ausser,
äusser
(letzteres sehr vereinzelt),
Adj.
(Uml.).
1.
›an der Außenseite von Körpern, Gegenständen befindlich, die Peripherie bildend‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (Präp.) 2,  3.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
318, 9
(
oobd.
,
1349
/
50
):
daz auzer tail
[des Apfels]
hitzet, daz mitter tail ist mæzig warm.
Ebd.
373, 13
:
wer den pfeffer gar klain pulvert ân daz auzer tail, alsô daz er daz auzwendig ablœst.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
14, 6
(
noobd.
,
1347
/
50
):
daz die zwu ausern lengen dez kegels ain lenge wuͤrden.
2.
›äußerlich; für jedermann sinnlich wahrnehmbar; leiblich, körperlich, natürlich, weltlich; im Gegensatz zu (Adv.) leicht vollziehbar‹.
Texte religiösen (gehäuft: mystischen) und (seltener) didaktischen Inhalts; älteres und mittleres Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  2, , .
Gegensätze:
(Adv.) 13,  1,  2.
Syntagmen:
ausserer friede / mensch / schein / sin / trost, aussere kraft / liebe / minne / neigung / wirkung, ausseres auge / gebot / gut / werk / wort.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.,
2, 176, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
alliu diu ûzer werk, diu man ie vant an den heiligen, diu hât man ouch vunden an den heidenen.
Ders., Eckharts Trakt.
19, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
diu crêatûre ist in des menschen herzen, der noch ûzer neigunge und trôst vindet.
Ebd.
38, 17
:
daz werk enminnet got niht, daz ûzer, daz zît und stat besliuzet, daz enge ist, daz man hindern mac und betwingen, daz müede wirt und alt von zît.
Ebd.
109, 16
:
daz nemmet diu geschrift allez den alten menschen, den irdischen menschen, den ûzern menschen, den vîentlîchen menschen, einen dienstlîchen menschen.
Ebd.
419, 10
:
der eine heizet der ûzer mensche, daz ist diu sinnelicheit.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
2520
(
omd.
,
1338
):
indem slafe haben ru | Uzer synne von aller dru.
Ebd.
3592
:
Daz ist, herre, der uzer schin | Miner werke, dy alle blint | Ken diner lutern clarheit sint.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
2071
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
si wandelns von ußern sinnen | an die gewißen innen | und von dem libe an den gaist.
Gille u. a., M. Beheim
75, 84
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Auch wart in
[Adam und Eva]
geben ausser fridt | mit allen aussern dingen mit | irr aller lieb und gunfte.
Thiele, Minner. II,
13, 339
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
Mit eussern augen schauwen | ist mir gar fremd ir zertlich anegesicht.
Vetter, Pred. Taulers
11, 15
(
els.
,
14. Jh.
):
also sol dise maget ir ussere minne zůsliessen.
Ebd.
71, 16
:
der usser mensche werde broht in den innern menschen.
Ders., Schw. zu Töß
32, 8
(Hs.
15. Jh.
):
das die goͤtlich min ir hertz also hat erfúllet das sy usren trost gar hat verschmachet.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
297, 18
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die [volkumen menschen] ahtent aller auzern lieb niht, diu in diser werlt ist.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
9246
;
Quint, Eckharts Pred.
2, 178, 2
;
ders., Eckharts Trakt.
421, 5
;
Karsten, a. a. O.
898
;
2824
;
Asmussen, a. a. O.
838
;
1251
;
Gille u. a., a. a. O.
73, 83
;
75, 131
;
Vetter, Pred. Taulers
115, 17
;
ders., Schw. zu Töß
32, 17
;
Steer, Schol. Gnadenl.
6, 12
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 138
.
3.
›außerhalb eines Bezugsraumes wohnend, sich außerhalb eines Bezugsraumes aufhaltend, auswärtig, fremd‹; auch: ›aus dem Rechtsbezirk verbannt‹; subst.: ›Auswärtiger‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ; zum Subst.: .
Gegensätze:
 1, (Präp.) 1.
Syntagmen:
der aussere fürst / man / richter, das aussere eheweib
;
einen ausseren pfänden
;
einem ausseren jn.
(z. B.
das weib
)
geben, einem ausseren etw. zu kaufen geben
;
dem ausseren etw. zustehen.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
8, 10
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
hirumme wil ich ire wib geben uzsirn und iren ackir vremden erben.
Koppitz, Trojanerkr.
17300
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Was dissen ain wunne waz | Das was da der ussren hass.
Welti, Stadtr. Bern
82, 10
(
halem.
,
um 1400
):
wa ein vsser, der nit burger were, einen indren an rentzet mit worten.
Ebd.
163, 13
:
weler vsser mit einem indren vͥtzit ze tůnde hat.
Rennefahrt, Statut. Saanen
244, 12
(
halem.
,
1628
):
in dieser verpönigung aber soll unsere burgerschaft allhier nit begriffen, noch dieselbe für ussere und fremde geachtet werden.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
282, 1
(
halem.
,
1515
):
so inen daͧselbs zů Undersoͤwen fúrer dann den ussern zůstand.
Ebd.
376, 3
(
1529
):
doch die herrschafft, ander usser personen, weisen und kleinen kind iro recht vorbehalten.
Winter, Nöst. Weist.
1, 185, 47
(
moobd.
,
um 1580
):
so mag er ander herrn pergnoßen nidersetzen und nicht ander ausser leüt.
Mell u. a., Steir. Taid.
266, 1
(
m/soobd.
,
1408
, Hs.
M. 16. Jh.
):
wil ain ausser man hinz ainem burger icht war machen var dem marktrichter.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
42, 23
(
m/soobd.
,
1508
):
Welich selbs [...] albrecht haben und die aussern leuten lassen ân [...] wissen aines ambtman.
Graf-Fuchs, a. a. O.
126, 25
;
300, 13
;
476, 5
;
Rennefahrt, Zivilr. Bern
775, 7
;
Maaler
46r
;
Rwb
1, 1101
;
Schweiz. Id.
1, 562
.
4.
›außerhalb eines Bezugsortes gelegen, befindlich (von Sachen)‹.
Gegensätze:
(Präp.); vgl. .
Syntagmen:
ausserer altar / grund / hof, ausseres ampt / gericht / gut / tor, aussere finsternis / wand / weinlache.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
11797
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der inner [altar] waz mit sinnen | Mit gimmen und mit golde | Geziret als her solde; | Der uzer mit erze.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2015
(
Köln
1476
):
Dat [...] | Myt subtilheit der vysserst graeff | By Auerport gelaissen aeff | Jst worden.
Feudel, Evangelistar
128, 15
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
werfit en in daz uzirste vynstirnysse.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
8, 12
(
osächs.
,
1343
):
die sune des rîches werden ûz geworfin in di ûzeren vinsternisse.
Luther. Hl. Schrifft.
Hes. 42, 7
(
Wittenb.
1545
):
Vnd der eusser Vorhof / war vmbfangen mit einer mauren.
Ebd.
4. Mose 11, 1
:
vnd zündet das fewr des HERRN vnter jnen an / das verzeret die eussersten Lager.
Ebd.
Ps. 139, 9
:
Neme ich flügel der Morgenröte / Vnd bliebe am eussersten Meer. So würde mich doch deine Hand da selbs füren.
M. Cunitia. Ur. Prop.
184, 27
(
Öls
1650
):
Apogæum [...] ist in dem umbkraissen der Sonn / und Monden der aͤusserste entfernungs punckt.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
142, 7
(
halem.
,
1413
):
daz der [...] richter sitze uff dem usrusten teckladen wider des graben mur.
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 52, 27
(
whalem.
,
1484
):
das si morndes am mentag fúr das usser gericht gan.
Roth, E. v. Wildenberg
19, 17
(
moobd.
,
v. 1493
):
entgegent im alle geschlächte von dem obristen orientali untz auf das aüsserist occidentali.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
20, 13
(
m/soobd.
,
15. Jh.
):
Es sol auch chainer des gotzhaus umb chainerlai unpilleichait die sich auf unseren grünten vergent mit dem ausern lantgericht abkomen.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
7363
;
Dasypodius
292r
;
Dietz, Wb. Luther
1, 195
;
Rwb
1, 1101
;
Pfälz. Wb.
1, 477
;
Schweiz. Id.
1, 562
.
5.
phras.:
das ausser haben
›verbannt, ausgestoßen sein‹.

