anlegen,
V.;
auffallend komplexes und schwer gliederbares Bedeutungsfeld.
1.
›jn. fesseln, jm. Fesseln anlegen; (Tiere) an die Kette legen; (Schiffe) anlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Gegensätze:
 14.
Syntagmen:
den knecht / hund a.

Belegblock:

Buch Weinsb.
1, 222, 30
(
rib.
,
1545
):
Also dreuweten sei mir den abent, sei wolten mir die fesser anlagen.
Maaler
23v
(
Zürich
1561
):
Die hund Anlegen vnd an der ketten be-halten.
Mell u. a., Steir. Taid.
102, 28
(
m/soobd.
,
15.
/
16. Jh.
):
die [hund] sollens anlegen oder prugel anhenken.
Schwäb. Wb.
1, 232
;
Schweiz. Id.
3, 1180
;
Rwb
1, 676
.
2.
›(ein Gewebe) zum Walken einspannen‹.

Belegblock:

Welti, Stadtr. Bern
466, 18
(
halem.
, o. J.):
wenn die walker die berwer anlegen, ob es an einem end enzwey braͤche, so sol man es darumb nitt vnuersigelt laussen.
Schwäb. Wb.
1, 232
.
3.
›etw. für den Transport verpacken, kostengünstig voluminieren‹.

Belegblock:

Bastian, Runtingerb.
2, 113, 12
(
oobd.
,
1395
):
den tragern vom pfeffer 14 s. und 4 s. zuͤ anlegen von paͤllein.
4.
›etw. (z. B. eine Stadt) anstecken, anzünden; (Feuer) legen‹; spezialisiert: ›(ein Eigentumszeichen) einbrennen; ein Siegel anbringen‹.
Nrddt., md.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  3.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
16667
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Zu jungist sî inzunttin | unde legtin vûer an.
Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
32, 29
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
si werdin komin di Chaldein stritende widir dise stat und werdin si anlegin mit vuer und werdin si vorburnen.
Chron. Magdeb.
2, 116, 16
(
nrddt.
, Hs.
E. 16. Jh.
):
sie solten auch Magdeburg haben angelegt, aber sie hattens nicht bekommen künnen.
Thiele, Chron. Stolle
266, 16
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
sy [dorffer] worden on des nachtes heymelichen an geleyt unnd vorbrant.
Rwb
1, 676
.
5.
›jn. (auch: sich)/ etw. anziehen, jm. etw. (Kleider, auch Amtstracht) anziehen, anlegen‹; auch von der Rüstung gesagt, dann: ›jn. (auch: sich) rüsten, wappnen‹; phrasematisch:
den orden anlegen
›in einen Orden eintreten‹; Ra.:
der faulkeit einen mantel anlegen
›die Faulheit vertuschen‹;
den alten pelz wiederum anlegen
›in seine alte Gewohnheit zurückfallen‹ (Maaler
22r
).
Bedeutungsverwandte:
 1,  1,  1; vgl.  4.
Gegensätze:
 13; vgl.  1.
Syntagmen:
etw.
(z. B.
den rok, das kleid, die albe, den schmuk, harnisch, panzer, die wappen
)
a.
;
jn. a., das volk a.
;
jm. etw.
(z. B.
den gürtel / kittel, das kleid / gewand
)
a.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft Matth.
27, 28
(
Wittenb.
1545
):
legten jm [Jhesum] einen Purpur mantel an / nd flochten eine dörnen Krone / vnd satzten sie auff sein Heubt.
Schaer, Pyr.-Thisbe-Sp. III,
1101
(
osächs.
,
1607
):
Wann Ich anleg mein Jägerkleidt | Vnnd henng mein Hörnlein vmb den Hal(l)s(s), | Nem meinen Spiess, so hab Ich alls(s).
Gille u. a., M. Beheim
318, 7
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Er [esl] vand ains leben haut. | [...] | die haut er ane laite.
˹Ütr.: zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
2, 45
(
Nürnb.
1517
):
legt an Christum in der neuikeit des lebens, zeucht Adam auß
˺.
Ebd.
214
:
Legt an die wapen gots.
Päpke, Marienl. Wernher
5529
(
halem.
,
v. 1382
):
Do in [rok] das kint an leite, | Ze dem ersten sich mit klaite.
Ebd.
13825
:
Sú laitent ir [Maria] an das gewant | Das ir von hymel was gesant.
Chron. Augsb.
2, 288, 18
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
sind des hertzogen leut da all in irem harnasch verwapnet und wol angelegt gewesen.
Ebd.
4, 68, 5
(
schwäb.
,
v. 1536
):
Da bin ich [...] hie in das closter komen und (habe) den orden angelegt.
Ebd.
137, 18
:
da ist der legat Thomas hingangen zuͦ dem altar und hat sich angelegt, das ampt zuͦ singen.
Baumann, Bauernkr. Oberschw.
24, 5
(
schwäb.
,
v. 1542
):
Da leget sich der hauptman an, under den weylen schlug man die sturm.
Roth, E. v. Wildenberg
138, 13
(
moobd.
,
v. 1493
):
[er] legt sich heimlich an und lies im satelen bei acht pferdten.
Turmair
4, 808, 19
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Die andern [...] wolten aber nun andern leuten das ir abgeilen und ir faulkait also ein mantl anlegen.
Ebd.
5, 145, 26
:
Vleissig hat er die leut gehört alzeit, auch wen man in angelegt hat.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 172, 24
;
2, 478, 14
;
Goedeke u. a., Liederb.
339, 308
;
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
54, 15
;
Euling, Kl. mhd. Erz.
264, 9
;
Gille u. a., a. a. O.
74, 121
;
104, 891
;
Chron. Nürnb.
4, 195, 28
;
Sachs
14, 52, 28
;
115, 13
;
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 1652;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 240, 23
;
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
59, 17
;
Bernoulli, Basler Chron.
6, 144, 22
;
Koller, Ref. Siegmunds
289, 45
;
Sappler, H. Kaufringer
30, 21
;
Chron. Augsb.
1, 300, 3
;
2, 42, 18
;
97, 28
;
4, 298, 25
;
298, 32
;
6, 47, 15
;
9, 144, 28
;
Warnock, Pred. Paulis
27, 293
;
Päpke, a. a. O.
9492
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
4073
;
Welti, Stadtr. Bern
613, 24
;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 182, 11
;
McClean, Havich
4379
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
158, 27
;
Buijssen, Dur. Rat.
30, 15
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
84, 20
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
127, 25
;
Turmair
4, 869, 5
;
Rechn. Kronstadt
2, 102, 38
;
Voc. inc. teut. b Iv; b IIr;
Schöpper
87b
;
Ulner R 5v;
Schwäb. Wb.
1, 232
;
Schweiz. Id.
3, 1180
;
Rwb
1, 677
.
6.
›(ein bestimmtes Wesen) annehmen‹; in allen Belegen in religiöser Verwendung; anzuschließen an 5.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  19.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
430, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz meinet sant Paulus, dô er sprach: ’leget an iuch Jêsum Kristum’, und meinet: mit einförmicheit mit Kristô, und daz anelegen enmac niht beschehen dan mit einförmicheit mit Kristô.
Gille u. a., M. Beheim
74, 119
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Ain engel oder teifel | erscheint sich wol man oder weib, | wann er legt an sich einen leib, | wie er wil sunder czweifel, | Recht als ein mensch legt an ein cleit.
Päpke, Marienl. Wernher
14137
(
halem.
,
v. 1382
):
Die [menschait] er [Got] von dir [froͮwe] het angeleit.
7.
›sich (in einer bestimmten Weise) verhalten, sich geben, sich betragen‹.
Bedeutungsverwandte:
 15, , ; vgl.  11.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
72, 22
(
mfrk.
,
2. H. 14. Jh.
):
Wenzelaus Romescher konig [...] der lachte sich wonderlichen an.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 18, 45
(
schwäb.
,
1471
):
Ains burgers Sun mainet mich. | Pfui! sprach die Jüngst, was hör ich? | Hast du dich also angelaitt, | So macht du wol sein gemait!
Schöpper
115a
.
8.
›etw. (an geeigneter Stelle) vorbringen, vortragen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2.

Belegblock:

Chron. Augsb.
4, 409, 1
(
schwäb.
, zu
1490
):
Adj. 3. feberer haben die weber hie angelett ain widerwertikeit in ain ratt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
93, 26
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Solich und merer gross lug haben sy iren rechten lanndsfursten vor seinen lanndlewten angelegt.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
314, 18
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
wen si in solch bette anleg, so soll er si des gewern.
Schwäb. Wb.
1, 232
.
9.
›jm. etw. ans Herz legen, zum Anliegen machen‹.

