aus,
Präp.
(1-3; 8; 14-16),
Adv.
(4-7, 9-13, 17; davon 6 und 9 auch als Interj. belegt); 1-6 auf räumliche, 9 und 10 auf zeitliche, 7 und 8 auf räumliche und / oder zeitliche Verhältnisse bezogen oder assoziativ beziehbar; 11-13 kennzeichnet modale, 14 kausale (o. ä.), 16 konditionale Bezüge;
15 dient dem Ausdruck materialer Herkunft.
1.
dient mit folgendem Nomen (im Dat.) dem Ausdruck der räumlichen oder sozialen Situierung einer Bezugsgröße oder eines Bezugsgeschehens außerhalb eines Orientierungspunktes: ›außerhalb e. S.‹.
Phraseme
˹(am ehesten hier anzuschließen):
aus der massen
›außerordentlich‹ (dazu bdv.: vgl. )˺;
aus dem schimpfen kommen, aus dem schimpf sein, aus dem spot kommen
›nicht mehr scherzhaft sein‹.

Belegblock:

Henschel u. a., Heidin
712
(
nobd.
,
um 1300
):
Der ros [...] | Der pflag man vz d’ mazen wol.
Wiessner, Wittenw. Ring.
689
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Lechspiss der sach auf zuo got: | Es was im chomen aus dem spot; | Er rüeffet laut mit gantzer macht.
Ebd.
6461
:
Es muot in ser und ward sich rimphen; | Er sprach: ‘Es ist mir aus dem schimphen’.
Chron. Augsb.
4, 441, 1
(
schwäb.
, zu
1502
):
das was aus dem brauch und vor nie erhort worden.
Henisch
157
(
Augsb.
1616
):
Auß der weiß nicht tretten (mit vnkosten vnd pracht).
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
56, 5
(
noobd.
,
1347
/
50
):
sunder er [kraiz] hat in [mittelpunct] auz der erden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
187, 11
(
oobd.
,
1349
/
50
):
ain würmel, daz smeckôt auz der mâzen süezleich.
Klein, Oswald
43, 22
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ach frau, was sol der ungelimpf? | es ist mir laider auss dem schimpf.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
19, 10
(
m/soobd.
,
15. Jh.
):
Das niemant ân des richter [...] ratt aus der herrschaft purgel weren sol.
Pfeiffer, a. a. O.
218, 11
;
Serranus
20v
;
Dietz, Wb. Luther
1, 158
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 883
;
Schwäb. Wb.
1, 450
;
Schweiz. Id.
1, 55
;
Öst. Wb.
1, 476
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 147
.
2.
dient mit folgendem Nomen (im Dat.) dem Ausdruck der Richtung eines Geschehens (meist:) aus einem Raumgebilde oder (seltener:) aus etw. Flächenartigem heraus: ›aus etw. heraus‹.
Syntagmen:
aus dem gefängnis / grabe / haus
(mehrfach)
/ herzen / königreich / land
(häufig)
/ mund / paradiese / säckel / schif / schos / schrein / tempel / tron / wald, aus der flasche / hand / lunge / seite / stat / wiege, aus got.

Belegblock:

