antwort,
antwurt,
antwert,
antworte,
antwurte,
antwerte,
die
;
-Ø/-
;
vereinzelt:
das
.
Die Formen mit medialem
-o-
und
-u-
sind ungefähr gleich häufig belegt (
-o-
eher md.,
-u-
eher obd.),
-e-
begegnet relativ selten (nrddt./md.; 14./15. Jh.). Finales
-e
findet sich in rund 20% aller Belege. Das
Wmu
1, 119
hat ausschließlich
antwürt, antwurte.
Zur Einheit des Wortes vgl. Bedeutung 4 sowie die Bemerkung unter .
1.
›Antwort (auf eine Frage), Entgegnung, Erwiderung (auf eine Aussage)‹.
Bedeutungsverwandte:
(
der
1,  2, , , .
Syntagmen:
a. bescheiden / entfangen / finden / haben / hören / kriegen / gelten lassen, jm. e. S.
(Gen.)
a. geben
(häufig)
/ bieten
;
a.
(Subj.)
geschehen / entfaren / werden / wiederfaren jm., zerstreuen etw.
;
der a. bedürfen / geren / pflegen / wert sein
;
sich an die a. keren, etw. zu a. geben, um eine a. bitten, sich um eine a. umsehen, aus der a. etw. abmerken
;
schriftliche / gute / gnädige / götliche / süsse / wonnigliche / richtige / weise / tugendhafte / stumpfe / abschlägige / harte / heftige / spitzige / tapfere a.
;
a. der götter, a. des heiligen geistes, a. e. S.
(Gen.): ›Antwort auf etw.‹.
Wortbildungen:
antwortsman.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Jhesus, der / ware got, gap den boten so suͦze antworte vnde wisuͦnge.
Froning, Alsf. Passionssp.
3556
(
ohess.
,
1501ff.
):
Saltu alsus dem fursten | antwort geben zu disser stund?
v. Tscharner, Md. Marco Polo
59, 2
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
[der kunig] gab yn des eyn antworte, her wolde des rubyns nicht vorkoufin.
Luther, WA (
Wittenb.
1535
):
Ein offenbar lugen ist keiner antwort werd.
Skála, Egerer Urgichtenb.
32, 10
(
nwböhm.
,
1562
):
hatt er dj anthwort geben, dem Sohn mertten hab er vnrecht gethan.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
10, 14
(
nürnb.
,
1446
):
als man ir gar vil fynt, die do seyn also gaistlich, das sie auch straffen die antwert der aller seligsten iuncfrawen Marie, die sie gab dem engel.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
14. Jh.
):
O lant alle ding, so wurt úch alle ding; in der worheit, tetent ir daz, úch solte wunnencliche entwurte wiedervarn in der zit.
Matthaei, Minner. I, (Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
din antwirt hät zerstroͤt | als min laid.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Als sie im aber nit willfaren, sonder abschlegige antwort gegeben.
˹Ral.: Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 114, 17
(
Hagenau
1534
):
Gut gruß gibt gut antwort.
Ebd.
2, 37, 10
(
Augsb.
1548
):
Es gehoͤrt auff alle fragen nicht antwort.
Ebd.
41, 20
:
Kaine antwort / ist auch ain antwort.
Ebd.
43, 13
:
Auff aine guͦte frage / gehoͤrt aine guͦte antwort.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ein guter hoͤrsman gibt ein guten antwortsman.
˺
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Do von so mǔz ich chlagen | Sein adelleich gepǔrte, | Sein tugenthaft antwǔrte | Gen reichen und gen armen.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
es dörfte niemant zu ir geren der geleichen antwurt.
Dem unser götter günstig sein, des wir in unsern pethäwsern von in antwurt gehabt haben.
Goedeke u. a., Liederb. ;
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3309
;
3365
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. ; Luc. ;
Gerhard, Hist. alde e
806
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Valli, Baldemann
161
;
Gille u. a., M. Beheim
76, 19
;
105
;
79, 98
;
Mon. Boica, NF.
2, 1, 292, 20
;
v. Birken. Erzh. Österreich ;
Vetter, a. a. O. ;
Gilman, a. a. O.
1, 154, 23
;
Päpke, Marienl. Wernher ; ; ; ;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
1585
;
3502
;
Sappler, H. Kaufringer
4, 367
;
23, 139
;
Heydn. maister
10v, 5
;
Wackernell, H. v. Montfort ;
Wiessner, Wittenw. Ring.
3733
;
5258
;
7601
;
8464
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
Roth, E. v. Wildenberg ;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Spiller, a. a. O. ; ;
Munz, Füetrer. Persibein
110, 1
;
Chron. baier. Städte. Regensb.
65, 17
;
Rot
348
;
Ulner
32
;
Hulsius 5v;
Henisch (viele Sprichwörter);
Dietz, Wb. Luther .
2.
›Antwort auf eine Klage / Anschuldigung / Forderung, Verteidigung vor Gericht, Rechenschaft über etw., Gegendarstellung; Verantwortung (vor dem Jüngsten Gericht)‹; offen zu 3.
Bedeutungsverwandte:
, , ; vgl. .
Gegensätze:
 2, , ›Anschuldigung‹.
Syntagmen:
die a. (ver)hören / berichten / haben / merken
, (
jm.
)
a. geben
(häufig)/
bieten / sagen
;
e. S.
