bedeuten,
V.;
schwäb. im Part. Prät. auch unr.:
bedeuten
. – 1-12 von Zeichen, bedeutungshaltigen Gegenständen, Ereignissen usw. im weitesten Sinne gesagt; 1-3 auf die Bedeutung sprachlicher Zeichen oder Zahlzeichen u. ä., 4 auf diejenige von Träumen bezogen; in 5-12 liegt eine Bedeutungsbeziehung zwischen Gegenständen, Sachverhalten (im einzelnen sehr unterschiedlicher Art) vor. 13-27 vom Menschen gesagt, der eine Deutung o. ä. vornimmt; die Reihenfolge der gedeuteten Zeichen, Gegenstände usw. entspricht grob derjenigen von 1-12. Im einzelnen waren spezifische Überlegungen für die Bedeutungsgliederung maßgebend.
1.
›in einer bestimmten Einzelsprache etw. bedeuten, so viel heißen wie […] (von Wörtern, Phrasemen und Namen)‹.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
246, 35
(
thür.
,
1474
):
von gebote unde clage, daz bedutit von clagen met rechten gebotin.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
1, 23
(
osächs.
,
1343
):
Emanuêl, daz ist bedûtit: Got mit uns.
Feudel, Evangelistar 
50, 2
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Achildemach, daz ist bedutet also vil alse eyn acker des blutes.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
1, 20
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Caan bedutit eyn herre der herren.
M. Cunitia. Ur. Prop. 
181, 21
(
Öls
1650
):
Daß Woͤrtlein Epocha […] bedeutet einen Anfang der Jahr⸗rechnung.
Eichler, Ruusbr. steen
54, 15
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
Thabor bedútet also vil in tútsche als ein zvͦwahsvnge des liehtes.
Behrend, Spangenb. Anbindbr. 
5, 96
(
Straßb.
1611
):
es wusten offt wenig Leut / | Was der und dieser Nahm bedeut.
Plant u. a., Main. Naturl. 295v, d,
27
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
wande salbatũ betutet rvͦwe.
Henisch
43
(
Augsb.
1616
):
Allein bedeut bißweilen ohne gedancken vnnd geschefften des gemuͤts.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
2020
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
›Amor‹ ist ain aygner nam aines heiligen […] vnd bedewtet die lieb vnd ist ain wort vnd bedeẅtet ›ich wird lieb gehabt‹.
Quint, Eckharts Pred.
1, 80, 7
;
303, 2
;
Rueff, Rhein. Ostersp. 
1523
;
Froning, Alsf. Passionssp. 
3826
;
5254
;
Feudel, a. a. O.
59, 17
;
91, 20
;
v. Tscharner, a. a. O.
44, 12
;
Hübner, Buch Daniel
4724
;
Schönbach, Adt. Pred.
4, 19
;
27, 15
;
Schmidt, Rud. v. Biberach 
62, 25
; Plant u. a., a. a. O.
300v
, c, 5;
Lindqvist, K. v. Helmsd. 
348
;
Fischer, Eunuchus d. Terenz
7, 12
;
68, 13
;
Jaksche, Gundacker
484
;
Schmitt, Ordo rerum 
145, 31
;
Schweiz. Id.
13, 2103
.
Vgl. ferner s. v. ,
1
 2, ,
2
.
2.
›etw. bedeuten, besagen, beinhalten (von Texten oder textlichen Bezugsgegebenheiten)‹.

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb. 
2090
(
md.
, Hs.
um 1400
):
waz dise rede bedute | daz sage ich guten luten.
Wyss, Limb. Chron.
33, 25
(
mfrk.
, zu
1349
):
‘Quicquid agis, prudenter agas et respice finem’. Daz beduit also: Waz du anegest, daz saltu in wisheit wirken.
Frantzen u. a., Kölner Schwankb. 
2, 37
(
Köln
um 1490
):
Dat privilegium bedudet alsus: | Benedicite Dominus, | Geselle, woultu dich bekeren | […] | So moystu vlijslich daernae staen.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 332, 3
 (
Leipzig
1537
):
Christliche eynicheyt, | Welche durch des Brots vnd weins gestalt | Bedeut wuͤrdt vns Christen manigfalt.
Jörg, Salat. Reformationschr.
42, 24
(
halem.
,
1534
/
5
):
den lutern text der evangelisten wie der so clare warnung tůt / bedütend uff diß unser zytt.
Reu, Süddt. Kat. 1, 
164, 33
 (
Zürich
1580
):
Was bedüt hie die glychnuß?
Kehrein, a. a. O.
1, 70, 2
.
3.
›etw. bedeuten, zum Ausdruck bringen (von Zahl-, Interpunktions- und Buchstabenzeichen)‹.

