model,
der
(meist), auch
das
sowie
die
;
–/-Ø
(+ Uml.);
zu
mhd.
model
(Lexer
1, 2193
), dies letztlich aus
lat.
modulus
(Kluge/S.
2011, 629
).
1.
›Form unterschiedlicher, meist konkreter, auch z. B. sprachlicher Substanz, nach der einzelne Gegenstände gleichartig bemessen, gebildet, hergestellt und in Verkehr gebracht werden‹; im einzelnen: ›konkrete Hohlform zum Gießen von Gebrauchsgegenständen aller Art, speziell im Bereich des Handwerks und des Geschützwesens‹; ›Eichgefäß‹; ›Muster, nach dem ein Text gestaltet wird‹; auch: ›Menschengestalt Gottes‹.
Bedeutungsverwandte:
 3, , (mehrfach), , ,  4,
2
(s. v.
1
 1),
1
 356, .
Syntagmen:
einen m. brauchen / gewinnen / machen / eichen / pfachten / haben, m. halten, wie [...], mit dem ars einen m. drucken, jm. einen m. antworten, nicht des anderen m. haben
;
etw. auf einem m. schneiden
(z. B.
einen rok
),
aus einem m. giessen
(z. B.
kugeln, einen stier, ein weiblein
),
in modeln aufschöpfen, in die mödel giessen
(z. B.
zin
),
kinder in einem m. giessen
(obszön),
etw. nach einem m. punzinieren
(z. B.
worte
)
/ abmachen
(z. B.
käse
),
über einen m. wirken
(z. B.
ziegel, ein nez
);
der m. metri, versum, der bürger / menschen, der schöpfung, von kupfer, zum kugeln
›zum Gießen von Kugeln‹,
zu büchsen / ziegeln
;
der breite / feine / härene / mitle / neue / ziemliche m
.;
der m. der zauberei, menschen m
.;
büchsen nach einem m
.

Belegblock:

Luther, WA
47, 687, 37
(
1539
):
Es steht also geschriebenn, er [Gott] hats gebawt zum bilde, eim formular und exemplar, wie eine Neterin ein Model hatt. So soll Moses werck nichts anders sein denn ein Model der rechten kirchenn.
Mieder, Lehmann. Flor.
884, 10
(
Lübeck
1639
):
hat sie sich entbloͤst / die Scham gezeigt / vnnd gesagt / sie hab den Model noch / darinn man Kinder giessen koͤnne.
Loesch, Kölner Zunfturk.
1, 101, 18
(
rib.
,
1430
):
van eime dosin der breitster modelen sess wijspenige ind van eime dosin der middel modelen vier wijspenige.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
75, 3
(
Frankf./M.
1568
):
Das Zin mach ich im Feuwer fließn / | Thu darnach in die Moͤdel gießn.
Gille u. a., M. Beheim
120, 3
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
daz er [got] in menschen maͮdel | Ain gancz volkumenlich menschait | geschepfet het oder perait | [...] | Und die an sich genummen.
Ebd.
288, 172
:
Visch | und auch wurm, | furm, | bildung, model, | stodel | der schapfung hie.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
95, 34
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
der model und form geleichen hat man auf der Peunt von eisen und holtz gemacht, dornach die zigler vor der stat die zigel machen sullen.
Bell, G. Hager
597, 3, 11
(
nobd.
,
1609
):
als der man den model drin sehen wase, | Den sie mit dem arsch ge druckt Het, | Sprach er: friss selber an der stet | Dein Butter.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel,
115
(
schwäb.
,
1455
):
Presilien und lasur | Hilff müschen und temperiern | Das ich müg pontziniern | Min wort nauch rechtem model | in dinr genaden rodel.
Schorer, Sprachposaun
74, 8
(o. O.
1648
):
welcher Teuffel hat dir befohlen / auff die Modell [...] den Rock zu schneiden.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
9, 2, 22
(
Straßb.
1466
):
dasselbe [buͦch] haben wir vor eúch gegeben zeuernemen mit dem model metri und versum.
Koppitz, Trojanerkr.
7404
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Der wisse maister Wolfran, | Der valsches model nie gewan.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 439, 13
(
halem.
,
1508
/
16
):
da fundent si das geschüz kostlich zuͦ gerüst mit aller bereitschaft [...], unsaglich vil bli, model und allem züg.
Müller, Nördl. Stadtr.
13, 1
(
schwäb.
,
1380
):
daz alle ziegler [...] kainen ziegelstain schlachen noch machen suͥln denn in der lengin und groͤsse und dikin alz der burger model ist.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 102, 27
(
schwäb.
,
1479
):
das ain yeder dez handwerks die fischnetz uber den model [...] wirk.
Rot
329
(
Augsb.
1571
):
Modus, Maß / weiß vnd brauch / dauon kompt Modl, ein kleine maß vnd form / darnach man etwas abmacht. Als kaͤß moͤdl.
Dirr, Münchner Stadtr.
533, 25
(
moobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Die gesworn habent gesetzt, daz all model, darinn man mawrziegel wurch, gefacht und gericht sein nach dem franmodel.
Niewöhner, Teichner
23, 23
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
chaͤm all dw werlt zu samen geriten, | ayner hiet nicht dez andern model.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 135, 17
(
moobd.
,
1524
):
ain zimlicher modl gemacht, vnd Beschaw darumben gehallten.
Chron. Nürnb.
2, 292, 3
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
718, 14
;
Hauber, UB Heiligkr.
2, 379, 23
;
Zingerle, Inventare
96, 2, 26
;
149, 1, 5
;
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1726
;
1972
;
2355
;
Wopfner, Bauernkr. Tirol
66, 10/18
;
Eckel, Fremdw. Murners.
1978, 134
;
Rwb
9, 815
;
Pfälz. Wb.
4, 1382
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
244
;
Vorarlb. Wb.
2, 437
;
Schweiz. Id.
4, 85
.
Vgl. ferner s. v. .
2.
›einzelnes, nach einem
model
1 angefertigtes Werkstück unterschiedlichster Art‹; als Metonymie zu 1 auffaßbar.

Belegblock:

Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
25, 7
(
Frankf./M.
1568
):
Auch mach ich guͤldin Hauben rein / | [...] | Kuͤnstlich Moͤdel mit hohem fleiß.
Schmoller, Straßb. Tucher- u. Weberzunft
247, 24
(
nalem.
,
1618
):
Als [...] sich etliche meister [...] gelusten lassen, die ausgekratzte flocken [...] anstatt der besten wollen zu den mödlen in die hosen zu geprauchen.
Niewöhner, Teichner
332, 21
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
do ers
[
er
got
]
allez sampt dervolt, | do liez ers in dem model stan | manigew zeit.
3.
›Urbild, Vorbild, reine Seinsform; Schöpfungsplan; ideelles Maß; Rahmen‹; als Ütr. von 1 auffaßbar.
Bedeutungsverwandte:
 1, ; vgl.  2.

Belegblock:

Luther, WA
49, 62, 30
(
1540
):
Iudei meineten, es were die heubtsach, sed es sol allein Exempel und model sein ec. Christus hats beides gehalten, das model und recht werck.
Lappenberg, Fleming. Ged.
21, 225
(
1632
):
O Modul aller Angst! O Exemplar zu dulden!
Koppitz, Trojanerkr.
6788
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
es wer ain wunder | Sölte dich [Paris] murden ain man | Der rechten model nie gewan.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
33, 33
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
der siben man planeten nent, | der ieder seinen lauf volent | in seiner model raiffen
(hier gen. explicativus).
Schweiz. Id.
4, 85
.