ausweisen,
V.;
im eigenen Material ausschließlich regelmäßige Formen, zu den Details der Flexion vgl. Dammers u. a., Flexion der st. und schw. Verben. 1988, S. 306 und 308 ff.;
semantisch lassen sich die Bed. 1-4 an
ahd.
wîsan
,
mhd.
wîsen
›belehren, wissen lassen‹
(Lexer
3, 941
; BMZ 3, 758-760; Dwb
14, 1, 1, 1078
) anschließen, Bed. 5 setzt
ahd.
wîson
,
mhd.
wîsen
›nach jm. sehen, jn. besuchen‹
(Lexer
3, 942
; BMZ 3, 763; Dwb
14, 1, 1, 1102
) fort; eine Verbindung zu
mhd.
wîzen
›beachten, verwerfen‹
(Lexer
3, 959
; BMZ 3, 781; Dwb
11, 1, 1103
) braucht semantisch und etymologisch für das Frnhd. nicht angenommen zu werden.
1.
›jn. aus einem Rechtsbezirk ausweisen; jn. aus dem Hause bitten; jn. verstoßen‹.
Wortbildungen:
ausweisung
1 (dazu bdv.: vgl.  1, ,  1).

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc. Ez.
44, 22
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
keyne witewe adir uzgewyzte sullin sy nemen zu husvrowin, sundir juncvrouwin von dem somyn des huysis Jsrahel.
Ebd. Bar.
2, 25
:
sy sint tot in snodin smerzin, in hungir, in swertin und in uzwisunge.
Welti, Stadtr. Bern
95, 13
(
halem.
,
um 1400
):
vmb daz man inn nit mit gericht geuertigen oder vssgewisen moͤcht.
Ebd.
596, 9
(
1539
):
die weybel sollennt die dry betzen nit empfachen, noch iemannts der statt recht thůn, noch mit dem eyd vßwysenn.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
136, 2
(
m/soobd.
,
1547
):
die wiert [...] sollen auf den abent, so eß über die zeit ist, ihre göst außweisen.
Welti, a. a. O.
95, 12
;
278, 15
;
Bischoff u. a., a. a. O.
97, 10
;
Rwb
1, 1135
/6.
2.
›jm. einen bestimmten Weg weisen‹; ütr.: ›jn. führen, lenken, leiten; (jm.) Weisung geben; ein Urteil fällen, Recht weisen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.

Belegblock:

Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 102
(
1397
):
daz yme Wilkin Scheffer ... habe in truwen an eyts stat globet, an gerichte zu Babinhusen stille zu sten, was der scheffen uszwiset, als Burger von yme kleit.
Vetter, Pred. Taulers
138, 8
(
els.
,
1359
):
Dis tůnt si den die wol sehent iren ewigen moͤrdigen schaden, und wellent si dannan us wisen uf die rechten strosse.
Koller, Ref. Siegmunds
81, 19
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
ob es nit ein wunder von gotte sye, das man die wisen můß, den die welt enpfolhen ist, die menglichen ußwisent und ußrihtend sint als der bobst, cardinel, byschoff.
Ebd.
118, 51
:
understunde man es nit, es wöllten schier die orden den ganzen glauben ußweysen.
Winter, Nöst. Weist.
2, 290, 27
(
moobd.
,
A. 18. Jh.
):
wan man die schnitter hat, so soll sie iederman wan er sie außweißet den rechten weeg außweißen oder in dem rain, seinen nachbahrn zwerchs ân schaden.
Rwb
1, 1136
.
3.
›etw. beinhalten und (metonymisch, im Einzelfall nicht trennbar:) zu erkennen, zu verstehen geben, etw. anzeigen, belegen, beweisen, aussagen, darlegen, ausweisen, offenbaren (von Texten und anderen Bezugsgegenständen gesagt, die als Zeichen verstanden werden können)‹; Ütr. zu 2.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1,  2, ,  1, , , ; vgl.  28.
Syntagmen:
brief
(häufig)
/ buch / bund / copie / eid / gebot / geschäft / geschichte / gesez / gewonheit / gift / kranz / leben / legende / lere / name / register / schrift / teiding / zettel (etw.) a.
; oft formelhaft:
wie
(z. B.)
der brief a.
;
etw. eigentlich / klärlich, mit worten a.
; subst.:
laut a. des sakramentes / zeichens, nach a. des rechtes.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Konventsb.
265, 4
(
preuß.
,
1411
):
als dese ingestosen czedel uswyset.
Ders., Gr. Ämterb.
385, 20
(
preuß.
,
1417
):
das hinderstellig gebleben ist als das schultbuch uswised.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
177
(
pfälz.
,
1436
):
als dann clerlich vswyset der heilig appostel Paulus.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
121, 17
(
schles.
,
1446
):
als das die brieffe, die vormals dorobir gegeben [...] sein, wol eigentlicher vsweysen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
86, 17
(
Nürnb.
1548
):
da dienet vnd ehret man Gott mit / wie das ander Gebot außweyset.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 254, 34
(
halem.
,
n. 1529
):
wie das von altem harkomen, und was unsere puͤnd usswisend.
Karnein, de amore dt.
73, 3
(
moobd.
,
v. 1440
):
ettlicher lere tüt ausweysen, das in vierlay weg die lieb wirt erlanngt.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
42, 22
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Er stift auch [...] das Bistumb zu Saltzpurg, als das ausweist die legend Sancti Ruperti.
Turmair
5, 44, 2
(
moobd.
,
1522
/
33
):
das man [...] dieselben [...] nach dem willen und bevelch gottes, auch ausweisen des natürlichen rechts straffet.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
90, 28
;
660, 20
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 102
;
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
3, 297, 34
;
Leman, Kulm. Recht
1, 4, 20
;
Thür. Chron.
16v, 4
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
65, 11
;
90, 29
;
169, 12
;
284, 10
;
295, 12
;
Meisen u. a., J. Eck
15, 26
;
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
32, 15
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 565, 18
;
Goldammer, Paracelsus.
7, 171, 2
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
64, 35
;
73, 11
;
75, 35
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
3519
;
Bastian, Runtingerb.
2, 120, 3
;
Koller, Reichsreg. Albr. II.
176, 5
;
Karnein, a. a. O.
177, 688
;
Zingerle, Inventare
27a, 1
;
Turmair
4, 109, 15
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
150, 38
;
Schöpper
98b
;
Serranus
23v
;
Dietz, Wb. Luther
192
;
Rwb
1, 1135
/6;
Preuss. Wb. (Z) 1, 345;
Schwäb. Wb.
1, 536
.
4.
›etw. der Größe der Sache entsprechend darlegen, etw. gebührend würdigen‹.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
263, 25
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
du raine magt Mareie, | dein nam so hohen breise tregt, | Das es daz tausent tail nummer wurt auss geweist.
Ebd.
442, 41
:
wer möcht dein wirdikait durchbreisen, | dein lab hie auss geweisen?
5.
›jn. bezahlen, auszahlen, entschädigen, jn./eine Instanz finanzieren, unterhalten; jm. etw. vermachen, jm. etw. zukommen lassen‹; mit Verschiebung der Bezugsgröße: ›etw. bezahlen‹.
Bedeutungsverwandte:
 5,  1,  5, ; vgl. ,  9.
Syntagmen:
jn.
(z. B.
den kläger /priester
) / eine Instanz (z. B.
das kloster / stift, die pfarre
)
a., jn. mit der ehesteuer a., jn. aus den gütern a.
;
jm. etw. a.
; verschoben:
das recht
, einen Betrag (z. B.:
drei schillinge
)
a.

Belegblock:

Grimm, Weisth.
3, 256, 32
(
1579
):
Wer den holzgeschwornen den wahrtbaum ausweisen soll? ist erkant, der holzgreve.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
132, 3
(
thür.
,
1474
):
daz syne muther uß yres erstin mannes guttern [...] ußgewiset unde entsatczt worden sy.
Luther, WA
41, 384, 15
(
1535
):
Ut puer: Mein vater wird mich ausweisen 5 fl.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 171, 28
(
halem.
,
n. 1529
):
mit denen orten, so zům teil besiglet haben und noch besiglen woͤllen, zů beschliessen, und dieselben, das sich zů irem teil zuͤhe, uszewisen.
Ebd.
5, 251, 7
:
der stiften, kloͤstren und gotshuͤseren personen, [...] mit grosser muͤeg und kosten ussgewist und abgericht, etliche mit einer sum gelts.
Koller, Ref. Siegmunds
165, 18
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
das gelt sol man nů anlegen an ein oder zwey stück, das die priester usgewiset werden.
Ebd.
167, 12
:
der sol die pfar uszwysen in der mosse, also vor gemeldet ist.
Rwb
1, 1136
.