Belegblock:

Chron. Strassb.
1, 232, 16
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
do betütet die nochgonde zale dobi die jor von gotz gebürte.
Fischer, Eunuchus d. Terenz 
14, 11
(
Ulm
1486
):
Die erst virgel allso stende / bedeüt underschaid ainer red oder oratz.
Ebd.
17
:
die zwen krummen strich allso stende ( ) bedeüten das so darvor und darnach stat. gelesen werden mag. on verletzung volkomes sinnß.
Rot
286
(
Augsb.
1571
):
Grauis der schwer […] bedeut das man die sylben nider soll außsprechen.
A. à S. Clara. Deo Gratias
39, 21
(
Wien
1680
):
dann so man uͤber sich macht ein z welches so viel bedeutet als Trinum.
4.
›etw. bedeuten, besagen (von Träumen)‹.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp. 
1873
(
ohess.
,
1501 ff.
):
frage disse lude, | was der traum betude!
Hübner, Buch Daniel
3570
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Merke nu diz troumelin, | Bescheide mir en da bi, | Wie daz sin beduten si.
Mollay, H. Kottanerin 
32, 21
;
Henisch
232
.
5.
›etw. bedeuten, besagen, ein Hinweis auf etw. sein‹; die Bedeutungsbeziehung besteht hier (im Unterschied zu 6) zwischen allgemein verständlichen, partiell natürlichen, partiell sozialen Bezugsgegebenheiten; offen zu 6.
Bedeutungsverwandte:
2
 8, , .

Belegblock:

Weise. Jugend-Lust 
85, 28
(
Leipzig
1684
):
Wisset ihr auch / was die Sache zu bedeuten hat / wenn ein Bote aus dem Koͤniglichen Frauen⸗Zimmer geschicket wird?
Gille u. a., M. Beheim 
22, 65
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Chainen gewalt er doch darinnen nicht volfürt, | dasselb pedeüt, das er czu seinen gnaden | gepovel, paures volk vil gwinnen wurt.
Ebd.
56b, 1
 f.:
Der lew pedeüt | sunst anders neut | wann furstn und herren. | Der esel knaur | pedeüt die paur.
Chron. Strassb.
1, 407, 1
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
die dirte crone ist güldin, die betutet, das ein keyser an adel […] sol übertreffen also golt die andern gesmyde übertriffet.
Lemmer, Brant. Narrensch. 
110b, 15
(
Basel
1494
):
Es můß jo ettwas groß bedütten | Das er doch kumbt zů armen lüten.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
49, 2
(
Straßb.
1650
):
Jndeß erhub sich ein grosses Geschrey, […], wir folgeten dem Ort, vmb zu vernehmen, was es bedeuten möchte.
Klein, Oswald
49, 1
(
oobd.
,
1431
/
2
):
„Sag an, herzlieb, nu was beteutet uns so gar schricklicher hal | mit seinem don?“ | aahü, aahü.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. 
215, 2
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Was mag das bedewtten, das der geraissig zewg dar umbreittet.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
18, 2
(
mslow. inseldt.
,
1546
):
nit gewuśt, was das śchieśśen bedeüt.
Fuchs, Murner. Geuchmat 
4454
;
Schlosser, H. v. Sachsenh. 
3734
;
5444
;
Sappler, H. Kaufringer
4, 188
;
Andreae. Ber. Nachtmal 
44v, 4
;
Munz, Füetrer. Persibein
387, 3
;
Voc. Teut.-Lat.
nn vijv
;
Schweiz. Id.
13, 2102-2104
.
6.
›jn. / etw. bedeuten, versinnbildlichen, im Vergleich, als Sinnbild, für jn. / etw. stehen, Zeichenbedeutung für etw. haben‹. Dabei kann sowohl das Bedeutende wie das Bedeutete eine natürliche, eine im weitesten Sinne kulturelle oder eine religiöse Bezugsgröße (-gegenstand, -tätigkeit, -handlung) bzw. ein so bestimmtes Bezugsgeschehen sowie eine Bezugsperson sein. Die Bedeutungsbeziehung kann einer kulturellen oder (oft) religiösen Sinnwelt entnommen sein; offen zu 8; 11.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 180, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Die meister sprechent: sitzen bediutet ruowe und meinet, dâ kein zît enist.
Ebd.
568, 5
:
Waz bediutet daz? […]. Als der brâdem des wînes brichet in daz vezzelîn des wazzers, in alle(r dirre) wîse brichet gotes kraft in die sêle.
Fischer, Brun v. Schoneb. 
1576
(
md.
, Hs.
um 1400
):
waz beduten di zwelf steine, | di mit edeler art so reine | an dem turen bette lagen.
Hübner, Buch Daniel
5871
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
waz daz tier | Bedutte daz so gruwesam | Nach den drin tieren quam.
Strauch, Par. anime int.
108, 23
(
thür.
,
14. Jh.
):
da he sprichet: ‘ein kint’. daz bedudit alse vil alse ein lutir luft oder daz one fleckin ist.
Neumann, Rothe. Keuschh. 
2361
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
einen langen stengel di lilie had, | […] |. ess bedudit das di kuscheit sal lange | in dem menschen weren.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe 
18, 18
(
thür.
,
1421
):
Die ander farbe die ist wasservar unde bedutet, das got die werlit […] mit der syntflut vortilget […]. Die dritte farbe ist furigk unde bedutet, das got die werlit vor deme jungisten tage mit fewre orteiln wil.
Jahr, H. v. Mügeln
95
(
omd.
, Hs.
1463
):
der leu bedütet Bemerlant.
Anderson u. a., Flugschrr. 3, 
11, 17
(
Wittenb.
1525
):
Christus ist nicht gegeysselt / sondern bedeut den gegeysselten.
Pyritz, Minneburg 
552
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Die lewen, risen und hunde | Beduttent hut zu aller stunde.
Gille u. a., M. Beheim 
28, 20
