gestalt,
die
;
-Ø/
auch
;
in einzelnen Verbindungen adverbialer (3) und präpositionaler (6; 8) Gebrauch; in 9 auch Verwendung als
Konjunktion.
1.
›Gestalt, äußere Form, Modell, Rahmen, Umriß, die / den eine (meist konkret, auch abstrakt gedachte) Bezugsgröße bleibend hat, in der man sie denken kann oder die sie (aus einer anderen Gestalt wechselnd) annehmen kann‹; teils mit Betonung der klaren Umrißlinie, teils metaphorisch mit Reduktion der Bildvorstellung; auch ›Planskizze, Entwurf im Kopf eines Gestaltenden‹; ›bildliche Darstellung von etw. (z. B. der Passion Christi)‹;
vereinzelt mit Tendenz zu ›Anschein, Vorwand‹; vgl. (V.) 1.
Phraseme:
e. S. die erste / lezte gestalt geben
.
Bedeutungsverwandte:
(
das
2, ,  34,  4, , , , ,  1,  1.
Syntagmen:
(die / eine) g. annemen / haben, die g. besehen, einem ding eine g. geben
;
etw. für eine g. nemen, in einer g. kommen, in js. g. gehen, jn. in eine g. verwandeln / verkeren, sich in einer g. erzeigen, in einer g. beschaffen sein, in einer anderen g.
[wo]
bleiben, jn. nach seiner g. schaffen; unter einer g. gift eingiessen
;
die g. der bogen / buchstaben / hörner, des menschen / knechtes / angesichtes / brotes / späzleins / weines / weibes / feuers / liechtes / gottesdienstes / himmels / teufels / wurmes, des waren, eines cörpers, die g. der frau / figur / hand / haut / schlange / welt / kirche / christenheit / geistlichkeit / heiligkeit, der marter gottes
;
die arme / böse / eigene / dreieckechte / greifliche / liebliche / seltsame / sicht(bar)liche / sinwele g
.
Wortbildungen:
gestaltgeben
,
gestaltgebung
(s. u. die Belege
Turmair
),
gestaltheit
1 (dazu bdv.: , ,  1),
gestaltig
(a. 1516),
gestaltmacher
(dazu bdv.:
1
 1).

Belegblock:

Luther, WA (
1518
):
er
[Christus]
hat abgelegt die gestalt Gottes und ist erfunden in der gestalt des Menschen.
Er [schein] hat nur die farbe, gestalt und ansehen eines Gottesdienst.
Ebd. (
1529
):
Francisci Regel hat ein guten schein und schoͤne gestalt der geistligkeit und heiligkeit.
Aber diese beschlaffene [dirne] yhren hoͤhesten schatz nach unsers lands gestalt
[›nach der Sitte unseres Landes‹]
verwarloset, und zur Ehe nicht wol komen kan.
Ebd. (
1524
):
Er [son] gieng ynn meyner armen gstalt, | Den teuffel wollt er fangen.
Ebd. (
1538
):
Also hat nun Gott [...] sich nicht allein im wortt offenbart, sondern auch in [...] greifflicher gestalt.
Ebd. (
1537
/
40
):
Das hatt der Teuffel wol gethan, das ehr sich in ejner heimlichen gestalt also hat sehen lassen, und viel uberredet und betrogen hat.
Ders. Hl. Schrifft.
Lk. 12, 56
(
Wittenb.
1545
):
Jr Heuchler / Die gestalt
[
Mentel
1466:
antlútz
; 1475
2
–1518:
angesicht
]
der Erden vnd des Himels künd jr prüfen / Wie prüfet jr aber diese zeit nicht ?
Peil, Rollenhagen. Froschm.
535, 907
(
Magdeb.
1608
):
Der [Hirsch] stund beim Wasser in der ruhe / | Besahe seiner Hoͤrner gstalt / | Wie in eim Spiegel abgemalt.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
60, 10
(
um 1571
, Hs.
1615
):
so ist der Mensch auch auß der welt, vnd ist die welt bliben, ob schon in einer andern form vnd gestalt, alß Jm bluet vnnd fleisch, demnach ist er die welt als ein Microcosmus oder alß ein Sohn vom Vatter.
v. Ingen, Zesen Rosenw.
61, 5
(
Hamburg
1646
):
daß unter eines maͤnschen gestalt / und unter diser schaͤfertracht eine solche maͤchtige kraft verborgen sei?
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
das ich hinvff faren werden ghen Hymel / vnnd entziehe͂ euch meine sichtbarliche gestalt.
Voc. inc. teut.
i iiijv
(
Speyer
um 1483
/
4
):
Gestalt dy ainer im sin hat vnd form eewan er das werck macht od’ ee er das v’bringt.
Knape, Messerschmidt. Bris.
41, 26
(
Frankf./M.
1559
):
O Gott der du bist in der hoͤhe / vnd mich auff erden nach deiner biltnuß vnd gestalt / erschaffen hast.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
yn dem mere fische, die gestalt etzwas haben noch den tyren uf dem ertreiche, unde darvmbe sso nennet man sie merwunder.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
79, 18
(
omd.
,
1487
):
Wÿ vnder einer solchen cleinen gestaltt des brottes warer gott vnd mensch moge sein.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
die ronde sichtliche Gestalt deß jenigen Coͤrpers / der von dem andern [...] verfinstert sol werden.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
213
(
Nürnb.
1517
):
die [schlange] sich kan verwandelen in einen engel des liechts und under der besten gestalt die ,ergisten gift‘ eingiesen.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
12, 38
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
er [tewffel] kan decken das falsch untter der gestalt des waren.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1512
/
13
):
so tzewch dan dÿ gestalt der hand [...] dorein mit fleissiger awffmerckung.
Illing, Albert. Sup. miss.
1706
(
els.
,
n. 1380
):
Wie luͤstlich ist das aneblicken der schoͤnen liehten gestalt vnd gezierde der heilgen cristenheit.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
633, 11
(
els.
,
1362
):
Oͮch kam ein ander zoͮberer [...], in eins speczelins gestalt an ir fenster.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Jedem ding gab man zwar seine gestalt; aber es war eine blosse gestalt; dann das inerliche war anderst.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
19, 11
(
Zürich
1521
):
geben sy damit gnuͦg zuͦ verston / das sy vnder gstalt vñ ansprach der kilchen dienen jren anfechtungen vnnd begirden.
Jörg, Salat. Reformationschr.
240, 3
(
halem.
,
1534
/
5
):
waͤr die zeichen, biltnus, crütz / und gstallt der marter gottes oder der helgen für sin hus hin truͦg, den wellt er [...] erschlachen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Polire, Leuire. Gletten. Wol Außpolieren / Die letste gestalt geben.
Lauater. Gespaͤnste
21v, 4
(
Zürich
