sagen,
V.;
häufig kontrahierte Formen. – Das Bedeutungsspektrum wird hier (auch unter Beachtung der Illokutionen von
sagen
) wie folgt gegliedert: Ansätze 1–3 referieren auf das Vermögen, einen Sachverhalt in Sprache zu bringen, sowie auf verschiedene Weisen, dies zu tun; 4–6 fokussieren (sowohl mündliche als auch schriftliche) Sprechhandlungen, die die Weitergabe bzw. Mitteilung von Informationen und / oder Wissen von unzweifelhaftem bzw. vom Sprecher unterstelltem Wahrheitsgehalt bezwecken; 7 und 8 dokumentieren Äußerungen, die auf nicht authentifizierbaren Quellen respektive kollektiven Wissensbeständen basieren und Meinungen mit bewertender und / oder abwertender Intention transportieren; 9 fokussiert Aussagen mit Wahrheitsanspruch im normativen Bezugsrahmen des Rechts, 10 die Zeugnisrede innerhalb des christlich-religiösen Bezugssystems; 11–15 dokumentieren verschiedene direktive und deklarative Sprechhandlungen, die implizit oder explizit ein bestimmtes Verhalten, eine bestimmte Handlung / Haltung vom Sprecher und / oder Adressaten fordern bzw. diese initiieren.
1.
›einen Sachverhalt (mündlich oder schriftlich) zum Ausdruck bringen, in Worte fassen, formulieren‹; speziell: ›etw. in einer bestimmten Sprache ausdrücken‹; mit Bezugsgrößenverschiebung auf das Resultat: ›lauten‹; in Verbindung mit Verfassernamen oder Werktiteln zur Einleitung eines wörtlichen Zitats oder der sinngemäßen Wiedergabe einer Textstelle, gelegentlich in Anlehnung an das unkonstruierte lateinische Partizip
dicens
(›sagend‹), das, funktional einem Doppelpunkt vergleichbar, den Beginn einer wörtlichen Rede markiert.
Phraseme:
die warheit sagen
.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1, 2; 8,
1
11,
1
2,
1
2, 4,
1
2; 4, (V.) 1, ; vgl. 3, 23, 2, 14.
Gegensätze:
.
Wortbildungen:
1
sager
1 ›j., der etwas äußert; Sprecher‹.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
5, 14
(
Hamb.
1646
):
Welches alles begriffen ist in deme do die schrifft saget laß dich nicht gelüsten, oder du solt nicht ander Götter haben, oder [...].
Luther, WA (
1512
/
8
):
das ist darumb so außgetruckt gesagt, auf das die zuͦkünftigen kaͤtzer nit bestuͦnden
(mit Bezug auf den Wortlaut einer Bibelstelle).
Comunicare auff latein heyst diß gemeynschafft empfahen, wilchs wir auff deutsch sagen zum sacrament gehen.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ich hân ez ofte gesprochen [...], daz [...]. Nû sagen wir anders.
Ders., Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz sagen möhte getriegen.
Chron. Köln (
rib.
,
1434
):
do geschach so grois schade, dat davan neit zo sain enwas
(›dass man es nicht in Worten ausdrücken konnte‹).
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
DAs nuͦ dise wort des Herren schlecht vñ recht / wie sie lauten [...] verstandenn werden soͤllen [...] Als ob der Herr het sagẽ woͤllen / Das [...].
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
das
[Zweifel bezüglich der Rechtmäßigkeit von Hexenprozessen]
hat derselbe [Inquisitor] gesagt / vnd sagens andere mehr / ich aber darffs nicht sagen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
321, 36
(
thür.
,
1474
):
uff sollich orteyl, dy also kegen eynnander ingeleyt sint, zcuhet sich der neste geschrebin artigkel des spruchs, da der spruch also saget: „Sint auch beyde teyl vormant worden [...]“.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
Derhalben so wil GOtt also viel sagen: Mein trewer Knecht wird es wol außrichten.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
Wie auch solches Plinius [...] preiset / sagende: [...].
Gille u. a., M. Beheim
72, 110
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Es mocht ein mensch auch fragen | ob [...] | [...] | ein antwurt wil ich sagen.
Bell, G. Hager
493, 3, 12
(
nobd.
,
1602
):
wie denn ain altes sprich wort sagen thut, | mit nachbaren sol man auf heben stedel.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
dis sint lute die die worheit fuͤrent und sagent.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
206, 24
(
els.
,
1362
):
Mich wundert obe duͦ wor sagest daz Cristus ein lieht si.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
welche [Gottlose Buben] nicht schewen gehabt, vns, zu eusserstem vnser Landen vnd Leuten Hertzleyd das edele Leben vor der Zeit, als man sagen mag, abzustehlen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Sager / der etwas sagt. Narrator. [...]. Sagst du das in guͦter treüw oder für ein waarheit? [...]. Wenn du die waarheit Sagst.
Bauer, Geiler. Pred.
319, 11
(
Augsb.
1508
):
sy suͦchen trost in sollichenn thorechten dingen. es sey geschwatz [...] klaider. oder gespilschafft. das es schympflich ist zuͦsagen.
Ebd.
469, 11
:
klapper wort / das ist / so aines
[›jemand‹]
solliche ding offenbaret on alle nott (er ist sy nit schuldig zu sagen) die er billich versweigen solt / und in nichts darzu beweget dann allain / er muͦß och ettwas gesagt haben. auß dem die anderen moͤgen mercken daßs er auch ettwas von waißt.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
2, 46
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Hester, Thamar, Ruth, Judit | Chünnen sagen mit figuren, | das du
[Gott]
wendest alles truren | aller menklich wer dich pit.
Gropper. a. a. O. ; ;
Mathesius, a. a. O. ;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
116
;
2.
in Konstruktionsverbgefügen, in denen der zum Ausdruck gebrachte Inhalt durch ein Objekt vermittelt wird, im Einzelnen z. B.:
rum sagen
›prahlen, übertreiben‹;
ursache sagen
›etw. begründen‹;
jm. ere / gnade / lob / preis sagen
›jn. preisen‹;
jm. einen grus sagen
›jn. grüßen, jm. Grüße übermitteln‹;
jm. dank sagen
›jm. danken‹;
jm. kleinen / schlechten dank sagen
›sich undankbar zeigen, etw. ungnädig aufnehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 3.

Belegblock:

Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
311
(
mrhein.
,
um 1335
):
Der vnvirscheiden driueldekeit | si vmer gnade vnd ere geseit.
Ebd.
952
:
Vil edel herre panthias, | gent, sagent pilato minen gruz.
Köbler, Ref. Wormbs
108, 22
(
Worms
1499
):
vff einen benanten tage vor Rate oder Gericht da die sach gehandelt zuerschynen [...] vrsach zusagen vnd fürzubringen warumb soͤlichs nit gescheen soll.
Opitz. Poeterey
4, 25
(
Breslau
1624
):
das ich mein Buntzlaw / ohne ruhm zue sagen / die erzieherinn vieler stattlichen beruͤhmbten leute [...] als ein Kind seine Mutter ehre.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
vnd wirde der Grav von Appermunt, wan er vnser Gespräch vernehmen solte, den Herren dessen schlechten danck sagen.
