rede,
die
;
-Ø/-n
.
– Das Bedeutungsspektrum von
rede
wurde wie folgt überschaubar gemacht: Ausgehend von der allgemeinen Verwendung (1) erfolgt eine Fokussierung auf das aktuelle Sprechen (2), dabei steht die Unterscheidung von
lange
und
parole
im Hintergrund. Mit den Ansätzen 2 bis 6 folgen Gewichtungen auf die Inhaltlichkeit (3) sowie auf verschiedene Formen des Erscheinungsbildes von
rede
(4 und 5); die anschließenden Ansätze 6 bis 10 heben bestimmte Vorkommensformen hervor, und zwar einmal die Redeweise (im Sinne von
elocutio
6), das zum Ausdruck gebrachte Anliegen (7), die Rechenschaftslegung (8), das Gerichts- und Herrschaftsspiel (9; 10); in 11 folgt das Sprechen Gottes. In vielen Belegen ist ein eindeutiger Bezug auf die mündliche Rede kaum möglich.
1.
›Sprache als Ausdrucks- und Kommunikationsmittel des Menschen, Langage‹ (allgemein); im Einzelnen: ›Langage; Fähigkeit zu vernünftiger, sinnstiftender Kommunikation (im Sinne eines Anthropologicums)‹; ›Sprach- und Sprechkompetenz, individuelle physiologische wie kognitive Fähigkeit zu sprechen‹; metonymisch: ›Langue, natürliche, von Menschen gesprochene Einzelsprache‹; als pars pro toto: ›Stimme‹; hintergründig zugleich: ›Denkvermögen, Verstand, Vernunft als Fähigkeiten, die man mit
rede
1 verbunden denkt‹; auch über die verbale Tätigkeit hinausgehend verallgemeinert: ›Gabe, Begabung, Fähigkeit zu etw. (z. B. zur Kunst)‹;
zu
1
 1.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
gesicht und rede
›Seh- und Sprachvermögen‹;
rede und gehörde
›Sprach- und Hörvermögen‹;
von rede und notdurft wegen
›aus vernünftiger Einsicht und Notwendigkeit‹;
nach rede und nach warheit
›nach Vernunft und Wahrheit‹.
Bedeutungsverwandte:
,  2, , , ; vgl.  2.
Syntagmen:
jm. r. geben, got jm. die r. wieder geben, der schmerz jm. die r. nemen
;
die r
. (Subj.)
der dolmetscher der gedanken, der spiegel des herzen, die abbildung menschliches sinnes, der herold des willens, das band der freundschaft sein
;
j. der r. entfallen sein
;
j. mit der r. gebrechlich / mangelhaft sein, zum glauben nicht mit r. kommen, etw. mit r. beweren, ane r. geboren werden
;
die rede des gesteltnisses, der kunst / weisheit, des glaubens
;
die laute / natürliche r
.

Belegblock:

Luther, WA (
1526
):
Es ist kain sprache noch rede, da man nitt jre stymme hoͤre.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Als dich der vater nimet in diz selbe lieht, vernünfticlîche ane ze schouwene [...], als er sich und alliu dinc nâch veterlîcher gewalt in disem worte bekennet, daz selbe wort nâch rede und nâch wârheit, als ich gesprochen hân.
Jostes, Eckhart
40, 26
(
14. Jh.
):
Gelaub ist alzo einvaltig, daz man nicht dar ze chumen mach mit red.
Dubizmay, kurß zu Teutze
9, 17
(
hess.
,
1463
):
Kein rede nach kein sprach | ist da man ir lere nicht | habe vernümen Ir predig | kam auß in In alles erterich.
Sermon Thauleri
4va, 15
(
Leipzig
1498
):
Jch wil euch dyße rede
[zu 3]
beweren mit naturlicher rede.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
an den dingen allen sol man kein versparung haben und ieglichs ain notdurft laden, daz zu dem ernst gehört von red und notdurft wegen.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
8, 44
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Darnach werden wir geporn alle an kunst und an rede, an tugent und an die gab der genaden.
Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1653
):
Rede. Die Rede ist der Dolmetscher der Gedanken / der Spiegel deß Hertzens / die Abbildung menschliches Sinnes / der Herold deß Willens / das Band der Freundschafft.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
151, 21
(
els.
,
1362
):
Der [Peter] het mir die rede vnd gehoͤrde wider geben.
Wickram
4, 16, 2
(
Straßb.
1556
):
darnach ist ir aller verstand und red empfallen / hat weder wortzeichen noch nichts geben mügen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Der schmertz nimpt einem die Red / Weñ einer so grossen schmertzen empfindt das er nit mer reden mag.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
375
(
Genf
1636
):
red / stimm des Menschen.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
10, 4
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
ist dekein ding, in dem nihtes niht anders alzemale enist ane die reden des gesteltnüsses oder der naturen, also es in got ist.
Ebd.
53, 2
:
slüzze man uz, daz daz gotlich ding (un)gesihtig si, so wurde ouch uzgeslozzen die rede dez glouben.
Niewöhner, Teichner
233, 2
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
,der red loz, der recht loz‘, | daz ist auch ein sprich wort.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
293
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Daz got weder czeitleich noch mit wortleicher stymme gesprochen hat, daz liecht daz werde [...]. Wann wër es czeitleich geschehen so wër es wandelbërtig. Auch nicht mit lawter red, wann da was chain czung die man hören [müst].
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
121, 31
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ainem wirt geben die rede der weishait, ainem dew red der chunst, ainem dew derchantnüss der geist.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
den [babst Leo] fingen die Romer und [...] schnittn im die zungen ab; doch was er als sälig und heilig, da im gott sein gesicht und red wider gab.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1624
):
wo man in kaufen, verkaufen [...] mit unvogtpern kinden handln soll, dergleichen mit leuten, die mit rët, gehörn, gesicht und ierer vernunft halben geprëchlich und mangelhaft sint etc.
2.
›Parole, aktualisiertes, sprachliches Handeln im (meist mündlichen) Vollzug, das Sich-Äußern; Gespräch, Unterhaltung‹ (dies im Unterschied zu 4 unabhängig vom Gesprächsgegenstand);
zu
1
 3.
Phraseme:
die ban der rede
›Geprächsfaden‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Syntagmen:
r. mit jm., untereinander haben
;
die r
. (Subj.)
an jn. kommen
›j. das Rederecht erhalten; anfangen zu reden‹;
jm. in seine r. fallen
;
mit r
. ›verbal‹
aushinfallen, mit jm. in / zu r. kommen, jn. mit r. loben, sich mit r. entschuldigen
,
von aller r. schweigen
;
die r. der (weltlichen) menschen
.

