kleid,
das
;
-es/-Ø
(älteres Frnhd.) oder
-er
(späteres Frnhd.).
1.
›Tuch (als Einzelstück) für verschiedene Zwecke‹.
Bedeutungsverwandte:
(
der
2, ; vgl.  2.

Belegblock:

Lindqvist, K. v. Helmsd.
2278
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Den toten lip sÿ nomen | [...] | Und wundent inn in ain wÿs klaid, | Was lin gar von guͦter wat.
Chron. baier. Städte. Regensb.
90,
(
moobd.
,
1528
):
er nam auff 10 pferd, so im kumen sollen, klaider aus, so sy kemen, das dyselben schon gemacht weren.
2.
Kleidungsstück, meist wohl ›Oberkleid, Rock, Mantel‹; auch ›Ornat‹; vielfach (meist im Plur.) Bezeichnung für die gesamte Kleidung; in Rechtstexten Teil des fahrenden Gutes;
vgl.  1.
Bedeutungsverwandte:
 2, ,  1, , .
Phraseme:
das kleid macht den man
.
Syntagmen:
ein k. ablegen / anlegen / anrüren / anziehen / durchspicken / empfangen / flicken / passen / schlitzen / schneiden / tragen / zerreissen, (jm.) ein / das k. abreissen / antun / ausziehen / ordnen / schenken / umwenden / verderben / zerhauen / zulegen, (die) kleider abtauschen / abtun / anhaben / aufkratzen / aufziehen / ausbreiten / ausschütteln / ausstreichen / auswaschen / auswechseln / auswerfen / benutzen / durchstechen / gewinnen / näen / putzen / stelen / verkaufen / versetzen / weihen / wirken / zieren / zurüsten, jm. die kleider nemen; das kleid
(Subj.),
sich an / zu jm. fügen / haften / halten; der kleider bedürfen, sicher sein, blos werden; etw. an einem k. tragen, jn. an den kleidern erkennen, am k. kleben, etw. auf ein k. setzen, jn. mit kleidern aufmutzen / bekleiden, jn. um die kleider betriegen; armes / ausgenuztes / baumwollenes / bestes
(›Sonntagskleid‹)
/ bürgerliches / dünnes / edles / enges / geringes / gestiktes / griechisches / grobes / heidnisches / hochzeitliches / inneres / köstliches / langes / leichtes / oberes / reiches / römisches / sammetenes / schlechtes / verbrämtes / vergoldetes / verschlissenes / weiches / welsches / wollenes / zierliches / zwiefältiges k.
(›doppelt gelegtes Übergewand der alten Griechen und Römer‹),
altfränkische / blutige / bunte / geistliche / goldene / gute / heilige / königliche / leinene / niedere
(›Unterkleid‹)
/ saubere / schöne / seidene / statliche / tägliche / verworfene / warme / weibliche / weite / zerrissene kleider; k. des knappen / knechtes / mannes, k. der frau / mutter, k. der hochzeit, k. eines weibes; k. aus / von purpur / scharlach, mit buntwerk / pelz, von den haren der kamele; schneider der kleider, futter / saum eines kleides.
