dienen,
V.;
2-8 als Spezialisierungen von 1 auffassbar.
1.
›als Dienender tätig sein; jm. (z. B. einem Herren, einem Machthaber) untertan sein (infolge eines Rechtsverhältnisses); js. Gefolgsmann sein, sich jm. unterwerfen‹.
Syntagmen:
d
. (absolut);
jm
. (z. B.
dem heiden / herren / könig
)
d
.;
lange, mit arbeit / müe d
.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
Niemand kan zweien Herrn dienen, entweder er wird einen hassen und den andern lieben.
Ebd. (
1544
):
Wer da dienet, der [...] hat nicht das gut, sondern das gut hat jn.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
137, 2917
(
Magdeb.
1608
):
Dien lang / vnd fodder dafuͤr nicht / | So verleurst deins Herren gunst nicht.
Altmann, Wind. Denkw. (
wmd.
,
um 1440
):
das herzoge Heinrich dem konig nit versprechen wolt ime zu dienen uber den marggraven von Brandenburg.
Karnein, Salm. u. Morolf
23, 1
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Dem heiden dienten uff sinem hoffe | sechs und drißig hertzogen.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
74, 23
(
omd.
,
1487
):
Es dÿnt mancher mitt [...] arbeitt eÿnem zceitlichen hern von dem er wenig ere adder guttes entphangen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
60, 6
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
wen der kunig stirbit, [...] so sint vil der [...] knechte di [...] vorburnen williclich mit dem kunige, und sprechin das si also werden dynen [...] in geme lebin.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
97, 796
(
Zwickau
um 1540
):
Ein Herr / an guͤtern reicher denn sie all | Die andern solln ihn dienen allzumal.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 121, 21
([
Augsb.
]
1548
):
Wer klainen Herren dienet / der ist selbs Herre mit.
Kollnig, Weist. Schriesh.
238, 30
;
Strauch, Par. anime int.
54, 19
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
221
;
v. Birken. Erzh. Österreich ;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
410, 10
;
Barack, Zim. Chron. .
Vgl. ferner s. v. ,  3,  4,  5,  1.
2.
›(Gott) aus der Haltung der Bußfertigkeit, der Freiwilligkeit heraus dienen, ihn als Autorität anerkennen, sich ihm unterwerfen; das Leben nach den göttlichen Geboten gestalten‹.
Texte der Sinnwelt ,Religion‘, auch der ,Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1.
Syntagmen:
got mit fleize / liebe / minne / treue, werken, schwerem herzen, in andacht, von ganzem herzen, um die grosse freude, zu seinem gebot, allein / frölich / gelustlich / leichtlich / viel / wol, tag und nacht, mit singen / lesen, nicht mit essen / trinken d
.;
gottes wunden dienen
›sich die durch die Wunden Christi vermittelte Vergebung der Sünden erwerben‹.
Wortbildungen:
dienmut
(volksetymologische Deutung von
demut
; a. 1561).

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
dar vmme sal en islich mensche gode dienen mid vlitze vnde mid truͦwen.
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
7, 4
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
Sünder, wilt du die buze leisten, bichte wol, | ein priester sol | dir schiere werden funden. | [...] dienest gotes wunden.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Enwellen wir gote niht dienen umbe kein ander sache wan umbe die grôzen vröude, die sie dar an hânt, die in dem êwigen lebene sint.
Jostes, Eckhart
82, 4
(
14. Jh.
):
Dis wort sprach unser herre Jhesus: Wer mir dinet, der sol mir volgen.
Dietrich. Summaria
18v, 3
(
Nürnb.
1578
):
Denn mit essen vnd tringken kan man Gott nit dienen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Dem boͤsen Feind ich widersag, | [...] | Wil dienen Gott Tag und Nacht.
Bauer, Imitatio Haller
103, 9
(
tir.
,
1466
):
Du pist durch des willen gangen von der welt in den geistlichen orden, das du got wëllest dienen vnd das du dein leben pessern wellest.
Quint, a. a. O. ;
Steer, Schol. Gnadenl.
3, 01, 130
;
Jostes, a. a. O.
41, 7
;
Froning, Alsf. Passionssp.
2826
;
Göz. Leichabd. ;
Logau. Abdank.
168, 19
;
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
8a, 21
;
199, 16
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Stammler, Berner Weltger.
27
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
20, 26
;
Bauer, Geiler. Pred.
98, 28
;
464, 23
;
39, 1
;
Klein, Oswald
11, 93
;
18, 3
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
26
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
33, 87
;
Bauer, Imitatio Haller
70, 19
;
103, 9
;
Vgl. ferner s. v.  1, , (
das
10,  7,  3.
3.
›jm., einer politischen Einheit Militärdienst leisten, als Söldner in einer Armee dienen; eine bestimmte Zeit dienen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 4.

