nachgehen,
V., unr. abl.;
auch
nachgan
(zur Verteilung der beiden Formen
nachgehen
und
nachgan
s. ). – 1-5 räumlich bestimmt oder tropisch mit ,Raum‘ assoziierbar; 6 und 7 eher zeitlich, 9 eher logisch bestimmt.
1.
›e. S./e. P. zu je verschiedenen Zwecken (z. B. zu ihrem Schutz) räumlich folgen, nachgehen; jn. verfolgen‹ (dies auch ütr.);
vgl.  3,  1.
Bedeutungsverwandte:
,  1, .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
mit Subj. d. S. und Dat.obj. d. S./P.
Wortbildungen
nachgeher
1 (dazu bdv.:  1),
nachgeherin
(dazu bdv.: ; vgl. ).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
109, 2050
(
Magdeb.
1608
):
Daraus wird ewer lieb verstehen / | Wie vnser Feinde vns nachgehen.
Quint, Eckharts Pred.
1, 189, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
hât daz lamp alsô gelebet und ist alsô vorgegangen, sô gan ich es iu wol, daz ir alsô nâchgant.
Strauch, Par. anime int.
76, 24
(
thür.
,
14. Jh.
):
alse he [sterre] der sonnen nochgeit, daz di sunne e undir geit, so heizit ez ein abintsterre.
Päpke, Marienl. Wernher
5361
(
halem.
,
v. 1382
):
War Ihesus gieng, der loͤw gieng im nach.
Maaler
298r
(
Zürich
1561
):
Nachgon. Consequi. Nachziehen [...]. Alles unglück gadt mir nach. [...]. Dem gwild Nachgon. [...]. Der leich Nachgon. [...]. Der stim͂ oder dem geschrey Nachgon. [...]. Eim auff dem fuͦß Nachgon.
Rieder, St. Georg. Pred.
105, 11
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
so der mentsch ie boschlicher súndet, so im Got ie guͤtlicher nach gat.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
1, 383, 19
(
schwäb.
,
1546
):
in der habersaat [...] mues ain yeder paur an aim fiertail ains zimlichen laibs sich besettigen lassen und der nachkger ainer an einem halben viertail ains laibs.
Schmitt, Ordo rerum
121, 5
(
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Pedissequus nachgeer, Pedissequa nachgeerin.
Moscouia
D 1v, 21
(
Wien
1557
):
vil nachgeer seind jm zuͤgeordent worden / meer auff jne zusehen vnd huͤtten.
Mollay, H. Kottanerin
17, 32
(
moobd.
,
1439
/
40
):
die (kuehaut) het ainen langen swancz, der gie im (gesell) hinden nach.
Peil, a. a. O.
686, 5638
;
v. Keller, Ayrer. Dramen
3104, 33
;
Mollay, a. a. O.
17, 3
;
Voc. inc. teut. q
viijr
;
Rwb
9, 1176
;
Schweiz. Id.
2, 31
.
2.
›jm. im räumlichen Sinne nachschleichen, nachstellen‹; ütr.: ›jm. mit verführerischer Absicht nachstellen, jn. zu verführen versuchen‹; eng an 1 anschließbar.
Bedeutungsverwandte:
, ,  1; vgl.  1,  2.

Belegblock:

Schöpper
4a
(
Dortm.
1550
):
Insidiari. Nachstellen nachlauren nachschleichen nachgehen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2508
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
etzliche [kuschen] di sind also swach | das si kuͤme magen widder sten | den di en schentlichen nach gen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
166, 27
(
thür.
,
1474
):
wy daz er yme unde syner tochter habe nachgegangen unde habe dy obirredet unde obirgangen, dy geswechet.
3.
›(Christus,
got
) nachgehen (im wörtlichen Sinne; 1 Beleg), ihm (unter Aufgabe der eigenen Person) folgen, nachleben (im geistlichen Sinne)‹; vgl.  3 (ütr.),  6 (ütr.).
Bedeutungsverwandte:
,  3.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
274, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wan gote nâchgân und im volgen, daz ist êwicheit.
Lauchert, Merswin
24, 32
(
els.
,
1352
/
70
):
Wellen wir nv Cristus ettewas nach gon, so mvͤsen wir vns jme al zŭ mole losen vnze in den tot.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
392
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Sy [iunger] warent och dik on flaisch und och on win, | Do sie mir [Cristus] nach giengent.
Quint, Eckharts Pred.
1, 215, 7
.
4.
›einer Tätigkeit positiv wie negativ und neutral bewerteter Art nachgehen, ein entsprechendes Verhalten zeigen, sich e. S. mit Ernst und Ausdauer verschreiben‹; im einzelnen auch: ›einem Beruf nachgehen‹;
vgl.  35.
Phraseme:
seinem kopf nachgehen
›seinem eignen Willen folgen‹ (hierher?);
den bienen nachgehen
›als Imker tätig sein‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  3,  4,  3, , .
Syntagmen:
einer sache, einem ampt / anfang / anschlag, einer praxis, dem brauch / müssiggang, dem rechten, dem wirkmel
(metonymisch für ›backen‹),
der kaufmanschaft, tugend / wollust / warheit n., den dingen sitlich
›mit Bedacht, Augenmaß‹
n
.