1578
):
dise wunderbare geschicht / so sich [...] zuͦ Rom vnder der gstalt deß gottsdiensts Jsidis hat zuͦ getragen.
Langmantel, Schiltb. Reiseb. (
oobd.
,
n. 1427
):
es [rott mer] hatt ein gestalt als ein ander mer.
Brandstetter, Wigoleis
208, 7
(
Augsb.
1493
):
Der künig ward widerum verwandelt in gestalt eines wurmes.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Wer nun das lesen von jm selber so weit lernet, bis auff die erkendtnuß der gestalt oder form der buchstaben, der ist dises rhumes [...] werdt.
Turmair (
Augsb.
1517
):
figura est [...] arte aliqua novata forma dicendi, ,verkerung, verendrung der redt, anderst dann der gemein brauch ist, ferblin anstreichen, gstalt geben, verdeckte wort’.
figura conformatio quaedem a communi et primum se offerente oratione, ,ein verendrung, verkerung, gstaltgebung, zierung‘.
Rot
313
(
Augsb.
1571
):
Form [...]. gestalt / gemaͤcht / schoͤn / gestaltnus eins dings. Jtem ein entwerffung / vorbild vnnd muster eins dings. Jtem ein raif uñ form darein man die kaͤß macht / [...] kaͤßmodel.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Gestaltheit / gestaltnuß / gestaltsam͂e / bschaffenheit.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
6, 6
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Daz kurtz puch von der gestalt der werlt.
Ebd.
12, 10
:
Daruͤmb ist die geschaffen werlt sinwel, wanne an der sinbeln gestalt ist weder end noch anvank.
Ebd.
42, 5
:
nach der pogen gestalt kurtzent sich die tag uͤber die neht.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 2
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Got, in drivaldikait ainvalt, | ain ding, ain wesen, drei gestalt, | an zuval.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Der oͤbrist gekreúczigt herre Jhesus Christus wolt dem selben gestaltmacher oder maler seiner marter pildnúsz weysen und erzaigen, wie [...].
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
63, 20
(
tir.
,
1464
):
In der gestalt des selbigen liechtes hab wir gesehen das liecht pëder gezeükhnus, der alten e vnd der neüen.
Ebd.
106, 39
:
da cham der pös geist in der gestalt aines graussamen menschen.
Wyss, Limb. Chron. ;
J. W. von Cube. Hortus
3, 14
;
v. d. Lee, a. a. O.
75, 28
;
Rupprich, a. a. O. ;
Menge, Laufenb. Reg.
1271
;
1683
;
Williams u. a., a. a. O.
17, 14
;
Wagner, a. a. O.
2, 81
;
Wyss, Luz. Ostersp.
110
;
Eschenloher. Medicus ;
Kohler, a. a. O. ;
Brévart, a. a. O.
6, 11
;
47, 17
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ; ; ;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
61, 70
;
ders., H. v. Langenstein. Quästio
193, 169
;
Buijssen, Dur. Rat.
11, 30
;
Steer, K. v. Megenberg. Sel
521
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
429
;
Höver, Bonaventura. Itin. A
377
;
Rot
286
;
318
;
Dietz, Wb. Luther
2, 104
f.;
Vgl. ferner s. v.  6,  2,  2,  6,  2, , .
2.
›Figur, Gestalt, äußeres Erscheinungsbild, Aussehen des individuellen Menschen, auch Gottes, Christi‹; oft mit Bewertung nach der Dichotomie ,schön/häßlich‘, dann Tendenz zu ,Schönheit‘; teils metonymisch in Richtung auf ›Haltung, Gehabe, Habitus‹; teils Synekdoche im Sinne von ›Angesicht, Physiognomie, Gesichtszug‹; als pars pro toto die Gesamtperson meinend; in 1 Mundartbeleg metonymisch: ›Mieder‹ (schles., a. 1615); insgesamt eng an 1 anschließbar.
Bedeutungsverwandte
(bzw. im Orientierungsfeld):  12, (
das
2,  123, , , (
das
12,  12, ,  3,
1
 1, (s. v. ),  2, , ; vgl.  4.
Syntagmen:
die g. bedenken / betrachten / gewinnen / sehen / verlieren, js. g. annemen / ertöten / wissen
;
js. g
. (Subj.)
häslich / verfallen, dem darkommen ungleich sein, eines schrickes engelten
;
j. guter / schöner g. sein, elender g. werden
;
jm. an g. gleich sein, an js. gestalt etw. merken, in der g. ferre von jm. sein, von g. schön sein, von der g. zu der liebe gedrungen werden, von g. ein jüngling / ritter sein
;
die g. Christi, des angesichtes / menschen / knechtes
;
die adelliche / bleiche / gute / herliche / knechtliche / liebliche / minnigliche / schöne g
.;
der gebärer der g
.;
das bild nach js. g., der herre in seiner g
.

