tun,
V.,
unr. – Das Verb verfügt über ein breites Funktionsspektrum, wobei eher autosemantische Verwendungen hinter den vorrangig syntaktisch-funktionalen Gebrauchsweisen in der Häufigkeit zurücktreten.
tun
dient vielfach zur Verbalisierung eines Syntagmas, dabei wird die spezifische Semantik der Verbalhandlung in erster Linie durch andere Konstituenten (z. B. Nominalphrasen) getragen; teilweise kann eine Verwendung als Funktionsverb angenommen werden (s. insbesondere 2, zu zahlreichen Verwendungsbeispielen vgl. auch /402r). In 1 werden allgemeine Verwendungen zusammengefasst; 2-6 behandeln Verbindungen von
tun
mit jeweils semantisch determinierenden Nominalphrasen (in Objektposition); 7-12 umfassen Gebrauchsweisen in Verbindung mit verschiedenen Adverbialen; in 13-17 werden vorrangig autosemantische Verwendungen dargestellt; 18 erfasst eine besondere Verwendung des Konj. Prät., 19 Verbindungen mit Substantiv mit Tendenz zur Univerbierung, 20 den Hilfsverbgebrauch; 21 u. 22 behandeln das Part. Prät. - Zur Formenbildung vgl.
Frnhd. Gr. §  M
147
.
1.
›etw. machen, ausführen, tun; eine Tätigkeit verrichten‹ (allgemein); ›handeln‹; die Objektposition wird oft eingenommen von Relativsätzen, (zunächst) nicht genau bestimmten, vor allem pronominalen Bezugsgrößen wie
es, alles, (ein) solches, eines, das
(als Demonstrativpronomen) u. Ä., die teilweise im (weiteren) Kontext spezifiziert werden; daneben dient
tun
dazu, Verbalphrasen anaphorisch (selten kataphorisch) aufzugreifen.
Phraseme:
etw. zu tun sein; als viel als drei tun
›so viel wie drei (Personen) schaffen‹;
(mit jm. / etw.) zu tun haben
›(mit jm. / etw.) beschäftigt sein, in Verbindung stehen, befasst sein‹;
jm. um etw. zu tun sein
›etw. jm. wichtig sein‹; formelhaft:
(etw.) tun und / oder lassen
(vgl.  19; s. auch ,
das
).
Bedeutungsverwandte:
 4,  4,  1,  23,  1, , (V.) 7, , , .
Gegensätze:
 19.
Syntagmen:
j. t
. (absolut);
j. / etw
. (Subj.)
etw
. (z. B.
allerlei, das, eines, viel, was
[+ Relativsatz])
t
.
Wortbildungen
tuung
›Ausführung; Handeln‹ (dazu ggs.:  4).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Handlen thun treiben machen schaffen wircken arbeiten.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
295, 1
(
Wolfenb.
1593
):
ich habe mehr zuthun, als das ich hie die zeit vnnützlich vnd vergebens zubringe.
Luther, WA (
1526
):
Wyr haben unsern meyster Christum, der uns fur gelegt hat, was wyr wissen, halten, thun und lassen sollen.
Gottes wort ist allmechtig, so ist der glaube und geist schefftig und unrugig, mus jmer zu thun haben und zu felde ligen.
Ebd. (
1537
):
Also hat der Teuffel zuthun gehabt und hat noch zuthun, das er Christum allenthalben angefochten hat und noch heutigs tags anficht.
Ebd. (
1545
):
wenn fursten thun, was die unterthanen haben wollenn, so sinds fursten, wo nicht, so werdens veracht.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
als wênic daz ouge ze tuonne hât mit dem gesange und daz ôre mit der varwe, als wênic hât diu sêle in ir natûre ze tuonne mit allem dem, daz in dirre werlt ist.
daz ich gesihe und hœre und izze und trinke, daz tuot ouch ein ander vihe.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1322
(
Köln
1476
):
Vmb dat wurden doit geslagen | Der burger hoenre int gemeyn. | Dat deden dye frembden alleyn.
Weingart u. a., Seelb. Rhodt
290, 12
(
pfälz.
,
1564
):
mogen forter die kirchengeschworn mit dem underpfand thun und lassen wie mit andern der kirchen eigen guter.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
120, 5
(
Frankf.
1535
):
Diser kalt steyn [Cristallus] gegen der sonnen gehebt / gibt feur auß jm / vnnd so er warm ist / mag er das nit thuͦn.
Jahr, H. v. Mügeln
1491
(
omd.
, Hs.
1463
):
sust arger wille nicht verstan | die wege siner salden kan | in dingen, die zu tune sint.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
35, 14
(
omd.
,
1487
):
wer sein weÿpp so es vordÿntt [...] straffen will thús in eÿner geheÿme.
Schönbach, Adt. Pred. (
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
Herre got, sprich, vorgib mir mine schuld als ich den tun di wider mich haben getan
(dies zu 8).
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 16, 6
(Hs. ˹
omd.
/
schles.
˺,
14. Jh.
):
er ist min wesen und ich daz sin, sun guter, | er kint und ich muter. | er tet, ich leit.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1521
):
Jch hab von dir [Erasme Roderadame] gehört, das du dir selbst noch 2 jahr zugeben hast, die du noch tügest, etwas zu thun.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
221
(
Nürnb.
1517
):
bistu gefordert von got, andern zu dienen, so du das tust, gibstu got ein wirdige gehorsam.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
67, 16
(
Nürnb.
1548
):
das betten nit ein werck ist / das in vnserem gefallen stehet / ob wirs thun / oder vnterwegen lassen woͤllen.
Ebd.
88, 4
:
Vmb das tegliche brot ist es vns alles zu thun.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
der [bobst] satte uf, daz ein keiser mit eins bobstes küre nüt sol haben zuͦ tuͦnde.
Roloff, Brant. Tsp.
569
(
Straßb.
1554
):
Wir wend uns brauchen aller wolust | Ein yedes thuͦ was es gelust.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
200, 21
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
sprechen wir von den gesteltnüssen der sünde, die an der lazunge lit oder an der tuowunge.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1426
):
nun het der Rechlinger geren gepiest
[›gebüßt‹]
und wolt thon, was ain rat erkandte.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
schwäb.
1493
/
4
):
Ich tain nit, was ich wil, sunder was mir min Vernunft zoͤgt und wyst zu tuͦnd, das tain ich.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 265, 2
([
Augsb.
]
1548
):
Thuͦ ichs nit / so thuͦts doch ain ander.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Alsvil als drey thun.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
40
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Ich glaub. Tü waz du sprichest, so ist der glaub der glaube, wann der glaube an werch ist tod.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
ich will ains thuen und wil den künig von Sicilia in seinem wappen gegen euch in das veld stellen.
[ain verlewmbte, unkeusche frawen] gerte das zu ainem grafen, das er bei ir läg, des der graf durch ain nicht wolte tuen.
Als der hertzog von Brabant die betrüebten mär befand, erschrack er an massen ser; also tet auch der hertzog von Burgundj.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
24, 5
(
tir.
,
1464
):
Aber we eüch, ir armen menschen, was tüet ir?
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
171, 19
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
22, 82
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
9, 13
;
25, 11
;
Opitz. Poeterey
11, 7
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Roloff, a. a. O.
2015
;
Sappler, H. Kaufringer
4, 382
;
Bauer, Geiler. Pred.
91, 20
;
93, 22
Anderson u. a., Flugschrr.
28, 5, 15
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
18
;
Steer, Schol. Gnadenl.
6, 17
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
17, 33
;
Vgl. ferner s. v.  1,
1
 2,  9,  16,  13,  2,  6.
2.
in Verbindung mit spezifizierenden Verbalabstrakta, Nomina Actionis (mit der Tendenz zur Konkretisierung) zur Modifikation des Prädikatsausdrucks: ›etw. (z. B. einen Kauf, einen Kniefall) tätigen, eine (bestimmte) Handlung, Tätigkeit ausführen, vollziehen‹; besonders in rechts- und kirchenrelevanten Kontexten zur Präzisierung eines Handlungs- oder Vorgangstatbestandes: ›etw. (z. B. eine Bürgschaft, einen Eid, Buße) leisten, vollziehen‹;
tun
kann teilweise als Funktionsverb angesehen werden.
Phraseme:
es (jm., mit jm.) tun
›mit jm. Geschlechtsverkehr haben‹ (euphemistisch);
den lezten atemzug tun; jm. einen strich durch eine rechnung tun
›js. Rechnung (im Beleg: die Summe der Sünden) begleichen, für nichtig erklären‹.
Bedeutungsverwandte:
 10, ,  1; zu
säumnis tun
: , , ; zu
kosten tun
: , .
Syntagmen:
j. etw
. (z. B.
einen dienst / fusfal, den schlaf, abzicht / bezalung / wiederstattung, die arbeit / fron, ein fürzlein, das gesez
)
t
.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Stirbet iz [vie zuͦ huͦte] da von
[unerlaubte Weitergabe an Dritte],
her
[der Hirte]
muͦtz iz gelten, her en tuͦ denne sine vnschuͦlde.
(Dortm. 1550):
Satisfacere. [...] bezalung bericht [...] erstattung vergnuͤgung vollstreckung thun.
Differre. Vberstehen verzeihen verseumen saumnus thun.
Espensas, seu sumptus facere. Kostē [...] aufflegen thun aufftreiben.
Pfefferl, Weigel. Ges.
8, 7
(
Hamburg
1646
):
dem Gerechten ist kein Gesetz gegeben sondern er thut das gesetze ohn zwang vnd beschwernis aus lauter Liebe.
Ders., Weigel. Gn. S. 
55, 9
(
um 1571
, Hs.
1615
):
diser Vnsichtiger Siderische Geist im Menschen, Mag alle werckh, kunst vnd Handwerckh außrichten vnnd thuen ohne hende vnnd fiessße.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn (
Wolfenb.
1594
):
Weinet, Thut einen Fueßfall, Vnd erzeiget euch, als wenns euch leid were.
Luther. Hl. Schrifft.
Hiob 42, 6
(
Wittenb.
1545
):
Darumb schüldige ich mich / vnd thu busse in staub vnd asschen.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
er sach ouch daz minste gebet und guote werk, daz ieman solte tuon.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
310
(
Köln
1476
):
Dye waren vyss frembden landen | Deden arbeydt nacht ind dach | All vmb dye stat zo wynnen.
Laufs, Reichskammergo.
139, 9
(
Mainz
1555
):
so soll gemelter pfennigmeyster [...] alles seins einnemens und außgebens erbar und uffrichtige rechnung thun.
Froning, Alsf. Passionssp.
3025
(
ohess.
,
1501ff.
):
des huses wirt saget eme, | das hie rait gebe hiezu, | wo uwer meynster die ostern thu!
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
137, 35
(
thür.
,
1474
):
daz er yr [syner tochter] alsodenne wedderstatunge tun wolde.
Ebd.
270, 7
:
so mussen ym dy lute solliche zcinße gebin unde dy frone thun, als von alders darvon gephlogen ist.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
wie der herczoge [...] geschreben habe lantgraven herman von hessen, das er abeczicht tethe unnd uss der stad czoge.
Küther, UB Frauensee
396, 35
(
thür.
,
1530
):
seinen genaden an irer herbrachten gerechtigkeit kein intrag oder abtziehung zu thun.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
ap er nicht muglichen von meiner kinder wegen mir rechnunge und ausrichtung von jare zu jare tun oder pflegen solle.
Menge, Laufenb. Reg.
2966
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
wisse das der schloffe din | Wenn du Inn tuͦst als er sol sin | Bringet dir gemaches vil.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1439
/
50
):
Wenn aber dem guͦt abgieng in soͤlicher maß, dz man deheinn ablaß daran tuͦn wurd, soͤlicher abgang sol an dem selgrett [...] beschechen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Den letsten Athemzug thuͦn / den geist aufgaͤben.
Wyss, Luz. Ostersp.
4424
(
Luzern
1571
):
Du hast den kuß ouch nitt gethan.
Chron. Augsb. Anm. 2 (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
von der köuff wegen ze tuͦnd mit unserm herren dem bischoff.
Ebd. (zu
1548
):
Adj. ultimo julii haben der kay. mt. rete [...] nach dem Jacoben Herbrot, gewesten burgermaister, geschickt und, bürgschaft umb die 50 fl zuͤ thuͦn, angehalten.
Ebd. (zu
1555
):
daß sie mir umb die erlitne injurien, schmach, [...] schaden und kosten abtrag thun.
Ebd. (zu
1553
):
darnach sich ze richten und schuldige gehorsam ze laisten, auch seiner pflicht gebürliche voltziehung zuͤ thun wissen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Ich sag nit darumb, das es unrecht sei, stiftungen thon und den gottsdienst uffnen, aber [...].
Stopp, Kochbuch S. Welserin
14, 7
(
Augsb.
1553
):
lasß
[die Speise]
wider ain wall thon vnd anainander sieden.
Bastian, Runtingerb.
2, 25, 7
(
oobd.
,
1392
):
Dises pulvers schol man ztwer oder dre(i)mal nuczzen in der wochen mit gutem wein [...] und den nur aynen drunk darauf duen.
Klein, Oswald
6, 18
(
oobd.
,
1416
):
Ich bin erfordert an den tanz, | do mir geweiset würt | all meiner sünd ain grosser kranz, | der rechnung mir gebürt. | doch wil es got, der ainig man, | so wirt mir pald ain strich da durch getan.
Weingart u. a., Seelb. Rhodt
276, 15
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
41, 42
;