Wyss, Luz. Ostersp.
3, 52, 74
(
Luzern
1616
):
Deß glychen ich dir lob vnd Prys | mitt höchster demuͦt säg vnd flyß, | Daß du die tochter von dem tod | erlösset hast vnnd vns vß noth.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 24
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
das himelprot sich herab swank, | die juden sagten chlainen dank.
Bauer, Imitatio Haller
60, 15
(
tir.
,
1466
):
Das gehört got czue, das man im lob vnd dankch sol sagen vmb die genaden, die wir von im enpfhangen haben.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1778
;
Bauer, Geiler. Pred.
463, 7
;
465, 9
;
3.
›einen vorgegebenen Redeinhalt und / oder einen (mehr oder weniger) standardisierten Wortlaut (z. B. ein Sprichwort, ein Gebet) aussprechen, aufsagen‹; häufig in idiomatischen Wendungen und Sprichwörtern.
Phraseme:
zu e. S. ja und amen / recht sagen
›etw. unkritisch gutheißen, befürworten‹;
wer a sagt, muss auch b sagen
bringt die Aufforderung zu konsequentem Handeln zum Ausdruck.
Bedeutungsverwandte:
1
5; 6; 7; vgl. 4, 1; 3, .

Belegblock:

Luther, WA (
1518
/
9
):
Dartzu hilft, das wir sagen: Der du bist yn dem hymel. Welchs seindt worth, da mit wir unser cleglich nodt und elend antzeigend.
Ebd. (
1531
):
Amen wollen wir darzu sagen und aus den wortten lernen gedult haben.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
weil sie ihm reden, was er gerne höret, zu allem Ja, vnd Recht sagen.
Wyss, Luz. Ostersp.
10913
(
Luzern
1545
):
[marie] fünnff patter noster vnnd aue maria gseyt.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
welcher A sagt, muess auch B sagen.
Wolf, Norm im sp. Ma.
83, 25
;
4.
›etw. (mit kommunikativer Absicht) in einer Gesprächssituation sagen, äußern, vorbringen, bemerken‹; mit Dativobjekt der Person zur Kennzeichnung eines konkreten Adressaten: ›jm. etw. mitteilen, erzählen, berichten‹; häufig speziell (mit Bezug auf intime, exklusive Gesprächssituationen): ›jm. etw. anvertrauen, zutragen, hinterbringen, verraten‹; speziell im Kontext der Beichte: ›etw. bekennen‹.
Phraseme:
gut (zu) sagen haben
›gut reden haben; in der Pose des Besserwissenden auftreten‹;
mancherlei fragen und sagen
(subst.) ›Hin- und Hergerede‹;
jm. etw. unter augen sagen
›jm. etw. unter vier Augen mitteilen‹;
jm. etw. in das antliz, in die zäne sagen
›jm. etw. direkt, ohne Umschweife, ins Gesicht sagen‹.
Bedeutungsverwandte:
1, (V.) 1, 2,
1
3; 5; 8, (V., unr. abl.) 5; 6, , ; vgl. 10, 3, 11, (V.) 3, 1, 1, 1, 6, 4.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j. etw. s
.,
jm. etw
. (z. B.
eine heimlichkeit / märe / missetat, sein leben, üble märe, etw. heimliches, alle geschichten
)
s
.,
jm. etw
. [wie] (z. B.
bald / heimlich / mündlich, ane argen list, im ernst, mit dem mund, mit lauter stimme
)
s
.,
jm. s., das [...], was [...], wie [...]
,
etw. zu jm. s
.;
j. (jm.) von jm. / e. S., von hochzeiten / weibern, von grossen nöten s
.;
j. viel s
.; subst.:
das auswendige / innerliche sagen
.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe (
Wolfenb.
1593
):
Du hast gut sagen darzu, Ich wolte, das ich vor alle mein Gut mein Auge haben möchte.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
206, 4971
(
Magdeb.
1608
):
Nach mancherley fragen / vnd sagen / | Wer geschlossen sie woltens wagen.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
778
(
mrhein.
,
um 1335
):
Maria, mutter reine, | ich [Iohannis] kom nuͦ alleine | vnd sagen dir vbel mere.
Ebd.
806
:
Weiz vwer keiner (ein) missedat, | die dirre man begangen hat? | Die sal er vns hie sagen, | daz wir sie von ime clagen.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
120, 7
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Wye heyssest du das sage mir balde.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
sie insollen keiner suster sagen waz sie da uzze gesin abe gehort hant.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
Ihr möget sagen was jhr wolt, antwortet der König Perion.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
Nv der, lieber frv̇nt, nv sage mir ŏch din leben, also dir es got gebende ist.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
dis vil uswendiges sagen
[hier: das Aussprechen der Sünden in der Beichte]
ane das innerliche enbringet wening frucht an solichen dingen die enkein totsúnde ensint.
Rieder, Gottesfr. (
els.
,
1382
/
91
):
harumb vil lieber sun, so bitte ich dich bi gehorsamme, das du bi mime lebende nieman von mir sagest.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
frowe, wissest das der engel Gabriel dicke mit mir [Machemet] redet und das ich von sinre schoͤne erschricke und verzucket wurde also lange, bitz er mir sine heimelicheit geseit.
Roloff, Brant. Tsp.
439
(
Straßb.
1554
):
Wer ist der mich [Wolust] so thuͦt verclagen | Und mirs nit gtar ins antlit sagen.
Ebd.
1474
:
Lieber du hast gar guͦt zuͦ sagen | Mit lerem buch ist nit guͦt jagen.
Ebd.
1874
:
Der
[Teufel]
hatt mir so vil heimlicheit | Anzeigen koͤnnen und geseit | Das ich verirret bin daran | Wer es ime doch gesagt moͤg han.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
ein Geistlicher [...] sagte zu mir: Da sehet ihr diesen elenden Mänschen.
Fuchs, Murner. Geuchmat
738
(
Basel
1519
):
Frembd hoffart nit von wyben kumpt. | Verschwigent alles, das man sagt, | Jn vertruwet vnd in klagt.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Das kind so seldenberre | Dem hirtten sagen do began
(was ihm zugestoßen sei).
Daz ich dir sagen, daz ist war | Daz mich her trogg min aigen wip. | Mitt zober sy minen lib | Hett alsus her gesetztt.
Sappler, H. Kaufringer
12, 79
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
da sprach die fraw on argen list: | „mir hat niemant darvon gesait. | [...]“.
Ebd.
14, 302
:
in trewen will ich dich nun pitten, | das du mich des wölst gewern, | [...] | davon soltu niemant sagen.
Ebd.
655
:
Die fraw huob ze sagen an, | wie der ritter wolgetan | des nachtes zuo ir komen wär.
Brandstetter, Wigoleis
219, 9
(
Augsb.
1493
):
jch bit eüch mir zuo sagende. wie jch [...] auf den palast kommen müg.
Mollay, H. Kottanerin
19, 1
(
moobd.
