bescheid,
der
;
-(e)s/–
;
vgl. das Bedeutungsfeld von .
1.
›Konstitution, Handlungsfähigkeit‹;
vgl. (V.) 12.

Belegblock:

Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
presenteirden ich den wein noch mit guttem bescheide.
2.
›Wissen, Kunde, Kenntnis über etw.; Auskunft, Aufschluß, Nachricht, Botschaft, Anzeige; Anwort, Rechenschaft (oft: vor Gericht)‹; auch: ›Beweis‹;
vgl. (V.) 23.
Phraseme:
ane bescheid
›unwissentlich‹;
jm. einen kurzen bescheid geben
›jn. kurz abfertigen‹; (hierher?):
(jm.) bescheid tun
›mit dem angebotenen Glas eines anderen auf dessen Gesundheit trinken‹.
Bedeutungsverwandte:
 123, (
der
1,  2, .
Syntagmen:
(den / einen) b. bringen / erfaren / finden / geben / haben / nemen / vernemen / tun / wissen
;
b
. (Subj.)
erfolgen, jm. b. werden
;
des b. begeren
;
auf b. warten, jn. um b. fragen, jn. mit einem b. zu jm. senden
;
b. des handels / namens, der unwissenheit, b. von etw
.;
abschlägiger / böser / gründlicher / guter / schlechter / klarer / kurzer / rechter b
.
Wortbildungen:
bescheidbrief
.

Belegblock:

Stambaugh, Friederich. Saufft.
33, 17
(
Frankf./O.
1557
):
Nuhn ists ja war / daß das halb und gantze zutrincken / und bescheid thun / ein [...] ursache ist zur Trunckenheit.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
7202
(
rib.
,
1444
):
Woultu yrre namen hain bescheit.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
der keiser da entuschen sint under 70 niet: wat daevan is, hain ich niet clair bescheit.
Köbler, Ref. Franckenfort
86, 16
(
Mainz
1509
):
so einer abschrifft [...] begert oder vmb vrteil bittet [...] vnd daruff bescheydt gegeben werde.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Damit er mir gab einen bscheidt | Seiner grossen vnwissenheit.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
haben sie diesen Brauch: Alle die dem Keyser bescheydt sollen thun / werden erstlich nackenet außgezogen.
Perez, Dietzin
1, 323, 7
(
Frankf.
1626
):
vnd haͤltest
[Student]
viel mehr auff das Liedlein / Thu bescheidt / als vil Studierens Gelegenheit.
Kollnig, Weist. Schriesh.
163, 13
(
rhfrk.
,
1606
):
von den deputirten churfürstlichen herrn räten der bescheid erfolget, daß [...].
Skála, Egerer Urgichtenb.
246, 19
(
nwböhm.
,
1578
):
Wen er außfehrt, Vnd allenthalb bscheidt Weiß, Zu nachts außm hoff gestolen.
Gille u. a., M. Beheim
18, 6
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
des ich nicht west noch het chainen pescheit.
Dietrich. Summaria
21r, 24
(
Nürnb.
1578
):
Aber der Herr gibt jnen ein kurtzen bescheid.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
bescheid, m. ,Respondere poculis‘.
Lemmer, Brant. Narrensch.
83, 94
(
Basel
1494
):
Do man frogt Solon vmb bescheit | Ob er het rechte saͤllikeyt.
Goldammer, Paracelsus
7, 175, 15
(
1530
):
hett gott gewölt, daß jungfrauen besser sollen sein denn die ehefrauen, er hett darinnen bescheid geben.
Maaler (
Zürich
1561
):
Das freundtlich vnd holdsaͤlig noͤten ze trincken oder Bescheid zethůn.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
77
(
Genf
1636
):
Jch hab dir einen bracht / thu (bescheid) J’ai beu à vous, faites moi raison, Propinaui tibi, facito par.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1563
):
haben sie [...] villeicht zuͤvor beschaidt gehebt, mit weme sie darvon ziehen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Wie einer berichtet / so kriegt er bescheid. [...] Bescheid geben / rechenschafft thun / rede vnnd antwort daruon geben / verantworten / vrsach anzeigen / rationem dare.
Beschaid thun im trincken / gleich tun / par facere [...]. Freundtlich noͦthen zu trincken / oder bescheid zu thun [...]. Du hast den willkommen bescheid gethon / amphitetum ebibisti. [...]. Du bringst mir mehr / denn ich bescheid thun kan / plus mihi præbibis, quàm respondere possim. [...] Bescheidbrieff / darin aller bescheid eines dings kurtz begriffen ist.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
München
1586
):
Gabriel der Engel frone, | Wardt gsandt mit disem bscheid, | [...] | Zu Maria.
Ebd. (
Köln
1582
):
lose leut zůschanden muͤssen werden, | Die on bescheid nur vnrecht thůn auff erden.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
52
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
das khainer beÿ dieser Stat [...] seinem negst(en) mit Einigerleÿ getrenkh, Wain od(er) bier (etc.) Zum volsauffen beschaid zuthun. [...] Solchs laster [Trungkenhaidt] in seine(m) haus od(er) wonung nit gestatte, halbs od(er) Vols beschaidt zuthun.
Lohmeyer, K. v. Nostitz ;
Stambaugh, a. a. O.
42, 7
;
Froning, Alsf. Passionssp.
4603
;
5016
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr. ;
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
1600
;
ders., Murner. Geuchmat
4576
;
Lemmer, a. a. O.
62, 22
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Dietz, Wb. Luther ;
Preuss. Wb. (Z)
1, 547
;
Bad. Wb.
1, 155
;
Vgl. ferner s. v.  2.
3.
›Mittel, Trick‹.