Wortbildungen:
kleiderampt
›mit der Beschaffung von Kleidern beauftragtes Amt einer Behörde‹ (a. 1591),
kleiderart
›Mode‹,
kleiderbesem
(dazu bdv.: , ),
kleiderbürste
(dazu bdv.: , a. 1615),
kleiderdocke
›aufgeputzte Frau‹ (a. 1644),
kleidergeld
›für Kleiderbeschaffung bestimmtes Geld‹ (a. 1581),
kleidergere
›zur Verzierung einer Kleidung eingesetztes keilförmiges Zeugstück‹,
kleiderhaus
(dazu bdv.: ),
kleiderhocke
›Unterverkäuferin‹ (a. 1485),
kleid(er)hüter
1 ›Schneider, der alte Kleider sammelt und neu macht‹,
kleiderhüter
2 ›Hüter der Kleider e. P.‹,
kleiderkamer
,
kleiderkaste
(dazu bdv.: ),
kleiderkerbesem
(um 1600),
kleiderkiste
(a. 1597),
kleiderknecht
,
kleiderkrämer
,
kleiderlade
(dazu bdv.: ),
kleiderlappe
›schlecht gekleidete Person‹,
kleiderlaus
,
kleidermacher
(dazu bdv.: , ),
kleidermande
›Kleidertruhe‹,
kleidermeid
›Kleiderbewahrerin in einer Badestube‹ (a. 1495),
kleidermotte
,
kleiderordnung
,
kleidersäuberer
,
kleiderschneider
,
kleiderseller
›Kleiderverkäufer‹,
kleidersellersche
,
kleiderstok
,
kleidertracht
(a. 1604),
kleidertruhe
(a. 1622),
kleiderverhüter
,
kleiderverkäufer
,
kleiderversorger
,
kleiderwurm
(dazu bdv.: ),
kleidgehalter
›Ort zur Aufbewahrung und zum Verkauf von Kleidern‹ (dazu bdv.: ),
kleidwarter
.

Belegblock:

Schorer, Sprachposaun
73, 22
(o. O.
1648
):
das Kleid muß fuͤr allen nach des Buͤrgermeisters Tochter Kleidung geschnitten vnd gepasset seyn.
Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
35, 5
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
der son [...] der do was huter der cleidirkamir.
Sattler, Handelsrechn. Dt. Orden
223, 32
(
preuß.
,
1404
):
Tyleman Westvole eyn kleyderseller.
Joachim, Marienb. Tresslerb.
529, 20
(
preuß.
,
1405
):
1/2 m. vor seyfe zu unsers homeysters cleydern zu wassen.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
714, 22
(
preuß.
,
1447
):
eyn kleyn kleiderkasten uffim soller.
Toeppen, Ständetage Preußen
5, 271, 13
(
preuß.
,
1473
):
wie die cleiderselleschen alszo vil newe cleder [...] lysszen machen.
Mieder, Lehmann. Flor.
436, 15
(
Lübeck
1639
):
Der welt Thorheit ist so groß / das man vor einem Kleid den Hut abzeuͤcht / vnd nicht fuͤr der Person / die es traͤgt.
v. Ingen, Zesen Rosenw.
75, 33
(
Hamburg
1646
):
mache dich nicht zu nahe dahin / wo [...] neue kleider=ahrten im schwange gehen.
Buch Weinsb.
5, 454, 21
(
rib.
,
2. H. 16. Jh.
):
do fant man wol ein kleidermande von hultzen ungenodigscher kolen.
Kollnig, Weist. Schriesh.
307, 14
(
rhfrk.
,
1557
):
von leibeigen männer gefallen nach ihrem tot hauptrecht, vom mann das best hauptvieh und von der leybeygen frawen das best kleid.
J. W. von Cube. Hortus
52, 16
(
Mainz
1485
):
Welche menschen vil castaneen rohe essen die gewynnen vil luß an dem lybe vnd auch an den cleydern.
Hertel, UB Magdeb.
3, 370, 9
(
omd.
,
1487
):
welch gast bette, kisten, tische, cleyderstocke [...] wegfuret, der sal [...] geben zwene pfenninge.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
225, 30
(
osächs.
,
1523
/
4
):
so sich dan Benedictus Toppfer [...] verwilligt hat [...] das er sulche cleider [...] zu erkennen wolde und eins gewandes zu cleidern machen, das man erkennen sollde, das alsovil gewandis noch aldo sein solde.
Weise. Jugend-Lust
96, 14
(
Leipzig
1684
):
weil er die Kleider allbereit verwechselt / ist die Vermuthung gewesen / als wenn er unbekannter Weise aus der Insul entweichen wolte.
Ermisch, Freib. Stadtr.
24, 17
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Waz abir ein vrowe gelobit an varnder habe umme kleidere unde umme ir notdurft, da muz der man vor antwerten zu rechte.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
3, 4
(
osächs.
,
1343
):
her Johannes hatte ein clet von den hâren der kamêle.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
170
(
schles. inseldt.