Chron. Köln
1, 113
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
hei sal levendich us deme grave | mit der helpen godes gain.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
144, 17
(
rhfrk.
,
um 1435
):
wie bin ich so gar vnselich vß myme konigrich verjaget.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
8, 26
(
thür.
,
1421
):
[got] treip sie uss dem paradiso.
Anderson u. a., Flugschrr.
21, 4, 15
([
Zwickau
]
1525
):
[Gott] hat [...] die kinder Jsrael [...] erhoret / vñ aus der hand Pharaonis erlediget.
Weise. Jugend-Lust
85, 26
(
Leipzig
1684
):
wenn ein Bote aus dem Koͤniglichen Frauen⸗Zimmer geschicket wird.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
197
(
Nürnb.
1517
):
Der war christen, aus got geborn, kumet vom himel.
Ebd.
237
:
der volkümlich in Christum gloubt, aus des henden niemant rouben kan.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
96, 22
(
Nürnb.
1548
):
mit dem Euangelio / welches der Son Gottes auß des Vatters schoß herunder zu vns auf erden gebracht hat.
Ebd.
109, 6
:
das wasser vñ blut auß der geoͤffneten seiten Christi geflossen hat.
Dreckmann, H. Mair. Troja
8, 20
(
oschwäb.
,
1393
):
ochsen, die liezzend us irem mund fiurin flammen.
Ebd.
11, 15
:
wie der küng [...] die krichen varn hiezz uss seinem land.
Sappler, H. Kaufringer
6, 235
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
das der edel ritter gar | auß dem haus gegangen was.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 71, 16
([
Augsb.
]
1548
):
Auß der Lungen / und nicht auß dem hertzen reden.
Henisch
156
(
Augsb.
1616
):
Auß meinem maul soll es niemand erfahren.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
69, 25
(
oobd.
,
1349
/
50
):
spricht Ezechiel auz gotes mund.
Klein, Oswald
4, 32
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Si twinget barmu(n)g michel gross | herabher aus dem tron.
Ebd.
72, 21
:
Nu trinck wir auss dem fläschlin.
Mollay, H. Kottanerin
28, 5
(
moobd.
,
1439
/
40
):
do muͤst ich in wider auf heben aus der wiegen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
94, 5
(
tir.
,
1464
):
da giengen si aus dem selbigen grossen wald mit den czwain pillgram.
Tiemann, a. a. O.
128, 17
;
173, 12
;
v. Liliencron, a. a. O.
26, 4
;
Göz. Leichabd.
229, 2
;
Dreckmann, a. a. O.
13, 23
;
Wiessner, Wittenw. Ring.
427
;
2822
;
3367
;
9626
;
Sappler, a. a. O.
4, 74
;
6, 235
;
Eschenloher. Medicus
47, 19
;
Bauer, a. a. O.
122, 42
;
A. à S. Clara. Glori
29, 28
;
Maaler
39r
;
Henisch
156
;
Dietz, Wb. Luther
1, 158
;
Schwäb. Wb.
1, 450
;
Schweiz. Id.
1, 550
.
3.
dient mit folgendem Nomen (im Dat.) dem Ausdruck der Richtung eines Geschehens aus sozialen und (selten) natürlichen Verhältnissen sowie aus Personengruppen heraus: ›aus etw.; unter jm.‹.
Syntagmen:
aus der eigenschaft / hulde / gemeinschaft / heidenschaft / not
(mehrmals),
aus dem elend / rat, aus den brüdern.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
372, 10
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die sich pezzernt auz irem siehtum.
Anderson u. a., Flugschrr.
3, 6, 33
(
Wittenb.
1525
):
Gott wird dyr eyn propheten aus den bruͤdern erwecken.
Henschel u. a., Heidin
58
(
nobd.
,
um 1300
):
Sî quam ouch nie von schulden | ûz des küneges hulden.
Ebd.
509
:
hilf dir selber vz der not.
Langen, Myst. Leben
182, 6
(
nobd.
,
1463
):
erledig in / zw der czeit des todes aus allen / sein angsten vnd noten.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
123
(
Nürnb.
1517
):
es [gesetz] beroubt den menschen sein selbst, fürt in aus sich selbst, es benimbt die freiheit.
Ebd.
227
:
setzen sich aus der gemeinschaft des nechsten und wandern unter die göte.
Edlib. Chron.
14, 17
(
ohalem.
,
um 1500
):
namend die von zürich zwen uss uss jrem rat.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
6, 42
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Uns erwelt got aus der haidenschaft.
Sappler, H. Kaufringer
20, 53
;
Serranus
20v
;
Öst. Wb.
1, 476
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 138
;
Rudolf, Frnhd. Schriftspr. Südböhmen.
1973, 21
.
4.
dient dem Ausdruck der Situierung einer Bezugsgröße oder -handlung außerhalb eines als Orientierung vorausgesetzten Bereichs: ›draußen, außen, außerhalb‹.
Phraseme
und ütr.:
wol aus sein
›fein heraus sein‹.
Gegensätze:
 2.

