anhang,
der
;
-es/-e
, obd. auch
, jeweils + Uml.
1.
›herabhängender Kleidungsteil; herabhängende Vorrichtung (an Häusern)‹.

Belegblock:

Thielen, Gr. Zinsb. Dt. Ord.
62, 34
(
preuß.
,
1437
/
8
):
1 kopperin pectorale, item 3 anhenge zcu cappen totum duplex, item 6 umbralia.
Köbler, Ref. Nürnberg
25, 12
(
Nürnb.
1484
):
WO yemant anhenge der laden oder anders an den hewsern hat. dauon den fuͤrgeenden nach versehẽlichen dingen beschedigung an Jren personen entsteen mag.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
31, 33
;
38, 34
.
2.
›Bremsschleppe‹; sie bestand aus abgehackten Bäumen und wurde bei Steilabfahrten an den schwerbeladenen Wagen angehängt, um diesen unter Kontrolle zu halten. Dieses Bremsverfahren galt als forstschädigend und unterlag wiederholt Verboten;
vgl.  5.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
94, 2
(
m/soobd.
,
um 1600
):
Anhang auf den wegen p. 12 ℔.
Ebd.
315, 24
(
15.
/
16. Jh.
):
nicht holz zu anheng an di kolwägen bei der peen 72 ℔.
3.
›Reif, Vereisung (auf Bäumen)‹.

Belegblock:

Pyritz, Minneburg
4295
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
so ez uz den luͤften | Wirt nibeln und tuͤften | Mit frostes anhange.
v. Groote, Muskatblut
43, 7
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
sint daz der walt ist wol gestalt | vor argen windes friesen, | Sint riff vnd sne vnd anhank | ist alzomal betwuͦngen.
Ebd.
50, 29
:
Hor winder du solt rumen den anhang van den baumen | vnd dynen kalden sne!
4.
›Ausklang, Nachklang von Tönen‹.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl.
46, 18
(
nobd.
,
v. 1496
):
Der halben silben cleng | Pringstu zu lang ir aneheng.
5.
›Aufschub‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  3.

Belegblock:

Schwäb. Wb.
1, 216
.
6.
›j., der unehelich mit jm. zusammenlebt (vorw. von Frauen, aber auch von Männern gesagt); uneheliches Kind‹; laut Birlinger, Schwäb.-Augsb. Wb.
25
auch: ›unehelicher Beisitzer‹.

Belegblock:

Skála, Egerer Urgichtenb.
113, 19
(
nwböhm.
,
1574
):
Ob das weib so er bej sich habe. sein Ehweib oder Anhang sey.
Chron. Nürnb.
5, 605, 1
(
nobd.
,
1499
):
irm anhang dem Pock stach man die paid augen auß.
Turmair
4, 159, 26
(
moobd.
,
1522
/
33
):
si haben sich domals vil êweiber, dergleichen anheng gebraucht.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
467, 32
(
m/soobd.
,
1423
):
der ain diern ungedingt in seinem haus hielt di ain anhang an ir hiet.
Turmair
4, 1025, 8
;
5, 148, 25
;
Bischoff u. a., a. a. O.
442, 36
;
Schweiz. Id.
2, 1440
.
7.
als Schimpfwort gebraucht, möglicherweise an 6 anschließbar.

Belegblock:

Fastnachtsp.
255, 13
(
nobd.
,
15. Jh.
):
Du leschtrog, harmkrug, lochrete tasch, | Du stinkender eimer, du kunige flasch, | Du anhank, du schelmigs aß, | Du kiteltuch, teufelsslucht und rollfas.
8.
›jn. unterstützender Anhang, Anhängerschaft, Gefolgschaft, jm. beistehende Partei‹, teils neutral, teils mit negativer Wertung; vereinzelt: ›zu versorgender Anhang, Verwandtschaft‹; spezialisiert: ›Mitteilnehmer am Bergbau‹; zugehörige Metonymien: ›Unterstützung, die einem der Anhang gewährt‹; ›Partei-, Rottenbildung‹; ›Zusammenrottung‹;
vgl.  2.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl.  1.

Belegblock:

v. Birken. Erzh. Österreich
71a, 4
(
Nürnb.
1668
):
machten sie ihnen auser der Stadt einen Anhang von Graven und Herren / als denen von Habsburg / Pfyrt / Freyburg.
Goldammer, Paracelsus
5, 62, 27
(
1530
):
auf daß sie sich nit erschrecken lassen den Beelzebub, den satan und sein anhang uf erden.
Chron. Augsb.
6, 80, 3
(
schwäb.
, zu
1537
):
bis die burgermeister mit irem anhang komen.
Ebd.
9, 135, 26
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
Cnejus Pompejus und Caius Julius Cesar baid große römische hör in iren provincen, auch sonst große anheng und rotten under den römischen bürgern hetten.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
205, 21
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
wie sein kunigliche maiestat von den verhertten, verstockten ubelltettern von Pruck und irm anhanng zu prinngen [...] were.
Turmair
4, 372, 13
(
moobd.
,
1522
/
33
):
der philosophus Epicurus, der ein grossen anhang bei den alten gehabt het in den schuelen.
˹Ütr.: Plant u. a., Main. Naturl.
298,
B16 (
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
vñ dc alter also sint och vier winde. vñ het ieglicher zwene anhenge oder zwene knehte
˺.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
28, 7
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Zuhant hat er einen hantslag, einen anhang, einen hantsliten, ein joch, ein kumat, ein bürde, einen sweren last.
Niewöhner, Teichner
510, 52
(
oobd.
,
1350
/
65
):
ich bin nuͦ siech und kranck | und haun mœngen anhanck, | weib und kint und ander maugen.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 240, 28
(
schles.
,
1528
):
welche funf mass er im nach berckordnung ausmessen und die sampt der fundgruben neben seinem anhang, die er bey sich zu haben vermainet, zu irem besten nutz erbauen mag.
Gerhard, Hist. alde e
3712
(
omd.
,
um 1340
):
Er starb mit gotes anehank.
Leidinger, V. Arnpeck
685, 16
(
moobd.
,
v. 1495
):
das der gemelt herzog Albrecht von Bairen [...] sich der [stat] wider di kayserlich majestat [...] nicht mer annemen noch aincherlay anheng, hilf noch schirm thu.
Grossmann, a. a. O.
86, 6
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Nun het das geschlacht de Medicis den grossern anhanng und zwelauff inn der statt.
Chron. Augsb.
9, 174, 6
(
schwäb.
,
1544
/
5
):
ain erber rat hat alle anheng, parteien, absonderungen und rotten [...] hierinnen mit zeitigem rat fürkomen wollen.
Buch Weinsb.
2, 234, 7
(
rib.
,
1572
):
dess unangesehen hat er folgens noch ein verrederei und anhank gemacht.
Ebd.
362, 25
(
1577
):
sich die domherren und vil andern allerlei anhank, gwalt, reformation, kreich, schatzung besorgten.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 709, 22
;
Chron. Nürnb.
4, 321, 9
;
Sachs
16, 501, 4
;
Enders, Eberlin
3, 279, 17
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
237, 3
;
Grossmann, a. a. O.
18, 2
;
Turmair
5, 358, 1
;
Maaler
21v
;
Rot
350
;
Dietz, Wb. Luther
1, 84/85
;
Bad. Wb.
1, 52
,
Schweiz. Id.
2, 1440
.
9.
›Verhaftetsein (mit) der Welt, Anhänglichkeit (an die Welt, an Freunde usw. als etw. den mystischen Heiligungsprozeß Störendes)‹;
zu  3.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Bihlmeyer, Seuse
309, 21
(
alem.
,
14. Jh.
):
Dú sele gelichet sich ainer lichten flumvedren: so dú enkeinen anhang hat, so wirt si gar lihte [...] hoh uf gefuͤret.
Ebd.
458, 6
:
Du muͦst vaste stan und muͦst allen anhang lan, anders du maht niemer bestan.
Strauch, Schürebrand
16, 25
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz ir [...] nút irresoles noch anhanges hant noch haben dörfent mit uwern liplichen frúnden.
Ebd.
33, 15
:
[sú] verwurrent und verflechtent sich also mit manigeme frömedem anhange.
Ruh, Bonaventura
341, 18
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
Die stapfen zekommen zuͦ suͤssy der wären lieby sind siben [...] vnd anhang, das dich hefte.
Bihlmeyer, a. a. O.
38, 13
;
Strauch, a. a. O.
16, 21
;
35, 13
;
Ruh, a. a. O.
343, 4
.
10.
›mit einer Bezugsgegebenheit eng Zusammengehöriges, Zubehör; Umstände, Begleiterscheinung von etw.; zusätzliche Bemerkung, Klausel; Folge, Konsequenz (einer Voraussetzung); Einfluß, der von etw. ausgeht‹;
offen zu 11; vgl.  4,  2.
Bedeutungsverwandte:
; vgl. .