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
FORMA. Huͤpsche schoͤne gestalt wollgestalt.
Luther, WA (
1522
):
ich [teüfel] will in der gestalt des selben [Christi] erscheynen.
Ders. Hl. Schrifft.
1. Sam. 16, 7
(
Wittenb.
1545
):
Sihe nicht an seine [Ehab] Gestalt / noch seine grosse Person.
Ebd.
1. Sam. 16, 12
:
er war braunlicht mit schönen augen / vnd guter gestalt.
Ebd.
Phil. 2, 6
:
Welcher / ob er wol in göttlicher gestalt war / hielt ers nicht für einen Raub / Gotte gleich sein, sondern [...] nam Knechts gestalt an.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
56, 394
(
Magdeb.
1608
):
wenn ich auch recht betracht / | Deine gestalt / manheit / vnd macht / | Kans nicht wol feiln du bist ein Herr.
Ebd.
165, 3741
:
Hat er verloren all gestalt / | War ploͤtzlich worden graw vnd alt.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
der selbe Reinhart was gar ein kluger ritter von libe, von sinne unde von gestalt.
nu saltu wißen phyzonomien unde gestalt hern Conen vurgenant.
Dubizmay, kurß zu Teutze
58, 15
(
hess.
,
1463
):
Mit deyner gestalt vnd mit deyner schone Ganck here fure.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Als sie nun kamen vor den Waldt, | Da merckt der Juͤd an seiner gstalt, | Das er nichts gutes het im sinn.
Harms u. a., Alberus. Fabeln
33, 14
(
Frankf./M.
1550
):
bey des menschen lieblicher gestalt / vnd schoͤnen geberden / merckt man das ein verstandt vnd tugent dahinden ist.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Nynus, der liess yn seynes vater ere gar eyn schones bilde noch der gestalt unde grosse uf seynes vater grap hawen.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 16, 9
(Hs. ˹
omd.
/
schles.
,
14. Jh.
˺):
sin art, die mac man von mir sagen | und min gestalt in sinen jagen.
Gerhardt, Meister v. Prag
48, 14
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
Ir habt sein stymme nye gehort noch habt sein gestalt gesehen.
Voc. Teut.-Lat.
m jr
(
Nürnb.
1482
):
Gestalt vbung klayde beraytung schicku͂g. habitudo habitus.
Ebd.
m ijr
:
Gestalt od’ angesicht od’ antlutz. visonomia.
Cirurgia H. Brunschwig
25ra, 10
(
Straßb.
[
1497
]):
So ist not dem wund artzet zuͦ bedenckenn die geschiclikeit des verwunten. vnnd die gestalt vnd complexion.
Wickram
4, 32, 24
(
Straßb.
1556
):
Darzuͤ so was er auch von person / leib und gstalt / ein schoͤner gerader jüngling.
Maaler (
Zürich
1561
):
Gestalt (die) Die hüpsche einer person / Angesicht.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Die weisen werdent am maisten aus der hoffnung getrungen zuͦ der liebe. Aber die thoren allain von der gestalt.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
1, 10
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
wer in sünden ist veraltt, | der gewinnt ain gut gestalt.
Niewöhner, Teichner
564, 3819
(Hs. ˹
moobd.
,
n. 1400
˺):
nu sait man doch, | wie der tewfel hab ein joch | und ein cheten an seym chragen. | nu mag niem ein cheten tragen, an er hab gestalt und glieder. Do verjach die fraw her wider: | ,darumb habentz nicht gestalt‘. | [...] |. solt er [tewfel] aygen gestalt han | von natur, die belib im auch stet | daz ers nicht verwandeln tet, | [...]. waz natuͤrlich gestalt hab, | da beleibtz auch stetlich an, | [...] ,weist mich etz, | wie man got ein gestalt czu setz!‘ | [...]. ,wer sich fleizst seins gepotes, | der erchentn im himelreich‘
[dies letztere auch zu 1 stellbar].
Klein, Oswald
40, 53
(
oobd.
,
v. 1408
?):
Hilf, schatz, das ich dein schön gestallt | kurzlich sëh in des maien wald.
Ebd.
107, 20
(
1417
/
8
):
ir minniklich schön gestalt, | macht mich nicht alt.
Ebd.
114, 18
(
1436
):
O frau, wie bitter was der smerz, | den da empfieng dein keuschlich herz, | [...] | leib, varb, gestalt des schricks engalt, | das du kraftlose nider sanckh.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1558
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Also geit got, [...], sein gabe den alswol die verre von im in der gestalt sind als den die der geleichnüss nahent pey im sind, als die geistleichen creatur.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
ir gestalt und gepärd was ungeleich irem ellenden darkumen.
Moscouia
E 2v, 2
(
Wien
1557
):
hat er sich mit schwebl berauchen lassen / damit er Jme ain plaiche gestallt machte.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
720
;
Knape, Messerschmidt. Bris.
43, 20
;
Mathesius, Passionale ; ; ;
Gille u. a., M. Beheim
30, 8
;
147, 135
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
163
;
Päpke, Marienl. Wernher ; ;
Baptist-Hlawatsch, a. a. O.
1272
;
Spiller, a. a. O. ;
Wackernell, Adt. Passionssp. Br. I,
1344
;
Schmitt, Ordo rerum
155, 18
;
Dietz, Wb. Luther
2, 104
;
Schles. Wb.
1, 412
.
Vgl. ferner s. v. (V.) 8,  5,  6, (Adj.) 4, ,  1.
3.
›Art, Weise, Spezies, Ausprägung‹; am ehesten hier anschließbar eine Fülle formelhafter, zumindest ansatzweise phrasematischer Verwendungen in (oft) adverbialer oder (tendenziell und seltener) konjunktionaler Funktion; meist Getrennt-, seltener Zusammenschreibung.
Bedeutungsverwandte:
,  1,
2
(s. v.
1
,
die
, 10), , .
Wortbildungen:
gestaltheit
2 (Beleg s. v. ),
gestaltigkeit
(dazu bdv.:  4, , , ).
a)
in aller gestalt
o. ä. ›auf jede Weise, in aller Form‹.
b)
(in) anderer gestalt
›auf andere Weise, sonst, sonstwie‹;
keiner anderen gestalt
›zu keinem anderen Zweck‹ (dies Letztere semantisch auch an 6 anschließbar).
c)
bemelter gestalt
›wie bereits gesagt wurde, in bereits genannter Weise‹.
d)
(in) der gestalt
(mit syntaktisch verschiedenen Anschlüssen) ›auf diese Weise, in der Weise, so, so als‹ (dazu bdv.:  1).
e)
in dreierlei gestalt
›auf dreifache Weise‹.
f)
dieser gestalt
›auf diese Weise‹.
g)
einiger gestalt
›in irgendeiner Weise‹.
h)
gleicher gestalt
›gleichermaßen, ebenso‹.
i)
in keiner gestalt
›keineswegs‹.
j)
in meniger gestalt
›auf mannigfache Weise‹.
k)
(in) solcher gestalt
›so, auf solche Weise; dahingehend‹.
l)
folgender gestalt
›folgendermaßen‹.
m)
voriger gestalt
›wie vorher‹.
n)
(in / mit) was gestalt
›wie, auf welche Weise‹.
o)
welcher gestalt
›wie, auf welche Weise‹.