Küther, a. a. O.
304, 2
;
Kurz, Murner. Luth. Narr ;
Müller, Nördl. Stadtr. ;
Bauer, Geiler. Pred.
102, 22
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Vgl. ferner s. v. ,
1
 6,  1,  1,  1, (V.) 9, .
3.
›eine bestimmte Handlung (oft: zu Lasten einer Person oder Sache) vollziehen‹; im weitesten Sinne: ›jm. etw. antun, bereiten, zufügen‹; ›etw. begehen, verüben‹; in der Regel von (aus der Perspektive des Sprechers) als negativ beurteilten Sachverhalten bzw. jn. schädigenden, beeinträchtigenden Handlungen und Vorgängen gesagt, wobei die Spezifizierung der Verbalhandlung im Syntagma erfolgt, z. B. in Verbindungen wie
jm. gewalt tun
›jm. Gewalt antun‹,
jm. schaden tun
›jm. Schaden zufügen‹; auch von Kampfhandlungen, z. B.
einen streit / ein treffen tun
.
Phraseme:
jm. abbruch tun
›jm. schaden, gegen js. Interessen handeln‹; ˹
jm. (etw.) tun
;
jm. etw. zu leide tun
˺ ›jm. Schaden zufügen, jm. etw. antun‹;
sich selbst den tod tun
; formelhaft:
(jm.) gewalt und unrecht tun
.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  9,
1
 10.
Syntagmen:
j. etw
. (z. B.
einen diebstal / mord / totschlag, eine sünde, böses, das übel
)
t
.;
j. jm. etw
. (z. B.
einen schaden / wiederstand, gewalt / verirrung, eine schande, ein leid / unrecht, wunden
)
t
.;
j. mit jm. etw
. (z. B.
einen streit, ein treffen
)
t
.,
j. rache über seine feinde t
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Es sagen viel Leut nicht / was sie boͤses thun wollen / sondern thun es.
Weytter wollen wyr noch eyn treffen mit yhn thun.
Da stehet mein Heyland und mein Gott fur mich, las sehen, wer mir thun wil.
Ebd. (
1537
):
wen ich nur gewiss wuste, das mir der tod und Teuffel nichts thun kundten.
Ders. Hl. Schrifft.
Sal. 2, 15
(
Wittenb.
1545
):
Die sich frewen Böses zu thun [...]. Welche jren weg verkeren / Vnd folgen jrem abwege.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
122, 2462
(
Magdeb.
1608
):
[DEr Koͤnig mit der Purpur Kron] ist gewis der redligkeit / | Das er keim Meußlein thut ein leid.
Ebd.
624, 3713
:
[Friedlieb] Gedacht / wie er weißlich wolt sehen / | Das er den Froͤschen abbruch thet.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wir tuon im [got] gewalt und unreht mit dem, daz wir in sînes natiurlîchen werkes hindern mit unser unbereitschaft.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
789
(
mrhein.
,
um 1335
):
Nuͦ inweiz ich, war keren, | do ich gesehe minen lieben suͦn. | Owe, waz wollent sie ime duͦn?
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
124, 12
(
rhfrk.
,
um 1435
):
helffent mir diese frowe vrtelen vmb die grosse schande / die sije mir gedann hait.
Köbler, Ref. Wormbs
159, 11
(
Worms
1499
):
Als da einer bezigen würde er hette [...] vff einen nemlichen tag etwas gethan [...].
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
21, 17
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Hilfe, rates und widerbringens seit ir mir pflichtig, wann ir habt mir getan den schaden.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Rache ted unser herre Jhesus Cristus obir seyne viende.
Thür. Chron.
8v, 14
(
Mühlh.
1599
):
sein Heer [...] war so groß / das er sich vor Carthago Lagert / vnd thet jhn grossen vberlast.
Skála, Egerer Urgichtenb.
135, 1
(
nwböhm.
,
1574
):
Den Diebstahl Zu Pechters Reuth Bekhenne er hab er Thun helffen.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Welcher mensch aber sünde thut, | Derselbig der thut auch unrecht.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1618
):
Wie stinckst also? wer hat dir thon?
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
Dirre keyser det grossen widerdries und smocheit dem volke.
Goedeke, Fischart Flöh Haz
46
(
Straßb.
1594
):
Wolan kauft auf, [...] | Versucht ob ir meh kaufen möcht | Als unser trucker trucken nun, | So werd ir im ain schalkhait thun.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1600
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Pÿlatus und die knechte sin, | Die Jhesus lip tatend pin.
Ebd.
3482
:
Dirr turn betút die cristenhait, | Der der tiefel tuͦt vil ze laid.
Sappler, H. Kaufringer
5, 661
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wann der gast nun wolt von dan, | si besorget iren man, | wie ir der tätte ungemach.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
si vorchten die niderlegung, die si den Römern taun hetten, si wurdens an in rechen.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Mit den pogan san | Taten sie in wunden tyef.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Do tet er in dem landt manigen starcken streit mit den mortgirigen Gotten.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
nimandt west, wer den mort getan hett.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
[Dietmair, ir künig] tet ain schlacht mit den Schwaben.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
, Hs.
16. Jh.
):
wär auch, das im jemants selbst den todt thät, [...].
Wackernell, Adt. Passionssp. Br. III,
592, 6
(
tir.
,
1551
):
Vierhundertt ich tod valsch propheten, | Die dem volckh veryrrung tetten.
Peil, a. a. O.
42, 9
;
594, 2786
;
Tiemann, a. a. O.
142, 24
;
Köbler, a. a. O.
327, 7
;
Thür. Chron.
7v, 11
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst ;
Guth, a. a. O. ;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Klein, Oswald
20, 43
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
119, 11
;
Vgl. ferner s. v.  3,  8,  2,
1
 9.
4.
›eine bestimmte Handlung (oft: zugunsten einer Person oder Sache) vollziehen‹; im weitesten Sinne: ›jm. etw. gewähren, zukommen lassen; erweisen‹; in der Regel von (aus der Sicht des Sprechers) positiv beurteilten Handlungen und Vorgängen gesagt, wobei die Spezifizierung der Verbalhandlung im Syntagma erfolgt, z. B.
jm. hilfe tun
›jm. helfen‹,
jm. gnade tun
›jm. Gnade gewähren, zuteilwerden lassen‹,
js. willen tun
›js. Willen erfüllen; nach js. (oft: Gottes) Willen, Vorgaben handeln‹ (s. jedoch auch Phras.).
Phraseme:
(vil / grossen) fleis tun
›sich intensiv bemühen, sich anstrengen‹;
(jm.) pflicht tun
›eine Verpflichtung eingehen; eine Pflicht erfüllen‹ (vgl.  4);
js. willen tun
›jm. sexuell zu Willen sein‹;
jm. etw. zu gute tun
›jn. entgelten, jm. etw. vergelten‹ (positiv konnotiert).
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1,  617, ; vgl.
1
 10; zu
beistand tun
:  2,  8, , , ,  12,  7, .
Syntagmen:
j. etw
. (z. B.
js. willen, rettung, das gute
)
t., j. jm
. (z. B.
David, got
)
etw
. (z. B.
beistand, barmherzigkeit / ere / freundschaft / hilfe, lob
)
t., j. mit jm. etw
. (z. B.
erbarmung
)
t
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Auxiliari. Helffen beystehen stewren beistandt thun fuͤrderen fuͤrschieben dienen fuͤrschalten zusetzen.
Luther, WA (
1518
):
Du bist ein lesterer meines namens [...], du thust und volbringest meynen willen nicht.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz ich [...] vrî und ledic stüende nâch dem liebesten willen gotes und den ze tuonne âne underlâz.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
639
(
mrhein.
,
um 1335
):
Waz wollent ir mir [Iudas] zuͦ gude duͦn? | Ich geben vch Iesum, marien suͦn.
Froning, Alsf. Passionssp.
1520
(
ohess.
,
1501ff.
):
O Jhesus, du susßer, mylder got, | du mer dyn hulffe und dynen rait!
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Pris, lob, ere, wirde tu | Dem grozen Gote heren!
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
32, 51
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
kere von dem bösen und tue das gute.
Anderson u. a., Flugschrr.
22, 6, 16
([
Erfurt
]
1525
):
Nun / thet der Herr dem Dauid gnad / vnd gab yhm das schwerd genediglich widerumb yñ die hand.
Langen, Myst. Leben
166, 10
(
nobd.
,
1463
):
got der her dem menschen trew ist [...] tut ym hilff vnd peystand.
Gille u. a., M. Beheim
21, 106
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
du starker turen der chrefft Israhele, | und dich nit slaffert [...] | seit du der neuen Israhel tust hut.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Der Apffelbiß [...] | Het vns auch bracht in die ewige noht. | Wenn nicht der einig Gottes Sohn, | Mit vns Erbarmung het gethan.
Roloff, Brant. Tsp.
855
(
Straßb.
1554
):
Fraw [Susanna] du muͦst unsern
[der
zween alten richter
]
willen thun.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
der Knecht, so deß Herren willen weiß, ihn aber nicht thut, der ist doppeler streiche werth.
Sappler, H. Kaufringer
13, 9
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
mit stechen und in turnai | tett er das pest mit seinem leib.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
daß sie, die predicanten, ainem rat allain underworfen sein und pflicht thuͦn sollen.
was inen [gesandten] der fürst für grosse ehr gethan, hette sie gantz genedigclichen gehört.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Nach dem teten vil herren grossen vleiss, damit der krieg gerichtt wardt.
[Regenspurg] het kainem römischen kayser, noch künig nie ainig pflicht gethan.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
er [...] thet vil vleis mit dem volck an predigen und guͦten werken.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
30, 30
(
tir.
,
1464
):
Es ist wol tan, thün si nur des geleichen parmherczikhait den armen menschen.
Ebd.
72, 13
:
Das lob, die ëre vnd wirdikhait, das wir thun vnd erpieten dem heiligen Jeronimo.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
467, 6362
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
23, 18
;
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
247, 1
;
Bauer, Geiler. Pred.
101, 6
;
Guth, Gr. Alex. ;
Klein, Oswald
126, 46
;
Spiller, a. a. O. ;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
94
;
Vgl. ferner s. v.  2,  1,  4,  2,
1
 2.
5.
›etw. unternehmen, absolvieren, durchführen, veranstalten‹, von mit Ortswechseln, Bewegung verbundenen Handlungen, z. B. in Verbindung mit Objekten wie
(-)fart, reise
u. Ä. gesagt.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  6,  1; zu
abzug tun
:  4,
1
 12, .
Syntagmen:
etw
. (z. B.
einen gang / zug, eine merfart / procession / Romfart / walfart, die wiederker
)
t., eine reise gen
[Ortsname],
einen tanz mit jm., viele reisen wieder die heiden, die ker von einem land t
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Obsidionem soluere. Widerwegnemen auffbrechen abziehen abzug thun.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2324
(
Köln
1476
):
[rayt ind burger] verdroegen eyndrechtlych so, | Tzu doyn eyn werd processio.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
[Cuͦnrat der III] dette ein erlich merfart.
Ebd. (
1408
/
11
):
es süllent ouch weder frowen noch manne under einander an den wegen ston zuͦzeluͦgende, wie man die crüczgenge tuͦge.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2932
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
[die hailgen engel] Her ab zuͦ uns tuͦnd maͤnig fart | Und bringet uns Gottes gnad.
Maaler (
Zürich
1561
):
Ein spatzier oder Abentgang thuͦn.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1375
):
sol der selb Puͤtreich mit sein selbers leib ynner jarsfrist ain romvart tuͤn und ain achvart.
Klein, Oswald
21, 109
(
oobd.
,
1416
):
Elli, Ketzli, | tünt ain setzli.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
[hertzog Ludbig] vil reis
[›Heerfahrten‹]
tet wider die heiden.
Rechn. Kronstadt
2, 85, 40
(
siebenb.
,
1528
):
so hab ich im czolt von czwen resen di her hat gethon kem neudorff flor. 1 asp. 44½.
Meisen, a. a. O.
560
;
Guth, Gr. Alex. ; ;
Vgl. ferner s. v. .
6.
›etw. äußern, aussprechen‹; ›sprachlich handeln, sich äußern; einen kommunikativen Akt vollziehen‹; auch mit performativer Komponente (z. B. von Vereinbarungen, normativen Setzungen); die sprachliche Handlung wird inhaltlich und hinsichtlich ihrer kommunikativen Funktion spezifiziert durch entsprechende Nomen; z. T. auch mit Tendenz zu ›geben, erteilen‹ (bezogen auf Zusagen, Versprechen usw.); häufig in rechtsrelevanten und institutionalisierten bzw. öffentlichen Kommunikationszusammenhängen; teilweise offen zu 7.
Phraseme:
jm. das wort tun
›(in einer Rechtsangelegenheit) in js. Namen sprechen‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  8; zu
einrede tun
:  20.
Syntagmen:
j
. (z. B.
die gemeinde, die bornmeister
)
etw
. (z. B.
einen wunsch, eine ermanung / gotteslästerung / rechenschaft, die rede, ein gebet, gebote
