begaben,
V.
1.
›jn. mit etw. (Bezugsgrößen sehr unterschiedlicher Art, z. B. materiellem Gut, Würden, Zuneigung) beschenken; jn. mit etw. begaben, versehen, ausstatten; (einer Einrichtung) etw. vermachen, stiften; jn. mit etw. belehnen; jm. etw. (z. B. ein Amt) verleihen; etw. geben‹; offen zu 2; 3; 4; 5; 6.
Bedeutungsverwandte:
 2,  14,
1
 1, , , , ; vgl. .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
ein kind b., almosen, eine pfründe b
. (›stiften‹),
jn. mit dem adel, mit einem ampt, mit dem bischofshut / himmelreich, mit einem bettegenossen / weibe, mit eren / fleisch / gabe / gelt / gnade / gold / gütern / land / leuten / lehen / liebe / reichheit / tugend / verstand b., jn. mit streichen b
. (›traktieren‹),
die engel mit sälde b., jn. /
[eine Instanz, z. B.
den altar, die kirche
]
reichlich / herlich / gröslich, mit zins / gute / einkommen b., got jn. b
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 446, 8
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ob dich got næme von innerlîcher armuot und begâbete dich mit rîcheit innerlîche.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch 
2074
(
rib.
,
1444
):
Off ich mit eyncher sunderlinger gaven | Myne officiale begaeven.
Chron. Köln
2, 442, 20
(
Köln
1499
):
also quam he widder zo Coellen und besserde dat monster […] und begaefde dat richlichen.
Froning, Alsf. Passionssp.
599
(
ohess.
,
1501 ff.
):
das hymmelrich wirt he unß geloben | und alle syn frunde damidde begoiben!
Strauch, Par. anime int.
134, 11
(
thür.
,
14. Jh.
):
hat he uns begabit manicvaldicliche mit disin uzerin gabin.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
223, 6
(
thür.
,
1474
):
Eyne igliche stad, dye von eyme fursten met gute begabit addir belenet werdet.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann 
9, 15
 (Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Welichen armen man hette er balde so reichlich wol begabet? Man rede was man welle: wen got mit einem reinen, züchtigen, schönen weibe begabet, die gabe heißet und ist ein gabe vor aller irdischer auswendiger gabe!
Luther. Hl. Schrifft. Tob.
1, 16
(
Wittenb.
1545
):
[er] hatte bey sich zehen Pfund silbers / damit jn der König begabt hatte.
Ebd. Sir.
15, 6
:
Sie [Weisheit] wird jn krönen mit freuden vnd wonne / vnd mit ewigem namen begaben.
Chron. Nürnb.
2,
 340, 17 (
nobd.
,
1449
/
50
):
man claidet sie alle in einerlei cleidung […] und begabet die haubtleut auch mit gelt.
Gille u. a., M. Beheim
71, 229
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Darnach wurden im virden | die guten engel manigvelt | pegabt mit ymer wernder seld.
Ebd.
327, 484
:
mit kunglicher gabe | er mich pegǎben waz.
Mayer, Folz. Meisterl. 
95, 27
(o. O. o. J.):
Erst sye mit streichen yn begapt, | Das ym all sein leichnam erplapt.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
448, 25
(
els.
,
1362
):
wart die frowe glǒbig vnd gap iren palast zů einre kirchen vnd begobete sú mit grosseme richtůme.
Roloff, Brant. Tsp. 
1136
(
Straßb.
1554
):
Ich weiß wol das Gott nit würt lassen | Der das kind begabt hatt über all massen.
Geier, Stadtr. Überl. 
503, 25
(
nalem.
,
1559
):
soll auch weder breütigam oder hochzeiterin […] den andern […] mit ainicher schenkin […] von der hochzeit wegen nit begaben, noch vereeren.
Boos, UB Aarau 
303, 39
(
halem.
,
1466
):
der fromm […] Jecki Steͣger […] zu einem ewigen almůsen setzen, ordnen, stifften und ouch begaben wil ein capplan pfrunde.
Lauater. Gespaͤnste
27r, 21
 (
Zürich
1578
):
Bracht jm ouch ein gleßlin voll bluͤts jres suns / damit sy jn vnnd das Closter begabete.
Sappler, H. Kaufringer
11, 96
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
got hat mich damit begabt, | das si [zäne] sind stark.
Fischer, Eunuchus d. Terenz 
69, 25
(
Ulm
1486
):
Da liessen sie den has und begabten ainer den andern.
Karnein, de amore dt. 
126, 416
(
moobd.
,
v. 1440
):
von deiner gebet willen wil ich sy begaben, daz sy reyten sol ain vaist […] pfärd.
Turmair
1,
 202, 2 (
moobd.
,
1529
):
Die haidnischen kaiser haben solchs gelitten, haben die poeten darumb höchlich begabt.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
121, 45
(
m/soobd.
,
1618
/
81
):
dass sie das beste fleisch in ihren haussern nicht verkochen sollen und die andern leit mit schlechten fleisch begaben.
Quint, Eckharts Trakt.
58, 9
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
94, 6
;
Kurz, Waldis. Esopus. Leben
270
;
Jungbluth, a. a. O. 
27, 24
;
Luther, WA
41, 678, 40
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 291, 21
;
2, 420, 4
;
Chron. Nürnb.
4, 295, 15
;
Gille u. a., a. a. O.
80, 150
;
Mayer, a. a. O. 
5, 65
;
Sachs
14, 85, 20
;
v. Birken. Erzh. Österreich
84, 34
;
Williams u. a., a. a. O.
477, 29
;
512, 26
;
555, 26
;
628, 7
;
Chron. Strassb.
 414, 19
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
162, 18
;
163, 16
;
Boos, a. a. O. 
309, 44
;
Adomatis u. a., J. Murer. J. Man. Spieg.
1395
;
Heidegger. Mythoscopia 
28, 10
;
hail. altvaͤter
 77r, 5
;
Sappler, a. a. O.
13, 502
;
27, 43
;
Klein, Oswald
118, 21
;
Gereke, Seifrits Alex.
2193
;
2287
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. 
179, 39
;
Rintelen, B. Walther 
151, 10
;
Turmair
1, 154, 2
;
4, 608, 28
;
Wackernell, Adt. Passionssp. St. I, 
339
Var.;
694
;
Voc. inc. teut. c ijv; s iiijr;
Maaler
53r
;
Henisch
 241
;
Dietz, Wb. Luther
1, 226
/7;
Rwb
1, 1403
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 462/3;
Schweiz. Id.
2, 58
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 502
.
Vgl. ferner s. v.
1
 2,  1,
1
 14,  3.
2.
›jn. für einen geleisteten oder geforderten Dienst belohnen; jn. bezahlen, entgelten; jm. für eine Verhaltensweise den angemessenen Lohn zukommen lassen‹; in einem Beleg: ›jn. bestechen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, .
Syntagmen:
jn. mit gelt / ablas b., jn. übel / wol / herlich / reichlich b., jn. von seines dienstes / verlustes wegen b., jn. begaben, das […]
;
jm. nach seinen werken b
.

