gestalt,
part. Adj.,
motivationell auf
gestalten
wie auf
stellen
beziehbar.
1.
›in bestimmter Weise gestaltet, geformt, gebildet, beschaffen, eine Form, Gestalt wie eine Vergleichsgröße habend‹, meist von Konkretgegenständen, auch von Tieren und dem Menschen (generell) sowie von Christus gesagt;
vgl. (V.) 1,  13.
Phraseme:
e. S
. (Dat.)
ist es so gestalt
›mit etw. verhält es sich so‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (Adj.) 3, , (s. v.  4), , (part. Adj.) 3,  2, (Adj.) 1.
Syntagmen:
nur vereinzelt attributiv gebraucht;
etw
. (z. B.
der glaube / krebs / tron / wald, einsiedel, Christus, die spalte
›der Mund‹) [wie]
g. sein, der krebs wie ein rinozerot, der mensch gleich
[Gott],
die locke sam rehböcke, ein holz als erlen
›erlenartig‹
g. sein, die sache, die grundfeste so g. sein, das [...], der mensch unfriedlich g. werden
;
der gestalte bau
.

Belegblock:

Luther, WA (
1526
):
Christus war yhm [Johannes] nicht gestalt wie ander leut, es gieng etwas krefftigers von yhm.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
681, 5479
(
Magdeb.
1608
):
Wie ein Rhinoceroth gestalt / | Wie man den hoͤrnin Siegfried mahlt.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Disen zwein ist iz so gestalt | Daz Got in gab hie gewalt | Besliezens des himels wolken.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 59, 13
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
uz drier hande wirdikeit gab got dem menschen lere: | Zum ersten daz er ist gestalt | gelich dem, der da hat gewalt.
Keil, Peter v. Ulm
233
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Nym ein holtz, heist gicht-holtz, daz ist gestalt als erlein.
Menge, Laufenb. Reg.
1344
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Das
[unter dem Sternzeichen Widder]
werde gestalt also dauon | Gantz oder ein teile | Vnfridlich mit vnheile.
Dreckmann, H. Mair. Troja S. 
44, 10
(
oschwäb.
,
1393
):
nu ist disiu sach also gestalt, daz iur ieglicher leib und leben wagen sol, ob wir unser schaden ettwaz mohtend werden ergetzt.
Mollwo, Rotes Buch Ulm (
schwäb.
,
1427
):
daz in soͤlichem nu fuͥro recht, nutzlich und gestallt buͥwe hie zu Ulme beschehen und volbrächt werden.
Sappler, H. Kaufringer
16, 614
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
ob dann der Endkrist kam zelest | sam die regengüß mit gwalt, | ewr gruntfest sei dann so gestalt, | so gevestnet und behuot, | das ir ee welt leib und guot | von seinen handen verlorn haun.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
2, 10
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Darumb wil ich mein mezzer wetzen | Ze sneiden und ze wol setzen, | Wie gotes sidel sei gestalt.
Klein, Oswald
53, 22
(
oobd.
,
um 1411
?):
aufs slauffes träm, so ich ergäm | ain so wolgezierte, rotte, enge spalt, | lächerlich gestalt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
die [haberschreckhen] warn nicht gross und gestallt als dy anndern habernschreckh.
Helm, H. v. Hesler. Apok. ;
Stackmann u. a., a. a. O.
1, 5, 10
;
Klein, a. a. O.
22, 50
;
Dietz, Wb. Luther
2, 105
.
Vgl. ferner s. v.  3,  1.
2.
›wie geschaffen, beschaffen, geartet‹; von Abstraktgrößen gesagt; Ütr. zu 1.
Phraseme:
nach gestalter sache
›nach Lage der Dinge‹;
es ist so gestalt
›es verhält sich so‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1536
):
wie 1 Christlich leben sol gethan und gestalt auff erden.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Wen iz ist also gestalt | Daz wir mit unsen henden | Die were muzen vorenden | Die vor daz ouge wizet.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
dye [unsere] also danne noch gestalter sache darinne, [...], richten unnd handeln sullen.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
noch seyme worte sso wart do zu hant eyn liecht, gestalt als eyn gross liecht wolke.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
132
(
Nürnb.
1517
):
Wie aber die freud des herzen, die frolockung und lobgesangk itzogemelts angrifs gestalt sein, sprech der aus, der [...].
Spechtler, Mönch v. Salzb.
11, 22
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
In perlein weiss ist nu gestalt | die zeit, sne hat gewalt.
3.
zusammen mit einer vorangehenden Farbbezeichnung: ›eine bestimmte Farbe habend‹; an 2 anschließbar.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
152, 3342
(
Magdeb.
1608
):
Zog aus der Erden also bald / | Ein duͤrren baum / gar bund gestalt.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
War nit zu jung, auch nit zu alt, | Sein Har halb graw, halb schwarz gestalt.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1243
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wanne das elffenbein wirt alt, | so wirt ess etzwas rod gestalt.
4.
›wie aussehend, bestimmte Haltungs- oder Gesichtszüge aufweisend‹; eng an 1 anschließbar.
Syntagmen:
nur vereinzelt attributiv;
j
. [wie, z. B.
jämerlichen / lüstlich / wol / wonniglich
]
g. sein, j. g. sein, als
[+ Folgesatz im Konj.],
js. antliz wol g. sein
;
das gestalte bild [einer frauen]
.

Belegblock:

Ettmüller, Heinr. v. Meißen
403, 14
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
so tuo mir balt | unt mach mir schin | vor minen ougen, wie du sîst gestalt.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
575
(
rib.
,
1444
):
ind ich sach na mynē waen | Da bij ouch eynen meister staen | Gestalt als were he vicaris | Aarons off Moysis.
Valli, Baldemann
81
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Daz ich gesach von rechtir schantz | Nye bilde baz gestaltir.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
duht in, wie doͤrt her in kemi ein suber jungling, der was gar manlich gestalt.
Meijboom, a. a. O.
4730
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
151, 18
;
Lauchert, Merswin ;
Koppitz, Trojanerkr. ;
Dietz, Wb. Luther
2, 105
;
Vgl. ferner s. v.
1
 518, .