Belegblock:

Allgemein:
Schöpper (
Dortm.
1550
):
juxta formam. nach form gestalt maß weiß weg manier.
Quemadmodum. Gleich gleicher weiß allergestalt. Quomodo. Wie welcher gestalt welcher massen.
Cirurgia H. Brunschwig
18va, 30
(
Straßb.
[
1497
]):
Vñ sint alle ein geschlecht vñ gestalt der wunden / wie wol sie und’scheit hon in den nam.
Schmitt, Ordo rerum
443, 2
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Qualitas [...] welcherley wytanigkeyt [...] welichkeit [...] aigenschafft [...] wiegetanikait welher gestaltikait.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
199, 244
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
vnder den hat ein yeczleich vntugent ir gestalt, mass vnd weyzz der aygen versüechung.

Zu a):

Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
ob ich min recht fürdere; wann ich wils fŭrdern inn allen gstalten.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
Jch N., [...], bekenne alhie offenlich in aller gestalt, ir geliebten in Cristo, daß ich [...].
Ebd. (zu
1562
):
send noch 6 geladne tragessel einzogen, die in aller gestalt wie die andern 18 bedeckt gewesen.

Zu b):

Schoop, Qu. Düren
30, 39
(
rib.
,
1604
):
eine verstendige, bequeme Person mit genugsamer Vollmacht [...] welcher constituirter Anwald sich auch anderer Gestalt nit [...] verhalten.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
das yemant der guͤter, [...], bey ime, oder dieselben verkauft, vergeben oder in ander gestalt damit verdechtlicher weyss gehandelt.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1552
):
dasselbig kainer andern gestalt, dann der sachen zum besten gemaint, zuͤ vermercken.
Ebd. (zu
1553
):
anderer gestalt waiß ain ersamer klainer rat das regiment lenger nit zuͤ erhalten.
Ebd. Anm. 5.
Vgl. ferner s. v. .

Zu c):

Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
zudem habend sich die Römer bemelter gestalt und maßen in allen iren epistlen [...] also geschriben, wie [...].

Zu d):

Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
49
(
Köln
1476
):
,Jn der gestalt mach dat nyet syn‘, | Spraychen stracks dye Nuysser fyn.
Goldammer, Paracelsus
4, 246, 5
(
1530
):
ietz hie begreift der vers den sunder in der gestalt, als wolt David sprechen [...].
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. .
Vgl. ferner s. v.  4.

Zu e):

zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
182
(
Nürnb.
1517
):
soltu wissen, das die menschen in dreierlei gestalt arbeiten.

Zu f):

Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
in dem sie ihr leben vnd nahrung dieser gestalt suchen.

Zu g):

Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1552
):
welches dann derselben zeit kainer widersprochen, noch sich ainicher gestalt und maßen darab beschwert.

Zu h):

v. Ingen, Zesen Rosenw.
64, 15
(
Hamburg
1646
):
Gleicher gestalt hielt das ehrste folk [...] wasser und eicheln fohr suͤße speise.
Vgl. ferner s. v.  4.

Zu i):

Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
Ich möcht inn keiner gstalt die ŭbel ertzellen, so er uns bewissen hatt.

Zu j):

Jörg, Salat. Reformationschr.
283, 7
(
halem.
,
1534
/
5
):
sigend wir doch jn lantmaͤrs wys bericht / das jr von Zürch werbung / und artikell dahin langend und dienend / das sj uns vor jnen verunglimpfett jn mengerley gstallt.

Zu k):

Anderson u. a., Flugschrr.
10, 8, 16
(
Zürich
1524
):
das wir ze Zürich dz gotzwort soͤlcher gestalt ansehen vnd fürlegen wellend / das es zuͦ der eer gottes [...] reiche͂ muͦß.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
Dise beschriebne herren habend sich solichergestalt, daß sie in zünften nicht komen wollen, [...] angezaigt.
Anderson u. a., a. a. O.
24, 10, 26
;
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
272
;
v. Ingen, Zesen Rosenw.
67, 7
;
83, 25
;
Vgl. ferner s. v.  4.

Zu l):

Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1579
):
söze den selben rainbrief an hero, der volgunter gestalten lautet.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
94, 5
.

Zu m):

Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
so hat er [...] sich wider auff sein hoff und acker gemacht, dieselbigen voriger gestalt und maßen widerumb gepauen.