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
der cramer einen menschen hie pedeüte.
Ebd.
81, 114
:
er und all sein her | ertrunken in dem Roten Mer | in iren sunden snöden. | Und das pedeüt die menschen, secht, | die got der herr gaiselt und slecht.
Ebd.
110, 113
:
In disem wart terribilis | sein zehen puchstaben gewis, | die zehen jar peteuten.
Bihlmeyer, Seuse 
193, 3
(
alem.
,
14. Jh.
):
der [ring] da betútet die ewigen gotheit.
Adrian, Saelden Hort 
1323
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
daz kind betútet rainikait, | daz krippelin demúetikait.
Ebd.
8494
:
dirr blind betteler | betútet wol den súndár.
Vetter, Pred. Taulers
110, 6
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Die dirte uzlegunge von den pfingesten seit wie die schof muͤssent ingon durch die túr in den schofstal, das betútet Got luterliche meinen.
Lindqvist, K. v. Helmsd. 
449
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Die růt betút, […] | Das Aaron soͤlte wesen | Ain bischoff der alten ee.
Morrall, Mandev. Reiseb. 
177, 20
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
das wir nit an bettend das húltzin […] bild, besunder das wir an bettend den den es bezaichnet und betút.
Brandstetter, Wigoleis
226, 20
(
Augsb.
1493
):
Jch bite eüch mir zuosagen was eüer herkommen meynet oder bedeüt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. 
155, 26
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wenne diu jungen schâf zuo der unkäusch eilent, daz ist gar pœs, wan ez bedäut den schelmen an in.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1441
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Mag aber ich chain ware sach gemerkchen vnd sprich doch, daz oder daz bedeẅtet daz. Ein solches geschiecht als wenn die alluster schreyen oder so sich die chaczen twahen so sullen geste chömen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
70, 30
(
tir.
,
1464
):
das tritt chrenczl, daz ich trag von gold v̈ber in, das peteüt die marter des leibes.
Ebd.
108, 23
:
da hörten si ain grossen sturm vnd vngestüemikchait in der chirchen vnd das gros seüsen von dem schnellen leüten der gloken, vnd si westen nicht, was das was oder was das pedeütet.
A. à S. Clara. Glori
54, 8
(
Wien
1680
):
daß die jenige Jungfrau […] nur seye fuͤr ein Sinnbild zu verstehen / und thu vermuthlich bedeuten eine Stadt.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
370
;
2008
;
Quint, a. a. O.
2, 618, 44
;
Gropper. Gegenw.
18v, 20
;
Kurz, Waldis. Esopus 
4, 64, 59
;
Hübner, a. a. O.
1143
;
Strauch, a. a. O.
104, 33
;
108, 5
;
Neumann, a. a. O.
35
;
2473
;
3904
;
5161
;
5580
;
Thiele, Chron. Stolle 
384, 15
;
Jahr, a. a. O.
195
;
235
;
1021
;
Anderson u. a., a. a. O.
12, 6, 13
;
Palm, Veter Buoch
17, 12
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 124, 14
;
309, 3
;
Pyritz, a. a. O.
545
;
581
;
5228
;
Gille u. a., a. a. O.
82, 133
;
110, 55
;
Reichert, Gesamtausl. Messe
14, 6
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
108, 17
;
Sachs
16, 123, 25
;
Bell, G. Hager
134, 3, 16
;
412, 1, 29
;
619, 5, 6
;
Bihlmeyer, a. a. O.
435, 16
;
Vetter, a. a. O.
11, 13
;
167, 2
;
Päpke, Marienl. Wernher
5005
;
Warnock, Pred. Paulis
3, 279
;
Schülke, Geistl. Gemahelsch. 
1073
;
1406
;
Plant u. a., Main. Naturl. 294v, d,
8
; 295v, c,
4
;
298r
, b, 2;
Lindqvist, a. a. O.
52
;
192
;
3441
;
Enders, Eberlin 
1, 144, 24
;
Schlosser, H. v. Sachsenh. 
464
;
3412
;
4356
;
4780
;
Sappler, H. Kaufringer
8, 376
;
Brandstetter, a. a. O.
212, 15
;
Pfeiffer, a. a. O.
4, 18
;
Buijssen, Dur. Rat.
10, 7
;
27, 20
;
Steer, K. v. Megenberg. Sel
390
;
Klein, Oswald
2, 23
;
Drescher, Hartlieb. Caes. 
140, 22
;
Reithmeier, B. v. Chiemsee 
10, 7
;
Dietz, Wb. Luther
1, 220
;
Schweiz. Id.
13, 2103
.
7.
›jn. etw. angehen, jn. betreffen‹.