Belegblock:

Sachs (
Nürnb.
1563
):
Deß braucht das volck ein andern bscheid, | Und ein stück fleisch mit gifft besprengt.
4.
›Rechtsregelung, Ordnung, Festsetzung, Begrenzung, Festlegung von etw. (Sozialem, Räumlichem); verbindliche Übereinkunft, Abkommen, Vertrag‹; an die einzelnen Nuanzen sind als Metonymie anschließbar: ›Beitrag, Gebühr‹; ›Grenze, Scheide; Bezirk‹;
vgl. (V.) 4.

Belegblock:

Luther, WA (
1540
):
Weltlich herrschafft hat iren kreis und bescheit, in das geistlich regiment sol sichs nicht mengen.
Loesch, Kölner Zunfturk. (
rib.
,
1401
):
Sulch genos haint sij gedoecht ind genoimen weder eide ind bescheit.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
ind uns [...] me besweirden, schedigden ind archwilligden boiven brieve ind segelle ind weder got ind bescheit.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1572
):
Ob uber bescheit und beleit der beue ein bestendige ordnong uffzurichten.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. (
mosfrk.
,
1509
):
auch sal ein iglicher kelner einen bescheit von welden, wingarten, eckeren, wesen, hoeifen, [...] unserm genedichten herrn zu behoerende umb einen paecht aeder renten ein jaer werende doen.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Wil ich dir jetzt den lohn auch geben | Nach vnserm bscheid vnd vorbedingen.
Adrian, Saelden Hort
49, 30, 16
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
Weltlich herrschafft hat iren kreis und bescheit, in das geistlich regiment sol sichs nicht mengen.
Köbler, Ref. Nürnberg
48, 29
(
Nürnb.
1484
):
so sollen dieselben Redner oder Fürsprechen [...] dhein verstentnuß / pact / oder bescheid / mit im haben.
Kottinger, Ruffs Etter Heini (
ohalem.
,
1538
):
gemacht ich han b’scheid, den verstand | mit dem herzogen von Meiland.
Maaler (
Zürich
1561
):
Bescheid [...] Eigentliche abredu͂g. Decretum. Constitutio.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
16. Jh.
):
dieselben sollen mit einander gehen auf rain und pidtmarchen, auf beschaid.
5.
›Bedingung, ausdrückliche Festlegung, Kondition, Bestimmung‹;
vgl. (
die
2,  7.
Bedeutungsverwandte:
(s. v.  5),  3,  3, , .

