümmet / so můß es doch vnter den gehorsam͂ Christi / vnd sich vberbangen lassen.
Jaksche, Gundacker (
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
sei iemen mein geticht zorn | [...] | daz laz ich gar ane haz.
Klein, Oswald
32, 20
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Dieselbig kamer pringet we, | wer sich unkeusch begreiffen lasset sunder ee.
Ebd.
33, 31
:
Die mir kain rü lat spät noch frü.
Ebd.
112, 350
:
da bistu, richter, schuldig an, | das du die partei lassest gän.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
36, 6
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Er [der hunt] get hinder sich davon, daz er dem sunnenglast stat lezt.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1591
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Lät aber er si ir poshait üben, daz geschïcht aintweder an sein wissen oder er achtet sein nicht oder mit seinem willen.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1569
):
Wöllicher spillen läste ist zu wandl verfalln.
Ebd. (
1530
):
welcher maister nit kumbt an sant Gilgen tag zu den gereider tailen, und der hat seine laß gereider versaumbt.
Ebd. (
15. Jh.
):
wer auch ain chue uber veld lett [...], der ist [...] phlichtig.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1625
):
dieweil er isst, soll er die schwein an den tisch binden und auß den augen nit lassen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
619, 3545
;
Meijboom, a. a. O.
4010
;
Belkin u. a., a. a. O.
134, 3
;
Bergmann, Ambr. Liederb. ;
Jahr, H. v. Mügeln
134, 2464
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
6, 20
;
Logau. Abdank.
162, 16
;
165, 16
;
v. Keller, a. a. O. ; ; ;
Goldammer, a. a. O.
6, 187, 20
;
Lauchert, Merswin ; ;
Bernoulli, Basler Chron. ;
Plant u. a., Main. Naturl.
303rb, 10
;
Lauater. Gespaͤnste
14r, 21
;
Sappler, H. Kaufringer
1, 132
;
3, 248
;
30, 118
;
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
3664
;
Meisen u. a., J. Eck
35, 32
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
24, 73
;
Klein, a. a. O.
9, 31
;
10, 41
;
88
;
Auer, Stadtr. München ; ;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Winter, Nöst. Weist. ;
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
195, 204
;
211, 78
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ; ;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ; ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
9, 8
;
Qu. Brassó
5, 381, 29
;
Voc. Teut.-Lat.
s iijr
;
Vgl. ferner s. v. (V.) 8,  1, ,  1, ,  8,
2
, (V.) 1, (Präp.) 5, , ,
1
 3,  1,  4,  6, (Adj.) 3.
2.
›bewirken, daß etw. geschieht, sich ereignet, gemacht wird, etw. veranlassen‹.
Phraseme:
das los lassen
›das Los über jn. entscheiden lassen‹;
etw. (einen trunk) zu Sanct Johannes abschied lassen
›eine Flasche Wein öffnen‹;
(der schalk) sich sehen lassen
›sich zeigen‹;
ein recht lassen gehen
›ein Urteil verkünden‹;
etw. mit jm. lassen
›eine Verabredung mit jm. abmachen‹.
Syntagmen
nahezu ausschließlich mit Subj. d. P. belegt; als AcI-Konstruktion: bei einstelligem Verb mit Nennung des zum Infinitiv gehörigen logischen Subj. d. P. / d. S. im Akk.:
jn. abenteuern / aufstehen / hinweggehen / schweren / sterben / untergehen l., das pferd schweigen l., die sonne scheinen, die erde werden l., den segen herumher gehen l., die gotheit erscheinen l., den willen ergehen l., etw. brennen / sieden l
.; bei zweistelligem Verb mit Auslassung des Handlungsträgers sowie des Akk. d. S.:
schneiden l
., mit Auslassung des Handlungsträgers und Nennung des Akk. d. P. / d. S.:
jn. abstümmeln / bekleiden / erschlagen / erstechen / fragen / gerichten / verheren / würgen l., den prozes füren l., etw. abmalen / ansagen / bauen / bessern / graben / bringen / hören / predigen / lesen / singen / schätzen / vermelden / verzeichnen / wiegen l., die schranke sperren l., wache halten l., proviant überfüren l
., mit Dat. d. P. für den Handlungsträger und Akk. d. S. für das von der Handlung Betroffene:
jm. etw. sehen l.
, mit Akk. d. P. für den Handlungsträger und Akk. d. P. / d. S. für den / das von der Handlung Betroffene:
jn. jn. holen l., jn. etw. schauen / sehen / wissen / aufsperren l
., mit Dat. d. P. für den Handlungsbetroffenen:
jm. etw. vorlesen l
., bei zweistelligem Verb mit Präpositionalergänzung:
jn. in sünde, den apfel zur erde fallen l., etw. zu dem ore eingehen l., die kraft zu etw. gehen l., etw. unter etw. laufen l., etw. aus etw. gehen l
., mit subst. Prädikativ:
jn. ein opfer werden l
., mit adj. Prädikativ:
jn. betrübt / elend / sieglos sein / werden l
., mit
sich
(aktivisch zu lesen):
sich den lust treiben l., sich mit etw. sehen l
., (aktivisch und passivisch lesbar):
sich durch jn. ansprechen l., sich dienen l
., mit Passivkonstruktion zum zweistelligen Verb:
jn. angeweigt / verloren werden l
.; dreistellig, passivisch und aktivisch lesbar (mit Aussparung des Handlungsträgers):
jm. die haut abziehen l., jn. in das grab legen l.
, mit Nennung des Handlungsträgers mittels
durch
:
jm. durch jn. busse setzen l
., mit adj. Prädikativ:
jm etw. angelegen sein l
., mit präd. Attribut (bei Auslassung des Handlungsträgers):
jn. klein machen l
., mit
sich
:
sich die sünde leid sein l
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
dî Nattangin woldin dort | den gotin tûn ein opfir grôz | und lîzin ire lôz | undir dî cristnin sâ.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Und liez im daz imme geiste sen.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe (
Wolfenb.
1593
):
Wenn jhr in die Stadt kommet, So lasset euch doch nach ewrem Auge sehen.
Chron. Magdeb. (
nrddt.
, Hs.
1601
):
das er die Elbe [...] wolle einfassen [...], under sich lauffen lassen und in allen gassen der Stadt lassen außspringen in Röhrkasten.
Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Er sol sein Pferd lassen schweigen.
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
405, 10
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
Moises, [...] | ich [Got] lán dir siedent brunnen reht al ůz ertrîche gân.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1575
):
under der predicat leis sei den caplain holen.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb. (
Köln
um 1490
):
Meinstu dat ich geyn gelt en hain? | Ich wil dich anders schauwen lain.
Steer, Schol. Gnadenl. 3, O
1
,
146
(
rhfrk.
,
1375
):
got leszet sine sunnen schinen uber bose vnd uber gut.
Froning, Alsf. Passionssp.
2941
(
ohess.
,
1501ff.
):
wonders hot hie
[Gott]
getribben viel: | hymmel und erden, | fuer, lufft hot hie lan werden.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
260b, 13
(
Frankf./M.
1649
):
wie sie solche Process anstelleten / vnd fuhren liessen.
Knape, Messerschmidt. Bris.
21, 10
(
Frankf./M.
1559
):
allda warde von stund an ein guter trunck / des besten Reinfals [...] den name der Hertzog / ließ denselben zu Sanct Johannes abschied / wie man sagt / vnd lesset den segen herumbher gehn.
Jahr, H. v. Mügeln
116, 1047
(
omd.
, Hs.
1463
):
Natura sante da zuhant | ir boten in der tugnde lant | und liß den tugnden künden gar, | wie [...].
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
16, 32
(
omd.
,
1487
):
Das erste wu̇nderzceichen darJnn auch Cristus sein vorborgene gotheitt wolltt lasßen erscheinen.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
also tůt er der wisheit, er lezzet sie zů einem oren in gen und zů dem anderm ůz.
Got lezzet den menschen nicht verloren werden.
also tut der schuze: als er schiezzen wil, er tut ein ouge zu und let die craft gen zu dem andern ougen.
die toten die got liez ufsten.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
jhr wollet es fein [...] außwendig lernen / vnd es euch zu Tische lesen vnd singen lassen.
das er seinen Sohn fuͤr vns hat lassen ein Schlachtopffer werden.
WArumb aber vbergiebet [...] GOtt seinen eingebornen Sohn jnn einen solchen [...] todt / vnd lesset jhn so betruͤbt vnnd elend sein.
Skála, Egerer Urgichtenb.
33, 7
(
nwböhm.
,
1562
):
Ir Bruder hab Ir das stuckh vom kelch geben vnd beuohllen Zum Godtschmidt Zutragen vnd wegen Zu lan.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1388
):
last uns zu stund ewer antwuͤrt darumb wissen.
Ebd. (
15. Jh.
):
Der Magnusreẅtter rait pei sant Jobst wider herein und ließ mit in, wenn er hin nach zu in wolt kumen.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
20, 48
(
nobd.
,
1466
):
das derselben gütere eyns zertrendt und von eynander gelawen wurde.
Reichert, Gesamtausl. Messe
17, 20
(
Nürnb.
um 1480
):
Darumb so sol sich der priester der [krone des priesters, platte] nicht schamen zu tragen, oder das er sie durch dy schame vast kleyner machen lasse.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1506
):
Wern sy [ring] ewch gefellig, lest sy scheczen, was sy wert weren.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
142, 2
(
Nürnb.
1548
):
das der Herr auff der Hochzeyt sich mit eim wunder werck sehen lest / vnd auß wasser wein machet.
Ebd.
253, 8
:
wo man die suͤnde erkennet / vnd lessets jm von hertzen leyd sein.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
Wir müssen schneiden lon, | Das korn ist reiff.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
,
1610
/
8
):
Amulius hab [...] | [...] seinen Sohn lassen erschlagen.
Mein Frau die lest den Herrn fragen, | Wenn er Zeit vnd glegenheit het.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
nicht wunder wäre es, ich ließ mich zu ihm in das Grab legen!
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 49, 6
(Hs. ˹
alem.
,
14. Jh.
˺):
der richen mut kan grozen ellens lazzen.
Argovia (
halem.
,
1449
):
Wen der ammann pfenden will, [...] vnd gavt zuo dem hus vnd pfand vordert, verseit er im die pfand vnd lavsset in daran hinweggôn, der ist dem herren dry pfund [...] verfallen.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Wider den 11. artikel [...] hat Eck 7 tag gefochten, da wenig gewunnen, aber vil schůller und sofistrî lassen undergon.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
6r, 15
(
Zürich
1521
):
ich wil ietz nüt sage͂ võ dem gmeinen schlechte͂ volk [...] jch laß die faren.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
214, 31
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
nach dem unde got etliche lat vallen in sünde.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
sie wolten über sein knecht richten, die mit im gefangen wurden, und ain recht lan gan.
Ebd. (
v. 1536
):
4 sodomiten darein
[in einen Käfig]
thon und mit eissin kethinen [...] darin anschmiden, [...] und sol sie selbs laussen sterben.
Wolf, Norm im sp. Ma.
49, 54
(
schwäb.
,
15.
/
16. Jh.
):
so sollent si Innen buß lassen soczen durch ander priester des ordens.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
das ainer den athem helt mit zugespertem mund, das er jm die backen aufftreybt, wie ainem Pfeyffer, vnd leßt dann den athem durch geoͤffnete lebtzen faren.
Bauer, Geiler. Pred.
318, 29
(
Augsb.
1508
):
das ains sich den lust laßet treiben und nit die notturfft.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 173, 30
([
Augsb.
]
1548
):
Wann er aber mainet / es seye haimlich / [...] / so laßt sich der schalck sehen.
Andreae. Ber. Nachtmal 86R,
8
([
Augsb.
]
1557
):
Darumb laß ichs faren vnd laß vnns bey den worten bleyben wie sy lauten.
Rauwolf. Raiß ([
Lauingen
]
1582
):
die liessen vns durch jren Dolmetschen ansprechen.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Reit in maniges vremde lant | Und læt mit raub und auch mit prant | Di sein [...] verhern.
Klein, Oswald
4, 48
(
oobd.
,
1431
/
2
):
so mag die lieb ir weise | gaistlich in im gewürcken süss, | sein ougen perg, das antlitz blaichen lass.
Ebd.
7, 5
:
Loblicher got, | [...] | dein willen lass an mir ergan.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1340
):
den sol der richter darumb gerichten lan.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1166
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Des
[des toten Freundes]
gestalt liez man machen daz man dauon getröstet würd.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
24, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Den apfel liess sy pald zer erden fallen.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
82
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
die schranke(n) alle nacht speren lassenn.
Ebd.
92
:
Soll d(er) Viertelmaister [...] guete wach [...] halten lasse(n).
Mollay, Ofner Stadtr.
262, 4
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
sol man den antworter allein sweren loßen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
632, 3943
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1297
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
96, 8
;
Ralegh. America ;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
60, 14
;
69, 26
;
Opel, Spittendorf ;
Thür. Chron.
14r, 18
;
Mathesius, Passionale ;
v. Ingen, Zesen. Ged.
383, 17
;
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
234r, 2
;
Schnelbögl, Salb. Karls IV.
94, 15
;
Lexer, Tucher. Baumeisterb. ;
Bell, G. Hager Gesprech,
207
;
232, 1, 9
;
16
;
447, 2, 3
;
Roloff, Brant. Tsp.
75
;
134
;
Boos, UB Aarau , 5ru;
Wyss, Luz. Ostersp.
10628
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
34, 13
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
125, 23
;
Sappler, H. Kaufringer
23, 100
;
Rauwolf. a. a. O. ; ;
Klein, a. a. O.
12, 48
;
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
99
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
195, 224
;
205, 35
;
Piirainen, Stadtr. Sillein 35, l
14
;
Rechn. Kronstadt
3, 249, 40
;
Voc. inc. teut.
o iiijv
;
Lehmann, Rezeptb.
211
.
3.
›etw. öffentlich verkünden‹.
Syntagmen:
etw. (die statgerichtsbesatzung) öffentlich lassen
.