Belegblock:

Schöpper
95a
(
Dortm.
1550
):
Stare iuri. Dem rechten stehen außwarten folge thun obsein nachkumme͂ nachgehen hinterfolgen.
v. Keller, Ayrer. Dramen
1359, 12
(
Nürnb.
1610
/
8
):
[ein rechter Regent] soll sich der sach befragen | [...] | Vnd seim kopff nicht allein nachgehn.
Koller, Ref. Siegmunds
113, 34
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
das ist ein grosser schedelicher anevang gesin und im hat iederman nochgangen.
Roloff, Brant. Tsp.
1457
(
Straßb.
1554
):
[das er] nit predig hoͤrt als er was gwon | Sunder gieng nur wolust nachgohn.
Sappler, H. Kaufringer
23, 71
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
die [gesellen] wollten da on widerker | irer kaufmanschaft nachgaun.
Henisch
116
(
Augsb.
1616
):
Wer muͤssiggang nachgehet / der hat armut zum geferte͂.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
121, 17
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Vnd geswissleich sy muͦs nachvolgen allen tungten vnd nach in gen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
7, 10
(
mslow. inseldt.
,
1569
):
Leütth. śo den Bihnen nach gehen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 340, 3
;
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
202
;
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
293b
;
v. Keller, a. a. O.
1167, 32
;
Bihlmeyer, Seuse
470, 3
;
Maaler
298r
;
Pfälz. Wb.
5, 11
.
Vgl. ferner s. v.  2.
5.
›e. S. nachforschen, auf die Spur zu kommen versuchen, auf den Grund gehen; etw. genau untersuchen‹ (auch zum Zwecke rechtlicher Belangung und Vollstreckung; dazu
Rwb
9, 1134
);
vgl.  35.
Bedeutungsverwandte:
,  1; vgl. .
Gegensätze:
.
Wortbildungen
nachgang
2 (dazu bdv.: ),
nachgeher
2 ›Anwalt vor Gericht‹ (a. 1532).

Belegblock:

Köbler, Ref. Wormbs
52, 11
(
Worms
1499
):
Doch also das yedem rechten vnd gerichtßhandel in sonderheit nach syner ordnung [...] soll nach gegangen werden.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
90, 3
(
Bamb.
1507
):
orden wir, das in allen peinlichen sachen dem rechten schleuniglichen nachgegangen, verholffen vnd geverlich nit verzogen werdt.
Vetter, Pred. Taulers
94, 16
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
dise vergiftekeit die ist so tief in den grunt gewurtzelt, das alle kúnsteriche meister disem mit sinne nút enmogent nochgegon.
Bihlmeyer, Seuse
282, 5
(
alem.
,
14. Jh.
):
Dar umb so solt du es einvaltiklich gloͮben und solt im nit vil nach gan.
Welti, Stadtr. Bern
416, 22
(
halem.
,
1501
):
darumb sol die buͦsß [...] dryfallt sin, vnd dem allso nachganngenn vnd vollstreckt [...] werden.
Maaler
297v
(
Zürich
1561
):
Nachgang vnnd nachfrag auff einen han. Inquirere.
Turmair
4, 724, 21
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Ich hab mir allain fürgenomen, demjenigen mit ganzem vleis nach zu geͤn, so das land Vindelicia [...] antrift.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
94, 27
;
Bauer, Imitatio Haller
71, 4
;
Schweiz. Id.
2, 30
;
Pfälz. Wb.
5, 10/11
.
Vgl. ferner s. v.  5, .
6.
›e. P./e. S. in der Zeitlinie folgen‹; im einzelnen auch: ›jm. in einem Amt, einer Funktion folgen‹; ütr.: ›jm. in einer rechtlichen Rangfolge nachstehen‹ (so
Rwb
9, 1177
mit dichter Belegung);
zu  1.
Bedeutungsverwandte:
 56.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j. jm. n., eine zalung 1 jar n., ein wort dem (nicht) anderen n
.;
der nachgehende bürgermeister, die nachgehende rede / szene, das nachgehende ehegemächt, die nachgehenden kind / apostel / schulden
;
in nachgehender frist
›nachmals, später‹.
Wortbildungen:
nachgänger
2 ›Amtsnachfolger‹,
nachgehung
(dazu ggs.: ).