Belegblock:

Päpke, Marienl. Wernher
736
(
halem.
,
v. 1382
):
machotend sú ain hus | Nach an dem tempel us.
Ebd.
4039
:
belaib Joseph mit siner schar | Das er nút wiste keren war, | Und muͦste also beliben us.
Klein, Oswald
98, 5
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Inwendig, auss und überal, | zu Münsterling und anderswa | regniert dein adelicher schal.
Turmair
4, 115, 10
(
moobd.
,
1522
/
33
):
die knecht, so auß im krieg waren gelegen.
Preuss. Wb. (Z)
1, 283
;
Schweiz. Id.
1, 559
.
5.
›abwesend, nicht zu Hause‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , ,  2.

Belegblock:

˹In religiöser Ütr. ›nach außen gekehrt‹:
Jostes, Eckhart
13, 9
(
14. Jh.
):
Der got loben wil, der muz heilig sein und gesammet sein und ein geist und nindert uz sin.
Bachmann, Haimonsk.
11, 25
(
halem.
,
1530
):
ich kan mich nŭt gnuog verwundern, das er so lang uß ist inn siner botschafft.
Chron. Augsb.
1, 317, 24
(
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
machtent, die weil der kuster auß was, ain turen an des örggers stat.
Henisch
157
(
Augsb.
1616
):
Warumb bist du so lang auß?
Bastian, Runtingerb.
2, 119, 28
(
oobd.
,
1399
):
sy waren 16 wochen aͤuzzgeleben.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
191, 21
;
Bastian, a. a. O.
2, 226, 25
;
227, 33
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 283
(
seit 15. Jh.
);
Schweiz. Id.
1, 553
;
Schwäb. Wb.
1, 449
;
Öst. Wb.
1, 476
.
6.
kennzeichnet die Richtung einer Bewegung aus einem als Orientierungspunkt dienenden näheren Bezugsbereich hinaus in einen weiteren Bezugsbereich: ›hinaus, weg, fort‹.
Phraseme:
ein und aus, aus noch / oder ein
›ein und aus, heraus noch hinein, aus noch ein, hü oder hott‹.
Syntagmen
jeder einzelne der beiden Bezugsbereiche sowie beide Bereiche können elliptisch ausgespart werden:
zum lande, zu der stat aus
;
aus an den galgen, aus über die wand
;
aus teufel
›hinweg, Teufel!‹,
aus zum teufel mit den guten werken, aus mit euch eseln!

Belegblock:

Luther, WA
51, 654, 250
(
um 1535
):
Frǔe aus vnd ynn die herberge.
Päpke, Marienl. Wernher
2740
(
halem.
,
v. 1382
):
Da der kúneg gieng in und us.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 45, 16
(
Hagenau
1534
):
Auß an galgen.
Ebd.
157, 14
:
Oben auß / und nyrgent an. Diß belanget die eygensynnigen koͤpffe / die yhnen weder singen noch sagen lassen / Denn der selbigen spottet man / daß sie sich des unterstehen / das yhnen schedlich ist / Hui oben auß / unnd nyrgent an. Dann wer oben außferet mit dem kopffe / der stosset sich gewißlich.
Diehl, Dreytw. Essl. Chron.
21, 16
(
schwäb.
,
1548
):
das neymantt wysstt wa auss oder ann.
Henisch
156
(
Augsb.
1616
):
Fern auß den augen / fern auß dem sinn. [...]. Auß den fuͤssen [...] vulgo dicitur, cum significatur fugiendum esse periculum.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
202, 33
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
wurdn all porttn beschlossen, das niemant aus noch ain mocht.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
192, 28
(
moobd.
,
1478
/
81
):
gieng sy mit in über den hof und zu der stat ausz.
Turmair
4, 115, 11
(
moobd.
,
1522
/
33
):
muest ein andre rot wider auß.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
258, 20
(
m/soobd.
,
1629
):
damit ihme oder andern auß oder ein
[›drinnen oder draußen‹]
nit schadt beschehe
[formelhaft, wenn Vieh durch den schlechten Zaun hinaus- und hineinlaufen kann und Schaden anrichtet].
Dietz, Wb. Luther
1, 157
;
Schweiz. Id.
1, 552
.
7.
dient nach vorangehendem Zeit- oder Raumausdruck (im Akk.) dem Ausdruck der zeitlichen und räumlichen Erstreckung: ›entlang (räumlich); über, hindurch (zeitlich)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.
Phraseme:
auf alle seiten hinaus (ein lügner sein)
›in jeder Hinsicht (ein Lügner sein)‹,
die mas aus (etw. sein)
›in jeder Hinsicht (etw. sein)‹.
Syntagmen
die fehe / nacht, den weg / krieg / reichstag / tag / winter, das jar aus
; teilweise gedoppelt:
den graben / tag aus und aus
›ganz entlang, ganz hindurch‹.