Belegblock:

Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen 
221, 15
(
halem.
,
1449
):
das die gotzhuslút die brieffe […] útzit angienge oder beruͤrte, denn si allein daz gotzhus und des personen betuten.
8.
›ein Symptom, Anzeichen für etw. (eine Krankheit) sein; den geometrischen Ort für etw. bilden‹.

Belegblock:

Follan, Ortolf. Arzneib.
48, 2
(
rib.
,
1398
):
Van deme ampullen dez harnes. Ist, daz eyn ampulle ouene in deme glase erschynet […] vnde daz se nicht drade vorgheyt, daz bedudet eyn lange suchtage.
M. Cunitia. Ur. Prop. 
152, 4
(
Öls
1650
):
Diese Wort aber Anguli verticalis cum Ecliptica; bedeuten / daß durch die innwendig der Tabelln eingeschlossene Zahlen außgedruckt sey.
Ebd.
180, 48
:
bey Constantinopel ort. hor. 1. 13’. bedeutende dz dieser orth von dem meridian der Tab. gegen auffgang liege.
Cirurgia H. Brunschwig
23va, 19
(
Straßb.
[
1497
]):
Wo aber der smertz nit geleit würt. so bedut es ein zeichen des krampfes.
9.
›etw. darstellen, sein, bilden‹.