Belegblock:

Krebs, Prot. Spey. Domkap.
2, 6495, 5
(
rhfrk.
,
1525
):
Her Peter
soll dort einen
nachgenger
bestellen, da er [...]
sich auch beschwert, furter amptman zuplyben.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 215, 678
(
nobd.
1524
):
Dan ers im in nachgender frist | Der maßen selbs gesegnet hat, | Daß [...].
Barack, Teufels Netz
3159
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
So ritent die nachganden apposteln als die herren.
Köbler, Stattr. Fryburg
107, 1
(
Basel
1520
):
Diewil man dañ nit weyßt welcher vor oder nach gat / so sol das guͦt nach vnser Stattrecht verkoufft / [...] werden.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
346, 33
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
ez si daz werke der fürbereitunge ein sache unde ein rede des anders: daz nahgent dem ersten nach der rede einre entlichen sach. Unde daz erste der nachgenden nach der rede der sache der verdientheit.
Ebd.
387, 21
:
in dem gotlichen gemüete engat niht ein worte vor, daz ander nach.
Müller, Welthandelsbr.
306, 32
(
schwäb.
,
1535
):
die zalung, so die Welser daran thun, gat alwegen ain jar nach.
Buijssen, Dur. Rat.
251, 8
(
moobd.
,
1384
):
Andrew sind, welichew mit der nachgeung bedewttent den vorganckch, samb mit dem ruch oder mit dem aschen bedewtt wıͤrt das fewͤr vorgewesen.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
94, 17
;
Schmitt, Ordo rerum
149, 35
;
Vorarlb. Wb.
2, 492
.
7.
›etw. befolgen, in die Tat umsetzen, (einer Vorgabe, einem Ratschlag / Beschluß o. ä.) entsprechen, nachkommen‹;
vgl.  45.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,
1
 1.
Syntagmen:
dem gesaz / recht, einem anschlag / befel / bund / geheis / handel / rat / ratschlag, einer beschreibung / ordnung / richtung / sache / verwaltung, einem mandat, seinem verstand n.
;
e. S. billiche n
.

Belegblock:

Edlib. Chron.
10, 39
(
ohalem.
,
um 1500
):
vnd meinnend dz die von zürich villichter damit den bünden nüt nachgangen sigind.
Wyss, Luz. Ostersp.
3270
(
Luzern
1571
):
Dem gsatz man billich nachgan sol.
Chron. Augsb.
7, 63, 9
(
schwäb.
, zu
1548
):
Dem ratschlag ist man nachgangen.
Andreae. Ber. Nachtmal
22v, 9
([
Augsb.
]
1557
):
so muͤste͂ wir ain außtruckenlichen befelch haben / welches Euangelisten oder Apostels beschreibung / wir solten nachgehn.
Dirr, Münchner Stadtr.
44, 13
(
moobd.
,
1294
):
Swer ein eigen ansprichet, der sol daz offenlichen tuͦn vor geriht und sol der ansprach nachgen, als im ertailt wird.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
968
;
Opel, Spittendorf
134, 42
;
137, 40
;
Chron. Nürnb.
2, 236, 20
;
346, 9
;
Chron. Augsb.
3, 228, 8
;
297, 12
;
5, 61, 5
;
Andreae. a. a. O.
60v, 19
;
Dirr, a. a. O.
597, 19
;
Turmair
5, 580, 22
;
Maaler
298r
.
Vgl. ferner s. v.  11.
8.
›aus etw. resultieren, hervorgehen, in der Folge von etw. stehen, mit etw. verbunden sein; jm. logischerweise folgen‹ (z. B. von der
reue
gesagt);
vgl.  124.
Bedeutungsverwandte:
 1,  6,  3,  30.
Gegensätze:
.

Belegblock:

Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
12347
(
rhfrk.
,
um 1405
):
So der man me schame hait, | So merer anfechten yme nachgait.
Strauch, Par. anime int.
92, 31
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz di einunge grozir si der minne dan di einunge der fornuft, wan daz bekentnisse foregeit und mit minne noch; des si minne edilir und einige me dan bekentnisse.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
62, 31
(
moobd.
,
1478
/
81
):
das sy vliehen wolten das unstät und unsicher gelücksrad dieser welt, und die rew diser getat gieng in unvergessenlich nach.
Vgl. ferner s. v.  3.