Belegblock:

Roder, Stadtr. Villingen
27, 5
(
önalem.
,
1369
):
das bedú ort mit enander nun ze nehst usziehent oder nun ain ort, das sol us und us, die wile die rais und der zog weret, us sin, uncz die rais ain ende nimet.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
2, 21
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
man solde yn gebin di kost alle den wek us mit ir geselschaft.
Ebd.
75, 8
:
so sint si sicher von eyner lage czu der andirn alle den wek uz.
Opel, Spittendorf
19, 3
(
osächs.
,
um 1480
):
Do gaben sie uns vorbas tage bis uff den nechsten sontagk, den tag aus.
Lemmer, Brant. Narrensch.
110b, 88
(
Basel
1494
):
Das wesen waͤrt [...] | Die fast gantz vß [...] | Die karwuͦch duͦt sie kum abwenden.
Turmair
4, 981, 24
(
moobd.
,
1522
/
33
):
über die mas aus züchtig und schön.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
15, 16
(
smoobd.
,
1625
):
den graben auß und auß durch den Edtenwaldt unzt an die mautstrass.
Roder, Stadtr. Villingen
16, 33
;
Maaler
39v
;
Dietz, Wb. Luther
1, 157
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 283
;
Pfälz. Wb.
1, 431
;
Bad. Wb.
1, 90
;
Schwäb. Wb.
1, 449
;
Schweiz. Id.
1, 552
;
Schmeller/F.
1, 158
.
8.
dient mit folgendem Nomen (im Dat.) dem Ausdruck der genetischen, räumlichen (oder sonstwie gearteten) Herkunft von etw./jm.: ›aus, von‹; ütr. vereinzelt zum Ausdruck logischer Folge verwendet.
Syntagmen:
aus dem samen / stam, aus der historie, aus dem buch / land.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 4, 14
(
Wittenb.
1545
):
das dein bruder Aaron / aus dem stam Leui / beredt ist?
Ebd.
Apg. 2, 7
:
sind nicht diese alle [...] aus Galilea?
Reichmann, Dietrich. Schrr.
83, 4
(
Nürnb.
1548
):
Wie man zum Gebett sich recht schicken sol / auß der Histori von dem Heydnischen frewlin.
v. Keller, Ayrer. Dramen
465, 17
(
Nürnb.
1618
):
auß welches Landts | Seit jhr geborn?
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 1, 10
([
Augsb.
]
1523
):
Ain Sermon [...] vast nutzlich auß den prophetẽ [...] gezogẽ.
Ebd.
13, 4, 19
(
Leipzig
1522
):
Nhue send [...] auch nicht alle dye aus dem samen Jsrahel / warhafftige israheliten.
Henisch
156
(
Augsb.
1616
):
wie eines auß dem andern kompt [...]. Muͤhe gehet nicht auß der erden / vnnd vngluͤck wechst nicht auß dem acker [...]. Auß dem buch gelesen.
Mollay, H. Kottanerin
18, 25
(
moobd.
,
1439
/
40
):
Do nam ich die HerczogInn aus der Slesẏ [...] zu mıͤr auf den Sliten.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
12, 17
;
Alberus
kk iijv
;
Schwäb. Wb.
1, 450
;
Rudolf, Frnhd. Schriftspr. Südböhmen.
1973, 23
.
9.
kennzeichnet das Ende einer Zeitstrecke (z. B. eines Jahres) oder den zeitlichen Abschluß einer Handlung, einer Haltung, eines Zustandes, der sozialen Existenz o. ä.: ›vorbei, vorüber, zu Ende‹.