Belegblock:

Goldammer, Paracelsus
6, 15, 3
(
1530
):
leg eim gewachsnen mentschen das an und gebeut ihms, in seinen tagen zu erwegen.
Pfälz. Wb.
1, 256
.
10.
›jm. etw. (negativ Bewertetes) zufügen, antun, auferlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , ,  2, , ,  1.
Syntagmen:
jm.
(Dat.!)
etw.
(z. B.
frevel / gewalt / hochmut / leid / not / pein
)
a.
;
jn.
(Akk.!)
etw.
(z. B.
bosheit / gewalt / krankheit / lästerung / mutwillen / schmach / drüsen und beulen
, dies letztere als Fluch)
a.
;
angelegte(s) laster / unere.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
4253
(
ohess.
,
1501 ff.
):
mer woln der anlegen groiß swere.
Hübner, Buch Daniel
5974
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Uns entpfa der engel diet | Ewiclich zu beschirme | Vor allem ungehirme | Tuvelicher irrikeit | Tegelichen an geleit.
Luther, WA
30, 3, 289, 30
(
1531
):
Bis her haben sie fur Ketzer alle die verfolget und alle plage angelegt, so beider gestalt genossen haben.
Mathesius, Passionale
56r
, 9 (
Leipzig
1587
):
die Lesterung vnnd Schmachwort / die sie den gecreutzigten HERREN Christum anlegen wuͤrden.
Sachs
14, 224, 13
(
Nürnb.
1552
):
ich darffs vor meim weyb nit than, | Sie legt mich drüß und peulen ahn
[ral.].
Vetter, Pred. Taulers
308, 5
(
els.
,
1359
):
die lage und daz nohe warnemen die der vigent dem menschen anleit.
Völker, Antichrist
673
(
wschwäb.
,
15. Jh.
):
vnser herre verhänget im [anticriste] des gewaltes vnd der not, die er die welt an lett durch der lút grosse sunde.
Chron. Augsb.
4, 463, 21
(
schwäb.
, zu
1509
):
waren irer zwenn, hetten ain gewaltiget und (im) hochmuͦtt angelegt.
Guth, Gr. Alex.
342
(Hs. ˹
oobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
Die du mein muter angeleit | Host.
Gierach, Märterb.
10756
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
man leit in an manig swer, | so daz er kam genaz.
McClean, Havich
1276
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
er wer gar ein gewaltiger man. | Got het in geleget an | ein wunderleich kranchait.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
6177
;
Luther, WA
30, 2, 116, 5
;
32, 100, 21
;
Gille u. a., M. Beheim
428, 17
;
Chron. Augsb.
1, 327, 8
;
328, 17
;
2, 184, 35
;
4, 418, 12
;
436, 22
;
7, 142, 3
;
144, 11
;
9, 91, 34
;
145, 3
;
Gierach, a. a. O.
955
;
2093
;
Turmair
4, 334, 31
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
92a
, 16;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
185, 30
;
Schwäb. Wb.
1, 232
;
Rwb
1, 677
.
11.
›jm. etw. (positiv Bewertetes) angedeihen, zuteil werden lassen, erweisen; jn. mit etw. begaben‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  3.
Syntagmen:
wie 10 mit Dat./Akk. d. P. + Akk. d. S.

Belegblock:

Hübner, Buch Daniel
7428
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Wirde was er [Joachym] an geleit | Vil me danne dekein man.
Gille u. a., M. Beheim
3, 214
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
man spricht wol van dem menschen, das im sey | nach gocz gleichnus die pildung an gelekt.
Ebd.
78, 18
:
[hoche dinge] die got hat angelait | Maria der vil rainen mait, | da sy den hern enpfinge.
Adrian, Saelden Hort
5760
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
swas guͦtes und noch schonhait | der creatúr ist an gelait.
Niewöhner, Teichner
38, 30
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
die nicht gutez von im raeten | und in doch vil ern an laeten, | swa si chomen do er as.
Wackernell, Adt. Passionssp. Pf. I,
780
(
tir.
,
1486
):
Do vinden si mich frölich stan | In meiner heyligen drivaltikayt, | Dy mich hat mein vater angelayt.
Gierach, Märterb.
17219
;
Turmair
4, 347, 11
.
12.
reihenbildend:
jm./jn. marter / tod / dro / mutwillen / strafe anlegen
›jn. martern, töten, jm. drohen‹ (usw.), anzuschließen an 10.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4.

