aufbieten,
V., unr. abl.;
für Bed. 4; 6; 7 auch als
aufgebieten
belegt.
1.
›(die Finger, die Hand) zu einem bestimmten, u. a. mit dieser Geste vollzogenen Zweck, meist zum Schwur, heben‹.
Phraseme:
mit aufgebotenen fingern
/ (vereinzelt:)
händen
›mit den Schwurfingern / der Schwurhand‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
1, 428, 27
(
nobd.
,
1397
):
haben wir [...] zu den heyligen einen gelerten ayde mit aufgepoten vingern gesworen.
Bihlmeyer, Seuse
308, 18
(
alem.
,
14. Jh.
):
beger ich, daz ein ufbieten mines vingers si ein besteten und ein beschliessen alles des lobes, daz ich dir ie gesprach
[ähnlich bei Gille u. a., M. Beheim
161, 364
].
Päpke, Marienl. Wernher
12366
(
halem.
,
v. 1382
):
Mit dem er [Ihesus] sú gesegenot, | Sin hende er beide uf bot | Und mit ufgebottenen henden sin | Fuͦr er zehymel uf von in.
Chron. Augsb.
1, 138, 25
;
144, 21
;
Haltaus
58
;
Rwb
1, 849
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 138
;
Schwäb. Wb.
1, 365
;
Schweiz. Id.
4, 1867
;
Vorarlb. Wb.
1, 142
.
2.
›sich spitzen, sich öffnen (vom Ohr)‹.

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse
479, 23
(
alem.
,
14. Jh.
):
Daz oͮge sol in minnecliche ane bliken, daz ore zuͦ sinen worten sich uff bieten, hertze, sin und muͦt in umbvahen.
Ebd.
493, 23
;
Schweiz. Id.
4, 1867
.
3.
›etw. bekanntgeben, bekanntmachen‹; speziell: ›(Brautleute) aufbieten, die bevorstehende Hochzeit eines Brautpaares von der Kanzel ansagen‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  7,  3,  1,  1.
Wortbildungen:
aufbietgroschen
›Gebühr für das Aufgebot von der Kanzel‹ (a. 1515),
aufbietung
1.

Belegblock:

Dietz, Wb. Luther
123
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 138
;
Rwb
1, 849
;
851
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 224 (a.
1340
).
4.
›(Pfänder, meist liegende Güter, seltener: Gegenstände) rechtsförmlich bekanntgeben, als verfallen ausrufen‹; damit war dem bisherigen Eigentümer das Recht auf Wiedereinlösung gegeben, dritte Beteiligte konnten Ansprüche und Einwände erheben, das Pfand konnte in das Eigentum des Pfandnehmers übergehen oder an diesen verkauft werden; je nach genauem rechtlichem Sachverhalt deshalb oft speziell: ›etw. zur Wiedereinlösung, zur Anmeldung von Ansprüchen, zum Verkauf ausrufen‹.
Vorwiegend nrddt./md.; rechts- und wirtschaftsgeschichtliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
(zu letzterer Nuance); vgl.  4.
Syntagmen:
das gut / pfand
(jeweils mehrmals)
/ haus, die hufe, den korngulden / panzer a.
;
des pfandes a.
Wortbildungen:
aufbietgeld
,
aufbietung
2 (dazu bdv.: vgl. ).

Belegblock:

Leman, Kulm. Recht
3, 110
(
Thorn
1584
):
sal her das gut vf byten tzu dryn dyngen ymmer obir vyrtzeen tage.
Köbler, Ref. Franckenfort
42b, 3
(
Frankf.
1509
):
Es sol auch hin für kein pfant vffgebotten werden / es sey dann das vorhin die heupt sach darumb das pfandt gegebenn ist gerechtfertiget werde / vnd alßdañ in der execution erst die vffbietung geschehen / Vnd sol alßdan mit verkeuffung solcher pfand gehalten werdẽ wie obstett.
Behrend, Magd. Fragen
155, 30
(
omd.
,
um 1400
):
mer der cleger sal das gut zcu dren gehegeten dingen uffbiten.
Ebd.
161, 27
:
hat derselbe syme pfande mit uffbitunge in gehegetem dinge vor syne scholt nicht gefolget.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 256, 20
(
omd.
,
1427
):
undirwunden sich seyne schuldiger (!), alse der ersame man her Niclos von Rudolfshoven, seynes hauses und bot is uff.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
248, 13
(
thür.
,
1474
):
Sintdemmal her gud hore uffbyten, daz syn gud sy, wy er daz vorantwerttin addir vortrettin solle, daz er recht thu.
Ermisch, Sächs. Bergr.
12, 20
(
osächs.
, o. J.):
so sal ym der richter eynen gewerken geben czu boten, der mit ym gee czu huse und czu have und is ufbite.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
355, 22
(
osächs.
,
1523
/
24
):
die zeit, als er die hufe hat aufpieten lassen.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
44, 10a, 3
(
schles.
,
1386
):
petir poschwicz vnd Nitsche hering habin mit gesamitter hant Sadewicz off geboten czuuorkauffin off irn dritten tag.
Welti, Urk. Rheinfelden
237, 6
(
halem.
,
1449
):
vernemen wir, dz du dem benanten Hannsen Spitzen das sin mit der glocken uffbieten lassen.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 96
;
Leman, a. a. O.
3, 105
;
Bindewald, a. a. O.
44, 10b, 2
;
Behrend, a. a. O.
191, 17
;
Ermisch, a. a. O.
55, 21
;
Haltaus
55
;
Schwäb. Wb.
1, 365
;
Schweiz. Id.
4, 1867
;
Rwb
1, 849
;
851
;
871
;
Hendel, Rechtsbegriffe.
1975, 27
-32 (mit Sachangaben).
5.
›(ein Amt) aufgeben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Gutzeit, Nachtr.
1886, 63
(a.
1602
).
6.
›jn. zum Waffendienst aufrufen, zur Heeresfolge verpflichten, jm. Kriegsdienst auferlegen; (das Heer) zusammenrufen; jn. zur Bereitstellung von Waffenkontingenten aufrufen‹; auch generell: ›jn. aufrufen, einer Pflicht (z. B. Diensten bei der Jagd, der Fron) nachzukommen‹; vereinzelt: ›jn. vor Gericht laden‹.
Zur Sache: Lex. d. Mal.
1, 1203
-1205 s. v.
Aufgebot
.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4,  20, ,  13,  2,  1.
Syntagmen
teils ohne Obj., teils mit Akk.obj., teils mit Dat.obj.:
soldaten / zeugen a.
;
dem her / kriegsvolk / fürsten / der landschaft, dem gereisigen zeug, den ständen a.
; ˹mit Obj. d. S.:
die fron a.
˺,
auf das gejeide a.
Wortbildungen
aufbietung
3 (dazu Synt.:
a. auf den musterplatz
),
aufgebot
3.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming Ged.
172, 43
(
1636
):
Das Heil der deutschen Christen | und dein selbsteigner Nutz gebeut ferner auf.
Luther, WA
30, 3, 291, 20
(
omd.
, Hs.
1531
):
wo der Keiser wuͤrde auffbieten und widder unser teil umb des Bapsts sachen [...] kriegen wolt.
Ebd.
32, 384, 32
(
1532
):
wenn dich dein Lands furst [...] auffgeboͤte jnn krieg zu zihen.
Weise. Jugend-Lust
153, 27
(
Leipzig
1684
):
weil die arglistigen Sicilianer ihre Soldaten mit dem Gewehr aufgeboten hatten.
Chron. Nürnb.
4, 332, 8
(
Nürnb.
,
15. Jh.
):
put man früe [...], iederman auf und in einer stund waren sie fertig.
Chron. Augsb.
4, 57, 3
(
schwäb.
,
1536
):
Margraff Friderich von Brandenburg hat an hl. kreuz tag dem gantzen hör auffbotten, und sind zuͦ Augspurg fürzochen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
55, 25
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
der kayser [...] pat auff in ganntzem Reich allen fursten im Reych mitsambt den reichstetten
[der Lemmaansatz hier und im folgenden Beleg muß möglicherweise
aufbitten
lauten; vgl. dazu die Ausführungen bei Tarvainen, Wortsch. Unrest.
1966, 61
/62].
Ebd.
129, 35
:
Der pat und pott an den enden auff, das sy mit im zugen.
Ebd.
173, 18
:
wardt der lanndtschaft dapey auch aufgepotten, das geschlos zu belegen.
Turmair
4, 919, 14
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Do das kaiser Alexander [...] durch schrift verkündt ward, gepot er zuhand auf.
Ebd.
4, 1138, 4
:
schlueg er ein zug an an den Reinstrâm in Gallien (ietzo Frankreich), ließ überal aufpieten.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
26, 17
(
m/soobd.
, Hs.
17.
/
18. Jh.
):
wen man aufs wolfs- pern- oder hierschengejait auf peut.
Ebd.
431, 12
(
1565
/
81
):
Was man von aines gemainen nucz wegen ainer gemainen nachberschaft aufgepeut, weeg, steeg, prucken oder ander notturft zu machen.
Ebd.
441, 23
:
mit aufbietung auß jedem hauß ainer starken persohn.
Luther. Hl. Schrifft. 1. Macc.
9, 63
; 2. Macc.
12, 5
;
Chron. Nürnb.
2, 247, 13
;
Grossmann, a. a. O.
129, 35
;
149, 40
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
226, 35
;
Turmair
4, 940, 19
;
1087, 26
;
Dietz, Wb. Luther
123
;
129
;
Rwb
1, 849
;
871
;
Schwäb. Wb.
1, 365
;
Schweiz. Id.
4, 1867
.
7.
›etw. gerichtlich einfordern, einklagen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2, , .

Belegblock:

Rwb
1, 849
;
871
(a.
1444
).
8.
›jn./etw. (zu etw.) provozieren, reizen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Rot
343
(
Augsb.
1571
):
Prouocirn, [...] einen in Harnisch bringen / zum streyt laden / zum kampff bewegen / auffbieten / anreitzen / erzürnen.