)
t., etw
. (Subj., z. B.
die poesie
)
etw
. (z. B.
ermanung
)
t., j
. (z. B.
Judas, der teufel
)
jm. etw
. (z. B.
einen grus, eine antwort / anweisung / dispensation / nachrede, ein versprechen
)
t., j. etw
. (z. B.
eine werbung, ein begeren / verbot, viele bitten
)
an jn. t., j. etw
. (z. B.
einen eid
)
über etw. t
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Excipere. Außziehen jnred thun excipiern.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
291, 12
(
Wolfenb.
1593
):
Ich hoffe ja nicht mein lieber Man, Das jhr [...] ewre zusage, so jhr mir gethan, nicht besser in acht nehmen werdet.
Ebd.
94b
:
kein gestand thun abredig stehen.
Luther, WA (
1530
):
Er [Der teuffel] thu ynn [verheyten buben] seine dispensation vnd henge sie an den hals.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
438, 5517
(
Magdeb.
1608
):
DA hett man gehoͤrt ein Gebet / | Das die gantze Gemeine thet.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
11, 12
(
Frankf./M.
1626
):
deß Tancredi vnnd Rinaldi vnsere Poesie [...] vielfeltige erinnerung thut.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
204, 20
(
thür.
,
1474
):
so offte er ym solliche nachrede in vorandertten stetin gethan addir zcugesaget hette.
Ebd.
243, 18
:
ap sy yme nu nicht volle antwert unde ußrichtunge thun mussen.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
das die obgerurten bornmeistere bynnen den nehsten virzcen tagen [...] rechinschafft thun.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. (o. O.
1532
):
ob [...] dergleichen erfunden Argkwonigen teill [...] sovil redlicher anzeigung der verdachten missethat thuen mögen, [...].
Bachmann u. a., Volksb. (
alem.
,
15. Jh.
):
[die keyserin] dat ouch vil bett an Renwartt, das er belib.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
der keiser widerruft die gebot die sin vorder hete geton wider die kristenheit.
Diser Friderich vergaß des eides den er dem bobste tet.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Wir narren hoͤren keinen rat, | Ja den vnß got auch selber dat.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1276
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
,Gott gruͦss dich, lieber maister guͦt!‘ | Den gruͦss er [Judas] tett uss falschem muͦt.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Basel
1518
):
Von dan zochstu gen Nazareth | Als dir der engel botschafft deth.
Sappler, H. Kaufringer
17, 257
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wer ain stund mit seiner sag | durch gotz willen ain sweigen tätt.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
so wer er doch durch die herrn des neuen rats, inen das wort zuͤ thun, erbeten worden.
die kay. mt. hette ain solches begeren an sie gethan, das inen [...] nit muglich zuͤ thun sei.
was unerbarer, wucherlicher anmuͤtungen er [...] reichstag zuͤ Speier an sie gethon.
Ebd. Anm. 3 (
1544
/
5
):
und hette ain erber rat darauff ain erkantnus
[›Beschluss‹]
geton, das ungelt noch etliche jar lang anstehen zu lassen.
Ebd. (
1536
):
auf die letzt thetten sie [vier herren des rats] ain spruch, der lautet also: [...].
Ebd. (
1540
):
ward durch Conrathen Weiß [...] ungefahrlich in solcher form an ain rat sein werbung ton: Erber, weis etc! [...].
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Denselbigen hat er in ainem zorn über alle gethonne entschuldigung enthaupten [...] lassen.
Ukena, St. Jörg
963
(
oschwäb.
/
tir.
,
1486
/
n. 1520
):
got der laub vnd graß erschuͦf | Der muͦß erhörn meinen ruͦf | Den ich ton in diser not.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
ach, wie ain guot predig der herr heut tet!
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Dise junckfraw sprach: Herr, ich hab dise meine wort an ursach nicht getan.
hertzog Jörg ([...] wolt) mit der lantschaft ain vorred
[›Vereinbarung‹]
(thain).
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
[frawͦ Geisel] ermont irn bruͦder Pruno [...], des versprechen, so er ir getan.
Roloff, Brant. Tsp.
1002
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Lindqvist, a. a. O.
1888
;
Peil, a. a. O.
236, 5923
;
Dünnhaupt, a. a. O.
9, 22
;
Perez, Dietzin
1, 202, 4
;
Wickram
4, 14, 20
;
Köbler, Stattr. Fryburg ;
Grosch u. a., a. a. O.
248, 11
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
40, 16
.
Vgl. ferner s. v. (
die
7,  7,  2, (Konj.) 1, ,  2,  1,  2.
7.
›jm. etw. mitteilen‹; ›etw. bekannt machen, ausrufen‹; ›Informationen, Wissen (öffentlich) verbreiten‹; ›jm. etw. zeigen, offenbaren, zu erkennen geben‹; teilweise: ›jm. etw. gewähren, erzeigen‹; oft in prädikativer Verbindung mit
bekant
(vgl.  1),
kund
(vgl.  1) und
schein
, dabei auch mit Tendenz zur Univerbierung.
Syntagmen:
(jm.) etw
. (z. B.
die gnade
)
bekant / kund / schein t., jm. etw. mit etw
. (z. B.
mit worten
)
schein t
.;
jn. e. S
. (z. B.
des gesanges
)
bekant / schein t
.;
jm. von jm
. (z. B.
von einem fürsten
)
bekant t
.;
jm. etw. zu erkennen / wissen t
.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1631
):
Herr, säume dich doch nicht! Laß deine frühe Gnade | mir bald zu wissen tun.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Notum facere. Offenbarn eroͤffnen verkuͤnden kundt thun zu erkennen thun ansagen zu wissen thun ans liecht bringen an den tag legen außfuͤndig machen entdecken emploͤssen auffwickeln auffthun verkundtschafften vergwissigen ¶ verzeigen nachweisen.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
229
(
Köln
1476
):
Der furste wyssz Deed zu der stundt | Myt allem vlyssz Dye saychen kundt.
Froning, Alsf. Passionssp.
1597
(
ohess.
,
1501ff.
):
lieber herre min, | thu mer dyn hulffe schynn | und mach mich gesunt!
Ebd.
3809
:
Cursor, sage ane zu handt: | wer thet dyr des gesanges bekant?
Helm, Maccabäer (
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Scenophegie so genant | die hochzit tun wir uch irkant.
Gille u. a., M. Beheim
75, 2
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Mein got [...] tu mir dein hilff und steur pekant.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1112
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Melchisadech, der saͤlig man, | Als uns die geschrifft hat kunt getan, | Der was ain kúnig und ain e wart.
Sappler, H. Kaufringer
11, 102
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
si det mit den gepärden schein, | sam si litt gar grossen schmerzen.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1624
):
so soll im der schultherr die schatzung durch den gerichtpotten lassen ze wissen than.
Sappler, a. a. O.
2, 231
;
6, 94
;
22, 9
;
Lindqvist, a. a. O.
2579
;
Weber, Füetrer. Poyt.
16, 2
;
8.
›sich (jm. / e. S. gegenüber) auf bestimmte Weise verhalten; in bestimmter Weise handeln‹; ›jn. in bestimmter Weise behandeln‹; oft in Verbindung mit Adverbialen, die die Art und Weise der Verbalhandlung spezifizieren; z. B. mit Vergleichen: ›handeln, sich verhalten wie [...]‹; in Verbindung mit Dat.obj.
jm. / e. S. tun
: ›mit e. S., jm. umgehen; e. S. (meist: einem Problem) begegnen‹; in der Verbindung
wieder jn. / etw. tun
›sich gegen jn. wenden, einer Sache zuwiderhandeln‹.
Phraseme:
tut wol
›gehabt euch wohl‹ (Grußformel);
tut so wol und [...]
›seid so gut und [...]‹ (formelhafte Aufforderung);
mit jm. zu tun haben (wollen)
›(vorsätzlich) mit jm. einen Streit, eine Auseinandersetzung beginnen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11,  15, ,
1
 1,  15,  4.
Syntagmen:
[wie] (z. B.
grossmütiglich / ritterlich / unmenschlich
)
t.,
[wie] (z. B.
wol
)
an jm. / etw. t.,
[wie] (z. B.
freundlich
)
zwischen jm. t
.;
etw. aus jm. t., etw. mit etw
. (z. B.
mit einem gut
)
t
.;
e. S
. (Dat.obj., z. B.
seinen dingen
)
/ jm. t., jm
. [wie] (z. B.
gütlich / übel
)
t
.;
nach etw
. (z. B.
nach dem evangelium
)
t., wieder etw
. (z. B.
wieder seinen eid, brief und siegel
)
t
.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs.
nd.
/
md.
,
um 1410
):
dat her mit deme guͦde nicht tuͦt, al iz den kinden guͦt sin moge.
vnde teyͤt ich daz, so tete ich wedder minen eyͤt.
Luther, WA (
1518
):
Wye wurde dirs gefallenn, szo dir goth thete, als du deynem bruder thuest?
itzt uberal die groste klage ist, das man viel predigt, und niemand darnach thut.
Ebd. (
1527
):
so würdt dem menschen bange nach Got und waißt nicht, wie er seinen dingen thuͦn sol.
jch weis, das ettliche leute so gar verrucht und verstockt sind, das sie sich gar an kein lere noch vermanen keren, Wie sollen wir dem thun?
Ebd. (
1535
):
[Die andern Christen weiber] Fragten sie [S. Monica] derhalben, wie sie jm doch thete, [...], das sie von jm [hauswird] ungeschlagen bliebe?
Peil, Rollenhagen. Froschm.
87, 1384
(
Magdeb.
1608
):
VLysses erschrack von der red / | Wust nicht wie er den sachen thet.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
[Gott] Wirdt offt zu vnserm besten than, | Das vnser vernunfft nit kan verstahn.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
20, 24
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Klagestu dann ir schöne, du tust kintlichen.
Ebd.
22, 28
:
Als balde du icht hast verloren, das du nicht widerbringen kanst, tue als ob es dein nie worden sei.
Sermon Thauleri
700, 14
(
Leipzig
1498
):
yr wolt der sele yrē naturlichē lauff vm̄keren vn̄ wider yr natur thun.
Henschel u. a., Heidin
288
(
nobd.
,
um 1300
):
Zv hant wil ich sin bereit | Evch dienen vn̄ swern daz | Ich evch wil tvn baz | Denne ich ie han getan.
Sachs (
Nürnb.
1553
):
er [wirt] sey ein guter man, | Er hat uns ie noch gütlich than.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 340, 14
(
Coburg
1634
):
Es faͤllet nicht in einen Menschen beydes thun großmuͤtiglich / vnd zu leben schandlosiglich.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
262, 11
(
els.
,
1362
):
[der König]
samnete sinen rot vnd frogete waz er us disem Pylato solte tuͦn.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
do gesegent er die burgere und sprach: ,stat, duͦ wol, und mine lieben burgere, duͦnt wol!‘.
Roloff, Brant. Tsp.
1690
(
Straßb.
1554
):
Heüt ist guͦt schwitzen / schrepffen / unnd baden | Ich will euch guͤtlichen thuͦn.
Wickram
4, 50, 4
(
Straßb.
1556
):
Er hat den hund dahin abgericht / das kein armer mensch zuͦ seiner hausthür kumen darff / so grausam thuͦt er über die armen.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Das kint was aber tugenden vol | Und tett anallen tugenden wol.
Sappler, H. Kaufringer
15, 30
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
fraintlich ward zwischen in getaun, | wann si waren ainander hold.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1558
):
[bemelter probst] aus gefaßtem neid und arglistiger anreitzung uns dieselbigen [vertreg] nit gehalten, sonder mit uns zuͤ thun haben wellen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
herr Andre [...] der hat wol und ritterleich getan
(im Gefecht).
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
60, 30
(
moobd.
,
1399
):
daz ich mich layder in der trunkchenhait gar ser vergessen het und des gar unpilleich getan hab mit scheͣmiger angreyffung frumer und erbeͣrr frawn.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Ich wolt ungern den übel tuen, die mir wol haben getan.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
109, 40
(
tir.
,
1464
):
er wartet etleich täg vnd tët geleich, als ob er die sach
[Ehebruch]
nicht wëst.
Wackernell, Adt. Passionssp. H. I,
730
(
tir.
,
1514
):
Was wollen wir lang daraus machen? | Wir wollen thuen zu den sachn
(›uns um die Angelegenheit kümmern‹).
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
764
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
120, 9
;
Jungbluth, a. a. O.
7, 4
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
22, 6
;
Bernoulli, Basler Chron. ;
Sappler, a. a. O.
14, 149
;
Bachmann u. a., Volksb. ;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
Spiller, a. a. O. ;
Bauer, Imitatio Haller
44, 10
;
Froning, Alsf. Passionssp.
1584
;
Vgl. ferner s. v.  2,  1,  12.
9.
in Adverbial- bzw. Nominalphrasen mit
recht
: ›richtig, angemessen handeln; sich jm. gegenüber angemessen verhalten‹; mit
unrecht
: ›falsch, unangemessen handeln; sich jm. gegenüber unangemessen verhalten; jm. Schaden zufügen‹.
Bedeutungsverwandte:
(zu
unrecht tun
): ,  1,  3, .
Syntagmen:
recht / unrecht t
.;
jm
. (z. B.
dem adel / son
)
/ e. S
. (z. B.
der warheit, seinen dingen
)
recht / unrecht t
.