Belegblock:

Karsten, Md. Paraphr. Hiob
7429
(
omd.
,
1338
):
Wan man syet di gerechten gar | Gar schentlichen tot an legen | Von richteren, di nicht hegen | Recht gerichte.
Luther, WA
48, 31, 11
(
1541
):
Die andern zureissens, creutzigens, geisselns vnd legen im alle Marter an.
Gille u. a., M. Beheim
76, 240
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
der dan starb durch den alten man, | der in am glauben trosten pgan, | den man den tot an lete.
Turmair
4, 787, 28
(
moobd.
,
1522
/
33
):
es gedacht im Nero mancherlai pein und marter, pesunder töd, die er die christen anlegt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
475, 9
(
oobd.
,
1349
/
50
):
alsô erkennent die nahtengel, wenn in der tak des morgens drô anlegen wil.
Thiele, Chron. Stolle
54, 1
;
Gille u. a., a. a. O.
99, 586
;
Chron. Augsb.
9, 90, 21
;
Rwb
1, 677
.
13.
›jn. angreifen, aus dem Hinterhalt überfallen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8.

Belegblock:

Preuss. Wb. (Z) 1, 165.
14.
›sich auf etw. (negativ Beurteiltes) einlassen, sich mit etw. abgeben‹.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 183, 2
(
rib.
,
15. Jh.
):
do lachte hei sich an mit valschem gelde, darom wart hei gehangen.
Ebd.
3, 782, 16
.
15.
phrasematisch:
hand anlegen
›etw. tun, bewirken‹ sowie: ›sich an jm. vergreifen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  11,  2.

Belegblock:

Ulner Z 5r (
Frankf.
1572
):
Schlagen. [...] klopffen / die Handt anlegen / verletzen [...] Wunden schlagen.
Schmitz, Schiltb.
79, 23
(
Frankf.
1597
):
Wie sie aber handt anlegen / vnnd jr gewachsen Saltz abschneiden woͤllen.
Goldammer, Paracelsus
7, 258, 26
(
1530
/
40
):
daß ein hur ein junkfrau wird, ist nit muglich. aber bei gott ist es muglich, so er sein hand anlegt.
Maaler
23v
(
Zürich
1561
):
Hand etwar an Anlegen / anruͤren / etwas machen.
16.
›etw. tun, ins Werk setzen, beginnen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  14.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
12996
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Got wuste wol waz her machen | Wolde mit der menscheit, | Er da worde icht an geleit.
Vetter, Pred. Taulers
79, 21
(
els.
,
14. Jh.
):
Der mensche tuͦ was er tuͦ und lege es an wie er welle.
Turmair
1, 428, 26
(
Augsb.
1517
):
ordior orsum ‚schwaiffen, anlegen, anfahen‘.
Rwb
1, 677
.
17.
›etw. gründen, anlegen, aufbauen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  8,  8.

Belegblock:

Lohmeyer, K. v. Nostitz
57, 6
(
preuß.
,
1578
):
Wen der Sperling gereumet wirt und die dorffer angelegt, auch die nechsten welde [...] mit pauern besatzt werden, so [...] kan ein new forbrig und kornmule zu Popellen angelegt werden.
Ebd.
183, 6
:
daß Baltasar Ganß in der wiltnüß 2 dorffer [...] angelegt.
Ebd.
40, 13
;
Rwb
1, 676
.
18.
›etw. auf etw./jn. verwenden, etw. zu etw. nutzen, etw. verwenden, aufwenden, aufbieten, sich e. S. befleißigen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  10, , ,  1, .

