aussagen,
V.
1.
›etw. aussagen, sagen, mitteilen, verkündigen; jm. etw. zusagen; etw. ausschwatzen, ausplaudern‹; speziell: ›etw. bekennen, beichten‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,
1
 1,  1,  2, (V.) 7,  56,  2, ; vgl.  3,  17.
Syntagmen:
die heimlichkeit / schatzung, einen wert, verleumdende worte a.
Wortbildungen:
aussagung
1.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
176a, 4
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Jz ne sol nieman bi sines vater wibe leͥgen noch sine hemelicheyͤt vz sagen.
Buch Weinsb.
2, 302, 22
(
rib.
,
1575
):
Ich moist das aussagen
[eines Wahlergebnisses]
doin.
Schwartzenbach
D ijr
(
Frankf.
1564
):
Beichten. Verjehen. Sein heimligkeit außsagen. Sein aigne suͤnde vnd schuld bekennen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
88, 32
(
els.
,
1362
):
Do sant Siluester dis vsgeseite, do gab der keyser vnd die rihtere [...] sant Siluester gros lob.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
212, 8
(
m/soobd.
, Hs.
17. Jh.
):
das kain burger waß etwan auf den rathhauß [...] geschlossen würt in seinem hauß außgiessen oder außagen solle oder sansten jemant offenbahrn.
A. à S. Clara. Deo Gratias
25, 14
(
Wien
1680
):
niemand kan es anderst aussagen [...] als daß wir etlich Monat aneinander durch das Meer gewandert.
Ulner
161
;
Rwb
1, 1083
;
Schweiz. Id.
7, 409
.
2.
›(ein Urteil) förmlich verkünden, aussprechen‹; rechtssprachliche Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  7.
Wortbildungen:
aussagung
2.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
278, 23
(
thür.
,
1474
):
Hat der scheydeßrichter der sachen met den erbern mannen, dy her zcu sich hat geczogen, erkant, gebillichet unde ußgesaget, daz [...].
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
323, 20
(
osächs.
,
1523
/
4
):
daran haben sie aber ein recht aussagung und abweisung getan, und nach sulcher ergangen sachen haben sie Jorgen Drescher des rechten nicht gewegert.
Preuss. Wb. (Z)
1, 324
;
Schweiz. Id.
7, 409
.
3.
›etw. als Zeuge vor Gericht aussagen; als Angeklagter etw. aussagen, bekennen‹; rechtssprachliche Spezialisierung zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3, (V.) 1.
Wortbildungen:
aussager
(zur 1. Variante).

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
164, 10
(
thür.
,
1474
):
Hat Osanna [...] vor den fromen frouwen [...] ußgesaget unde bekant, daz sy swer gehe met eyme kinde.
Ebd.
253, 22
:
dy sy personlichin vor uch scheydeßrichtere brengen unde yr geczügkniß ußsagen unde vorczyhen mussen.
Ebd.
307, 16
:
Worden dy geczugen [...] alle [...] bekennen, ußsagen unde eyntrechticlichin geczugen, wy recht ist.
Skála, Egerer Urgichtenb.
98, 6
(
nwböhm.
,
1573
):
Schröttl sagt guetlich Auß (das er) [...] nichts wisse.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
55, 30
(
Straßb.
1650
):
damit sie [Schreiber] nicht anderst lesen wolten, als geschrieben; nicht anderst schreiben wolten, als außgesagt worden.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
86, 13
(
mslow. inseldt.
,
1617
):
welche [...] bey ihrem aidt vnd gewiśśen mitt aufgerekten Fingern, außgeśagt vnd bekant haben.
Grosch u. a., a. a. O.
55, 3
;
134, 18
;
254, 36
;
294, 29
;
Grothausmann, a. a. O.
91, 16
;
Rwb
1, 1084
.
4.
›etw. der Größe der Sache entsprechend zum Ausdruck bringen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  1,
1
 4,  2..

Belegblock:

Luther, WA
30, 3, 346, 16
(
1531
):
das ist das heubtstuck aller bosheit, vnd ein̂e solche schendliche vnuerschampte lesterunge das nicht aus zu sagen ist.
Ders. Hl. Schrifft.
Sir. 16, 20
(
Wittenb.
1545
):
[Der HERR] kan viel thun / des sich niemand versihet / Vnd wer kans aussagen / vnd ertragen / so er richtet?
Gille u. a., M. Beheim
435, 6
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wu wurt dein grosser rume | durch sungen oder auss gesagt?
Strauch, Schürebrand
46, 17
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
huͤtent úch mit flisse vor dem ingetragenen zisternewassere manigvaltiger verbildunge des rotfrogendes und des klageberen uzsagendes.
5.
›zu Ende sprechen, die Aussage beenden‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›eine Handlung durch eine Erklärung beenden‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 4,  6.
Syntagmen:
den stos a.
(›den Streit schlichten‹).

Belegblock:

Thiele, Minner. II,
31, 113
(Hs. ˹
md.
/
rhein.
,
1. V. 15. Jh.
˺):
‚Vrouwe, hait ir us gesaget, | soe wisset verwair daz mer behaget‘.
Trübner, Dt. Wb.
1, 195
.