Belegblock:

Heydn. maister
6r, 21
(
Augsb.
1490
):
der raÿpfening. wellicher zů zeiten gelegt vil ist bedeüten / vnd zů zeiten mÿñd’.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. 
138, 2
(
oobd.
,
1349
/
50
):
schreibent die maister besunder von den zwain namen; des wær niht, bedäutten si paid áin tier.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
390
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
Es hat auch die sel vil namen […] vnd habent doch ander vnd ander sach irr aufseczung, vnd bedeͣwtent all die ainen sel.
10.
›sich in der Fläche auf etw. (ein Maß) belaufen‹.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
288, 20
(
thür.
,
1474
):
daz sy eygen holcz, wesin unde püsche […] habin, […], dy da wol by dryen hofen landes beduten unde machen.
11.
›etw. voraussagen, zeichenhaft auf etw. in der Zukunft Liegendes hindeuten‹.

Belegblock:

Lindqvist, K. v. Helmsd. 
2610
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Da bÿ
[Ermordung des Holofernes durch Judith]
so wirt uns schon betút | Das Maria minnenklich | Och hat den fúrsten der helle rich | Ertoͤt.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
2, 20
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
In der alden ee betreutet, | manig zaichen dich bedeutet.
Buijssen, Dur. Rat.
11, 2
(
moobd.
,
1384
):
Daz sind ettwan bedewttnuͤzz gewesen und sind vergangen darnach und die ding chömen sind, di si bedewt habent.
Schmitt, Ordo rerum 
289, 20
(Hs. ˹
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
˺):
wißsagunge […] ain ding das chümfftige ding bedeytt.
Schweiz. Id.
13, 2104
.
12.
›etw. (z. B. Nichtiges) besagen, zum Ausdruck bringen‹.

Belegblock:

Henisch
232
(
Augsb.
1616
):
Nichts zu bedeuten haben / esse parui momenti.
13.
›jm. einen schwer oder nicht verständlichen Text auslegen, erläutern, interpretieren, erklären, deuten‹; mit verschobener Bezugsgröße: ›(jm.) den Textsinn, ein textliches Bezugsgeschehen oder eine textliche Bezugsgröße erläutern, erklären‹; ohne Obj. (vereinzelt): ›jm. Aufschluß geben‹.
Vorwiegend Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
 11, ,  1.
Syntagmen:
jm. b
. (ohne Obj.);
jm. die beschaft / dreifaltigkeit / geschrift / minne / rede
(mehrfach),
das beispel / buch / gerücht / manna / wort, den brief / sin b., jm. von jm. b
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
2063
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Diz muz ich beduten | Unkunstigen luten.
Quint, Eckharts Pred.
2, 466, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Mich wundert, daz die heilig geschrifft so voll ist, vnnd die meyster sprechent, das man sey nit bedeütten moͤg also bloß, als sy ist.
Fischer, Brun v. Schoneb. 
2019
(
md.
, Hs.
um 1400
):
dese rede wil ich beduten | uch und allen guten luten.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1621
(
Köln
1476
):
wylt my doch bedyeden | Dat gerucht vnder v lyeden.
Froning, Alsf. Passionssp. 
8059
(
ohess.
,
1501 ff.
):
[wir woln] predigen allen luden | und en gots wort betuten!
Feudel, Evangelistar 
127, 10
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
bedute uns diz byspel von dem raten.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
24, 27
(
osächs.
,
1343
):
her begonde en von Moysi und von allen prophêten bedûten.
Pyritz, Minneburg 
1534
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ach mynne, nu laß genißen mich | Daz ich alhie betute dich | In disem buchlin cleine!
Ebd.
2043
:
Ich bit dich durch die truwe din | Daz du mir wollest betuͤtte.
Ebd.
2159
:
truter meister gut, | An kunsten edel und fruͤt, | Betute und wyse mir ein sin!
Gille u. a., M. Beheim 
229, 104
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
[die juden] die heilgen schrifft nur keczerlich | peteüten und furheben.
Päpke, Marienl. Wernher 
1754
(
halem.
,
v. 1382
):
Nu sol man hie betúten | Den ungelerten lúten | Der dúrren růte bischaft.
Ebd.
2243
:
Da von die rede mir betút, | Wan ich erkenne mannes nút.
Lindqvist, K. v. Helmsd. 
43
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Diss ward betuͤt dem kúng also | Das sin tochter frisch und fro | Ain kúnnig geberen solt ze hand.
Primisser, Suchenwirt 
41, 987
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Also schreibt sand Augustin | (Und hat gruntleich den rehten sin | Mit warhait schon bedewtet).
Helm, a. a. O.
1832
;
3006
;
Fischer, a. a. O.
1419
;
3000
;
3180
;
Ettmüller, Heinr. v. Meißen 
171, 9
;
Rueff, Rhein. Ostersp. 
30
;
Chron. Köln
1, 3285
;
Neumann, Rothe. Keuschh. 
1589
;
4126
;
v. Groote, Muskatblut 
96, 35
;
Schmidt, Rud. v. Biberach 
115, 17
;
Eichler, Ruusbr. steen
225, 24
;
Päpke, a. a. O.
12
;
6358
;
Lindqvist, a. a. O.
2251
;
Völker, Antichrist 
620
;
1710
;
Gereke, Seifrits Alex.
6
;
Kummer, Erlauer Sp. 
4, 311
;
5, 231
;
Diefenbach
266b
;
305a
;
Voc. Teut.-Lat.
f iijv
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
87
.
14.
›etw. (sozial verbindende Texte) rechtsgültig kommentieren‹.