Belegblock:

Anderson u. a., Flugschrr.
26, 3, 22
(o. O. [
1522
]):
Mich bedunckt in meynem syn ich thu gantz recht.
Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Thue recht vnd laß die Leut auffs Kerbsholtz reden Thue recht vnd fuͤrcht dich doch dabey.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Der dritte grât ist, sô der mensche [...] wirfet abe die vorhte, als, ob er möhte sunder ergerunge aller liute übel und unreht tuon.
Froning, Alsf. Passionssp.
1057
(
ohess.
,
1501ff.
):
Wol dich, Sathan, du lieber knecht! | allen dynen dingen thustu recht.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
4, 3
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
du tust uns heftiglichen unrecht.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1528
):
das du ein ding auß freyer gwißheyt kanst machen vnd weyst einem yetlichen ding recht zu thon.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Got si tusent werbe me beflissen wie er den menschen [...] zuͦ der formen bringe das er ime gefellig werde uf daz hoͤhste, der diser gaben und der diser mirren reht tete.
Rot
337
(
Augsb.
1571
):
Peccirn, Fehlen / jrren / vnrecht thuͦn / sünden / mißhandlen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Dyser hertzog Albrecht was [...] ains recht thainden wesen.
Quint, a. a. O. ;
Fischer, Brun v. Schoneb. ;
Thür. Chron.
9v, 4
;
Sappler, H. Kaufringer
12, 97
;
Wackernell, Adt. Passionssp. Pf. I,
320
.
Vgl. ferner s. v.
2
 1,  1.
10.
›etw. herbeiführen‹; im Einzelnen:
a) in Verbindung mit Verbalphrasen bzw. als AcI-Konstruktion ›etw. veranlassen, bewirken‹; auch: ›jn. etw. tun, ausführen heißen; jm. etw. zufügen lassen‹; zur kausativen Verwendung vgl. auch
Frnhd. Gr. §  S.
191
.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  2,  13.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
den himmel, die schelle
)
t
. [+ Verb im Inf.] (z. B.
umlaufen, erklingen
)
, jn. t
. [+ Verb im Inf.] (z. B.
fasten, henken, schinden, töten
),
etw
. (z. B.
die bilder
)
t
. [+ Verb im Inf.] (z. B.
auskratzen
);
t., das [...]
.
b) in Verbindung mit Nominalphrasen, vor allem
wunder(werke) tun
und
zeichen tun
, ›etw. geschehen lassen, hervorrufen, erzeugen‹.
Phraseme:
wunder tun
›hervorragend wirken‹ (im Beleg auf die Wundheilung bezogen).
Bedeutungsverwandte:
 7, , .