,
1458
):
Wessende ist [...] das sy haben Hannus Welczels eewirtÿnne cleÿder geschaczt vor czw marg.
Mayer, Folz. Meisterl.
20, 67
(
nobd.
,
v. 1496
):
Sie [weiber] wein und lachen wan sie weln | [...] | Wan sie hant kurczen mut und lange cleider.
Reichert, Gesamtausl. Messe
9, 1
(
Nürnb.
um 1480
):
Der priester ist mit heiligen kleidernn angelegt.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
17, 7
(
Straßb.
1650
):
man fragte, ob er ein Bruchschneider, oder Wappenschneider wäre? vnd zur Antwort gab, er wäre ein Schneider der Kleyder.
Rieder, St. Georg. Pred.
327, 17
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Wir sont och an unsrem herren haften alz daz klait an dem mentschen daz klait fuͤget sich zuͦ dem libe.
Roder, Stadtr. Villingen
209, 22
(
önalem.
,
1668
):
Folgt nun klaider-ordnung, warunder begriffen in gemein die mägt, neieren und gemaine burgersdöchter wie auch weiber.
Goedeke, Fischart Flöh Haz/Friden
22
A. (
Straßb.
1594
):
Vom streit der filz mit kleiderleusen.
Welti, Stadtr. Bern
370, 28
(
halem.
,
n. 1437
):
das si [manspersonen] vnderwilen so kurtze cleider von roͤcken vnd menteln getragen haben, das man inen darunder ettwenn vor vnd hinder ir scham wol sechen mochte.
Koller, Ref. Siegmunds
154, 12
(Hs.
um 1474
):
ein priester [...] sol [...] am sontag sein geistlich kleyder mit seinem korrock erberglichen eingan in dye kyrchen.
Barack, Zim. Chron.
178, 25
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
der alt herr [...] bevalch dem hofschneider [...], er solte dem jungen die klaider [...] nit zu clain oder zu kurz machen.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 254, 13
(
schwäb.
,
1546
):
wöllen wür, [...] das dieselbe uns [...] zu bezahlen schuldig sein sollen [...] von einer frauen die böste kuche, auch ihr allerböstets kleid.
Primisser, Suchenwirt
38, 274
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
halt dich, als ain chuͤnig sol, | Mit chuͤnichleichen chlaiden.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
315
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Die milten herren geben czwieueltige chlaider [...] irem hof gesinde.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
11, 27
(
tir.
,
1464
):
verspotteten si in mit ainem weibes klaid zu geleicher weis, als ob er wër ain pöser vnkeüscher man.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
302, 2
;
Große, Schwabensp.
60, 26
;
Struck, Klöster
331, 18
;
Froning, Alsf. Passionssp.
4107
;
Hübner, Buch Daniel
2131
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
17, 4
;
Schaer, Pyr.-Thisbe-Sp. III,
606
;
Gille u. a., M. Beheim
447, 109
;
Dietrich. Summaria
23r, 38
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 707, 29
;
Rieder, Gottesfr.
129, 13
;
Menge, Laufenb. Reg.
3247
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
103, 115
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
591, 19
;
Wiessner, Wittenw. Ring
3910
;
4229
;
Sappler, H. Kaufringer
21, 32
;
Nyberg, Birgittenkl.
2, 158, 46
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 109
;
Klein, Oswald
18, 16
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
198, 34
;
A. à S. Clara. Glori
25, 5
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
81, 39
;
Dasypodius
80r
;
251v
;
332r
;
358v
/359r;
467r
;
483v
;
Alberus Iiv;
Schöpper
87a
;
Maaler
245r
;
Volkmar
67
;
588
;
664
;
Golius
193
;
206
;
Stieler
1, 978
;
Schles. Wb.
2, 668
;
Pfälz. Wb.
4, 293
;
Schwäb. Wb.
4, 470
;
472
;
6, 2318
;
Schweiz. Id.
14, 291
;
Rwb
7, 1076
/7;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 61
;
Bücher, Berufe Frankf.
1914, 70
.