,
1439
/
40
):
da lag ir gnad an dem pett vnd wolt nuͤ geruet haben vnd sagt mir, wie es ıͤr des tags ergangen was.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
13, 1
(
mslow. inseldt.
,
1497
):
das wiederruefft er, es śey nicht alśo geśchehen, vnnd er woll śolches dem APtn vnter augen śagen.
Peil, a. a. O.
624, 3703
;
Frantzen u. a., Kölner Schwankb. ;
Mathesius, Passionale ;
Jahr, H. v. Mügeln
936
;
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
128, 16, 4
;
Logau. Abdank.
169, 29
;
v. Keller, a. a. O. ;
Schmitz, Schiltb.
104, 12
;
Roloff, a. a. O.
1216
;
1783
;
1916
;
Schib, H. Stockar
40, 9
;
Mollay, a. a. O.
32, 19
;
5.
›von einem Bezugsgeschehen, das aus Sicht des Sprechers (auch: des Autors bzw. des Erzählers) in besonderem Maße denk- oder erinnerungswürdig, amüsant oder lehrreich erscheint, (mündlich oder schriftlich) Bericht geben, erzählen‹; ›eine Begebenheit, ein Ereignis beschreiben, schildern, ausmalen‹; implizit oder explizit adressatenbezogen, mit Bezug sowohl auf aktuelle als auch auf historische bzw. als historisch geltende Ereignisse; speziell: ›eine stoffgebundene narrative Bezugsgröße (z. B. eine Geschichte, ein Exempel, eine Vita) zum Besten geben, (wieder)erzählen, tradieren‹.
Phraseme:
als / wie ich euch sage
formelhafte Beteuerung der Glaubwürdigkeit des Erzählers: ›wie ich Euch glaubwürdig versichere, beteuere; ihr könnt es ruhig glauben‹;
von jm. / e. S. sagen und singen
›ein für denkwürdig befundenes Bezugsgeschehen (mit bzw. durch Emphase) zum Gegenstand öffentlichen Interesses machen‹ (mitunter ironisch).
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1, 2; 3; 6, 1, (V.) 4, ; vgl. 18; 19, , 3; 4, 3; 4, 2, .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j. (jm.) etw
. (z. B.
ein exempel / märe, eine klage von dem römischen reich, erlogene lieder
)
von e. S. s
.,
etw
. (Subj., z. B.
die aventiure, das buch
)
jm. (etw.) s
.;
j. (jm.) von jm. / e. S
. (z. B.
von Jesus, von den unbiderben frauen
)
s
.
Wortbildungen:
sagung
1 ›Bericht, Erzählung‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1532
):
wenn sie
[die Pharisäer]
fasteten, verstelten jr angesicht [...] sahen saur und finster und trieben solchen trefflichen ernst, das man davon sagen und singen muste.
Ebd. (
1535
/
6
):
Es ist zu viel, das grosse Herrn mussen solches offentlich von jnen singen und sagen lassen.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz allermeiste guot, daz got dem menschen ie getete, daz was, daz er mensche wart. Hie sol ich ein mære sagen, daz wol hie zuo gehœret.
Valli, Baldemann
1
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Horet unde lazt uch sage | Von dem Romschen Rıͤche eyn clage.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
28, 34
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Schonten wir nicht der biderben frauen, von den unbiderben kunden wir vil mer singen und sagen.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich (Hs.
A. 15. Jh.
):
also uns die avonture und ouch daz buch noch seit.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
alse den altvettern vil beschiht und beschehen ist, daz ire buͤchere sagent.
Roloff, Brant. Tsp.
937
(
Straßb.
1554
):
Under eim baum als ich euch sag | Da sie mit im der liebe pflag.
Wickram
4, 6, 25
(
Straßb.
1556
):
Dardurch dann offt mancher frumer junger verargwont würt / des so er im all seine tag nie in sein sinn nam / des ich euch wol ein frisch Exempel sagen wolt.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 387, 18
(
halem.
,
n. 1529
):
riterschaft hat vor dem kristenpluͦtsdurstigen Tuͤrken [...] grosse triumph-froͤud geluͤtet, gepfiffet, basunet, boͤgget, trumetet, gesungen und gesagt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Massurius hat es also Gesagt vnd geschriben. Author est Massurius.
Sappler, H. Kaufringer
6, 26
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
ain aubentür beschehen ist | vor zeiten, als man davon list, | die triffet dise red an zwar | [...] | die will ich ew ze diser stunt | sagen vnd auch machen kunt.
Heydn. maister
6r, 3
(
Augsb.
1490
):
Vñ dÿe weil er alt was als Tullius in dem buͦche von dem alter sagt / hat er [...].
Ebd.
41r, 10
:
alls Seneca sagt in der
.
ix
.
epistel / hat er [...].
Rot
345
(
Augsb.
1571
):
Referirn, [...]. Jtem wider erzelen / sagen vnd anzeigen / was einer hab außgericht.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Das das also war sey, das weist dich die hernachgeschriben sagung.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
und selben zeit hat gelebt Dietreich von Pernn, der ketzer, von dem man vil erlogner lieder singt und sagt.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Dise landshaubtmanschaft ist auch reich an grossen schifreichen wassern, davon die alten poëten vil schreiben, singen und sagen.
Kaiser Karl ist geborn worden [...] auf dem schlos am Wirmsê [...] (wie dan die inwoner des noch sagen [...]).
Roloff, a. a. O.
2536
;
v. Keller, Ayrer. Dramen ;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
1, 4
.
6.
›sachkundig, auf der Basis von Erfahrungswissen und / oder Fachkenntnissen (bei Rechtstexten: mit normativem Anspruch) über einen Bezugsgegenstand, ein Thema informierend, erläuternd Auskunft geben‹; ›ein Thema sachkundig abhandeln‹; fokussiert didaktisch-autoritatives Sprachhandeln sowohl als mündliche Rede als auch als (durch je spezifische Gattungstraditionen geformte) Textstrategie, gelegentlich markiert durch die Verwendung des
pluralis auctoritatis
(
nun wollen wir sagen [...]
).
Phraseme:
sag, was [...], wie [...], das [...]
Aufforderung an einen an Wissen überlegenen Dialogpartner, dieses mitzuteilen.
Syntagmen:
j. (jm.) etw
. (z. B.
die gewonheit des landes
)
s
.,
j. (jm.) s., das [...], wie [...]
;
etw
. (Subj., z. B.
das buch / lehenbuch, die artikel / recepte / rechte
)
etw. s
.;
j. / etw
. (Subj.)
von jm. / e. S
. (z. B.
von dem hirn, von js. recht, von guter speise, von besonderer hilfe, von der änderung der nächte / tage, von der zal der wonungen auf erden, von (den) bäumen / kräutern / steinen / würzen, von alten ausbrüchen / schäden
)
s
.

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
alse wir noch hir nach sagen van suͦnderme rechte suͦmechliker lande nach guͦter gewonheyt.
So wirt deme houͦbet heren daz gelt; daz guͦt behaldit daz kint, alse daz len buͦch hir nach seit.