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
1, 50, 13
(
md.
,
1348
):
Di sullen si zeichen bî dem eide [...], daz si nicht enlâsen weder durch lieb noch durch leide noch durch [...] miet noch durch red.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ist dir etwenne swærer ein wort ze verswîgenne, dan ob man zemâle swîge von aller rede.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1595
):
sollen bey solchen verpotten die meister [...] sitzen und keiner dem anndern in seine rede fallen.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
morgens vor mitteme tage wolte er mit nieman keine rede haben.
Wickram
4, 32, 30
(
Straßb.
1556
):
darumb er dann taͤglichen hinach gedencken ward / wie er doch mitt dem vater zuͦ red kem / also das [...].
Wyss, Luz. Ostersp.
10848
(
Luzern
1545
):
die in lobttend mit grossem gschrey, | mit red vnnd singen mengerley.
Maaler (
Zürich
1561
):
Nach langem schwygen mit worten Außbraͤchen / das maul aufthuͦn mit der red außhin fallen.
Außschweyffen vnd von der ban seiner red kommen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1533
):
da ist die redt an ain frumen mann, der scheffler zunftmaister, komen; hat er erkenth, daß [...].
Rot
320
(
Augsb.
1571
):
Interpellirn, Vnterreden oder einreden / einschnallen / in die red fallen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wenne man die [jungen läut] strâfet, sô entschuldigent si sich mit red und vlichent.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
33, 31
(
tir.
,
1464
):
Der man der sol nimmer lange gespräch haben oder rëde mit dem weib.
Bauer, Imitatio Haller
80, 3
(
tir.
,
1466
):
Du solt fliehen das gros volkch, [...], wand die handlung vnd red der weltleichen menschen die hindern den menschen gar vast.
Mieder, Lehmann. Flor.
648, 2
;
Schmidt, a. a. O. ;
Sievers, Oxf. Benedictinerr. ;
Rieder, Gottesfr. ; ;
Wickram
4, 12, 26
;
3.
›Proposition, das, was in kürzerer oder längerer Form und in unterschiedlicher textlicher Gestaltung gesagt oder geschrieben, gemeint oder bezweckt ist / wird, Äußerung, Aussage‹ (allgemein; von der Einzelaussage bis hin zur Aussage eines schriftlich ausformulierten Textes, unabhängig von Inhalt und Länge des Geäußerten); in der Gestaltung kann dies in verschiedenen Textsorten in offenem Übergang erfolgen (in Auswahl):
a) ›Behauptung, Bericht, Darstellung eines Ereignisses‹; ›Überlieferung‹; intertextuell sowie textreferenziell: ›Textstelle‹.
b) ›Information, Kunde, Nachricht, Botschaft‹; in Texten religiösen Inhaltes: ›Verkündigung‹; ›frohe Botschaft, Evangelium‹; ›Predigt‹; in juristischen Texten: ›Willensbekundung, Testament‹.
c) ›Erzählung, Geschichte; Dichtung‹.
d) ›Ansprache an ein Publikum, Vortrag, Lobpreisung‹.
e) ›Erklärung, Erläuterung zu e. S.; Definition‹.
f) ›Weisheitsspruch, Sentenz, Lehre, Ratschlag‹.
g) ›Vorstellung, Idee‹.
h) ›Herausforderung, Aufgabe‹.
i) ›Szene, Redeabschnitt‹ (in 1 Beleg).
j) ›Geschwätz, unsinniges Gerede‹ (nicht selten negativ konnotiert).
k) ›Lüge‹ (mit Aussage zum Wahrheitsgehalt); vgl.
1
 56911.
Phraseme:
die vermischte rede
›zweideutige Aussage‹;
rede und tun / werk
;
die rede weder hände noch füsse haben
.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld):  1,  1, ,  234,  17, ,
2
 45,
1
 12, , (
der
1, , , , .
Syntagmen
(in Auswahl):
die / eine r. anschlagen / aufnemen / äussern / beginnen / beschliessen / betrüben / beweren / dichten / enden / hören / merken / sagen / schliessen / setzen / tun / verachten / vergessen / vernemen / verstehen / warnemen / ziehen, in geschrift verfassen, in den wind schlagen, jm. eine r. geben / sagen, eine r
. [wo] (z. B.
in der heiligen schrift
)
finden
;
die r
. (Subj.)
anheben / angehen / ausgehen / beschehen / lauten / flackern (von inbrunst), etw. sagen, schnelle laufen, jn. befalten, jm. freude machen, gut dünken, verdrossen sein, eine art kriegen
;
der r
. (Gen.)
fro / gewar werden, sich der r. schämen
;
der r. glauben, etw. gleichförmig, ein ende sein
;
an die r. gedenken, an den reden die warheit halten, sich an den reden spiegeln, auf js. r. bauen, jn. durch eine r. überwinden, etw. mit r. begreifen / meinen
;
der sin, die grundfeste / verursachung, die umstände der r
.;
die bewerte / getane / glaubliche / gute / harte / heilsame / hohe / kluge / kurze / kurzweilige / lange / merkliche / scharfe / schwere / sinreiche / spitzige / subtile / tröstliche / unnütze / vorgeschriebene / wiederwärtige
(›widersprüchliche‹)
r
.;
die r. Christi, des teufels / vaters, der alten / heiligen väter, der weisheit, des evangelii, von einem geschlecht, zur erbauung, zu dem volk, zu der gemeinde
.
Wortbildungen
redverschlagen
(dazu bdv.:
wiedersprechen
),
redweben
poetisch für: ›sprechen‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Des wil ich rede zien dar in | Die beide an unsen buchen sin
(zu e).
Pfefferl, Weigel. Ges.
15, 13
(
Hamb.
1646
):
man soll solche reden nicht vorstehen nach dem buchstaben von hulzern beumen, sondern der Heilige Geist redet
(vgl. d; f).
Ziesemer, Proph. Cranc Vorr. Jes.
7, 15
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
want alle entwerfunge Cristi [...] hat er so bedutlich gesatzt, daz du wenen magst, nicht daz er von zukumftigen dingen eine prophecie, mer von vorgangenen geschichten red habe gesatzt
(vgl. a; b; c).
Luther, WA (
1518
/
21
):
Diß seyn scharffe rede dem alten Adam, [...], helfft aber nit
(vgl. b; d).
Ebd.
274, 19
:
so der Evangelist sagt aus der rede Marthe: Herr, den du liebest, ist kranck
(vgl. a; b; f).
Ebd. (
1519
/
20
):
Ein scharffe, hohe, subtile rede haben sie (als sie dunckt) wen sie sagen, das person und ampt nit ein ding sein
(vgl. a).
Anderson u. a., Flugschrr.
12, 3, 8
(
Wittenb.
1522
):
das ehr seine widersecher vnd veind / durch heilsame reed vber windtẽ mog
(vgl. b; d; f).
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz ist gar ein swæriu rede, daz wir niht lônes begern sölten
(vgl. f; h).
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
Die gotlosen Ketzer wenden grossen fleiß an / ob sie yrgent in der Heiligen Schrifft / einiche rede fynden moͤchten / die dieser rede gleichfoͤrmig sey
(vgl. a; b).
sol seyn Rede / schlecht vnd recht / wie sie lautet [verstanden werden]
(vgl. b; d).
Ebd. :
das der rechter sinn / diser [...] Sprüch / so jrgendts in der Schrifft gefunden werden / vß Verursachung vnd den Vm̃stenden der redẽ leichtlich zuermircken ist
(vgl. a; b).
Rosenthal. Bedencken
5, 1
(
Köln
1653
):
Zwoͤlff Bedencken von der Red Christi auff dem Berg
(zu d; auch zu 11 stellbar).
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
12
(
mrhein.
,
um 1335
):
Die rede s(al beg)innen, | wie er vz wazer mathe win. | So sal (die) ander rede sin, | wie er von sancte Iohanne, | [...] | gedaufet wart
(zu b; d).
Ebd.
380
:
Ich gleuben der rede nit
(zu a; c).
Dubizmay, kurß zu Teutze
76, 8
(
hess.
,
1463
):
Der seyne wordt sendet in die werlt seyne rede lauffet snelle
(zu b).
Feudel, Evangelistar
2, 26
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
,gegruzit sistu vol genaden [...]‘. Do sy [Maria] dese rede gehorte, do irschrak sy
(zu b).
Ebd.
6, 29
:
Dese rede uz gynk undir den bruderen, daz der junger nicht instirbit
(zu b).
Jahr, H. v. Mügeln
1409
(
omd.
, Hs.
1463
):
kunt ist die gröste rede des, | die minner Aristotiles | in Ethicorum hat geticht
(zu f).
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
12, 2
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
aus ödem kopf ließtu nicht soliche rede
(vgl. e; j).
Ebd.
23, 8
:
Die [Römer] [...] haben das ire kinder gelernet, das sie [...] allerlei züchtige hübscheit treiben solten bei müßiger weil, auf die rede das sie die weil bosheit weren überhaben
(vgl. a; g).
Strauch, Par. anime int.
43, 4
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz ist di gewissiste rede di wir hi habin, daz Got one mittil mûiz bekant werdin
(vgl. f).
v. Tscharner, Md. Marco Polo
64, 34
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
di haldin ire worheit an iren redin vor allin di nun lebin, und hassin di login vor alle ding
(allgemein).
Sermon Thauleri
6ra, 12
(
Leipzig
1498
):
dyße rede vnd diße werck gehoren allein guten vnd volkõmen menschẽ tzu
(vgl. b; f).
Opitz. Poeterey
11, 5
(
Breslau
1624
):
[Der Poet]
[muß] hohe sachen bey sich erdenken koͤnnen / soll anders seine rede eine art kriegen / vnd von der erden empor steigen
(zu c).
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
7, 6b
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
mit dirre rede hat sant pernhart den aitofen der volkvmen minne gemainet
(zu a).
Pyritz, Minneburg
2713
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Der rede wil ich mich hie niht schemen: | Sinen rot den wolt ich nemen | Zu hilff
(zu f).
Keil, Peter v. Ulm
174
(
nobd.
,
1453
/
4
):
[Pibergail-öl] ist gut wider vorgessenheit vnd für die sucht so der mensch ein red begynnet vnd der vergisset
(allgemein).
Voc. Teut.-Lat.
aa vjr
(
Nürnb.
1482
):
Rede von einem geschlechte. genelogia. Rede die da sagt was ein dingk an seyner natur sey. diffinicõ
(zu e).
Ebd.
aa vjv
:
Reduerslahen wiedʼsprechen. conẗdicê.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
156
(
Nürnb.
1517
):
diser bringt auf die ban das wort gots, jener des teufels rede, als do sein: ligen, murmeln
(vgl. f; k).
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Gedenckst nicht an deß Vatters redt, | Die er kurtz vor seim sterben thet
(zu b).
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
do mir dirre mensche dise rede alle geseite, do nam ich vrlop vnd gieng
(vgl. a; b).
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
Dise vorgeschriben rede von Dieterich von Berne schribet Eusebius von Cesarea in sinre kroniken
(zu a).
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 15, 15
(
Hagenau
1534
):
Gott hilfft dem sterckisten. Dise rede ist stracks widder Gott
(vgl. a; f).
Ebd.
2, 12, 15
([
Augsb.
]
1548
):
Auff ains mannes rede und wort ist nicht zu bawen
(allgemein).
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
zweiffele nicht, es werden sich hie viel fromme Seelen an deinen Reden vnd Thun spiegeln, vnd sich vor dir [...] zu hüten wissen
(allgemein).
Warnock, Pred. Paulis
1, 9
(
önalem.
,
1490
/
4
):
nim ich für mich ain red, die da tuͦt der süss lerer Sanctus Augustinus
(zu b; d).
Ebd.
28, 286
:
Das vij, damit der herr sin urstende bewärt hát, ist locucio, red. Won es spricht Lucas: [...].
Maaler (
Zürich
1561
):
Aufzwicken / der einem redenden mit schreyben geuolgen / vnnd sein red in geschrifft verfassen mag
(allgemein).
Die Red hat weder anfang noch end / weder hend noch fuͦß.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
42, 31
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
diser wan ist falsche. Wan ez ist widerwertig der reden des ewangelijs
(vgl. b; f).
Ebd.
133, 32
:
in der heiligen schrift; welche [...] ouch dekein rede hat von irre [der muoter gotis] gebürte
(zu a).
Ebd.
134, 17
:
von der neigung oder von der füetunge der sünden. Von disem so sint mislich rede
(vgl. a; b).
Ebd.
272, 32
:
setzet man „die reden der wisheit“
(zu f).
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Merck aber uf sein smaichen er gyt dem riter weißheit und kluͦghait der wort deren kains in im ist. darüber ist es ain vermischte red die man uff guͦts oder args verston mag
(vgl. a; b).
Bauer, Geiler. Pred.
462, 11
(
Augsb.
1508
):
seine reden flackrent von einbrunst der liebe
(vgl. b; d).
Ebd.
464, 16
:
Saͤlig ist die zung / die da nitt anders. dann von goͤtlichen dingen redweben kan.
Volz, Prophet Daniel E
7, 1
(
Augsb.
1537
):
er schrib den traum / vnd begrif jhn mit kurtzer red
(zu e).
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
VON DER ALTEN VÄTER RED
(vgl. a; b; f).
Spechtler, Mönch v. Salzb.
2, 13
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Red und werch der heilgen väter | ist pei dir bestätt
(vgl. a; b; f).
Ebd.
46, 14
:
durch got tue mir die warhait jehen, | mach mir die red nur pas bechant
(zu b).
Hör, Urk. St. Veit
141, 20
(
moobd.
,
1394
):
[daz wir] dhainerlay ansprach darnach nimermer gehaben noch gewinnen suͤllen mit red noch mit werch.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
272
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
wann die alten philosophi manigerlay vnd widerwaͤrtige red dauon
[von der Seele]
haben geredt
(allg.; a; b; f).
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
63, 4
(
moobd.
,
1473
/
8
):
[Der hof] erfrew̃t sich von dem mär. | Denn nur der künig allaine - | den macht die red gar aller freüden lär
(zu b).
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
hab ich wellen komen auf ein genuͦgsame, ware redt der nachvolgenden histori des landes zwͦ Beyrn
(zu a).
Gropper. a. a. O. ; ; ;
Schützeichel, a. a. O.
1064
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
135, 25
;
Sievers, Oxf. Benedictinerr. ;
Jahr, a. a. O.
1213
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. ;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Joh. ;
v. Ingen, Zesen. Ged.
385, 5
;
Pyritz, a. a. O.
2719
;
3117
;
Langen, Myst. Leben
184, 34
;
Schorer, Sprach-Verd.
25, 24
;
Lauchert, a. a. O. ; ;
Moscherosch. a. a. O. ;
Wyss, Luz. Ostersp.
9698
;
Sappler, H. Kaufringer
1, 53
;
Baumann, Bauernkr. Oberschw. ; ;
Kohler, Ickelsamer. Gram. ;
Pfeiffer, a. a. O. ; ;
Roth, a. a. O. ; ;
Vgl. ferner s. v.  8,  5,  20,
1
 4, .
4.
›öffentliches Gerede, was öffentlich gesprochen wird‹ (allgemein); im Einzelnen: ›sich schnell ausbreitende, überall umlaufende, meist beunruhigende Rede, Gerücht, Äußerung vom Hörensagen mit geringer Glaubwürdigkeit bzw. (noch) ungesichertem Wahrheitsgehalt‹; seltener: ›Kunde, öffentlich bekannt gemachte Nachricht‹; auch: ›allgemeine Meinung, Konsens in der Bevölkerung‹;
vgl.
1
 56.
Phraseme:
mit fliegenden / gemeinen reden
;
etw. gemeiner rede sein
›etw. die allgemeine Auffassung von etw. sein‹.
Bedeutungsverwandte:
 4; vgl. ,  10, , ,  3,
1
 1,  1,  24,  4, .