Zu n):

Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
17, 18
(
Zürich
1521
):
das du war nemst mit was fyenden du kriegst / vñ mit was gstalt vnd fuͦg du sy überwinde͂ muͦst.
Chron. Augsb. Anm. 1 (
schwäb.
, zu
1563
):
wasgestalt er mit seinen bruͤdern verglichen, daß auch seine gleubiger alle gestilt [...] worden.
Ebd. (
1544
/
5
):
do hat der kaiser [...] auch inen bevelch gegeben, wie und in was gestalt sie sich gegen den feinden halten sollten.
Ebd. Anm. 2;
Mell u. a., Steir. Taid. .

Zu o):

Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
1539
):
welicher gestalt sol es mit den knechten und dienern umb ires herrns gieter, [...], gehalten werden.
4.
phras.:
etw. hat die gestalt [...]
a) ›etw. verhält sich so, hat die Bewandtnis, daß [...]‹;
b) ›etw. sieht sich so an, als [+ Konj.]‹; letztere Variante deutlich seltener; jeweils anschließbar an 3.

Belegblock:

Zu a):

Peil, Rollenhagen. Froschm.
183, 4245
(
Magdeb.
1608
):
Wer sein Herr selbst kan bleiben allein / | Der sol keins andern diener sein. | Drumb hats damit seine gestalt / | Das ich meine kunst heimlich halt.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
Umb das gelt, [...], hette es die gestalt, wer eyn pfenner werden wolde, der muste achtzig gulden geben.
Daruff hat Hans Waltheym geret, umb die verslegere hette es di gestalt, dasz [...].
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
134, 19
(
thür.
,
1474
):
wanne unde wo unde eyn iglicher in besunderheyt ußsagen unde bekennen sal, wy eß darumbe eyn gstalt habe.
Roloff, Brant. Tsp.
962
(
Straßb.
1554
):
Lieber es hatt nit die gestalt.
Wyss, Luz. Ostersp.
6750
(
Luzern
1545
):
o wie hat nun die red ein gstallt, | ich syge gsegnet vnder den wyben!
[›darauf läuft die Aussage, ich sei gesegnet under den Frauen, nun hinaus‹]. Bächtold, N. Manuel. Barb.
174, 1118
(
Zürich
1526
):
„Sie sönd nit leren nach irem willen.“ | O es hat nienen die gstalt, lieben gsellen!
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
da rant ainer von dem marggraffen her gen Augspurg und sagt, wie es ain gestalt hett, wie feind an sie kommen wern.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Liebe junckfraw, sagt mir die sach; nach dem und es dann ain gestalt hat, kan ichs auch verholen behalten.
V. Anshelm. Berner Chron. ;
Wyss, a. a. O.
3, 41, 70
;
Spiller, a. a. O. ;
Mell u. a., Steir. Taid. .

Zu b):

Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
und [der konig] sass in einem stull mit langem part, das es also hett ein gestalt, sam er ein herr wer.
5.
›als Gestalt gedachte (und insofern mit 1 und 2 assoziierbare) Substanz, Wesen e. S./ P.‹; speziell (und häufig belegt) mit Bezug auf Leib und Blut Christi in der „Gestalt“ von Brot und Wein.
Phraseme:
unter / in einer gestalt, unter / in beider(lei) gestalt(en)
.
Bedeutungsverwandte:
, ,  8,  2, , , , .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
eine g. brauchen / geniessen, g. haben / behalten / brechen, js. wesen eine g. geben
;
kürze die g. des epigrammas sein, die sonne die g. der farbe sein, die sele eine g. aus luft sein, die kunst die g. der sele sein
;
etw. in seiner g. beschliessen, jn. (den son) in seiner g. sehen, den leichnam in der g. des fleisches finden, unter einer g. (nicht) kommunizieren, alle ding unter einer g. verborgen sein
;
die g. des brotes
;
die nemer beider gestalten
.
Wortbildungen:
gesteltnis
5.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
Es ist unchristlich [...], den leyen beyde gestalt versagen.
Also sol sich in der gestalt keiner uber den andern erheben, dann kein Bapst [...] sol [...].
der eynige man Christus, der Goͤtliche gestalt nicht an nam, sondern war drynnen.
Ebd. (
1527
):
das Augustinus Sacramentum corporis et sanguinis heisst, ein eusserliche sichtbar gestalt, darunter Christus unsichtbar leib und blut warhafftig gegenwertig ist
(auch zu 1 stellbar).
ut simus eiusdem [Christi] animi, cordis, fidei, farbe und gestalt myt dem worte.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
md.
,
1521
):
sie [geistliche] solten es aber iezund bedenken und irem wesen ein gestalt geben.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
16, 12
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Du fragest, was wir sein. Wir sein nichts und doch etwas. Deshalben nichts, wann wir weder leben noch wesen noch gestalt noch understant haben.
Opitz. Poeterey
21, 10
(
Breslau
1624
):
die kuͤrtze ist seine [Epigramma] eigenschaft / vnd die spitzfindigkeit gleichsam seine seele vnd gestallt.
Gille u. a., M. Beheim
13, 90
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
gotes leichnam pleibt als lang under dem schein | und speci dises protz und der oblade, | weil es pehelt gestalt und furmunge sein.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
8
(
Nürnb.
1517
):
wann der vatter ist im sun und der sun im vatter. Ich sprich, er sehe in itzundt durch den glouben, nachfolgent klar in seiner eigen gestalt.
Jörg, Salat. Reformationschr.
331, 11
(
halem.
,
1534
/
5
):
die gsunden und krancken / mit bederley gstallt / zum tod und leben zeversechen.
Sappler, H. Kaufringer
28, 19
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
als ain claines spiegelglas | beschleußt in seiner gestalt klain | ain hauss, ain berg, ain statt gemain, | das sicht man alls in der substanz | des klainen spiegels gar und ganz
[danach Bezug auf die Eucharistie].
Andreae. Ber. Nachtmal
31v, 15
([
Augsb.
]
1557
):
weñ er den leyb Christi hat / das er denselbigen leib Christ in drey stuck breche / dann die gestalt kan er nicht brechen / er muͦß ein substantz / das ist / etwas wesentlichs brechen: Daher nachmals die Pawrñ gesagt / Die Pfaffen radbrechen vnsern Herrn̄ Got in der Mess.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
si [sunne] zeuht die wolken an sich. si ist ain form oder ain gestalt der varb.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
304
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
Epicorus spricht, sy [Anima] sei ein species vnd ein gestalt oder ein natur aus luft vnd aus fewr.
Ebd.
398
:
durch der aigenschaft willen der sel hat die chunst, die der sel gestalt ist, wenn die chunst ist in der sel vnleipleich als die hicz in dem eysen leipleich ist.
Klein, Oswald
112, 109
(
oobd.
,
1438
):
da hat das recht kain ander gstalt, | wann trib man frävel und gewalt.
Anderson u. a., Flugschrr.
12, 2, 30
;
Rosenthal. Bedencken
15, 32
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Haszler, Kiechels Reisen ;
Andreae. a. a. O.
32r, 2
;
Eschenloher. Medicus ;
Spechtler, a. a. O.
41, 37
;
Goertz, Liturgie.
1977, 392
;
Dietz, Wb. Luther
2, 105
.
6.
›Grund, Ursache; Ziel, Absicht, Zweck einer Handlung‹; zwischen der kausalen und finalen Variante ist nicht immer mit Sicherheit zu unterscheiden; im Beleg
Wyss
Tendenz zur Konjunktion von
in gestalt
.
Bedeutungsverwandte:
 3,  2,  12,
2
 5, .

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
So daz zu der zit eine groiße versamelunge der cristenheit was gezogen gene Rome in gestalt
[›mit dem Zweck, um‹]
widder die Turken zu ziegen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
/
5
):
daß die sachen on alle meuterei und auffrur der gaistlichen [...], in diser statt einträg zu verhueten, und sonst gar kainer ursach noch andrer gstalt beschehen.
daß durch etliche verschinen jar und zeit bisher die gantze statt mit der begird des freien stands erfüllet [...], jedoch kainer andren mainung und gestalt, dann daß solicher freier stand diser statt Augspurg [...] gantz groß von nötten sein sollt.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Sant Hainrich gab diser gestalt zu der ê sein swester, junkfrau Geisl, dem ungerischen künig, das derselbig mit allem seinem volk sich taufen solt lassen.
Uhlirz, Qu. Wien (
moobd.
,
1490
):
und habe sie gefragt, ob sie
icht wissen hieten, in was gestalt solh volk gen Wienn komen solte.
Schottenloher, Flugschrr.
41, 28
.
7.
steht mit vorangestelltem Adjektivattribut für dessen Inhalt, z. B.
freundliche / sündliche gestalt
›Freundlichkeit‹ / ›Sündhaftigkeit‹ (bzw. funktional äquivalente Konstruktionen).
Wortbildungen:
gesteltnis
6.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
der Wolff kam in dem Waldt | Vnd gruͤßt jn gar freundtlicher gstalt.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
wie desshalben vorn in etlichen straffen [...], vnd dann die boͤsen gesteltnuss
[›das Übel‹]
zwifacher Ee betreffent, am cxlvj. artickel gesetzt ist.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
daß er vns ja fromme maͤcht, | Vnd mit jhm in sein Reiche braͤcht, | Auß der Suͤndlichen Gstalte.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
der kerte zuͦ sime eigenen grunde und enpfinge die pfile in einer gesaster guͤtlicher gestalt.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 80, 20
(
halem.
,
1489
):
Dem wird ouch mit zimlichen gestallten angehangt und daruft von nüwem uff der selben statt allt harkomen [...] zuͦgeachtet.
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
Ich hab dich inn grossen sorgen gsächen, aber ich gsach dich nie so bösse gstalt füeren als yetz.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 55, 54
(
Luzern
1616
):
Die wunder groß vnd die vil falt, | die er gethan in eigner gstaldt.
Klein, Oswald
8, 51
(
oobd.
,
1423
?):
das wir nicht fürchten ser dein zorniklich gestalt | und grosse plag, die du uns macht beweisen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
46, 75
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. .
Vgl. ferner s. v. .
8.
steht mit nachgestelltem Genitivattribut für dessen Inhalt, z. B.
in gestalt der erbärkeit
›in ehrenhafter Weise‹,
nach gestalt der herren gesandten
›nach Rang, Stand der Herren Gesandten‹;
nach gestalt des verbrechens
›je nach Vergehen, Verbrechen‹.
Rechts- und Wirtschaftstexte, Chroniken.
Phraseme:
nach gestalt der sache
o. ä. ›nach Lage der Dinge‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  4.
Syntagmen:
jn. nach g. bestrafen
;
nach g. des verbrechens / ungehorsams / verschuldens, der verhandlung / überfarung, der personen, der herren gesandten
;
in g. der erbärkeit
.
Wortbildungen:
˹
gestalt
(Präp.),
gestalts
(Präp.)˺ ›je nach‹ (wohl elliptisch aus
nach gestalt der sache
).