Luther, WA (
1509
/
21
):
Hett er [Laban] recht mit Jacob wollen umbgehen, So hett er im des lands gewonheitt fur hin sagen sollen.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Nû möhtet ir sprechen: ,saget, herre, waz ist diz? [...]‘.
Hajek, Guͦte spise
14
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Diz buͦch sagt / von guͦter spise, | Daz machet / die vnverrihtigen koͤche wise.
Köbler, Ref. Franckenfort
67, 11
(
Mainz
1509
):
Jn den andern aber personen so gebrechlich sein [...] dauon die rechte sagen / Jn welchen personen zu zeiten legittima zuͦ zeiten datina statt hatt.
Ebd.
90, 8
:
die andern Artickel von Montparn oder Anwelden sagende / steet da forne jm tittel de procuratoribus.
Fischer, Folz. Reimp.
44, 156
(
Nürnb.
1482
):
Ein pisemapfel mag man dragen, | Gemacht als die recept das sagen: | Von weirach, aloe, ambra.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
119
(
Nürnb.
1517
):
Mich bedunkt, erfarn ze haben, das dise, die arbeten, einer hitzigern suese genisen in Christo dann etwan die andern, die eins bessern stands sein, von dennen bald hernach gesagt wirdet.
Lauchert, Merswin (
els.
,
1352
/
70
):
er seite mir ŏch von gar vil krv́ter vnd von gar vil steinnen, vnd wie ein iegeliches genatúret were.
Er seite mir ŏch des himels lŏf, vnd seite mir wie es in dem himelriche gestalt were.
Rohland, Schäden
555
(
nalem.
/
schwäb.
,
1400
/
33
):
diß cappittel seit von alten schaden vnd uß bruchen der glyder zuͦ heiln.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 11, 32
([
Augsb.
]
1548
):
Antwortet das Pferd / wie die welt anderen lohne / das wisse es nit / Aber wie es im gehe / und was es für danck verdient habe [...] davon wisse es wol zu sagen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
von den würzen werd wir her nâch sagend.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
205, 1
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Darnach will ich sagen von wesunder hilff als vor ist verhaissen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
6, 13
(
tir.
,
1464
):
Die [epistel Eusebi] sët, wie man sich halten sol in dem leben.
J. W. von Cube. Hortus
81, 8
;
Mathesius, Passionale ;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
142, 1
;
Pfeiffer, a. a. O. ; ;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
6, 17
;
51, 19
.
7.
›etw. Gehörtes (z. B. ein Gerücht, eine Neuigkeit) glauben, für wahr halten und dieses ohne Prüfung des Ursprungs oder des Wahrheitsgehaltes weitererzählen, kolportieren, verbreiten‹; bringt die Meinung einer unspezifischen Allgemeinheit, die durch
wer, man, sie, die leute
o. Ä. bezeichnet wird, zum Ausdruck; auch in passivischen Verbalkonstruktionen ohne explizites Subjekt (›es wird gesagt‹); ›über einen Bezugsgegenstand (ein Ereignis, eine Person, einen Sachverhalt) in der sozialen Öffentlichkeit (implizit oder explizit moralisierend, wertend, häufig abwertend) reden‹; dem Wahrheitsgehalt des Geäußerten misst der Sprecher in der Regel keine besondere Bedeutung bei; gelegentlich erfolgt eine implizite Distanzierung.
Phraseme:
etw. sagen hören
›etw. aufschnappen, irgendwo mitbekommen‹; ˹
man sagt, sie / etliche, die leute sagen
˺ ›es heißt, es geht das Gerücht‹ (markiert einen unverbürgten Wissensgehalt);
nach sagenden dingen
›nach dem, was man sich (über etw. / jn.) erzählt‹.
Gegensätze:
1; 2.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
Ich hoͤre auch sagen, man habe tzuͦ Rom dem koͤnige von Engellandt eyn tittel tzuͦ lohn geben, das er soll ,defensor Ecclesie‘ heyssen.
Ebd. (
1531
):
Also saget man itzt auch: wen der Bapst felt, so wirdt Deutschlandt undtergehen.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
der keiser were, | van Constantinopolim Constantin, | malait, der leive here sin. | hei hedde gehoirt wirlichen saigen: | wolde hei [Silvester], hei moicht it wail verjagen.
Ebd. (
Köln
1499
):
Vñ
[die Sintflut]
hait gehat
[›dauerte‹]
Nae dẽ gemeynen sagen. MMcc. jair.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1050
(
mrhein.
,
um 1335
):
ich [pylatus] solle vwern kunig irhenken, | dez hant ir vmmer schande, | swo man ez saget in dem lande.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
165, 8
(
rhfrk.
,
um 1435
):
vnd grussent mir sere Nymo von Beyern / vnd Otgar von Dannemarck. Wie wol ich sye nit han gesehen / so han ich doch viel gudes von yne gehort sagen.
Karnein, Salm. u. Morolf
121, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
da begeinte ir der heidensche spilman. | nach sagenden dingen | erkante er die frauwe wol getan.
Gille u. a., M. Beheim
77, 36
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Moises da hies tragen | Van yedm geslecht Israhel | ein gertn in das tabernakel. | der worn czwelff, hor ich sagen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
14. Jh.
):
das men also gerne nuwe mere seit, was die und die und der und der seit und tuͦt, so sint es alles affechtige bilde.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 304, 10
(
Hagenau
1534
):
man sagt vil ynn einem sommer langen tage / ich glaub es nicht.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Jch weiß noch me dan hundert man, | Die auch ein anschlag haben gethon, | So bald sich einer herfür treit, | Der nur ein wort von dem Luther seit.
Anderson u. a., Flugschrr.
14, 10, 3
(
Straßb.
1524
):
es sol niemant in den würtßheüserẽ [...] võ Luterischen / oder neüwen sachen nichts reden / sagen / noch disputieren.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
dü magtt | Von der man alle tugende sagtt.
Nichtt mochte im krenken den mütt, | Saitt man von dem fürsten gütt, | Won daz er hette ain böses wib, | [...] | Als man noch geschriben saitt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Man Sagt. Fama est.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Das allman sagt / ist gern war.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch. (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Den verjagt nach sagunden dingen die minne so ser in ir necz, uncz er allen seinen sin darnach wendet, wie er daz ze weg precht, daz im die minnichleich wurd gegeben.
Weber, Füetrer. Poyt.
165, 4
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Diß hort im lanndt sagen der künig reich.
Bauer, Imitatio Haller
89, 8
(
tir.
,
1466
):
Du solt dich cziehen von den vbrigen worten vnd [...] solt dich hueten von den neüen frömden dingen, die man sagen ist.
Moscouia
C 1v, 46
(
Wien
1557
):
ist er [...] wider in verwarung oder gefengknuß genumen worden / etliche sagen / er sey erhungert.
Kurz, Waldis. Esopus ; ; ;
Goedeke, P. Gengenb. ;
Asmussen, Buch d. 7 Grade
2023
;
Sappler, H. Kaufringer
23, 54
.
8.