Belegblock:

Grimm, Weisth.
5, 687, 43
(
pfälz.
,
1354
):
wan sein jar ausz ist.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 27, 5
(
hess.
,
1355
):
ee die zijt sines dinstes uz ist.
Luther. Hl. Schrifft.
Ruth 2, 23
(
Wittenb.
1545
):
das sie las bis das sie Gerstenernd vnd Weitzenernd auswar.
Päpke, Marienl. Wernher
279
(
halem.
,
v. 1382
):
Es ist uss.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3665
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Denn ist uss alle erbarmhertzikait, | Als die hailig geschrifft uns sait.
Ebd.
4596
:
Send mir diner gnaden samen! | Es ist uss in Gotz namen, amen!
Maaler
39r
(
Zürich
1561
):
Auß mit dẽ heyl / daß so vil leydens bringet. [...]. Der monat ist Auß oder überhin.
Ebd.
46r
:
Lassz dein buͤberey Außsein.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 146, 21
([
Augsb.
]
1548
):
Wann die Weissagung auß ist / so wirt das volck wild.
Henisch
156
(
Augsb.
1616
):
Auß mit vns / fuimus Troes.
Ebd.
157
:
Du hast mit mir auß / cõfregisti apud me tesseram. [...]. Zu zwoͤlffen ist es auß [...]. Wenn die arbeit auß ist / so ist sie suͤß. [...]. Was auß ist / das schwirt nicht. [...]. Wo lieb vnd glaub auß ist / da ist eitel Welt [...]. Wenn die Kinder lernen gute bißlein kennen / so ist das studieren auß. Auß sein / verlohren sein [...]. Es ist auß / es ist geschehen [...]. Es ist mit mir auß. Nullus sum, perij, interij, occidi.
Turmair
4, 872, 26
(
moobd.
,
1522
/
33
):
wär es geschên, wär aus gewesen umb das römisch reich.
Koller, Ref. Siegmunds
325, 8
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
500, 31
;
Alberus
kk iijv
;
Dietz, Wb. Luther
1, 186
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 283
;
Schweiz. Id.
1, 559
;
1043
/4.
10.
kennzeichnet den Zustand nach Aufhebung vor einer vorausgesetzten Bezugszeit existenter konkreter Tatbestände: ›entzogen, getilgt, weg‹.

Belegblock:

Klein, Oswald
55, 36
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
wie er desselben nicht entüt, | so ist dem schimpf der bodem auss.
Turmair
4, 720, 5
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Sein in disen lesten zweien zeilen in der mit in ietlicher vier puechstaben auß.
11.
›leer, zur Neige gehend‹ (von Tonnen).

Belegblock:

Preuss. Wb. (Z)
1, 283
(a.
1563
).
12.
in der Doppelformel:
aus und aus
›vollständig, ganz und gar‹.
Bedeutungsverwandte:
 3; vgl.  2,  1,  1,  4,
1
,  1,  4,  2,
1
(Konj.) 7.
Syntagmen:
etw. aus und aus beschehen / beschreiben / volbringen, jn. aus und aus beweisen.

Belegblock:

Turmair
4, 728, 16
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Lucas beschreibt gänzlich die natürlich sipschaft auß und auß der junkfrauen Mariæ.
Dietz, Wb. Luther
1, 157
;
Rwb
1, 981
;
Schwäb. Wb.
1, 450
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 146
.
13.
phras.:
aus und ein
›zusammen, alles in allem‹ (weitere phras. Verwendungen von
aus und ein
unter 6).