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Conditio. Condition geding / beding fuͤrwort andingung furbehalt bescheidt.
Luther, WA (
1537
):
das wil gott haben. Aber mit dem bescheidt, das ehr niht daran hange.
Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
und mir begaben uns zu beiden teilen auch darin, doch mit dem bescheide, das man sich aller puncten sulte verglichen.
Küther, UB Frauensee
311, 9
(
thür.
,
1510
):
mit diesem bescheyde, daß sie unß [...] zu zinß reychenn und geben sollenn in unser probstey ein scheffel kornns.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Es hat mit dir ein andern bescheid / weder mit mir / alia est conditio tua, quàm mea. [...]. Weit mit einem andern bescheid.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
28, 27
(
mslow. inseldt.
,
1571
):
Diś alles iśt ihm auf Vorpiett guetter Leüt [...] nachgelaśśen worden, mit dem beśchaid, Wo Er śich in dem Kleinśten Vergroiffen Wirt, śo śol Er [...] śeine śtraff leiden.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
127, 2606
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
123, 31
;
Vgl. ferner s. v. (
die
2.
6.
›Vermächtnis; das jm. Zugewiesene, milde Gabe, Unterhalt, Sold‹;
vgl. (V.) 56.
Wortbildungen:
bescheidküche
(a. 1481),
bescheidstube
(a. 1481), jeweils ›Eßraum des Personals einer Wirtschaft‹.

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
3542
(
rib.
,
1444
):
Sich hie die male ind bedestaff beide | De ich dir geloift hain mit bescheide.
Goedeke u. a., Liederb. (
16. Jh.
):
ein herren wöll wir suchen, | der uns gelt und bscheid sol geben.
Ebd. (
Leipzig
1521
):
dem freiheit
(›Landstreicher‹)
was man geben | Ein sack und stro, was sein bescheit.
7.
›Entscheidung, Urteil, Bescheid einer Rechtsinstanz‹;
zu (V.) 8.
Phraseme
etw
. (auch:
er
)
hat sein(en) bescheid
›etw. ist entschieden, von vorneherein klar‹.
Bedeutungsverwandte:
 5, , , , , .
Syntagmen:
(einen / den) b. begeren / bekommen / empfangen / erwarten / geben / eröfnen / sprechen / verachten / weisen, jm. einen b. tun / vorenthalten
;
b
. (Subj.)
ergehen
;
sich eines b. entschliessen
;
mit dem b. zufrieden sein, jm. mit einem b. begegnen, jn. mit einem b. weisen, um einen b. anhalten
;
billiger / gebürlicher / rechtmässiger b
.

Belegblock:

Luther, WA (
1532
):
Meinen Christen stand lasse ich gehen zwischen Gott und mir, das habe sein bescheid wie ich gegen jm leben sol.
Ebd. (
1530
):
das ich dem Nehesten guts thue, speise undt rathe ihm, dasselbige hat seinen bescheidt.
Dat nuwe Boych (
rib.
,
1396
):
danaf sij eme geyn bescheit doin enweuldeu.
Köbler, Ref. Wormbs
26, 23
(
Worms
1499
):
Des soll der cleger bescheit begern vnd erwarten.
Ders., Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
Deß pfandtschillings halb [...] geben wir disen bescheid.
Goedeke u. a., Liederb. (
Frankf.
1582
):
sie hat ein reuter im herzen lieb, | es hat seinen bescheid, | von im wolt sie nit laßen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
148, 28
(
omd.
,
1554
/
1633
):
Sie [Ambtleuth] [...] reden keiner parth sein wort undt weisen die leuthe mit billigen bescheide.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1671
):
wan er nit bei der stell [...] kein iurisdiction haben und den klagenden burgern mit bescheiden nit begegnen, sonder durch seinen statthalteren das jenige versehen lassen solle.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Bescheid / vrtheil / erkantnuß.
Er hat seinen bescheid / es hilfft nichts mehr [...] transactum est.
Wutzel, Rechtsqu. Eferding
55, 24
(
moobd.
,
1597
):
wann bißweilen vor meinem stattgricht ain bschaidt, verlaß, abschied oder vrtl ergangen.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn ;
Köbler, Ref. Wormbs
130, 10
;
Laufs, Reichskammergo.
108, 14
;
109, 9
;
König-Beyer, Reichenb. Stadtb.
7, 32
;
39, 25
;
Heidegger. Mythoscopia
15, 9
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ; ;
8.
›Auftrag, Aufforderung, Anweisung, Instruktion; Befehl‹;
vgl. (V.) 910.
Phraseme:
scharf von bescheid sein
›heftig fordern‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 2,  1,  2.
Syntagmen:
b. haben
;
b
. (Subj.)
kommen, jm. ein b. werden
;
sich bei jm. eines b. erholen
;
dem b. folgen
;
auf einen b. warten, bis auf einen b. wo bleiben
;
b. des hauptmans
.

Belegblock:

Chron. Köln (
rib.
,
15. Jh.
):
Jn dem selven jair [...] dat korn ein wenich upgeink ind den beckeren zer stont gein bescheit inwart, do woirden de becker eins, dat irre gein broit veil inhatte.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
wollten sy wider zu uns herein zu hulf komen, wiewol sy beschayd hetten zu dem bunt und haufen reyten.
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
vnd erhollet sich bey ihme eines Bescheids / was weiter mit solchem fuͤrzunehmen vnd zuthon seye.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
da solt er bis auf weitern beschaid bleiben.
Piirainen, Stadtr. Sillein
113b, 7
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Nymant sol auch phenning slan andern phennigen gleich sy en haben svͤnderleich beschet.
Küther, UB Frauensee
410, 29
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Bobertag, Schwänke ;
Anderson u. a., Flugschrr.
20, 7, 10
;
9.
›Billigkeit; vernünftiges Ermessen‹;

Belegblock:

Dat nuwe Boych (
rib.
,
1396
):
sij wisten, dat sij die gemeynde da an verschatten vnd verhauen haint weder Recht und bescheit.
dat sy dat grose gelt mit gelympe vnd bescheide wail hedden mougen hehalden.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
so wat uns mit eren ind mit bescheide geboerde.
Thiele, Minner. II,
12, 188
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
wo das nit schlichten kan din fruntlichs schaben, | so macht du mit bescheide | die raspen etwas herter lassen draben.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
1254
;
10063
;
Thiele, a. a. O.
25, 29
.
10.
›Bewandtnis, Befindlichkeit, Zustand‹;

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
227, 5634
(
Magdeb.
1608
):
Das ich jedern insonderheit / | Gruͤndlich abfrag / der sach bescheid.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Ein jeglich ding hat sein bescheidt, | Wenn es geschicht zu rechter zeit.
11.
›Geliebte(r)‹; auch ›Partner (bei Tieren)‹.
Bedeutungsverwandte:
 12, (
das
3.
Syntagmen:
den b. verlieren / warnen, den b. in der kamer haben, den b. im hause finden
;
der mezger und sein b
.

Belegblock:

Maaler (
Zürich
1561
):
Bescheyd / Einsi bůl. Amasius uel amasia.
12.
als Bezeichnung eines Bauwerkes sowie eines Hauses gebraucht.

Belegblock:

Schwäb. Wb. (
17. Jh.
).