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
3070
(
preuß.
,
1331
):
Iz
[die Dreifaltigkeit]
ist nur ein slechte want | Und ein luter under stant, | Ein vil clares formen cleit | Sunder der materjen weit, | Aller dinge anevanc
[›Ursprung‹] |
Gar an allen ane hanc.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
6138
(
omd.
,
1338
):
Set, dor noch quam gar uber lanc | Diz rich und sin anehanc | Dyonisio zu handen | Und der wart gar swer dem lande.
Opel, Spittendorf
146, 26
(
osächs.
,
um 1480
):
Auch berechenten die vorsteher under ihn vor den pfennern, dar dan wenig weren, die sich des vorstunden, und mit andern viel worten und anhange.
Chron. Nürnb.
4, 404, 11
(
nobd.
,
15. Jh.
):
solanng die obbemelt aufrür, unwill und irrung mit allen sachen und anhenngen, die daraus entwachssen möchten, vorhannden seinn.
Vetter, Pred. Taulers
361, 23
(
els.
,
1359
):
Das hat ein anhang der symonien.
Strauch, Schürebrand
4, 4
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
an etteliche sörgliche zuͦvelle und schedeliche anhenge, dar umb die welt und alles zitlich gewerbe billich zuͦ versmohende ist.
Ruh, Bonaventura
309, 27
(
Basel
1507
):
das wesen, das da ist das wesen eyn vnd luter reyn vnd das wesen simpliciter oder vnbehenckt on anhang, das ist das erst.
Koller, Ref. Siegmunds
266, 23
(Hs. N:
um 1475
):
da ist auch ein ratt gewaltig, der mag von eins hantwercks wegen gestraffen und hat keinen anfang noch anhang.
Welti, Stadtr. Bern
410, 4
(
halem.
, o. J.):
das [...] sin zartner lichnam von vil frommer cristen [...] empfanngen wirt vnd das vast notturfftig, zimlich vnd ordenlich ist, alldenn mit abstellen aller zittlicher anhaͤnng.
UB Zug
2384, 3
(
halem.
,
1528
):
daß der letztere
uff den beiden wÿgeren zuͦ Wúlfflingen [...] mit aller der selben gerechtigkeit, anhang unnd zuͦgehoͤrdt, 700 g Rinisch houbtguͦtz [...] jerlichs zins [...] habe.
Turmair
1, 55, 36
(
moobd.
,
1519
):
farent und ligent, mit allem zugehörn und anhang.
Merk, Stadtr. Neuenb.
73, 27
;
Qu. Schweiz. Gesch.
1, 38, 12
;
Schwäb. Wb.
1, 216
;
Schweiz. Id.
2, 1440
.
11.
›zugehörige Bedingung‹.
Bedeutungsverwandte:
 3.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 188, 30
(
nrddt.
,
1601
):
das sie [...] eine Walkmöle und eine Papyer Mölen durch denselbigen meister lassen [...] bawen mit dem anhange, sie wollen die Wasser mit rädern uber alle die Stadt eingiessen lassen.
Luther, WA
30, 3, 212, 12
(
1530
):
Das lies ich wol verba de futuro heissen, wenn ein conditio, anhang odder auszug da bey gesetzt wuͤrde.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
101, 14
(
omd.
,
1548
):
sollen sie [...] den eltesten die vierung [...] anzuhalten weisen, doch mit dem anhange, so man tiefer sincken ader ferner lengen wurde [...], das alsdann wiederumb nach berckleuftigen brauch gehalten werde.
Chron. Nürnb.
2, 166, 34
(
nobd.
,
1449
):
wir haben auch dem andern teil solchen frid, als sich gepürt, auch gepoten mit anhang der pen.
UB Zug
2079, 30
(
halem.
,
1516
):
mit dem anhang, ob es nott wurt sin, staͤg und waͤg z machen zuͦ dem torff Húnnenberg.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
57, 39
(
halem.
,
1533
):
das dem selben mandat stif nachgangen und gelept werde mit dem witern anhang, das darmit aller ander wuͦcher och abgestellt und verpotten werde.
Chron. Magdeb.
2, 185, 34
;
Gropper. Gegenw.
6v, 23
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
2, 149, 10
;
Welti, Stadtr. Bern
630, 31
;
UB Zug
2125, 7
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
37, 4
;
Preuss. Wb. (Z)
1, 155
;
Schweiz. Id.
2, 1440
.
12.
in einer Anzahl von Belegen mit vorangestelltem genitivus definitivus für das von diesem Bezeichnete (überwiegend negativ zu Bewertendes) verwendet; keine überzeugende Anschlußmöglichkeit an eine der anderen Bedeutungen gegeben.
Poetische Texte aus dem Einflußbereich des Deutschen Ordens; 14. Jh.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
2144
(
preuß.
,
1331
):
der mensch was sich und cranc | Von der bosheit anehanc.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
2800
(
omd.
,
1338
):
Dy quamen wider an ire stat | Mit salden uf geluckes rat | [...] | An alles kummers anehang.
Ebd.
6908
:
di selbe salde crank | Und dis geluckes anehank | Job bedutet by dem roube.
Ebd.
9992
:
Ken Gote ist der mensch gar cranc | Von mancher sorge anehanc, | Dy hi dem menschen ane lyt.
Ebd.
11382
:
Dis andern slages anehang | Waz von dem blitze der da quam.
Ebd.
15338
:
Daz ist Gotes rache lang | Durch der sunden anehang, | Da mite er ymmer quelet | Di sunder.
Gerhard, Hist. alde e
1447
(
omd.
,
um 1340
):
Mit burnder lampen anehang.
Ebd.
4549
:
Durch der salden anehang | Sang Judith Gote lobes sang.
Ebd.
151
;
Kochendörffer, a. a. O.
2244
.