›etw. behaupten, auf der Basis von Vermutungen, Hypothesen äußern, in Umlauf bringen‹; mit Betonung der aus Sicht des Sprechers mangelnden moralischen Integrität, die die (potentiell rufschädigende bzw. ehrverletzende) Öffentlichmachung und Weitergabe falscher Sachverhalte, Werturteile verrät: ›Lügen über jn. / etw. verbreiten‹; mit Objekt der Person: ›jm. etw. nachsagen; jn. verleumden‹; speziell im Zusammenhang mit heidnischen, vom Sprecher mit Aberglauben und Teufelswerk in Verbindung gebrachten Wahrsagepraktiken: ›Zukünftiges vorhersagen, wahrsagen‹.
Phraseme:
sagende träume
›(unzuverlässige) Traumvisionen‹;
böses sagen
(subst.) ›üble Nachrede‹;
die schuld auf jn. sagen
›jm. die Schuld zuschieben‹.
Syntagmen:
j
. (z. B.
der türke, die astronomi / ketzer / leute / priester / wiedersacher
)
etw. s
.,
etw. auf jn., von jm. s
.,
j. s., das [...]
,
j. s
. [+ indirekte Rede]; subst.:
das sagen des sones
.
Wortbildungen:
1
sager
2 ›Schwätzer‹; auch: ›Verleumder‹ (dazu bdv.: 1,
1
1).

Belegblock:

Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
swere daz seit, der sprichet wedder recht.
Man sait, daz vorsten vnde borge dicheinen vrede mogen han, den man an in gebrechen moge. [...]. des ne ist nicht.
Luther, WA (
1520
/
1
):
Ich sage nit, das ich einn prophet sey, ich sag aber, das yhnen szo viel mehr zufurchten ist, ich sey einer.
Ebd. (
1531
):
Wirdt nun ein krieg, ein Zerstorung oder verwuͤstung und unrath draus, so ists ihr eigen schuldt [...]. Aber darnach sagen sie die schuldt auf uns. Also legtens die Juden auch auf die Aposteln.
Leman, Kulm. Recht (
Thorn
1584
):
ab der vatir von des sones sagen grosen schaden genomen hat. das ist also gesprochen. ab her synen lyp adir syn gut vorroten hat.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1238
(
mrhein.
,
um 1335
):
[Pilatus befürchtet,]
daz sie
[die Jünger Jesu]
bi nath do hine gan | vnd in von dannen dragen, | vnd danne die lude sagen, | er si von dem dode irstanden.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
20, 14
(
Frankf./M.
1563
):
die Aruspicina / das ist / die weissagung deren die auß dem eingeweid der Thieren zuͦkuͤnfftige ding sagen.
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
Dann wo man sagen vnd vermeinen wolt, daß die zeit vbel angelegt, welche zu erhaltung vnd erfahrung der puren vnd Natürlichen art vnd wort einer sprach, gebraucht wirdt [...].
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
wann diese keine Hexe wehre (sagen sie) so koͤnte sie so bered nicht sein.
Palm, Veter Buoch (
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Ist dir leit, das man vbele von dir sait, so rede von nimande vbele.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
403, 2
(
els.
,
1362
):
Do sprochent sú: ,[...] dir sol aber niemer guͦt beschehen, wenne dú lugest alles das du seist.‘
Roloff, Brant. Tsp.
955
(
Straßb.
1554
):
Warlich ich kan es glauben nit | Das unser Priester sagen diß zeit | Von diser frawen / dann sie ist | So züchtig gewesen allzeit.
Ebd.
1235
:
Du seist mir das ich nit glauben kan | Ich weiß das ich ein fromm weib han.
Enders, Eberlin ([
Basel
1521
]):
Welcher seit, das die pfaffen nit soͤllen vnderworffen sin vß dem gesatz gottes den layen in zeitlichen dingen zuͦ straff vnd vrthail, der irret.
Maaler (
Zürich
1561
):
Sag nit das es meiner liederligkeit schuld seye.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1513
):
dergleichen hat sie ein crucifix gehabt, welches sie bluͦtig gemacht, und gesait, es hett also geschwitzt bluͦt.
Jaspers, St. v. Landskron
39v, 18
(
Augsb.
1484
):
Es verbeüt auch alle gotscheltung. abgoͤttereÿ. zaubereÿ. lapperey. von sagẽdẽ trawmẽ. anschlegẽ. künfftige ding vor sagẽ vñ alle geselschafft [...] mit dẽ boͤsen geistẽ.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
[Stellenkommentar zum Wort
Sagt
]
Merck das das wort sagt nit gesetzt wirt von den wysen. wann so man etwas ertzelen will das ainer gesagt hat das villycht nit war ist. oder erdicht [...]. so spricht man mit oͤpperscher geberd er sagt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Pei dem visch [merspinn] verstêt man die läut, die leihticleich ir ôren naigent zuo pœsem sagen von dem næhsten.
Ebd. :
dû scholt niht leihticleich allen redærn und sagern gelauben.
Niewöhner, Teichner
690, 9
(
moobd.
,
3. V. 15. Jh.
):
wenn ein man ist tugent vol | [...] | so mus er erst inforchten stan | vor den ungetrewen sagaͤrn | die da haissent lugnaͤr.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
solch leut [...] sein pesessen von got, müessen bei iren sinnen nit mêr sein, müessen abreden und sagen, was got wöll.
Gropper. Gegenw. ;
Rosenthal. Bedencken
20, 4
;
Sudhoff, Paracelsus ;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Vgl. ferner s. v. 11.
9.
›etw. vor einer richterlichen oder einer mit vergleichbarer Autorität ausgestatteten Instanz (z. B. vor einem Ehemann, vor dem Leser, auch: vor Gott) aussagen, bezeugen, bestätigen, verbindlich erklären‹; speziell: aus der Perspektive des Klägers bzw. der Offensive: ›gegen jn. aussagen‹; aus der Perspektive des Beklagten bzw. der Defensive: ›etw. zur Verteidigung vorbringen, sich rechtfertigen‹; ›etw. bekennen, zugeben, gestehen‹.
Gehäuft Rechtstexte und Historiographie.
Phraseme:
sein gewissen sagen
›nach bestem Wissen und Gewissen aussagen‹;
kundschaft / zeugnis (für / über jn. / etw.) sagen
›eine Zeugenaussage machen, Rechtsauskunft erteilen‹ (häufig; vgl. ff.; 11, 1417ff.).
Syntagmen:
j. s
. (absolut);
j. etw
. (z. B.
eine missetat
)
s
.,
etw
. [wie] (z. B.
einmündig / recht, auf js. eid, auf js. treue
), [wovon] (z. B.
von sich, von hören, von einem waren wissen
), [wo] (z. B.
vor dem recht, vor dem herren
)
s
.;
etw
. (Subj., z. B.
der anbotbrief / brief / gerichtbrief
)
etw. s
.;
j
. (z. B.
bauern / edelleute / schöffen
)
um etw. s
.,
j. über / wieder jn. s
.
Wortbildungen:
1
sager
3 ›Angeklagter‹,
sagung
2 ›Aussage‹ (a. 1359).