Belegblock:

Chron. Köln (
rib.
,
1433
):
do quamen de burger van Coelne vurß [...] heim wail mit 60 wagen gewaepens volks de dem herzogen vurß gedeint waren.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
89, 26
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
dan zu gebenn den obgeschriebenn solt noch marczall der zeytt, die sie gedint hetten.
Geier, Stadtr. Überl. (
nalem.
,
1507
):
Der Söldner Eid. Ir werden schweren, der statt und den burgern ze dienend ain jăr mit üch selb, mit hengst und mit harnasch.
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
33
;
Rwb (hier reichhaltige Belegung).
4.
von Männern gesagt: ›dienen (absolut)‹; im Einzelnen: ›Minnedienst ausüben, einer Dame dienen, sie aus Liebe verehren, um eine Dame werben‹; selten von Frauen: ›dem Geliebten einen Liebesdienst erweisen‹.

Belegblock:

Fischer, Folz. Reimp.
15, 133
(
Nürnb.
,
um 1480
/
81
):
Sie sprach: „du hast leicht als unglück. | Ich wont, du wolst mir din in trewen. | Wil es dich dan yczunt gerewen?
Munz, Füetrer. Persibein
82, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ich [chüniginne] gib euch mynn, dient ir hye pey den werden.
Thiele, Minner. II,
27, 501
;
Bihlmeyer, Seuse ;
Brandstetter, Wigoleis
230, 18
.
5.
›als etw. (z. B. als
sekretar
) in einem speziellen Amt, in einer bestimmten Funktion, für eine Institution tätig sein; einen Beruf ausüben‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  3.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
25, 31
(
Magdeb.
1608
):
als er [Nicolaus Baumann] bey dem Hertzogen [...] fuͤr einen Rath vnd Secretarien gedienet.
Schein, NA
2/1, 11a, 24
(
Leipzig
1627
):
Dieweil ich [...] ferner in beyden Kirchen allhier zu Leipzig fuͤr einen General-Directorn der Music [...] auffgewartet vnd gedienet.
Buijssen, Dur. Rat.
10, 10
(
moobd.
,
1384
):
Der personn sind drei ordenung: die mess sprechent, di dient, die mess hörent.
Luther. Hl. Schrifft.
2. Mose 39, 1
.
6.
›für jn. in abhängiger Stellung (z. B. als Knecht, Magd, Lehrjunge, Landarbeiter) arbeiten, tätig sein; bei jm. beschäftigt sein‹.
Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 68.
Syntagmen:
einem hern, der meisterschaft d., j. als etw
. (z. B.
als lerjunge / magd / knecht
),
mit etw
. (z. B.
mit den pflügen
)
d., als ein holde d. müssen, bei jm., für jn., um tagwan, in js. hof, in aller arbeit, mit der stat, eine zeitlang d
.;
zu d. tauglich
.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Swer vromidez korrͤn snidet vnde wenet, iz si sin oder sines heren, deme her denit, de missetuͦt nicht dar an.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
24, 17
(
thür.
,
1474
):
Nu hat eß [sich] befunden, daz dyselbin gesinde [...] yren hern nicht lenger danne uff sente Peters tag, [...], gedynet.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1401
):
wa ieman dem andren von dishin dienot, es sie in sinem hus vmb tagwan oder ander ley dienst.
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1615
):
Welcher zuͦ dienen versprochen, soll syn dienst ohne redliche ursach nit uffgeben.
Hauber, UB Heiligkr. (
schwäb.
,
1350
):
daz si uͥns [graf Wilhelm] dienun sont mit den pfluͤgen die si hant.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 4, 21
(
schwäb.
,
1562
):
