1
ausreden,
V.;
zu nhd.
reden
›sprechen‹ (Dwb
1, 930
/1).
1.
›etw. aussagen, aussprechen; etw. verkündigen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, ; vgl.  7,  3,  6,  3, (V.) 1,  8,  1.

Belegblock:

Voc. Teut.-Lat. c iijr (
Nürnb.
1482
):
Außreden aussprechen. oder offenbarsprechen. eloqui.
Voc. inc. teut. b VIIIr (
Speyer
um 1483
/
4
):
Ausredẽ Eloqui effari.
Dietz, Wb. Luther
178
(
1521
):
gott wirt geben das auszreden, das der euangelisten wird seyn eyn grosz heerschar.
Voc. Teut.-Lat. gg iiijr; Dasypodius
396v
;
Alberus G iijr;
Ulner
161
;
Schweiz. Id.
6, 562
;
Lindmeyr, Wortsch. NT.
1899, 40
.
2.
›etw. in phonetisch bestimmter Weise aussprechen; etw. mit Akzent aussprechen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Syntagmen:
v als ein f ausreden
;
jm. das ausreden
(›Akzent‹)
fürwerfen.

Belegblock:

Dietz, Wb. Luther
178
;
Schweiz. Id.
6, 563
.
3.
›etw. der Größe des Auszusagenden entsprechend aussprechen, etw. erschöpfend, vollständig aussagen, beschreiben, schildern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Luther, WA
30, 3, 337, 14
(
1531
):
das diese einige bosheit grosser ist, denn ichs ausreden kan.
Luther. Hl. Schrifft. Ps.
106, 2
(
Wittenb.
1545
):
Wer kan die grossen Thatten dess HERRN ausreden? Vnd alle seine löbliche Werck preisen?
Mathesius, Passionale
34r
, 20 (
Leipzig
1587
):
Wer wil seines Lebens lenge außreden?
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
135
(
Nürnb.
1517
):
derhalb er in dem preislicher geachtet wirdet, das er mit wenig alle dingk außgeret hat.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
3, 36
(
tir.
,
1464
):
Wer ist genügsam auszusprechen sein lob, da alle tödleichen zungen nicht mügen ausgereden sein lob?
Luther, WA
26, 465
;
Schwartzenbach C iijv;
Dietz, Wb. Luther
178
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 193
.
4.
›zu Ende reden, ausreden‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 1. Mose
24, 15
(
Wittenb.
1545
):
ehe er
[Knecht Abrahams]
aus geredt hatte / Sihe / da kam eraus Rebeca Bethuels tochter.
Lemmer, Brant. Narrensch.
110a
, 123 (
Basel
1494
):
Keyn andern er vß reden loßt | Eyn yeden er mit worten stoßt.
Bachmann, Haimonsk.
98, 33
(
halem.
,
1530
):
Do der kǔng usgeredt hat, do stuond ein grǎf uff.
A. à S. Clara. Glori
51, 11
(
Wien
1680
):
kaum hat er diese Wort ausgeredet / hat er auch aufgehoͤrt zu leben.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
81, 9
;
Alberus G ijv;
Serranus
22r
;
Maaler
44v
;
Dietz, Wb. Luther
178
;
Schweiz. Id.
6, 562
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 193
.
5.
›etw. durchsprechen, besprechen; etw. verabreden, vereinbaren, festlegen, eine Übereinkunft treffen‹.
Bedeutungsverwandte:
 4,  2; vgl. ,  23,  21,  9,  11.

Belegblock:

Chron. Mainz
1, 17, 34
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
ez ist auch mit namen ußgeret, was in dem rade zu setzen ist.
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 225, 4
(
omd.
,
1427
):
Die oben geschrebne sachen werden wir, ab got wil, claͤrlicher mit euwer ersamkeit muntlich usreden.
Chron. Nürnb.
1, 118, 30
(
nobd.
,
1385
):
haben wir [...] mit den egenanten steten awzgeredt und bedinget, daz [...].
Bachmann u. a., Volksb.
125, 12
(
alem.
,
15. Jh.
):
han ouch das uß geredt mit den IIII furstinen, die by uns synd.
Koller, Ref. Siegmunds
119, 51
(Hs.
um 1520
):
man wil das ußreden, ob ain bischof im müg gewalt geben zu regieren oder nit.
Rwb
1, 1072
/3;
Preuss. Wb. (Z) 1, 321;
Schweiz. Id.
6, 562
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 193
.
6.
›jm. etw. ausreden, jn. von einer Meinung abbringen‹.