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
126, 10
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Sage faste widder die konnigynne / das man sye verborne
(auch zu 4 stellbar).
v. Keller, Amadis (
Frankf.
1571
):
Müste man auch bekennen vnd sagen, daß alle zeit, so zu lesung vieler andern guten Bücher [...] verwendt wirdt, gleichermassen ohne deß Lesers nutzen vnd frucht leer abgienge.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim. (
Frankf./M.
1649
):
so kann ich nachmahls nicht sehen / wie man ohne Abbruch der dialectica sagen
[dies zu 4]
koͤnne / daß je geringer die Glaubhafftigk: deß Sagers seye / je groͤsser vnnd mehr man darauff geben solle.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
20, 2
(
thür.
,
1474
):
sunder Walter darnach vorgetrettin ist nach erkennteniß eynes ratis unde gesaget unde gesprochen: „Dy worth, dy ich dir zcugesaget habe, darane habe ich dir unrecht getan [...]“.
Ebd.
303, 26
:
daz dyselbin zcwen manne von sich sagen unde bekennen, daz sy [...].
Skála, Egerer Urgichtenb.
85, 1
(
nwböhm.
,
1571
):
Item Sager habe diese Thadt
[einen Mord im Affekt]
Nit lenger dan diesen Tag Inn Sin gehabt.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
123, 24
(
nobd.
,
1392
):
Peter Weinkneht und H(einrich) Pukkenhofer haben gesagt, daz H(einrich) Lozzer im Sundergew den Bischof erstochen hab.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
Wie Zeugen sagen sollen. Jtem der zeugen sage, die allein von frembden hoͤren sagen, sollen nit fur gnugsam geacht werden.
Ders. u. a., Peinl. GO Karls V. (o. O.
1532
):
so ein Missethat zum wenigistenn mit zweien oder dreienn glauphafftigenn guten zeugen, die vonn einem warenn wissen sagen, bewisen würdt.
Chron. Strassb. (
els.
,
1362
):
das viere oder drie erbere manne [...] vor in
[vor dem Rat]
sagent, daz derselbe man
[der als
schöffel
kandidiert]
ein erber biderbe unversprochen man si ane alle geverde.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
vatter vñ muͦtter moͤgen nit kuntschafft sagẽ weder für ire kind noch wider sy.
Stammler, Berner Weltger.
336
(
ohalem.
,
1465
):
Das wil er [gott] ab dem sünder klagen. | Was wil den der sünder sagen?
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1368
):
als der brief seit den wir von unserm genedigen herren keiser Karln darumb inhaben.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
Do schicht man gen Mengingen nach dem richter, derselbig machet sy reden und sagen. Der alt bekennet etlich dyebstal [...].
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. (
schwäb.
,
1558
):
so man zeugen stellt und dieselbigen sagen nur von heren sagen, haben de sach nit aigentlich wissen [...].
Bischoff, Steir. Landr. (
m/soobd.
, Hs.
16. Jh.
):
Diese muessen iedlicher ainen aydt schwören vnd nach dem aydt sein gewissen sagen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
158, 6
(
mslow. inseldt.
,
1625
):
śeint aber diśe mobilia [...] auf papier Verzeüchnet dem Gericht Vbergeben worden J
. [der Beklagte]
śagt er habe keine wiśśenśchafft drumb [...]. A
[der Kläger]
replicirt das [...].
Grosch u. a., a. a. O.
268, 39
;
Struck, Marienst. Wetzlar
570, 55
;
Roloff, Brant. Tsp.
681
;
Vock u. a., Urk. Nördl.
2570
;
Bastian, Runtingerb.
2, 124, 9
;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Staub, Qu. Wien ;
Skála, a. a. O.
44, 1
;
45, 3
;
Rot
288
;
10.
›über einen religiösen Bezugsgegenstand reden‹; im Einzelnen: ›eine verborgene Wahrheit offenbaren‹ (von Gott, Christus, auch vom
evangelium
, von der
schrift
als Rede Gottes gesagt); ›ein heilsgeschichtliches Ereignis voraussagen, prophezeien‹ (von Gott bzw. durch ihn autorisierte Sprecherinstanzen gesagt); ›ein heilsgeschichtliches Ereignis verkünden, bezeugen‹ (von metaphysischen Instanzen, z. B. Engeln, gesagt); ›Gott und sein heilsgeschichtliches Walten lobpreisen, künden‹ (von gläubigen Personen sowie von biblischen Sprecherinstanzen, z. B. dem
ich
der Psalmen, gesagt); ›von einer Glaubenstatsache Zeugnisbericht geben‹ (von biblischen Autoren und ihren Schriften gesagt); ›einen religiösen Bezugsgegenstand in Predigt, Lehre und Katechese vermitteln, jm. nahebringen‹ (von Personen gesagt, die ihre Legitimation durch ihre von der Kirche als orthodox anerkannten Schriften, durch ihr kirchliches Amt oder durch ihre Berufung zu einem religiösen Leben erhalten, z. B. Kirchenväter, Priester, Mönche, Seelsorger u. Ä.).
Überwiegend Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Phraseme:
von got sagen und singen
›Gottes Lob (mit Emphase) verkünden‹.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
j. (jm.) etw
. (z. B.
den weg der warheit, das lob gottes, das wort des heiligen evangeliums, ein wort von dem opfer, alle wunder, zukünftige dinge
)
s., die engel
(Subj.)
von dem kind s., die stimme
(Subj.)
etw. s
.,
die himmel
(Subj.)
gottes gewalt, die sternlebsen die heimlichkeit der sterne s., j. jm. s., das [...], jm. s
. [+ direkte Rede];
j. von der schrift, von dem waren klausenleben s., das evangelium
(Subj.)
von götlicher klarheit, die schrift
(Subj.)
von e. S. nicht s
.,
j
. [wie] (z. B.
offenlich
)
von e. S. s
.

Belegblock:

Schade, Sat. u. Pasqu. (o. O.
1525
):
Edelman. [...] künden die pauren denn auch von schrift sagen? Münch. Wie sagen? ich mein, sie künden von der schrift reden. sie sind mir zu geschickt, wo ich hin komm.
Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
er [Nicodemus] kam nahtes zu Criste | und fraget en tougenliche, | wie er daz himelriche | erworbe in disem lebene. | Got sagete imz vil ebene | und wist en uf die toufe.
Luther, WA (
1519
/
20
):
Dan hernach, da der priester yn der stil meß die gesegnet hostien und kilch empor hebt, sagt er kein wort von dem opffer, da er doch am meysten sagen und gedencken solt des opffers.
Ebd. (
1519
/
21
):
Regnum Christi ist allein im worth und im glawben, der dem worth anhengt. Darumb ist es ein groß ding. Es horens wol viel, wenig aber durffens sagen und lehren.
Auch ist hierauß offenbar, was da sey das Euangelium, und wovon es sage: [...] Es sagt nit mehr, denn von gottlicher klarheyt, ehre und rhum.
