besagen,
V.,
in 5
part. Adj.;
md. (auch els.) Kontraktion von
-age-
(meist zu ).
1.
›etw. verkünden, bekanntgeben, mitteilen‹; als part. Adj. ›bekannt, berühmt‹.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
247, 46
(
1632
):
Rüchtig ist es und besagt, | was dein kühner Arm getan.
Köbler, Ref. Franckenfort
98, 10
(
Mainz
1509
):
so ein richter ein rachtu͂ge besaget vor gericht / gibt der jhene der solch rachtunge thůn lassen hat / acht heller jn zuschryben.
Päpke, Marienl. Wernher
1318
(
halem.
,
v. 1382
):
Maria, werde rainú magt, | Din lob ist witnan besagt.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
125, 20
(
m/soobd.
,
1618
/
81
):
da ainen durch die schweindl am felt [...] schaden bescheche [...], ain oder 2 mahl besagen lassen.
2.
›eine rechtlich verwertbare Aussage machen, etw. aussagen, bezeugen, durch seine Aussage bestätigen, bekräften (von Personen); eine Aussage über jn. machen; etw. aussagen, beinhalten (von Urkunden); jn. benennen‹.
Gehäuft md. / nobd.; überwiegend Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1,  2, .
Syntagmen:
mehrfach absolut;
jn. / etw. b., der brief, das urteil, die rede etw. b., j. jm. die hofstätte, das lehen b., etw. mit dem eide b.; jn. e. S.
(Gen., z. B.
der dinge
)
b.

Belegblock:

Chron. Mainz
1, 72, 14
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
daz wir [...] unser drier stede ingesiegel zu den irn an disen briefe han dun henken, sie und alle ir nachkommen zu ewigen dagen aller vorgeschreben dinge zu besan.
Küther, UB Frauensee
160, 35
(
thür.
,
1369
):
in alle der mazze, alse dy brife besagen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
2933
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
erbeid unnd not kan das besage | wer zu gote rechte liebe trage.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
32, 38
(
thür.
,
1474
):
wy danne solliche schulde unde kegenrede in andern lengern, mehern wortten inhalden unde besagen.
Ebd.
255, 6
:
unde zcuhet sich des nach auch an bedderbe lute zcu besagen.
Ermisch, Freib. Stadtr.
81, 5
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
daz si di pfenninge besehn, unde waz si daran sehn unde vinden, daz si daz besagen, also recht si.
Ebd.
192, 29
:
So sal der richter boten biten zu den wunden dri man, die di wunden besehn unde denne besagen [...], als recht ist.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 23, 18
(
schles.
,
1339
/
61
):
das steiger, hutleut und ander amptleut nicht verrer kraft haben zu besagen denne also verre, als ir ampt get.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
38, 5
(
Bamb.
1507
):
So ein vberwundener mysstetter, der in seiner missetat helffer gehabt, yemant in der gefengknus besagt, der jme zu seinen geuͤbten erfunden misstatten geholffen habe.
Chron. Nürnb.
3, 401, 5
(
nobd.
,
1440
/
4
):
als uns unnser herre der kunig die burckstal und hofstëte [...] confirmirt und besagt hat.
Grosch, a. a. O.
136, 2
;
171, 3
;
275, 15
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
145, 14
;
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
558, 20
;
Brinckmeier
1, 344
;
Schweiz. Id.
7, 415
;
Wilke, Friedegebot.
1911, 293
.
3.
›etw. bestimmen, urteilen; etw. testamentarisch vermachen; etw. zur Bestimmung von etw. heranziehen, begutachten; jn. als etw. ausweisen, qualifizieren; jn. zu etw. verpflichten‹.
Rechts- und Wirtschaftstexte.

Belegblock:

Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 354, 5
(
rib.
,
1491
/
2
):
noch heit Geyrart van Hoynnyngen unser liever frawen besait in sim testament ein gulden rink ind was ouch unser liever frawen besait 1 guirdel mit 9 spangen.
Ermisch, Freib. Stadtr.
140, 4
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Werden denne di wunden zu kampe besaget.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
794, 5
(
osächs.
,
1523
/
4
):
er wolde darumb leiden, was ine das rechte besagte.
Mollwo, Rotes Buch Ulm
99, 4
(
schwäb.
,
1360
):
die selb uͥbeltät sie ouch dez besaget mit namen ainen morder mit ainem rade, ainen rouber mit dem swerte.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
194, 22
;
Schwäb. Wb.
6, 1621
.
4.
›jn. von etw. überzeugen‹.

Belegblock:

Thiele, Chron. Stolle
329, 23
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
er lisse sich besage unnd neme widderkar siner czerunge.
5.
›jn. anzeigen, rechtsförmlich verklagen, anklagen; jn. e. S. (eines Vergehens o. ä.) bezichtigen, beschuldigen; jn. verleumden, jm. übel nachreden‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, (V.) 2,  3,  2, , ,  2, , ; vgl.
1
.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
jn.
(z. B.
den pfaffen, die Juden
)
b., jn. e. S.
(z. B.
des diebstals
)
b., jn. um etw
. (z. B.
um den totschlag
)
/ von etw
. (z. B.
von einem morde
)
/ mit etw
. (z. B.
mit schwerlichen dingen
)
b., jn. gegen jm
. (z. B.
gegen dem könig
)
/ etw
. (z. B.
gegen dem gerichte
),
gegen jn
. (z. B.
gegen den keiser, die mutter
)
b., jn. b., das [...], jn. böslich / hinterwert / unschuldig / neidlich b
.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
285, 23
(
Wolfenb.
1593
):
ich weis gewisse, Das sie vnschüldig besagt ist.
Große, Schwabensp.
192a, 22
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Dichein besprochen man [...] de ne mach dicheinen vnbesprochenen man, [...], nicht zu̇ rechte geru̇gen noch besagen.
Chron. Köln
2, 85, 3
(
rib.
,
1. H. 15. Jh.
):
want her Herman van Goich weder der stat eit gedain hadde ind ouch besait hadde vil guder lude, dat neit war was.
Ebd.
2, 473, 24
(
Köln
1499
):
dat he des keisers hof ein wile schuwede, want he were intgain in besacht mit swairlichen sachen.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 39, 36
(
Frankf.
1557
):
Den Pfaffen vorm Bischoff verklagten, | Vnd jn gar boͤßlich da besagten.
Gerhard, Hist. alde e
5905
(
omd.
,
um 1340
):
Dorumme wart er besait | Ken den keiser und beclait.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
16, 1
(
osächs.
,
1343
):
Ein mensche [...] hatte einen meier, und dirre was beseit
[Luther
1545
:
berüchtiget
]
vor ime daz her sîn gût zůstrowit hette.
Feudel, Evangelistar
28, 4
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
Ir sullet nicht wenen daz ich uch besagen wolle by myme vatere. sunder der uch besait, daz ist Moyses.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
8110
(
omd.
,
1338
):
Daz ist valsche handelunge, | Dy bose menger uf sy jayn | Und si hinderwert besayn.
Neumann, Rothe. Keuschh.
316
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
Barbara da si ir vater jagete | umme das si der scheffer besagete.
Ermisch, Freib. Stadtr.
277, 16
(
osächs.
,
1350
/
79
):
Wer ouch tůch mit ungerechter varbe verbit und darǔmme wirt besayt von den meystern.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
56, 20
(
schles.
,
v. 1361
):
wer mich des besayt hat, [...], der hat mich belogen als ein vngetruwe kebes sůn.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
100, 9
(
nobd.
,
15. Jh.
):
kein ußwendig man sal einen besage uf dießen tag und gericht, er habe dann bei und mit ime zwene nachbauer.
Gerhardt, Meister v. Prag
59, 17
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
sie sprachen es darvmb das sie in versuchten vnd das sie in besagten.
Chron. Strassb.
1022, 6
(
els.
,
1359
):
wart ouch der vorgenant Cuͤntzelin beseyt, daz er ein messer uf gegen dem himel würffe und sprach: er wolte es in got werffen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
9, 460, 3
(
Straßb.
1466
):
in dem selben zeyt genachenten sich mann chaldeer die besagten
[Luther
1545
:
verklagten
]
die iuden.
Henisch
298
(
Augsb.
1616
):
Die grimmige stimm besagt / verraht sich selbs am gesicht / furor proditur vultu. [...]. Ein schalck besagt / verraht den andern nicht / Nequam non prodit alterum.
Niewöhner, Teichner
76, 37
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
dew andern [...] ruechent wie si in verrieten. | seu besagen in so maniger slacht.
Winter, Nöst. Weist.
3, 574, 14
(
moobd.
,
1371
):
geschêch das ein man besait wuͤrd gegen dem lantgericht.
Rössler, Stadtr. Brünn
344, 22
(
mähr. inseldt.
,
1. H. 14. Jh.
):
Ist daz iemant wesait wiert um ein totslag und sich dez wechent.
Ziesemer, Proph. Cranc Dan.
3, 8
;
6, 24
;
Chron. Mainz
1, 14, 5
;
Kurz, a. a. O.
1, 25, 2
;
Karsten, a. a. O.
8889
;
Hübner, Buch Daniel
1228
;
1245
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
667, 1
;
Bindewald, a. a. O.
128, 24, 6
;
Kurrelmeyer, a. a. O.
1, 43, 20
;
Rössler, a. a. O.
356, 23
;
Schmitt, Ordo rerum
615, 3
;
Voc. Teut.-Lat. d iijr;
Rwb
2, 58
;
Schwäb. Wb.
1, 886
;
Preuss. Wb.
1, 544
.
6.
als part. Adj.: ›in Rede stehend, genannt, besagt, vorerwähnt‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (s. v.  11).
Syntagmen:
besagter gezirk, besagtes haus, besagte
[Person]
/ armada / bruderschaft / herschaft / mas
; auch subst.

Belegblock:

Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
31, 1
(o. O.
1532
):
das er, jnn einer gemein gefraget, wer jme zu seiner Missethat gehollffenn, den besagten von jme selbst bedacht vnd benant hab.
Memminger Chron. Beschr.
28, 23
(
Ulm
1660
):
Hat einer uͤber besagte halbe Maß noch weiter Lust zu trincken.
Eschenloher. Medicus
50, 12
(
Augsb.
1678
):
als er zu besagter Christlicher Armaden kommen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
164, 15
(
mslow. inseldt.
,
1631
):
Darauf śeint [...] drey Vire vnnd Zwainziger [...] Zue besagten Palko abgeordnet worden.
Merk, Stadtr. Neuenb.
138, 13
;
Eschenloher. a. a. O.
67, 11
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
95, 31
.
Vgl. ferner s. v.  1.