stellen,
V.,
auch mit Rückuml. – Ansätze 1-4 zusammengehörig unter dem Aspekt ,etw. / jn. räumlich wohin stellen‘; 5-7 ,die Bewegung von etw. anhalten‘; 8-12 als gerichtete Bewegung denkbar; 13 und 14 ,etw. gestalten‘; 15 und 16 mit Tendenz zu Funktionsgefüge.
1.
›etw. (sachlich Konkretes unterschiedlicher Art, auch Tiere) wohin stellen, (meist) aufrecht wo anbringen‹; im einzelnen je nach Objekt zu differenzieren, z. B. ›etw. abliefern‹; mannigfach tropisch, z. B. ›etw. vorstellen, darstellen, sein‹.
Phraseme:
stellen
(ohne Obj.) ›Pferde einstellen‹ (dazu bdv.: vgl.
1
 1), auch: ›Fallen stellen‹;
jm. stellen
›jm. einen Fallstrick legen‹,
jm
. (z. B.
dem kellermeister
)
um etw
. (z. B.
um eine kanne metes
)
stellen
,
der welt nez und garn stellen
›der Welt Fallstricke legen‹;
garn / netze / stricke stellen
o. ä.;
den vögeln stellen
;
jm. etw. für die nase, für / unter augen stellen
(vgl. auch  12);
jm. etw. / jn. zuhanden stellen
o. ä. ›jm. etw. / jn. übergeben‹;
etw. auf die legerbank stellen
(vgl.  3; s. v.  4);
keinen dreibeinigen stul auf etw. stellen können
(zur Kennzeichnung der Enge einer Fläche);
etw. eben so hoch stellen
›denselben Preis anerkennen‹;
trauer / kummer
[wohin]
stellen
›die Trauer dahingestellt sein lassen‹.
Syntagmen
mehrfach von Tieren:
rosse, vieh (in den stal) s., den esel, das rind so s., als [...]
, von Sachen:
etw
. [wohin]
s
. (z. B.
zeichen an den himmel, den abgot in den tempel, die kirche auf den fels, eine rute auf den altar, brot / wein zu etw., einen bienenstok an den hang, ein bild auf die mauer
),
eine gebür
›Abgabe‹ [wohin]
s
. ›abliefern‹.
Wortbildungen:
stelbank
1 ›bankartiges Gestell zum Abstellen von Gegenständen‹,
stelholz
1 ›Holz, das den Mechanismus einer Falle auslöst‹ (im Phras.
auf dem stelholz mausen
›sich unüberlegt, übermütig verhalten‹), 2 ›Zapfen im (s. d.)‹,
stellegarn
›Fischernetz‹,
stellung
2 a) ›Unterstellung, Unterbringung (von Vieh im Stall)‹ sowie als Metonymie: ›Stellplatz‹; b) ›Ort für eine Reihe von Zwecken‹ (z. B. ›Schiffslände‹, ›Aufmarschplatz‹),
stelplaz
1 ›Halte-, Aufenthaltsplatz für Weintranporte‹,
stelros
›in eine Gabeldeichsel eingespanntes Zugpferd‹ (a. 1548 ff.).

