1
gereichen,
V.;
zu
mhd.
reichen
›erreichen‹
(
Lexer
2, 384
).
1.
›an etw. / jn. heranreichen, herankommen, ein Ziel erreichen; sich ausdehnen, erstrecken; so weit kommen, daß [...]‹; auch ütr.; offen zu 2.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1.
Syntagmen:
etw
. (Subj., z. B.
das gut
)
ferre g., j. weit g., j. / etw
. [wohin:
an, auf, zu etw. / jm
.]
g., mit der hand
[wohin]
g
.

Belegblock:

Luther, WA
48, 54, 15
(
1549
):
Wens aber dahin gereicht aus gnedigem willen Gottes, das jemand auch druͤber [...] sterben mus.
Große, Schwabensp.
134a, 26
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
alse eyn man wol zuͦ ob
e
rest dar vf [muͦre] gerichen moͤge mit der hant.
Quint, Eckharts Pred.
2, 176, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ir sult uferstân mit Kristô, wan er ist enoben, dâ kein natûre zuo gereichen enmac.
Gerhardt, Meister v. Prag
109, 4
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
da sie machten die locher an dem creutz da die nagel solten ein gen / da mocht vnser herr nicht hin gereichen.
Goedeke u. a., Liederb.
15, 2
(
Nürnb.
1578
):
laß mich zu deiner [herzigs herz] huld gereichen!
Vetter, Pred. Taulers
331, 13
(
els.
,
1359
):
In disen grunt enmag kein geschaffen lieht nút gereichen noch gelúchten.
Merk, Stadtr. Neuenb.
65, 23
(
nalem.
,
1462
):
so verre einer ze rosse mit einem reispieß geritten und gereichen mag.
Dirr, Münchner Stadtr.
419, 22
(
moobd.
,
v. 1365
):
Geraicht aber daz fewr uͤber den pruch, so gilt man im nicht und tuͦt im auch chain hilff.
Moscouia
B 2r, 4
(
Wien
1557
):
Reissen geraichen nahend an das Sarmatisch gebuͤrg.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
284, 38
(
smoobd.
,
1494
):
das niemant darin holz slahen sol ausgenomen die nagsten nachpawrn [...] die ander wäld nicht geraichen mügen.
Chron. Mainz
1, 15, 4
;
351, 13
;
Stedtfeld, Roger-Glosse, S. 
65
;
Winter, Nöst. Weist.
3, 461, 18
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
334, 41
;
Henisch
1510
;
Schwäb. Wb.
3, 400
;
Schweiz. Id.
6, 145
;
Vorarlb. Wb.
1, 1130
.
2.
›jn. / etw. erreichen; etw. treffen (z. B. vom Donner); jm. zuteil werden‹.

Belegblock:

Sievers, Oxf. Benedictinerr.
9, 22
(
hess.
,
14. Jh.
):
Durch daz [...] wolle wir gereichen die hoe der obersten otmutkeide.
Feudel, Evangelistar
443
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
sy weynte do vil manchen czar. | ouch mochte sy en [herre] gereychen nicht.
Schönbach, Adt. Pred.
31, 21
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
swo zvene stent gecruciget, ir kein enkan den andern gereichen.
Niewöhner, Teichner
325, 271
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
daz man in [doner] weder sicht noch greiffet | und verderbt, waz er geraichet.
Ebd.
716, 43
(Hs. ˹
oschwäb.
,
1472
˺):
das sie nymmer gedanck geraichet | der an weybes zuchten waichet.
Winter, Nöst. Weist.
1, 708, 8
;
Schwäb. Wb.
3, 400
.
3.
›(jm.) zu etw. dienen, nützen, gereichen; zu etw. beitragen‹.
Mittleres und späteres Frnhd.
Phraseme:
(jm.) zum besten / bösen gereichen
.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1, ,  2.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
9, 15
(
Hamburg
1646
):
Allso muste dem Adam [...] das gute gesetze, zum bösen gereichen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
44, 12
(
Magdeb.
1608
):
das ich was nuͤtz vnd lieblich sey / | Weißlich bedenck / kuͤnstlich auffzeich / | Das euch zun ehren auch gereich.
Rosenthal. Bedencken
5, 11
(
Köln
1653
):
wird es zur ehren Gottes / vnnd vnserer ersprießlichen auferbawung gereichen.
Ralegh. America i jr (
Frankf.
1599
):
ob wol diese frembde Reysen [...] denen / so sie fuͤrnemmen / zum offternmahl allein [...] zur außbreittung jhres Namens [...] gereichen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 332, 4
(
Leipzig
1537
):
Herr durch dein grosse barmhertzickeyt, | Gib vns vor vnser suͤnd rew vnd leyd, | Vnd zuthun buß vnd beycht, | Die zu deynem lob gereicht.
Trunz, Meyfart. Tub. Nov.
7, 25
(
Coburg
1626
):
Helffe aber der Allerhoͤchste / daß diese vnsere Arbeit [...] zu vnser Erbawung mildiglich gereiche.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
29, 33
(
Straßb.
1650
):
das diese Traurige erschröckliche Geschichte zu euerer aller Besserung vnd Bekehrung gereichen möge.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
187
(
Genf
1636
):
Es wirdt dir nicht zum besten (gereichen) [...] Tibi non bene succedet.
Henisch
1510
(
Augsb.
1616
):
Es wirdt zu deinem nutz gereichen.
Memminger Chron. Beschr.
18, 16
(
Ulm
1660
):
GOtt gebe noch ferner seine Gnad darzu daß es zu seiner Ehr gereiche.
Luther, WA
49, 805, 9
;
Weise. Jugend-Lust
91, 29
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
68, 27
;
142, 28
;
Chron. Augsb.
8, 161,
Anm. 5.
4.
›aus-, hinreichen, für etw. genügen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11,  3,  5.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
3955
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
doch entochte | Diz holtz nicht, noch enmochte | Gereichen, swi ez geleit | Wart.
Adrian, Saelden Hort
8266
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
wir merken sunt bi Marten | ain leben daz ver warten | sol sich und och die næsten | vor sel und libes presten, so vere lip und och daz guͦt | geraichen mag.
Schwäb. Wb.
3, 400
.
5.
›etw. begleichen, bezahlen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  9,  4,  9,  6,
1
 3.

Belegblock:

Anderson u. a., Flugschrr.
30, 3, 24
([
Straßb.
1522
]):
dar nach so kan er [bauwer] die gult nit meher gereychen.
Rwb
4, 287
.