Belegblock:

Buch Weinsb. (
rib.
,
1577
):
was vur jeder person zerong zu geben nach gestalt der herrn gesanten, des raitz doctors, licentiaten, secretarii, diener.
Köbler, Ref. Franckenfort
64, 25
(
Mainz
1509
):
So solten Schulteiß vnd Schoͤffen vß den allen ein oder zwen / nach gelegenheit vnd gestalt der sachen zu erwelen macht haben.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
Soͤlten sich vnser Amptman vnd Richter gestalt der sachen mit allem fleyss, [...], erkundigen.
Ders. u. a., Peinl. GO Karls V. (o. O.
1532
):
daruff soll nach gestallt der verhanndlung mit peinlichem rechten vollnfaren vnnd geurteillt werden.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1493
):
unser swaͤren ungnaͧd und straͧff, die wir dann gegen inen nach gestalt der sach wurden bruchen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
267, 10
(
halem.
,
1534
/
5
):
die [botten] sottend ouch vollen gwallt hann alle schuldigen [...] nach verdienen und gstallt zuͦ straaffen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1563
):
damit die übertretter nach gestalt und gelegenhait ires ungehorsams und verbrechens ernstlich nach ungnad gestrafft (werden).
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
Fraw, ich will es mit im reden in gestalt aller erberkait.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
weiter nach gestalt der sach, wie dan die rechte kunst der historien eraischt, will ich [...].
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
16. Jh.
, Hs.
18. Jh.
):
damit gestalts dingen nach behörige straff und abstöllung bescheche.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
128, 15
;
Köbler, Ref. Wormbs
341, 17
;
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V. ; ; ;
Vgl. ferner s. v.  11.
9.
als Konjunktion, auch in der Fügung
in gestalt
und in der Form
gestalten
, jeweils schwach belegt, in unterschiedlichem logischen Sinne gebraucht:
a) ›da, weil‹ (kausal);
b) ›falls, wenn‹ (konditional);
c) ›wie‹ (modal);
d) ›wie; weil denn‹ (modal / kausal);
e) ›folglich‹ (konsekutiv).

Belegblock:

Zu a):

Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
darauß nicht wart, in gestalt der babist starpe.

Zu b):

Weise. Jugend-Lust (
Leipzig
1684
):
Gestalt nochmahl zu der hohen Koͤnigl. Gnade meine Person demuͤthigst recommendiret wird.

Zu c):

Allg. Schau-Buͤhne (
Frankf.
1699
):
Es scheinet auch wol wenn man ihnen willfahret / wie den Ungarn geschehen / daß sie sich wuͤrden bequemet haben. Gestalt man sonst die Graͤntz⸗Voͤlcker gern nach ihrem Wesen und Sitten leben laͤsset / damit sie treu bleiben / und sich nicht zu den Feinden schlagen.

Zu d):

Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1671
):
wan dergleichen allhie wohnende von adel (gestalten kein frembder niemalen hier zue postulirt worden) in rat kommen.

Zu e):

Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1623
):
als ist dergleichen haimblich perkwerck suechen [...] bei unnachleßlicher offentlicher [...] leibsstrof verpoten; gstolten dan den obrigkaiten aingebunden, auf dergleichen personen, welhe solhem verpot zuwider [...] ir vleissigiste obocht ze holten.
Vorarlb. Wb.
1, 1162
.