Belegblock:

Rwb (a. 
1574
).
4.
›jm. jn. / etw. überlassen, (über)geben, etw. hergeben‹; Spezialisierungen: ›jm. etw. für Geld übergeben, verkaufen‹; ›jm. etw. für eine bestimmte Zeit mit oder ohne Gebühr zum eigenen Gebrauch zur Verfügung stellen, leihen‹; ›jm. etw. anvertrauen‹; ›jm. Geld übergeben, etw. bezahlen‹; mehrfach ütr. auf abstrakte Bezugsgrößen, dann z. B. ›jm. (z. B. einem Schiedsgericht) die Entscheidung über etw. überlassen‹.
Zur Sache: , 719f.
Phraseme:
etw. zu im selber lassen
›jm. etw. freistellen‹;
sich selber jm. lassen
›sich jm. überlassen, anheimgeben‹;
jm. das feld lassen
›jm. das Feld überlassen (militärisch)‹;
jm. die kor / wal lassen
; ˹
har über etw. lassen
,
eine feder lassen
, jeweils ›Schaden erleiden‹˺.
Syntagmen:
jm. jn
. (z. B.
den son, die königin
)
/ etw
. (z. B.
fleisch, einen garten, die lehenschaft / sele, das gelt / gut
)
l., jm. die sorge / gewalt l., etw. in js. hute l., etw. dem götlichen willen l
.
Wortbildungen:
laswasser
›zur Nutzung überlassenes Gewässer‹,
laswiese
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Anders kunde niemant genesen, | Hete im Got nicht gelazen | Gewalt mit rechten mazen.
Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
her sal yrme manne geben was her wil. adir was her hot. adir an dy lute lossen ab der man wil.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wære ein man, der einen wîngarten hæte [...] und lieze er in sînem knehte, daz er in arbeite und daz im diu vruht blibe.
Jostes, Eckhart
93, 26
(
14. Jh.
):
di meist ere, di die sele got tůt, daz ist, daz si got im selber lazze und ste (si) sein ledik.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1446
):
suillen [dat lampfleisch] ouch sunder veilzschen dem armen als dem richen laissen und niemans umb sin gelt weigeren.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
128, 27
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Abrye laß mir die konnygynne. Jch wil mynen willen mit jr dun.
Froning, Alsf. Passionssp.
1015
(
ohess.
,
1501ff.
):
dyn leben sal nu eyn ende han, | wan du must mer dyn heubt lan!
Denn ich achte kein heuslin so geringe, wo man sich draus weren wolte, die feinde muͤsten har druͤber lassen.
Ebd. (
1530
):
Do hawen sie eynem yn die ferße, do muß eyner eyne fedder lasßen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
19, 21
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
komet des mit mir an got, der da ist mein, euer und aller werlt rechter richter. Ir möchtet mich leichte erbitten: ich wolte es zu euch selber laßen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Nu liessen sie die kor an dissen. der sprach [...].
v. Tscharner, Md. Marco Polo
40, 20
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
lizin das rich in der hute der kunigynnen. Abir der kunig quam nymmer widir.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
5, 13
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Die laßwasser, so nicht zu hegen, nach irem rechten werd uf widerrufen und [...] vormieten und denen, so die gelaßen, maß geben, mit was zeuge sie fischen sollen.
Ebd.
5, 29
:
Die lahswiesen, so in unserm forwerge bishero vormietet gewesen, aufkündigen.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 80, 13
(
nobd.
,
um 1428
):
wir haben gelazzen dem Conczen [...] der Marckmuͤll hoffstat mit irer zwͤgehorung.
Ebd.
209, 4
:
Von flaischpenken nympt ein castner von yeder funfzehen pfunt unszlit oder leszt die, wie er wil.
Bell, G. Hager
565, 2, 15
(
nobd.
,
1593
):
Ein Burchers köchin [...] | ris mir den schwancz aus meiner Hande, | Gab dem kraͤmer [...] ein halben Baczen mehr | denn mir in der krämer het glasen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
wenne er wúrcken oder erlúhten súlle oder welle, das lossent sú sime goͤtlichen willen in einre gelossenre gebeitsamer langmuͤtikeit.
Roloff, Brant. Tsp.
20
(
Straßb.
1554
):
Wiewol Hercules den anfang würd han | Würd er den platz doch andern lan.
Ebd.
1116
:
Do went wir sie beid innen stossen | Und ir seelen dem Teüffel lossen.
Argovia (
halem.
,
1421
):
ist daz jeman komt [...], der des guots rechter kantlicher erb ist, dem sol man daz guot wider lavssen.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
2
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Hie wil si schlǎffen gon | Und die sorg dem herren lon.
Dreckmann, H. Mair. Troja
33, 28
(
oschwäb.
,
1393
):
si [...] liezzend den kriechen daz feld, und hubend sich an ain fluht.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
346, 6
(
schwäb.
,
1409
):
Wie bishove Eberhart Conradt und Seytzen den Gissen [...] die lehenschafft Unser lieben Frawen [...] inen und irn mannlichen erben ir lebtag gelassen hat.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1550
):
doch hat er von der pfleg abtretten, und was er darneben am pfandtgelt dahinden lassen müssen, das waiß er am besten.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Du stilst deinen ebenchristen | [...] | Er went, du habst getrew̌en mǔt, | Und let an dich leib und gǔt.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
ob ez umb daz selb gůt an die schidlaͤwt gelazzen wirt vor gericht.
swer der půzz nicht hat ze geben, den vaecht man und laͤt in hintz dem schergen.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
als ir mir die junckfrawͦen geben habt, also las ich sie gott und euch, ein reine magt.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1577
):
Die albm Hochensee ist Ambrosen [...] als albmaistern umb jährlichen verzinß gelassen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
114, 13
(
mslow. inseldt.
,
1618
):
da man ihme die wal gelaśśen dz er entweder die florin 43 Zahle, vnd den Weingart erhalte, oder [...].
Piirainen, Stadtr. Sillein 48a, r
32
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Von dem manne den seyn herre twinget seyn lehen laz.
Froning, a. a. O.
6700
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr. ;
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
246
;
Mon. Boica, NF.
2, 1, 310, 13
;
Roloff, a. a. O.
231
;
Banz, a. a. O.
1445
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 133, 18
;
Guth, Gr. Alex. ;
Klein, Oswald
49, 5
;
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
590
;
Dirr, a. a. O. ;
McClean, Havich
794
;
Hör, Urk. St. Veit
138, 34
;
173, 33
;
236, 6
.
Vgl. ferner s. v.  6.
5.
›sich jm. (z. B. Gott) / etw. (z. B. dem Willen Gottes) vollständig überlassen, überantworten; sich in Gott aufgeben, sich Gott ergeben, eins mit Gott werden, in ihm aufgehen, sich ihm hingeben; sich entäußern‹.
Gehäuft 13./14. Jh.; Texte der Mystik.
Bedeutungsverwandte:
 5,  12, , .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
auch absolut;
sich jm
. (z. B.
got
)
l., sich js. lobe l., sich zu grunde l., sich in jn. lassen; den willen unter got l
.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
19, 21
(
Hamburg
1646
):
[die creatur] ist nicht von ihr selbst, darumb soll sie nicht ihr selbst eigen sein, sondern sich deme laßen, von welchem sie ist.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dâ ich mich ane lâze, dâ muoz er mir von nôt wellen allez, daz er im selben wil.
daz sich der mensche gote lâze grœzlîche, swenne er ûf in ihtes werfen welle.
Swâ got sînen willen vindet, dâ gibet er sich în und læzet sich in den mit allem dem, daz er ist.
Rieder, Gottesfr. (
els.
,
1363
):
ich wolte mich gotte alse sere ich kunde und moͤhte loßen, und wolte ime demuͤtecliche in aller wise wol getruwende sin.
das muß er abelossen mit rote des, dem [heilger geist] er sich gelossen het.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
So heisset eins ein entlentú vergangenheit, da der mensch mit einem ufgebene sines frien willens sich got lasset in einem ieklichen nu, da er sich vindet, als er umb sich selb nút wússe und got allein der herr sie.
ich laze mich selber nu ze grunde nach begirde mins herzen dinem ewigen lobe, da ich mich selber von mir selber nie reht konde gelazen.
wa er sich selber iemer vindet, daz er sich selber da zů grunde lasse nach zit und ewikeit.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
136, 8
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
doch so liez si [muoter gottis] über daz iren willen gotlichen willen.
Pfefferl, a. a. O.
17, 2
;
Jostes, Eckhart
91, 34
;
Rieder, a. a. O. ;
Langen, Myst. Leben
192, 18
.
6.
›sich auf jn. / etw. verlassen, sich jm. anvertrauen, sich an jn. anlehnen‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1, (V.) 1, .
Phraseme:
sich auf ros und wagen lassen
.
Syntagmen:
sich an / auf jn.
(z. B.
an / auf den herzog, got
),
an / auf etw.
(z. B.
an die barmheit / lere / predig / treue, auf js. trost, auf ere / reichtum, auf den verstand
)
lassen, sich an etw.
(Dat.:
an dem werke
)
l., sich in allen dingen l.; sich mit treuen l
.