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
8752
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Do wart ein groz vliz an geleit.
Luther, WA
41, 310, 8
(
1535
):
an solchen fromen leuten wer jr dienst wol angelegt.
Palm, Veter Buoch
36, 9
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Ich lege in minem herczen an isliche tugende.
Gille u. a., M. Beheim
80, 62
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
[das er] disen reichtum nit anlait | oder nucz czu der sunde.
Lemmer, Brant. Narrensch.
37, 27
(
Basel
1494
):
Wer gerechtikeyt halt jn der hant | Des gwalt mag haben guͦt bestant | Der hatt syn gwalt wol angeleyt | Vmb des abgang man truren treit.
Rieder, St. Georg. Pred.
130, 7
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
an daz gegenwúrtig zit solt du gedenken daz du es [leben] nutzeklich an legest in Gottes dienst.
Bachmann, Haimonsk.
243, 28
(
halem.
,
1530
):
er hat sin zyt ŭbel angleyt ŭch zediennen.
Mell u. a., Steir. Taid.
9, 6
(
m/soobd.
,
1546
):
Nachdem auch mit den [...] almusen [...] unordenlich gehandlt, den armen leuten zu nuz nit geraicht noch angelegt worden.
Turmair
4, 835, 31
(
moobd.
,
1522
/
33
):
den heutigen tag hab ich ie übel angelegt und vertriben.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
371, 33
(
m/soobd.
,
17. Jh.
):
solche straff dem gemainen wesen zu gueten anlegen.
Chron. Nürnb.
1, 213, 30
;
Goldammer, Paracelsus
5, 2, 1
;
Vetter, Pred. Taulers
189, 22
;
Schöpper
29a
;
102a
;
Maaler
23r
/v;
Dietz, Wb. Luther
90
/91;
Rwb
1, 676
.
19.
›etw. (meist Geld) auf Ertrag (Zinsen, Gewinn o. ä.) anlegen; etw. in Waren anlegen‹.
Syntagmen:
etw.
(
geld / gut / silber / vermögen
)
zu nutze / gewin / verlust / an nützung / auf zinsung / in specerei a.
;
angelegte (-)busse, angelegtes gut.

Belegblock:

Leman, Kulm. Recht
5, 56
(
Thorn
1584
):
nymmet eyn pfleger den kynden ir gut das sy han. das sal her yn tzu nutze anlegen.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 92
(
1369
):
daz her deme hangete, daz her sin gut verkaufte ... also bescheydinlichen, daz her sins lybes naronge dovon nemen sulte, und sulte daz obirge
[= Geld]
mit syner kinde rade anelegen, daz ez in noczlich were.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
212, 1
(
thür.
,
1474
):
daz auch daz kauffgelt weder yn eynen gemeynen nutz den liebpgedingern [...] unde on allen zu guthe were angeleget worden.
Chron. Nürnb.
5, 760, 23
(
nobd.
,
1460
):
die alsdenn zu stieftung derselben pfründe dieselben 900 gulden [...] an gewisse jerliche nüczung zu keuffen anlegen sollen.
Loose, Tuchers Haushaltb.
66, 20
(
nürnb.
,
1508
):
dan ich solch 400 fl. in der loßungstuben angelegt hab.
Chron. Augsb.
1, 165, 13
(
schwäb.
,
1396
):
wär aber das ainer sein guͦt nit anlegt und still ligen lies, der geit nichts davon alle die weil und es still ligt; alspald er es dann anlegt, so ist er das ungelt davon schuldig ze geben.
Staub, Qu. Wien
3, 1, 2024, 11
(
moobd.
,
1387
):
100 phunt wienner phenning, die man den egenanten zwain chinden wider anlegen sol.
Bastian, Runtingerb.
2, 242, 3
(
oobd.
,
1407
):
mir gab der Lettel 60 ½ Reinsch guldein zuͤ mittervasten, da er in dye vastenmess zoch, die nam er mit im und legtz an 1407 jar.
Rechn. Kronstadt
3, 307, 22
(
siebenb.
,
1547
):
so haben sÿ yber dy fl. 300, das haupt guet, welche stet plaiben vnd angelacht sollen werden, den Armen kasten czu erhalten, czu gewyn gegeben fl. 120 asp. 25.
˹Ütr.: Strauch, Schürebrand
31, 24
/25 Var. (
halem.
,
1498
/
9
):
als och wir nun hie sind in dem frömden land und ellenden jomertall und in gelich alle unser hab anlegen und offentüren mussen mit grossen arbaiten.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
1049
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Min tod ist wol an gelait an dir, | Wann du sin dank sest mir
˺.
Große, Schwabensp.
79a
, 3;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
155, 8
;
Wickram
4, 38, 34
;
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 47, 27
;
Koller, Ref. Siegmunds
164, 7
;
210, 12
;
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 128, 15
;
Niewöhner, Teichner
283, 69
;
Staub, a. a. O.
3, 2, 2815, 26
;
Maaler
23r
/v;
Golius
408
;
Schwäb. Wb.
1, 232
;
Rwb
1, 676
;
Schirmer, Kaufmannsspr.
1911, 12
.
20.
›etw. (z. B. ein Gut) bewirtschaften‹; hierher wohl als Spezialisierung das im Schweiz. Id.
3, 1180
(für 1555) belegte: ›Dünger mittelst einer Schaufel oder Gabel klein machen und ausbreiten‹.