wa sy bey den eltern junge leüt sehen oder erfüeren, die zu dienen taugenlich, sollen dieselben [...], verdingt oder zu handwerckern verschafft [...] werden.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
Ob ein dyener oder dienerinn der maisterschaft dient oder nicht.
Mollay, H. Kottanerin
17, 16
(
moobd.
,
1439
/
40
):
Nu heten die Junkchfrawn ain alte frawͤn, die bei in dienat.
Bischoff, Steir. Landr. (
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Wer sich zewcht auf ain weingartperg mit aigem ruk, der mus dienen als ein ander hold.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
87, 1
(
mslow. inseldt.
,
1617
):
da śie bey weiland Joachimben Maigel Schneider [...] ein Zeitlang gedienet.
Kollnig, Weist. Schriesh.
193, 16
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
40, 10
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
97, 13
;
Roloff, Brant. Tsp.
456
;
Gehring, a. a. O.
168, 2
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
18, 35
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
87b, 14
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 129
.
Vgl. ferner s. v.  4, ,
1
, .
7.
›(bei Tisch) dienen‹; auch: ›jn. bei Tisch bedienen‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Da sossen dye eldesten von dem rothe unnd dy frowen unde dy junckfrowen umme her, unnd dy torsten dy gingen umme her unnd schenckten in unde denten zu tische.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
Die zwo junckfrowen dienttend zuo tisch, die wărend Rengnolden bed hold.
Chron. baier. Städte. Regensb.
166, 9
(
noobd.
,
1541
):
Sontag an herrenfaßnacht ritten all obgedacht fürsten [...] der kayserlichen majestät zu hoff. dinten also seiner majestät zum tisch.
Morrall, Mandev. Reiseb.
174, 8
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
101, 13
.
8.
›jm. hilfreich / gefällig / ergeben sein, jn. unterstützen (ohne dazu verpflichtet zu sein), jm. einen Gefallen erweisen; jm. eine Ehre erweisen‹; gelegentlich formelhaft zum Ausdruck der Ergebenheit gegenüber höher stehenden Personen.
Bedeutungsverwandte:
 1.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Joseph enphienc sin [Nicodemus] dienen | und wart mit ime wonehaft.
Karnein, Salm. u. Morolf
541, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
künig Salmon [...] sprach: ,suche mir die junge künigin her. | die het mir schöne gedienet, | ich wil si mit mir furen gen Jherusalem.‘
Anderson u. a., Flugschrr.
22, 4, 7
([
Erfurt
]
1525
):
Befeln mich hie E. V. gantz gehorsamlich / geneygt yñ allem wolgefallen zu dienen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
27
(
Nürnb.
1517
):
Christus [...] kummen ist in die welt, nit das im gedienet würd, sunder zu dinen und zu geben sein sele zu entledigen vil ander.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
153, 27
(
Nürnb.
1548
):
wir wuͤrden gern yederman helffen vnnd dienen / mit niemand zu vnfriden werden.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 312, 11
(
Hagenau
1534
):
Wer eynem dienet / der gedenck nicht / daß mans yhm dancken werde.
Thür. Chron.
21r, 16
;
Gilman, a. a. O.
418, 26
;
Chron. baier. Städte. Regensb.
103, 15
;
9.
›etw. (positiv oder negativ Bewertetes) durch Gnade oder durch einen Dienst erwerben; etw. gerechterweise verdienen, erhalten‹; resultativ zu 6.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  6,  2.

Belegblock:

Gierach, Märterb.
19233
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
do Verena sy ersach, | zü Gottes mütter sy do sprach: | was gedienet hann ich, | daz Gottes mütter siecht mich?
McClean, Havich
210
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
dy selben wil ich fristen | vor dem helle fewr, | sy dienen es selben tewr.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Hat dein frumer herr und edler künig sölichs umb dich dient.
McClean, a. a. O.
3944
.
10.
›jm. abgabepflichtig sein; jm. etw. als Abgabe entrichten‹.
Gehäuft ˹moobd.; älteres Frnhd.˺; nahezu ausschließlich Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
,  3; vgl.  1,  7,  5,  1,  1,  1.
Syntagmen:
dienen
(absolut);
(jm., von etw.) etw
. (z. B. einen Geldbetrag,
käse
)
d., (jm.)
[wohin] (z. B.
in die küche
)
d., der zins in das gericht d
.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, zu
1366
):
di selbe pastorie[...] eime iglichen bischofe zu Trire in sine koche dinet.
Chron. Köln (
rib.
,
15. Jh.
):
de selve proistie dient alle jairs 5000 gulden.
UB Zug
970, 7
(
halem.
,
1453
):
was die von Zwillikon wie dishalb der Jonen gen Zúrich buwtind, das soͤlte in iren zechenden gen Verrenbach gehoͤrren und dienen.
Mollwo, Rotes Buch Ulm (
schwäb.
,
1376
):
Es hant ouch die burger gesetzt, wer ainen manod husheblich hie sitzet, der sol und muͦz stuͥren und dienen alz ain ander burger hie.
Fuchs, Urb. Göttweig
29, 21
(
moobd.
,
um 1345
):
Daz sind meins herren recht auf dem Ybsveld: Des ersten schol man im dienen ze suniwentten an sechs schilling chaes.
Staub, Qu. Wien (
moobd.
,
1382
):
Hetschel der jude [...] hat verchawft seinen tail des hawses gelegen vor Stubentor [...], davon man alle jar dıͤnt hincz den Schotten 18 schilling.
Fuchs, Kart. Aggsbach (
moobd.
,
1394
):
man dient von iedem halben lehen ayn phunt Wienner pfenning.
Rintelen, B. Walther
31, 17
(
moobd.
,
1552
/
8
):
Was ein Vogthold seinem Vogtherren zu diennen und zu raichen schuldig sey.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
, Hs.
17. Jh.
):
die so käß dienen sollen gewarnet sein, hiefüran der gebür nach solliche zu bringen.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1. H. 16. Jh.
):
Entgegen hat ain ider marktrichter einzunemen alle zins so in das gericht dienen.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
17. Jh.
):
Ob ainer seinen grundherrn seinen schuldigen gruntdienst williclich verhielt, [...] und das doch darnach fundig [...] wäre, das er nichts gedient hiet, der ist nach der gult verfallen umb das wandl.
Große, Schwabensp. ;
Mon. Boica, NF. ; NF.
2, 1, 170, 14
;
Staub, a. a. O. ;
3, 2, 2301, 10
;
Fuchs, Urb. Göttweig
175, 9
;
ders., Kart. Aggsbach ;
Hör, Urk. St. Veit
217, 21
;
Siegel u. a., a. a. O. ; ;
Mell u. a., a. a. O. .
Vgl. ferner s. v. ,  4, (
die
4.
11.
›etw. betreiben, bewirtschaften (z. B. eine Mühle, einen Weingarten)‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  20,  8,
2
,  5,  4,  10,  4.

Belegblock:

Bischoff, Steir. Landr. (
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Wer ain mûl mit getraid dînt, der wert wol mit getraid, daz im ze mawt wirt auf der mûl. [...] Er sol auch seinen herren weren aus dem weingarten, den er im dint.
12.
›einer negativ bewerteten Sache (z. B.
den sünden
) verfallen sein, sich e. S. verschrieben haben, ihr intensiv nachgehen‹.
Phraseme:
der nacht dienen
wohl: ›ein Nachtschwärmer sein‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
32
(
Nürnb.
1517
):
noch mer zu klagen, das wir frölich erdulden dise vermaledeite verfluchung und den sünden lachent dienen.
Sappler, H. Kaufringer
19, 141
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
Seit die welt also zergat | und ir der mensch nicht nutz hat, | der ir dient mit steter pflicht.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz man sein [taw] nidervallen niht prüeft unz daz diu löckel naz sint auf dem haupt den, die des nahtes der naht dienent.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
109, 28
(
tir.
,
1464
):
der arm mensch der [...] vergass got durch sein nachlessikhait vnd dienet der vnrainikhait.
Koller, Ref. Siegmunds ;
Sappler, a. a. O.
30, 100
;
Bauer, a. a. O.
48, 7
.
13.
›(jm.) nützen, helfen, dienlich sein‹, von Haltungen, Sachen und Erscheinungen gesagt; fließender Übergang zu 14.
Phraseme:
weder zum rok noch zum hosen dienen
;
jm. mit etw. gedient sein
.
Bedeutungsverwandte:
 1,  3, ,  7,  2,  5,  1, .
Syntagmen:
der bach, die erkentnis (Christi) / liebe / manheit / profetei, das kreuz / leid, das studieren zu etw. d., die sinne dem menschen d., jm. zu etw
. (z. B.
zu js. nuz / frommen, zur seligkeit, vergebung der sünden
)
d., jm. mit etw. d., etw
. (Subj.)
zu etw
. (z. B.
zu einer sache, zum ewigen leben, zu ungemach
)
d., etw. nicht viel d., dazu d., das [...]
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Von dingen so nichts nutzen / sagt man. Der Butter dient nichts zur Suppen. Es dient weder zum Rock noch zum hosen.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Nuͤtzen frummen batten helffen dienen zuͦtragen gedeyen zu thun erschiessen klecken.
Köbler, Ref. Franckenfort
75, 17
(
Mainz
1509
):
sollen auch die fürsprechen alle andere Jnterlocutorien / byurteil so zur sachen nit dienten [...] nit anstellē.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth (
Frankf.
1563
):
treibe traurigkeit fern von dir! dann sie [...] dienet doch niergend zuͦ.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
So dienet vns diese Prophetey darzu / das wir aus diesem Text des Propheten Esaiæ / alle [...] jrrige Lehre [...] widerlegen koͤnnen.
also wird euch die erkentnis Christi zum ewigen Leben dienen.
Opitz. Poeterey
23, 18
(
Breslau
1624
):
Worzue dienet das studieren / | Als zue lauter vngemach?
Perez, Dietzin
1, 134, 27
(
Frankf.
1626
):
[mein Mutter] mir meine Augen vnd Gesicht dermassen geschaͤrpfft daß ich das jenige / so mir dient von fernen sehen kan.
Gille u. a., M. Beheim
75, 34
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das ertreich dienet uns mit frucht, | die uns dann gibet lebens zucht.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
141, 3
(
Nürnb.
1548
):
Diß alles nun dienet dazu / das du den Ehestandt lernest erkennen / das es ein Goͤttlicher stand sey.
Ebd.
244, 8
:
Soll derhalben allen Christen das Creutz dazu dienen / das sie in Gottes reich [...] bleibē.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
18
):
sie daurt mich in meim Hertzen. | Wil gern mit jhr tragen schmertzen, | Wenn jhr nur damit dienet wer.
Bachmann, Morgant (
halem.
,
1530
):
Sy belibend vast lang inn Creontta schloß [...]; wann ir grosse manheyt diendend innen nǔt.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 265, 23
([
Augsb.
]
1548
):
Es ist nicht Reichtumb / vil haben / Sonder vil behalten / und anderen mit dienen.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb. ;
Quint, Eckharts Trakt. ;
Köbler, Ref. Wormbs
306, 14
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
43, 32
;
Sermon Thauleri
13ra, 3
;
Reichmann, a. a. O.
179, 4
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
178, 12
;
Sappler, H. Kaufringer
26, 107
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. .
14.
›zu etwas (zu einem praktischen oder psychischen, kognitiven Zweck) gebraucht, benutzt, verwendet werden; zu etw. passend, geeignet sein; einen bestimmten Zweck erfüllen‹ (meist mit Subj. d. S.); eng anschließbar an 13.
Syntagmen:
j. zum könig d., etw
. (Subj.)
der abgötterei, einer flasche, den götzen, zu einem sturm, zu aufrur / bedak / bekentnis / bezalung / freude / gewin / lust / malen / nuz / rebellion / vielfachung d
.
Wortbildungen:
diensttuch
wohl: ›Gebrauchstuch‹.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
461, 6190
(
Magdeb.
1608
):
Zum Koͤnig abr dien ich nicht wol / | Weil ich allein nach Recht regier.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
Dieser Theil dienet sonderlich zu vielfachung derer Zahlen / die [...].
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
68, 24
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
etlich hundert aͤlspis; die dienenn zu dem sturm jn die wagenburgk.
Roloff, Brant. Tsp.
2078
(
Straßb.
1554
):
Wie sie [Hester und Judith] dort sitzen mit iren kleiden | Die allein zuͦ lust dienen.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
so sollen sy [...] so vil wider bezalen / so vil in ir nutz bewendt ist / was aber der vogtparn person offentlich zuͦ nutz vnd gewin dient.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
12r, 2
(
Zürich
1521
):
Er [Christus] ist ein vereyniger [...]; Darzuͦ dienet das / das er ein eckstein genent würt / der zwo wend verhefft vnd verschlüßt.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1675
):
die jährlich verbrauchenden diensttücher auß disem hauß käüfflich zu erheben.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
213, 20
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
zuo bekentnüsse des verstans, dar zuo so dienent aller meist zwo sinne, daz ist daz gesihte unde das gehörde.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
307
(
oobd.
,
1607
/
11
):
1 andere ohngefasste grosse indianische nuß, [...], einer flaschen dienendt.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
150, 24
;
Dietrich. Summaria
21v, 18
;
Köbler, a. a. O. ;
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern ;
Hauber, UB Heiligkr. ;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
2
.
Vgl. ferner s. v.  3, .
15.
›jm. zu etw. gereichen; zu etw. führen; einen bestimmten Ausgang nehmen‹.
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
jm. zum besten / ernst / schimpf, zu nachteil d., etw. zu aufrur / wiederwillen / tod / übel / unruhe d
.