Belegblock:

Zu a):

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
als der niderste engel giuzet sîne kraft in den himel und beweget den und tuot in umbeloufen und würken, alsô [...].
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
455
(
mrhein.
,
um 1335
):
wie Iesus, der megde suͦn, | lazarum, den guden man, | det von dem dode vf stan.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
liessen die van Deventer me dan hondert van den gevangen voisknechten vurß scheffenurdel wederfaren ind deden ire helse afslain.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
123, 31
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Ffrouwe sprach der konnig / jr hant mich sere bedrübet [...] Jch wil uch dun sleuffen / vnd dar nach in eyn fuwer werffen.
Ebd.
165, 14
:
Herre konnig üwer sone konnig Ludwig / der hat uch sere dun grüssen.
Ebd.
166, 19
:
Er [konnig Ludwig] sal üch verreder alle sampt dün hencken.
Matthaei, Minner. I, (Hs.
15. Jh.
):
si braht Got, daz ist wißenlich, | von hiemel uff die erden. | si tet in mensche werden.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
36, 1
(
els.
,
1362
):
[der kúnig] wolte sú bede [sant Thoman vnd sinen schaffener Abanen] tuͦn schinden vnd do noch búrnen.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
[ich] wil duͦn [...] daz der Sarracenen rosse fuße uch ertreten muͤßent.
Ebd. (
A. 15. Jh.
):
Dyoclecianus [...] was [...] der erste der edelgesteine det würken in gewant.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Wissú klaider hett er an | Und tet den esel stille stan.
Lemmer, Brant. Narrensch.
44, 5
(
Basel
1494
):
[der habich] duͦt syn schellen so erklyngen | Das man nit betten kan noch syngen.
Wackernell, H. v. Montfort ;
Williams u. a., a. a. O.
750, 7
;
Klein, Oswald
45, 72
;
Vgl. ferner s. v.  2.