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1524
):
Man sagt mit fliegenden reden, er soll den Burgermeister Clauß Storm ein schalck [gescholten haben].
Man sagt auch alhie in einer gemeinen rede, das die Altsteter 500 Reuter [...] zu sich einnehmen werden.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
56
(
Köln
1476
):
Her heraldt, vch sy vrij bekant: | Wyr stayn an paes ind kaysers hant, | Dats offenbayr doch all dyess landt! | Wylt vch der reden stillen!
Köbler, Ref. Wormbs
343, 14
(
Worms
1499
):
Es ist auch ein gemeine rede das ein ernstlicher lymuͦt wider einen der eins boͤsen wesens [...].
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Es wart dor noch eyne rede yn dem lande, das marggrave Frederich umbe notlich gescheffte zu stundt muste yn Myssen lant zihn.
Voc. Teut.-Lat.
aa vjv
(
Nürnb.
1482
):
Rede des rums. philobolia.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Ich hab ein redt gehört von fern, | Amulius eur Bruder hab | Den göttern verheissen ein gab.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
es sol nach gemeiner red niemants verpfendt zuͦ recht stan.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
wie das die gmein red diss ganzen lands bezuͦget.
Maaler (
Zürich
1561
):
Das ist yedermanns eynhaͤllige Red / Alle waͤlt ist deß gesinnet.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1398
):
do rede waz, der küng wölt uff uns ziehen.
Hauber, UB Heiligkr. (
schwäb.
,
1489
):
Es sy och ain gemaine red, das uff sant Marien Magdalenen tag der ban uszgang.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Das ist fur ain red zu achten, dann die sach ergangen, wie oblaut [...].
Moscouia
E 37
(
Wien
1557
):
Es was gleichwol die red die Khuͤnigin waͤre schwanger / das etliche nit glauben wolten.
5.
›ehrenrührige Behauptung, Ansprache mit verletzendem oder rufschädigendem Effekt, üble Nachrede, Beleidigung, Hohn, Spott‹; offen zu: ›Verleumdung, falsche Beschuldigung‹;
vgl.
1
 710.
Gewisse Beleghäufung für rechtsbezügliche Texte.
Syntagmen:
j. (eine) r. ausstreuen / erdenken, eine r. mit busse verbessern, jm. eine r. aufsprechen / sagen, eine r. auf jn. sagen / sprechen
;
r
. (Subj.)
geschehen, jn. balmunden, jm. erstehen
;
jn. in r. bringen, mit r. anlangen / besudeln, jn. um r. richten
;
die böse / frevelliche / mutwillige / schändliche / unleidenliche / unverdachte / verfluchte r
.
Wortbildungen:
redstrafe
›Strafe für eine Schmährede‹ (a. 1571).