Belegblock:

Wickram
4, 17, 13
(
Straßb.
1556
):
so sie bests mocht understůnd sie im das auß zů reden.
Ebd.
18, 15
:
es mocht ihm sein leid niemandt außgereden.
Maaler
44v
(
Zürich
1561
):
Außreden / Eim ein meinung so er gefaßt hinnemmen. [...]. Einem sein kumer vnnd leid Außreden.
Eschenloher. Medicus
64, 17
(
Augsb.
1678
):
auff allerley Weiß [...] freundlich zugesprochen / vermeinete / ihme darmit was auszureden.
Wickram, a. a. O.
19, 20
;
Schwartzenbach C iijv;
Dietz, Wb. Luther
178
;
7.
›jn. zu etw. überreden, von etw. überzeugen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  6,  1, , .

Belegblock:

Schweiz. Id.
6, 562
(a.
1556
).
8.
›sich aus etw. herausreden, eine Ausrede gebrauchen; jn. durch eine für ihn günstige Aussage entlasten; etw. beschönigend darstellen und dadurch entschuldigen‹; offen zu 9.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
jn./
(meist:)
sich a., die sache / versäumung / trägheit a.
; subst.:
das a. nicht helfen.
Wortbildungen:
ausredner
›einer, der sich herausredet‹, auch: ›Schwätzer‹.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
79, 354
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
sein etliche, [...] | [...], dy do weln | ir versaumung und traket | Ausreden und also probirn | mit arguirn und disputirn.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
244
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Sich reden etleich aus vnd legen ir schuld auf got vnd sprechen er hab iren val vorhin gewesset.
Roth, E. v. Wildenberg
67, 13
(
moobd.
,
v. 1493
):
sonder sie [legaten] aussredeten sich und sprachen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
30, 40
(
tir.
,
1464
):
Nimant sol sich ausreden vnd sprëchen: Ich han nicht, das ich gëb den armen menschen.
Dies., Imitatio Haller
47, 23
(
tir.
,
1466
):
Du kchanst dein sach wol ausreden vnd peschönen, aber die sach der andern menschen die wild du nicht ausreden vnd peschönen. Es ist pësser vnd gerechter, das du dich selbs seist verkchlagen vnd deinen nechsten ausreden.
Ebd.
49, 24
;
Franz, Müntzer. Schrr.
578r
;
Dietz, Wb. Luther
178
;
Diefenbach
215b
;
Schwartzenbach C iijv;
Rot
309
;
Schöpper
96a
;
Schwäb. Wb.
1, 497
;
Trübner, Dt. Wb.
1, 192
;
9.
›sich wegen eines Vergehens vor Gericht rechtfertigen, verteidigen; jn./sich wegen Nichterscheinens vor Gericht förmlich und mit Gründen entschuldigen‹; vorwiegend obd.; rechtssprachliche Spezialisierung zu 8.
Syntagmen:
jn./
(meist:)
sich a.
;
jn. seiner ehehaft a.
;
sich des fürbotes a., sich um eine sache, um den gewalt a.
Wortbildungen:
1
ausredung.

Belegblock:

Bischoff, Steir. Landr.
169, 11
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Wer ain todslag tût, [...], chumpt ez darczû, daz sew sich ausreden sullen, sie müzzen sich bereden in dem gericht.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
166, 11
(
moobd.
,
1507
):
hab in Härtl gepetn [...], das er in ausred.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
75, 36
(
smoobd.
,
1654
/
68
):
nun aber sein etlich außgerëdt, der erst der mit gottes leichnamb versechen; der ander, der mit wasser verrunnen wer.
Winter, Nöst. Weist.
2, 3, 23
(
moobd.
,
16. Jh.
):
wer dan verclagt wirdt in dem panthäding, der hat sich außzureden in das nachthäding.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
233, 19
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
so fern aber ain ehhoft noth saumbt, der soll dieselbe durch seinen pretbotten anzaigen und sich außreden lassen.
Bischoff, a. a. O.
94, 3
;
Mell u. a., Steir. Taid.
135, 41
;
Siegel u. a., a. a. O.
338, 32
;
Winter, a. a. O.
691, 29
;
3, 574, 17
;
Schmitt, Ordo rerum
616, 11
;
Voc. inc. teut. b VIIIr;
Schöpper
90a
;
Rwb
1, 1031
;
1073
;
Schweiz. Id.
6, 563
;
Haltaus
78
.
10.
›sich religiös (vor Gott) rechtfertigen‹; religionssprachliche Spezialisierung zu 8.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Reithmeier, B. v. Chiemsee
6, 5
(
München
1528
):
Alszdenn waere ain yeder in seinem glawb gegen got ausgeredt vnd versichert.
11.
›etw. ausplaudern, ausschwatzen‹; offen zu 1.
Syntagmen:
den heimlichen rat a.

Belegblock:

Trübner, Dt. Wb.
1, 192
.