Zu b):

Pfefferl, Weigel. Ges.
42, 23
(
Hamburg
1646
):
Was thut den die Schrift, wozu ist sie geschrieben?
Luther, WA (
1521
):
gott thutt keyn tzeychen on seyn gottlich wort.
Ebd. (
1527
):
das Gott alle ding durch sein wort thu und schaffe.
Ebd. (
1543
):
Das Wasser freilich nichts denn Wasser ist, Wort nichts denn ledige blosse Buchstaben sind, thun und helffen uber jhr natur nichts, viel weniger wircken sie Goͤttliche werck jnn uns.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
104, 14
(
Frankf.
1535
):
[
Aurum uitæ
mit Zusatz von
Bolus amenus
]
thuͦt wunder in den wunden.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
28, 9
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
In der provincien Cathay do ist eyn odere odir eyn gank in der erdin swarczer steyne dy do gar gute vugir
[›Feuer‹]
tun.
Sappler, H. Kaufringer
1, 177
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
du möchst noch grösser wunder sehen | dann das wunder, das ich tuon.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Ze oberst ain karfünckelstain | Stünd und tet vil liechten schein.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
sand Qurini leichnam, der zuͦ den zeiten gros zeichen thet.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
9, 18
(
tir.
,
1464
):
er ist gut den selbigen die da sint aines gerëchten hërczen, wend die posshait hat er albegen gehast vnd hat tan wunder werch in v̈nserm ertreich.
Froning, Alsf. Passionssp.
1588
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Bauer, Imitatio Haller
91, 6
.
11.
›bei jm. / etw. einen bestimmten Zustand herbeiführen‹; ›jn. / etw. in einen bestimmten Zustand versetzen; den Zustand e. P. / e. S. verändern‹; in der Regel in Verbindung mit Akk.obj. und prädikativer Ergänzung (z. B. Adjektivphrase) als Resultativkonstruktion.
Phraseme:
jn. wunder tun
›jn. verwundern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1617.
Syntagmen:
jn
. [wie] (z. B.
los / verloren, der gesundheit blos, des lebens frei
)
t., etw
. (z. B.
einen artikel in dem rodel
) [wie] (z. B.
kraftlos
)
t
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
105, 1969
(
Magdeb.
1608
):
Jnsonderheit mich wunder thet / | Das der Wirt selbst gespien hett / | Was er von seinem gut einfraß.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Got der getruwe uch loz | Tuet, wand er nicht enlet | Uch liden.
Vraz, nyt, trakeit tunt verlorn | Den menschen an der sele.
Henschel u. a., Heidin
820
(
nobd.
,
um 1300
):
Die salbe heizet minne | Vn̄ tvt mich ane sinne.
Keil, Peter v. Ulm
5
(
nobd.
,
1453
/
4
):
thu im
[Zutaten für ein Pflaster]
nicht zu haiß vnd wirck es vnter den henden.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
ich gib dir den trost | Der dich von laide tuͦt erlost.
tuͦ mich zwivels alles fri | Und sage die warhait selbe mir.
Sappler, H. Kaufringer
25, 34
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
Nun will ich sagen [...] | von des leibes geprechen schwär | und von den siben süechten gross, | die in tüent der gesunthait ploß.
Guth, Gr. Alex. (Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
her, so tü uns frey | Den zins der dir zu geben sey.
Piirainen, Stadtr. Sillein
37b, 26
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Ich pitte dich herre [...] daz dv mir gebst dyͤnen heyligen leichnamen daz mich der sicher tvͦ deynes hymelischen landes.
Helm, Maccabäer ;
Päpke, a. a. O. ;
Guth, a. a. O. ;
Vgl. ferner s. v.  1.
12.
›eine bestimmte Wirkung auf jn. / etw. ausüben; bei jm. / etw. bestimmte Reaktionen, Empfindungen hervorrufen‹; ›jm. in bestimmter Weise bekommen‹; in der Regel in Verbindung mit Dat.obj. und prädikativer Ergänzung; teilweise mit Tendenz zur Univerbierung (z. B.
gut|tun, we|tun
).
Syntagmen:
etw
. (z. B.
der hunger, die ere
)
jm. / e. S
. [wie] (z. B.
bange / faul / gut / sanft / we / wol
)
t., etw. jm. zorn t
. (zur Interpretation von
zorn
als Adj. vgl. ),
etw
. (z. B.
der kopf, die oren
)
jm. we t., j. sich we t
.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1521
):
Nim dich des gewalts nit zuͦ vil an, | Es wirt dir nit fast guͦt than.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn (
Wolfenb.
1594
):
Ey sie werden mir wehe damit thun, wenn sie mich filtzen.
Luther, WA (
1529
):
Nu wills uns faul thun, das auch boͤse zeit und unfride koͤmpt.
Ebd. (
1535
):
wir mussen [...] den staub den Papisten auff iren kopff werffen [...] und thut in warlich zorn.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Die slehe hat wizze blut. | Samfte deme houbte tut | Ir ruch in den geziten.
Bell, G. Hager
619, 1, 1
(
nobd.
,
1588
):
Eins mon dags deth mirs köpflein wee.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
204r, 12
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Dem die oͮgen we tuͤgend, der nem ephen / bleter vnd [...].
Menge, Laufenb. Reg.
4836
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Das man das kinde in sumer tagen | Die heiße sint nit entweͣnen sol | Wonn es yme sunder nit tät wol.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
[sin muͦter] mochte sich nút enthalten me | Sie tæt ir selber we zuͦ we.
Wan im [Ihesus] vil nache was der tot, | Doch tet im siner muͦter pin | Dar zuͦ wirser denne sin.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
mich moͤcht leicht ein hunger wekchen, | der mıͤr taͤt we in meinem magen.
Sappler, H. Kaufringer
23, 45
;
Guth, Gr. Alex. .
Vgl. ferner s. v.  1, (Adj.) 2.
13.
›etw. / sich / jn. wohin (z. B. an einen Ort, zu jm., in etw.) bringen, befördern, bewegen‹; ›e. S. etw. beifügen, etw. zu etw. dazu tun‹; im Einzelnen:
a) ›etw. an einen Ort, eine Stelle (z. B. am Körper) legen, (ein)bringen; e. S. etw. hinzufügen‹; ›jn. wohin schicken‹; ›sich an einen Ort / zu jm. begeben; sich jm. zugesellen‹; ütr. auch: ›sich jm. / e. S. (gnädig) zuwenden; anschließen‹; mit Fokus auf dem Ziel der Bewegung.
Phraseme:
etw. an den tag tun
›etw. (bisher Verborgenes) offenbaren, offenlegen‹;
jn. in den ban, in die acht tun
;
jn. zu ban tun
;
sich zu jm. tun
›mit jm. Geschlechtsverkehr haben‹;
in verbot tun
(dazu bdv.:  3, , );
das herz zu jm. tun
.
Bedeutungsverwandte:
 23, ; vgl.  68.
Syntagmen:
sich
[wohin] (z. B.
in sein gemach / die zunft, unter das volk, zu den leuten
)
t., etw
. (z. B.
einen stein, wasser, die kräuter / küchlein
) [wohin]
t., etw
. [wohin] (z. B.
auf die zunge, in den kessel, in ein fas, in die reusen, um sich
)
t., jn
. [wohin] (z. B.
gen Jericho
)
t
.
b) ›etw. von einem Ort (auch: vom Körper) entfernen; sich von einem Ort / jm. entfernen, wegbewegen‹; ütr.: ›jn. von etw. befreien‹; mit Schwerpunkt auf dem Ausgangspunkt der Bewegung.
Phraseme:
von sich tun
›Kleidung u. dgl. ablegen‹;
jm. etw. / jn. aus den augen tun
›etw. / jn. vor jm. verbergen, jm. etw. / jn. vorenthalten‹;
jn. aus der acht tun
;
das herz von jm. tun
›sich von jm. abwenden‹.
Bedeutungsverwandte:
 4; vgl.  79.
Syntagmen:
sich
[von etw. weg] (z. B.
ab dem hof, aus dem küris, aus der stat
)
t., etw
. [von etw. weg] (z. B.
den toten leib aus der kirche, ein eisen von js. füssen, das gute vom bösen
)
t., jn
. [von etw. weg] (z. B.
aus dem irtum
)
t
.