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
3, 254, 25
(
preuß.
,
1451
):
hat der herr homeister furbrocht, wie veil bosze afterkosunge unnd rede geschegen.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Zwer vnre
e
ynet sine mere? de mid Rede eynen balmuͦndet, So daz se en vnseget von siner Crüstenheit.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
der bischof bewarte sin sloß als ein wise furste unde streit nit, darumb man uf in vil rede sagete.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Hin abe wachsent manch ubel: nit, vergunst, bose rede, achtersprechen, zweiunge, misschellunge.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
daß dergleichen redẽ / bißweilẽ mehr auß leichtfertigkeit / alß mit warheit außgestrewet werdẽ.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
164, 13
(
thür.
,
1474
):
[Concze] habe yr geredt, her wolle sy zcu der ee nemen, unde ap her sy in rede brenge, so habe er so viel, daz er sy wol zcu eren brenge und erneren wolle.
Ebd.
188, 33
:
hat her danne als in eyme zcorne solliche gemeyne rede gesaget: „Welch vorhyet kotczenson bepisset mich hir [...]“.
Ebd.
203, 34
:
das Hentcze Vogel solliche rede unde nachsage nicht uß eygenem bewegkeniß addir eygener erdacht [getan hatte].
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
sulcher frevelicher wort, rede und beruchtung halben, so (er) eurem eeweibe zugemessen hat.
so muß er dieselbig schimpf- und freveliche rede gegen denselben Nickel Zetzsch mit gesaczter puß des rechten nach seiner gepurt verpessern.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica (
schles. inseldt.
,
1451
):
do hot Cristin Tylin mit ir czu worten gehat, alzo wy das Knoflyn hot gesüodelt mit bozer rede dy Cristin.
Stackmann u. a., Frauenlob
7, 24, 5
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
waz bosheit an den valschen lit | an rede, an afterworte craft, | die manigem tun vil dicke grozen schaden.
Voc. Teut.-Lat.
aa vjv
(
Nürnb.
1482
):
Rede ruff gerucht lewmot.
Rennefahrt, Stadtr. Bern (
halem.
,
1413
):
so sol ouch unser vogt [...] richten [...] umbe rede, so ieman dem andren hinderwert oder vorwert zuͦ redde, daz ime an lib und guͦt gienge.
Maaler (
Zürich
1561
):
Schandtlicher vnd vnleydenlicher Reden. Calumniosus.
Bastian u. a., Regensb. UB
37, 32
(
oobd.
,
1353
):
daz ich mich mit unverdahter rede groͤsleich vergessen het gen meinen herren.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
Lieben swester, es dunkcht mich fruͦ, | wir schuͤllen sten ainhalb zuͦ, | das uns icht red ersten | da von, das wir so fruͦ hie gen.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1446
):
[Die Brünner Tuchmacher und Kaufleute haben sich darüber beschwert, dass sie]
bestossen und mit rede angelangt sein warden von der tucher wegen [...], dass dieselbigen tucher an der leng und arbait nicht rechtferticlich derfunden wurden.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
35, 15
(
mslow. inseldt.
,
1605
):
das ihn vmb śolcher muetwillig verfluchter reden willen, damit Er śich an Einer ganzen Statt hoch vergriffen, die Zunge [...] śoll Zu dem Nackhen herauß geriśśen werden.
Toeppen, a. a. O.
3, 513, 18
;
Bastian u. a., a. a. O.
278, 35
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 132
.
6.
›Form und Formulierung des Gesagten, Art und Weise, wie etwas schriftlich wie mündlich ausgedrückt wird, Redestil, Ausdrucksweise‹ (allgemein); im Einzelnen: ›Formulierung nach den Regeln der Grammatik, der Rhetorik, der Poetik, der Aussprache‹; bezogen auf das Sprechen des Redners: ›individuelles Redeverhalten, Redeweise‹; bezogen auf Rede- bzw. Schreibeinheiten: ›Satz, Teilsatz, Phrase‹;
vgl.
1
 3.
Syntagmen:
schöne reden können, die r. aufmutzen / verstehen
;
in lediger r. schreiben, etw. in der r. lauten, von der r. jm. gleich sehen
;
die r. figürlich / tropisch sein
;
jn. in seiner r. loben, sich mit r. priesterlich halten
;
die r. der wörter
;
die abgezogene r
. ›unfreundliche, verleumderische Ausdrucksweise‹,
die angeneigte r
. ›übliche, kooperative Ausdrucksweise‹, ˹
die bedächtige / bescheidene / vorsichtige r
.˺ (die Haltung des Redners kennzeichnend), ˹
die artliche / ausgepuzte / blühende / gefärbte / geschikte / gezierte / gute / hübsche / liebliche / ordenliche / rechte / regulierte / schöne / süsse / wolgesezte / zierliche r
.˺ ›ästhetisch ansprechende, rhetorisch ausgearbeitete Rede‹ (jeweils positiv beurteilt),
die figurierte r
. ›metaphorische Ausdrucksweise‹, ˹
die gebundene / gemessene r
.˺ ›Ausdrucksweise in Versform‹, ˹
die ledige / ungebundene / ungereimte / ungezwungene r
.˺ ›Prosa‹;
die natürliche / poetische r
.,
die deutliche / vernemliche r.
›verständliche Rede‹,
die dunkle r
. ›unverständliche Rede‹, negativ konnotiert:
die barbarische / grobe / schnöde / unliebliche r
.,
die kurze / lange / überflüssige / verborgene / weitläufige r
.;
der lerer der r., die aufmutzung / aussprechung / gestalt / kunst / zierheit der r
.;
wort und r
. ›Redestil‹.
Wortbildungen:
˹
redegabe
,
redekunst
,
redenheit
˺ ›rhetorische Fähigkeit, Begabung‹, ˹
redemeister
,
redlerer
˺ ›Grammatiker, Rhetoriklehrer‹ (dazu bdv.: ),
redeweise
,
redezierer
›herausragender Redner, Orator‹ (dazu bdv.: , , , ),
redselig
›in die Lage versetzt, rhetorisch gekonnt, im Beleg: in Zungen, prophetisch, zu sprechen‹,
redseligkeit
›Wohlredenheit, Beredsamkeit‹ (dazu bdv.: , ; vgl. , , ).

