geleben,
V.;
vgl. das Bedeutungsfeld von (V.).
1.
›(eine bestimmte Zeit) an einem bestimmten Ort leben, sich aufhalten; am Leben, lebendig sein, bleiben, existieren; sich ernähren‹; mit Gen. d. S., vereinzelt auch mit präpositionalem Anschluss (
von
) ›von etw. leben‹;
vgl. (V.) 125.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
7002
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Sie mochten anders nicht geleben.
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
12, 1
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
Swer ahzic jâr in wirde wol geleben mac.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
131, 18
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Dar vmb lassent vns verkeuffen was ich han / das wir da von geleben.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 18, 19
(
Frankf.
1557
):
wolt jr mich hoͤren. | Das wir der Almosen geleben, | Essen, was fromme Leut vns geben.
Feudel, Evangelistar
524
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
du hast mit mir gepflicht. | ane en mak ich gelebyn nicht.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
738, 20
(
thür.
,
1421
):
do her 15 jar gelebete, do starp her.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
9, 30
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
in den [wurczegartin] si wonwn in somer czit, wen si von grozer hicze nicht mochtin gelebin in den stetin.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
40, 13
(
els.
,
1362
):
do noch enmoͤhte kein ketzer noch iude noch heydin do geleben.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
2708
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Der [Schaffner] hatt alls, des man gleben soll.
Pfaff, Tristrant
43, 9
(
Augsb.
1498
):
die muͦsten an ein ander lieb haben, und so lieb, das eines on das ander nit beleiben noch geleben moͤchte.
Adomatis u. a., J. Murer. Bab.
396
(
Zürich
1560
):
Des alles so man glaͤben sol | hand wir all plaͤtz und kaͤsten vol.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
101, 2
(
oobd.
,
1349
/
50
):
dâ die läut wonent und andreu tier, die ân luft niht geleben mügent.
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
24, 18
(
moobd.
,
n. 1434
):
daz súllent sú allewegent tuͦn on underlos die wile sú iemer gelebent.
Piirainen, Stadtr. Sillein 138, r,
37
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
ir rechter vor mvͦnde sol auch | geweren wo si geleben vnd | in phant geleysten.
Sachs
20, 237, 16
;
Bauer, Imitatio Haller
95, 26
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 66
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 155
;
Maaler
164v
;
Henisch
1454
;
Dietz, Wb. Luther
2, 62
;
Dief./Wü.
609
;
Bad. Wb.
2, 352
;
Schwäb. Wb.
3, 278
;
Schweiz. Id.
3, 972
;
Vorarlb. Wb.
1, 1106
.
2.
›etw. befolgen, einer Sache nachkommen, sich nach etw. richten, sich an etw. halten; jm. gehorchen, folgen‹;
vgl. (V.) 3.
Bedeutungsverwandte:
 3.
Syntagmen:
meist mit Gen./Dat., vereinzelt Akk. d. S., auch mit Dat. d. P.

Belegblock:

Anderson u. a., Flugschrr.
15, 7, 22
([
Worms
1521
]):
Dann so baldt er nitt hatt Jnn allen dinngenn mitt abprechung des Reychs / seynns willenns geleben / hatt er yne auch veinntlich verfolgett.
Kurz, Waldis. Esopus
3, 16, 17
(
Frankf.
1557
):
das du wilt meins raths geleben, | Laß dir zum ersten eine geben, | Mit ders ein Jar versuchen thust.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
97, 15
(
osächs.
,
1542
/
70
):
so sol es auch unwegerlich dabei wenden und die kinder derselbigen geleben.
Henschel u. a., Heidin
1782
(
nobd.
,
um 1300
):
Ich bit dich diner lere | Daz dv die wollest geben mir | Daz ich kvnne geleben dir.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
263, 28
(
nobd.
,
n. 1525
):
wa es den fal erraichte, deme getrewlich zu geleben und nachzukomen.
Sachs
3, 437, 20
(
Nürnb.
1534
):
Des will ich dir mein schwer anliegen | Erzelen und deins rats geleben.
Roloff, Brant. Tsp.
1326
(
Straßb.
1554
):
Du solt unserm Herren sagen eben | Das wir woͤllen der geschrifft geleben.
Chron. Augsb.
4, 323, 2
(
schwäb.
,
v. 1536
):
wend ir unser gepott geleben oder nit.
Ebd.
8, 125,
Anm. 2 (
schwäb.
,
1561
):
daß er alsdann dem gelübd gelebe und nachkomme.
Ebd.
8, 452, 17
(
schwäb.
, zu
1563
):
welche aber sollichem verpott nicht geleben wurden, daß dieselben alsbald aus der statt verschafft und gefiert werden sollen.
Fastnachtsp.
847, 10
(
halem.
,
16. Jh.
):
Aber nun fur hin, so sönt wir gleben | Der urteil, die man uns hat geben.
Merk, Stadtr. Neuenb.
96, 20
(
nalem.
,
1510
):
als wir ouch jetzund hiemit gereden und geloben den ze halten und dem in allweg zu geleben und nachzukomen.
Geier, Stadtr. Überl.
227, 31
(
nalem.
,
A. 16. Jh.
):
welcher aber dem nit geleben wöllt, sultu der oberkait anzaigen abzuͦstellen.
Roder, Hugs Vill. Chron.
106, 13
(
önalem.
,
1524
):
was er in riett und hieß, dem woltend sy geleben.
Turmair
4, 520, 29
(
moobd.
,
1522
/
33
):
muest iederman ein aid schweren, ir pot zu halten und demselbigen zu geleben.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
85
(
mslow. inseldt.
,
1688
):
Volget hernach, Etzliche Artikel wellichen die vererndten Viertelmaister sambt Iren vnnthergebnen Vierteln geleben.
Barack, Zim. Chron.
4, 198, 11
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
22, 2
.
3.
›etw. erleben, zu Lebzeiten erfahren, etw. mitmachen‹;
vgl. (V.) 9.
Syntagmen:
meist mit Akk. d. S., vereinzelt mit Gen.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 102, 3
 f. (
preuß.
,
1449
):
wir nach unsere kynder solden den tag ymmer geleben, das das solde gescheen.
Chron. Köln
1, 15, 3
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Wa geleiffde ye mynsche dat, | dat in der werelde eynche stat | so menchen hilgen busschoff gewunne | als Coelne.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
159, 20
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Jch wolde den dag gerne geleben / das ich die bosewichte hulffe hencken.
Kurz, Waldis. Esopus
3, 9, 20
(
Frankf.
1557
):
wo er will widerstreben, | Eins groͤssern vnfals muß geleben.
Vetter, Pred. Taulers
188, 30
(
els.
,
1359
):
als der wint und das sturm wetter kumet uf si, das sint die [...] anvechtungen dis gelǒben, als man noch wol geleben mag.
Roloff, Brant. Tsp.
691
(
Straßb.
1554
):
Wer hatt ein dochter die manbar ist | Der soll sie vermaͤheln kurtzer frist | Damit er ehr an ir geleb.
Stammler, Berner Weltger.
107, 22
(
ohalem.
,
1465
):
Aber ir gelebt den tag nymer, das ich so mit grossen ern umb eüwer huld werb.
Bihlmeyer, Seuse
73, 14
(
alem.
,
14. Jh.
):
einigú froͤd mins herzen und miner sele von minen kintlichen tagen, an dem ich wande froͤd und trost geleben.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
457, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Ich g‘leb denn noch dy stunde, | das mich dy gött lassen rach gen im finden.
Chron. Augsb.
1, 78, 22
;
Kummer, Erlauer Sp.
3, 1260
.
4.
›etw. überleben, überstehen‹;
vgl. (V.) 6.

Belegblock:

Matthaei, Minner.
1, 8, 136
(Hs.
15. Jh.
):
ach tod, sckik mich zu dem grabe, | zu den lieben swestern myn, | ane sy enmag ich nit gesin. | ich armer, elender weyse, | wy geleb ich diser freyse?