Belegblock:

Neumann, Rothe. Keuschh. 
3106
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wer sine kuscheid had gelobed, | der wirt gar ubel danne begabet | das her sich zu den mannen menget.
Ebd.
5421
:
wen god priset, der ist gelobet | unnd wirt selber van ym begobet.
Thür. Chron.
23r, 12
(
Mühlh.
1599
):
Koͤnig Dietterich […] daß er jnen Außkundtschaffte / vnd vmb / oder zu jhm brechte / so wolte er jnen Reichlichen begaben.
Gille u. a., M. Beheim 
79, 275
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
So wirt er doch iglichem der | da gute werk wurket […] | […] | Nach seinen werken ewigcleich | pegaben in dem himelreich.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
750, 16
(
els.
,
1362
):
Jn disen ziten was ein groue, der begobte uil lútes das su ime wider sant Clemens soltent beholfen sin.
Gereke, Seifrits Alex.
3969
(
oobd.
, Hs.
1466
):
wir sein die zwen man | […] | die Darium erslagen habent. | du scholt uns dar umb begaben | als du des hast gesworn.
Wackernell, Adt. Passionssp. H. III, 
1345
(
tir.
,
1514
):
Wir wolltn gern salbm habem | Und euch pesunder darumb begaben, | Damit wir salbm Jhesum Crist.
Froning, Alsf. Passionssp. 
323
;
Gille u. a., a. a. O.
130, 172
;
Mayer, Folz. Meisterl. 
80, 64
;
Williams u. a., a. a. O.
643, 20
;
Eschenloher. Medicus
11, 17
;
Sappler, H. Kaufringer
20, 176
;
Brandstetter, Wigoleis
212, 38
;
Koller, Ref. Siegmunds 
82, 12
;
244, 33
;
254, 9
;
Ukena, Augsb. Hl. Kreuzsp. 3;
Diefenbach
492a
.
3.
›jn. rechtsförmlich mit etw. ausstatten‹; je nach Rechtshandlung: ›(den Ehepartner) als Erben einsetzen, ihm seinen Besitz überschreiben‹; ›eine Frau mit ihrer Morgengabe ausstatten‹; ›den Kindern ihr Erbteil auszahlen, sie mit einer Aussteuer versehen, abfinden; für außereheliche Kinder Alimente zahlen‹.
Vorwiegend Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
1
 1,  2, ,  3.
Syntagmen:
jn. mit gut / erbe b., das kind, die braut / frau mit etw
. (z. B.
der aussteuer / morgengabe
)
b., sich mit jm. b., jn. an etw
. (z. B.
gut
 )
b., jn. aus / von seinem gut b
.;
begabte person, begabter man
.