Belegblock:

Rechn. Kronstadt
354, 3
(
siebenb.
,
1546
):
Pro impletione eius Malvatici et 23 ½ octavis Malvatici ad viam implendis et Schrot aus vnd ein fl. 4 asp 17.
14.
dient mit folgendem Nomen dem Ausdruck des Grundes, der Ursache, der Bedingungsverhältnisse, aus denen heraus sich ein Vorgang oder eine Handlung als begründet, verursacht, bedingt, hervorgegangen, den Ausgangsverhältnissen entsprechend herleiten läßt: ›aufgrund von etw., infolge, gemäß, entsprechend e. S.‹.
Syntagmen:
aus ansehen / argwan / befel / billigkeit / einfalt / ernst / feindschaft / furcht / gebot / geheis / gewonheit / gnade / grösse / grund / gunst / güte / has / herkommen / mangel / sünde / unwissenheit / ursache / vernunft / wissen / zorn, aus freiem mut, aus den worten, aus einem zeichen, aus aller macht, aus dem rat.

Belegblock:

Allg. Schau-Buͤhne
39, 1
(
Frankf.
1699
):
die ihn entweder aus Einfalt für ihren rechten Herrn gehalten / oder aus Haß gegen die Spanier gehoffet.
Opel, Spittendorf
102, 19
(
osächs.
,
um 1480
):
szo wir nu mitsampt dem rathe usz den gebrechen der regirung [...] gehandelt haben.
Luther. Hl. Schrifft.
Jona 3, 7
(
Wittenb.
1545
):
[König] lies aus schreien vnd sagen zu Nineue / aus befelh des Königes [...] also.
Ebd.
Gal. 2, 2
:
Jch zoch aber hinauff / aus einer Offenbarung.
Anderson u. a., Flugschrr.
13, 3, 25
(
Leipzig
1522
):
Das red ich / auß gantzem ernst.
Ebd.
24, 10, 18
([
Nürnb.
]
1525
):
Eyn Erbar Rath [...] hat aus Christlichen guten vrsachen [...] beschlossen.
Ebd.
29, 3, 32
([
Augsb.
]
1524
):
goͤtzen opffer ist / woͤlches wir auß menschen gebott / vñ nit auß gottes gebott meyden.
Henschel u. a., Heidin
802
(
nobd.
,
um 1300
):
Vz vriem mvt er do sprach.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
238
(
Nürnb.
1517
):
mag er [mensch] doch aus unzweifellichen zeichen [...] ein gewisse hofnung schöpfen.
Ebd.
256
:
das die eer gots meer abneme aus der juden unglouben, dann das sie wüchs aus seiner verlassung.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
93, 7
(
Nürnb.
1548
):
Dz weyblin kan auß des Herrn Christi worten anders nit mercken.
Ebd.
97, 14
:
das du ein sünder bist / auß dem folget nit / das du des Teuffels sein.
Ebd.
29
:
Solche forcht vnd demut / sol auß der sünde folgen.
Ebd.
107, 6
:
sollen wir [...] auß der Schiedung vnsers lieben Herrn Christi lernen.
v. Birken. Erzh. Österreich
64, 28
(
Nürnb.
1668
):
Aus furcht nun / daß sie [...] um ihre Freyheit kommen mochte.
Bachmann, Haimonsk.
126, 35
(
halem.
,
1530
):
Wir gebiettend ŭch uß geheyß des keyssers.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
30, 33
(
moobd.
,
1478
/
81
):
in gedaucht aus der natur zimlicher, sein mueter zu töten, dann sich mit ir zu beflecken.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
30, 5
(
tir.
,
1464
):
Der mensch der rëdet oft aus grosser v̈berflüssikhait der traurikhait.
A. à S. Clara. Glori
44, 27
(
Wien
1680
):
Soldaten [...] / so aus Befelch Pilati der Creutzigung Christi vorgestanden.
Anderson u. a., a. a. O.
1, 6, 26
;
7, 8, 27
;
8, 7, 3
;
17, 11, 19
;
19, 14, 18
;
22, 7, 3
;
23, 4, 7
;
24, 9, 18
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
42
;
69
;
112
;
150
;
255
;
Reichmann, a. a. O.
104, 14
;
v. Birken. a. a. O.
79, 32
;
Klein, Oswald
20, 38
;
Mell u. a., Steir. Taid.
40, 12
;
Turmair
4, 728, 10
;
Serranus
19v
;
20r
;
21r
;
Henisch
156
;
Dietz, Wb. Luther
1, 158
;
Maaler
39r
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 283
;
Schwäb. Wb.
1, 450
;
Schweiz. Id.
1, 550/1
;
Öst. Wb.
1, 476
;
Schmitt, Urkundenspr.
1936, 128
.
15.
dient mit folgendem Nomen dem Ausdruck des Materials, aus dem etw. besteht oder aus dem etw. gestaltet wird; oft ütr. auf abstrakte Bezugsgegenstände sowie auf Personen: ›aus etw., von etw.‹.
Phraseme:
da wird nit aus
(wie nhd.);
da werden teure rüben aus
(›das wird teuer‹).
Syntagmen:
aus galle / gold / honig / lust / silber / teig, aus der rippe / tugend, aus kindern.