Belegblock:

Schöpper Vorr. a (
Dortm.
1550
):
nachdem ein reguliertte vnnd wolgesetzte Rede oder Schrifft viel mehr guts vnnd frummens schafft / auch krefftiger den zuͦhoͤrer oder Leser bewegt.
Luther, WA (
1521
):
szo mag yhe niemand ein tunckel rede durch ein mehr tunckel rede beweissen.
Ebd.
675, 28
(
1520
/
1
):
das ich dyr hoch vorstendigen ynn der grammatica, logica, philosophia und rechten gemeß rede, mach mir nit auß eyner proposition de inesse modalem de necesse, du scharffer logicus.
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
obe gleich die Jünger des Herren / so grob gewesen weren / des sie die figurierte rede nit hetten verstehen moͤgen.
Were nuͦ des Herren / rede Figurlich oder Tropisch gewesen / so wurde die erzellung der worter des Herren nit so gar gleich bei jn allen befondē.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1583
):
Do das fewrig Liecht schine, bald | Bracht es den Juͤngern new gestalt: Auff das die Juͤngern redselig | Wuͤrden.
Voc. inc. teut.
o viijr
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Lerer der red vnd schreibũg Gramaticʼ.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Doch trug er [junger Gsell] sonderlichen gunst | Zur Rhetorick und redenheit, | Wie man mit Kunst vnd gschickligkeit | Mit worten soll ein sach außfuͤhren.
Knape, Messerschmidt. Bris.
2, 47
(
Frankf./M.
1559
):
seins Sons Brissoneti bescheidnẽ rede / die er also bedacht / vnd bittlich an sie beyde [gethan het].
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
18, 16
(
Frankf./M.
1626
):
Ob es auch wol in Teutscher vngebunder Rede vbel lautet / wann man ein Wort so nur rein zufellig / hinder das Wort so ein selbstaͤndig ding andeutet / setzen thut / jedoch finden wir es eben nicht so gantz vngereymbt / so man sich in der gebundenen Rede oder Poësie der versetzung solcher Woͤrter maͤchtiget.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
26, 7
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Grammatica, gruntfeste aller guten reden, enhilfet da nicht mit iren scharpfen und fein gegerbten worten; Rhetorica [...] hilfet da nicht mit iren blüenden und wol geferbten reden.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
eyn erlauchtir fromer furste, yn den streiten menlich [...], ynn den reden vorsichtigk.
Opitz. Poeterey
30, 24
(
Breslau
1624
):
Dieses sey nun von der allgemeinen zuegehoͤr der Poetischen rede.
Voc. Teut.-Lat.
aa vjr
(
Nürnb.
1482
):
Redetzierer odʼ wolreder. rethor [...] hofflicher reder wolsprecher [...] oder redhafftiger.
Serranus (
Nürnb.
1552
):
Redekunst. Ars dicendi, eloquutionis.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1618
):
Der Schwager thut sein red auffmutzen, | Die ich gleich wol nicht straffen kan.
Nun hab ich [...] | Kein Menschen gsehen, der von art, | [...] | Von sitten, wercken, wort und red | Eim andern so gleich gsehen hett.
Grundmann u. a., A. v. Roes
203, 23
(
alem.
,
15. Jh.
):
die subtilikeyt und reddegobe der Walhen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
504, 8
(
els.
,
1362
):
Hie noch koment su mit einander in das barlatorium oder in das spreche hus. Do sprach der tufel: ,Dis ist gar min hus, wenne die bruͦder dienent mir hie uil dicke mit uppigen reden vnd boͤsen worten‘.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
die Red oder außsprechung der woͤrter.
rechte außSprechung. Orthopœa. vngeschickte außSprechung der rede.
Warnock, Pred. Paulis
4, 50
(
önalem.
,
1490
/
4
):
wirt sy [hailig jungfrow Katherina] úns gelopt in ir süssen réd und wolgesprechlichait.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Doch zeme es vil bas ainem man | Der wol schoͤne rede kan, | Baidú wort und wise | Mit alles lobes prise, | Der sich des an næme | Als wol in baiden zæme.
Bremer, Voc. opt.
39036
(
ohalem.
1. H. 15. Jh.
):
Gramaticus der leret ordenlich reden [...] redlerer.
Bächtold, N. Manuel. Zugabe N. Manuel
354, 2022
(
Zürich
1548
):
Ein lange red die macht verdrossen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Außgebutzte Red. [...]. Vnzwungne Red / die nit inn reymen gezwungen oder gestelt ist. Prosa. [...]. Die gestalt der Red. Phrasis, Dictio, Stylus, Character. [...]. Suͤsse herrliche Redenheit.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
dieweil der Ir Majestat sonderlichen in seinen reden und handlungen angnem.
Heydn. maister
23r, 6
(
Augsb.
1490
):
der aller erst beÿ dẽ kriechen der mit lediger red hat geschriben / Jst gewesen Eretides.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 161, 11
([
Augsb.
]
1548
):
Wer ain trew hertz und liebliche rede hat / des freünd ist der Künig.
Rot
287
(
Augsb.
1571
):
Ænigma, Ein raht spruch / Raͤterisch / verborgne red.
Ebd.
308
:
Eloquens, Wolberedt / wol geuͤbt inn zierlichem reden. Eloquentz, Die selb zierligkeit im Reden / wolgesprechheit / Redseligkeit / kunst des wolredens.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Die erst virgel allso stende / bedeüt underschaid ainer red oder oratz.
Memminger Chron. Beschr. (
Ulm
1660
):
in prosa, das ist / Redweise / oder in vngebundener Rede.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
dâ von wænent manig gramatici, daz sint der rede maister, daz ibis ain storch haiz.
auz der selben geschrift macht man gemezzen rede, die wir vers haizen.
mag man niht gesprechen mit abgezogner red [...]. aber man spricht wol mit angenaigter red: der vater ist der sun und der sun ist der hailig gaist.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
,Dialectica‘ ist die dritt und lest kunst, so auch wort und red antrift; unser hohen schuel haissens ,logica‘.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
70, 22
(
mslow. inseldt.
,
1602
):
Anno 1602, Ortnet [...] fraw Catharina SPiglerin [...] bej guter vernunfft mit vornemlicher teutlicher rete, ihren letzten willen.
Schmitt, Ordo rerum
144, 26
;
30
;
Dünnhaupt, a. a. O.
5, 13
;
v. Ingen, Zesen. Ged.
385, 21
;
Voc. inc. teut.
o iijv
;
Vgl. ferner s. v.  1,  2, , , , (
der/das
1,  2.
7.
›Anliegen, Angelegenheit; Begehr‹; in offenem Übergang zwischen Textreferenz und Sachreferenz anschließbar an 3;
vgl.
1
 6.
Bedeutungsverwandte:
(
die
678; vgl. ,  1.