Belegblock:

Behrend, Magd. Fragen
159, 1
(
omd.
,
um 1400
):
scholt sal man von eynis toden mannis gelde czuvor gelden vor der morgengobe, ab dy frouwe an dem gereiten gute begobit ist.
Leman, Kulm. Recht 
2, 4, 10
(
Thorn
1584
):
Begobit eyne vrouwe eren elichen man myt erbe vnd myt gute.
Ebd.
73
:
Welch kynt syn vatir vsgeradet vnd begobit hat […] by syme lebendigem lybe das en sal nicht tzu teyle gan tzu synes vatir gute myt den andirn kynden.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
79, 9
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Haben sie [eeliche leute] sich dan darnach nach etzlichen jarn begiftet und begabt mit allem dem, das sie haben […], welchs ir eins eher abgeht, so sol das ander haben, also es hat.
Ebd.
16
:
so hat er sich mit seinem weib in oben berurtem maß wol haben mogen begaben.
Wickram
4,
 46, 1 (
Straßb.
1556
):
Reichart begabt sein braut mit eyner rheilichen morgengab.
Köbler, Stattr. Fryburg
182, 4
(
Basel
1520
):
sol er das angewünscht kind mit einer erlichẽ vßstüer / vß sinem eignen gůt nach vnser erkantnuß / begaben.
Reithmeier, B. v. Chiemsee 
4, 10
(
München
1528
):
Alszdenn gibt got sein angenaeme gnad dem rechtfertigen mennschen. wie ain vater sein kind pfligt zebegaben.
Behrend, a. a. O.
106, 25,
Anm. 11;
Leman, a. a. O.
4, 29
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
79, 14
;
90, 5
;
Rwb
1, 1403
;
Preuss. Wb. (Z) 1, 462.
4.
›jn. mit Privilegien ausstatten, mit Freiheiten versehen, von Abgabepflichten befreien‹.
Vorwiegend Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 49,  23, , .
Syntagmen:
jn. mit wochenmärkten / freiheiten / gerechtigkeiten b
.;
von jm
. (z. B.
der herschaft, dem keiser / könig
)
über etw. begabt werden
; häufig in den Zwillingsformeln:
begnaden und b., gefreien und b
.

Belegblock:

Schwartzenbach c vjv (
Frankf.
1564
):
Befreyen. Begnaden. Begaben. Einen mit freyheit begaben. Einen seiner pflicht oder dienst erlassen.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 172, 29
(
preuß.
,
1440
):
begeren wir […], das unser herre uns allen […] laze by rechte, friheidt und brieffen nach dehme, alze wir und unsere verfarn domethe begobet und gefryet syn.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 8, 24
 (
schles.
,
1529
):
Wir begoben und begnaden alle […] gewergken dies bergwergs, wenn irkeine zech aber grube gewinnhaftig wurde, dass sie alsdenn nehmlich im harten bergwerk ein ganz jar lang des zehendes von allerlei ertzt und metall frei sein.
Welti, Stadtr. Bern 
182, 15
(
halem.
,
1402
):
dz si von deheiner ir herrschaft vͥber die vorgenanten stuͥk […] gefrijet oder begabet werin.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
335, 16
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
seint si […] von einen erzhörzog von Österreich […] begabt worden daß sie mit ainem grössern und klienern sigil über ihre heüßer […] mögen fertigen und bekreftigen.
Welti, Stadtr. Bern 
383, 25
;
Edlib. Chron.
7, 14
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz E;
Rwb
1, 1404
;
Schweiz. Id.
2, 56
.
Vgl. ferner s. v.  4.
5.
›jn. mit besonderen Anlagen versehen, mit besonderen (Verstandes-)Fähigkeiten ausstatten‹.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 9r, 33
(
Köln
1499
):
Ada wart begauet mit der gauen der prophecien vnd wart eyn propheta.
Bihlmeyer, Seuse 
367, 14
(
alem.
,
14. Jh.
):
ein gotlidender mensch, den got […] mit gedultiger gelazsenheit begabet.
Vetter, Pred. Taulers
366, 7
(
els.
,
1359
):
Also groͤslichen wirt er [mensch] do begabet das von der richeit alle […] krefte werdent begabet und gesterket.
Ebd.
152, 19
.
6.
›jn. zur Ehe geben‹.

Belegblock:

Voc. Teut.-Lat. ii iijv (
Nürnb.
1482
):
Verhayraten. sponsare od’ begaben od’ geloben. od’ geluben.
Rwb
1, 1404
.