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
348, 41
(
preuß.
,
1516
):
3 stellegarnn, 1 new sack, 2 boshacken, 2 fischsew.
Schöpper
93a
(
Dortm.
1550
):
Differre. [...] in die lange ban schlahe͂ auf die legerbanck stellen.
Ebd.
93b
:
Offerre, seu tradere. Vbergeben vberlifern vberliebern vberantwurten vberreichen vberlangen behanden behändigen zu handen stellen.
Luther, WA
30, 3, 446, 24
(
1531
):
Und wil jn fur die nasen stellen jre Papistische tugent.
Ders. Hl. Schrifft. Ps.
50, 21
(
Wittenb.
1545
):
ich wil dich straffen / vnd wil dirs vnter augen stellen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
68, 777
(
Magdeb.
1608
):
Das sie auff solch stelhoͤlzlein mausen / | Da wider wind vnd wasser brausen.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
21040
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Valles hie in Sathanases slich | Und ist gestal so manic strich.
Ebd.
22900
:
Das wir guͦten gesellen | Dem kellermeister stellen | Vmme eyne kanne metes.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
468
(
Köln
1476
):
Nyterden ind kortauwen | Wurden nae dar by gestalt.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
1, 436, 28
(
mosfrk.
,
1629
):
wer so viel guts [...] hab, dass man kennen einen dreibeinigen sthul darauf stellen, der sein den achtenschnitt schüldigh.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
184
(
mrhein.
,
um 1335
):
Peter vnd andreas, komment. | [...] | Stellent nach luden vwer garn.
Perez, Dietzin
1, 43, 7
(
Frankf.
1626
):
sintemal meine Gedancken gar nicht sind / der welt Netz vnnd Garn zustellen.
Ebd.
408, 3
:
ein Juͤngling / welcher allernechst dabey den Voͤgeln gestellt vnd sich verborgen / hatte solches alles gesehen.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
145, 20
(
Leipzig
1588
):
Dennoch sind solche Zeichen nicht vergebens an Himmel gestellet / Sondern von Gott dem HErrn darzu verordent, das [...].
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
32, 10
(
osächs.
,
1570
/
7
):
nim eine hand voll dosten, lege die auf das stellholz unter das strohe. Ist sehr gutt. Vordirbet kein bier.
Opitz. Poeterey
23, 17
(
Breslau
1624
):
Wo die schoͤnen Blumen stehn, | Vnd die Fischer netze stellen.
v. Groote, Muskatblut
26, 22
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
ich lob die selben stunde, | da sich die drei person | mit der junckfrawen verainten vnd vns mit triuen mainten, | wann sy im hett gestellt | helt noch die schrifft für ware.
Voc. Teut.-Lat. ff jiv (
Nürnb.
1482
):
Stellen als den mewßen. insidiari.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 346, 4
(
Coburg
1634
):
daß du dich fuͤrchtest [...] / wenn du dir die hellische Marter fuͤr Augen stellest.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
576, 28
(
els.
,
1362
):
die sullent in den tempel gon vnd ieglicher uf den altar eine ruͦte stellen.
Goldammer, Paracelsus
5, 176, 16
(
1530
):
auch werden sie der fels sein, darauf Christus sein kirchen gestellt und gebauen hat.
Chron. Strassb.
54, 6
(
els.
,
1362
):
und mahtent ein kuniglich bilde ußer strouwe und staltent daz uf die muren der burge.
Köbler, Stattr. Fryburg
105, 24
(
Basel
1520
):
Wer ouch das einer dem andern ligende guͤter zuͦ pfand insatzte / vñ jm die zuͦhanden stalte.
Maaler
386r
(
Zürich
1561
):
Stellen an ein ort. [...]. Setzen / Für die augen stellen [...]. Trauren oder kumber an ein ort Stellen.
Ebd.
387r
:
Stellung / das ist stand im stal. Stabulatio.
Wyss, Luz. Ostersp.
2422
(
halem.
,
1583
):
vil meer Figuren sind | Vff Christum den Herren vßerwelltt, | V̈ch anzeigtt vnd für augen gstelltt.
Rennefahrt, Gebiet Bern
522, 39
(
halem.
,
1625
):
weliche [...] die gantze tagfhuͦr nit thuͦn werdent, mögend mit dem wyn uf den geordneten stellplatz im Forst [...] fharen.
Chron. Augsb.
3, 410, 23
(
schwäb.
,
1474
):
wo ain wirt mer stellen möcht dann legen, werden sy bey den nachgebaurn daran sein, die ubrigen mit geliger underczepringen.
Barack, Zim. Chron.
4, 87, 27
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Man gab im sein kibel mit; den stalt er nebendt sich.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 763, 13
(
schwäb.
,
1556
):
wa ein vich den stall verstossen wurd und in ain andern stall verkauft oder gestellt wurd.
Rot
352
(
Augsb.
1571
):
Station, Stellung / zuͦlendt / Meerhafen / da die Schiff stehn vnd Wintern. Jtem die stat da die Kriegsleut oder Wachter in Kriegsleuffen stehn vnd wacht halten.
Dirr, Münchner Stadtr.
266, 2
(
moobd.
,
1310
/
2
):
di fuͤteraer, hintz den man ros stellet.
Mell u. a., Steir. Taid.
223, 14
(
m/soobd.
,
1576
):
muessen die jenigen so in bemelte albm ir viech treiben mit den andern zwaien tailen oder herrschaften eben so hoch stellen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
437, 43
(
m/soobd.
,
17.
/
18. Jh.
):
auch jeder sein gebühr hievon seinem herrn an gebührendes ort stell und abstatte.
Zingerle, Inventare
6, 2, 39
(
tir.
,
1485
):
Vier stelpenck.
Peil, a. a. O.
669, 5100
;
Lichtenstein, Lindener. Rastb.
109
;
Franck, Decl.
331, 16
;
Williams u. a., a. a. O.
238, 25
;
704, 7
;
Päpke, Marienl. Wernher
2585
;
Wyss, a. a. O.
6613
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989,
S. 271;
Dalby, Lex. MHG Hunt.
1965, 223
;
Schweiz. Id.
6, 1436
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1.
2.
›jn. (auch: sich) räumlich wohin stellen, wo aufstellen (jeweils zu unterschiedlichen Zwecken)‹; vielfach tropisch unter Beibehaltung des Raumgedankens, z. B.: ›jn. in eine Gruppe (z. B.
unter die heiligen
) aufnehmen‹; ›(Zeugen, Bürgen) benennen, aufstellen‹; ›jn. in eine Funktion einsetzen‹; ›jn. zu einer Wahl aufstellen‹.
Phraseme:
(ein volk) in eins stellen
›vereinigen‹;
j. stelt zu jm.
›j. steht zu jm.‹ (Zuordnung der Phraseme diskutabel).
Bedeutungsverwandte:
vgl.  24.
Syntagmen
jn
. (oft:
sich
) [wohin]
s., eine hut, bürgen, zeugen s., jn. s
. ›zur Wahl aufstellen‹,
jn. an den pranger, an js. stat
(›in js. Funktion‹),
zu recht, an / für das gericht / recht, unter die heiligen, unter die böcke
(dazu bdv.:
zur linken hand
 )
s
. ›verurteilen‹,
sich in ein land s
. ›in ein Land einfallen‹,
sich hinter sich s
. ›zurückweichen‹,
sich zu wer, zum streit, zum sturme s., sich in die ordnung
›in Reih und Glied‹
s., sich spottiglich gegen jn., zu jm. s., sich
[wo, z. B.
vor einer feste
]
s
.

Belegblock:

Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
23007
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
sich zu wer ouch steldin | wol menlîch in den vristen.
Luther, WA
10, 3, 161, 22
(
1522
):
[der vatter] hat zwischen uns gestelt einen, der Gott ist.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
570, 2029
(
Magdeb.
1608
):
[DEr Koͤnig] Stellet die Fuͤrsten / Graffen / Herren / | Neben sich ordentlich zun Ehren.
Enders, Eberlin
2, 85, 14
(
um 1522
):
mit solichem bescheid, das er an sein statt stelle einen christlichen gelerten mann.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
2698
(
rib.
,
1444
):
Nu wille ich uch noch vort ertzellen | War umb ich mich sus her stellen | Mit disme testamente zo desen maele | Tusschen Moyses taiffel ind uch as wale.
Skála, Egerer Urgichtenb.
147, 8
(
nwböhm.
,
1575
):
Enders buchsbaum Von Wiltstein, [...], ann Prangel gestaltt.
Beyer, UB Erfurt
2, 306, 12
(
thür.
,
1351
):
Wurden ouch dyselben burgere [...] vor keyner vestin odir slozze stallen und legin, so sullin und wollen wir, ab [...].
Thür. Chron.
16v, 23
(
Mühlh.
1599
):
weil sich die Gothen oder Thüringer so seltzam vnnd Thoͤrlich zum Streit stelleten.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
216v, 45
(
Leipzig
1588
):
sie stelleten zween [...] / Beteten vnd sprachen / HERR / [...] / zeige an / welchen du erwehlet hast vnter diesen zwen / das einer empfahe diesen Dienst vnd Apostel Ampt.
Böhme, Morg.R.
13, 12
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
das so viel [...] der Adamskinder in kurtzem fuͤr das grausahme [...] gestrenge Gericht des gerechten Richters sollen gestellet [...] werden.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
58, 18
(
Bamb.
1507
):
zeugen, So der gefangen oder sein freunde desshalben stellen wolten.
Chron. Nürnb.
2, 124, 14
(
nobd.
,
1449
/
50
):
so stelt nymmer keiner zu in und wer in schentlich, schedlich und unerlich.
Maaler
385r
/v (
Zürich
1561
):
Den hauptsaͤcher Stellen / Einen für den man hat troͤstung gaͤben / personlich für das raͤcht stellen [...]. Ein huͦt Stellen etwas zuͦ verwaren [...]. Sich Stellen zuͦ raͤcht. [...]. Sich zuͦ eim Stellen.
Kottinger, Ruffs Etter Heini
15
(
ohalem.
,
1538
):
[gott] hatt im ein völckli userläsen, | das g’stellt in eins und in sin huott.
Lauater. Gespaͤnste
32r, 17
(
Zürich
1578
):
dz man sy widerumb gen Orliens soͤlte fuͤre͂ / daselbst [...] vff den platz der statt stellen / da man pflaͤgt die übel thaͤter ze straaffen.
Moscouia B
4v, 18
(
Wien
1557
):
Er ist auch als ein Apostl vnder die heiligen gestelt / [...] worden.
Chron. Köln
1, 255, 435
;
2, 190, 15
;
Wyss, Limb. Chron.
50, 3
;
Küther, UB Frauensee
390, 12
;
Böhme, a. a. O.
14, 5
;
Mon. Boica, NF.
1, 296, 14
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
253, 31
;
478, 9
;
Kurz, Murner. Luth. Narr
2837
;
Bachmann, Morgant
8, 31
;
Chron. Augsb.
7, 476, 22
;
Barack, Zim. Chron.
1, 126, 31
;
Dirr, Münchner Stadtr.
363, 5
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
86, 9
.
Vgl. ferner s. v.  11.
3.
›sich e. S. / jm. entgegenstellen, sich gegen etw. zur Wehr setzen‹; eng anschließbar an 2, aber im Unterschied dazu eher reduziert räumlich gedacht.
Phraseme:
sich gegen dem ton / klang stellen
.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Syntagmen:
sich s
. (absolut) ›sich dem Kampf, der Auseinandersetzung stellen‹;
sich gegen jm
. (z. B.
gegen dem wirt
)
/ jn
. (z. B.
gegen eine person
)
/ wieder jn
. (z. B.
wieder den könig
)
s., sich zu wer, zu gewere, zum streite s., sich mit geschos / arbeit / werfen zu gewere s
.

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
39, 4
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Dar vmb gang balde vnd stelle dich / das ir den stryt angehebent.
Ebd.
156, 31
:
Die von Troye wolten sich widder Ludewigen nit stellen.
Wyss, Limb. Chron.
63, 18
(
mfrk.
,
3. Dr. 14. Jh.
Hs.,
2. H. 16. Jh.
):
Da irmante di gemeine zu Hademar unde stalten sich vigentlichen zu gewere mit werfen.
Bachmann, Morgant
224, 22
(
halem.
,
1530
):
etlich staltend sich zuo wer.
Turmair
4, 695, 5
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Die dritt legion, zuegenant die welsch oder italienisch, hat sich wider gestelt, hat alles herwider bracht.
Knape, Messerschmidt. Bris.
15, 4
;
Wyss, a. a. O.
87, 16
;
Chron. Strassb.
46, 20
;
Bachmann, Morgant
224, 22
.
Vgl. ferner s. v. ,  2.
4.
›etw. (z. B. das Recht) festlegen; (die Uhr) auf eine bestimmte Zeit einstellen; jn. zu etw. bestimmen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2324,  3, (V.) 10,  7,  11,  24, (V.) 4,  14,  2,  5.

Belegblock:

Luther, WA
30, 2, 463, 13
(
1530
):
das Binden [...] so viel musse heissen als gesetze stellen.
Quint, Eckharts Pred.
2, 55, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
ich hân iuch ûzerwelt, gesat, gestellet, bestatet, das ir gât und vruht bringet.
Kurz, Waldis. Esopus
1, 71, 12
(
Frankf.
1557
):
Es ist der brauch in aller Welt, | Das Recht vnd Gsetz werden gestelt.
Brinkmann, Bad. Weist.
79, 29
(
rhfrk.
,
1606
):
daß er [...] die achtuhrglocken leutet und die schlaguhr damit stellet und schmirt.
v. Keller, Ayrer. Dramen
738, 22
(
Nürnb.
1610
/
8
):
[Daß] wir durch ordenlich wahl erwöhlt | Dem Keiserthumb zum Herrn gestelt.
Niewöhner, Teichner
590, 86
(Hs. ˹
önalem.
,
um 1433
˺):
mitt dem geloben ich daz stell | den wir al taͤglich sprechen, | got wol nach den wercken rechen.
Kottinger, Ruffs Adam
6130
(
Zürich
1550
):
und hat zil, tag uff hüt gestellt, | ’s verderben diser gantzen wält.
5.
›etw. (unterschiedliche, im Fluß oder in Bewegung gedachte Bezugsgrößen) anhalten, die Bewegung zum Stehen bringen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 5,  18, ,  123.
Syntagmen:
den blutflus / leibflus, das nasenblut, den kiel, die sonne s., jn., js. rede (zu ruhen) s
. ›jn. zum Schweigen bringen‹.