Belegblock:

Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
858
(
mrhein.
,
um 1335
):
Dine rede get vns nit an.
Pyritz, Minneburg
5098
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
swyg, min lip, der rede vıͤr, | Wann ich der rede dir ser vergan!
Bührer, Kl. Renner
270
(
nobd.
, Hs.
um 1480
):
Komet vor gericht ein arm man, | Der sein rede nicht wol / derczelen kan, | [...] Sein sach wirtt Im vmb gekartt.
Bell, G. Hager
234, 1, 5
(
nobd.
,
1601
):
Do / lis der kinig für in kumen | Gar balt die dreÿ jüngeling sein | vnd sprach zu jnen fein: | thüt mundlich Ewer ret für bringen.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
wir kvment also fere vnd also hohe in die rede, daz hie vnser lieber brvͦder noch nv́t wol verston mag.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Es war in der gantzen Statt keine ander Gespräch, im gantzen Lande kein ander rede als von dieser Frawen Trewe.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
49, 22
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Aber von rede der materien so ist daz des ersten, daz des ersten ist in der verwandelunge der materien.
8.
›Verantwortung, Rechenschaft‹; textbezogen: ›Rechenschaftsbericht, Gutachten‹; auch: ›Rechnung‹; hier anschließbar: ›Berechtigung, Begründung‹;
vgl.
1
 56.
Phraseme:
jm. rede und antwort geben
›jm. kritisch informierend Rechenschaft über etw. ablegen, etw. begründen‹.
Bedeutungsverwandte:
 5,  4.
Syntagmen:
˹
jm. r. geben, vor jm. r. ergeben
˺ ›jm. Rechenschaft ablegen, sich vor jm. für seine Taten verantworten‹,
jn. zu(r) r. setzen / stellen
›jn. juristisch befragen; jn. zur Rechenschaft ziehen‹;
etw
. (Subj.)
in reden bestehen
›kritischer Nachfrage standhalten‹.
Wortbildungen:
redgeber
›Rechnungsführer‹.

Belegblock:

v. Bunge, Livl. UB
4, 664, 9
(
nrddt.
,
1409
):
do wart im iser gesat Claus Vroline in des hengers hus met gewalt, sunder rede und recht.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
538, 997
(
Magdeb.
1608
):
Wenn man sie daruͤmb setzt zur red / | Sagt sie / das sies vorsichtig thet.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
mer als ich mirkte, dat int gemein alzo vil historien sin, [...], hain ich min meinunge geschreven as mich dunket dat in reden bestain moege.
so wurden die zwene kruppel vurß beidesamen van beveil eins raids gegreifen ind zo reden gestalt.
Köbler, Ref. Franckenfort
83, 9
(
Mainz
1509
):
sol auch ein executor [...] by der gerichts thore steen oder sitzen / vnd eym yeden rede vnd antwort geben [...] wie vil ein yeder darumb geben will.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
sie sal ummer vor denken daz sie aller irre urtdeile gode rede geben sal.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
6, 18
(
Frankf./M.
1626
):
hat er den Patriarchen zu Jerusalem deßwegen / warumb er solche vnnd dergelichen Entheyligungen [...] von den Heyden gesehen vñ fuͤrgehen liessen / zur rede gesetzt.
Strauch, Par. anime int.
8, 7
(
thür.
,
14. Jh.
):
,der son ist uns gegebin zu einem vorsprechin‘ [...], der sal wisliche rede gebin for alle unse torheit.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
daz ein iclich muͦzic wort daz di luͤte werden sprechin, muͦzen si rede
[
Luther
1545:
rechenschafft
]
wider gebin von ime in dem tage des gerichtes.
Palm, Veter Buoch (
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
We mir! wie mac ich gestan vor gotes gerichte! wie sol ich rede ergeben vor im miner werke!
Voc. Teut.-Lat.
aa vjv
(
Nürnb.
1482
):
Redgeber. racionator.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Ich hab jhn heut frü gsetzt zu red, | Er mir aber kain wort nicht gsteht.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
der do wolt setzen rechnung mit seinen knechten. Vnd do er begund zesetzen die rede:
[
Luther
1545, Mt. 18, 24:
anfieng zu rechnen
]
do wart im ein er bracht er solt im
.
x
.
M pfunt.
Anderson u. a., Flugschrr.
4, 9, 28
([
Straßb.
]
1524
):
die weyl sie [die Geistlichen] die geschrifft nit leyden / auch auß der selbigen / weder red noch antwort geben / als sie zuͦthuͦn pflichtig.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
ein Rede oder rechnung.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1539
):
Waͤr aber eins abgstorbnen mennschen verlassenn gut erbt, [...], der soll alsbald allenn gelten, [...] vmb ir vorderung vnnd ansprachen red vnd anntwurtt geben vnnd sy zeuernüegen vnnd zubezalen schuldig sin.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
man scholt ainz vor ze red setzen, unz man die wârhait bevindet.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1310
/
2
):
swaz daz leihter ist denne daz weizze salz, daz sol er im pessern, nach zwaier saltzsenter rede und zwaier gesworner mezzer rede.
Ebd. (
1400
):
sol unser vorgenanter münssmaister von uns [...] allzeit ân alle ansprach, red und arkchwan beleiben.
Wyss, Limb. Chron. ;
Köbler, Ref. Wormbs
134, 8
;
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. ;
Feudel, Evangelistar
18, 2
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
67v, 21
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
55, 5
;
259, 14
;
Kurrelmeyer, a. a. O. ;
Wickram
4, 13, 17
;
Bachmann, Morgant ;
Rieder, St. Georg. Pred. ;
Winter, Nöst. Weist. ;
9.
›interaktionale Aushandlungsrede, oft als Teilhandlung eines komplexeren kommunikativen Prozesses‹, z. B. zur Klärung von Fragen, Erstellung von Verträgen, zur Konfliktlösung oder innerhalb der Rechtsfindung (allgemein); die Bandbreite der Aushandlungsrede reicht von der Einzelaussage bis hin zur Gesamtgrammatik des Gerichtsspiels; im Einzelnen (in der Regel nur aus dem Kontext spezifizierbar): ›Diskussion‹; ›einzelnes Argument in der Diskussion‹; ›verbale Auseinandersetzung, Streit‹; ›Verhandlung durch eine Obrigkeit, Gerichtsverhandlung‹; verschiedene Redeformen in der Grammatik des Gerichtsspiels: ›Aussage (vor Gericht)‹; ›Beweisführung‹; ›Anschuldigung, Anklage‹; ›Verteidigungsrede‹; ›Widerrede, verbaler Widerstand‹; resultativ: ›getroffene Vereinbarung, (auch mit Eid) eingegangene Verpflichtung, mündliche Absprache, ausgehandelter, schriftlich niedergelegter Vertrag, Testament‹; ›Urteil‹; ›erzielter Vergleich‹;
vgl.
1
 8912.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte sowie berichtende Texte.
Phraseme:
sonder rede
›zweifellos‹;
gütliche rede
›Vergleich‹;
ane rede und recht
›ohne Gerichtsverhandlung und rechtmäßiges Urteil‹;
rede und wiederrede
›kommunikative Auseinandersetzung der Konflikt- bzw. Prozessparteien mit Rede und Gegenrede, zur Meinungsbildung bzw. Urteilsfindung‹; ˹
jm. rede tun, für jn. rede tun
˺ ›für jn. als Fürsprecher wirken‹;
eine rede um etw. umgehen lassen
›eine Umfrage zur Meinungsbildung vornehmen‹;
jn. mit guter / gütlicher rede überwinden / vertrecken
›jn. mit guten Argumenten überzeugen‹.
Bedeutungsverwandte:
 5,  2,  5; vgl.  13, .
Syntagmen:
die eine r. anhören / halten / verhandeln / verhören / versiegeln, sein lassen, (jm.) tun, schriftlich und mündlich annemen, gegen einander haben
;
die r
. (Subj.)
sich verlaufen, enzwei sein
;
der r. fro werden, sich einer r. verloben
;
sich in r. einer sache verhalten, j. mit r. heftig gegen jn. sein, jn. mit r. verhören, j. um eine r. wissen, recht fragen, um die r. ledig sein, von einer r. ledig werden, j. e. S. zu rede werden
;
die bescheidene / lange / ungefärliche rede
;
die verneuerung der rede
.
Wortbildungen:
redeampt
›Sprecheramt innerhalb einer Institution (in beiden Belegen innerhalb der Ratsversammlung der Stadt München)‹,
rednis
1 ›Rechtsforderung, Anklage‹; 2 ›Eid‹ (a. 1473; dazu bdv.: ).

Belegblock:

Altmann, Wind. Denkw. (
wmd.
,
um 1440
):
do wurden vor den fursten des riches zwenne tag geleist und do verliefent sich vil rede, und zülest wat es gemacht also, das [...].
Dat nuwe Boych (
rib.
,
1396
):
dit wart yu eyns vnd anderwerf allet vertreckt mit gutlichen reden.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
want van Balkenburch min here Dederich, | ein kone man wail lovelich, | heilt so lange sonder rede, | dat hei engein helpe endede.
Karnein, Salm. u. Morolf
767, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Kunig Princian wart der rede fro. | die rede versigelten sie beide do, | und des wurdent die cristen | zu gisel.
Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
Kumpt eyner adir czwene vor eynen siczenden rat, unde vorloben sich eynes gelobdes adir eyner rede vor yn, ist das denselbin ratmannen so wissentlich, das [...].
Küther, UB Frauensee
224, 41
(
thür.
,
1447
):
Daz alle vorgeschrebin rede und artikel disses brives stete und gancz gehaldin werde.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
184, 11
(
thür.
,
1474
):
Als ir uns in langen reden ergangene sache vorgehalden unde darunder umbe recht gefraget hat, eynen vorlornen kelch [belangende].
Ebd.
304, 13
:
Hat Nigkel Margraffe [...] vor gerichte [...] eyne ungeverliche, bescheydene rede getan [...], daz [...].
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
,
1325
):
Gewinnen aber si erben mit einander, so ist die rede inzwei.
der rouber mac umme di rede nicht ledic gesin zu rechte.
he blibet ein schone man zu rechte darumme, daz si an rede unde ane recht gesuchet haben unde mit gewalt in sime huse zu unrechte.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
Da hatten die part und die vom tale fast rede gegen einander gehabt.
so wir nun mit einander zusammen mit eiden verstrickt [...] sein, des wir denn alle jahr in verneurungk der rede zusammen kommen.
Palm, Veter Buoch (
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Do gienc er wider heym vnd vber want den siechen mit guter rede.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
warn heftig gegen ein ander mit red und widerred, mit clag und antwort.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1463
):
daz wir da die benanten beide partien [...] in clage, antwurt, rede und widerrede eigentlich verhört hand.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1407
):
Weler aber mit ime gieng, fuͥr in bëtte, oder wer der selben person rede tëte, dar nach so si vmb daz gebott gevertigot wirt, die soͤllent in glicher buͦsse [geuallen].
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1582
):
[daß]
ein Tütscher seckelmeister dem schultheißen (als clegern), und der venner, [...], dem verantwurteren die red thuͦn söllend.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1382
):
[chomen gen Augspurg] von des punds wegen und verhorten red gen red von der grozzen zwaiung und stözz wegen.
Ebd. (
1490
):
[unnser fründ von Kauffburen] die mitsampt hern Egloffen von Riethain [...] under den sachen guͦtlich red gehallten haben.
Ebd. (
1536
):
zuletzt ward ain zunft darumb gehalten, und ließ der zunftmaister ain red darumb under ainer zunft umbgon.
Vock, Urk. Hochst. Augsb.
335, 10
(
schwäb.
,
1408
):
(red und täding vor uns getan): Jobs von Reichen, Gabriel Ridler.
Sappler, H. Kaufringer
4, 424
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
was sich da verhandelt hett | baide werk und auch red, | das kam ze ganzer fraintschaft.
Heydn. maister
10r, 1
(
Augsb.
1490
):
[als er] sterblich am todbet lag in gegẽwertikeit seiner freünd dye vnder in selbs rede hielten vnnd disputierten erhub er sein schwaches haupt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Daran der kayser eyn gevallen hett und wardt der sach weytter zw redt mit dem bischolff, das er das pistumb nach seinem willen ubergab.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1310
):
Es mag auch ein igleich redner, swenne er sein zeit gaeintzleichen aus geredt hat, das redampt wol auf geben einem andern von dem rat.
Auer, Stadtr. München Anh. (
moobd.
,
n. 1347
):
Swem der redner daz redampt enpfilhet, der sol daz nemen und reden sein zeit.
Swer porg wirt, der mag nicht ledig wern [...] und mag sült von chainer red nicht ledig werden.
UB ob der Enns (
moobd.
,
1376
):
der vorverschriben red vnd tayding ze V̈rchuͦnd gib ich egenannter Jörig [...].
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
ob aber sach wär das ain lediger zu dem andern etwas ain rednuß hiet.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
95, 16
(
mslow. inseldt.
,
1611
):
alß ein Erwürdigen Richter vnd Rath beider Part red vnnd antwort angehört, hatt er für Recht erkant.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
104
;
Ermisch, a. a. O. ;
Boos, UB Aarau ;
Rennefahrt, Statut. Saanen ;
Bernoulli, Basler Chron. ;
Köbler, Stattr. Fryburg ;
Warnock, Pred. Paulis
10, 9
;
Merz, Urk. Lenzb.
74, 41
;
Dirr, a. a. O. ;
10.
›Befehl, Anweisung, Gebot, Gesetz‹;
vgl.
1
 11.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1; vgl.  2.