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
[wen die sele] sich ganzlich an gote lat.
durch daz ich mich nicht enlê | an minem werke so man seit | wan an siner grozen barmheit.
Altmann, Wind. Denkw. (
wmd.
,
um 1440
):
die stat von Trier ließe sich vast uf den herzogen von Heidelberg.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Sus wolden sy sich vp Got laissen | ind varen irre straissen.
Goedeke u. a., Liederb. (
Wittenb.
o. J.):
Uf roß und wagen laßen sich, | so, HERr Christ, nicht erkennen dich.
Luther, WA (
1530
):
Nu mus sie [seel] sich warlich auff die schlussel lassen, dadurch sie losgesprochen wird.
sie duͤrffen sich [...] auff unser lere nicht lassen.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
103, 851
(
Zwickau
um 1540
):
Des sins des bin ich auch / da las dich an.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
):
sie können uns nicht helfen, darumb ist sich nicht ze laßen auf iren trost oder zusagen.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
Das sich kein mensch sich lassen sol | Auff reichthumb, adel, gwalt und ehr.
Ebd. (
1561
):
Ich aber laß mich in warheit | Auff ewr könglich gerechtigkeit.
Ebd. (
1562
):
Darauff so laß sich, wer da wil; | Doch hüt er sich vor ungemachß | Auff allen strassen, rhät Hans Sachs.
Ebd. (
1565
):
Unser kurtz gebrechliches leben, | [...] | Haben kein gwisse stund noch tag, | Darauff ein mensch sich lassen mag.
Ebd. (
1564
):
Was werden ist, zergeht auch wider, | Stöst die gottlosen darmit nider, | Die sich gar auff das irrdisch lassen.
Ebd. (
1563
):
Verlaß dich nit auff dein verstandt, | Sunder laß dich auff gottes hand.
Ebd. (
1560
):
Wil warhafft nit leben on dich. | Darauff sol dein hertz lassen sich.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
Davit [...] lies sich uf die sterke sines volkes, und det daz volg zalen [...]. uf dirre sterke und vile lies sich Davit me denne uf gotz kraft.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1504
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wer sich gentzlich an dich lǎt, | Dem hilffest du frü und spǎt.
Enders, Eberlin (
Basel
,
1521
):
das du dich vnnd dein rych lassest an ein hoffertigen kaͤßiaͤger.
Maaler (
Zürich
1561
):
Er hat sich auff mein treüw Gelassen / Er hat meinr from͂keit vertrauwet.
Jaksche, Gundacker (
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
iwer triwe mir des giht | daz ich mich wol laze an iu.
Rieder, a. a. O. ;
Banz, a. a. O.
815
;
Matthaei, Minner. I, ;
Primisser, Suchenwirt .
7.
›sich auf jn. / etw. einlassen; sich auf etw. verlegen, sich e. S. hingeben, e. S. nachgehen‹.
Phraseme:
sich in den schlaf lassen
›sich dem Schlaf hingeben, einschlafen‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
priester [...] | [...] suln sich immer nietende | Sin kummers durch ir lieben schaf | Und sich nicht lasen in den slaf.
Daz sie sich lazen an den vliz.
Wohl hier anschließbar: Chron. Augsb. Anm. 1 (
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
daz er sich hab gelassen an die teüschen reim.
8.
›(neutral:) jn. verlassen, von jm. weggehen; (mit wertender Komponente:) jn. im Stich lassen, verraten; sich von Gott abkehren‹.
Phraseme:
jn. allein lassen
.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
got, Jesus, den freund / fürsten / herren / man, weib und kinde, die schwester, das volk
)
l
.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Jes.
1, 4
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
si haben gelasen
[Luther 1545:
verlassen
]
den herren, si haben gescholden den heiligen Israhel, si haben sich abgevremdit zuruck.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Sie [irrahelische kinde] | [...] iren Got liezen, | [...] | Und anebeteten Baal.
Daz sie Jhesum Cristen liezen, | Nach deme sie cristen hiezen.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
127, 37
(
rhfrk.
,
um 1435
):
dan wer gode wol getrüwet den en lesset er nit.
Ebd.
131, 6
:
dan ich wil wybe vnd kinde lassen.
Ebd.
155, 17
:
Dar vmb die wile jch leben vnd icht han / so wil ich diesen biederber man nit lassen.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Getruwen frunt den ensal niman laßen.
Karnein, Salm. u. Morolf
462, 3
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
ee dann ich dich liesse an dirre not, | [...] | ee wolt ich bi dir bliben dot.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
ob ein wip lezet iren man und underwint sich eines andern, wenest tu daz sie ir erste man wider neme? Nein. Got spricht aber zu der sundigen sele: du hazt mich diche gelazzen und has vil wider mich getan, kere doch wider zu mir mit rechter růwe diner sunden.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
dô lîz en [Jhêsus] der tûfil, unde seht di engele gîngen zů und dieneten ime.
Strauch, Par. anime int.
53, 5
(
thür.
,
14. Jh.
):
,Widewe‘ sprichit auch in eime anderen sinne also vil alse daz forlazin ist und forlazin hâit. also muze wir alle creature lazin und abeschedin.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
36b, 20
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
Daz volke hat got lazzen vnter seinen levten daz si vnder in selben lernten vrlevge͂.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1444
):
wann wir euch mit gelt, leuten und zeug nicht lassen wollen.
Sachs (
Nürnb.
1559
):
Dem wil ich mein schuld offenbarn. | Ich hoff, er werd mich lassen nicht.
Dietrich. Summaria
23r, 15
(
Nürnb.
1578
):
lernen wir hie / wie die anfechtung nicht aussen bleibt / wo der Herr Christus sich von vns thut / vnd vns allein lesset.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
das er schweren solt, | Daß er sie alle Sambstag wolt | Allein lassen in jhrem Gmach.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
; Cod 89):
do ein gůt goͤtlich mensche, der Got minnet [...] und doch von Gotte gelossen wurt in bevintlicher wisen, und dúrre und vinster und kalt wurt von allem goͤtlichen troste.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
298, 4
(
els.
,
1362
):
Do mitte lies die sele den lichomen.
Ebd.
348, 10
:
Dirre Eminen lies sine frúnt vnd fůr in ein fromde lant.
Schmidt, Rud. v. Biberach
78, 4
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Dar nach lies Moyses daz volk vnd macht sich vf den berg.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
sit Gottes sun [...] sinen vatter so inneklich an růfte daz er sin nit liessi.
Wyss, Luz. Ostersp.
9180
(
Luzern
1545
):
HEli HEli, Lamma asabthan! | min gott, wie hast du mich gelan!
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Ir lieben engel, uns auch nit lond!
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
er wölt sein genediger her sein, wölt ob im halten und in nit lassen, wie ein treuer vater sein kind.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
da wurden etlich Burgundisch [...] fluchtig und wolten den edlen fursten lassen haben.
Karnein, a. a. O.
476, 3
;
Vetter, a. a. O. ;
Klein, Oswald
62, 54
;
Primisser, Suchenwirt ;
Piirainen, Stadtr. Sillein 54a, r
3
.
Vgl. ferner s. v. .
9.
›einen Ort verlassen‹.

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
150, 7
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Dar vmb wil ich die cluse lassen / vnd wil mit uch geen Constantinopel.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
36, 5
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Wen di provincie ist gelozen, so vint man eyn nidir trit [...] und wert iij tage reyse.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
193, 8
(
els.
,
1362
):
daz sant Blesin daz bistdům lies vnd floch in eine hule.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
191
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Sy
[minnende Seele]
lǎt die welt on allen smertzen.
10.
›etw. (sehr unterschiedliche Bezugsgrößen, z. B. Geld, schriftliche Unterlagen, Tote, die Seele) an einem Ort zurücklassen; etw. (z. B. Reue) hinterlassen; etw. verlieren; jn. bei jm. / etw. zurücklassen‹.

Belegblock:

v. Ingen, Zesen Rosenw.
98, 25
(
Hamburg
1646
):
hernachmahls / als ich wieder zum brunnen kahm / da ich den Roselieb gelassen hatte / so fand ich ihn nicht mehr.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe (
Wolfenb.
1593
):
hastu die Kufer nicht bey dir? [...] Wo hastu Schelm sie dann gelassen?
Ralegh. America iiijr, (
Frankf.
1599
):
Wir waren auch einen gantzen Monat von vnsern Schiffen gewesen / die wir nicht [...] mit Volck versehen / hinder vns hatten gelassen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
366a, 18
(
Frankf./M.
1649
):
sintemahl je nach ergangenem Vrtheil kein Mensch bey die arme Suͤnder gelassen wird / alß der Priester.
Luther. Hl. Schrifft.
Hiob 39, 14
(
Wittenb.
1545
):
Der [Storck] seine eyer auff der Erden lesst / vnd lesst sie die heissen erden ausbrüen.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
15, 23
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
unnütze leute leßt er oft alhie, die guten und die nützen zückt er alle hin.
Eggers, Psalter
27, 25
(
thür.
,
1378
):
Wan du lazes nicht mine sele in der helle.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1506
):
Jch lies der muter 10 fl., do jch weg ritt.
Sachs (
Nürnb.
1558
):
Das alle wollüst hie auff erden | [...] | Bringet sein eigen ungelück, | Lassen nach dem endt einen wust | Nachrew, vertruß, graw und unlust.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
Der kŭnig Hermin, sin bruoder, der inn Franckrich gfaren ist, hat inn zuo einem regent des landes gelăssen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1551
):
daß sie solches ires abschaidens halben auch nichtzit schriftlichs hinder inen lassen, noch ainigerlai bericht [...] nach irem verrucken hinein schicken wellen.
Bastian, Runtingerb.
2, 50, 18
(
oobd.
,
1383
):
dez gelczz, daz oben geschriben stet, hat mir Hainr. Thaberstorffer zu Venedig lazzen.
Ebd.
2, 170, 21
(
1399
):
ez hat der Lettl dem Niklas [...] lazzen 338 Reinisch guldein dez freitags [...], do gie er auz hin gein Bressla.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
458
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Dy Chriechen auff dem wale | doch manig hundert liessen. | Fürsten und emerale.
Sappler, H. Kaufringer
14, 101
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 268, 25
;
Klein, Oswald
19, 122
;
73, 22
;
Meisen u. a., J. Eck
59, 2
.
Vgl. ferner s. v.  11,  3,
1
 1.
11.
›(jm.) etw. (als Nachlaß, Erbe) hinterlassen‹; dazu antosem: ›den
las
von jm. beziehen‹.
Bedeutungsverwandte
; zur antosemen Bed.: .
Gegensätze
(für die antoseme Verwendung bdv.:  1).
Syntagmen:
etw
. (z. B.
ein gut / erbe / recht, den bau / garten / harnasch / rubin, bücher
)
l., etw. hinter sich l.; gelassenes gut
.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Jst her aber tot vnde hat her gůt hinder ime laten.
Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
Stirbet eyn man vnd lessit gut vnd erbe vnd blibet den luten schuldig.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
98, 1727
(
Magdeb.
1608
):
Die [wonung] mir großvater vnd Vater ließ / | Vnd mich erblich bewohnen hies.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
5, 10
(
Frankf./M.
1563
):
daß in der anfangenden Kirch viel [...] Lehrer gewest / welche [...] uns Nachkoͤmmlingen viel gůter Buͤcher gelassen haben.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
59, 4
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
her wolde yn [rubyn] ouch nymande gebin, her were ym gelozen von synen eldirn czu eyme sundirlichin spile unde kleynote.
Opitz. Poeterey
24, 10
(
Breslau
1624
):
Laß ich gleich nicht viel zue erben / | Ey so hab’ ich edlen Wein.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
A. 14. Jh.
):
die kint nach vatter tode vnd der můter erbent als daz gůt daz si lassent, vnd besitzent ez vrilich an alle widerrede.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen (
halem.
,
1401
):
wa [...] aber der abgangen varent oder gelegen gůte hinder im lasset, das man da von [...] alle die verwissen gülten [...] gelten sol.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Daz recht, daz ewer vater lie, | Da mit sich land und lewt begie, | Daz schult ir fur paz halden hie.
Wenn sein vater stirbet, | Der lat im lanch, weit und prait.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1340
):
Stirbt ein man [...], so sol die witub gwaltich sein als dez gůtz, daz der man hie hat lan.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1462
):
Wolfgang Reusschl
[übergibt]
tail und gerechtikait
[aus seines]
vetern Stephans [...] gelassen gut.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1484
):
stirbt ain man und soll geltn und let erb und eign genug hinter im, ermant man sein hausfrawen und seine kinder des gelts als recht ist, so sollen si zu recht gelten von dem und er gelassen hat.
Bischoff, Steir. Landr. (
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
stirbt ain mensch an erben, waz da verlehents guts lêt, daz wirt dem herrn ledig.
Ders. u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1478
):
so ainer mit dem todt gestrafft wirdet, soll es mit seinem gelassen guet gehalten werden als von alter herkummen ist.
Köbler, Ref. Wormbs
195, 23
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
80, 37
;
Koller, Reichsreg. Albr. II.
49, 16
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Zingerle, Inventare ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
19, 7
;
10
;
48, 16
;
64, 17
;
77, 8
;
Rechn. Kronstadt
3, 250, 29
;
Vgl. ferner s. v.  4.
12.
›nach dem Tode jn. (Frau und Kinder) hinterlassen‹.
Syntagmen:
kinder / leiberben l.; gelassene wittib
.

Belegblock:

Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
Stirbet eyn man vnd [...] lessit vnmundige kynder dy wol rechte vormunden haben.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
marggrave Frederich von Myssen [...] liess drey ssone Frederichen Wilhelmen unde Jorgen.
Matthaei, Minner. I, (Hs.
15. Jh.
):
daz die aht kuͤnigrich | alle gar on erben sint, | ir keine gelaßen hat kein kint?
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1407
):
Mein vater [...] liess lebendiger kinder mich und mein geswistreit selb 18.
Argovia (
halem.
,
1449
):
so ein man oder fraw abgant, die [...] nit elich liberben hinder inen lavssent, so nimmt ein herr alles das sy verlavssend.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1535
):
1535 ist der statschmidt mit todt abgangen, [...] auch sün und töchter gelassen.
Langmantel, Schiltb. Reiseb. (
oobd.
,
n. 1427
):
ob ir herre tot wäre, so hett er doch zwen süne gelassen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Der Enchises liess nach im ainen sun genant Pippinus der gross.
13.
›etw. / jn. in einem Zustand, der durch das zugehörige prädikative Attribut oder die adverbiale Angabe bzw. Ergänzung bestimmt wird, belassen; jn. bei einem bestimmten Rechtsstatus belassen; etw. an einem bestimmten Ort belassen‹, jeweils gedacht auf dem Hintergrund, daß dieser Zustand auch verändert werden könnte.
Phraseme:
etw. in seinem wesen lassen
›etw. so lassen, wie es ist und sein muß‹;
etw. in der feder lassen
›ungesagt lassen‹;
etw. stehen und liegen lassen
.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
das buch / wort
)
wo bleiben, liegen / stecken / stehen l., etw.
(z. B.
die kamer
)
offen stehen l.; jn. bei jm., bei seinem leben l., etw. bei etw.
(z. B.
bei der strafe
)
bleiben l.; jn. / etw. ane etw.
(z. B.
ane gabe / leute
)
l., etw. auf dem anker l., jn. ledig / unfrei, e. S.
(z. B.
leidens
)
bar l., etw. frei / ler / ungeklagt / ungemeldet / ungerochen / ungestraft l
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Des hat min sin mich dan getriben, | Daz ich diz buch han da bliben | Gelazen.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz mich [...] ein künic, minnete und mich doch [...] lieze âne gâbe.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
2219
(
rib.
,
1444
):
dat en is neit dan gantz zo laissen | Den pot.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
120, 25
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Sye liessen die kammer wijt vffen stene.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Alse die stunde kummet des godes dinestes [...], so laszen die sustere allez daz sie under handen hant und laufen.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
108, 23
(
Frankf.
1535
):
geuß drüber [...] wasser / vnnd laß das stehn iij. tag.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
denn wir hatten vnsere Schiffe so weit von vns im Meer auff dem Ancker gelassen.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
70, 9
(
omd.
,
1487
):
Yn au̇ch offte sagen Wÿ gott ein so gar ernster Richter das er kein obill adder sunde vngestrafft lest.
Luther, WA (
1530
):
so habe man auch solche frucht und der gleichen zu lohn und lasse uns ungeklagt und ungeheulet.
Ebd. (
1544
):
Ein Regent sol regiren, ein fraw ihr haus auffhaltten, Davon reden wir hie nit, lassens inn seim wesen, es ist gring, gibt nit gnad.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
69, 37
(
omd.
,
1544
):
e. f. g. woldens dach beyͤ der alden strofe lossen bleyͤben.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
Wer mist tregt an die strassen, let er in lenger ligen denn uber den achten tag, so soll er [...] geben zu puß.
Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
1525
):
als ir euch in pundnuss [...] zusamen getan, eingangen, ainander ledig zu lan.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
146
(
Nürnb.
1517
):
dieses suesest gesprech haben die heiligen schriften ungemelt nit gelassen.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Daß jhr eurs Sohns so wenig acht, | Den die zwen Printzen haben erstochen. | Vnd wenn jhr das last vngerochen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
408, 25
(
els.
,
1362
):
In Damasco wart er úber die mure in eime korbe gelossen.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
do wolte got in dem hymele die stette nüt lere lossen, und beschůf Adam und Evam.
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
So soltu dan lassenn das ysin steckenn / biß das die natur das pfil isen vß tribet.
Sappler, H. Kaufringer
26, 110
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
gott schuof ee leiden auß nichten zwar, | ee er sein fründ liess leidens par.
Bauer, Geiler. Pred.
104, 32
(
Augsb.
1508
):
aber ir vernunfft / lond sy allzeit muͤssig ligen / und ligt inen allwegen / als ain acker / den man nitt bauwet.
Rauwolf. Raiß ([
Lauingen
]
1582
):
ein Jnsel [...] / die liessen wir vber 30 meiln ferrn neben vns ligen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
so wil auch ich die übrigen wort in der vederen lassen beleiben.
Munz, Füetrer. Persibein
308, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
wir wellen disen man | pey seinem iungen leben nämlich lassen.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1484
):
sol ichs lassen beleiben wie von alter.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
99
(
mslow. inseldt.
,
16. Jh.
):
sollen alles steen unnd ligen lassen vnnd die selbige verwaren.
Ders., Stadtr. Sillein
86,
l9 (
sslow. inseldt.
,
1378
):
LEzzet ein man sein chorn auz stan alz alle leuͤte ir chorn in habent.
Ebd.
92,
l12:
hot er dez puͤrgen nicht so sol er yn bin nem wicbilde lazzen in dez nechsten richters hauz.
Froning, Alsf. Passionssp.
328
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
77, 7
;
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
364
;
446
;
Bell, G. Hager
455, 1, 12
;
Rieder, Gottesfr. ;
Klein, Oswald
2, 53
;
26, 123, 87, 17
;
Winter, Nöst. Weist. ;
Spiller, a. a. O. ;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
84
;
Vgl. ferner s. v.  14,  1,  1.
14.
›etw. in js. Besitz belassen, jn. etw. behalten lassen, jm. etw. nicht wegnehmen‹.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
244, 6150
(
Magdeb.
1608
):
JHr [...] | [...] | Hett wandern sollen ewer strassen / | Vnd dem Bawren sein Huͤner lassen.
Euling, Kl. mhd. Erz. (
nobd.
,
E. 15. Jh.
):
den solt man altag zwir arßpossen | und im kein har in der schwarten lossen.
Dietrich. Summaria
27r, 23
(
Nürnb.
1578
):
was sie fuͤr zeitliche guͤter empfangen haben / das lest er jn.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 189, 28
(
Hagenau
1534
):
eynem yglichen geben und lassen / da zu er recht hatt.
Klein, Oswald
115, 112
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Dem kaiser liess ich gar sein reich.
Munz, Füetrer. Persibein
349, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Vmb mein vil kranckes leben, | ob du mir das wild lan.
Klein, a. a. O.
85, 8
.
15.
›jn. / etw. loslassen, die Hand von jm. / etw. wegnehmen‹; in verschiedener Richtung ütr. auf unkörperliche Verhältnisse: ›jn. aus seiner Gewalt, aus seinem Herzen lassen‹; ›jn. entlassen, jn. aus seinen Diensten entlassen‹.