(Gen.)
a. geben
;
etw. in der a. verhören, in der a. schuld bekennen, in der a. etw. fürwenden, nach a. ein urteil absagen, nach klage und a. etw. bekennen
; phrasematisch:
zu a. kommen
›vor Gericht erscheinen‹,
zu der / an der a. stehen
›zur Verteidigung bereitstehen‹.
Wortbildungen:
antwortschrift
,
antwortweise
,
antwortzettel.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
So solt man jm nach gmeinem Recht | Nach verhoͤrung antwort vnd klagen | Ein rechtmessig vrtheil absagen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
130, 27
(
thür.
,
1474
):
Nach schulden, zcuspruchen Hanßen Roten [...] an eynem, kegenrede, schutczwere unde auch antwert er Niclaußen Gantczsch, prister, am anderen teyl.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
so solten schriftliche schult und antwort gegen einander gehen.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
nachdem der genante Hans Spitzing in seiner antwort dem genanten Jorgen etzliche schulde in besonderheit bekennet.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
104, 24
(
omd.
,
1548
):
So lang er aber vorstandt geweßen, mus er fur den schichtmeister zu antwort stehen.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
120, 17
(
osächs.
,
1542
/
70
):
so sollen die andern, unvordechtige personen die ursache des vordachts, darzu die antwort der vordachten personen hören.
Gille u. a., M. Beheim
84, 170
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
tag | des jungsten gerihtz, da man klag | und antwürt fur wurt halten.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
warn heftig gegen ein ander mit red und widerred, mit clag und antwort.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1463
):
daz wir da die benanten beide partien [...] in clage, antwurt, rede und widerrede eigentlich verhört hand.
Edlib. Chron. (
ohalem.
,
um 1500
):
sider die von switz jn jr antwort red vnd wider red fürwendent.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1539
):
der soll [...] vonn demselben bseßnen gut niemannts [...] antwurtt zugeben schuldig sin genntzlich vmb kein sach.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
ir müst warlich darumb antwort geben vor dem letzten gericht.
Leman, Kulm. Recht ;
Helm, H. v. Hesler. Apok. ; ;
Wyss, Limb. Chron. U ;
Aubin, Weist. Köln/Brühl ;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 94
;
Opel, a. a. O. ;
Grosch u. a., a. a. O.
100, 27
;
117, 36
;
Ermisch, Freib. Stadtr. ; ;
Kisch, a. a. O. ;
Behrend, Magd. Fragen ;
Röhrich u. a., Cod. Dipl. Warm.
4, 154, 14
;
547, 4
;
Dinklage, Frk. Bauernweist.
111, 41
;
Matthaei, Minner. I, ;
Merk, a. a. O. ;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1359
;
Rennefahrt, Statut. Saanen ;
Ders., Recht Laupen ;
Welti, a. a. O. ; ;
Niewöhner, Teichner
568, 16
;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
169b
;
Winter, Nöst. Weist. ;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Rwb ; /63;
Haltaus
47
.
3.
›argumentative Antwort auf einen vorangehenden Beitrag innerhalb einer Disputation, Gegenaussage auf eine vorangehende Aussage‹.
Didaktische Texte.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
11580
(
rib.
,
1444
):
Ich wil dat na dem syen der ougen myn | Dat geschricht gecorrigiert soele syn, | Off antwer zo maele aff gedaen.
Gille u. a., M. Beheim
96, 74
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
dy [maister] salche ding fur geben | Mit lesen und mit tispotirn | und auch dar zu mit argubirn, | bredign, und da red, frage | Und antwurt widr ain ander gët.
Ebd.
79, 292
:
man sprechen und antwurt gebn | das ers darumb hab tone, | Das er damit czaig und erschein | güt, milt und parmherczikait sein.
Ebd.
79, 421
:
Dis antwurt mag man auch also | arguirn wider den, der do | arguirt gleich als vore.
Matthaei, Minner. I, (Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
ich bat also die richterin | frow Fenus, [...],| das sy mir erlöben woͤlt | frow Eren, daß sie soͤlt | mir min antwirt fuͤr bringen.
Ebd. (Hs.
15. Jh.
):
‚getoͤrst ich dez antwuͤrt geben‘, | sprach ich, ‚frawe, so schelten ich | uͤwer site, [...]‘.
Memminger Chron. B (
Ulm
1660
):
Sontag Mittags wird der Catechismus außgeleget / vñ allezeit zuvor von der [...] Schuljugend vmbwechslungs Weise / bey offentlicher Versamlung der Gemeine / ein Hauptstuck vnserer Christlichen Lehre / Frag⸗ vnd Antworts⸗Weise / gesprochen.
4.
›Gegenwart, Beisein von jm.‹. Die Bedeutung ist im eigenen Material schwach, im aber (vor allem für das Nd.) reicher belegt. Das
Rwb setzt aus etymologischen Gründen dafür ein eigene
s Lemma an, und zwar in Fortsetzung von ahd.
antwurti
›Gegenwart‹ (
Splett, Ahd. Wb.
1, 574
), mhd.
antwart/antwurt
›Gegenwart‹ (). Hier wird die Bedeutung, da sie sich eng an die Phraseme unter 2 anschließt, zu
antwort
gestellt; vgl. auch die etymologischen Bemerkungen s. v. .
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
ist iener da nicht zuͦ antwerte, der in der achte ist gewest.
5.
›formelle Auslieferung, Übergabe von jm./etw.‹.

Belegblock:

Vorarlb. Wb.
1, 117
.