Belegblock:

Schweiz. Id.
1, 562
(a.
1541
).
6.
ausserer rat
›Großer Rat als Verfassungsorgan in Städten‹;
äusserer stand
„die Gesellschaft der jungen Patrizier, welche ihre eigenen Ordnungen, Übungen und einen jährlichen Umzug halten“ (gleichsam ein äußeres, neben der Regierung stehendes Organ, vgl. Schweiz. Id.
1, 562/3
).

Belegblock:

Sappler, H. Kaufringer
4, 94
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
mich haund mein herren von der stat, | der inner und der ausser rat, | ietzo gesant zuo ewch her.
Mell u. a., Steir. Taid.
109, 25
(
m/soobd.
,
1523
, Hs.
1818
):
daß von alter herkommen sein sol, daß sie zween rat, ein innern und ein äußern, gehabt.
Rwb
1, 1102
;
Schweiz. Id.
1, 562/3
.
7.
wohl nur im Sup.: ›maximal über ein erwartetes Maß hinausgehend, ein Maß so weit übersteigend, daß besondere Handlungen notwendig werden‹.
Phraseme:
bis zum äussersten.

Belegblock:

Buch Weinsb.
3, 44, 25
(
rib.
,
1579
):
Sie haben sich [...] wie daffere ritter [...] gewert bis zum utersten zu.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 271, 17
(
Hagenau
1534
):
Diß ist die eüsserste not / da hyn wir fliehen / wenn wir ab gestossen werden.
8.
phras.:
die äussere nim
„›ein
nachreisen
, das von außen her unter des Gegners Waffe zu den unteren
blößen
gestochen wird‹“ (so das Glossar von Wierschin; s. u.); sowohl
nim
wie auch die genaue Bedeutung von
äusser
sind hier ungeklärt.

Belegblock:

Wierschin, Liechtenauer. Fechtk.
115, 625
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Von der eußern nym. Zwai eußren nym [...]. Merck, die zwi eussere nym, das sind zwai nachraisen am schwert.