3.
bildlich von Bezugsgrößen unterschiedlicher Art; von der Natur: ›Gestalt‹; von Tieren: ›Fell‹; von Vögeln: ›Federtracht‹; häufig in religiösen Texten, dann: ›Hülle, Gestalt, Erscheinungsform‹;
vgl.  2.
Gewisse Beleghäufung in Texten religiösen Inhalts.
Phraseme:
das rote kleid
in der Sprache der Alchemie: ›farbgebende Substanz des Kupfers‹.
Syntagmen:
das k. hüten; das k. gottes / des menschen, das k. der armut / bekerung / gerechtigkeit / gnade / güte / menschheit / sele / taufe / tödlichkeit, das k. des heils / lebens / lichtes / lobes; das äusserliche / ewige / schlechte k.
Wortbildungen:
kleidhaus
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 274, 4
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Wan güete und gerehticheit ist ein kleit gotes, wan ez bekleidet in.
Ebd.
636, 3
:
Die obersten engel die nement got in sînem kleithûse, ê daz er gekleidet werde mit güete.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
217, 2
(
wmd.
,
1634
):
Erd, vnd Himmel schwartz benachtet, | Stunden in gar braunem kleid.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
95, 28
(
um 1571
, Hs.
1615
):
von dem Menschen soll das alte Khleidt gethan werden, vnd ein Neües an die Stadt angezogen werden, das ist der alte Nattierliche Mensch, soll in vnnß sterben.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
5461
(
omd.
,
1338
)
Ab im [Holtz] versniten wirt sin cleit, | Daz is grunet anderweit | Und daz uz sprizen sine rys.
Ebd.
6058
:
wer [...] vorchtet sin vortrunkenheit | (Wan sy ist gar schentlich cleit), | Der mischet den win zu maze.
Hübner, Buch Daniel
6224
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Aller kunige crone | Truc Alexander gemeit | E im sines lebens cleit | Versniten wart mit vergift.
Strauch, Par. anime int.
103, 20
(
thür.
,
14. Jh.
):
da ist gnade ein cleit der sele alzumale.
Opitz. Poeterey
52, 3
(
Breslau
1624
):
Es trawret selbst das große radt der Sonnen | Vnd huͤllet vmb sich her der wolcken schwartzes kleidt.
Rieder, St. Georg. Pred.
27, 2
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
dis hat er nit gesprochen von dem wissen klaide, daz er im da an leit, er spricht es von dem klaide der tugend.
Warnock, Pred. Paulis
9, 223
(
önalem.
,
1490
/
4
):
so findest du under dem gaischlichen schin ain weltlich hertz und under dem claid der bekerung ain verkert hertz.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2036
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Sus hat Jhesus sin gotthait | Verborgen under menschen klaid.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
145, 31
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
der heilig geist kam nider in einem kleit einer tuben.
Anderson u. a., Flugschrr.
25, 5, 22
([
Augsb.
1522
]):
huͤttent eüch vor den falschen weissagen die zuͦ eüch kõmen in klaider der schauff.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
67, 2
(
München
1528
):
er hat aus lieb von vnnsern wegen angelegt zway schlechte klaid [...]. Das ain klaid ist menschliche todlikhait [...] Das ander klaid ist des prots form vnd gestalt.
Wedler, W. Burley. Liber
6v
(
moobd.
,
v. 1452
):
ich hab gesehen hanen, vaselhüennr, stiglitz [...], die habent naturlich schon claider.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
125, 42
(
tir.
,
1464
):
tu durchleüchtige rose des himlischen paradises, die da vmgeben vnd geziert ist mit mannigfeltigen chlaid der tugent.
Quint, Eckharts Pred.
2, 636, 2
;
Helm, H. v. Hesler. Apok.
4648
;
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
9998
;
Jahr, H. v. Mügeln
321
;
Strauch, a. a. O.
76, 5
;
Asmussen, Buch d.
7
Grade 641;
Steer, Schol. Gnadenl.
2, 52
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
32, 30
;
Barke, Spr. d. Chymie.
1991, 276
.
Vgl. ferner s. v.
1
 1,  1, ,  7, ,  2.