Belegblock:

Siegel u. a., Salzb. Taid.
158, 16
(
smoobd.
,
1585
):
sollen in mitler zeit die nechsten freund solches guet gegen vergüetung inhaben, nüczen und anlegen und was davon zu thun ist ausrichten.
21.
›jn. (Bergleute) einstellen; jm. (eingestellten Bergarbeitern) eine bestimmte Arbeit zuweisen‹.
Omd.; bergbaukundliche Texte.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3 (1. Nuance).
Gegensätze:
 6.

Belegblock:

Löscher, Erzgeb. Bergr.
108, 12
(
omd.
,
1548
):
Wie sich ein steiger, die arbeiter an- und abzulegen, halten sol.
Ebd.
114, 9
:
denjenigen, so den arbeiter angelegt hat.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 168, 24
(
schles.
,
1509
):
ein ieglicher, der eine bauschaft oder zeche in verwesung hält oder hat, soll keinen heuer oder arbeiter anlegen, der vor auf einer andern zeche oder einem andern gearbeitet hat.
Veith, Bwb. 2;
Rwb
1, 677
.
22.
›etw. (negativ Beurteiltes) planen, verabreden, (einen Plan) aushecken‹; subst.: ›Anschlag‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  21.
Syntagmen:
a., zu [...], a., das [...], untereinander a., wie [...]
;
etw. mit jm. a., eine gewonheit a.
;
ein a.
(subst.)
tun
;
angelegte sache.
Wortbildungen:
anleger
1 (z. B.
des mordes
; dazu bdv.: vgl. ).

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
16509
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
daz er mit den Prûzin an | heimelîchin leggete | und sî darzû beweggete.
Helm, Maccabäer
13039
(
omd.
/
nrddt.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Dise zwene die legten an, | daz sie den keiser ie irslan | alda wolden.
Altmann, Wind. Denkw.
235, 5
(
wmd.
,
um 1440
):
man sprach [...], das es herzog Ludewig hette mit den Hußen angeleit.
Schaer, Pyr.-Thisbe-Sp. III,
1265
(
osächs.
,
1607
):
wann ich nur durch die wache wer, | Ich weiss nicht, wie ichs soll anfahn. | Wie? wan(n) ichs mit eim leget a(h)n, | Schenckt I(h)m zu Lohn Etlich Ducaten.
Chron. Strassb.
1, 47, 2
(
els.
,
1362
):
do leukentent sü mit iren eiden, daz sü wider in nie kein anlegen hetten geton mit den andern groven.
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 4219 (˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
das mancher sprach, | Es wer ein angelegte sach, | Das man sye hoͤrtigklichen toͤdt | Vnd lang in feüres brunste noͤt.
Chron. Augsb.
4, 112, 16
(
schwäb.
,
v. 1536
):
legt die frau mit der magt an, daß sie im solt zilen auff die nacht an ir beth.
Österley, Steinhöwels Äsop
46, 12
(
Ulm
1474
/
82
):
Die wyl aber der kouffman und Xanthus under ainander anlegten, wie sie minder geltes sagen wölten, wann der koff wäre, darumb daz sie minder zol geben.
Thiele, Chron. Stolle
68, 17
;
Chron. Strassb.
1, 79, 1
;
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 222, 25
;
Päpke, Marienl. Wernher
3804
;
Dierauer, Chron. Zürich
136, 12
;
Maaler
23r
/v;
Schweiz. Id.
3, 1195
.
23.
›etw. bestimmen, festlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  7.