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
141, 24
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Als der hunt das gesach / da ließ er Markairn vnd floch zü den lüden.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
begreif in [Jesus] bi vůzen und laz in niht von dir hine erne troste dich und erbarme sich ober dich.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
2, 18
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
das her [keysir] si
[Marco Polo und seinen Vater]
wolde lozen und orlob gebe heym czu czinde kegin Venedie.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1530
):
Wann das gespannete wasser gelossen und gefreiet wird.
Bachmann u. a., Volksb. (
alem.
,
15. Jh.
):
reitt da widerumb ze dem margrafen und seit im, das er wol und erlich empfangen und gelassen wär.
Sappler, H. Kaufringer
14, 1
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
Got lat den gerechten menschen nicht | auß seiner väterlichen pflicht.
Ebd.
2, 259
:
fürbas er die frawen mait | und lies die aus dem herzen sein.
Ebd.
17, 150
:
er will ee von dem leben stan | dann götlich lieb von herzen lan.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dein alt hoffgesind nicht enla | Durch newe dienst, daz ist dir gǔt.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1340
):
Begreift ein purger einen gast, der im gelten sol und spricht: ich wil dich von mir nicht lazzen, uͤntz ich einen fronboten gehaben mach, der mir pfant antwurt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 444, 5
;
16.
›jn. von etw. verschonen; jn. aus etw. / von etw. befreien, erlösen; jn. freilassen; jn. von etw. (z. B. von der Acht, einer Eidesleistung, Schuld) freisprechen‹.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
24, 6
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
wirt maldiunge di erde vrezzen, und ire woner werden sundegen. ouch werden dorumme ire buere toben, und wenig lute werden gelasen.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Cůmen aůer se beide vore den richtere vnde betet iener, daz man dissen vz der achte laze, Js, daz her borgen settet, alse recht ist, man sal in vz der achte lazen.
Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
swere ich das ich is nymande kunt tu. der eyt ist nicht rechte. des let mych myn byschof adir myn lutir prister wol ledyg.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
997
(
mrhein.
,
um 1335
):
Dů solt lazen barraban | vnd salt vns henken disen man.
Froning, Alsf. Passionssp.
5365
(
ohess.
,
1501ff.
):
ir Judden, wolt ir nu lan | myn liebes kynt und toden mich!
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
,
1610
/
8
):
Daß (Keiser) Julius vnd Cicero | Mir anhalten hefftig also, | Ich
[Pluto]
soll sie lassen auß der Hellen.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
do hetti er [Pýlatus] in gerne gelassen und hiesse in sine knehte schlahen [...] und bevalch in do den juden, do si im nit volgen woltent daz sú in gelâssen hettint.
Boos, UB Aarau (
halem.
,
1395
):
Ich graͮff Růdolff [...] tůn kunt [...], daz ich [...] die burger [...] ze Aroͮwe [...] usser der auhte und aber auhte gelassen haͮn.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
diu selben wazzervogel sint die hailigen lêrer [...], die gotes stat verwesent auf ertreich und sein reht vitztüem sint ze pinden und ze lâzen, sam die pfaffen.
Buijssen, Dur. Rat.
26, 12
(
moobd.
,
um 1384
):
Herr almechtiger got, wir pitten dich, laz uns von allm ubel.
Große, a. a. O. ;
Leman, a. a. O. ;
Behrend, Magd. Fragen ;
17.
›jm. eine Schuld vergeben‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
[Got] wil iz amme smerzen | Pruven und an der gedult; | Nach deme lezet her die schult.
18.
›jm. etw. (eine Geldschuld) reduzieren, erlassen‹.

Belegblock:

Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
dat sy dat [hertze] gelden solden | mit nuynhundert marcken ind mit dryn, | der en wolde hie laissen me noch myn.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
94, 23
(
nobd.
,
1409
):
das er die busse on golt und silber habe losse farn.
Jaksche, Gundacker (
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
ez waren zwene schuldigære, | die solten gelten und heten nicht, | [...] | du liez er in paiden gar.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
34, 16
(
mslow. inseldt.
,
1597
):
auff ferner bitt [...] inn ahnśehung śeines Armutts ettwas Relaxion Jśt ihme [die buß] auff 25 florin gelaßen worden.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 236
.
19.
›etw. (eine Handlung) unterlassen; mit etw. aufhören, damit man etw. anderes tun kann; etw. vermeiden‹; offen zu 20.
Phraseme:
etw. tun und lassen
(auch subst.) ›handeln‹, (subst.: ›das Handeln‹);
ane / sunder lassen
›ohne Unterlaß, unaufhörlich‹.
Gegensätze:
(V.) 1, .
Syntagmen:
den gesang / zorn, die hoffart / rede / sünde, das ampt / laster / werk, kurzweile l.; e. S
. (Gen.)
l
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Dem e daz i, noch o dem u. | Diz dinc man lazen muz da zu, | Wen alle rime die sint valsch.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
7038
(
Magdeb.
1608
):
Das er den bescheid macht zu nicht / | Sein thun vnd lan er dahin richt.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz man solchez enpfinden sül durch minne lâzen underwîlen.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Niht von willen sprichet er daz wort als ein getât des willen, als sô swaz dâ wirt [...] getân von gewalt des willen, in der selben gewalt mac er ez ouch wol lâzen.
Daz man wizze an tuonne und an lâzenne, daz ist rehtiu dêmüeticheit der natûre.
Luther, WA (
1531
):
Es ist warlich schweer, jnn solcher zeit zu predigen, und solt einer wol ungeduͤltig werden, das ampt zu lassen und zu sprechen [...].
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Sie ist [...] trut | Irme vridel, den sie hat | Gesucht [...] | [...] in gazzen | Steteclich sunder lazzen.
Abendis uf den gazzen, | Tribet da ane lazzen | Mit der jugent bose dinc.
Jahr, H. v. Mügeln
120, 1384
(
omd.
, Hs.
1463
):
das laster und der tugnde ticht | in willekor des menschen stan: | er mak sie wirken unde lan.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
25, 17
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Her Tot, lasset euer unnütz klaffen!
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
laz daz bose und tů daz beste.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
so möchte man das pfanwerck lieber lassen, wen man sich des nicht bessern solte.
Hoffmeister, Kuffstein. Gef. A
v iijr, 11
(
Leipzig
1625
):
mich zu verlieben / welchs mir doch ohne gleichheit besser zu lassen / als zu folgen gewesen were.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
14b, 2
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
Da von lazze ich dise rede.
Reichert, Gesamtausl. Messe
1, 9
(
Nürnb.
um 1480
):
wem messe zu haben und zu hoeren verbotten sey und es doch darueber nit latt, was dem darauß volget.
Ebd.
7, 19
:
so sol man im das verbieten; und lasset er das nicht, so sol man yn in den bann thun.
Voc. Teut.-Lat.
s iijr
(
Nürnb.
1482
):
Lassen od’ nicht thun. dimittere sinere.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
153
(
Nürnb.
1517
):
die eintrechtikeit des tuns und lasens.
Trunz, Meyfart. Tub. Nov.
10, 7
(
Coburg
1626
):
stehet wider die / so jhn geengstiget / auch seine Arbeit / das ist / sein thun vnd lassen / sein Lehr vnd Leben verworffen haben.
Michels, Murner. Badenf.
1, 14
(
Straßb.
1514
):
Er wüßt zů eren sinen got, | Auch wie man schand vnd laster lot.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 337, 17
(
Hagenau
1534
):
die [ein weib] kan es nicht lassen / sie schilt / flucht / und vichtet es alles mit dem maul auß.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
296
(
Genf
1636
):
Was du mir gebeutest / daß (laß) ich wol / Ie n’ai garde de faire ce que tu me commandes.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
193, 34
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
die ding, die wir da schuldig sin unsern nechsten, daz wir daz niht enlan.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Schirmen, ringen, schiezzen, | Chǔrtzweil sy nicht enliezzen.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1328
):
Ir suͤlt auch unnuͤtz red lazzen und stille sein.
Gierach, Märterb.
3703
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
[eine fraw] des nicht enlie, | zü dem alter sy auch gie | und wolt gottes leichnam enphan.
Kummer, Erlauer Sp.  (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
Wir sullen des nicht laßen, | wir schuͤllen singen, springen.
Mannack, Rist. Pers.
292, 3
;
Peil, a. a. O.
4541
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
172, 17
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
580
;
Froning, Alsf. Passionssp.
469
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
2, 67
;
Ermisch, Freib. Stadtr. ;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk. ;
Schönbach, a. a. O. ;
Opel, Spittendorf ;
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
144
;
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
251, 2364
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
73, 21
;
Dietrich. Summaria
27r, 15
;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Bachmann u. a., Volksb. ;
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
236, 19
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
18, 10
;
Bauer, Geiler. Pred.
93, 20
;
22
;
Klein, Oswald
10, 96
;
29, 12
;
41, 32
;
43, 11
;
Steer, Schol. Gnadenl.
6, 17
.
Vgl. ferner s. v.  2,
1
 3,  1,  13.
20.
›von etw. ablassen (z. B. von einer Haltung), auf etw. verzichten, etw. aufgeben, etw. (z. B. eine Handlung, die bereits im Gange ist) sein / bleiben lassen; sich abwenden / abkehren von jm. (z. B. von Gott) / etw. (z. B. von der heiligen Schrift), jm. / e. S. entsagen‹.
Phraseme:
etw. faren lassen
›etw. aufgeben‹;
etw. bleiben / sein lassen; von etw.
(z. B.
von einer rede
)
lassen
›das Thema wechseln, eine Geschichte beenden‹.
Syntagmen:
auch absolut;
sich selbst l., etw
. (z. B.
den krieg / unglauben / zorn, die bosheit / welt, das heil / königreich
)
/ jn
. (z. B.
vater / mutter / got
)
l.; des suchens, der tücke l.; von etw
. (z. B.
von der narrenweise / schule, den sünden, dem unrecht
)
l., sich von etw
. (z. B.
von dem unglauben, der geschrift
)
l
.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
da crigen ettewa de biscoppe wedder, vnde ist der Crik nů gelan
(›vorbei‹).
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Dô er daz liez, dô liez er got durch got, und dô bleip im got, dâ got istic ist sîn selbes.
Ebd. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wie sölten wir alsus arm gesîn und alliu dinc alsus lâzen?
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
swer læzet vater und muoter, swester und bruoder, hof oder acker oder swaz daz ist, der sol nemen hundertvalt und êwic leben.
lieze ein mensche ein künicrîche oder alle die werlt und behielte sich selber, sô enhæte er nihtes gelâzen.
Jostes, Eckhart
29, 28
(
14. Jh.
):
wan si bechennen, daz si gelazzen habent, awer si sezent anderheit in ir eigenschaft und wegen sich selber gar groz in irm lazen. Dicz sint doch willich arm.
Ebd.
29, 36
:
Si haben auzen und innen gelazen, wan si sint ledich und bloz ir aller zevallend form.
Ebd.
82, 8
:
wann gut und leip und alle dink hat [er] gelazzen durch got. Also sullen alle die lazzen, di got wollen volgen, daz sie von got hindern mak.
Ebd.
104, 25
:
Da von sol der mensch allú dinck lan und aller dinck vergessen.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
128, 6
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Hye laß ich von der konnigynne / vnd sagen üch von konnig Karle.
Rueff, Rhein. Ostersp.
1148
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
wilt du dins suchens nit lan, | so saltu mir uff disser erden | myn cleynes crut nit zudreden.
Froning, Alsf. Passionssp.
7177
(
ohess.
,
1501ff.
):
got hot geloissen synen zorn! | [...] | hie wel uns [foren] yn syn riche.
Luther, WA (
1524
):
reich segen hangt dem an, | wo ynn Gottes furcht lebt eyn man, | Von yhm lesst der allt fluch und zorn, | den menschen kindern angeborn.
Jahr, H. v. Mügeln
122, 1483
(
omd.
, Hs.
1463
):
wer mich verlet, der let sin heil.
Ebd.
129, 2106
:
da er mich
[die Hoffnung]
liß, gar sunder wer | er wer in flut ertrunken da, | wer im nicht Cristus kommen na.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
25, 16
(
omd.
,
1487
):
app das vngloẇbige villeicht czur zceitt von seinem Jrrethu̇mb lassen mocht.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
haz tu disen gelouben und wiltu lazen ungelouben und krenken gelauben.
Meisen u. a., J. Eck
5, 11
(
Leipzig
1520
):
das einer vorhin von sunden laß, ob er schön nicht rhew hab von vergangen sunden.
Bell, G. Hager
293, 1, 13
(
nobd.
,
1605
):
Der sünder las / für Bas | von seinem weg.
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
212
(
Nürnb.
1613
):
Wir wolten ihnen auch nachjagen: | Forchten doch sie moͤchten uns schlagen / | [...] | Liessens inn GOTTES Namen bleiben.
Thiele, Minner. II,
15, 169
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
du woltest sin alleinúg min | und lassen alle fröwen sin | untz an mich.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
můs doch iemer ein liden und ein lossen sin, kere es war du wilt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 74, 19
(
Hagenau
1534
):
daß er an keyner creatur hange / und konde sie allen augenblick lassen / und hange allein an gottes wolgefallen.
Goldammer, Paracelsus
3, 284, 20
(
1530
/
5
):
ir gleisner! ir werft hinaus, das euch in euern herzen nit bezwingt, das seindt die hölzin götzen, und lassent die lebentigen abgötter, kälber.
Bachmann u. a., Volksb. (
alem.
,
15. Jh.
):
Sag dem keyser, das er sich noch von sim unglouben laß, so wel min gott gern sin sund vergen.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1367
):
Wie man die wisen sol, die vnrecht bi ein ander sitzent, daz si da von lassent.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Wiewol wir [...] unser zůsagen [...] keins wegs on gůte verwilligung laͤzen noch mindren wellen.
Schmidt, Rud. v. Biberach
7, 2
(
whalem.
,
1345
/
60
):
daz vber wallich vnd heisz der selben minne ist, wenne der menschlich geist sich selben lat vnd schowende sin geminnten versmaht sich selben.
Stammler, Berner Weltger.
925
(
ohalem.
,
1465
):
Jr soͤnd mit mir gar froͤlich sin, | Jch wil nu lassen den zorn min.
Lemmer, Brant. Narrensch.
31, 5
(
Basel
1494
):
[er] soll von synen sünden lan | Eyn besser leben vohen an.
Lauater. Gespaͤnste
71r, 17
(
Zürich
1578
):
Man hatt sich nach vnd nach von der heiligen Gschrifft gelassen / vnd die menschen satzungen vnd gebott erhebt.
Sappler, H. Kaufringer
2, 8
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
das si bei Krist wolten bestaun | und den ungelauben laun.
Ebd.
3, 176
:
dannocht hett er nicht gelaun | von seinem pracht.
Ebd.
22, 4
(Hs.
1472
):
[der mensch] hett den fursatz und den waun, | er möcht nicht von den sunden laun.
Ebd.
30, 167
:
das wir die welt süllen laun | und allezeit gott lieb haun.
Dreckmann, H. Mair. Troja
18, 12
(
oschwäb.
,
1393
):
darumb lauzz davon deinen sinn, und sich an deinen jungen leib, und verzer den nit so gar uf grozzen zweifel.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
hoͤr lieber laß von deiner narrenweiß es ist mein schimpff.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
ward mir dasselb hantwerk als wol gefallen, daß ich es ie lernen wolt, und ließ gantz von der schuel.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ist daz der wolf sich sicher waiz vor dem menschen, sô læzt er sein grimmichait und eilt niht snell.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Dapey man erkennen mag, das die Behaym irer tuckh nicht kunen lassen, damit sy vergifft syndt.
Weber, Füetrer. Poyt.
258, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Wie sis mit pet an vingen, | er wollt seinr vertt nicht lassen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1617
):
Man soll anheben kappen zu fachen zu unser lieben frauen lüechtmeß und darvon lassen zu st. Georgen tag.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
630, 3869
;
Jostes, Eckhart
29, 25
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
141
;
Froning, Alsf. Passionssp.
2570
;
Vetter, Pred. Taulers ;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Sappler, a. a. O.
16, 233
;
Bauer, Geiler. Pred.
94, 11
;
Klein, Oswald
23, 130
;
Buijssen, Dur. Rat.
24, 31
;
Steer, Schol. Gnadenl.
2, 19
.
Vgl. ferner s. v.  2,
1
 5.
21.
›etw. aussparen, weglassen, nicht (be)nutzen; jn. / etw. verschmähen, unberücksichtigt, beiseite lassen‹.
Phraseme:
jn. / etw. unterwegen lassen
.