Belegblock:

Zu a):

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Inhibere. Verbieten inhibiern abmanen jn verbott thun.
Luther, WA (
1534
):
[
Gott
hat]
sich [...] so nahe zu uns gethan, das er sich nicht neher kuͤnde erzeigen.
Ebd. (
um 1535
):
Thü dich zün leüten so geschicht dir guts.
Ders. Hl. Schrifft.
5. Mose 22, 14
(
Wittenb.
1545
):
Das weib hab ich genomen / vnd da ich mich zu jr thet / fand ich sie nicht Jungfraw.
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
Durch woͤlche weinig worte / er die vornembste Geheimnissen [...] erklert vnnd an tag gethan.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
64, 10
(
Frankf.
1535
):
Antrax ist ein roter Carfunckel / so man zu jm thuͦt Orithium so leuchtet er nachts.
Knape, Messerschmidt. Bris.
22, 70
(
Frankf./M.
1559
):
so bald jm zeit vnd weil taͤglichs werden mag / so thut er sich in sein gemach zu studieren.
Keil, Peter v. Ulm
39
(
nobd.
,
1453
/
4
):
thu dy stuk [creuter] allesampt in ein kessel vnd thu in uber das fewr.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1491
):
da tet der roͤmisch kaiser Fridrich die von Regenspurk in den ban und in die abereht het ers vor auch tan.
Sachs (
Nürnb.
1551
):
kw und kelber und mein sew | Ich hab in unsern garten than.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
204v, 15
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Der denne v́bel gehoͤr, der nem gaissú / gallen vnd honig [...] vnd tuͦ das in die oren.
Lemmer, Brant. Narrensch.
6, 63
(
Basel
1494
):
Ettlich duͦnt sich in buͦben rott | Die laͤstern vnd gesmaͤchen gott.
Goldammer, Paracelsus
6, 188, 15
(
1530
):
tue dein herz zu ihm, so bistu selig.
Maaler (
Zürich
1561
):
Man thuͦt es in die artzney oder macht artzney darauß. [...]. Zur leer Thuͦn / In zucht vnnd vnderweysung gaͤben.
Sappler, H. Kaufringer
15, 37
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
das weib da zestund gevie | ain kürsen
[›Pelzkleid‹]
, die si umb sich det.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
wie / die statt Constanntz in die acht gethan, belegert, eingenom̄en / und vom reich khommen ist.
Ebd. (zu
1550
):
darumb man sich von inen abziehen und wider zuͤ der alten, christenlichen, catholischen kirchen thun soll.
Stopp, Kochbuch S. Welserin
18, 3
(
Augsb.
1553
):
thiet jr [der ganß] das [der ganß leber vnnd 10 zweschgen] jn den leib vnnd neen sý vnnden zú.
Bastian, Runtingerb.
2, 226, 9
(
oobd.
,
1404
):
der Lettel was auf der fertt auss [...]; in der zeit hat er verzert und auf das guet tan
[›an Unkosten hinzugefügt‹]
53 lb. und 25 Wiener.
Vogel, Pract. Alg. Ratisb.
159, 21
(
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
4 mal mer, tu 1 zw 4, sunt 5.
Piirainen, Stadtr. Sillein
53a, 35
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
[ein babst] der tet den keiser czu banne.
Quint, Eckharts Pred. ;
Hajek, Gůte spise
61
;
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1061
;
Belkin u. a., a. a. O.
68, 17
;
Bell, G. Hager
273, 2, 11
;
Bachmann, Morgant ;
Morrall, Mandev. Reiseb.
19, 14
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Ágel, Valenzlexikon.
1988, 230
.
Vgl. ferner s. v. , ,  1,  1, .

Zu b):

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Außziehen entbloͤssen ablegen von sich thun.
Luther, WA (
1535
):
Es ist ein schrecklich ding umb das Pabstum, sie haben uns den Christum schendlich aus den augen thun.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Er solt vor auß der kirchen than | Der christen den doten leib.
Dierauer, Chron. Zürich (
halem.
,
15. Jh.
):
das si us der acht getan werdent, inen ein applocion [...] geben.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
ich bit dich, das du dich ein wenig zitz ab dem hăf thüegest.
daz er üch uß dyser närryschen yrthum thett, inn deren ir so lange zyt geweßt sind [...], hat mich min got Jhesus har gschickt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Das hertz von eim Thuͦn / Sein gemuͦt von jm keeren.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
alle landtsknecht, so hie nit dienst haben, sich vor nachts aus der stat thuͤn sollen.
Klein, Oswald
2, 52
(
oobd.
,
1421
):
das si mir ain eisen swër | von meinen füssen tët.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1570
):
welcher da kumbt zu der hoftaitung, soll ir ieglicher sein wehr von ihm thuen.
Knape, Messerschmidt. Bris.
35, 148
;
14.
›jm. etw. (selten: jn.) geben, überlassen, zur Verfügung stellen‹; ›jm. etw. verleihen, gewähren‹.
Phraseme:
jm. etw. zu tun (schuldig) sein
›jm. etw., einen Geldbetrag schulden‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  1,  1,  1,  4.

Belegblock:

Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
Gebit eyn man vnd tut syn gewant eyme snyder tzu machene [...].
Luther, WA (
1519
):
Dw must ßo vil vor dy sunde thun
[›entgelten‹],
[...], Dan got will auffs eusserste beczalt seyn.
Ders. Hl. Schrifft.
3. Mose 25, 37
(
Wittenb.
1545
):
du solt jm [Bruder] dein geld nicht auff wucher thun.
Helm, Maccabäer (
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Ouch schuf er [Antiochus] ime [Lysias] halb daz her | und elfande er im tete.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Der alde gab im darna | Macht, ere, alle riche; | Darzu tet er im gliche | Die lute, alde, jungen | Zu dienste.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
do sprach marggrave Titzmann „Ladt sie farin [...] unde thut mir die kynder [...]“.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
223, 8
(
thür.
,
1474
):
Eyne igliche stad, dye von eyme fursten met gute begabit addir belenet werdet, met demeselbigen gute so magk der burgermeister derselbin stat [...] lehen thun zcu rechte ane inrede.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1528
):
Solche freyheit [...], die wir genanntem herrn Hansen und seinen gewerken als ersten ansohern gethan.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
16, 1
(
nobd.
,
1451
):
wan die graveschaft zü Hanauwe [...] eynen leeger wollen habin in dem [...] gerijchte zü Jossa, so sollen die mennere yne ruwehe futere
[›Raufutter‹]
thün.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Kulm.
120, 46
(
Nürnb.
, o. J.):
Dank Got, das ich euch nichts ztun bin!
Sachs (
Nürnb.
1551
):
[Wer] Mir ein gefellig opffer thut
[›darbringt‹]
, | Dem wil ich erleuchten sein mut.
Unger, Richtes Stig (o. O.
1474
):
N der spricht, H hab im diese hab gethan, das sie sein sey.
Welti, Urk. Rheinfelden
282, 7
(
halem.
,
1453
):
als er solich schuld ir vf demselben Wernlin Keser geben hett, die er im ze tuͦnd vnd schuldig were.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1549
):
er wolte das gelt, so er inen zuͤ thun schuldig, hinter ein gericht legen.
Ebd. (
1532
):
Sie sagt, thu mir ain pfand, hie laß | Dein sechel, sigel und dein stab.
Helm, a. a. O. ;
Welti, a. a. O.
331, 4
;
Roth, E. v. Wildenberg ;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
82, 29
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 329
.
15.
›etw. (ein Rechenergebnis, eine Summe) ergeben; sich auf etw. belaufen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  12,  10.

Belegblock:

Luther, WA Br. (
1546
):
Thut also dasjenige, das uf die Dechaney und Kirchendiener des Schloß gehet, 506 fl.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
der halb rat alles burger oder geschlechter [...], so zuvor im (alten) gesessen, das tut an der antzal fünftzehen personen.
dem montag nach Galli [...] bis auff Nicolai [...] tut 45 tag.
Rechn. Kronstadt
3, 132, 31
(
siebenb.
,
1541
):
Summa summarum tuet fl. 203 asp. 43 den. 1.
Loose, Tuchers Haushaltb. ;
Vgl. ferner s. v. .
16.
›genügen, ausreichen; wirksam sein‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 4.

Belegblock:

Luther, WA (
1527
):
Wercke thuͦns nicht, das ist gewiß [...], Gottes gnade und barmmhertzigkait ists, da muͤst du trost und hülffe suͤchen.
Ebd. (
1544
):
solches hat gott zuvohr 400 Jar verheißenn, anzuzeigen, das das gesetz nicht thun wurde, sondern der samen
[d. i. Christus]
sols thun.
Sachs (
Nürnb.
1554
):
[der waldtbruder]: Mein lieber wirdt, bring uns ein wein! | Der ander wirdt spricht: | All beidt seit geadelt ihr, | Dünckt mich, es thu euchs wol ein bier.
Klein, Oswald
11, 123
(
oobd.
,
um 1423
):
Wir pauen hoch auf ainen tant | an heusern, vesten zier, | und tät doch gar ain slechte wand, | die lenger werdt dann wir.
Tittmann, Schausp. 16. Jh. Ayrer. Phaenicia
191, 115
;
17.
›seine Notdurft verrichten; Exkremente ausscheiden‹; euphemistisch.
Phraseme:
seines gemachs tun
;
seine notdurft tun
.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  3.