Belegblock:

Luther, WA
51, 657, 334
(
um 1535
):
Da wil ehre aus werden.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Mose 2, 7
(
Wittenb.
1545
):
Gott der HERR machet den menschen aus dem Erdenklos.
Ebd.
1. Mose 2, 22
:
Gott der HERR bawet ein Weib aus der Riebe.
Ebd.
2. Mose 12, 39
:
sie buchen aus dem rohen teig [...] vngesewrte Kuchen.
Ebd.
2. Mose 25, 29
:
Du solt auch seine Schüsseln [...] aus feinem golde machen.
Ebd.
1. Sam. 31, 4
:
erstich mich damit [Schwert] / das nicht diese Vnbeschnittene komen vnd mich erstechen / vnd treiben ein spot aus mir.
Henschel u. a., Heidin
1517
(
nobd.
,
um 1300
):
[Ich] wil daz dine geben dir | Waz dv wilt daz tv vz im.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
94, 1
(
Nürnb.
1548
):
Ja wol / da wird nit auß.
Anderson u. a., Flugschrr.
30, 5, 17
([
Straßb.
1522
]):
das du wilt auß güldt wucher machẽ.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 432, 16
(
Hagenau
1534
):
Auß kindern werden auch leut.
Maaler
39r
(
Zürich
1561
):
Auß einem guͦten jüngling boͤß worden.
Sappler, H. Kaufringer
29, 14
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
also würt die lieb gemacht | auß der tugent ungeschwacht.
Chron. Augsb.
5, 334, 21
(
schwäb.
, Hs.
E. 15. Jh.
/
A. 16. Jh.
):
[die] teten groß anschlag. da wurden düri ruͦben auß.
Henisch
156
(
Augsb.
1616
):
Auß allzuvil wirt ein pfui dich.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
342, 15
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wer seinen munt wescht auz kriechenpletern.
Klein, Oswald
11, 95
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
lass dir die werlt nicht smecken, | aus irem lust mach dir ain spot.
Ebd.
16, 1
:
Ich spür ain lufft aus külem tufft.
Wiessner, Wittenw. Ring.
2076
;
2077
;
7746
;
Klein, a. a. O.
50, 4
;
Dietz, Wb. Luther
1, 158
;
Schweiz. Id.
1, 551
.
16.
dient mit folgendem Nomen (im Dat.) dem Ausdruck der ausschließlichen Bedingung eines Bezugsgeschehens: ›ausgenommen, abgesehen von‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  7.

Belegblock:

Mell u. a., Steir. Taid.
159, 16
(
m/soobd.
,
1. H. 16. Jh.
):
welcher aber aus graß eehaftn ungehorsam erschin.
17.
phras.:
auf etw. aus sein
›auf etw. aus sein, intensiv nach etw. streben‹.

Belegblock:

Welti, Pilgerf. v. Walth.
62, 28
(
omd.
,
n. 1474
):
gebot yme ernstlich, das her flissig dornoch solle vssesyn, bestellen vnde erfaren noch sandte Vrß vnd siner geselschafft.