Belegblock:

Valli, Baldemann
483
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Des richis recht sie lazzen. | Ir selbis er si
e
hazzen, | Wann sie daz riech sus smehin.
Karnein, Salm. u. Morolf
71, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
der riche crist von himelriche | der lat uns under wegen nit.
Bergmann, Ambr. Liederb. (
Frankf.
1582
):
ich mags nit unterwegen lan, | der edle bawman hat mir guts gethone.
Luther, WA Bibel (
1522
):
DArumb last vns die lere vom anfang Christliches lebens vnterwegen lan, vnd last vns zur volkomenheyt faren.
Schib, H. Stockar
68, 25
(
halem.
,
1520
/
9
):
das wil ich mit der hilf gotz dun [...] und es nit underwegen lon.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
1r, 31
(
Zürich
1521
):
deßhalb hat mich gůt bedu͂ckt / das vssen zů lon.
Klein, Oswald
44, 42
(
oobd.
,
1431
/
2
):
den ich ee bott, | die lassen mich ellende.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
wann ich doch in diser gesta niemand geliebkost hab [...], noch nicht hab underwegen gelassen, ob sich kainer beflecket hat [...]: ich hab auch dasselb zu liecht pracht.
Leidinger, A. v. Regensb. ;
Gierach, Märterb.
14954
;
22.
›etw. übrig lassen, etw. zurücklassen‹.
Phraseme:
jm. das nachsehen lassen
.

Belegblock:

v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
,
1610
/
8
):
Daß sie [Fraue] wol ander lieben solt | Vnd mir lassen das nachsehen.
Sappler, H. Kaufringer
3, 368
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
der schaur hat da nichtz gelan; | er hat es zernichtet gar.
23.
›etw. (meist: das Leben) lassen, verlieren, sterben‹, die Mehrzahl der Belege phrasematisch.
Phraseme:
leib und leben, (jm.) das leben lassen
(o. ä.);
den hals über etw. lassen; jm. das haupt lassen
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
242, 6106
(
Magdeb.
1608
):
Hetts mein eine kunst nicht gethan / | Jhr hettet must das leben lahn.
Ebd.
595, 2811
:
bey vnserm Koͤnig vnd Herrn / | Wil ich lassen mein Leib vnd Leben.
Ebd.
677, 5345
:
Er wolt sein leben dabey lassen / | Vnd sein Blut sprengen auff die Gassen.
Karnein, Salm. u. Morolf
53, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
die botschafft wil ich werben, | solte ich den lip zu pfand lan.
Ebd.
274, 3
:
dich helffent nit die grossen liste din, | du must mir hie lassen din leben.
Froning, Alsf. Passionssp.
1015
(
ohess.
,
1501ff.
):
dyn leben sal nu eyn ende han, | wan du must mer dyn heubt lan!
Luther, WA (
1532
):
das etliche den hals druͤber lassen.
Klein, Oswald
18, 8
(
oobd.
,
1431
/
2
):
so hab ich manchen tropfen rot | gelassen seider, das ich wand verschaiden.
Qu. Brassó
5, 636, 38
(
siebenb.
,
1613
):
der dei deutz Notio lieb hat, dass er das Leben auf dem Kroner Feld hat gelossen.
Sappler, H. Kaufringer
14, 294
.
24.
›nachlassen, müde und schlaff werden (von Körperteilen), trödeln, zögern, säumen; (die Zügel) locker lassen; etw. vernachlässigen‹.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron. (
preuß.
,
um 1330
/
40
):
›Wol ûf, Heinrich, balde dan, | unde volge alleine mir! | [...] | Wes listù unde lazzis sô?
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
8441
(
rib.
,
1444
):
Al sijstu mich getziert van buyssen, | Du en weis neit we ich bynnen layssen.
Beckers, Bauernpr.
63, 10
(
Köln
1515
/
18
):
Dan gotz gerechticheit niet en laet.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Die sich zu Gote zihen, | Tantzen, ballen entvlihen | Abendis uf den gazzen, | Begeben gar ir lazzen | In heimisch schemic wesen.
Jahr, H. v. Mügeln
117, 1162
(
omd.
, Hs.
1463
):
wer im [ros] den zügel laßen wil | und es zu halden nicht gerucht, | dem ist von gotte wol verflucht.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
do begunden die Romer mit ir gewalt ssere abe nemen unde sich zu streiten unde arebeit lasen.
Chron. baier. Städte. Regensb. (
noobd.
,
1512
):
aber es ließ das glübd, eben (wie man spricht) pestene faill lassen, was all ir schwiren und glübd umbsonst.
25.
›etw. weichen machen, etw. von sich lassen, von sich geben; etw. herausschicken, herausströmen lassen, freisetzen‹.
Gegensätze:
 3.
Syntagmen
einen furz / scheis / seufzen, krisch, eine stimme, eine flamme aus dem munde l
.; vereinzelt mit Subj. d. S.:
Donau schwärme volks l., stat glast von ir l
.