Belegblock:

Goedeke, Fischart Amadis
138
(
Frankf.
1572
):
er handel wie die bienen, | So wird im alls zum besten dienen.
Anderson u. a., Flugschrr.
21, 10, 10
([
Zwickau
]
1525
):
Ob aber des herren dienste võn notten weren / sol yme der Bawer willig vnd gehorsam fur andern seyn / doch zu stunde vnd zeyt / das dem Bewren nicht zu nochteyl diene.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
dz vß dem übrigen guͦt / den andern kinden an irem erbteile / [...] / zevil vñ mercklich zuͦ nachteil diente.
Wopfner, Bauernkr. Tirol
183, 31
(
tir.
,
1525
):
vil seltzamer wort, die zǔ widerwillen und aǔfrǔern dienen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
28, 32
;
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 371, 8
;
Jerouschek, Nürnb. Hexenh.
16v, 33
.
Vgl. ferner s. v.  1.
16.
›die Besserung, Heilung (einer Krankheit) bewirken‹; Konkretisierung zu 12.
Bedeutungsverwandte:
 1,  6.

Belegblock:

J. W. von Cube. Hortus
102, 9
(
Mainz
1485
):
Diß krut dyenet fast woͤl den boͤsen blatern vnd geschwern.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
158, 14
(
Frankf.
1535
):
Perlin [...] dienen zu der finstre des gesichts / sie verhalten den frawen jr zeit / vnnd machen schoͤne zeen.
Memminger Chron. Beschr. (
Ulm
1660
):
dieses Wasser [...] dienet den jenigen / so mit dem Rothlauffen [...] offt geplaget [...] es hilfft auch wider alle Vnreinigkeit der Haut / heilet das Jucken.
J. W. von Cube. a. a. O.
3, 53
;
103, 33
;
Belkin u. a., a. a. O.
104, 17
.
Vgl. ferner s. v. .
17.
›räumlich wohin verlaufen, führen, reichen, gelangen, sich erstrecken‹.
Bedeutungsverwandte:
 9; vgl.  1,  1,  28,  5,  3,  11,
2
.

Belegblock:

UB Zug
1106, 6
(
halem.
,
1469
):
stost der jetz genant gartt oben an das múrliý, das von Herr Uolrich Isembúrgs garten under der egruͦben hinfúr bis an die gassen dienet.
Ebd.
1897, 26
(
1506
):
stat darbi ein große, alte tannen, oben in der Wonhútten, ob einer runß, die da dienet gegen der Alten mat.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 361, 22
(
halem.
,
1489
):
Und was ein wilder loͧff, und diennet das geschrey in das Ergöw.
18.
›zu etw. gehören; sich auf etw. beziehen‹.

Belegblock:

Lauater. Gespaͤnste
23r, 28
(
Zürich
1578
):
Hiehar dienet gar wol / dz Ruffinus priester zuͦ Agleyen / in der history der vralten Christenlichen kilchen [...] schrybt.
Zingerle, Inventare 95 a, (
tir.
,
1462
):
hammer, zangen vnd all ander notdurfft, so dann in meins genedigen herrn schmitten gehoͤrt vnd diennt.
UB Zug
978, 12
;
Lauater. a. a. O.
29v, 18
.