Belegblock:

Meisen u. a., J. Eck
3, 23
(
Leipzig
1520
):
wie ich auch ander sein yrrig verfurisch lere yetzund tzu rhuen stellen will.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
126, 5
(
Frankf.
1535
):
Der Corall ist [...] reß vnd stellt vast den bluͦtfluß.
Bächtold, N. Manuel. Todt.
19, 89
(
halem.
,
1514
/
22
):
So mir der tod min red wirt stellen, | So bhüet üch gott.
Ebd. Barb.
165, 893
(
Zürich
1526
):
Ir hand mich noch nienen gstellt.
Bachmann u. a., Volksb.
201, 14
(
alem.
,
15. Jh.
):
Renwartt [...] warf den ancker in das mer, als man den kiel thuott, so man sy stellen will.
Ders. Morgant
326, 26
(
halem.
,
1530
):
ich bytt dich [got] das dir geliebe die sunn zestellen.
Kottinger, Ruffs Etter Heini
2641
(
ohalem.
,
1538
):
es wil mir [Luzifer] schier den stulgang stellen, | lung und läber, des magens schlund | verstopfen.
Belkin u. a., a. a. O.
142, 1
;
192, 16
;
Maaler
386v
.
Vgl. ferner s. v.  3.
6.
›etw. (eine Tätigkeit) einstellen, beendigen, mit etw. aufhören‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  12,  11,  19,
1
.
Syntagmen:
den krieg, die rache, das zerwürfnis s., etw. in / zu ruhe s.; mit den pleiten
›Rechtsstreitigkeiten‹
s., mit einem ampt s
.
Wortbildungen:
stellig
2 im Phras.
stellig werden
›mit etw. innehalten‹,
stellung
3 ›Beilegung (eines Konfliktes)‹ (dazu bdv.: vgl.  2).

Belegblock:

Küther, UB Frauensee
273, 15
(
thür.
,
1494
):
nach solcher vorhorunge unde voilmechtiger stellung, [...], scheyden wir sie darumbe ine der gude ewiglich also zcu haldin.
Bachmann, Morgant
204, 14
(
halem.
,
1530
):
Darumm răt ich üch, daz ir die răch uff dyß măl styll stellend.
Buch Weinsb.
2, 342, 8
;
Edlib. Chron.
3, 10
;
Gagliardi, Dok. Waldmann
1, 82, 1
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
339
.
7.
›etw. / jn. beruhigen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  9.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
203, 4907
(
Magdeb.
1608
):
Kinder solt man mit Zucker stellen / | Die Alten mit Eidschweren fellen.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
300b, 6
(
Frankf./M.
1649
):
andere artige Kunststuͤcklein [...] / mit welchen sie jhr Gewissen dermassen stellen koͤnnen.
8.
›nach etw. (oft äußeren oder inneren Werten) streben, trachten, auf etw. aus sein, sich um etw. bemühen‹; mit Angabe der Richtung: ›wohin streben‹.
Phraseme:
auf js. blut / leben stellen
;
jm. nach leib und leben, nach der gurgel stellen
.
Syntagmen:
s., das [...] / zu
[+ Inf.],
danach / dazu s
.;
dem gut s
.;
auf etw
. (z. B.
auf holz / aufrur / ere / frieden / geld / gewalt / wollust, js. blut
)
s., nach etw
. (z. B.
nach demütigkeit / ere / freiheit / freude / geld / gewin / gunst / gut / huld / liebe / minne / narung / rum / wonne, nach dörfern / schlössern, nach der küle / kunst, nach einer hauptmanschaft / pfarre, nach einem ampt / königreich, nach Asien
)
s
.,
jm. nach leib und sele s
., [wohin, z. B.
gen / nach Augsburg, in den himmel
 ]
s., sich zu dem abysse s., von jm. s
. ›von jm. wegstreben‹,
von dem hof s., seine fart
[wohin, z. B.
gen Litauen
]
s
.
Wortbildungen:
stellung
4 ›das Streben nach etw.‹.

Belegblock:

Schöpper
29a
(
Dortm.
1550
):
Eniti. Jrgend nach Ringen dringen fechten trachten stellen hengen sinnen jagen kempffen stehen streben arbeiten sehnen dichten.
Helm, H. v. Hesler. Nicod.
3018
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Bereite dich und stelle, | Jesum Crist z enphane.
Ders., H. v. Hesler. Apok.
21881
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der werlde vordamnisse, | Daz sie zu dem abisse | Vrikoric sich leider stellet.
Quint, Eckharts Trakt.
434, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
swer begert ze komenne ze volkomener abegescheidenheit, der stelle nâch volkomener dêmüeticheit.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
7710
(
rib.
,
1444
):
Zo syngen stalte he [raven] sich aldo risch | As de dat hertze hait vro ind vrisch.
Bobertag, Schwänke
190, 34
(o. O.
1555
):
EJn armer vngelerter pfaff stalt nach einer guͦten reichen pfarr.
Kurz, Waldis. Esopus
2, 59, 20
(
Frankf.
1557
):
Auch solt dich nicht zu jm gesellen, | Des sitten vnd leben von dir stellen.
Gille u. a., M. Beheim
109, 127
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Dem gut sie all zeit stellen | als der vagler den vogeln tut.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 241, 14
(
Nürnb.
1631
):
Bewahr vns vor deß Satans gwalt, | Der vns nach Leib vnd Seele stellt.
Bihlmeyer, Seuse
528, 10
(
alem.
,
14. Jh.
):
Hier nach sol der mensche mit allen seynen begerungen, sinnen und kreften stellen, das im disz werde.
Rieder, St. Georg. Pred.
337, 21
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
gelust, daz úns dar nach [wunne] jamrent wirt und dar nach stellent werdent.
Chron. Strassb.
496, 7
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
das er [...] sich darzuͦ stellete und erbeite, das die heilge kirche zuͦ friden und in einikeit keme.
Fuchs, Murner. Geuchmat
479
(
Basel
1519
):
Das tusendt, die in hymmel stellen, | Farendt dar für zuͦ der hellen.
Goedeke, Fischart Schiff,
600
(
Straßb.
1576
):
welchen die hitz tut gewalt, | Die stellen nach der küle bald.
Adrian, Saelden Hort
2591
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
si stalt och uf daz leben sin | und moht och nit ertoden in.
Dierauer, Chron. Zürich
77, 12
(
halem.
,
1415
/
20
):
so stalten únser aidgnossen von Switz darnach, das si und ouch wir bi den aiden beliben.
Maaler
386v
(
Zürich
1561
):
Stellen / Etwas auff begird vnd verlangen haben. [...]. Auff aufruͦr Stellen / Vnderston das gemein regiment in grosse vnruͦw zebringen. [...]. Auff einsi bluͦt Stellen / jn vm͂zebringen.
Chron. Augsb.
5, 60,
Anm. 1 (
schwäb.
,
1523
/
7
):
das annder erber leut sunst desterminder her gen Augspurg heyraten und stellen möchten.
Schorer, Sprachposaun
14, 15
(o. O.
1648
):
da redet man dir nach dem Munde / vnd stellet dir nach den Gurgel.
Karnein, de amore dt.
97, 14
(
moobd.
,
v. 1440
):
Hierumb mues der gemain man mit [...] wolgezogenhait geziert sein, stellt er nach mynn vnd lieb der fürstin.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 89
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
säld nicht enperen, | gen himel stellen, | zu der hellen | sich nicht gesellen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
5, 29
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
er hat auch von jugent nach erre und guet gestellt.
Turmair
4, 495, 28
(
moobd.
,
1522
/
33
):
drang für aigner nutz, wüetung und toben tag und nacht nach gelt und guet, stellung mit miet und gab nach êren und grossen ämptern.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
26081
;
Helm, a. a. O.
4600
;
14258
;
Kurz, a. a. O.
3, 92, 20
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
27, 18
;
Mayer, Folz. Meisterl.
1, 66
;
30, 67
;
Chron. Nürnb.
1, 56, 12
;
Fuchs, Murner.
4
Ketzer 1090;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1316
;
Chron. Augsb.
1, 162, 20
;
2, 51, 10
;
5, 32, 2
;
53, 15
;
Niewöhner, Teichner
624, 53
;
Karnein, a. a. O.
244, 9
;
Langmantel, Schiltb. Reiseb.
14, 17
;
Grossmann, a. a. O.
232, 22
;
Turmair
4, 268, 28
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
338
;
Vorarlb. Wb.
2, 1293
.
Vgl. ferner s. v.  8.
9.
›jm. nachjagen, nachstellen, auflauern (jeweils in übler Absicht); nach jm. fahnden; e. S. (auch: einem Tier) auflauern, (ein Tier) jagen‹; absolut: ›Fallen stellen‹ (dies im Unterschied zu 1 eher auf das Ziel bezogen und reduziert räumlich gedacht).
Bedeutungsverwandte:
vgl.  12,  6,  2,
1
 4,  2.
Syntagmen:
der teufel
(Subj.)
s
. ›Fallstricke legen‹;
der unschuld, den fischen, dem hirschen s
.;
nach jm.
(z. B.
nach der königin, nach leuten
)
/ auf jn
. (z. B.
auf einen mönch
)
s., auf das menschliche künne s
.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
4, 94, 183
(
Frankf.
1557
):
Der Hecht vnd Reyer steln den Fischen.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
753
(
omd.
,
1338
):
Swen er [trache] sinnet alle vrist | Wi er der unschult stelle | Und si mit sunden velle.
Hübner, Buch Daniel
2339
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
daz icht valle | Der sunder in die valle | Des tuvels, der hie stellet.
Gille u. a., M. Beheim
330, 34
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Nun merkend mein gesank, | wie sy [maisterin] dem hirssen stallet | so lang, pis sy in vallet!
Bihlmeyer, Seuse
115, 20
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz sú [túfellische geister] iemer woͤltin uf in [muͤnch] stellen.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2648
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
den grÿmmen kúnig alt, | Der ÿe uff menschlich kúnne stalt.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
18, 13
;
Chron. Strassb.
683, 2
;
Adrian, Saelden Hort
214
.
Vgl. ferner s. v.  1.
10.
›etw. (oft: sein Sinnen und Trachten) auf etw. ausrichten, sich auf etw. einstellen, einrichten‹; eng an 8 anschließbar.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl.  6,  1,  2.
Syntagmen:
den glauben, das herz / vertrauen auf etw. / jn. s., die sinne, die zuversicht / weisung auf etw. s., alles bis auf die person s., den wan nach etw
. (z. B.
nach eren
)
s., die rede nach etw. s., eine stat nach got s., eine sache zu frieden, auf jn. s., seinen leib
(›sich‹)
s., zu [...], den rat dazu s., wie [...], sich dazu s. und
[+ Hauptsatz],
sich danach s., das [...], das antlit minniglich gegen etw
. (z. B.
gegen arbeit
)
s
.;
etw. auf ordnung gestelt sein
.
Wortbildungen
stelbret
(dazu bdv.: ; vgl. ,  2; Beleg s. v.  1).

Belegblock:

Luther, WA
41, 170, 4
(
1535
):
scilicet quod Moses gesetz sol auffhoren, Quia es ist als gestellt bis auff die person, die wird der man sein.
Chron. Magdeb.
2, 35, 20
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
dem Camergerichte zu gehorsamen, mit dem Ertzbischoff und Capittel sich zuvortragen oder die sach auf ihne zustellen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
537, 986
(
Magdeb.
1608
):
Das heist auff mechtich Huͤlff Gesellen / | Sein vertrawen vnd wolfarth stellen.
Froning, Alsf. Passionssp.
2339
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Hir uff, er Judden, stellet alle uwern sinne.
Anderson u. a., Flugschrr.
8, 11, 22
([
Nürnb.
]
1524
):
[er] stellet sein hertz nicht allain auff got.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
230, 31
(
Nürnb.
1548
):
Da solten wir alle / [...] / hin sehen / vnd vnser hertzen darnach richten / vnnd unser gebet darauff stellen.
Rieder, St. Georg. Pred.
34, 26
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
wie minneklich sin antlút gestellet si gegen der gehorsami und gegen ander arbait.
Bachmann, Morgant
175, 3
(
halem.
,
1530
):
Denck nun nŭt, das ich min lib stelle den stryt zethuon.
Henisch
261
/2 (
Augsb.
1616
):
Wer auff Menschen sein vertrawen stelt / der bricht ein bein.
Gierach, Märterb.
12448
(Hs. ˹
moobd.
,
A. 15. Jh.
˺):
der lerer, | der vil rain und gewër, | die stat nach Got hette gestalt.
Turmair
4, 827, 21
(
moobd.
,
1522
/
33
):
hielt mit im ietz ein gespräch, stelt die sach alle zu frid.
Wackernell, Adt. Passionssp. Pf. I,
332
(
tir.
,
1486
):
O ferflüechtes marter haus, mein helle! | Pald dar nach dich stelle, | Das dw enpfachest Jhesum Crist.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
2687
;
Froning, a. a. O.
347
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
138, 4
;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
69, 23
;
107, 24
;
Valli, Baldemann
318
;
Gille u. a., M. Beheim
22, 105
;
Schwäb. Wb.
5, 1724
.
Vgl. ferner s. v.  7, .
11.
›sich wohin begeben, wo einfinden, wo erscheinen‹; auch ütr.: ›sich in einen bestimmten Zustand begeben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  4,
1
 12,  10,  6,  1,  1,  9,  68,
1
 10,  7.

Belegblock:

Strauch, Par. anime int.
22, 15
(
thür.
,
14. Jh.
):
also daz si sich stelle in eine suze guit zuphlichtikeit.
Sappler, H. Kaufringer
3, 354
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
so sölt er [baure] sich stellen wider | in des richters haus hinein.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
145, 5
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Der bischoff ward gevangen geyn Twingwerg gefurtt [...], darnach gen Fryesach getagt ze stellen.
12.
›sich in bestimmter Weise geben, stellen, verhalten, so tun, als ob [...]; etw. (z. B. eine Rede) in bestimmter Weise aufziehen, gestalten‹; auch: ›in besonderer Weise gestimmt sein‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,
1
 1, , , (V.); vgl.  18,  26,  2,  5,  21, (V.) 8.
Syntagmen:
sich bekümmert / ernstlich / from / freundlich / fürstlich / greulich / heilig / kränklich / mitleidig, närrisch / ruhig / sauer / stille s., sich jm. gleich s., sich s., als wen [...] / als (ob) [...], sich anders als gewönlich s., sich vor der welt
[wie]
s., etw
. (z. B.
die rede
)
erschrockenlich s
.;
zu freuden gestelt werden
;
das auswendige / freundliche stellen
.

Belegblock:

Luther, WA
32, 101, 16
(
1530
):
Es dunckt uns wol, weil die Sophisten und die Bischoffe sich itzt so sauer stellen, es werde uns zu schwer werden.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
274, 5
(
Wolfenb.
1593
):
Iohan stellet sich gar kräncklich, das er so schweer tragen mus, vnd ancket.
Mieder, Lehmann. Flor.
550, 29
(
Lübeck
1639
):
Noht ist in geschickter Mann / der sich weiß zu stellen / als ob ers mit gutem willen thet.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
243a, 39
(
Frankf./M.
1649
):
wie ruhig vnd still derselbig sich auch noch zur Zeit stellen moͤge.
Gille u. a., M. Beheim
56a, 35
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Der esel sich, | gar spotigclich | gegen dem lewen | Stellen pegan.
v. Keller, Ayrer. Dramen
3100, 29
(
Nürnb.
1610
/
8
):
Du stelst dich also freundlich, | Wie Pfeffer in den Augn.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
9, 9
(
Straßb.
1650
):
diese Leute sind warhafftig nicht wie sie sich vor der Welt stellen, es ist Heucheley dahinder. [...]. Es stellen sich viel, wollen es sein, vnd sinds doch nicht.
Ebd.
45, 33
:
ein Heuchler [...] Stellet sich heilig, ist doch ein Schalck im Hertzen.
Schorer, Sprachposaun
70, 3
(o. O.
1648
):
vnd stellet sich so mitleidig mit seinen Augen / Maul / Kopff / [...] / als wann er jhm das Hertz gedenck aus dem Leibe zu geben.
Adrian, Saelden Hort
9889
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
do Magdalene Jesum sach, | gar verswand ir ungemach, | ze froden sie gestellet wol | ward und aller gnaden vol.
Maaler
386v
(
Zürich
1561
):
Sich ernstlich Stellen [...]. Sich einem bidermañ gleych Stellen.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
173, 22
(
Ulm
1486
):
Dise reden alle sind in geberde und antlitz der magt erschrockenlich gestellet.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
267, 30
(
oobd.
,
1349
/
50
):
ain vorseher spricht, daz diu slang alsô die läut tœt, daz sich des tôten antlütz in kain trauren stell noch schick.
Luther, WA
10, 1, 2, 362, 29
;
11, 76, 9
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
82, 1214
;
v. Ingen, Zesen Rosenw.
114, 26
;
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
17, 11
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
192v, 32
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 18, 1
.
Vgl. ferner s. v.  2,  2,  1,  1,  9,
1
 2.
13.
›etw. machen, einrichten, gestalten, bilden, darstellen; etw. sein; etw. vollbringen, zuwege bringen‹; als Part. Prät.: ›beschaffen, gestaltet; von der Art, daß [...]‹.
Phraseme:
also gestalt, das [...]
›dergestalt, daß [...]‹;
nach gestalten dingen / sachen
›nach Lage der Dinge‹.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
ein werk, die welt, wunder
)
s., etw. zu gute / übel, nach etw. s., etw. s., als [...], etw. so s., das [...], jn. rot s
. ›erröten lassen‹,
jn. zu frieden s.
;
etw
. (z. B.
die stat, das wasser
)
wie gestelt sein, etw. ritterlich, nach einem verken, j. schön gestelt sein, etw. so gestelt machen, das [...]
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
7475
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Als ist iz umme diz gestalt: | Unses herren gewalt | Ist an allen dingen glich.
Ebd.
13043
:
Der [Got] alle dinc stellet | Recht als iz im gevellet.
Strehlke, Nic. Jerosch. Chron.
23635
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
Unsir gote hân gewalt, | di machin iz alsô gestalt, | daz [...].
Luther, WA
30, 2, 469, 1
(
1530
):
So sie [des himmels schluͤssel] doch [...] allein eusserliche jrdissche geberden stellen, Sie solten jrdissche schluͤssel heissen.
Quint, Eckharts Pred.
1, 63, 11
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Eyâ, nû merket iuch selber, wie euwer minne gestalt sî!
Fischer, Brun v. Schoneb.
4606
(
md.
, Hs.
um 1400
):
dine [vrouwe] vuze an dime schoie | sint rittirlich gestellet wol.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
10612
(
rib.
,
1444
):
Na eyme verchen ist gestelt | Dat in de erde de mule helt.
Küther, UB Frauensee
220, 8
(
thür.
,
1446
):
wurde eß dem egenanten Hinrich Werman addir sin erbin also gestalt gelegen, daß [...].
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
133, 40
(
thür.
,
1474
):
mag ym an syner gerechtikeyt nach gestalten dingen keyn hinderniße thun.
Ebd.
219, 12
:
derselbige Contcze Meynhart muß nach gestalten sachen nach hute by tage Hannßen Bluwel, synen weddersachen, zcu syner zcuerkanten bewisunge [...] kommen laßen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
134, 25
(
omd.
,
1548
):
Do aber der beklagte [...] den kläger nicht ablöset und zufrieden stellet.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
132, 3, 20
(
schles.
,
1382
):
[wir] wellen das also gestalt haben, das ir dieselben vorwesere des Bischthuͦmes [...] an der fure desselben bires vnd tranckes [...] nicht hindert.
Bihlmeyer, Seuse
378, 14
(
alem.
,
14. Jh.
):
Talis est dilectus meus, alsus minneklich gestellet ist min susses lieb, und er ist mins HERZEN TRUT.
Ebd.
425, 14
:
daz sich der herre in dem schoͤnen wingarten ergienge, der sich so reht wol gestellet hetti.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
18, 28
(
oobd.
,
1349
/
50
):
diu kel hât die kraft, daz si münzet und stellet die stimm und daz gesanch.
Niewöhner, Teichner
463, 30
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
wem ein scham inz hertz gevellet, | der wirt rot da von gestellet.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
188
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
das die sel geaint wirt dem leib, das der selb leib muͦs gestelt vnd geschikcht sein an den tailen, da [...].
Ebd.
288
:
Es haist auch ydea der vorgeund gedankch des zimermans in seinem herczen, da er das zimer nach stelt.
Chron. Augsb.
2, 354, 31
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
so begeren wir von ewch aigenlichen ze wissen, wie es umb die sache gestalt sye.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
16, 22
(
moobd.
,
1478
/
81
):
die [ritter] mit manlicher tat sovil wunders stalten mit ir ritterschaft, das [...].
Helm, H. v. Hesler. Nicod.
4863
;
ders., H. v. Hesler. Apok.
4422
;
6439
;
Fischer, a. a. O.
1629
;
2655
;
3289
;
Meijboom, a. a. O.
2629
;
Froning, Alsf. Passionssp.
1770
;
3991
;
Kurz, Waldis. Esopus
4, 100, 192
;
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
20, 10
;
Palm, Veter Buoch
44, 15
.
Vgl. ferner s. v.  3.
14.
›etw. (einen Text) verfassen, formulieren, artikulieren, erstellen‹; auch: ›(einen Text) an jn. richten‹; ›etw. nennen, angeben‹.
Syntagmen:
einen artikel / brief / bericht / zettel, den catechismus, die antwort / bulle / klage / rede / schrift
(mehrfach),
das buch / statut s., etw. in geschrift s., etw. beschlüslich / deutsch / förmlich / klar / lauter / verständig / weitschweifig s., jm. worte s., ein bedenken auf eine notel s., eine klage / schrift an jn. s
.;
die gestelte notel
; mit Satzgliedschub refl.:
der reim sich s
. ›sich fügen‹.
Wortbildungen:
stellung
5 ›textlich festgelegte Ordnung‹.

Belegblock:

Luther, WA
30, 3, 75, 3
(
1529
):
Darumb hab ich wollen diese wort und weise stellen den ienigen, so es nicht besser wissen.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
1480
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Nach deme der sin gevellet | Und sich der rim gestellet | Und die materie sich getreit.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
151, 6
(
Magdeb.
1615
):
Gestellet von Dem Ehrwuͤrdigen [...] Valentino Weigelio.
Köbler, Ref. Wormbs
77, 18
(
Worms
1499
):
soll die clag luter verstendig schickerlich nit wytschweiffig [...] gestelt werden.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
135, 11
(
omd.
,
1616
):
so mag die klage und citation an [...] den mann ehelicher vormundschaft seines weibes gestellet werden.
Maaler
429r
(
Zürich
1561
):
Ein ding in gewüsse hauptstuck [...] Stellen vnd ordnen. [...]. Ein klag wider einen Stellen vnd fürnemen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 10, 27
([
Augsb.
]
1548
):
Der Bawr antwortet / Er woͤlle es gerne thuͤn / allain das man im sein muͤhe [...] statlich moͤchte belohnen / derhalben woͤlle er im seinen verdienst stellen und nennen.
Chron. Augsb.
7, 223, 10
(
schwäb.
, zu
1550
):
personen, die auf der kay. mt. letsten fürtrag sich bedencken und ain antwurt stellen solten.
Rot
300
(
Augsb.
1571
):
Constitution / Ordinantz / Stellung / satzung als constitutiones patrum.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
8, 5
;
Schorer, Sprachposaun
44, 6
;
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 10, 2
;
Chron. Augsb.
7, 53, 15
;
102, 7
;
21
;
266, 6
;
279, 30
;
365, 15
;
8, 378, 1
;
Dirr, Münchner Stadtr.
369, 12
;
Zingerle, Inventare
3, 1, 13
.
Vgl. ferner s. v.  7,  3,  2.
15.
›etw. ausüben, tun, vollziehen‹.
Phraseme:
flüchtigen fus stellen
›flüchten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,  9,  1,  3, ,
2
 1.
Syntagmen:
oft mit Abstractum im Akk., Tendenz zu Funktionsverbgefüge, z. B.
jamer stellen
›jammern‹,
die not stellen
›den Zustand der Not laut beklagen‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
2490
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Der slange wart beschriet | Umme den roubelichen gewalt | Der an deme menschen waz gestalt.
Ebd.
19010
:
Und wirt groz jamer da gestalt.
Reissenberger, Väterb.
39912
(
md.
, Hs. 
v. 1406
):
die not [...] | Di vater, muter und prawt | So laidlich stalten uberlawt | An geperden und an schall.
Kurz, Waldis. Esopus
1, 78, 16
(
Frankf.
1557
):
Die Fabel lert, das wir nit sollen | Allen rathgebern glauben stellen.
Fischer, Brun v. Schoneb.
1, 135
(
md.
, Hs.
um 1400
):
sih uns recht als der straus die pruͦt, | stell plik gar hoch in adlars muͦt.
Reissenberger, a. a. O.
40279
;
Turmair
4, 124, 2
.
16.
›etw. (das durch den Inhalt des Abstraktums angegeben wird) bewirken, machen, tun; bewirken, daß etw. geschieht, daß j. etw. tut, daß etw. / j.
ge-
(+ Verb im Part. Prät., z. B. verachtet) wird‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5,  7,  35.
Syntagmen
Tendenz zum Funktionsverbgefüge:
stellen
+ Verbalabstractum in einem Präpositionalgefüge; hohe Phrasemtendenz; vgl. folgende Belege (teils mit Kurzvorschlag für die Übersetzung):
etw. ins werk stellen, jm. auf schande stellen
›jn. lästern‹;
sich zur narung stellen
›seinen Lebensunterhalt verdienen‹;
etw. auf das recht stellen
›etw. dem Richterspruch überlassen‹;
etw. zu bewust stellen
(auch:
setzen
) ›etw. bewußt machen‹;
jn. zu ruhe stellen
;
etw. in verges stellen
›etw. vergessen machen‹;
jn. zur rede, zu reden stellen
;
etw. in ordnung stellen
(auch:
bringen
);
etw. zu einer lere stellen
(auch:
geben
) ›etw. eine Lehre sein lassen‹;
etw. auf bedenken stellen
;
etw. in zwangsal stellen
;
etw. in den alten stand stellen
;
etw. in js. willen / gefallen stellen
;
jn. in die wal stellen
›jn. zur Wahl nominieren‹;
etw. in verachtung stellen
;
jn. ins kreuz stellen
›jm. eine Buße auferlegen‹;
etw. in js. wilkür stellen
;
jn. in wirde stellen
›jn. würdevoll behandeln‹.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
381, 19
(
Wolfenb.
1594
):
Ich wil [...] es versuchen, ob ichs kondte ins werck stellen.
Lappenberg, Fleming. Ged.
204, 267
(
1638
):
Wer mir auf Schande stellt, | der wisse, daß er selbst in eigne Stricke fällt.
Hübner, Buch Daniel
902
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Der kunic liez sie stellen | in wirde.
Kurz, Waldis. Esopus
3, 59, 18
(
Frankf.
1557
):
Den faulen Buben, die nicht woͤllen | Sich, wie sichs gbuͤrt, zur narung stellen, | Sein werdt, das mans mit flegeln etzt.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
170, 16
(
thür.
,
1474
):
unde stelle daz uff daz recht zcu erkennen, waz darumbe recht sy.
Ebd.
309, 7
:
unde stellet daz zcu des hern von Gera eygenem bewust.
Sachs
7, 347, 18
(
Nürnb.
1558
):
Warhafft gewalt, ehr und reichthumb | Den menschen gar zu rhu nicht stellen.
Anderson u. a., Flugschrr.
4, 6, 14
([
Straßb.
]
1524
):
Die weyl sie aber (leyder) jr ampt vnd beuelch / mit vnserm [...] nachteyl in vergessz stellend.
Bachmann, Morgant
44, 23
(
halem.
,
1530
):
Der hertzog Doon von Nantueyl stalt einen zuo red.
Maaler
47r
(
Zürich
1561
):
Die gschichten vñ zeyt ordenlich Außteile͂. vnd in ordnung bringen vnd stellen.
Ebd.
83v
:
Zuͦ eim Byspil vnd zuͦ einer leer stellen vnd geben.
Ebd.
386r
:
Alles in zweyfel Stellen [...]. In ordnung Stellen.
Chron. Augsb.
7, 190, 15
(
schwäb.
, zu
1550
):
doch hat ers auf weiters bedencken gestelt.
Ebd.
262, 4
(
1552
):
in was zwangsal, jamer und ellend das geliebte vatterland teutscher nation etliche jar her gestellt.
Ebd.
269, 8
:
das unbillich benumen und verloren [...] zuͤ recuperieren, erholen, und in den alten, wolhergebrachten stand zuͤ stellen.
Ebd.
8, 347, 8
(zu
1548
):
so habe man [...] das gantz in Jrer may. willen und gefallen gestellt: das schweren [...] anzuestellen oder fürgehen zue lassen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
110, 13
(
m/soobd.
,
1603
, Hs.
18. Jh.
):
Personen, die der raht und gmain nach alter löblicher gewonhait in die waal stellen.
Ebd.
145, 32
(
1624
):
nit gottlestern, fluechen oder schelten. wan es aber ainer überfuer, soll durch den herrn pfarrer ins creüz gestelt werden.
Ebd.
340, 20
(
1599
, Hs.
2. H. 17. Jh.
):
Wan einer ain pund so von obrigkait wegen aufgesezt in verachtung stelt.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
336a, 22
;
Kottinger, Ruffs Etter Heini
15
;
A. à S. Clara. Glori
16, 26
.
Vgl. ferner s. v. .