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
129, 19
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Da ließ Abrye eynen luden krysche.
Karnein, Salm. u. Morolf
661, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
da ließ er großer furtze dri.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
Baldt darnach ließ sie einen hellen seufftzen.
Sachs (
Nürnb.
1555
):
Als er sich thet so jheling bucken | Da ließ er einen lauten scheiß.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 346, 2
(
Coburg
1634
):
Weil die Furcht vnd das Schrecken deß Todes verursachet / das vnser Erloͤser blutigen Schweiß daruͤber gelassen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
5, 21
(
els.
,
1362
):
Des zwelften tages so vallent alle die kleinen sternen von dem himel, vnd die planeten lont fúrin schos von in.
Bachmann u. a., Volksb. (
alem.
,
15. Jh.
):
da nun die risen sachend, das ir sün erschlagind warend, da schrüwend sy und liessen die aller grymmesten stymmen, die ie gehörtt wurdent.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
im fallen ließ er ein grossen schrey und schalt sin gott Machmet.
do ließ er [track] ein grossen fǔrflammen uß dem mul.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ein furtz Lassen / Furtzen. Crepitum reddere.
Rot
354
(
Augsb.
1571
):
Suspirirn, Seufftzen / seufftzer lassen. Jtem Atmitzen.
Dreckmann, H. Mair. Troja
18, 11
(
oschwäb.
,
1393
):
von den ochsen, die us irem mund lauzzend die fiurin flammen.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Ganz schwärm volks hat der Rein und die Thonau lassen, die das römisch reich [...] überfallen haben.
A. à S. Clara. Deo Gratias (
Wien
1680
):
Kaͤyser Valens ergreifft die Feder / diese wolte aber keine Dinte lassen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
670, 28
;
Bachmann, Haimonsk. ; ;
ders., Morgant ;
Dreckmann, H. Mair. Troja
17, 5
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. .
26.
›(jn.) zur Ader lassen, aus medizinischen Gründen (bei Menschen, aber auch Tieren, z. B. Pferden) Blut aus der Ader nehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
, ,  3, , .
Wortbildungen:
lasbank
,
lasbendel
,
lasbinde
›Binde über der eingeschnittenen Ader‹,
lasbrief
2 ›Verzeichnis der zum Aderlaß geeigneten Tage‹,
lasbüchlein
(a. 1555),
laseisen
›Lanzette zum Aderlassen‹ (dazu bdv.: ),
lasfas
,
lasgeld
›Bezahlung für das Aderlassen‹,
lasheller
(a. 1413),
laskopf
›Schröpfkopf‹ (dazu bdv.: , ),
lasmänlein
›Figur mit eingezeichneten Adern und einem Aderlaßkalender‹,
lasserei
, ˹
lastafel
,
laszettel
˺ ›Kalender, Verzeichnis der günstigen Aderlaßtage und / oder Darstellung der für den Aderlaß geeigneten Adern‹,
lastafelkunst
,
lastag
›zum Aderlaß geeigneter Tag‹,
lastiegel
,
lastüchlein
›ausgehängtes Tuch mit dem Hinweis auf günstige Aderlaßtage‹,
laszettelsetzer
›auf das Setzen von Aderlaßkalendern eingearbeite Person‹ (a. 1564),
laszeug
.

Belegblock:

Follan, Ortolf. Arzneib.
22, 4
(
rib.
,
1398
):
Du salt merken, dat gesůnde lude nycht trynken sollen nemen noch laten sollen nemen.
Ebd.
22, 8
:
Leyt man eme, so wert dez bludez to wening.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1460
):
dat van nu [...] gein van den meisteren [...] banner mit zenden uishangen noch gelaissen bloit vur die doeren setzen soillen.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb. (
Köln
um 1490
):
Dye ander baden in den kuyffen, | Der derden laissen an dem enckel, | An dem arme off an dem schenckell.
Voc. inc. teut.
o iiijv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Lassen mit kopfen im bad.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1463
):
sollen alle bartscherer und leßere zu Fanckfurt [...], als dicke sie in laßen befinden, das imants [...] unreyne und feltsieche sij.
Ebd. (
1473
):
wan aber gewonliche laßtage sin gut nach dem liechte und zeichen ungeverlich, alsdan mag man laßbinden ußhencken und diegel mit dem blude oder lere ußsetzen.
Ebd. (
1590
):
Mann soll auch kein gelassen blut auff die gassen giesen noch in laßdiegeln außsetzen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
53, 7
(
Frankf./M.
1568
):
Erschwitzt / deñ werdt jr zwagn vnd gribn / | Mit Lassn das vbrig Blut außtriebn.
Ebd.
68, 9
:
Der Rotschmidt. [...] Bildwerck / Wappen / ich gossen hab / | [....] | Pippen / Laßkoͤff / vnd ander ding.
Ebd.
72, 4
:
Schwaͤntzen vnd Lassen ich wol kan / | Den Pferden / die auch Schaͤden han.
Keil, Peter v. Ulm
241
(
nobd.
,
1453
/
4
):
dornach laß jm zwo adern an der zungen, das hilft.
Voc. Teut.-Lat.
s iijr
(
Nürnb.
1482
):
Lassen od’ schrepffen od’ vintausen kopfetze͂.
Fischer, Folz. Reimp.
43
, Ü (
Nürnb.
um 1491
):
Zu dem andern das e ingewisse leßin | einem yden uach seiner uͤberflüssikeit.
Ebd.
45, 247
:
all menet eins laszen und die adern abwechseln.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Das sol mit zwagen, lossen und schern | Verdint werden.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
Nach dem thet er sein laßzeug zucken. | Sein flitten war ein eißner keyl, | Die setzt er auff mit schneller eyl.
Ebd. (
1563
):
Auff iedes aug setz ein laßkopff, | Dein nasen vol strohälmer stopff!
Ebd. (
1563
):
Angezünt den laßdegel setz | Auff deinen rücken.
Nach dem sich auff die laßbanck setzet, | Da hett der lasser nit gewetzet | Die fliten, schlug hart, macht dem heiß, | Die zän er auff einander beiß; | Der lasser zitert mit der hent | Und in mit dem laßdigel brennt.
Weitz, Albich v. Prag
166, 23
(Hs. ˹
nobd.
,
2. H. 16. Jh.
˺):
moͤgt ir ewirn hyndern renes vnd dy lenden netczen myt kaldem wasser vnd scholt nicht paden noch lossen.
Hulsius
P iijr
(
Nürnb.
1596
):
Schrepffhoͤrnlein / laßkoͤpff.
Strauss, A. v. Villanova dt.
165r, 16
(
obd.
, Hs.
1421
):
Enpfindest du aber dyese tzwey oder eynes nach der laßerey, so soltu deste lenger vngelaßen seyn.
Cirurgia H. Brunschwig (
Straßb.
[
1497
]):
wen dir die rechte hant plůtet das du den lincken arm [...] ribest / vñ nach dez ribe͂ wol hert bindest mit eine͂ wüllin laßbendel.
Spanier, Murner. Narrenb.
85, 36
(
Straßb.
1512
):
Wie nero hat sym meister thon, | Der mit lassen
(›Pulsadern aufschneiden‹)
schied dar von.
Hampe, Ged. v. Hausrat
4, 11, 4
(
Straßb.
,
um 1514
):
eyn Laßbrieff zeyget dir lassen gůt.
Ebd.
4, 13, 9
:
Er ist für die gesuntheyt ser fast gůt | Ein Laßbinden vnd ein kechelin zum Blůt.
Sudhoff, Paracelsus (
1529
):
Hüt dich vor purgirn und lessen und schrepfen.
Darzu ist es komen, das die laßtafeln mit tumer ler solches alles urteilen. ist anfenglich von nöten, inen darein zu reden. dan sie die ursach geben den einfeltigen, laßtüchlein, laßmenlin hinaus zu henken, dardurch dan das volk bewegt wird vom selbigen ansehen, das gut aderlassen ist, darumb das menlin und die laßtüchlin aushenken.
was zwischen den zweien polis ligt, wird mein harnisch sein, euer astronomei und laßtafelkunst in Pilatus see zu werfen.
Arndt, biechlin
A iiijr
(
Freiburg
1523
):
Man sol schrepffen vnnd mit koͤpffen lassen wider das kratzen / wañ des menschen blůt wachset in dieser zeit.
das man im mit lassen und traͤnkeren were zů hilf kon.
Jörg, Salat. Reformationschr.
532, 10
(
halem.
,
1534
/
5
):
Wie doctor Murner sy geschulten mit dem lascedel.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
208r, 30
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
la oben vff den fuͤssen.
Menge, Laufenb. Reg.
378
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
In disem manot sol man | Zů der leber oder lan.
Maaler (
Zürich
1561
):
Laßeysele. Scalpellus. Laßeysen (das) Scalprum chirurgicum.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
296
(
Genf
1636
):
Lassen / ein Ader sprengen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
hab ich kaum ein man, den ich ie kennet, gesehen, der ime so übel hab gefürcht im lasen.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
232r, 23
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
get ein wenig plutes / auß der bunden, so las ym plut an der andern / seyten der gegenn ader secz ym kappffe.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
23, 20
(
noobd.
,
1347
/
50
):
so deu sunne da hin kuͤmt, so koment die hundestag, und so ist lozzen verpoten.
Bastian, Runtingerb.
2, 24, 28
(
oobd.
,
1392
):
wan mir di zennd anhebent wezetuͤn, so sol ich mir auf der haubtaͤder lazzen; ich sol mir alle jar zwir auf der haubtader lazzen, zwir auf der patia.
Eis, Albrants Roßarzneib.
111, 30
(
oobd.
/
wböhm.
,
2. H. 13. Jh.
):
Swelich ros wint reh ist, als ob iz hertzlechtich sei, dem lazz man zwischen avgen und oren.
Schmitt, Ordo rerum
257, 6
(
oobd.
,
1466
):
Flega [...] Flebum [...] vletem [...] laßeysen [...] lazzeysen oder flieden.
Ebd.
258, 11
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Ventosum [...] Angistrum lazz chöpph [...] laß vaß [...] ein kop [...] schrepffhoͤrnly [...] laz vas choph [...] ventuß [...] laschophel.
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 541, 32
(
moobd.
,
1485
):
es sollen auch die armen zu spital nu furan weder laszgelt noch schererlon nicht geben noch zallen.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
dieselbigen haben die alten kalender und (wie wirs nennen) laßzetl und computos all falsch gemacht, sein der alten historien und des laufs des himels nit recht bericht gewesen.
Es hat auch Hipolytus [...] besundere püecher gemacht von dem lauf des mâns, von der gulden zal und wan der ostertag sei; wir nennens iezo ewig almanach, praktika und laßzedel.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
24, 35
(
Venedig
1483
):
sag ich dir das ertzney zů nemen vnd zů geben vnd zů laßen [...] das ist nicht verpoten an dem feyrtag.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. ; ;
Hampe, Ged. v. Hausrat
1, 2, 8
;
Fischer, Folz. Reimp.
44, 362
;
Keil, Peter v. Ulm
213
;
Arndt, a. a. O. Aijv,
17
;
Bachmann, Haimonsk. ; ;
Jörg, Salat. Reformationschr.
418, 11
;
423, 9
;
Weitz, a. a. O.
134, 2
;
Bell, G. Hager
592, 2, 12
;
4, 455, 3
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
Bremer, Voc. opt.
31015
;
Eis, a. a. O.
111, 26
;
Schmitt, a. a. O.
664, 21
;
22
;
Voc. Teut.-Lat.
s iijr
;
Voc. inc. teut.
o iiijr
;
o iiijv
;
Rot
322
;
Bad. Wb.
3, 377
;
379
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Öst. Wb.
4, 85
;
Keil, Peter v. Ulm
413
;
Eilenberger, Pennälerspr. .
Vgl. ferner s. v. , , .
27.
›losgehen (von Waffen); etw. zünden, abfeuern‹.
Wortbildungen:
laspulfer
›Zündpulver‹.