Belegblock:

Luther, WA (
1519
/
20
):
Es mug ein priester nymmer mehr anders den priester odder ein ley werden: das sein alles menschen ertichte rede und gesetz
(auch zu 3 stellbar).
Feudel, Evangelistar
4, 28
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
In der czit gynk eyn rede uz von dem keisere Augusto daz man alle dy werlt beschrebe.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
55, 274
(
tir.
,
1466
):
Der mich da lieb hat, der ist halten mein rëde.
Ebd.
57, 308
:
Aber der mensch, der die lieb gottes nicht hat vnd der da nicht halten ist sein rede, der ist nicht sein.
Ebd.
59, 335
;
65, 429
.
11.
›Sprechen Gottes als seine Seins- und Wesensqualität, als Wirken Gottes; Sprechen Gottes als Äußerung dieser Qualität gegenüber dem Menschen‹ (allgemein); damit: ›Verkündigung, Verheißung‹; auch: ›Sprechen des von Gott erleuchteten Menschen‹;
vgl.
1
 1314.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 1, .
Syntagmen:
etw
. (Subj.)
die r. gottes sein
;
die r
. (Subj.)
die person des vaters setzen
;
j. der r. (des herren) gedenken, der r. eine beweisung / ein bild in etw. haben
;
über / sonder r. in die stilheit der gotheit verschmolzen sein
;
die r. gottes, des herren, der väterlichkeit
;
die almächtige / eigenste / formliche / götliche / inwendige / süsse / wesenliche r
.;
die betrachtung / gedächtnis / tröstung der r
.
Wortbildungen:
redwesen
als ›Seinsform Gottes‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
sprach unser herre in dem wîssagen Isaias [...]. Dirre rede und dér wârheit hân wir ein offenlich bilde und bewîsunge in der natûre.
Jostes, Eckhart
85, 25
(
14. Jh.
):
Dor um so setz ich ein lidlich aufquellung und nennen wir die ersten red wesen; wan di eygenst red und di erst noch formlicher setzung ist wesen in der gotheit, wesen noch wesenlicher reden.
Ebd.
30
:
In der anderen reden: wann die gotheit in ir selber ein vernúftig wesen ist, dor um auztreit sich gotlich wesen der gotheit in anderheit der reden, anders si sein niht ein andert; wan dis underscheid sein redlich, niht dinkleich. [...]. Nu ist frag, waz sei person dez vaters. Do antwurt man und spricht: daz ist daz wesen in der gotheit, niht noch weslicher reden, aber noch reden der veterlikeit, die ist ein formlich red, die da setzet formlich die person dez vaters.
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
Der Herr antwortet den Jüden [...]. Dieser rede gedencken Mattheus vnnd Marcus in des Herren Passion.
Sermon Thauleri
3v, 14
(
Leipzig
1498
):
herre do kam deine almechtige rede von den koniglichẽ stulen. das was das ewig wort võ dem veterlichen hertzen.
Eichler, Ruusbr. obd. Brul.
3, 129
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
so hat sv́ got angesehen vnd bekant in im selben mit vnderscheide in lebender rede vnd in einre anderheit sin selbes, doch nv́t ein anderheit in aller wis: wan alles, daz in gotte ist, daz ist got.
Ebd.
750
:
Dis besitzen ist ein einvaltig abgrv́ndig smag alles guͦtes vnd ewiges lebens. Vnd in diseme smag sin wir versmoltzen v́ber rede vnd sunder rede in die tieffen stilheit der gotheit.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
83, 196
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
doch die [wunderleichew ding] nicht sint vͦbernatuͤrleich, nach pesunder offenparung gots, nach inwendig red gots zü dem menschleichem gemuͤt.
Ebd.
93, 31
:
wann wir vͤble ding [...] gedencken [...], so ist es vnser gedancken; aber sint sy guͤt, so ist es die rede gots.
Ders., H. v. Langenstein. Quästio
209, 64
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Dye nëwnt hilff ist wetrachtung vnd gedëchtnüzz götleicher red.
Bauer, Imitatio Haller
43, 15
(
tir.
,
1466
):
da hat er [Jesus Kchristus] ain wolgeuallen mit dem inwendigen menschen vnd ist den stetikchleichen pesuechen mit der trostung der suessen rëde.
Jostes, a. a. O.
85, 12
;
88
;
12
;
19
;
Vetter, Pred. Taulers ;
Warnock, Pred. Paulis
4, 35
.
12.
›Anrede, Namensnennung‹;
zu
1
 9.

Belegblock:

Luther, WA (
1518
/
9
):
Nu ist kein name under allen namen, der mehr geschickt mache uns gegen goth dan ,vater‘, das ist ein gar fruntlich, susse, tieffe und hertzlich rede.