Belegblock:

Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
250, 34
(
nobd.
,
1406
):
alz uns der lantfride darumb angelegt het.
Chron. Strassb.
2, 531, 21
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
also es Machemet hette angeleit.
Koller, Ref. Siegmunds
351, 19
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
so die bett geantwurt werdent und angeleit würde, das die armen getroͤst werden.
Maaler
23v
;
Rwb
1, 677
.
24.
›etw. (eine finanzielle Verpflichtung, auch eine Strafe) festsetzen, festlegen, erheben; etw. umlegen, durch eine Umlage erheben; jn. (hinsichtlich einer finanziellen Leistung) veranlagen‹; vereinzelt: ›jm. (eine Verpflichtung) auferlegen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  6,  22.
Syntagmen:
etw.
(z. B.
steuer / strafe / geld / gemeinen pfennig / schatzung / kosten / zubusse / beschwerde
)
a., jn.
(auch Instanzen und Betriebe, z. B.
das reich / die stat / das gut
)
a.
Wortbildungen:
anleger
2.

Belegblock:

Rueff, Rhein. Ostersp. Frag.
38
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
du soldest sie leren die falschen duck, | damit brechtestu sie zu uneren: | lege en an daz sie von gode keren | und sich halden in der wernde sußikeit.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
155, 6
(
omd.
,
1554
):
Zuebuessen werden nicht höher dan zue bloßer notturft der zechen angeleget.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
124, 25
(
nobd.
,
1391
):
daz man das bezalen solle [...] zu Bamberg, jeder herre und stat sein anczal, alz man daz angelegt hat.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
250, 10
(
Bamb.
1507
):
Soͤlche kostung sol man durch soͤlch vnser halssgericht also anlegen, das ein hof zwir als vil als ein seldengut geben sol.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
11, 10
(
halem.
,
1483
):
raiscosten oder derglich beschwerd, so aim herren und der landtschaft [...] anzuͦlegen und ufzuͦheben gepürent.
Chron. Augsb.
2, 180,
Anm. 1 (
schwäb.
,
1442
):
des sind anleger gewesen als von rauts wegen her Ulrich Röchlinger.
Ebd.
4, 179, 19
(
schwäb.
,
v. 1536
):
da hat in [Hans Schneyd] das pfarrvolck daselben zuͦ ainem prediger auffgenomen und ain jar 50 fl geben, und haben solichs gelt von haus zuͦ haus under dem pfarrvolck angelegt und gesamlet.
Ebd.
8, 387, 5
(
schwäb.
, zu
1552
):
daß die röm. kais. und kön. may[estäten], unser allergnedigiste herren [...] wider den erbfeind christenlichs namens und glaubens, den Türcken, ainen gemainen pfenning durch das gantz reich anzulegen bewilligt [...] haben.
Boos, UB Aarau
329, 38
(
halem.
,
15.
/
16. Jh.
):
Die stúrer soͤllend schweren da sitzen, ratten und anlegen, ouch ansaͤchen uffgang, abgang, gwerb, richtum, armuͦt.
Auer, Stadtr. München
489, 5
(
moobd.
,
1343
):
[zwen erberg man] sullen iedenman anlegen nach iren treun.
Turmair
4, 486, 3
(
moobd.
,
1522
/
33
):
ist diser zeit ein steuer zue Rom angelegt worden.
Mell u. a., Steir. Taid.
91, 22
(
m/soobd.
,
1672
):
30 kr. straf hiemit dictiert und würklich angelëget wirdet.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
313, 39
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
wie die weichsteur nicht nach geleichen dingen angelegt sei.
Löscher, a. a. O.
97, 9
;
133, 25
;
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 230, 13
;
Mon. Boica, NF.
2, 1, 306, 4
;
Pfeiffer, a. a. O.
137, 25
;
268, 28
;
Chron. Augsb.
1, 93, 2
;
306, 23
;
3, 295, 12
;
4, 438, 13
;
453, 1
;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
229, 24
;
Müller, Stadtr. Ravensb.
245, 1
;
Roder, Stadtr. Villingen
130, 25
;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
171, 27
;
298, 36
;
Siegel u. a., a. a. O.
290, 25
;
Turmair
1, 434, 13
;
5, 413, 21
;
Winter, Nöst. Weist.
2, 1002, 26
;
Mell u. a., Steir. Taid.
14, 15
;
Chron. baier. Städte. Regensb.
86, 37
;
87, 2
;
Schwäb. Wb.
1, 232
;
Schweiz. Id.
3, 1181
;
Rwb
1, 676
.
25.
›sich (in Spuren oder in zunehmender Menge) einstellen, finden‹ (von Erzen gesagt).

Belegblock:

Veith, Bwb.
21
.
26.
bedeutungsverwandt zu  5.