Belegblock:

Schmitt, Fachprosa
43, 15/18
(
rhfrk.
,
1430
/
89
):
Wann die laß puluer sint gar heiß vnnd scharff vnd an zundet daz ander puluer gar behende in der bussen, vnnd abe daz puluer in der bussen verdorben were, so hilft yme daz zunde puluer, daß iß laßen müß.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
):
also wolt daz feur mit dem einschießen kein gut tun, auch wolten die püchsen nit laßen.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
jme lest vngeverdlicher weyss vnd wider seinen willen sein Puͤchs oder armprust, ee vnd er recht anschlecht vnd abkuͤmpt.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 227, 10
(
halem.
,
1508
/
16
):
nun hat es zwen tag [...] geregnot; dar um wolt den Sungoͤweren ire büchsen nüt lassen, und die armbrust zerschnalltend.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. ;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 154, 11
;
Weber, Oswald. .
28.
›jn. / etw. (z. B. Hunde) auf jn. / etw. (z. B. auf eine Fährte / Wild) loslassen, hetzen; sich mit Gewalt auf jn. stürzen‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Uf daz volk sin gelazen | Die vier tuvel in Eufrate.
Moscouia
C 2r, 18
(
Wien
1557
):
ob die Littn auf das khlain volckh begierlich sich lassen wurden.
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 131
.
29.
›eine Flüssigkeit ein-, umfüllen, ablassen, zapfen; bewirken, daß eine Flüssigkeit in eine bestimmte Richtung fließt bzw. geleitet wird; etw. einfliessen lassen‹.
Wortbildungen:
laskanne
›Umfüllkanne‹,
lasleder
›Lederflasche zum Umfüllen‹,
laszapfe
(dazu bdv.:  3).

Belegblock:

Herborn u. a., Rechn. Jülich
151, 30
(
rib.
/
snfrk.
,
1398
/
9
):
Heynrich Milchmut(er) gegeve(n) van XV ½ daige, wijne zu laisse(n) ind zu rijlen.
J. W. von Cube. Hortus
90, 8
(
Mainz
1485
):
Welcher vil feuchtikeyt hette in den oren [...] der laiß oͤle warm dar inne.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
E. 14. Jh.
):
Das die leddersmirer oder furkeuffer am ledder keyn wasserstieffel, laßleder [...], so die schumacher zu machen pflegen, zwuschen den messen feyl haben sollen.
Lippert, UB Lübben
2, 205a, 15
(
osächs.
,
1523
):
22 ar. g. 5 d. vor drey grosße hane, 12 holtzene kannen und zcwe laßkannen gegeben.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
):
4 rörn, damit man den wein leßt.
Hulsius
V iijv
(
Nürnb.
1596
):
laßZapff / damit man wein lasset.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Han oder laßZapff.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
Die wyll die fisch suttend, ließ der bruoder win.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
214v, 1
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Oder súd bolaẏen / mit essich vnd la den rom als haiss in die nase.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
296
(
Genf
1636
):
lassen zapffen / als Wein oder Bier.
Rauwolf. Raiß ([
Lauingen
]
1582
):
In der grossen Badstuben / stehn etliche grosse gantz Marmelstainine geschirr / darein das wasser gelassen wirt.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1568-1603
):
wan ainer dem ander wasser auf seine grunt laitet so von alter nit gewest ist, ist die bueß 72 ₰ und das wasser an seine rechte statt zu lassen.
Rechn. Kronstadt
3, 92, 10
;
30.
›eine Bewegung von einem Ort zum anderen hin vollziehen‹; im einzelnen: ›jn. (auch sich) / etw. herunter-, hinablassen; sich aus etw. heraus begeben; jn. in etw. (z. B. einen Raum) hineinlassen‹.

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
jungez gras, | daz sich hie zu durch nuwe werde | gelazen habe uz der erde.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
daz her Jeremias der propheta wart gelazen in ein phutze eines mannes der hiez Abdimelech.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
si lîzen netze in das mer, wan si wâren fischêre.
Bell, G. Hager
158, 2, 16
(
nobd.
,
1597
):
ach, mein Herr, ich | hab hie war lich | nie mand, Der von Dem orte | mich jn den deïch | lüss.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1445
):
Desz glichen, ob ich in eins armen mans kamer glossen und do sin wolt.
Sappler, H. Kaufringer
14, 354
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er puckt sich mit dem körpel dar; | den wolt er lassen vil gewar | in die zistern vil leise.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1466
):
lussen die böcken in die mül, nament ir koren on zaichen heraus.
Jaksche, Gundacker (
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
Peter sich indaz wazzer lie | unt chom also zu Jesu hie.
McClean, Havich
3378
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
als er [Got] sich her von himel lie, | der sy peschüf und wart ïr kind!
Koppitz, Trojanerkr. .
31.
›sich auf die Knie niederlassen, in Demutshaltung vor jm. knien‹.

Belegblock:

Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Mit rehter andahte er sich lie | Under den boum uffe die knie.
Karnein, Salm. u. Morolf
57, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Da ine Salmon enphie, | er ließ sich schone uff sin knie.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
dü küngin lobesan | Sich uff iere bare knye | Ze der erden für den jungen lie.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
do er [Allexander] für daz röß gien, | Auf die knie ez sich lie | Und leckt dem kind die füzze sein.
32.
›sich an einem Ort niederlassen, seßhaft werden‹.

Belegblock:

Gerhard, Hist. alde e
662
(
omd.
,
um 1340
):
In di wuste sich der [Zedar] liz, | Und daz teil, daz er besaz, | Zedar ist genennet daz.
33.
›sich in bestimmter Weise verhalten, sich benehmen; wie etw. aussehen‹.

Belegblock:

Thiele, Minner. II,
27, 486
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
doe die joncfrow dese wort | van mir hette irhoert, | se mishielt hair also sere, | se liet als se onsinnich were.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
nieman sol sich also fraͤvenlich an Got lassen daz er dekain ding tuͤgi da mit er sich selben verliere.
Stackmann u. a., Frauenlob
11, 9, 16
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
sich, wilder valant, sich din scham: | din arger mut lat als daz swin.
34.
›etw. an sich nehmen, ein Amt übernehmen‹.

Belegblock:

Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
Kaiserlich und kiniglich ro. mt. haben herr Anthoni Fugger [...] bevolchen, daß er an sich leß die pfleg der stat Donauwerde.
35.
in der Konstruktion (Mittelkonstruktion)
sich lassen
+ Inf. ohne persönliches Subj. (als Konkurrenzform zum Modalverb
können
oder zu den
-bar
-Ableitungen): ›kann (z. B. gehört, geteilt usw.) werden, ist (z. B. hör-, teil-) bar‹.

Belegblock:

Böhme, Morg.R.
15, 2
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
die Weisheit GOttes klaget draussen und lest sich horen auff den gaßen.
Keil, Peter v. Ulm
191
(
nobd.
,
1453
/
4
):
so let es [pech] sich zu puluer machen.
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
248
(
oobd.
,
1607
/
11
):
der ander [merschwämb] sicht wol wie ein gemeiner meerschwam, ist aber etwas hart, lasst sich nit zusamentruckhen.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1266
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Darumb erten ettleich den vndern tail des lufftes der sich leycht taylen let.
36.
in der Konstruktion
las sein
oder
las sein, das [...]
als konzessive Konjunktion im Sinne von ›selbst wenn, gesetzt den Fall, daß [...]‹.

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
laz sin daz nicht wen ein man | an dem kristengelouben si bestan, | bi deme solde di kristenheit | zum gelouben komen widir.
Luther, WA (
1529
):
Las nu unter den Tuͤrcken sein etlich Christen, Las sein yhr eigen munche, Las sein etliche erbare leyen.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
5r, 12
(
Zürich
1521
):
laß sin das die natur nüt moͤg schaffen by den mensche͂ / die doch in vnuernünfftige͂ thieren vil vermag.
37.
in den Formen
las, lasset, lasset uns / euch, lassen wir
höfliche Ansprache an den anderen, etw. zu tun, zu bewirken; Tendenz zur Grammatikalisierung im Anschluß an 1 (permissiv) und 2 (kausativ): ›laß, laßt, laßt uns‹.

Belegblock:

v. Ingen, Zesen Rosenw.
89, 1
(
Hamburg
1646
):
laß andere den woͤlfen und hirschen nachjagen.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb. (
Köln
um 1490
):
Lae varen, und rome des mundes. | Lais ouch varen den Magnificat.
Beckers, Bauernpr.
60, 3
(
Köln
1515
/
18
):
Dat ließ vnd laiß tzo hertzen gain.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Got [...] | Laß angnem sein fuͤr dir | Die wort aus meinem munde.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
131, 17
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Dar vmb lassent vns verkeuffen was ich han.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
176
(
mrhein.
,
um 1335
):
Swester, swig, la mich gehoren.
Froning, Alsf. Passionssp.
5304
(
ohess.
,
1501ff.
):
lat en [Jhesus] uns hengken.
Bergmann, Ambr. Liederb. (
Frankf.
1582
):
Die specksup lond uns kocken.
NUn lond uns frisch und frölich sein.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
25, 42
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Lat faren, her Tot!
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
lassets ewern hoͤchsten trost sein.
Hoffmeister, Kuffstein. Gef.
A vijv, 12
(
Leipzig
1625
):
Erhole dich / vnd las dein Gemuͤhte ruhen.
Logau. Gott
157, 21
(
Breslau
1644
):
Laß vns von Dir durch Zwang / Gewalt vnd Leyden / Keinmal abscheiden.
Fastnachtsp. (
nobd.
,
15. Jh.
):
Laß wir die rede vallen zu tal.
Serranus (
Nürnb.
1552
):
Laß mich gehn. Sine me abire, Sine ut abeam, Mitte me, Omitte me.
Schorer, Sprachposaun
51, 15
(o. O.
1648
):
laß sehen / ob der Roͤmer jhr [...] Virgilius jemahls seine Gedichter mit Teutschen oder andern Sprachen vermenget habe.
Anderson u. a., Flugschrr.
14, 4, 8
(
Straßb.
1524
):
Lassent vns nit Kinder sein.
Wyss, Luz. Ostersp.
639
(
Luzern
1583
):
Das land v̈ch bewegen, ir Christen lütt.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
16
(
schwäb.
,
1455
):
lauß, her, dinr gnauden glentz | Mir in min hercz erglesten.
Munz, Füetrer. Persibein
157, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
latt euch ir not erparmen.
Beckers, a. a. O.
63, 11
;
Froning, a. a. O.
1381
;
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
17, 104
,
v. Keller, Ayrer. Dramen ; ; ;
Ott-Voigtländer, Rezeptar
206r, 19
;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
26v, 20
;
Sappler, H. Kaufringer
14, 644
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
Klein, Oswald
8, 1
;
Piirainen, Stadtr. Sillein 60, l
15
;
Bad. Wb.
3, 377
.
Vgl. ferner s. v. .