Belegblock:

Luther, WA (
1531
):
Zuͤrnet jr, so gehet von der wand, Thut jnn ewr badekleid und hengets an den hals.
Ebd. (
1538
):
[Der Teuffel] isset gerne niedliche bissen und thut gern an reine orter, denn er helt seinen unflat fur thesem und balsam.
die Papisten sind dennoch auch nerrisch, das sie hosen anzihen, wie wenn sie sich vol soffen und theten drein?
Banz, Christus u. d. minn. Seele
88
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Villicht het es [das kind] under sich geton: | So müstist denn wúschen [...] gon.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 209, 16
(
Hagenau
1534
):
Keyn vogel thut inn sein eygens nest / alleyn der Widhopff.
Maaler (
Zürich
1561
):
Sein notturfft Thuͦn. Excrementa reddere.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1408
):
es det ain knecht seins gemachs vor ainem stadel.
ders., WA Tr. ;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
280, 619
;
18.
im Konj. Prät. im Sinne von mhd.
entæte
›wäre nicht, gäbe es nicht [...]‹; mehrfach bei
Luther
, auch ohne Negation (vgl. auch ).

Belegblock:

Luther, WA (
1519
):
wenn die selbigen [frume Gottfuͤrchtige] thetten, die welt vergienge von stund an, wie Sodom und Gomorra.
Ebd. (
1530
):
Den wo die verfolgung nicht thete, so wurden wir wol so arg undt boͤse sein als unsere widersacher.
Ebd. (
1541
):
bis es nu da hin komen ist, das sie das Liecht unverschampt schewen, Ja viel dings selbs itzt leren, das sie zuvor verdampt, dazu nichts zu leren hetten, wenn unser Buͤcher thetten.
19.
in (festen) Verbindungen mit Substantiven, teilweise mit Tendenz zur Univerbierung:
folge tun
›Folge leisten‹,
not tun
›nötig, erforderlich sein‹,
stat tun
›(einer Forderung, Bitte) stattgeben, entsprechen‹,
ein genügen tun
›e. S. nachkommen, jm. Genüge tun‹ (vgl. auch ).
Bedeutungsverwandte:
(zu
folge tun
):  3, ,  34,  3, ,  2b.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Stare iuri. Dem rechten stehen außwarten folge thun obsein nachkummē nachgehen hinterfolgen.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
826
(
mrhein.
,
um 1335
):
Waz duͦt vns nuͦ gezuge not. | Wan dirre mensche schiltet got.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
um 1507
):
Vnd thut notht, daz dw allein dy awfrechten linj dordurch tzichst [...].
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
nim din selbes war, das tvͦt dir rehte not.
Adomatis u. a., J. Murer. Bab.
926
(
Zürich
1560
):
Er sey ein Amptmann waͤr er waͤr | daß er sym gheiß statt thuͤey gaͤr.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
Nun will ich achten, daß ich menigclich laut meines verhaissens ain geniegen geton.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
die von der lantschaft wolten hertzog Albrechten und hertzog Wolfgangen irs pigerns nit stat thain.
Disem Spruch ward also gelebt und nach volg gethan.
Moscouia
C 1r, 35
(
Wien
1557
):
so bat er den Khuͤnig / wolte seiner wort jngedenck sein / vnd seinem zusagen ain genuͤegen thuen.
Adomatis u. a., a. a. O. Abs.
1002
;
Spiller, a. a. O. ;
Siegel u. a., Salzb. Taid. ;
20.
als Hilfsverb, das in Verbindung mit einem Infinitiv die Flexionsmerkmale trägt; in der Regel transportiert allein der Infinitiv die spezifische Semantik der Verbalhandlung, das entsprechende Verb könnte auch ohne
tun
(dann mit den entsprechenden Flexionsmerkmalen) stehen; die Konstruktion wird gehäuft in Verstexten gebraucht (s. auch unten
Harms u. a., Alberus. Fabeln
); vgl.
Frnhd. Gr. §  S
175
sowie
Langer, Ling. Purism.
2001
.

Belegblock:

Luther, WA (
1532
):
Wie S. Paulus auch allenthalben thut straffen die gantze welt.
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
[sie] Habē freilich wol gemirckt / das er
[Gott]
jn verheissen thete / ein fill grosser wunderwerck zuerzeigē.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
30, 82
f. (
Frankf./M.
1550
):
Jch habe aber in meinen Fabeln nie den vortheil brauchen woͤllen / so dem mehrer theil der jhenen / die Rheimen machen / sehr gemein vnd ihr bester behelff ist / als / Jch thu schreiben / ich thu lesen [...] das soll so viel gesagt sein / Jch schreibe / lese.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
54, 3
(
Frankf./M.
1568
):
Ich [Der Glockengiesser] kan mancherley Glocken gießn / | Auch Buͤchsen / darauß man thut schießn.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
so etwa einem numero eine sorte / in ihrer ordnung mangeln thaͤte / wird derer stelle durch eine 0 ergaͤntzet.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Mundt, Augen, Naß vnd Ohren butz, | Die Naͤgel an den Fingern stutz, | Inwendig wasch die Seel darzu, | Damit sie Gott gefallen thu.
Roloff, Brant. Tsp.
1216
(
Straßb.
1554
):
Herr woͤllest ausser khummen nun | Ich wil dir etwas sagen thun.
Wickram
4, 5, 29
(
Straßb.
1556
):
Zuͦm andern würt angezeigt / wie sich zuͦvil malen begeben thuͦt / das [...].
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
777
(
schwäb.
,
1455
):
Doch weiß ich einen man, | Der Gedeon heissen tuot.
Sappler, H. Kaufringer
19, 90
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
wen ich hie nun küssen tuo | [...] | das sei euch für war gesait, | der ist der recht, den greifent an.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Wer auff einen Sand thut bawen / den thut es offt gerawen.
Klein, Oswald
17, 44
(
oobd.
,
1410
):
ob du wirst durm, so tü doch nicht verzagen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
2. H. 16. Jh.
):
so etwo ein nachber gegen dem andern in feintschaft mit oder ohne ursach erwaxen that, [...].
Froning, Alsf. Passionssp.
7613
;
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
18, 18
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Wyss, Luz. Ostersp.
4546
;
Sappler, a. a. O.
28, 29
;
Klein, a. a. O.
19, 173
;
Munz, Füetrer. Persibein
371, 7
;
Vgl. ferner s. v.  5,  2,  3.
21.
part. Adj.
getan
›gestaltet, beschaffen, derartig‹; in Verbindung mit
so
und
wol
zur Univerbierung tendierend (vgl. auch ).
Bedeutungsverwandte:
 2, (part. Adj.) 2.

Belegblock:

Luther, WA (
1525
):
wie eyn gut gewissen solle gethan und geschickt seyn, wissen sie
[
D. Carlstad
und seine
propheten
]
gar nichts.
Ebd. (
1535
):
In hac Epistola docet S. Paulus, wie 1 Christlich leben sol gethan und gestalt auff erden.
Froning, Alsf. Passionssp.
5273
(
ohess.
,
1501ff.
):
Ach lieben gesellen, nu sehet an, | wie glich ist hie eym konige gethan!
Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
Sust sal man ouch vorwynden eynen toden man. den man an duberyge adir an roube. vnde an so getanen dyngen irslagen hot.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1395
):
darvor pi 3 oder pi 2 jaren oder py ainer so getaunen zit.
Sappler, H. Kaufringer
7, 43
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
sein alter was also getan: | er was wol bei achtzig jaren.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
[ich] Kam uf ain wundergrossen plan
[›Ebene‹]
, | Der was so minnigclich gethan, | Das er mir da gab trostes vil.
Niewöhner, Teichner
521, 4
(Hs. ˹
oschwäb.
,
1368
˺):
ain junckfrawe wol getaun. | diuͤ wirt vil gesuͦcht an | daz iren ern nit gezæm.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. .
Vgl. ferner s. v.  1.
22.
phras. mit dem Part. Prät.
getan
:
getan sein
›beendet, beigelegt, erledigt, vorbei sein‹;
es ist auf jn. getan
›j. ist in Gefahr, von einem Angriff bedroht‹.

Belegblock:

Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
2842
(
Köln
1476
):
Dar an sy soulden blyuen stayn, | Bys des stiffts zweydracht weer gedayn.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
do rieden etzliche dem buschof [...], dat he heimlichen sich ewech mechte, up dat he dat leven behielte, want it up in gedain were.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
wirdt mir jetzt hie nit mehr, | Wil diß [Guͤlden vier] zum ersten nemen an, | Sol drumb damit nit sein gethan.