Ebd. (
1523
):
Weyb, ich [Jhesus] sage dyr, es kompt die tzeytt, das yhr widder auff dißem berge noch tzu Jerusalem werdet den vatter anbeten.
Ebd. (
1522
):
Warlich ich [Jhesus] sage euch, wer nicht das reich gottis nympt wie eyn kindlin, der wirtt nicht hyneyn komen.
Ebd. (
1543
):
Von Himel kam der Engel schar, | Erschein den Hirten offenbar, | Sie sagten jn, Ein Kindlein zart, | Das ligt dort in der Krippen hart.
Dubizmay, kurß zu Teutze
9, 11
(
hess.
,
1463
):
Die hymel sagen gots | gewalt vnd seynner | hende werck kunden sye.
Froning, Alsf. Passionssp. (
ohess.
,
1501ff.
):
uns kan auch nymmants dovon brengen! | mer woln von em [Jhesu] sagen und singen!
Eggers, Psalter
13, 16
(
thür.
,
1378
):
ich sal sagen alle dine wundir.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
ich sage ûch daz got mechtic ist von disen steinen irweckin die sune Abrahâmis.
Sermon Thauleri
10vb, 7
(
Leipzig
1498
):
do kã er teglich gen ierusalẽ. vñ weiset vñ leret do die iuden. vñ saget yn dẽ wegk dʼ warheit.
Gille u. a., M. Beheim
32, 43
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Es wirt an ir [Maria] | erfullet schir, | das ir ist gsaget.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
116
(
Nürnb.
1517
):
Die schrift sagen, das viererlei seelen sein, die Christus ,mit vertreulicher lieb‘ liebet.
Roloff, Brant. Tsp.
1738
(
Straßb.
1554
):
Das mein Herr sich also hatt bekert / | Vor moͤcht er Gotts gewalt nit vertragen | Yetz thuͦt er offlich davon sagen.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
132, 2
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
unsere frowen redelichen brüevet, daz si ufenphangen si mit dem libe in den himele, daz doch die schrift niht enseit.
Klein, Oswald
13, 28
(
oobd.
,
1416
?):
Wer ist die ros an doren, | do von man list und sagt.
Wolf, Norm im sp. Ma.
30, 12
(
oobd.
,
1486
):
Sy sullen jn [eefrauen] sagen das wart des heiligen ewangelij, das sy gen vnd verkauffen alles, das yr ist.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
14, 21
(
noobd.
,
1347
/
50
):
als der munt und die lebsen sagen, waz in dem hertzen verporgen ist, also saget die sternlebs der stern haimleichait.
ders. Hl. Schrifft.
Mt. 4, 17
;
Offb. 3, 14
;
Feudel, Evangelistar
110, 16
;
Palm, Veter Buoch ;
Langen, Myst. Leben
185, 1
;
Sermon Thauleri
8vb, 1
;
10rb, 24
;
Heydn. maister
32r, 4
;
Kummer, Erlauer Sp. ;
11.
›jn. / etw. nennen, heißen, als etw. bezeichnen‹; ›jm. / e. S. / sich (meist: durch eine Bezeichnung) eine (neue) Eigenschaft zusprechen, zuschreiben‹ (teils auch im Sinne eines deklarativen Sprechakts, der eine andere Seinsrealität schafft); ›etw. (meist: durch einen Namen, eine Bezeichnung) von jm. / über jn. aussagen‹; speziell: ›etw. herbeireden, beschreien‹.
Bedeutungsverwandte:
2, 1; vgl. (V.) 2, 2, 1, 5.
Syntagmen
(oft, vor allem in Rechtskontexten, ansatzweise phrasematisiert):
jn. selig sagen
›jn. seligpreisen‹;
jn. (auf recht) sicher sagen
›jm. etw. versprechen, eine (verbindliche) Zusicherung geben‹;
jn. / sich unschuldig sagen
›jn. / sich für unschuldig erklären‹;
etw. für gewis sagen
›etw. als Wahrheit anerkennen, zur Wahrheit erklären‹;
jn. zu wandel sagen
›jn. zu einer Wiedergutmachung verpflichten‹;
jn
. (Pl.)
zu schädlichen leuten sagen
›eine Gruppe von Personen zu Gesetzesbrechern erklären‹;
jn. frei / ledig / los / quit sagen
›jn. freisprechen, von einer Verpflichtung entbinden‹ (vgl. 3, , Adj., 4, );
jm
. ˹
son / scharbube, hure / mutter / taube, getreuer knecht, gemeine metze
˺
s
. (jeweils im Sinne eines ehrenden oder abwertenden Beinamens).
Wortbildungen:
sagung
3 ›Bezeichnung, Äquivalent zu lat.
praedicatio
‹ (dazu bdv.: 6).

Belegblock:

Luther, WA (
1521
/
2
):
Und ist keyn spruch mehr ym newen testament, der von priestern sage
[›der das Wort
priester
verwendet‹],
denn disse drey. Die andern alle nennen Emßers priester nit priester, ßondern Diener.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
193, 38
(
thür.
,
1474
):
als sich dane Michel Hase in syner antwert des mordes unschuldig saget.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
und seite alle man des riches lidig ire manschaft und ire eyde die sü schuldig worent disem keyser.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 323, 19
(
Hagenau
1534
):
Man sagt so lang von eynem ding / biß es geschicht.
Wyss, Luz. Ostersp.
2718
(
Luzern
1583
):
Siner magtt demuͦtt hatt er angsen rechtt. | Drumb sagend mich sälig alle gschlechtt.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1386
):
man gab allen Tütschen tag und sagt si ledig ir fanknüss.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
9, 2
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
in den dingen, die da zesamengesatzt sint von formen unde von der materien, der selber nature wirt niht gesaget
[lat.
praedicatur
]
von den underwurfen.
Ebd.
99, 2
:
Christus ist ein warer got unde ein warer mensche; unde daz ouch durch die warheit der sagunge.
Ebd.
100, 30
:
daz dü ding, dü man von Christo saget, ez si nach der gotlichen naturen oder ez si nach der menschlichen naturen, dü mag man ellü also wol sagen
[lat.
dicere
]
von gotte alse von dem menschen.
Rot
288
(
Augsb.
1571
):
Affirmirn, bestaͤtten / fuͤr gwiß sagen / was einer waiß vnd selbs erfaren hat.
Grosch u. a., a. a. O.
168, 32
;
Morgan u. a., a. a. O.
101, 10
;
13
;
103, 10
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
616
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
164, 21
;
12.
›etw. (mit einem hohen Grad an rechtlicher und / oder sozialer Verbindlichkeit) proklamieren, (öffentlich) bekanntgeben‹; auch: ›jm. etw. (verbindlich) zusagen, versprechen‹; ›jn. (meist: offiziell, in Verbindung mit einer impliziten Handlungsaufforderung oder Handlungsanweisung) über etw. informieren (z. B. über eine Veranstaltung, bei der man zu erscheinen, eine Vorladung, der man Folge zu leisten hat); jm. über einen Sachverhalt Bescheid geben (und ihn damit z. B. auffordern, denselben zu ändern)‹.