Belegblock:

Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 250, 28
(
mosfrk.
,
1385
):
daz hernamails einich […] zwivel in diese vorges. scheidunge und gesetze vielen […], die behalden wir uns […] zu erkleren zu luteren zu beduden und zu scheiden.
Behrend, Magd. Fragen
39, 6
(
omd.
,
um 1400
):
Wan geschit czwyvel den herren unde iren undirsossen an briffen zcu entslisen adir zcu beduten.
Unger, Richtes Stig
1, 4
(
1408
):
Cautela bin ich genant | und bin kommen in die land | zů lere gůten leüten, | dye do recht künnen bedeüten.
15.
›jm. (einen Traum) deuten‹.

Belegblock:

Chron. Strassb.
1, 258, 7
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
wie er ime und dem pfister die troume hette betütet.
Gereke, Seifrits Alex.
206
(
oobd.
, Hs.
1466
):
er begundt den leutten | auslegen und bedeutten | die trewm.
16.
›etw. durch eine als Zeichen fungierende Bezugsgröße, durch einen Text oder durch eine zeichenhafte Handlung zum Ausdruck bringen, anzeigen‹; hier anschließbar die jagdsprachliche Verwendung: ›etw. aus einem Zeichen erkennen und anzeigen‹.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus 
1, 59, 33
(
Frankf.
1557
):
Bey dem Adler werden bedeut | Die kuͤnen, frechen, boͤsen leut.
Neumann, Rothe. Keuschh. 
4367
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
her wolle dar mede [gelester] bedute | das her nicht der boste sy.
Sachs
16, 122, 8
(
Nürnb.
1559
):
Geh, ehrnholt, heyß all glocken leuten, | Mein hertzlich freud mit zu bedeuten.
Niewöhner, Teichner 
287, 10
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
7
˺):
mit der red ich daz betauͤt | daz got nieman unrecht tuͤt.
Turmair 5, 
23, 10
(
moobd.
,
1522
/
33
):
die alten haben etlich […] zaichen gefüert, damit si ir êrliche tat bedeut […] haben.
Kurz, a. a. O.
3, 93, 241
;
4, 75, 97
;
Palm, Veter Buoch
67, 29
;
Sachs
2, 416, 16
;
Voc. Teut.-Lat.
nn ijr
;
Hulsius
C ivr
;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 13
;
Schweiz. Id.
13, 2101/2
.
Vgl. ferner s. v.  12.
17.
›jm. etw. kraft besseren Wissens in seinem textlichen Zusammenhang einsehbar erklären‹.
Syntagmen:
mit Akk. d. S. und Dat. d. P. oder (vereinzelt) mit Gen. d. S. und Akk. d. P.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp. 
86
(
ohess.
,
1501 ff.
):
lat uch betuden, | wie dit spiel sal vor sich gehen!
Kurz, Waldis. Esopus 
2, 91, 3
(
Frankf.
1557
):
Sprach sie: „woͤllest [Nußbaum] mich recht bedeuten, | Hie stehstu allzeit vor den Leuten, | Die dich alltag mit Steynen ruͤtlen, | […] | Vnd je du offterst wirdst geschlagen, | Dest besser fruͤcht thust jaͤrlich tragen
“.
Hübner
, Buch Daniel 1544 (omd., Hs. 14./A. 15. Jh.):
Lieze wir dri man her in | Setzen gevangen huten? | Mich bit ich des beduten.
Neumann, Rothe. Keuschh. 
780
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
man vindet ouch etliche lute | den man nicht wol kan bedute | das di bosslichen cleider zu tragen | sunde si nach unseren sagen.
Leman, Kulm. Recht 
2, 5, 44
(
Thorn
1584
):
Wo eyn stumme ist der do nicht geantworten mag. vnde vordirt her myt geberde eynen vorsprechen. den sal man ym geben. Vnd wes man yn beduten mag. dornoch yener vf yn claget.
Kurz, Murner. Luth. Narr 
1265
(
Straßb.
1522
):
Warumb wir schriben tütsch allein, | […] | Das wil ich euch bedüten fein.
Adrian, Saelden Hort 
1364
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
nu wil ich dir betúten: | waz Got dir gůtes hat bevoln, | des la dir werden nit verstoln.
Klein, Oswald
117, 9
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
so im der wein | zu nahent kompt und im veriert das hieren sein | durch sölche schein, als ich euch noch bedeute, | Mit zwelferlaie trunckenhait.
Neumann, a. a. O.
5497
;
Gille u. a., M. Beheim 
453, 1571
;
Barack, Teufels Netz
2854
;
9858
;
Sappler, H. Kaufringer
16, 278
.
18.
›etw. (textlich Überliefertes) weitergeben, weitervermitteln, erzählen, berichten‹ (von der Tätigkeit des Dichters; formelhaft).

Belegblock:

Karsten, Md. Paraphr. Hiob 
5703
(
omd.
,
1338
):
Er vluzet, als ich bedute, | Uz dem gedechnis der lute.
Neumann, Rothe. Keuschh. 
3833
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
also die grossen meister beduten.
Gille u. a., M. Beheim 
22, 59
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
sein hercz wirt unerschrokenleich dapey, | als uns Hely peweiset und peteüte.
Ebd.
453, 2816
:
gute mer | Wil ich ewch hie betewten.
Gille u. a., a. a. O.
22, 50
;
Koppitz, Trojanerkr.
23817
.
19.
›(jm.) etw. berichten, mitteilen, erzählen; etw. überliefern‹.

Belegblock:

Chron. Nürnb. 2, 
268, 9
(
nobd.
,
1449
/
50
):
daz ir keinerlei sagt, meldt noch beteutet, waz ir […] hie in der stat gesehen […] habt.
Gille u. a., M. Beheim 
104, 346
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
als uns daz liet peteüte.
Ebd.
427, 2
:
Sant Matheus | tut uns die wort peteuten, | wie das Jhesus dise gleichnus | da wider seine junger rete.
Koppitz, Trojanerkr.
16070
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Daz waren wilde lütte, | Von den ich üch betütte.
Klein, Oswald
102, 49
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Als ich eu das bedeut, | ich ward gar schon emphangen.
Munz, Füetrer. Persibein
55, 4
(
moobd.
,
1478
/
84
):
von dem mews arnn thet er [Persibein] ir [tochter] gar pedeutten.
Mayer, Folz. Meisterl. 
20, 6
;
Gille u. a., a. a. O.
40, 1
;
81, 34
;
104, 268
;
Adrian, Saelden Hort 
146
.
20.
›etw. aussagen, äußern, sagen, behaupten‹; auch ›sich äußern‹.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus 
4, 90, 229
(
Frankf.
1557
):
Was er damit hat wolt bedeuten, | Bfehl ich zu sagen andern Leuten.
Neumann, Rothe. Keuschh. 
3757
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
[kusche meide] wandern nicht under den luten | di en grobe worte beduten.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
103, 34
(
thür.
,
1474
):
wy sy zculetzt ußgesaget unde sich bedutit habin, da solle eß billichen by blieben.
Ebd.
283, 26
:
daz der eyne geczügk, […], der daz geczugkeniß ußgesaget hatte, sich anders bedutit habe.
21.
›etw. benennen, genau bezeichnen‹; als Part. Adj.: ›vorgenannt, vorerwähnt‹.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck 
15, 22
(
thür.
,
1474
):
habe unde gud […], daz er eygintlich in syner vorrede benant unde bedutit hat.
Chron. Augsb.
5, 80, 4
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
dem hochwürdigisten fürsten […], auch ihrer hochfürstlichen genaden […] pfleger zu bedeuten
[Ekthlipsis von:
bedeutetem
]
Gröbming.
Preuss. Wb. (Z)
1, 748
.
22.
›jm. eine bestimmte Eigenschaft zuschreiben, jn. für etw. (z. B. hochmütig) halten; mit jm. jn. meinen, unter jm. jn. verstehen‹.

Belegblock:

Niewöhner, Teichner 
189, 52
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
ist ein vraw dann so verainnet | daz si nieman ir gruezzen pauͤtet, | dw wirt hochvertig bedautet.
Ebd.
264, 20
:
zu dem chnecht ich ainen bedauͤt | der unserm herren gehorsam tuͤt.
23.
›sich durch Zeichen verständlich machen; etw. mittels eines angebrachten Zeichens kennzeichnen, kenntlich machen‹.

Belegblock:

Morrall, Mandev. Reiseb. 
118, 8
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
sie betúttend ainer dem andern als die stummen, und da mit verstond sie sich.
Winter, Nöst. Weist.
1, 309, 23
(
moobd.
,
1607
):
Man soll die rain bedeüt haben mit rain und stain.
Preuss. Wb. (Z)
1, 450
.
24.
›etw. auf jn. / etw. beziehen‹.
Syntagmen:
etw. auf die pfaffen, auf den landgrafen, auf den krieg b
.

Belegblock:

Warnock, Pred. Paulis V,
28
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Dise fygur ist ain andechtiger doctor gaischlich uslegen und betütten uff den krieg.
Schwäb. Wb.
1, 748
.
25.
›jn. (auch: eine Stadt) zur Besinnung bringen, zurechtweisen; jm. etw. bedeuten, jm. eine Rechtsweisung erteilen; jm. etw. zu verstehen geben‹.

Belegblock:

Luther, WA
30, 3, 410, 20
(
1531
):
Weh dir, Jerusalem, und kund jn niemand bedeuten noch schweigen.
Gille u. a., M. Beheim 
135, 23
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
haben die hailgen veter da | durch sünderlich peteüten | Und auss sprechung dez hahen, frann, | hailigen gaistez den perssann, | priestern und closterleüten | Auffgeseczet tag czeiten.
Wolf, Rothe. Ratsged. B
495
(
thür.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
zornige lute, | Ader die die nymant konde bedute, | Die togen nicht hir yn.
Dietz, Wb. Luther
1, 770
;
Schwäb. Wb.
1, 749
;
Schweiz. Id.
13, 2102
.
26.
reimbedingt:
zu wenig sang bedeuten
›zu wenig singen‹.

Belegblock:

Niewöhner, Teichner 
165, 74
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
er spricht: ‘du hast nicht gelautet | noch zu wenich sanch bedautet’.
27.
›(eine) Frage beantworten‹.

Belegblock:

Sachs
4, 96, 5
 (
Nürnb.
1556
):
Die frag thet er also bedeuten.