Phraseme:
jm. etw. auf seine treue sagen
›jm. etw. glaubwürdig zusichern, versprechen‹.
Wortbildungen:
sagbrief
1 ›Fehdebrief‹.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Ri. 7, 3
(
Wittenb.
1545
):
las nu ausschreien fur den ohren des Volcks vnd sagen
[
Mentel
1466:
predig
;
Eck
1537:
Rede
]
/ Wer blöde vnd verzagt ist / der kere vmb.
Ebd.
Jona 3, 7
:
Vnd [König] lies aus schreien vnd sagen
[
Mentel
1466 /
Eck
1537:
sprach
]
zu Nineue / aus befelh des Königes [...] also.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
587
(
mrhein.
,
um 1335
):
Der meister hat dir heizen sagen, | daz er wolle in disen dagen | daz osterlamb bi dir zeren.
Valli, Baldemann
459
(
rhfrk.
/
nobd.
,
um 1350
):
Daz sag in, frunt, mit worten scharf, | Dar noch ir keyner sprechen darf: | „Het man mirz vor gesagit, | [...].“
Köbler, Ref. Wormbs
26, 11
(
Worms
1499
):
so solle der bot [...] von Rats oder Gerichts wegen zu erkennen geben vnd sagen mit bestymmung der tzyt wan vnd wo er [Burger] erschynen soll.
Dedekind/Scheidt. Grob.
157, 9
(
Worms
1551
):
Was man dir [Vlysses] sag vnd schreyen thuͦ / | So thuͦ als werstu taub darzuͦ.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1506
):
[Am Schluss eines Briefes:]
Sagent mein dienst Steffen Pawmgartner.
Roloff, Brant. Tsp.
1325
(
Straßb.
1554
):
Du solt unserm Herren sagen eben | Das wir woͤllen der geschrifft geleben.
Bernoulli, Basler Chron. (
alem.
,
1448
):
uff samstag darnach hand sy vil geschirre, so win und korn uns zufuͤren woltent, getrenget gen Rinfelden ze faren. Uff sunnentag darnach hand sy uns erst ir sagbriefe geschickt.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Zuͦletst, nach zweier jaren anfaͤchtung, sagt ein stat Bern [...], si woͤlte ires teils fri und mit niemand verbunden sin.
Wiessner, Wittenw. Ring.
5205
(
ohalem.
,
1400
/
8
):
Das sag uns auf die treuwe dein: | So gib ich dir die tochter mein!
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
Darauf haben die burgermaister ainen rat [...] bei ainem gulden auf 5 uhr bieten und sagen lassen.
haben die stubenmaister der Herrenstuben den 20 und der geselschaft derselben stuben sagen lassen, wie dann der gebrauch ist, auf die stuben zekomen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
738, 33
;
Siegel u. a., Salzb. Taid. ;
13.
›jm. etw. ermahnend vorhalten, vorwerfen‹; ›jn. (bezüglich e. S.) zur Rede stellen, zurechtweisen‹; ›js. Handlungsweise kritisieren, anprangern‹.
Phraseme:
jm. (etw.) zum haus sagen
›jm. heimleuchten, jn. scharf zurechtweisen‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1520
/
1
):
Das nu dem Bapst niemand oder wenig leuth solch seyn grewel haben duͤrffen sagen, ist nit wunder, denn es vorkundigt ist, er werd alle die vorprennen lassen, die yhm widder streben.
alßbald werdet yhr finden eyne Esellynne angepunden [...], loͤßet sie auff und bringt myr sie, und ßo euch yemand wirtt ettwas sagen, ßo sprecht, yhr herre bedarff yhr.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
yr habet sie auch in yrem ampte nicht frie gelasszen, zu verslahene nach yrem eyde, sundern yn hertlich und scherfflich yn yr vorslahen gesagt.
Adrian, Saelden Hort
307
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
waz hohfart tuͦt, daz waistu baz | denn ich dir sagen welle. | si sendet dir ze helle.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
do kam er tegelich zuͤ Jherusalem in und schalt do und stroffete do und seite do den juden iren bresten.
Bächtold, N. Manuel. Barb.
184, 1400
(
Zürich
1526
):
Wo sind ir nun mit der weltwisheit? | Ich mein, es si üch zum hus gseit.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
17, 3
(
mslow. inseldt.
,
1512
):
Solch gePett iśt ihm von einem Erbaren Ratth auf der Schemnitz abgeśchlagen, vnnd geśaget, das ihn śolches nit Zieret Zue thuen.
14.
›jm. etw. befehlen, gebieten; jn. nachdrücklich zu etw. auffordern‹; ›etw. vorschreiben, vorsehen, verlangen‹ (oft von Rechtstexten gesagt).
Bedeutungsverwandte:
3, ; vgl. 2, 3, 14, (V.) 1,
1
2, 7, (V.) 5, (V.) 3, (V.) 3, 4, 3, (V.) 2,
1
5, 6.
Wortbildungen:
sagbrief
2 ›schriftliche Verfügung, Anordnung‹.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe (
Wolfenb.
1593
):
Ich habe gesagt, Du solst ins Haus gehen, vnnd mein Kufer holen.
Luther, WA (
1518
):
Lucas schreibt, das Christus erstlich hat den Sarg angeruͤret, und darnach, Ich sage oder gebiete dir, O Juͤngling, stehe auff, das muste mit einem gebot geschehen.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
Jhêsus antworte und sagite
[
Luther
1545:
sprach zu
]
en: „Gêt und botschaftet [...]“.
Kisch, Leipz. Schöffenspr. (
osächs.
,
1523
/
4
):
ap der bruder keinen sagbrief zu dem erbzins und -gutern haben solle vor den schwestern.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1378
):
do beschluzzen die von Rottenburg ir stat und santen haimlich gen Dinckelspüchel umb hilf, die in auch bald chom als der stet pund sagt.
Sappler, H. Kaufringer
14, 157
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wachter, guoter man, | sag der edlen frawen dein, | das si mich lauß pald hinein.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
2, 49, 13
(
oobd.
,
15. Jh.
):
Wann er [hirs] geschossen wirt mit ainem pfeil, so sagt im sein natur, das er das chrawtt suecht vnd kewt das vnd thuet das mit der zungen in die wunden, so vert der pfeyl her aus.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Und verzug dann der
[Schuldner]
[...], und volfürt nicht, swaz das recht geben und gesagt hat, so geit er der stat ze püzz 5 lb dn.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
85, 123
(
tir.
,
1466
):
das ist pilleichen vnd gerecht, das wir das sullen halten, als du [Jesu Kchriste] vns pist sagen vnd gepieten.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
25
(
mslow. inseldt.
,
1504
):
sag ydem [arbetter], doß er yn der Acht(en), oder Sechczehentt(e)n [...] stund anfar(e)n sol, yn dy Grueb.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Winter, Nöst. Weist. .
15.
›Anspruch auf etw. erheben‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. 7, 4, (V.) 1, 11b.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
um 1500
):
Es ist auch unser recht das nimant vor unserm rechten sagen soll umb kain purkrecht, nur der burger ist.